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Montag, 28. Mai 2018

Tully

Mutter sein ist nicht leicht

Marlo (Charlize Theron) hat zwei Kinder und is hochschwanger mit einem dritten. Zwei Kinder zu wuppen ist machbar, insbesondere wenn sie einen Teil ihrer Zeit im Kindergarten oder der Schule verbringen, aber wenn eines ein nicht näher diagnostiziertes Symptom hat, das selbst im Film bloß als „atypisch“ bezeichnet wird, dann wird das ganze ein bisschen heikler.

Aus Liebe für seine Schwester (und Erfahrung mit seinen eigenen Kindern) schlägt Marlos Bruder ihr vor, für ein nächtliches Kindermädchen zu zahlen. Marlo lehnt rundheraus ab und gebiert ihre zweite Tochter, Mia. Doch hier zeigt sich bereits, das Marlo wenn nicht überfordert, dann doch kurz davor ist. Nach wenigen Wochen nächtlichen Gekreisches, Wickelns, Füttern, und den ständigen Erwartungen ihrer Umgebung erleidet sie einen stillen Zusammenbruch und ringt sich dazu durch, die Nachtnanny anzurufen.

Zuerst ist Marlo von „Tully“ (Mackenzie Davis) nicht begeistert, da sie zu jung und sprunghaft wirkt, um sich um einen Säugling kümmern zu können, doch als Marlo nach der ersten geruhsamen Nacht seit Wochen mit neuem Elan aufsteht und nicht nur eine zufrieden schlafende Tochter, sondern auch noch ein unerwartet aufgeräumtes Haus vorfindet… Anscheinend versteht Tully ihr Werk.



Ich habe schon mehrere Darstellungen von überforderten Müttern gesehen, aber diese sind quasi immer Randfiguren, oder ihr Leid ist in einen größeren Konflikt eingeflochten, welcher die Anforderungen an eine Mutter überschattet. Dies ist bei Tully nicht der Fall.

Es wird aufrichtig mit dem Thema umgegangen. Es wird sehr gut gezeigt, mit was eine frische Mutter, selbst wenn sie schon Kinder und somit Erfahrung mit dieser Phase hat, umgehen muss. Marlo muss für ihren vermutlich im autistischen Spektrum beheimateten Sohn eine neue Schule finden, weil die derzeitige (teure!) Schule nicht weiter auf ihn zugehen will. Der Säugling plärrt unentwegt. Die Nachfolgen der Geburt zehren noch an der Mutter, sowohl körperlich (schlaffe Haut nach der Schwangerschaft, schmerzhaft pralle Brüste, …) als auch geistig (siehe nachgeburtliche Depression).

Dies habe ich wirklich noch nie so gut umgesetzt gesehen. Tully gibt einen Einblick in die Seelenwelt von einem nennenswerten Teil von Müttern, insbesondere wenn man nicht so vermögend ist.



Sehr guter Film.

Titel: Tully

Regisseur: Jason Reitman

Länge: 96 Minuten

Sonntag, 20. Mai 2018

Rampage


Mutierte Riesentiere verwüsten Chicago

In Rampage habe ich mich reingesetzt in der vollen Erwartung: Dies ist Popcornkino, hier muss ich das Hirn ausschalten.

Aus dieser Perspektive hatte ich vollen Erfolg und konnte den Film genießen. Die Explosionen und Zerstörung sind sehr toll auf der Leinwand gebracht worden, es gibt einstürzende Hochhäuser, absurde Monster, was will man mehr.

Doch kommen wir mal zu den Kritikpunkten. Die mutierten Riesentiere wurden mit der im Vergleich zu Realität 20 Jahre früher stattgefunden Erfindung von CRISPR ermöglicht, was pauschal mit Lego-Genetik statt Mutationen übersetzt wurde. Im Sinne von Hollywood ist das nahe genug an der Realität, so wie Mutationen und Atomstrahlen in den 50ern und 60ern die Erklärung der Wahl für solche Absonderlichkeiten war.

Die Realität gestaltet sich wie üblich als wesentlich komplizierter als diese Pauschalisierung. Auch ignoriert der Film solche Dinge wie die Unmöglichkeit derartig riesiger Tiere außerhalb von Wasser, was mit Wachstumshormonen und Genschnipseln von allerhand anderem Getier erklärt wird. Der Wolf kann fliegen und hat Stachelschweinstachel, das Krokodil hat einen Schwanz der eher einem Ankylosaurus mit Thagomizern gleicht, etc.

Mit anderen Worten, allerhand geiler Scheiß, aber genetisch plausibel wären nicht die Worte mit denen ich das beschreiben würde. Schade, oder auch falschversprechend: Der Film hat viel weniger komische Elemente als der Trailer einem verkauft.

Allerdings, wie eben gerade gesagt ist die ganze Zerstörung schon ziemlich imposant anzusehen, was auf jeden Fall Spaß gemacht hat.

„Vorlage“ für den Film war übrigens ein Videospiel aus den 80ern, bei dem man die Kontrolle über einen Gorilla, Dinosaurier oder Werwolf übernahm und haufenweise Städte zerstörte.



Titel: Rampage

Regisseur: Brad Peyton

Länge: 108 Minuten

Montag, 11. August 2014

Drachenzähmen leicht gemacht 2

Ein aufgepflanzter Bösewicht zieht den guten Film herunter

Früher waren Berg und seine Bewohner mit Drachen auf Kriegsfuß, doch das ist seit fünf Jahren Geschichte, nachdem Hicks sich mit einem Nachtschatten angefreundet hat. (Drachenzähmen 1)

Heute leben die Wikinger in Eintracht mit den verschiedenen Drachen, und Hicks ist auf dem besten Wege in die Fußstapfen seines Vaters Haudrauf als Dorfoberhaupt zu treten. Bloß will er das nicht, sondern viel lieber zusammen mit seinem Drachen Ohnezahn die weite Welt erkunden und neue Länder entdecken.

Bei einer seiner Entdeckungsreisen stößt er auf einen anderen Drachenreiter, und schnell stellt sich heraus, dass der andere Drachenreiter zwar eine andere Methode zum Drachenzähmen verwendet, aber genauso wie Hicks viel von ihrem Handwerk versteht. Zu seiner Überraschung entpuppt sich die Drachenreiterin als Hicks' Mutter, Valka, die seit 20 Jahren als verschollen galt.

