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Samstag, 14. März 2020

Armed in her Fashion

Dreifarbiges Cover mit schwarzer Hintergrund und Linien; eine Person steht in betender Haltung in roter Rüstung, weißem Gesicht und Panzerhandschuhen. Im Vordergrund und teilweise überschreibend ist der Buchtitel in weißer Frakturschrift.
Ultima Ratio Mulierem – Der Frauen letzter Ausweg

Wir schreiben das frühe 14. Jahrhundert. Die Schlacht von Cassel ist noch nicht lange her und hat große Teile der männlichen Bevölkerung der Region gekostet, auf die eine oder andere Weise. Dennoch ist Brügge nach wie vor die Handelsmetropole von Europa. Wäre da nicht die Belagerung der Stadt durch Chimären aus der Hölle.

Montag, 13. August 2018

The Wandering Inn

Kann Spuren von Säurefliegen enthalten

In The Wandering Inn folgen wir mehreren Charakteren aus unserer Welt, die ohne Vorwarnung in eine andere Welt versetzt werden. Und mit keiner Vorwarnung meine ich wirklich keinerlei Vorwarnung. So ist beispielsweise die Hauptcharakterin, Erin, auf dem Weg zur Toilette, öffnet die Tür, und steht vor einem Drachen. Sie tut was jeder normale Mensch tun würde, der einem hausgroßen, goldschuppigen, mit armlangen Zähnen besetzten drachenartigen Wesen ins Gesicht schaut – sie rennt kreischend davon. Nach einer nervenaufreibenden und massiv unterdrückten Flucht findet Erin einen heruntergekommenen Gasthof und legt sich in diesen, bloß um aus dem Regen zu kommen.

Andere Charaktere haben weniger aufreibende, aber nichtsdestotrotz gleichermaßen banale Transite.

Und sobald sie in dieser neuen Welt sind, wird es erst richtig interessant. Zuerst folgen wir Erin, wie sie in dieser Welt ankommt und einen Gasthof findet. Dieser steht nicht weit ab von der Stadt Liscor, deren Wehrmauern ein dutzend Meter in die Höhe ragen und von aufrecht laufenden Echsen bewohnt wird, sogenannten Drakes. Diese stellen jedoch bloß die Bevölkerungsmehrheit; es gibt auch noch humanoide Hyänen, Gnolls genannt, sechsarmige, aufrecht laufende Ameisen, ein paar Bestienartige und neuerdings eben noch einen Menschen: Erin.

Als extrovertierte und bewusst fröhliche Person freundet sie sich mit diversen Leuten aus der Stadt an, wie zum Beispiel Relc und Klbkch, ein Drake bzw. Antinum, die beide [Gardisten] in der Stadtwache sind. Sie verkauft ihnen Lasagne, ein Gericht, dass es in dieser Welt noch nicht gab, und ohne welche Erin wahrscheinlich verhungert wäre.

Und als wäre das nicht genug, scheint es auch noch so als könnten Menschen, oder besser gesagt alle vernunftbegabten Lebewesen, sich Level in diversen Jobs verdienen. Man bekommt diese, wenn man eine entsprechende Tätigkeit aufrichtig durchführt. Um [Gastwirt] zu leveln, kümmert man sich um einen Gasthof, als [Rezeptionist] spricht man mit Kunden und hilft diesen an der Rezeption, und wenn man regelmäßig mit Anderen und Monstern kämpft, dann wird man ein [Krieger]. Dabei ist man nicht auf nur einen Beruf eingeschränkt – die nomadischen Gnolls haben zum Beispiel oftmals Level in [Koch], [Kundschafter], [Bogenschätze], etc. Genauso kann man auch in gewissen Maßen aufsteigen oder sich spezialisieren: Ein [Leutnant] kann ein [Oberst] und später ein [General] werden, ein langjähriger [Krieger] kann je nach Waffenvorzug [Schwertkämpfer] oder [Speerkämpfer] werden, und so weiter.

Allgemein ist die Welt sehr ausgebaut, mit mehrere Kontinenten, auf denen noch weit mehr verschiedene Völker leben; es gibt die üblichen Verdächtigen wie Zwerge und Elfen (letztere sind aber seit Jahrtausenden ausgestorben), aber halt auch Drakes, nicht zu verwechseln mit den Echsenleute, Bestienleute, die wie archetypische menschenähnliche Tiere wirken, spanngroße Fraelinge, Dämonen, und so weiter. Die Welt im allgemeinen ist ungemein groß, selbst das kleinste Kontinent spannt tausende Kilometer in alle Richtungen, und überall tummeln sich Monster, natürlichen und unnatürlichen Ursprungs.

Falls also jemand ein Herz für gut ausbaute Welten hat, der wird hier durchaus zufrieden werden.

Übrigens kann man das erste Buch sowie alle anderen auch ohne Geld dafür auszugeben online lesen. Allerdings sollte man gewarnt sein: pirateaba hat innerhalb der zwei Jahre schon über 2.000.000 Worte veröffentlicht, was in etwa dem doppelten der Harry-Potter-Heptalogie entspricht. Jede Woche kommen neue Kapitel raus, die sich mittlerweile in der Größenordnung um 8.000 Wörter bewegen.

Aufgrund der Länge gibt es natürlich sehr viele Charaktere, und auch wenn die Hauptcharakterin Erin ist, so werden immer wieder andere Erzählstränge neu aufgegriffen und weitergeführt.

Und um das mal in Relation zu setzen: ich habe das ganze Buch innerhalb von 3–4 Tagen verschlungen. Und anschließend des Rest der Webnovel, wofür ich dann weitere zwei Wochen gebraucht habe.



Ziemlich gutes Buch, das ich mir trotz kostenloser Verfügbarkeit gekauft habe.

Titel: The Wandering Inn, Volume 1

Autor: pirateaba

Länge: 1100 Seiten (346.000 Wörter, Durchschnittlänge eines Buches von Das Lied von Eis und Feuer)

Sprache: Englisch, einfach bis mittel (hängt teilweise von der Erzählperspektive ab)

Ein Schankraum. Zu sehen sind Nekromant Pisces, Läuferin Ryoka, Skelett Toren, Gardisten Relc und Klbkch, und natürlich Gastwirtin Erin.

Nun noch mal meine persönliche Meinung:
Mir gefällt The Wandering Inn vielleicht so gut, weil die Erin eine sehr normale Person ist, die keine inhärente Kompetenzgranate ist, die alles einfach so wegsmasht. Im Gegenteil; sie hat Probleme und schiebt diese vor sich her, bis sie sich ihnen stellen muss. Sie würde gerne faulenzen, aber packt an, weil sie ansonsten verhungern würde, selbst als Gastwirtin. Während der dunklen Stunden vermisst ihre Freunde und Familie, aber weiß, dass sie erstmal nichts besseres tun kann als zu überleben. Viel zu oft sind LitRPG Charaktere mit ihren Leveln und Grinden oder Mechanik beschäftigt; in dieser Welt hingegen gibt es diese Mechanik seit Jahrtausenden und jeder hat sich damit arrangiert. Runde Level oder Jobspezialisierungen werden gefeiert, jeder hat einen Job und sei es [Bettler], und die Welt wirkt ganz allgemein viel belebter als andere Settings, bei denen die Levels einfach bloß aufgepfropft wurden.

Sonntag, 3. September 2017

Video Game Plotline Tester (Dark Herbalist 1)

Grüne Wiese, im Hintergrund hölzerne Palisaden mit Turm, auf dem ein Ork mit Ballista steht. Im Vordergrund ein kleiner grüner Goblin in Wams, hält ein Netz. Vor ihm liegt ein viel größerer Wolf, verwundet von einem Ballistaspeer. Neben dem blutenden Wolf steht ein anderer, der von einer Waldnymphe geritten wird.
Ein bisschen schwach im Handlungsbogen

Bei diesem LitRPG ist der Name Programm: Amra ist der auf dem Bild zu sehende grüne Zwerg, ein Goblin, und sein Beruf ist die Prüfung von dem weltweiten Megaerfolg Boundless Realms. Zugleich soll er den mehreren hundert Millionen Spielern obskure Rassen und Berufe schmackhaft machen, und aus genau diesem Grund ist neben der ungewöhnlichen Rasse auch noch Kräuterkenner (Herbalist) von Beruf.

Ihm zur Seite ist seine langjährige Gefährtin in Onlinespielen Valerianna. Wenn man die beiden vergleichen würde, dann wäre sie der Kopf, die Strategin, welche die eigentlichen Pläne schmiedet, sowohl für den Erfolg im Spiel, als auch außerhalb, denn Valerianna ist auch seine kleine Schwester.

Und so beginnen die beiden mit ihren Eskapaden in Boundless Realms, lösen Quests, schließen Freundschaften, und haben stets ein Auge darauf, dass Amras Stream interessant genug ist um Zuschauer anzulocken.

Tja, das war es auch schon, sehr viel mehr Handlung ist da nicht vorhanden. Der Leser folgt Amra aus der Ich-Perspektive wie er versucht Geld zu machen, welches er als Angestellter theoretisch gegen bare Münze tauschen kann, da der erste Band aber kaum eine Woche abdeckt, ist es noch nicht so weit gekommen und er ist anderweitig zu Geld gekommen.

Es gibt bei Dark Herbalist einige Merkmale, die ich bei anderen LitRPG noch nicht gesehen habe, wie echte Bugs und Fehler, bei denen das Spiel einen Fehlercode auswirft und NPCs in ihrer aktuellen Situation einfrieren. Da das auch bei heutigen Spielen auftritt, und da Amras Aufgabe genau das Finden solcher Fehler ist, macht dies das Spiel in einer seltsamen Verzerrung der Welt realistischer. So findet Amra zum Beispiel einen NPC, über den man durch eine schleifende Interaktion seine Reputation mit der Siedlung grinden kann.
Außerdem gibt es nicht irgendwelche abgedrehten künstlichen Intelligenzen – das Verhalten von und Gespräche mit NPCs sind zwar freizügiger und ungebundener als in heutigen Spielen, aber es bewegt sich immer noch in Grenzen.

Amra leidet auch nicht vom Protagonistensyndrom, welches ihm alles in den Schoß wirft, weil er etwas besonderes (d.h. der Hauptcharakter) ist. Nein, seine Besonderheiten wie Rasse und Beruf wurden ihm auferlegt, und gewisse Absonderlichkeiten wie Vampirismus haben nicht nur Vorteile, sondern auch einen Haufen Nachteile, welche sie ausgleichen.