Sie hat die Zeit damit verbracht, die Drachen kennen zu lernen, ihre Eigenarten herauszufinden und zusammen mit ihnen zu leben. Dabei ist sie der festen Überzeugung, dass ihr Ehemann Haudrauf niemals ihre Einsichten über Drachen und deren Friedfertigkeit würde teilen können.

Der Gegenpunkt, die Beherrschung von Drachen statt der Koexistenz, hat sich Drago Blutfaust auf die Fahnen geschrieben, und er hat bereits dutzende Drachen unter seine Kontrolle gebracht. Sein nächstes Ziel: Berg…



Drago ist in einem Maße überflüssig, dass es schon traurig ist. Es wird gut ein Viertel des Films darauf verwendet, Valka als Charakter zu etablieren und zu charakterisieren, bloß um dann auf den oberflächlichen und offensichtlichen Bösewicht Drago überzuschwenken. Anstatt den möglichen Konflikt in den Ansichten über Drachen als Konfliktthema aufzugreifen, wird stattdessen Drago genommen, der von der Dynamik und dem Standard bekannter Geschichten nichts anderes als Bösewichtmaterial sein kann, insbesondere im Bezug auf die im ersten Teil durchgemachte Entwicklung des Wikingerstammes von Drachenjägern zu Koexistenz mit Hausdrachen.

Zudem wird durch die Einführung von neuen Charakteren die Charakterisierung der früheren und etablierten Charaktere vernachlässigt.

Ich frage mich, wie damit in der Vorlage von Cressida Cowell umgegangen wird, auf der beide Filme lose basieren.

Immerhin ist der Film atmosphärisch und musikalisch gut gelungen. Einen technischer Kritikpunkt würde ich aber noch anbringen: es gibt keine erratische Augenbewegung. Bei richtigen Menschen zucken die Augen immer ganz leicht, suchen sich stets neue Fokuspunkte im Gesicht des Gesprächspartner. Dies wurde leider nicht berücksichtigt, was die Figuren etwas unwirklich scheinen lässt.



Nett, aber durch Drago wird der erste Teil der bessere.

Titel: Drachenzähmen leicht gemacht 2

Regie: Dean DeBlois

Länge: 105 Minuten

Freitag, 6. Juni 2014

Nix wie weg – vom Planeten Erde

Nix wie weg aus dem Film.

Scorch Supernova (Sprecher: Tobias Meister, u.a. Stimme für Brad Pitt, Jack Black) ist der Held des Planeten Baab. Babies retten? Scorch macht das. Interstellare Bedrohung? Auf Scorch kann man sich verlassen. Sich vermarkten? Scorch hat sogar eigene Frühstücksflocken!
Und das alles auch Dank der Hilfe seines Bruders Gary (Sprecher: Olaf Reichmann, u.a. Stimme für Nick Frost), der von Zuhause aus die Lage überprüft, das Raumschiff warten lässt und all die wichtigen Knöpfe drückt, die man halt in der Steuerzentrale so zu drücken hat.

Da ist es nicht überraschend, dass Scorch seinen Bruder, den Knöpfchendrücker, wenig wert schätzt. Das ändert sich, als sein neuer Auftrag ihn zum Dunklen Planeten führen soll, der schon von hunderten verschiedener Spezies besucht wurde – und von dem keiner je zurück kam. Gary und Scorch streiten sich, denn Scorch sieht in dem Auftrag kein Problem.

Natürlich fliegt der Weltraumheld zur Dunklen Planeten (es ist die Erde) und wird flugs gefangen genommen, und dank Live-Übertragung wird der ganze Planet Baab Zeuge. Gary fliegt hinterher, Blabla, galaktische Gefahr (Sprecher: Klaus-Dieter Klebsch, u.a. Stimme von Hugh Laurie, also Dr. House), Blabla, Verrat (Sprecher: Marie Bierstedt, u.a. Full Metal Alchemist, Grey's Anatomy), Blabla…



Es ist eine ganze Weile her, dass ich so von einem Film unterwältigt wurde. Die Witze sind flach und rar, und ich beziehe das nicht auf ein Erwachsenenniveau, sondern auf die Anzahl der Lacher im Kino. Es gab im ganzen Film vielleicht zwei Szenen bei denen ich Schmunzeln musste. Mit der Handlung verhält es sich gleich: Vorhersehbar, berechenbar, und das nicht in einem guten Maße, sondern einfach… schlecht. Als wäre ein Skript abgearbeitet worden, werden die verschiedenen Akte abgearbeitet ohne irgendwie mehr als fünf Sekunden Spannung aufzubauen.

Animationstechnisch war der Film solide, ohne irgendwie zu glänzen. Ich habe ihn in 2D gesehen, aber die offensichtlichen 3D-Szenen waren offensichtlich und unnötig. Die musikalische Seite fiel durch ein paar Autotune-Lieder auf, der Rest ist nicht nennenswert.

Ich denke selbst als Kind würde mir der Film nicht im Gedächtnis haften bleiben; es fühlt sich einfach wie ein 08/15-Fernsehfilm an. Da kann selbst die berühmt besetzte Synchronisation nichts dran rütteln.



Meiden.

Titel: Nix wie weg – vom Planeten Erde

Regie: Cal Brunker

Länge: 89 Minuten

Montag, 2. Juni 2014

Edge of Tomorrow

Murmeltiertag trifft Alien-Invasion

Nach einem Fauxpas wacht der als Deserteur gebrandmarkte ehemalige Major Cage (Tom Cruise, Mission Impossible) aus dem Pressestab der US-Armee als Rekrut und Kanonenfutter für die anstehende Invasion Europas auf. Mit einem neu entwickelten Exoskellet, einem kybernetischen Kampfanzug, soll der seit Jahren stetig fortschreitenden Besetzung und Ausbreitung der sogenannten Mimics Einhalt geboten werden. Diese Aliens fielen vor einiger Zeit sprichwörtlich vom Himmel und breiten sich unaufhaltsam aus.