Das einzige woran es Dark Herbalist mangelt ist eine Rahmenhandlung. Ja, es gibt einen überspannenden Handlungsbogen, aber der hat in etwa die Reißfestigkeit von Spinnfäden. Aus Amras Sicht hat er natürlich einen Handlungsbogen durchlaufen: er war mit der Miete im Rückstand, wohnte in einer mehr als fragwürdigen Gegend, hatte keinen Job, und keine Freundin. Am Ende des Buches hat sich das alles geändert. Für den Leser aber, oder zumindest für mich, war das entweder zu schnell gelöst, oder der Bogen nicht zu stark gespannt.

Mir ist klar, dass ich damit im Prinzip vom Autor fordere, seinen Hauptcharakter doch bitte mit Protagonistensyndrom zu infizieren, aber das stimmt nicht, nicht vollkommen. Zum Beispiel hätte er dafür entscheiden können, Amras beklemmende Wohnsituation nicht so einfach zu lösen wie er es getan hat.

Hat er aber nicht, und das kreide ich ihm an. Außerdem sehr verwirrend: das Charakterblatt, das ein paar Mal im Buch vorkam, war offensichtlich mittels Bildschirmfoto und Tabellenkalkulation erstellt worden. Wieso das nicht als einfache Tabelle im Text eingebunden war ist mir unbegreiflich.



Solide, aber mehr auch nicht.

Titel: Video Game Plotline Tester (Dark Herbalist 1)

Autor: Michael Atamanow

Sprache: Englisch (normal)

Länge: 563 Seiten (117k Wörter)

Mittwoch, 2. August 2017

An Unwelcome Quest (Magic 2.0, Band 3)

4 Personen umrunden den herausstehenden Abhang eines Berges. Sie sind alle in mittelalterlich-bäuerlich gekleidet, haben aber Schwerter. Im Hintergrund ist eine schwarze Burg. Alles ist im 16-Bit-Ästhetik
Jetzt wird es ernst. Na ja, teilweise.

Im dritten Band von Magic 2.0 werden Phillip und Freunde entführt, ihrer magischen Fähigkeiten beraubt, und müssen eine klassische Quest durchstehen, komplett mit Kämpfen gegen wilde Kreaturen wir Sandwölfe. Oder Klippenwölfe. Oder Waldwölfe. Oder Flusswölfe.

The next wolf somehow attacked from behind, but by this point, Phillip had gotten the hang of waiting for them to leap, then pushing them off the cliff while they were in midair. All the others agreed: you wouldn’t want to mess with Phillip if you were both standing on a cliff. He had become the master of death by shoving.
— An Unwelcome Quest, Kapitel 7

Okay, die Quest ist eher schlecht als recht implementiert, zugegeben, aber wenn man nicht aufpasst, können die Wölfe durchaus gefährlich werden und einen verletzen.

Ich will den Grund für die Quest hier nicht vorwegnehmen, aber wer den vorigen Band gelesen hat, kann sich die verantwortliche Person denken.

Im Verhältnis zu den bisherigen Bänden geht es in An Unwelcome Quest ein bisschen blutiger zu. Glücklicherweise geht das nicht auf Kosten des Humors, den Meyer nach wie vor an erste Stelle gesetzt hat. Alle Charaktere sind leicht schnippisch zueinander, und erlauben sich dumme, aber nachvollziehbar menschliche Fehler.

In the middle of these turbulent hairpin turns, the canyon’s far wall narrowed into a teardrop-shaped spit of land that formed the inner bank of the bend. On this dry, stony outcropping, there was a castle so Gothic it might as well have been wearing black eyeliner.
(…)
Tyler said, “That must be Castle Cragganmore.”
“Are you sure?” Gary asked.
“We’re on the path to Castle Cragganmore,” Tyler explained, “and the path ends at that castle, so unless there’s another smaller castle hiding inside that castle, yeah, I’m pretty sure.”
— An Unwelcome Quest, Kapitel 9


Leider begeht Meyer wieder den gleichen Fehler wie im vorigen Band, d.h. er walzt die Ereignisse vorheriger Bände in einem Maße aus, dass man sie anschließend zumindest aus Neugier nicht mehr zu lesen braucht.

Auch die Motive des Antagonisten fielen relativ banal aus. Ich denke, dass nach drei Bänden und ähnlichen Motiven ich davon ausgehen kann, dass Meyer das entweder nicht besser kann, oder zumindest für Magic 2.0 nicht wertschätzt.



Alles in allem eine gelungene Fortführung. Innerhalb der Reihe gefiel mir der zweite Band allerdings am meisten.

Titel: An Unwelcome Quest (dt. etwa “Eine Unerwünschte Aufgabe”)

Autor: Scott Meyer
Sprecher: Luke Daniels

Sprache: Englisch (einfach-normal)

Länge: 432 Seiten, 115k Wörter

Samstag, 29. Juli 2017

Kritische Fehlschläge | Critical Failures (Caverns and Creatures 1)

Ein schwarzer, 20-seitiger Würfel auf schwarzem Grund ist zu sehen. Die Seite mit der 1 wurde gewürfelt.Ein schwarzer, 20-seitiger Würfel auf schwarzem Grund ist zu sehen. Die Seite mit der 1 wurde gewürfelt.
Du und deine “Freunde” werden in ein Rollenspiel gesogen. Allerdings seid ihr alle ziemlich mies zueinander.

Was machst du, wenn der Spielleiter die Schnauze voll von dir und deinen herablassenden Kumpels hat und dich in die Rolle deiner Charaktere zwingt? Du haust auf den Deckel.

Dann geht der Deckel kaputt, denn das Fass war marode und du bist zum Ellenbogen tief in eingelegten Heringen. So oder so ähnlich kann man sich die Handlung von Critical Failures, auf deutsch Kritische Fehlschläge, vorstellen. Eine Rollenspielrunde wird von ihrem Spielleiter verbannt, und müssen in ihre Charaktere schlüpfen. Zu schade, dass die Zusammensetzung der Charaktere  mehr als verdächtig ist, oder dass der Ork ein Charisma von 4 hat und sich dementsprechend benimmt wie ein besonders undressierter Affe.

Denn die Welt, und die Charaktere, folgen den Spielregeln explizit. Du kannst noch so gute Fähigkeiten haben und wer weiß wie viele Boni, wenn der Charakter ‘schlecht würfelt’, dann wird das Universum wegen finden, diesen Wurf gültig zu machen.

Ein schönes Beispiel hierfür war der Dieb, der sich durchs Gebüsch machte, und m,ehr als sorgfältig darauf achtete, dass keine Zweige oder ähnliches herumlagen, welche ihn verraten würden. Dann tritt er auf einen, und es knackt, und er ist entdeckt. Wieso war da ein Zweig, wo vorher keiner war? Weil der Dieb eine Eins gewürfelt hatte, und das ist ein automatischer Fehlschlag.

Und so muss sich die Gruppe von Spielern durch das ursprünglich bloß in ihrer Fantasie stattfindende Rollenspiel spielen, während der Spielleiter an seinem Tisch sitzt und sich amüsiert.

Falls sich jemand wundert wieso ich keine Namen nenne: Ich habe sie schlichtweg alle vergessen, weil ich das Buch bereits im April gelesen hatte und zu faul bin nach den Namen zu schauen.

Wieso ich es trotzdem hier rezensiere? Weil es unterhaltsam in seiner Abweichung zu vielen Vertretern im LitRPG-Genre war. Die Charaktere, sowohl als Personen sowie innerhalb des Rollenspiels, können sich alle größtenteils nicht so recht leiden und werden bloß durch ihre Spieleabende zusammengehalten. Sie sind keinesfalls Freunde, sondern bestenfalls durch ein gemeinsames Hobby notwendigerweise vermittelte Bekannte. Und diese Dynamik kommt im Buch auch rüber.

Was zugleich auch Kritikpunkt ist. Die Charaktere sind, mit Ausnahme des Neulings, allesamt Arschlöcher, die sich eine Freude daraus machen sich gegenseitig zu beleidigen und aufzuziehen. Ich meine hier nicht das unter Freunden liebevolle beleidigen (Na du Arsch. – Wie geht’s, Wichser?), sondern wirklich verletzende Beleidigungen und Angriffe.

Diese Gruppendynamik verleiht dem Buch dabei das Gefühl, es mit realistischen Charakteren zu tun zu haben, mit Menschen die eher durch Umstände als Freundschaft miteinander Zeit verbringen. Natürlich sollte man sich immer mit Freunden umgeben, aber wer kann schon behaupten mit allen seinen Klassenkameraden oder Arbeitskollegen wirklich gut befreundet zu sein?

Daher diese Rezension, weil sich dieses Buch abseits ausgetretener Pfade bewegt. Vom ersten Band gibt es übrigens eine deutsche Übersetzung, also wer mal reinschnuppern will, kann das auch auf deutsch tun. Dem zu Gute kommt, dass der erste Band an einer guten Stelle endet und man nicht den verzweifelten Drang spürt, den nächsten lesen zu müssen. Ich habe übrigens die englische Variante gelesen, weil ich den Konsum von Literatur im Original vorziehe.



Mal schauen, wie die Charaktere sich in weiteren Bänden entwickeln.

Titel: Kritische Fehlschläge (en: Critical Failures)

Autor: Robert Bevan

Sprache: Deutsch, Englisch

Länge: 312 Seiten (Amazon-Zählung) | 258 Seiten (84k Wörter)

Freitag, 21. Juli 2017

More Than A Game (Fayroll 1)

Im Vordergrund ist das verzierte Heft eines typischen Schwertes; es scheint entweder in einem Laptop zu stecken, oder aus ihm zu kommen. Im Hintergrund wird es klar, dass diese Szene auf dem Dach eines Hochhauses ist.
Was will der Autor eigentlich?

More Than A Game ist die englische Übersetzung des ersten Bandes von Fayroll, einem russischen LitRPG. Leider habe ich keine Ahnung, wohin der Autor mit seiner Geschichte wollte. Aber fangen wir von vorne an.

Ein Journalist bekommt von seinem Chef den Auftrag, einen Artikel über eines der neuen immersiven Spiele zu schreiben. In diesem Sinne wurde von dem Entwickler nicht nur ein kostenloses Abo, sondern auch die notwendige Hardware gesponsert.