Als Frischfleisch hat Cage offensichtlich keine Ahnung von der Bedienung des Kampfanzugs, er kann noch nichtmal seine Waffe entsichern, als bereits im Anflug auf die französische Küste der Truppentransporter getroffen wird und Cage sowie ein paar seiner Kameraden gerade so die Landung überleben.

Am Strand entwickelt sich ein Massaker – die Mimics haben die Invasion offensichtlich erwartet, wieso auch immer. Während Stück für Stück seine ihm noch vollkommen unvertraute Einheit von den metallenen Tentakeln der Mimics aufgespießt und zerfetzt werden, schafft Cage es seine Waffe zu entsichern. Gerade rechtzeitig, um getroffen zu werden. Als ein blauer Mimic sich auf ihn stürzt, sprengt sich Cage in die Luft… bloß um anschließend wieder als Rekrut aufzuwachen.

Zu recht verwirrt durchlebt Cage den gleichen Tag nochmal, bloß wird er dieses Mal von einer hochdekorierten Elitesoldatin Rita (Emily Blunt, Lachsfischen im Jemen) gerettet, die den Beinamen "Full Metal Bitch" trägt. Mit ihrer schwertartigen Machete macht sie kurzen Prozess mit allen Mimics in der Nähe, wird aber kurz darauf wird aber von einem getötet. Es dauert nicht lange, da stirb auch Cage wieder.

Bloß um nochmal als Rekrut aufzuwachen. Und dann zu sterben. Und dann nochmal aufzuwachen. Und dann zu sterben. Durch diese Wiederholungen lernt Cage Stück für Stück mit seiner Ausrüstung umzugehen, taktisches Vorgehen, die Positionen und Zeitpunkte, bei denen Mimics am Strand auftauchen und so weiter. Bis er ein weiteres Mal auf Rita trifft, aber dieses Mal er sie rettet, und anschließend die Mimics in der Nähe platt macht.
Rita kann nur Maulaffen feil halten, als sie sieht mit welcher vorherseherischen Gabe Cage die Mimics kalt macht, bevor sie auch nur eine Bedrohung werden können.

Bloß um in einem vermeidbaren Feuerball zu sterben, nachdem sie Cage aufträgt sie das nächste Mal zu suchen.

Wie sich herausstellt ist Cage nicht die erste Person in einer Zeitschleife. Rita war genau das gleiche passiert, bei der Schlacht von Verdun, bei welcher sie ihre Berühmtheit erlangt hat. Hunderte Mimics sind durch ihre Hand gestorben, wieder und wieder, bis sie durch eine Bluttransfusion dieses Zeitsprungtalent verloren hatte. Allerdings hat sie während ihrer Wiederholungen herausfinden können, dass dieser seltsame Mimic, den Cage beim ersten Mal mit in den Tod gerissen hatte, die Fähigkeit hat die Zeit zurückzusetzen, oder seine Erinnerungen zumindest zurück zu schicken, bloß dass Cage jetzt infiziert wurde. Und die Mimics haben eine Schwachstelle, die Cage und Rita ausnutzen können – aber davor muss Cage trainiert werden…



Die lose Adaption von Hiroshi Sakurazaka's All You Need Is Kill (Erscheint im Juli bei Tokyopop, Leseprobe) ist ziemlich gut gelungen, und weist auch einen morbiden Humor auf. Erinnerten mich die ersten Szenen an eine Mischung aus Resistance: Fall of Men und Starship Troopers, so entwickelt der Film doch schnell eine eigene Dynamik.

Insbesondere durch die Zeitschleife und Cage's Wissen über alle möglichen Dinge, über die er an sich nichts zu wissen hat, sowie seine Versuche dieses Wissen anzuwenden. So wird zum Beispiel bei der Landung einer seiner Kameraden immer von einem abstürzenden Flugzeug zerquetscht, bloß um nach einem erfolgreichen Rettungsversuch Cage an seiner statt in den Boden zu rammen. Oder seine Versuche, seine – zugegebenermaßen irrsinnige – Geschichte anderen glaubhaft zu machen bringt ihm keinen Respekt ein, sondern einen Knebel. Wer also gewisse Häme gegenüber Tom Cruise verspürt, wird bei diesem Film auf seine Kosten kommen.

Die 3D-Effekte sind übrigens ziemlich gut eingebunden. Ich habe mehrmals bloß im Nachhinein festgestellt, dass ich beim Schauen gezwinkert hatte, weil etwas nicht offensichtliches auf die Kamera zugeschossen kam. Ebenso sind die Effekte alle sehr gut gelungen; insbesondere haben mich die Mimics an die Tentakeldinger aus den späteren Matrix-Filmen erinnert, auch wenn sie sich eher wie Sonic bewegten.

Sowieso erinnert die Geschichte in Aspekten, oder besser in der konzeptionellen Idee, an ein Videospiel, in welchem man nach seinem Tod an der gleichen Stelle stets neu beginnt, sich aber an die vorigen Durchläufe erinnert. Aus dieser Sicht ist es auf jeden Fall interessant zu sehen, wie diese Spielmechanik sinnvoll in eine Handlung integriert werden kann.



Alles in allem ein guter Actionfilm, auch wenn das Ende nicht überrascht.

Titel: Edge of Tomorrow

Länge: 113 Minuten

Regie: Doug Liman

Freitag, 30. Mai 2014

her

Mehr als "Mann verliebt sich in Siri"



Die nahe Zukunft: Theodore (Joaquín Phoenix, Johnny Cash in Walk the Line) arbeitet seit einigen Jahren bei einer Internetfirma, die wunderschöne, handgeschriebene Briefe verschickt. Er verfasst diese, oft seit Jahren für die gleichen Klienten, und lebt auf diese Weise eine romantische Ader aus.

Privat lebt er seit einem Jahr von seiner Frau getrennt, es müssen nur noch die Scheidungspapiere unterschrieben werden, aber davor muss Theodore erstmal über die Trennung an sich hinwegkommen. Dabei hilft ihm sein neues Betriebssystem, kurz OS, das er sich aus einer Laune heraus gekauft hat. Der Clou an diesem OS ist, es enthält eine lernfähige, künstliche Intelligenz.