Da der Journalist kaum eine andere Wahl hat, stimmt er zu und stolpert durch die ersten paar Level. Er findet Gefallen am Spiel, aber verliert darüber nicht die Realität und seine Verpflichtungen in selbiger aus dem Auge.

Innerhalb des Spiels heißt er Hagen, und während er sich vorarbeitet (er will Krieger werden), trifft er verschiedene Spieler und auch NPCs und stolpert in ein paar Umstände, die ein bisschen weit hergeholt, aber noch plausibel sind. Erst später wird die für das Genre typische Besonderheit des Hauptcharakters etabliert, als er eine versteckte Questreihe losstößt, welche innerhalb des Spiels große Auswirkungen haben kann.

Aufgrund der Beliebtheit des Spiels hat das auch in der Realität leichte Auswirkungen, mit Gerüchten etc, und unerwartetem Zuspruch für Hagens Reihe von Artikeln. Aber so richtig hat er kein Interesse an der Verfolgung dieser Questreihe, insbesondere da er den Großteil seiner Artikel schon geschrieben hat und daher keinen Grund mehr sieht weiterzuspielen.

Das ist im Prinzip das herausstechende Merkmal von More Than A Game, dass das Spiel den Hauptcharakter nicht wirklich kümmert. Er wird von PKlern getötet, aber im Prinzip zuckt er bloß mit der Schulter und spielt weiter. Er verlobt sich mit einem NPC, weil das in dem Moment die schnellste Möglichkeit ist weiterzukommen. Er tritt einem Clan bei, weil es das einfachste ist, ein paar aktuelle Probleme loszuwerden.

Woran es mir fehlt ist zusammenhängende Handlung. Hagen stolpert wie gesagt durch das Spiel ohne ein wirkliches Ziel, was aus seiner Sicht Sinn macht, er soll schließlich mehrere Artikel über das Spiel schreiben und da ist die Versuchung möglichst vieler Aspekte nachvollziehbar, aber aus meiner Sicht als Leser fehlt es einfach an etwas. Ja, es werden Faden für spätere Verwendung aufgespannt, aber die kommen in diesem Band nicht zum Zuge, es gibt einfach keinen konkreten Handlungsbogen.

“Hey, hey, hey,” I cautioned. “Like Spartacus said, let’s figure things out before we get into the arena.”
“Who said what?” asked Gorotul.“
“He was a famous tank,” summarized Gerv, giving an answer obviously informed by bitter experience talking with the half-orc.“
“Why ‘was’?” continued Gorotul.“
“They weren’t able to buff him fast enough before he got into a fight, and he was killed. They even got his account!”
“Oh, come on, that doesn’t happen.” Gorotul pressed on, “What server did he play on?”
I couldn’t help myself. “I heard of him, too. He played on the Italian server. The Roman server, to be exact.”
— More Than A Game, Kapitel 5

Ehrlichgesagt war ich versucht ähnlich wie bei The First Exoplanet einfach Teile zu überspringen, aber dafür hatte Wassilew zu viel pointierten Humor. Dass dieser aber gelegentlich auf Kosten der weiblichen Charaktere ging, und in einem Maße, welches die männlichen nicht genossen, stieß mir übel auf. Generell ist Wassilew, oder besser Hagen, sehr chauvinistisch in seinen Ansichten.

All Petrova knows are the letters on her computer, and sometimes she has problems with those. Just recently, she was looking for the ‘any’ key on her keyboard. She couldn’t find it and spent the whole morning crying.
— More Than A Game, Kapitel 1

Ein interessanter Aspekt waren die Einblicke in das russische Selbstverständnis. Ich lese quasi keine russische Literatur und kam daher nicht umher aus den Darstellungen in More Than A Game auf die generelle Wahrnehmung und das Leben in Russland zu spekulieren. Das ist definitiv ein interessanter Gedanke, zumindest in meinen Augen, was die Darstellung in solcher Genre-Literatur über die Umstände in der russischen Gesellschaft reflektiert und aussagt. Zum Beispiel gibt es nur einen Satz, in dem Hagen davon erzählt, wie er von seinem Vater ein Apartment vererbt bekommen hat, welches bereits der Großvater besaß. Es regt zum Denken an.



Während der erste Band interessant genug war, werde ich den nächsten nicht mehr lesen. Reizt mich einfach nicht.

Titel: More Than A Game

Autor: Andrey Vasilyev (englische Transkription) / Andrei Wassilew (deutsche Transkription)

Sprache: Englisch (nicht alle der russischen kulturhistorischen Anspielungen werden erklärt)

Länge: 327 Seiten, 106k Wörter

Montag, 17. Juli 2017

Off to be a Wizard | Plötzlich Zauberer (Magic 2.0, Band 1)

Die Welt ist eine Simulation und du hast Zugriff auf den Code. Also wirst du Zauberer!

A twenty-something is sitting in front of his computer screen, idly typing, his look focussed on the screen, confused.Was würdest du tun, wenn du eine Datei findest, in der dein Name steht, deine Größe, dein Gewicht, und quasi alles, was es über dich zu wissen gibt, und wenn dieser Abschnitt nicht mehr als ein Fitzelchen in der Datei ausmachen würde?

Martin Banks weiß, was er tut. Er entscheidet sich dafür, sein Leben ein bisschen aufzubessern. Nachdem er in der Datei einen Eintrag für sein Konto gefunden hat, einschließlich des genauen Betrags der gerade darauf war, schreibt er sich eine App mit der er seinen Kontostand um ein paar tausend Dollar erhöhen kann und geht einkaufen.

Nach ein paar Tagen ist seine Wohnung kaum wiederzuerkennen, denn Martin war einkaufen. Er hat sich ein paar weitere Befehle in die App programmiert, einschließlich einer Notfalloption, die ihn zu den Kreidefelsen von Dover befördert, aber im 12. Jahrhundert. Warum ins 12. Jahrhundert? Weil das  nach dem Klappentext eines Amazonartikels die beste Zeit ist, in der man im mittelalterlichen England leben kann. Warum mittelalterliches England? Er spricht die Sprache, und er kann sich mit seiner App als Zauberer ausgeben und gut davon leben.

Two agents are sitting in front of a desk belonging to a twenty-something. Posters are on the wall in the back. The computer on the desk is running. The agents are eating fast food and look surprised over their shoulders, at the twenty-something who’d just appeared out of thin air, frantically tapping at his phone.Als dann zwei Bundesagenten vom Finanzamt vor seiner Tür stehen, und noch ein paar andere Dinge schief laufen, kommt es wie es kommen muss und Martin landet in England, als Zauberer verkleidet, und gibt sich als solcher aus.

Dort angekommen trifft er auf Phillip, einen ‘Zauberer’, den Martin zurechtweisen will. Martin zeigt seine Zauberei, sicher im Gedanken dass Phillip nur Tricks auf Lager hat. Phillips Retourkutsche besteht aus beeindruckenderen Zauberei, nicht Tricks, und Martin wird von einer unsichtbaren Kraft davongeschleudert.

Tja. Wie sich herausstellt ist Martin nicht der Einzige, geschweige denn Erste, der die Datei gefunden hat. Es gibt ganze Zauberergemeinschaften entlang des Zeitstrahls. Mittelalterliches England, viktorianisches England, Bagdad zur Blütezeit des Islam, antikes Atlantis, alles ist besiedelt von Zeitreisenden, die die Datei gefunden haben und aus diversen Gründen ihrer eigenen Zeit entflohen sind.

Soviel zum Setting.

Text: There’s a great deal of fun to be had in discussing books you have read. Left Person: I got the book 'Guns, Germs, and Steel.' Right Person: Wasn’t that published over a decade ago? Left Person: If I felt a deep need for the latest information, I probably wouldn’t be reading books about history, now would I?Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen, was zu großen Teilen an dem Humor liegt. Scott Meyer ist Programmierer, Standup-Comedian, und Autor des Webcomics Basic Instructions. Von daher hat er seine Fähigkeit für Humor bereits seit Jahren trainiert, und das zeigt sich hier. Martins Charakter als starrsinniger und nicht immer durchdenkender Nerd wird amüsant dargestellt, ohne ihn allzu sehr als Trottel dastehen zu lassen.

Leider, aber auch verständlicherweise, wird der Großteil für die Einführung verwendet: Martin ist neu in der Zeit und muss erst die lokale Gemeinschaft kennen lernen, die Gepflogenheiten, und was es heißt ein Zauberer zu sein. Im Verlauf dessen werden verschiedene Punkte gestreut, die zum Ende des Buches für die eigentliche Handlung sorgen.

Bemerkenswert ist die Anerkennung verschiedener Tendenzen, die sich aus dem Setting selbst ergeben. Bereits in den ersten Seiten wird klar, dass nur Leute die Datei finden, die einige spezifische Charaktereigenschaften besitzen. Man muss ein gewisses Interesse an obskuren Verfahren haben, Neugier über Computer, etc, ansonsten kann man die Datei nicht finden. Das spiegelt sich natürlich auch in der Zusammensetzung der Gemeinschaften wieder, die alle durchweg einen hohen Herdfaktor haben.

Auch werden die verschiedenen üblichen Stilmittel gerne auf den Kopf gestellt, was ein persönliches Steckenpferd ist.

Ich habe das Buch größtenteils als englisches Hörbuch konsumiert, und ich muss für Luke Daniels mein Lob aussprechen. Er hat es geschafft Martin als nicht den hellsten Dork darzustellen, der dennoch sein Herz am rechten Fleck hat. Bei einigen von Daniels’ Passagen musste ich anhalten und mich vergewissern, was an der Stelle im Buch stand – nicht, weil es unverständlich war, sondern weil ich neugierig war, was zum Henker Meyer geschrieben hat, dass Daniels es so interpretierte.

Dennoch muss ich eingestehen, dass es von der internen Logik einige fragwürdige Stellen gibt. So sind Zeitreisen offensichtlich möglich, zumindest in die Vergangenheit, und das wird von den Charakteren auch selbst diskutiert, aber es bleiben Fragen offen. Vielleicht werden die ja im zweiten Band geklärt.

Zum deutschen Hörbuch kann ich nichts sagen. Leider hat Amazon für den Reinhören-Abschnitt direkt den Anfang genommen, der leider relativ banal ist und den Humor nicht gut wiedergibt. Spätere Stellen wären besser gewesen.



Empfohlen für alle Nerds, die auch über sich selbst lachen können.

Titel: Off to be a Wizard (en) / Plötzlich Zauberer (de) / Magic 2.0 (en/de)

Autor: Scott Meyer (Sprecher: Luke Daniels (en), Marco Reinbold (de)

Sprache: Englisch (normal), Deutsch

Länge: 386 Seiten, 101k Wörter (en), 114k Wörter (de), 10:45h (en), 12:26h (de)



Da dies mein erstes Buch aus der Reihe “Kindle in Motion” war, will ich das nicht außen vor lassen. Zumindest dieses Buch zeichnete sich durch gelegentliche animierte Illustrationen aus. Ein neckisches Gimmick, da ich aber meine Bücher nicht auf einem Kindle lese, und in diesem Fall quasi ausschließlich das Hörbuch hörte, kann ich nicht sagen wie sich das auf einem Tablet oder dergleichen gestalten würde. Ich kann mir starken Nutzen in Lehrbüchern vorstellen – man denke da zum Beispiel an eine Animation des Blutkreislaufes im Herzen, die wesentlich nachvollziehbarer und einfacher zu verstehen wäre als die Bild-1-2-3-4-Nummerierung in einem regulären Buch. Die Kapitelbilder im Gelaber hier sind Beispiele zur Darstellung.

Dienstag, 6. Mai 2014

The Servant Lord

Weil es den Göttern nicht ganz egal ist

Vorab: Es geht um den zweiten Band aus der Chaos-Gott-Reihe von Aneeka Richins, wovon der erste, The Wanted Child, letztes Jahr rauskam, The Servant Lord dieses Jahr und der nächste Band für das nächste Jahr geplant ist. Wenn du den Ersten also noch nicht gelesen hast: Spoiler.



Ki's Absorption eines weiteren Dämonen hat sie ihre Menschlichkeit gekostet und ihre Seele zerschmettert, aber nicht nicht ihren Willen. Sie hofft nach wie vor, vertraut nach wie vor auf Tavk und ihren Pakt mit dem Chaosgott. Sie wird ihr Happy End bekommen. Sie wird mit ihrer Familie vereint werden. Alles muss, nein, alles wird gut werden!

Aber erst muss sie noch die drei Monate für De's Training nutzen, bis der Held die von den Schwesterngöttinnen Gesegnete Maggie heiraten wird. Wieder und wieder jagt sie ihn durch Übungsszenarien, die ihn mit den Gestürzten Landen vertraut macht, auch wenn sein Training gegen Dämonen noch verbessert werden kann.

Zugleich kann Ki aber De nach wie vor nicht berühren aufgrund des Dämons in ihr. Eingesperrt in einem metaphorischen Gefängnis in ihrem Verstand rüttelt die gestaltgewordene Gier im Verließ und will frei sein. Als es aus Versehen doch zu einer Berührung kommt, fließt De's Energie nicht dem Dämon zu, sondern ruht in Hilfsbereitschaft in Ki's Geist – ein verwirrender und ungewöhnlicher Umstand.

Derweil scheint das Steigende Genie Meoif in seiner Rebellion mit den Göttern Erfolg zu haben. Während sie ihn nicht aus den Steigenden Landen gehen lassen wollen, will er zu seiner verbannten, gottgehassten Tochter und Frau in den Gestürzten Landen. In seinem Zorn und seiner Sturheit hat er Mittel ersonnen, mit denen die Tore zwischen den Landen in Mitleidenschaft genommen werden.

Aufgrund all dieser Faktoren wird die Hochzeit von De mit Maggie vorverlegt, um De etwas von der Macht der Gesegneten Maggie abzugeben. Aber etwas geht schief und Ki bleibt nichts anderes übrig als Hals über Kopf in die Gestürzten Lande zu fliehen…



Im zweiten Band springt die Perspektive zwischen Ki und De hin und her, und oft genug auf eine wundervoll frustrierende und befriedigende Weise. Mehrmals habe ich in mich geflucht, als ein Kapitel spannend endete und erwartete, dass die Erzählung zur jeweils anderen wechseln würde, bloß um dann angenehm überrascht zu werden. 

Wir erfahren mehr von De's Vernarrtheit in seine Rolle als Held, während Maggie als tragische Figur ob ihrer Rolle und Unwissenheit Mitleid seitens des Lesers erfährt. Das macht zwar nicht ihren nervigen Charakter wett, aber es relativiert doch recht stark. 

Persönlich ist es äußerst interessant, dass man De und Ki in einer Art romantischer Beziehung sehen kann, die sie sich aber beide nicht eingestehen, weder gegenüber sich selbst oder irgendwelchen anderen. Zugleich kann man es aber auch als eine der seltenen Freundschaften beschreiben, bei denen man füreinander recht wortwörtlich durch Pech und Schwefel geht, weil man die andere Person einfach so sehr wert schätzt, dass man sie nicht verlieren will, ohne Romantik oder zumindest Sexualität als nennenswert zu betrachten. 

Ich habe ein allgemeines Gefühl, dass Richins mit diesem Buch noch etwas gewachsen ist, die Dialoge wirken zum Beispiel besser geschliffen. 



Ich freue mich schon auf den dritten Band. Leider noch ein Jahr :/

Titel: The Servant Lord (übersetzt: Der Herr der Diener)

Autorin: Aneeka Richins

Länge: 280 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel

Freitag, 2. Mai 2014

The Wanted Child

Weil es den Göttern egal ist

Die Welt ist viergeteilt, und es gibt ihrer drei Pantheons mit je drei Göttern. Die Gestürzten Lande, brachliegend in steter Dämmerung, von Dämonen und Gestürztem Chaos, Tavk, beherrscht; Wohnstatt aller verbannten, sowie der beiden anderen Gestürzten Götter. Die Gemeinsamen Lande, bewohnt von gottlosen Menschen, aber mit Tempeln für einige der neun Götter. Die Schwesterlande, zwanghaft kontrolliert von der Hohen und Tiefen Schwester, mit der machtlosen Schwester Chaos. Die Steigenden Lande, mit den stetig konkurrierenden Hohen Steigenden Gott und Tiefen Steigenden Gott, ein technologisches Paradies.

Ki ist eine Dienerin Gestürzten Chaos', und ihr schelmischer Gott hat ihr gerade einen neuen Auftrag erteilt: Sie soll sich in den gemeinsamen Landen melden und dort ein Kind unterweisen, oder babysitten, weder die Stellenanzeige noch Tavk sind in diesem Aspekt sehr aussagekräftig. Also reist Ki widerwillig durch die Länder-verbindenden Tore in die Gemeinsamen Lande um die Stelle anzunehmen. Weder ist sie dabei mit der Aufgabe – Babysitten! – noch Tavk allzu glücklich. Sie hat mit dem Chaosgott vor vier Jahren einen Pakt geschlossen, so ziemlich die einzige Regel, an die er sich hält, während alle anderen Götter diverse Götterregeln haben, an die sie sich halten und deren Bruch ihren Anhängern den Status Gott-gehasst einbringt (vergleichbar mit dem mittelalterlichen vogelfrei: jeder kann diese Person ohne Strafe töten).

In den Gemeinsamen Landen angekommen stellt sich heraus, dass das „Kind“ der 18-jährige De ist, prophezeiter Held und seines Zeichens Erfinder. Ki soll ihm nicht unbedingt Heldentum lehren, sondern vielmehr das Überleben in den Gestürzten Landen, einem unfruchtbaren und dämonenverseuchten Ort. Seine bisherigen Lehrer waren da eher… einschleimend als effektiv. Ki hingegen ist von der Arbeit zwar nicht gerade angetan, aber kann sich arrangieren. 

Es gibt aber mehr als einen Haken an der Sache: De ist der prophezeite Held, der das Gesuchte Kind töten soll, welches für den drohenden Weltuntergang verantwortlich gemacht wird; es gibt einen Dämon im Haus, der von einem Gott geschützt wird; De's Mutter ist eine Priesterin der Hohen Schwester; und einmal dürft ihr raten, wer das Gesuchte Kind ist…



The Wanted Child ist nominell das Erstlingswerk von Aneeka Richins, aber sie hat bereits mehrere Romane geschrieben, bei denen sie sich wegen selbstbeurteilter unzureichender Qualität gegen eine Veröffentlichung entschieden hat. 
Das merkt man, im positiven Sinne. (Wenn ich dagegen an Ralf Iredi's Schlüssel des Kosmos denke, überkommt mich ein kalter Schauer.)

Die Welt ist gut ausgebaut und in sich schlüssig, die Charaktere sind in vielen Aspekten glaubwürdig und gut abgerundet. Was aber vornehmlich Ki  in meinen Augen etwas unglaubwürdig macht, ist dass sie auf eine elementare Charaktereigenschaft gebaut ist. Ki ist Hartnäckigkeit, Sturheit, Determination in Person, während De wie ein heißblütiger, naiver, abenteuerhungriger Held wirkt. Im Verlauf der Handlung wächst zumindest De, oder bekommt mehr Tiefe, während ich mir bei Ki noch etwas unschlüssig bin. 

Die Erzählung folgt dabei ausschließlich Ki, wenn auch nicht aus der Ich-Perspektive, was zusammen mit Ki's Alter, 15 Jahre, eine Note von Jugendroman bzw. Young Adult à la den Tributen von Panem hinterlässt. Reine Feststellung, keine Bewertung.

Ich bin übrigens über Not A Villain auf Wanted Child gestoßen, und es hat mich ehrlich gesagt nicht enttäuscht. Das Englisch ist gut und lesbar, es kann aber noch gefeilt werden an ein paar Formulierungen.



Gutes Buch, ich freue mich schon auf Richins nächsten Werke. (The Servant Lord habe ich schon.)

Titel: The Wanted Child

Autor: Aneeka Richins

Seiten: 234

Sprache: Englisch, Mittel

Sonntag, 6. April 2014

Saruman of many Devices

Der Herr der Ringe trifft Industrialisierung

Saruman war während des Herrn der Ringe der Einzige, der Innovation betrieb, sei es Sprengpulver oder die Erschaffung der Uruks, Der Rest von Mittelerde befand sich die letzten zwei, drei tausend Jahre in einer mittelalterlichen Stasis mit unveränderten Reiterheeren, Bogenschützen und Infanteristen.

Unglücklicherweise wurde Saruman durch den Palantír verdorben – im Prinzip eine Kristallkugel, mit der man die verschiedenen Teile der Welt beobachten und mit anderen Palantíri kommunizieren kann – denn Sauron umgarnte ihn mit seinem eigenen Palantír.