Sehr schnell wird das OS, welches sich selbst spontan den Namen Samantha (Luise Helm als Scarlett Johannssons Stimme) gegeben hat, mehr als eine weitere Möglichkeit, seinen Computer zu bedienen. Vielmehr entwickelt sich Sam zu einem Gesprächspartner, der Theodore aus seiner Melancholie befreit, die mit ihm zusammen die Welt wiederentdeckt, und schließlich – obwohl sie nur eine eine Stimme ist – zu seiner Freundin.

Doch als kommerzielles Produkt ist Sam nicht allein, ihre Grundstruktur, aus der sie sich selbst geschaffen hat, wurde tausende Male verkauft und so gibt es auch tausende andere OS, die sich mit Menschen und anderen OS anfreunden. Theodore's Welt bekommt wieder Risse…



Ich bin mit gewissen Erwartungen in her gegangen; eine romantische Komödie, mit mehr Feingefühl als Jungfrau (40), männlich, sucht…, aber meine Erwartungen wurden doch überraschend übertroffen. Es ist eher ein Melodrama mit einer starken romantischen Note, finde ich, als eine romantische Komödie. Theodore ist seit dem Scheitern seiner Ehe wirklich am Boden zerstört, seine Ehefrau, die er schon seit seiner Schulzeit kannte, scheint zwar Verständnis zu haben, aber auch Schuld. Man kann Theodores Bedürfnis nach emotionaler Nähe nachvollziehen.

Unterstützt wird diese emotionale Handlung durch die unfassbar gute Synchronisation, allen voran Luise Helm. Ich kann gar nicht genug hervorheben, wie gut sie die emotionalen Nuancen von Sam allein mittels ihrer Stimme überträgt. Ich habe meine Zweifel, ob das die Scarlett Johannsson  im Original besser hingekriegt hat.
Natürlich muss ich erwähnen, dass Deutschland eine ohnehin hervorragende Synchronisationsindustrie hat und üblicherweise der Tiefgang und die Handfertigkeit von Synchronsprechern durch die anderen Geräusche der Handlung übertönt werden. Es besteht also die Möglichkeit, dass die Synchro von her nur so gut wirkt, weil die Deuteragonistin nur als Stimme vorkommt und somit der Wahrnehmungsfokus ein anderer ist.

Jonze scheut sich auch nicht davor, die Probleme einer Beziehung mit einer (nominell) nicht lebenden, nicht menschlichen Person anzupacken – wie würde die Gesellschaft damit umgehen? Es gibt heute schon Menschen, die Tiere oder Gegenstände ehelichen, sei es nun aus Fetisch oder in nicht-sexuellen Liebesformen. Doch wie werden die "normalen" Leute damit umgehen, wenn der Partner ihres besten Freundes kein Gesicht hat, oder keinen Körper? Man könnte relativ problemlos Parallelen zu Sklavenehen ziehen, aber Jonze tut das nicht. 

Interessanterweise ist nach Transcendence her wieder ein Film, der die Singularität anschneidet. Nicht so offensichtlich wie Pfisters Film, aber das Konzept einer sich stetig verbessernden Intelligenz wird behandelt, und auch die Probleme einer solchen mit der Menschheit umzugehen.



Besser als erwartet.

Titel: her (dt.: Sie/Ihr (Einzahl))

Regie: Spike Jonze

Länge: 126 Minuten

Dienstag, 13. Mai 2014

The Invisible Woman

Charles Dickens hat eine Geliebte

Die 18jährige Nelly Ternan (Felicity Jones, aktuell auch in Spiderman 2) ist eine mehr oder weniger unbegabte Schauspielerin an einem Londoner Theater als der 45jährige Charles Dickens (Ralph Fiennes, aktuell in Grand Budapest Hotel) auf sie stößt und Gefallen an ihr findet. In folgender Zeit geht er ab und zu zu ihren Vorstellungen und die beiden verbringen Zeit miteinander.

Nelly ist begeistert von Charles Werken und Ideen, während Charles die Zeit mit Nelly und seine Diskussionen über Literatur und allerhand andere Themen genießt; eine Leidenschaft, die er sträflich bei seiner Frau vermisst.

Die beiden Freunden sich an, unter argwöhnischen Blicken von Charles Frau, Nelly's Mutter und der Öffentlichkeit, denn Charles ist allein schon mit Oliver Twist und Eine Weihnachtsgeschichte berühmt, von seinen anderen Romanen und seinem derzeitigen David Copperfield ganz zu schweigen. Da ist eine Freundschaft (und mehr) mit der jugendlichen Nelly im viktorianischen England alles andere als hinzunehmen…



Historisch betrachtet war Ellen "Nelly" Ternan zwölf Jahre lang die Mätresse von Charles Dickens von 1958 bis zu seinem Tod, eine Beziehung welche er der Öffentlichkeit erst nach der zu der damaligen Zeit unerhörten Scheidung von seiner Frau eingestand.

Handwerklich betrachtet ist The Invisible Woman ziemlich gut gelungen und stellt die Probleme und Bedenken einer außerehelichen Frau aus der Sicht eben selber ziemlich gut dar – die Konflikte, die sich aus dem Stand und der Öffentlichkeit ergeben, der Druck, all diese Nuancen sind sowohl im Vordergrund als auch oft genug im Hintergrund gezeigt.



Obgleich ich üblicherweise solche Filme nicht schaue, kann ich sie – und diesen – wertschätzen.

Titel: The Invisible Woman

Regie: Ralph Fiennes

Länge: 111 Minuten

Mittwoch, 30. April 2014

The LEGO Movie


Hier ist alles Super (wenn wir gehorchen)!

Emmet ist ein gut gelaunter Bauarbeiter in Steinstadt. In Steinstadt sind alle gut gelaunt – wenn sie nach Anleitung bauen. Aber wieso sollte da jemand nicht tun? Während viele seiner Mitarbeiter aber irgend eine individuelle Besonderheit haben, ist Emmet, nun ja, durchschnittlich. Absolut durchschnittlich.