Aber diese Geschichte ist nicht die vom Herrn der Ringe. In Saruman of many Devices bekommt der Palantír einen Sprung und wird somit auf eine andere Frequenz geeicht, eine an deren anderem Ende sich ein Computer befindet, dessen Aufgabe das Erheben von Zivilisation ist. Doch bevor sich die Menschheit ihre Talente verwirklichen kann, muss sie erst die Gefahr von Sauron überstehen.

In diesem Sinne beginnt Saruman sein Herr und seine Uruks anders aufzubauen, als es im Herrn der Ringe geschah; er treibt die Industrialisierung und Erforschung von Methoden zur Ermächtigung seiner Uruk; er erfindet und implementiert Gewehre, Pistolen, Haubitzen und Lokomotiven; er treibt die Zucht und Domestikation von Nutztieren voran, alles mit einem Ziel: Sauron niederzuringen.

Dabei weiß Saruman durchaus, dass er aus Isengard heraus nicht allein Sauron besiegen kann und so sieht er seine strategische Rolle eher in der Unterstützung der bestehenden Nationen, im Schlichten und Beenden von Streitigkeiten, um Sauron eine geeinte Front entgegenstellen zu können.

Die Charaktere sind meist die informellen ersten zehn Uruks von Saruman und der Zauberer selbst, aber auch Nebencharaktere aus den verschiedenen Armeeverbänden von Mittelerde kommen zum Erzählzuge.

Der Fokus liegt dabei auf den militärischen, strategischen und taktischen Erwägungen und Handlungen, während die bekannten Geschehnisse aus der Vorlage an die veränderten Bedingungen angepasst werden. Die Schlachten verlaufen anders, allein schon weil die verwendeten Gewehre jenseits der Bogenreichweite der üblichen Heere verlässlich treffen können.

Sprachlich ist Many Devices sehr gut mit kaum einem Fehler zu finden und häufig genug angemessenen Fachbegriffen und zeitgemäßen Verwendungen (beispielsweise Zinnen und Zinnenfenster in der Brustwehr von Burgen), sowie einer dem Fantasygenre entsprechenden Grammatik.



Mir hat die Geschichte gefallen, aber ich scheine eine Schwäche für militärische Geschichten zu haben.

Titel: Saruman of many Devices (Übersetzt: Saruman der vielen Apparate)

Autor: Saphroneth

Länge: 550 Seiten, 100k Wörter

Sprache: Englisch, durch Fachbegriffe Mittel-Schwer

Status: Laufend, sporadische Updates (ca. alle paar Monate)

Freitag, 24. Januar 2014

Exiern

Tiffany in brauchbarer Rüstung auf einer Brüstung sitzend
Geschlechtsgewandelter Barbar in "sexy" Abenteuern

Typhan-Knee ist ein klassischer Barbar – muskelbepackt, männlich, halbnackt. Kurzgesagt, ein wahrer Held.

Sein Aufgabe auf der vom König ausgerufenen Quest ist die Befreiung der entführten Prinzessin Peonie aus den Klauen des Dunkelmagiers Faden. Doch dieser ist nicht ganz ohne und bei dem Gefecht kommt es dazu, dass Typhan-Knee mit überstarker Weißmagie angegriffen wird und eine Frau.

Mit der aktuellen Aufgabe, der Befreiung Peonies, abgeschlossen, macht sich Tiffany also daran seinen – Pardon, ihren – Fluch zu brechen. Doch vorher muss Peonie zurück gebracht und Faden den Autoritäten übergeben werden.



Faden ist ein Besserwisser und Schwarzmagier. Und irgendwie lässt er ständig Kommentare fallen, die ihn für uns als Leser witzig machen.

Peonie ist eine kaum bekleidete Prinzessin.

Tiffany ist ein kaum bekleidetes Kampfschwein.

Der erste Autor Drowemos und seine Nachfolgenden Illustatoren und Schreiber geben sich im wesentlichen keine Mühe zu verstecken, dass einer der großen Anziehungspunkte des Webcomics der Fanservice, also die leichte (bis keine) Bekleidung der oftmals weiblichen, vollbusigen Figuren ist.

Der andere Anziehungspunkt ist der Humor, der sich teilweise sehr seiner selbst bewusst ist und gerne Spitzen in Richtung der üblichen Fantasystilmittel hat – Die Prinzessin in Nöten, die mehr als mangelhafte Panzerung bei Frauenrüstungen und so weiter.

Der Webcomic hat über seine ersten vier Jahre recht wenige Updates gehabt, nachdem Exiern aber von Dan Standing übernommen wurde (mittlerweile Scott T. Hicken), hat es sich auf etwa drei Updates pro Woche und einen etwas gerundeteren Zeichenstil eingeschossen.

Ein Aspekt, der leider viel zu selten durchscheint, ist die Welt an sich. Peonies Vater ist der König einer der beherrschenden Nationen des Kontinents, wenn nicht der Welt, und hat diese Position nicht, weil er ein netter Mensch ist. Das Magiesystem fußt in dem Entstehungsmythos der kaum 200 Jahre alten Welt. All dies bekommt man aber nur sehr langsam mit. Schade eigentlich.



Ein schuldiges Vergnügen

Titel: Exiern

Zeichner: Studio Boom 2006-2010, Shipeng Lee 2010+

Autor: Drowemos 2006-2011, Thomas Knapp 2011+

Seiten: 600+, alle farbig

Sprache: Englisch, einfach bis mittel

Status: Laufend, 2-3 Updates pro Woche

Montag, 13. Januar 2014

Der Hobbit – Smaugs Einöde

Bilbo auf einem Berg Goldmünzen, im Hintergrund das übergroße Auge des Drachen Smaug

Die Hybris des zornigen Zwerges

Im ersten Teil der Hobbittrilogie brachen der Hobbit Bilbo Beutlin, die Zwerge Dwalin, Balin, Fíli, Kíli, Dori, Nori, Ori, Óin, Glóin, Bifur, Bofur, Bombur und Thorin sowie Zauberer Gandalf auf, um den Drachen Smaug vom einsamen Berg und der Zwergenstadt Erebor zu vertreiben. Der Film endete nach einigen Abenteuern mit der gesammelten Gesellschaft, die über einen Wald und See hinweg den einsamen Berg erblickten.



Nachdem die Gemeinschaft im vorigen Teil gerade so dem Ork Azog entkam, flieht sie nach wie vor vor ihm. Sie schneien ungebeten, unerwartet und vor allem ungeliebt bei dem Gestaltenwandler Beorn herein und suchen Zuflucht bei ihm. Ihr einziges Heil ist, dass Beorn Orks noch mehr hasst als Zwerge und die Gemeinschaft daher trotzdem bei ihm Unterschlupf findet.

Anschließend wandern der Hobbit, die Zwerge und der Magier zum Dunkelwald. An dessen Eingang trennen sich aber die Wege, denn Gandalf muss einer Spur nachgehen, die ihn auf den Pfad des Nekromanten lenkt.

Ohne den mäßigenden Einfluss des weisen Zauberers wagen sich also Bilbo, Thorin und die anderen Zwerge in den von Elfen bewohnten Walt. Alsbald kommen sie vom Weg ab und werden von den Elfen gefunden und gefangen genommen, denn Thranduil, der Elfenkönig, ist nicht gut auf Zwerge zu sprechen, so wie Thorin im Gegenzug.



Ich versuche gar nicht erst, die Geschichte weiter nachzuerzählen. Sie kommen auf jeden Fall noch nach Seestadt und im Anschluss wagen sie sich in die Höhle des Drachen.

Während der erste Film sich eher um Bilbo drehte, rückt bei Smaugs Einöde Thorin etwas mehr in den Vordergrund, sowie sein Ingrimm auf die Welt und seine Sache. Er ist fast immer zornig, sei es auf Elfen, auf Gandalf, Orks oder Feigheit. Da ist es nur natürlich, dass seine Sturheit ihn zwangsläufig mit anderen, aber nicht nur nominell mächtigen Charakteren, die Köpfe stoßen lässt.

Schade, dass dadurch die anderen Zwerge ins Hintertreffen geraten.

Auch bekommen wir Legolas wieder zu Gesicht, den Sohn Thranduils, und dementsprechend skeptisch gegenüber Zwergen. Eine weitere Elfe ist Tauriel, die zum einen als Konfliktcharakter für Legolas sowie interessanterweise in einer romantische Nebenhandlung mit Kíli verstrickt ist.

Die Musik und Bilder sind wieder von epischem Ausmaß und mir kam es so vor, als hätte Smaugs Einöde nicht die gleichen Längen wie Eine unerwartete Reise.

Während 3D nett war, habe ich es nicht als einen sonderlichen Mehrwert empfunden. Das HFS/48fps hingegen hat zu einer merklichen und positiven Änderung in der Bildqualität geführt.



Alles in allem ein sehr guter Film.

Titel: Der Hobbit – Smaugs Einöde

Regie: Peter Jackson

Länge: 162 Minuten

Donnerstag, 28. November 2013

Spice & Wolf, Vol. 2


Holo running away into the sunset, looking laughingly back over her shoulder

Handelsreisender mit Wolf – Bankrott und Goldschmuggel

Kurze Zusammenfassung der Welt: Äquivalent zum späten Mittelalter, um die Renaissance herum, gibt es viele Königreiche und Feudalmonarchien, mit der Kirche als überspannendem Element. Allerdings gibt es auch Magie, mehr oder minder – keine Zauberer, aber eben tierische Gottgestalten, von der Kirche selbstverständlich nicht geduldet

Nach dem gerade so erfolgreichen Geschäft mit dem Währungskurs im vorherigen Band sind die Wolfgöttin in Menschengestalt Holo und der fahrende Händler Lawrence unterwegs, um ihren frisch erworbenen Pfeffer gewinnbringend zu verkaufen. In dem frommen Städtchen Poroson werden sie fündig und können durch Glück und Holos spitzfindige Sinne ein sehr gutes Geschäft machen: Sie können Rüstungen in einem Wert kaufen, als hätten sie den doppelten Pfand hinterlegt.

Ihr Ziel: Ruvinheigen. In dieser regionalen Hauptstadt hat die Kirche eine Vormachtstellung aufgrund der regelmäßig ausgerufenen Kampagnen zur kriegsgeführten Missionierung der heidnischen Städte. Aufgrund dessen finden Rüstungen, Schwerter und sonstige Militärmaterialen dort stetigen Absatz.

Auf dem Weg treffen sie Norah, eine talentierte und junge Schäferin. Doch dieser Beruf ist nicht sehr geachtet, denn die scheinbar übernatürliche Kontrolle von Schäfern über ihre Herde und Hütehund lässt sie in den Augen der Kirche heidnische Magie verwenden. Norah mit ihrem Talent und ihrer Jugend ist der Kirche da ein besonders verdächtige Person, auch wenn sie deren Schafe hütet.

Als Norah sich Lawrence eine Anstellung als Eskorte anbietet, stimmt er ihr nach kurzem überlegen und Absprache mit Holo zu.

In Ruvinheigen angekommen stehen Lawrence und Holo jedoch vor einem Problem: Die übliche Missionierungskampagne wurde abgesagt und die Preise für Metallwaren sind eingebrochen – Lawrence Wagenladung ist nur noch einen Bruchteil wert und ihm droht der Bankrott.



In dem zweiten Band von Spice & Wolf stehen Lawrence und Holo wieder am Rande ihrer Existenz. Und wieder nicht durch einen Gegner, obwohl es zu Gewalt kommt, sondern aufgrund von Gier und unerwarteten Ereignissen.

Auch dieses Mal sind die Light-Novel-üblichen Farbseiten am Anfang, mit einem halben Dutzend Schwarz-Weiß im Verlaufe des Buches zur Illustration von ein paar Szenen. Lawrence ringt wieder wirtschaftlich mit seinen Widersachern, sie stellen ihm Fallen, die er dann manchmal erfolgreich umdrehen kann.

Die romantische Nebenhandlung wird durch die Schäferin Norah gespeist, auf die Holo eine verhohlene Eifersucht und aber auch ehrliche Abneigung aufgrund ihres Berufes hat.

Die wirtschaftliche Handlung war dieses Mal einfacher, ich musste mir weniger Notizen machen um durchzublicken. Die wirtschaftlichen Fachbegriffe und Konzepte wie "Buying on margin" sehe ich als das größere Problem an.



Schöne Weiterführung der Reihe.

Titel: Spice & Wolf, Vol. 2

Autor: Isuna Hasekura
Illustration: Jyuu Ayakura

Länge: 280 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel mit einzelnen schwereren Wörtern und Fachbegriffen

Samstag, 16. November 2013

Spice & Wolf, Vol. 1


Leben eines Handlungsreisenden (mit Wolf) – Währungsspekulation

Kraft Lawrence ist ein 25jähriger reisender Händler, der nach sechs Jahren Lehre und weiteren sieben Jahren auf Reisen sich – wie der Traum und die Regel bei fahrenden Händlern – erst dann niederlassen kann, wenn er genug Geld für ein Geschäft in einer Stadt erwirtschaftet hat.

Seine Reisen führten ihn bereits mehrmals durch das Dorf Pasloe, bekannt für seine oft reichhaltige Weizenernte und einen ausgelassenen Erntedankbrauch dem lokalen Wolfgott Holo zu Ehren. Leider sind zu dem Fest nur ansässige willkommen, so dass Lawrence keinen Handel treiben und weiter fahren muss.

Er ist dementsprechend überrascht als besagter Weizengott Holo abends in der Gestalt eines fünfzehnjährigen Mädchens auf seinem Wagen liegt und schläft. Obgleich Lawrence misstrauisch ist, überzeugt Holo mit Hilfe von ihrer gestaltwandlerischen Natur von sich. Sie will Pasloe verlassen, da sie aufgrund von neuen Ackerbautechniken als „Gottheit“ nicht mehr gewürdigt wird und sehnt sich zurück nach ihrer Heimat.

Dank dem eigenen Bedürfnis nach beständigem menschlichen Kontakt und Freundschaft entscheidet sich Lawrence dafür sie ihn begleiten zu lassen. Und obgleich sie jung aussieht, hat Holo mit ihren mehreren hundert Jahren Alter sich den Beinamen Weiser Wolf verdient und liefert sich mit Lawrence immer wieder gut gemeinte Wortgefechte, aus denen sie fast immer siegreich hervor geht. Ihren Unterhalt verdient sich das verschmitzte „Mädchen“, indem sie bei Lawrence' Geschäften durch Rat und Tat hilft.



Die Welt der Light Novel Reihe, und auch der Manga- bzw. Anime-Umsetzung, ist nicht die unsere, sondern eine fiktive Welt, vergleichbar in großen Teilen und Aspekten mit dem späten Mittelalter bis Renaissance. Es gibt Königreiche und Imperien, eine (nach wie vor) einflussreiche Kirche, reisende Händler und der Hanse ähnliche Handelsketten, freie Städte und kleine Dörfer. Aber eben auch gestaltwandelnde Tiere, die sich selbst nicht unbedingt als Götter betrachten würden.

Man mag vermuten, dass Spice and Wolf einer relativ einfachen Formel folgt und die romantische Entwicklung von Lawrence und Holo der Anreiz der Handlung bildet, dem ist aber nicht so. Vielmehr ist es eine Betrachtung der verworrenen wirtschaftlichen Beziehungen von Händlern untereinander und zu Handelsketten, von Handelsketten zu Königen und Königen zu Kirche.

Und all das aus der Sicht eines fahrenden Händlers, was interessant ist, denn obgleich Lawrence einiges auf dem Kasten hat, ist er nicht allwissend, genauso wenig wie Holo.

Wie für Light Novels üblich gibt es einige Illustrationen im Verlauf des Buches sowie ein paar Farbseiten am Anfang und aufgrund der Kürze liest sich das Buch recht flott von der Hand weg; einfach ist es aber nicht unbedingt. Wer sich nicht gerade mit Wirtschaft beschäftigt hat, weiß nicht aus dem Stegreif wie man aus Wissen über eine bevorstehende Schwankung des Silberanteils einer Münze Profit schlagen kann. Zumal der Profit groß genug sein muss um den Aufwand wert zu sein.

Die Sprache ist im großen und ganzen verständlich, aber manche Worte sind nicht im allgemeinen Sprachgebrauch oder archaisch, letzteres besonders bei Holo, die eine ältliche Form spricht, wenn auch nicht von shakespearischem Ausmaße. 



Ich werde die Reihe weiter und ich denke auch wiederholt lesen.

Titel: Spice and Wolf

Autor: Isuna Hasekura
Illustration: Jyuu Ayakura

Länge: 230 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel mit einzelnen schwereren Wörtern und Fachbegriffen



Noch ein paar Worte zum wirtschaftlichen Aspekt: In diesem Band kommt Währungsspekulationen zum Tragen, und wie man daraus Profit schlagen kann. Dies geht folgendermaßen in den jeweiligen Fällen:
  1. Die Währung wird einen höheren Edelmetallanteil erhalten
    • Der Nominalwert, d.h. aufgedruckte Wert der Münze wird gleich bleiben
    • Der Realwert wird aber erhöht!
    • Man sammelt viele "alte" Münzen mit geringem Realwert
    • Sobald die neuen Münzen im Umlauf sind, werden die alten gegen die neuen getauscht – der Nominalwert bleibt erhalten, der Realwert steigt aber.
  2. Die Währung wird einen geringeren Edelmetallteil erhalten
    • Der Nominalwert, d.h. aufgedruckte Wert der Münze wird gleich bleiben
    • Der Realwert wird aber erhöht!
    • Man sammelt viele alte Münzen, welche von der Münzprägerei erstmal eingeschmolzen werden müssen
    • Man verkauft die große Menge alter Münzen entweder mit Profit, d.h. einem höheren Wert als ihrem nominellen, an die Münzprägerei; oder man nötigt im Gegenzug für die Münzen dem König Konzessionen ab wie Handelserleichterungen oder Zölle. 
Ich habe keine Ahnung, wie leicht oder schwer das in der heutigen Wirtschaft geht.

Dienstag, 22. Oktober 2013

The Middle Ground

Nebencharaktere mit einschleichender Romanze

Diese Fanfic von Naruto beschäftigt sich entgegen der üblichen Kost nicht mit Naruto und Konsorten als Hauptcharaktere, sondern legt ihren Fokus auf Shino Aburame und Tenten, zwei eher im Hintergrund angesiedelte Ninjas. Und gleich vorab, Vorwissen um die Welt von Naruto und die verschiedenen Charaktere ist zwingend notwendig, da keine Zeit mit der Erklärung der Welt verbracht wird. Im Gegenzug spielt Middle Ground aber ein paar Jahre in der Zukunft der Handlung ohne großes Augenmerk auf die aus dem Manga bekannte Handlung zu legen, so dass man nicht auf dem neusten Stand des Manga oder Anime sein muss, um diese Fanfic genießen zu können.

Es beginnt damit, dass Tenten bei einer einer gemeinsamen Mission mit Shino diesen aus Langeweile mehr oder weniger herausfordert mit ihrer Meinung, dass sie ihn bei passender Vorbereitung besiegen könnte.

Gemeinsam gehen die beiden ein paar theoretische Manöver durch, und nach Abschluss der Mission beginnen sie wirklich spaßeshalber und aus professioneller Neugier miteinander zu trainieren. Gelegentlich schafft Tenten es dabei, Shino aus seiner gewohnten Stille zu locken und dessen Körpersprache zu lesen.

So lernen wir ein paar Dinge über den Aburame-Klan und ein paar Kapitel sind beispielsweise aus Shinos Perspektive geschrieben. Allgemein gibt sich der Autor Skitzofreak viel Mühe damit, die Geschichte interessant zu gestalten.

So ist die Romanze nicht die ursprüngliche Absicht, sondern hat sich scheinbar in dem Verlauf des Schreibens ergeben, und ist zudem glaubwürdig. Es vergehen teilweise Wochen zwischen den Begegnungen von Shino und Tenten, und es wird auch nicht jede beschrieben, so dass die emotionale Entwicklung nicht gehetzt erscheint.

Mir hat es gefallen, und es war auch angenehm unterhaltsam geschrieben.

Titel: The Middle Ground

Autor: SkItZoFrEaK

Länge: 112k Wörter (634 Wörter)

Sprache: Englisch (Einfach-Mittel)

Status: Abgeschlossen

Freitag, 6. September 2013

Die Monster Uni

Witzige Fortsetzung

Als Fortsetzung der vorigen Pixar-Films Monster AG begeht Monster Uni den seltsamen Pfad einer Vorgeschichtenfortsetzung wie bei den Star-Wars-Filmen.

Es beginnt mit Mike Glotzkowski, einem grünen kugelförmigen Monster das größtenteils aus seinem Auge besteht. Nach einem prägenden Ereigniss möchte er ein Schrecker werden und büffelt wie ein Irrer, um auf die Monster Uni zu kommen.