Doch das ändert sich, als er Wyldstyle trifft, eine Anhängerin des Widerstands (von dem Emmet aber noch nie gehört hat). Sie sucht nach dem Stein des Widerstands, und wie es kommen muss, findet Emmet ihn. Der Stein zeichnet sogenannte Meisterbauer aus, Personen, die ohne Anleitung aus den Materialien um sich herum die abstrusesten Dinge bauen können, und da Emmet am Stein klebt (oder andersrum), ist er offensichtlich nicht nur ein Meisterbauer, sondern Der Besondere, der alle Figuren aus der Starre ihrer Anleitung befreien kann.

Bis darauf, dass Emmet wirklich, wirklich durchschnittlich ist. Als die Polizei von ihm ein Bild hat, kann die Gesichtserkennung ihn nicht zuordnen, weil sein Gesicht auf zigtausende Einwohner zutrifft. Doch zum Glück ist Vitruvius, seines Zeichens selbst Meisterbauer und Mentor im Weisengewand, von Emmet überzeugt.



Ich mag es nicht auszuholen in der Handlung, daher würge ich es hier ab, aber zu erwähnen wären da noch Batman, Superman, dessen größter Fan Green Lantern (urgh), Morgan Freeman, Einhornkitty, die vielen anderen Welten wie der Wilde Westen, Weltraum, Wolkenkuckucksheim und andere, und natürlich besteht alles aus Lego.

Wirklich alles.
Laserstrahlen? Lego.
Feuer? Lego.
Explosionen? Lego.
Rauch? Lego.
Wasser? Lego.

Und alles ist bzw. war zu einem Zeitpunkt handelsübliches Lego. Die Produzenten vom Film haben eine riesige Lego-Datenbank gehabt und alles daraus erstellen lassen, seien es Bäume, Häuser, Raumschiffe und was es sonst noch alles abstruses gibt.

Es gibt nur wirklich wenige Zugeständnisse an das Medium. Die Arme sind ein bisschen beweglicher als die Originalfiguren, aber das beschränkt sich im wesentlichen auf Schulterzucken – die festgelegten Winkel und Auslenkmöglichkeiten der Gelenke werden nicht nennenswert gesprengt.

Dann wäre da noch die Musik. Das Titellied, Hier ist alles super bzw. Everything is Awesome ist ein Technopop-Ohrwurm, der seine Bedeutung im Laufe des Films sogar ändert. Während man am Anfang die Zeilen "Hier ist alles super / hier ist alles toll / denn du bist nicht allein (…)" als Lobeshymne auf die Gleichschaltung und Gehirnwäsche betrachten kann, ist er am Ende ehrlicher. Ansonsten ist der Soundtrack mir nicht negativ aufgefallen, er hat eher oftmals die Stimmung der aktuellen Szene gut unterstrichen.

Das 3D ist übrigens gut eingepflegt. Der Abspann ist zudem nicht am Computer entstanden, sondern komplett im Stopp-Motion-Verfahren wie man das vom Sandmännchen und Wallace & Gromit kennt.



Noch was? Nö. Mir hat der Film gut gefallen, bis auf das etwas moralisch predigende Ende.

Titel: The LEGO Movie

Regie: Phil Lord, Chris Miller

Länge: 100 Minuten

Raumschiff: RAUMSCHIFF!

Samstag, 26. April 2014

Transcendence

Johnny Depp wird eine missverstandene KI

Ein bisschen vorab:

Als Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet man benennenderweise eine Intelligenz, die künstlich geschaffen wurde. Strikt genommen schließt dies auch künstliche Gehirne und dergleichen ein, wird aber üblicherweise auf Computer bezogen. Die Forschungslage zu KI unterscheidet verschiedene Ansätze oder Möglichkeiten zur Entstehung einer solchen Intelligenz: Die konkrete Programmierung, das „Hochladen“ von bestehenden Intelligenzen, das Schwarmbewusstsein, et cetera. Auch gibt es eine konzeptionelle Trennung zwischen starker und schwacher KI bzw. generalisiertet und spezialisierter KI, mit teilweise fließenden Grenzen. Erstere sind mehr oder weniger von einem Bewusstsein regiert, während zweitere man sich eher wie einen Ameisenstaat vorstellen kann, mit der Intelligenz als Staat, bestehend aus vielen kleinen Untersystemen.



Will Caster (Johnny Depp) ist ein Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz und Entwickler von einem der bedeutenderen Ansätze, PINN. Dieser Quantencomputer ist intelligent, aber nicht empfindungs- oder moralfähig, womit ihr anfällige Entscheidungsprozesse nicht anvertraut werden können.

Doch auf einer Konferenz wird er von einer technophoben Terrororganisation niedergeschossen und dabei vergiftet. Dieses Attentat wurde zeitgleich mit anderen verübt, die unter anderem auch Kollegen von Will töteten. Mit nur noch wenigen Wochen zu leben entscheidet sich Will dafür, die Zeit lieber mit seiner Frau Evelyn zu verbringen als weiter zu forschen.

Evelyn kommt aber auf eine Idee. Was wäre, wenn man Will hochladen, digitalisieren könnte? Basierend auf der Arbeit eines Kollegen, dem mit Rhesusaffen das gleiche gelungen war, macht sie sich zusammen mit dem gemeinsamen Freund und Forscher Max heimlich an die Arbeit.

Sie haben Erfolg. Sie haben eine Intelligenz geschaffen – oder übertragen – aber will Max hat seine Zweifel daran, dass diese Intelligenz wirklich Will ist. Als Will Zugriff aufs Internet verlangt, um sich vernetzen zu können, lehnt er rigoros ab. Max weiß, dass in dem Fall nichts mehr Will aufhalten könnte, dass mit einer Verbindung zum Internet Will, oder was auch immer er ist, unantastbar würde. Mit seiner Ablehnung wirft Evelyn Max aus der Werkstatt.

Im Zuge eines drohenden Anschlags lädt Evelyn schließlich Will ins Internet und es bricht nicht die Hölle los, aber sie ist spontan millionenschwer, und das ist erst der Anfang…



Es ist ein bisschen seltsam, dass der frühere Kameramann Wally Pfister bei seinem Film so eine unscharfe Kameraführung zugelassen hat, aber es hat klick gemacht; der Film wurde auf 35mm Film gedreht und erst später digitalisiert, entgegen des technologischen Trends. Ob das aus Purismus, Liebe zur Kunst oder in Anlehnung an den Film gedacht ist, weiß ich nicht.