Aufgrund seiner guten Noten schafft er das auch problemlos, aber zum Kinder erschrcken gehört mehr als bloß zu wissen, welche Art von Schrei man verwenden muss, es gehört auch körperliches Können dazu. Mike, eher von mickriger Gestalt ohne herausstechende schreckliche Eigenschaften, steht vor einem Problem.

Sully kommt aus einer erfolgreichen und bekannten Schreckerfamilie und hat mit so einem Büffelhengst wie Mike nichts zu tun; direkt auf der Uni angekommen wird er von der angesehensten Bruderschaft integriert. Allerdings ruht er sich auf seinen familiären Vorschusslorbeeren aus, so dass er - obgleich talentiert - schulische Schwierigkeiten hat.

Als vor der Prüfung die beiden sozial Ungleichen sich in die Haare kriegen und eine Trophäe der Dekanin zerstören, werden die beiden aufgrund ihres Verhaltens von der uni geworfen. In einem verzweifelten Versuch doch nicht von der Uni zu fliegen, ringt Mike der Dekanin eine Wette ab: Er gewinnt bei den Schreckenspielen und beweist seine Schrecklichkeit und wird im Gegegnzug nicht der Uni verwiesen.

Problem an der Sache, Die Schreckenspiele sind ein Mannschaftswettkampf, und nur die sozial niedrigste Bruderschaft nimmt Mike und den ihm eigenützig zur Seite gesprungenen Sully auf. Also müssen die beiden lernen miteinander klar zu kommen.



Wie man es bei Pixar-Filmen kennt, sind sie witzig und trotz Disney-Beteiligung merkt man keinen großen Wechsel in der thematischen Entwicklung von Monster Uni. Trotzdem ist er im großen und teilweise auch im kleinen doch vorhersehbar.

Dafür fiel mir wiedermal die Anpassung der im Bild vorkommenden Texte und soweit feststellbar gelungene Übersetzung auf.

Aber groß im Gedächtnis haften geblieben ist mir der Film nicht... Im Gegensatz zum Vorfilm, Der Blaue Regenschirm. Der war schön.



Witzig, aber nicht herausragend.

Titel: Die Monster Uni

Regie: Dan Scanlon

Länge: 104 Minuten

Mittwoch, 28. August 2013

Lighting Up the Dark

Naruto in scharfsinnig

Lighting Up the Dark ist eine Fanfiction, eine von einem Fan geschrieben Neuinterpretation von einem etablierten fiktiven Universum, in diesem Fall von Naruto.

Naruto ist eine Manga- und Animereihe mit dem namensgebenden Charakter als Hauptfigur. Die Welt ist eine seltsame Mischung aus unseren Vorstellungen, was Ninjas und ihre Fähigkeiten anbelangte und der japanischen Vorstellungen von Feudalstaaten.

Naruto selbst ist naiv, tollpatschig und untalentiert, und unwissendes Siegelgefäß für den schrecklichen, zerstörerischen neunschwänzigen Fuchsdämon. Der Waise weiß nichts davon und seine Altersgenossen auch nicht, aber die Eltern und die soziale Ausgrenzung durch die Erwachsenen hat sich auch in den Kindern niedergeschlagen, die auf Anraten ihrer Eltern den Jungen meiden.



In Lighting Up the Dark ist das ganze etwas anders: Naruto ist immer noch ausgegrenzt, immer noch ein Siegelgefäß, aber nicht für den neunschwänzigen, sondern neunhirnigen Fuchsdämon. Während das Original geballte Macht ist, ist der Kyubey geballte, ruchlose Intelligenz.

Und wie im Original auch schlägt sich die Größenordnung in Naruto wieder – er ist beängstigend intelligent, aber nicht ruchlos. Ihm wurde auf der Schule schnell klar, dass Genies wie Sasuke cool sind, aber sozial isoliert. Also gab er seinem Spieltrieb Auslauf und fing an Streiche zu spielen und somit zumindest gewisse positive Beachtung zu bekommen.

Bis darauf dass diese Streiche mitunter dazu dienten, Narutos Repertoire an Tricks und Techniken zu probieren und zu erweitern. War er im Original ein Tollpatsch, der selbst die einfachsten Ninja-Techniken nicht hinbekommen hat, so hat er bei Lighting Up the Dark viele dieser einfachsten Schultechniken in Kombinationen und Anwendungen eingebaut, die alles andere als offensichtlich sind.

Und so folgt die Geschichte in zwangsläufig abweichendem Verlauf zum ursprünglichen Naruto. Der Junge ist sich zum Beispiel seines Siegelgefäßstatus bewusst, hatte es aus den ihm bekannten Wissen geschlussfolgert und durch Nachforschungen diese Schlussfolgerung verfestigt. Der Neunhirnige ist intelligent in einem Maße, dass es beängstigend ist – beim Angriff auf das Ninjadorf in der Vorgeschichte hatte Konohagakure dem Erdboden gleich gemacht und wurde nach der Versiegelung im Krater (!) wiederaufgebaut.

Naruto ist dabei zum Glück nicht übermächtig und sozial alles andere als bewandert, so dass er nach wie vor Fehler macht und sympathisch bleibt. Die ersten paar Bände von Naruto gelesen oder paar Folgen geschaut zu haben hilft aber, vor allem in der Etablierung der anderen Charaktere und ihrem Verhältnis zu Naruto.

Die Inspiration kam dem Autor übrigens durch Harry Potter and the Methods of Rationality, die ich später auch mal reviewen werde. Im Gegensatz zu dem dortigen Harry hat der hiesige Naruto aber keinerlei Zugriff auf Werke von Bedeutung für rationales und logisches Denken.



Witzig geschriebene Geschichte

Titel: Lighting Up the Dark (URL: http://www.fanfiction.net/s/9311012/1/)

Autor: Velorien

Länge: 60k+ Wörter (ca. 350 Seiten)

Sprache: Englisch (Mittel)

Status: Laufend

Montag, 19. August 2013

Overlady

Jähzorniges Mädchen will (heimlich guter) böser Herrscher werden

Ein paar Worte vorab: Overlady ist wie XSGCOM ein Crossover, aber von anderen fiktiven Universen, nämlich Overlord und Zero no Tsukaima.

Overlord ist ein Videospiel, in dem man den namensgebenden Overlord steuert, der über Schergen (Minions) herrscht und diese pikmin-artig Aufgaben erledigen lässt, wie zum Beispiel Dörfer überfallen oder Helden bekämpfen. Das Spiel ist voller schwarzem Humor und nimmt sich nicht zu ernst.

Zero no Tsukaima (dt. "Begleiter von Zero") ist eine Light Novel- und Animereihe in einer stark europäisch angehauchten Fantasywelt. Viele Länder sind offensichtliche Analoga zu europäischen Ländern, es gibt Adel und Fußvolk, aber anstatt Mittelalter ist die technologische Epoche eher grob dem 18. Jahrhundert zuzuordnen.

Witzigerweise habe ich keins von beiden je in den Fingern gehabt und bin bloß mit dem gröbsten Vorwissen an die Fanfic rangegangen.



Louise Françoise le Blanc de la Vallière ist die jüngste Tochter einer bekannten adligen Familie und besucht die Tristain Academy of Magic. Aufgrund ihres mehr als moderaten magischen Talents wird sie von ihren Mitschülern allerdings nur Zero Louise gerufen. Ihre letzte Chance, die Beschwörung eines Begleiters (etwa wie Katzen für Hexen), schlägt fehl und sie beschwört nichts. Wütend und zu Tode beschämt flieht sie und will ein neues anfangen, den Fußstapfen ihrer Mutter folgen und eine weltberühmte Abenteurerin und Heldin werden und… sie findet einstweilig Zuflucht vor dem Wetter in einer Höhle und schläft ein…

…um vor Schrecken zu realisieren, dass sie nicht alleine ist. Ein Vampir greift an, den sie schnell mit ihrer Magie erledigt, denn Lousie kann Magie wirken, aber ausschließlich Explosionen. Als ein Gefangener des Vampirs, Gnarl, auf sich aufmerksam macht, befreit sie ihn. Und Gnarl ist keine Augenweide, nach 80 Jahren in einem Käfig an der Decke sollte man das auch nicht erwarten.

Die koboldartige Kreatur bezeichnet sich selbst als Minion, als Schergen, und sie werden Lousie fortan dienen bei ihrem offensichtlichen Ziel: Weltherrschaft. Anscheinend ist Lousie kompatibel und beherbergt große Böse Energien, die sie zur Meisterin über die Minions machen. Ihr zur Seite: Ein aufmüpfiger und viel zu kluger nicht-Kobold, einige nicht ganz so aufmüpfige aber dafür umso dümmere nicht-Kobolde und ein Turm der mehr kaputt als heile ist.

Schnell wird Louise klar, dass sie ganz schön in die Bredouille geraten ist und ihre einzige Hoffnung in guter Miene zum bösen Spiel besteht. Der Plan: Soviel lernen wie sie kann, ihre Bösen Taten so gestalten, dass sie insgeheim Gutes tun, und sich allgemein so Verhalten, dass ihre Eltern im nachhinein stolz auf sie sein können.

Und so beginnt sie die Goblins der umliegenden Gegenden zu jagen, einzufangen und zu Minions zu konvertieren, denn damit entfernt sie ja die Bedrohung, welche die Goblins für die Dörfer darstellten. Aber wie es so schön heißt: Der Pfad zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.



Louise ist eine 1A Tsundere. Tsundere fragt ihr? Nun, damit bezeichnet man einen bestimmten Charaktertyp. Ein Tsundere ist oft im Bezug auf bestimmte Person, aber oft genug auch generell, in zwei Modi anzutreffen: Zornig oder Zart. Nie beides. Und kaum Zwischenstufen. Helga Pataki aus Hey Arnold! ist zum Beispiel eine Tsundere deren Standard Zornig (Tsun) ist. Lois, die Mutter aus Malcom Mittendrin, fällt beispielsweise auch da rein. Und bei Characteren, bei denen die Zarte (Dere) Seite im Vordergrund steht (Ted aus How I Met Your Mother, Katara aus Avatar), kommt oft genug der Zorn durch.

Auf jeden Fall ist Louise sehr jähzornig und hat Spaß an Zerstörung, auch wenn ihre Erziehung sie immer einen Begründung für diese suchen lässt. Glücklicherweise sind die Minions tolpatschig und Tritte als akzeptable Strafen beim Bösen gern gesehen.

Es werden recht bald Charaktere eingeführt, mit denen Louise interagieren kann, und das sind nicht nur die teilweise individualisierten Minions jenseits von Gnarl, sondern beispielsweise Louise kränkliche Schwester oder ihre halbdämonische Rüstungsschmiedin Jessica.

Der Autor EarthScorpion vergisst dabei aber nicht Louise ehemalige Klassenkameraden und damit für Fans von Zero no Tsukaima bekannten Charaktere.

Obgleich oder weil die Welt von Tsukaima gut bekannt ist, entschied sich EarthScorpion für eine brauchbare logische Weiterführung des kanonischen Geschehens in Louise' Abwesenheit. Ihre arrangierte Gatte? Ach so traurig, dass er eine fremdes Bett bespringt. Oder besser dessen Belegerin. Ihre Eltern? Dank Louise' Tod ist die ohnehin wackelige am Zerbrechen. Und politisch? Nicht direkt, aber indirekt kommt es zu Aufständen im Nachbarland.

Interessant sind auch die Einblicke in die Subkultur des Bösen, mit eigenen Nachtklubs, verzerrtem Vokabular und magischen Technologien analog zu unserem.

Vom Englisch her ist es mittel, denke ich, aber mit einige äraangemessenen Worten wie "chemise" für eine Art Nachthemd. Ein Wörterbuch oder LEO nebenbei können also nicht schaden. Und es gibt gelegentlich Wortspiele, wo man als nicht Muttersprachler sich mitunter reindenken muss.



Recht witzig, allein schon durch Louise ständige Versuche sich vom Guten ihre Bösen Taten zu überzeugen. Von ihrem Umgang mit Kleinvolk mal ganz zu schweigen…

Titel: Overlady (URL: http://www.fanfiction.net/s/8753582/1/Overlady)

Autor: EarthScorpion

Länge: 160k+ Wörter (ca. 890 Seiten)

Sprache: Englisch (Mittel)

Status: laufend

Montag, 3. Juni 2013

Ava's Demon

Ein neues Leben, eine zweite Chance



Ava ist ein Kind mit einem schwierigen Leben. Keine Freunde, keine Familie, und ein Dämon in ihrem Kopf, den nur sie sehen kann – Wrathia.

Diese Dämonin ist unzufrieden mit Ava und versucht immer wieder, sie in den Selbstmord zu treiben, durch Beleidigungen, oder kurz in Avas Haut schlüpfen und sie Sachen anstellen lassen.

Nach einem weiteren dieser Versuche landet unsere langhaarige Heldin beim Schuldirektor, wo sie bald von ihren Klassenkameraden Odin und Maggie unfreiwillig Gesellschaft bekommt.  Er versucht die grünhaarige Maggie davon zu überzeugen, zusammen mit ihm den Planeten zu verlassen.

Als der ganze Planet dann von Kreaturen angegriffen wird, ist klar, dass Odins gestotterte Anfrage nicht von ungefähr kam. Er schleppt die bewusstlose Maggie in sein Raumschiff, kümmert sich dabei aber kein Deut um Ava. Diese schleicht sich hinter ihm an Bord.

Nach einer Auseinandersetzung zwischen Odin und Maggie kommt es zu einer Bruchlandung, in deren Verlauf Ava – zur Freude er persönlichen Dämonin Wrathia – stirbt. Während ihrer letzten Momente unterhalten sich die beiden aber in Avas Geist und endlich erfährt sie, wieso Wrathia sie ihren Lebtag quälte.

Sie versuchte Ava seit ihrer Geburt zu einem Pakt zu überreden. Einem Pakt zu beiderseitigem Vorteil. Bloß ihre Herangehensweise war mehr als unglücklich, und jetzt, mit Ava am Sterben, war es wohl zu spät. Fast.

Ava willigt ein. Ein neues Leben, eine zweite Chance, und im Gegenzug hilft sie Wrathia bei ihrem Rachefeldzug.

Und Ava überlebt. Mit den Fähigkeiten und Kräften von Wrathia gesegnet entkommt sie ihrem frühzeitigen Tod, und ist ein bisschen mehr als sie vorher war, was auch Wrathia feststellt, als sie Avas Teil des Paktes, ein neues Leben, bereits erfüllt sieht.


Soviel zu den ersten Kapiteln, denn Ava's Demon ist auf wesentlich länger ausgelegt, knapp 7000 Panels, mit etwa einem Panel pro Update.

Der Stil sagt mir seeeeehr zu, mit  den farbdominierten Charakteren und den vielen Kleinigkeiten, die ins Design eingegangen sind. Die Szenen sind immer schön gestaltet, oftmals  ohne Text, wenn es bloß zur Darstellung von Handlung geht, und Lautworte gibt es nicht.

Die Handlung baut sich schnell auf, mit einem charakterabhängigen Fokus. Der Hintergrund von Wrathia lässt zudem auf eine gewisse Menge an Charakteren schließen, die später noch in den Fokus rücken werden.

Interessant, aber nicht überragend wie bei Homestuck, ist die Nutzung von animierten Bildern und Videos. Letztere gibt es noch nicht viele, aber sie nutzen allesamt eine gute Verflechtung der Begrenzungen von Comics, ohne dabei ins Trickfilmartige überzugehen.



Was soll ich sagen? Liebe auf den ersten Blick!

Titel: Ava's Demon (Url: http://www.avasdemon.com/)

Autor: Michelle Czajkowski

Sprache: Englisch, leicht bis mittel

Länge: 450+, durchgehend farbig, teilweise animiert

Status: Laufend,  wöchentlich+, bei großem Kickstartererfolg täglich+

PS: Für die Interessierten, es gibt bis zum 29. Juni ein Kickstarter mit dem ersten Buch, 500 Panels auf bis zu 200 Seiten. 

Montag, 20. Mai 2013

Tales of the Questor

Quentyn stellt sich den Gragum (Alligatauren)
Vom Waschbären, der auszog Abenteuer zu überstehen



Quentyn, ein Rac Cona Daimh (quasi intelligente, antropomorphe Waschbären), ist gerade vierzehn Jahre alt und lebt bei seinen bäuerlichen Eltern im beschaulichen Dorf Freeman Downs. Zu seinen Aufgaben gehört es, sich zusammen mit seinem Vater um die Felder zu kümmern, aber auch sich eine Beruf auszusuchen. Für Quentyn ist das aber nicht so leicht, denn er ist von kleiner Statur, magisch unzureichend begabt, aber auch nicht mit einer ruhigen Hand für die feineren Berufe gesegnet. Davon abgesehen verliert er sich gerne in die Geschichten von Questoren, lizenzierten Abenteurern. Sie bekämpfen Drachen und retten Jungfrauen aus Nöten und seit hundert Jahren gab es keinen mehr.

Engel in Hirschgestalt
Bei der Berufungszeremonie, einem nicht bindenden aber bedeutendem Brauch, wählen die Kits (noch nicht erwachsene Rac Cona Daimh), welchen Beruf sie ergreifen wollen, und Quentyn weiß immer noch nicht, was er werden will, oder bei seinem Mangel an Begabung überhaupt werden kann. Unschlüssig begleitet er seinen Vater und erhält sogar ein Zeichen…

„Questor‟ ist ein eher lose definierter Beruf, einer der sich aus den Umständen ergibt. Im wesentlichen könnte man es wohl als Held auf Abruf oder schnelle Eingreiftruppe beschreiben, als jemand, der bei Notwendigkeit schnell reagieren kann auf unerwartete Situationen. Und Quentyn entscheidet sich dafür. Die erste Zeit muss er Spott und Schalk ertragen und sich erst mal etablieren; anschließend? Langeweile, unterbrochen von Ausbrüchen von Aktivität und Angst.

Stück für Stück übersteht Quentyn Abenteuer, die oft nicht als solche beginnen; die sein Handeln mitunter nicht gebraucht hätten, aber durch ihn doch schneller und unkomplizierter gelöst wurden. Er macht sich ein Namen, wird bekannt, wächst als Person. Natürlich musste etwas dazwischen kommen, und so verlässt er das seine Heimat und zieht auf seiner bisher größten Quest in das Reich der Menschen jenseits der Nebelwand…
Das Luftschiff bricht jenseits der Nebelwand auf



Der Autor Ralph Hayes Jr. versteht es, eine interessante Welt zu gestalten, das kann keiner abstreiten. Die Rac Cona Daimh (Raccoon, klick gemacht?) leben in einem von einer Nebelwand, Stürmen und Sümpfen umgrenzten Gebiet, alles selbst geschaffene Hindernisse. Sie haben Magie soweit analysiert, dass sie einen Zweig der Wissenschaft darstellt und problemlos reproduzierbar ist, wenn man die unterliegenden Prinzipien kennt. Es gibt Luftschiffe, moderne Forschung, eine Republik als Regierungsform. Viele Bräuche und im Hintergrund stattfindende Ereignisse werden in einem Tagebuch erläutert.

Womit wir bei einem Kritikpunkt sind: ca. 40% des aktuellen Kapitels bestanden aus diesem Tagebuch, was zwar sehr informativ ist, aber die Handlung nicht weiter treibt. Insbesondere wenn die Charaktere gerade in einer prekären Situation sind, ist das frustrierend.
Quentyn begegnet dem Weißen Hirsch
Ein Anderer ist Religion. Obwohl Hayes einen mit seiner christlichen Weltanschauung nicht gerade erschlägt, verhüllt er sie auch nicht gerade. Für mein Empfinden kabbelt sich das etwas mit der wissenschaftlichen Herangehensweise und Aufklärung der Rac Cona Daimh. 

Man sieht ein gewisses künstlerisches Wachstum, wenn man die Seiten von Anfang und Ende vergleicht, zudem ist das Lesegefühl und -geschwindigkeit durchgehend angenehm. Wahrscheinlich der Grund für das Stören der Tagebuchteile…



Titel: Tales of the Questor (übersetzt: Geschichten vom Questor URL: http://www.rhjunior.com/totq/)
Quentyn hat den Flamenstoß eines Drachen überstanden und fordert ih heraus
Autor: Ralph Hayes Jr.

Sprache: English, das Sumpfkapitel ist durch den Dialekt schwierig, ansonsten ok.

Länge: 700+ Seiten, farbig (davon ca. 100 Seiten Tagebuch, schwarz-sepia)

Status: Laufend, sporadische Veröffentlichung