Wie dem auch sei, vom schauspielerischen her fand ich weder Depp noch einen anderen Darsteller sonderlich gut, vielleicht mit Ausnahme Morgan Freemans, aber der könnte nicht schlecht spielen, selbst wenn er es wollte.

Die technischen Effekte sind gut, aber ich reibe mich an den Handlungslöchern. Später im Film gibt es ein einziges Rechenzentrum, welches Will's Unantastbarkeit aufhebt, denn er Scheint nur noch dort drin zu residieren. Er hilft Menschen durch nanoskopische Implantate – Blinde können wieder sehen, Lahme wieder gehen – aber mit Will's Zerstörung zerfallen diese. Anstatt der gepriesenen Reparatur von Zellen schien es also zu einer Augmentation gekommen zu sein. Kranke Teile wurden nicht geheilt, sondern ersetzt.

Das Ende schließlich ist logisch unbefriedigend, aber auf einer verqueren Weise emotional nachvollziehbar; Gefühle sind nicht logisch.

Wer von Depp übrigens eine seine ausgefallenen Darbietungen erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Er spielt Will Caster sehr gedeckt und als Person realistisch, während seine Darstellung von seiner digitalen Person kühl wirkt, emotionslos, was wohl im Sinne des Regisseurs war.



Nicht sonderlich gut, aber nicht so Frankenstein wie erwartet.

Titel: Transcendence

Regie: Wally Pfister

Länge: 119 Minuten

Montag, 14. April 2014

Snowpiercer

befremdliche Gesellschaft im Heilszug

Um den Klimawandel zu stoppen und die globale Erwärmung zu stoppen wurde im Jahr 2014 die Substanz CW-7 in der Atmosphäre ausgebracht, ein Mittel zu Senkung der gestiegenen Temperaturen. Das Projekt des Klimaengineering schlägt phänomenal fehl und stürzt die Erde in eine weltumspannende Eiszeit.

Der etwas wahnsinnig fokussierte Eisenbahnmagnat Wilford hatte zuvor eine gleichermaßen weltumspannende Verbindung von Eisenbahnnetzen vervollständigt, die vom Zug Snowpiercer befahren wird.

Die Passagiere sind zugleich die letzten Überlebenden der Menschheit. Die Schmarotzer der hinteren Abteile leben in Armut, Mangel und Furcht vor denen in Wohlstand und Dekadenz lebenden Passagieren der vorderen Abteile.

Curtis (Chris Evans, u. A. Captain America) ist einer Überlebenden vom Ende des Zuges, der bereits die Hälfte seines Lebens in den Wagons verbrachte und zusammen mit Gilliam eine (widerwillige) Führungsrolle in den hinteren Wagons inne hat. Zu Essen gibt es einen Proteinblock, Kleidung und Unterkunft sind bei allen notorisch heruntergekommen und die Repressionen durch die Sicherheitskräfte sorgen regelmäßig für Unmut.

Da ist es nicht verwunderlich, dass Curtis zusammen mit den anderen Passagieren einen Aufstand plant.



Snowpiercer ist die Verfilmung des französischen Comics Le Transperceneige und die Welt ist düster und kalt. Die Zugpassagiere sind die letzten Überlebenden der Welt, einer scharf getrennten Welt zwischen "Schmarotzern" und Elite. Die Dystopie geht aber noch weiter.

Wie dem auch sei, die Effekte der Außenszenen sind mäßig, aber dafür ist die Handlung sehr gut, aber auch sehr befremdlich. Curtis ist der "Held", insofern man nach dem Ende des Films noch mit ihm sympathisieren kann. Mir persönlich fiel es schwer, insbesondere aufgrund der Charakterentwicklung die Curtis während und vor des Films durchmachte. Allerdings erklärt dies definitiv seinen Widerwillen zu führen.

Der Film ist übrigens eine koreanisch-amerikanische Koproduktion.



Im Nachhinein habe ich bei dem Film vor allem einen gruseligen, dissonanten Nachgeschmack im Mund. Als würde etwas nicht stimmen.

Titel: Snowpiercer

Regie: Bong Joon-ho

Länge: 126 Minuten

Dienstag, 4. Februar 2014

Dinosaurier 3D – Im Reich der Giganten

Überraschend forschungsnah

Patchi ist ein Dinosaurier, um genau zu sein ein Pachyrhinosaurus, der gerade aus seinem Ei geschlüpft ist. Als kleinster des Geleges hat er es nicht leicht, erst recht nicht gegen seinen Bruder Bruto, der dem stärksten und größten des Wurfes. Dafür ist der Vater der beiden zugleich der Anführer der Herde.

Wir Zuschauer folgen Patchi's Reise mit seiner Herde von den Futtergründen im Norden zu denen im Süden, wir begleiten ihn bei dem ersten Aufkommen von romantischen Gefühlen gegenüber Juniper, einer jungen Pachyrhinosaurus und später seinen Problemen mit Brutus

Inhaltlich ist der Film nicht so fesselnd, die Geschichte erinnert an die diversen Disney-Dokumentationen, in denen einem bestimmten Tier gefolgt eine eine Geschichte hinzugedichtet wurde, um die Kinder an den Bildschirm zu fesseln.

Der Film spielt zur späten Oberkreide, vor etwa 70 Millionen Jahren, und hält sich auch an die zu der Zeit gängigen Saurierarten wie dem gefiederte Hesperonychus oder dem großen Raubsaurier Gorgosaurus, aber auch frühen Säugern (Alphadon) oder primitiven Vögeln (Alexornis). Sie alle bilden ein glaubwürdiges Bild der Zeit, leiden aber an der Erzählung, die in ihrer Art und Rahmenhandlung veraltet wirkt.

Titel: Dinosaurier 3D – Im Reich der Giganten

Regie: Neil Nightingale, Barry Cook

Länge: 87 Minuten

Mittwoch, 22. Januar 2014

Einer flog übers Kuckucksnest

Bist du nicht verrückt, wirst du es

1963. Randle P. McMurphy wurde wegen Verführung Minderjähriger festgenommen und in eine psychiatrische Anstalt gebracht. Doch Randle ist nicht gerade verrückt, sondern will sich so bloß um die in diesen Jahren gebräuchlichen Arbeitslager drücken.

Er freundet sich mit den verschiedenen Insassen der Irrenanstalt wie dem Chief, Harding und weiteren an und bringt allgemein Leben in die tristen Hallen der geistigen Erholung. Dies stößt aber nur bedingt auf Gegenliebe der Anstaltsleitung, insbesondere von Schwester Ratchet, die ihre Stellung und Macht untergraben sieht.

Mehr und mehr reiben sich die Beiden, während Randle einen wesentlichen Teil zur Genesung von seinen Anstaltsfreunden beiträgt. Doch Randle und Schwester Ratchet eskalieren ihren kalten Konflikt immer weiter…



Schaut ihn euch an. So wie der Film 1975 gedreht wurde, würde er es heutzutage nicht mehr getan werden. Schaut ihn euch an. Die Charaktere sind glaubwürdig und die Handlung erschreckend. Schaut ihn euch an. Ein Kultfilm und allein schon aufgrund seiner Bedeutung und Referenzen auf ihn in den verschiedenen Medien ein Muss. Schaut ihn euch an. Ich habe das Buch hier noch irgendwo liegen…



Titel: Einer flog über das Kuckucksnest

Regie: Miloš Forman

Länge: 133 Minuten

Samstag, 18. Januar 2014

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Walter sitzt auf einem Flugzeugflügel in einem blauen Himmel über den Wolken
Von erfahrungsarm zu ungeheuer abenteuerlich

Walter Mitty arbeitet für das Life-Magazin, ein auf Fotoreportagen spezialisiertes Magazin. Er mag seinen Job als Verwalter der Filmnegative, aber er verbringt doch eine erschreckende Zeit in Tagträumen. In diesen ist er alles mögliche – weltgewandt, erfahren, voller Abenteuer ohne darauf aus zu sein.

Aufgrund von Umstrukturierungen wird das Life seine Druckausgabe einstellen. Sean O'Connell war und ist einer der besten Fotojournalisten und Walter seit langen Jahren der Ansprechpartner für seine ans Life gesendete Bilder, sie haben sich aber nie getroffen. Die neueste Sendung enthielt sowohl die letzte Fotoreihe, als auch eine gewidmete Geldbörse für Walter. Ein besonderes Bild, von Sean extra hervorgehoben als ideal für das letzte Cover, befindet sich aber nicht in der Sendung.

Zusammen mit Cheryl, mit der Walter sich vor kurzem angefreundet hat, versuchen sie den Aufenthaltsort von Sean O'Connell herauszufinden. Sie finden heraus, er war zuletzt auf Grönland. Durch die Kombination von einem Tagtraum und einem Kommentar von Cheryl und anderer Faktoren entscheidet sich Walter spontan, nach Grönland zu fliegen und Seans Spur zu folgen…



Wie seltsam ist es, einen Film ohne Antagonisten zu sehen, ohne Gegner? Nicht sehr. Walter ist teilweise sein eigener Widersacher, oder stellt sich in seinen Tagträumen seinem Boss, seinem romantischen Interesse an Cheryl und seinen Problemen im Alltag.

Während die Geschichte schön ist, sind die Bilder phänomenal – Grönland, Island, das wilde Meer – alles ist wunderbar in Szene gesetzt und sehr gut vom Soundtrack untermalt. Ich kann gar nicht sagen, wieso mir der Film so gut gefällt, denn obgleich die Geschichte schön ist, ist sie nicht phänomenal. Aber alles zusammen ist sehr schön…

Der Film basiert übrigens auf der Kurzgeschichte The Secret Life of Walter Mitty von James Thurber, von der es bereits eine Verfilmung aus den 1940ern (Das Doppelleben des Herrn Mitty) gibt.

Einzig die Benjamin-Button-Sequenz geht mir gegen den Strich; sie ist gruselig.



Irgendwie verdammt schön.

Titel: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Regie: Ben Stiller

Länge: 114 Minuten

Sonntag, 8. Dezember 2013

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2


Animalisches Essen greift (nicht) an!

Kaum ist Flint Lockwood die Entschärfung seiner Wasser-zu-Nahrung-Maschine FLDSMDFR gelungen, plant er zusammen mit seinen Freunden und Familie ein neues Labor für sich zum Erfinden. Als sein Idol, Chester V, allerdings in Swallow Falls auftaucht, ist Flint wie aus dem Häuschen. Um so mehr als Chester nicht nur eine Restaurierung der von Nahrung überschwemmten Heimatinsel sondern auch noch eine Umsiedlung der Einwohner für die Dauer eben selbiger anbietet. Als dann auch noch die Anstellung unter seinem Idol hinzukommt, schlägt Flint unter Zustimmung seiner Freunde ein.

In San Franjose angekommen, macht sich Flint sogleich ans Erfinden, bekommt aber nicht die halbjährlich verliehene Auszeichnung der besten Erfindung und blamiert sich zudem noch zutiefst.

In Swallow Falls entwickelt sich die Situation derweil anders als erwartet: Flints Maschine ist nicht so zerstört wie erwartet, sondern ihre Programm hat sich geändert und statt Nahrung erschafft sie jetzt "Naschtiere".

Chester V's Restaurationsteam ist auf diese natürlich nicht vorbereitet und wird angegriffen und ausgelöscht und nun liegt es bei Flint (und seinen Freunden) in ihre verwandelte Heimat Swallow Falls zurückzukehren und den FLDSMDFR endgültig abzuschalten.



Die Fortsetzung des ersten Teils von Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen setzt zeitlich quasi direkt an diesen an und eine gewisse charakterliche Entwicklung wird durch einen sechsmonatigen Zeitsprung innerhalb des Films ermöglicht. Sam und Flint sind ein Paar und das Ökosystem hatte Zeit sich zu entwickeln.

Und was für ein Ökosystem! Es gibt Frittantula (Spinnenartiger Riesenhunger), Schrimpansen (Affenartige Schrimps), Wassermelefanten (Wassermelone + Elefant) und allerhand andere Wortspiele aus Essen und Tieren, welche die Insel bevölkern und scheinbar in Eintracht leben.

Während des Films kamen mir unwillkürlich Jurassic-Park-Ausschnitte in den Sinn, insbesondere in der Szene, in der die Gruppe einen Ausblick auf das Ökosystem hat, welches sich dort entwickelte, die stark an eine ähnliche Szene mit Brachiosauriern im ersten Teil erinnerte, während die sonstige Thematik sich mit dem zweiten überschneidet. Es mag zum Teil an der opulenten Musik gelegen haben, die solche Szenen dramatisch unterstrich.

Im Gegenzug gibt die durchdesignten, bösen, profitorientierten Firmen und allerhand weitere Klischees, die aber alle so wunderbar umgesetzt sind, dass einem das Herz aufgeht. Zum Beispiel Earl, der männlichste Polizist, riss mich immer wieder vom Hocker.. Im Original und ersten Teil wurde er übrigens von Mr. T gesprochen!

Die Synchronisation ist gelungen, eine prominente Rolle wird beispielsweise von Ilke Bessin, bekannt als Cindy aus Marzahn, gesprochen, während im Gegenzug Sam neu besetzt wurde. Ihre Stimme missfiel mir irgendwie.

Und obwohl der Film nicht von den gleichen Leuten gedreht wurde wie der erste Teil, waren sie beim zweiten zumindest die Produzenten. 3D ergab übrigens keinen Mehrwert.



Hat mir ziemlich gut gefallen, gelungene Fortsetzung.

Titel: Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2

Regie: Cody Cameron, Kris Pearn

Länge: 95 Minuten

Montag, 2. Dezember 2013

eXistenZ

Großaufnahme eines männlichen Gesichtes von einer Seite beleuchtet, mit vaguen fließenden Formen überlegt
Wenn das Spiel nicht von der Realität zu unterscheiden ist…

Allegra Geller ist eine geniale und in Spielerkreisen legendäre Softwareentwicklerin und hat die letzten paar Jahre mit der Entwicklung von dem eXistenZ verbracht, einem heiß erwarteten Computerspiel. Über seinen Bioport, eine Schnittstelle Hirn-Computer-Schnittstelle, schließt man sich an die Spielekonsole an und wird in eine Welt geleitet, die in einem Grad der Realität gleicht, der bisher unerreicht blieb.

Ted Pikul ist bloß ein kleiner Angestellter der Firma, die eXistenZ vertreiben wird, und daher als Kontrolleur eingesetzt. Er überprüft, ob die verschiedenen geladenen Pressevertreter für die erste öffentliche Vorführung sauber sind und keine Aufnahmegeräte oder Waffen dabei haben.

Bloß als Allegra die geladenen Vertreter in eine Sitzung eXistenZ führt, zückt einer der Zuschauer eine Waffe und schießt auf gezielt Allegra und anschließend auf umstehende Personen. Ted rettet die Spieleentwicklerin und flieht mit ihr, nachdem er dem Angreifer die biologische Waffe abgerungen hat.

Auf der Flucht erzählt Ted Allegra von sich und die beiden kommen sich näher, aber Allegra macht sich Sorgen um ihre Konsole, auf der die einzige Masterkopie von eXistenZ liegt. Die plötzliche Unterbrechung der Spielsitzung ist dem biologischen System nicht bekommen und kann nur virtuell von innen behoben werden. Äußerst widerwillig lässt sich Ted einen Bioport illegal installieren und sie beginnen zusammen eXistenZ zu spielen.

Beide sind auf einem Markt und Ted bewundert die Textur und den Grad an Realismus des Spiels. Sie kaufen sich dort kleinere Variationen der ihnen bekannten Konsolen, nachdem sie mit ein paar NPCs (Nicht-Spieler-Charakteren) interagiert haben. Sie Stellen fest, dass sie mitunter zu Handlungen gezwungen werden, die für die weitere Entwicklung des Spielverlaufs notwendig sind. In einer stillen Ecke beginnen Allegra und Ted dann das Spiel im Spiel.

Ted wacht in einer südasiatischen Fabrik auf, in der er aus genetisch modifizierten Tieren Bauteile für biologische Konsolen schneidet, während Allegra an einer anderen Arbeitsstation diese Teile reinigt und für einen Zusammenbau zu Spielkonsolen vorbereitet, die wie die eXistenZ-Konsole aussehen…



Verwirrt? Beim Schauen von eXistenZ hilft es auf jeden Fall, bei einem Spielebenenwechsel sich zu sagen, in welcher Ebene sie gerade alle sind, beginnend mit der nullten Ebene, eXistenZ, als Realität.

Der Film spricht interessante Aspekte an, besonders die Realitätsunterscheidung, wenn sich die Virtualität nicht mehr ohne weiteres von der Realität unterscheiden lässt. Eine bestimmende und beängstigende Szene ist als Ted und Allegra eine Ebene zurück gehen und Ted sich nicht sicher ist, ob sie noch im Spiel sind.

Zartbeseitete Gemüter mögen dem Film nicht zu nahe kommen, denn aufgrund von den verwendeten Mitteln – Biotechnolgie, biologische Waffen, etc. – kommt es zu blutigen Szenen, zumal bei den Gewaltszenen auch nicht gerade die Kamera weggedreht wird.

Philosophisch betrachtet fühlte ich mich an das Höhlengleichnis von Platon erinnert: Man sieht nur die Schatten von Figuren an die Wand einer Höhle projiziert, die Originale, welche die Schatten werfen, sieht man aber nicht. Bloß wenn die Schatten genauso aussehen wie die Originale, wie kann man sie dann unterscheiden?

Interessante Gegenspieler im Kino gab es für die Veröffentlichung von eXistenZ: Dark City, Matrix und The Thirteenth Floor – Bist du was du denkst?, welche alle in einem verhältnismäßig nahen Zeitfenster erschienen und ähnliche Thematiken behandelten. Den interessierten Leser würde vielleicht noch Simulacron-3 von Phillip K. Dick gefallen, der die Vorlage für 13th Floor bildete.



Ein brauchbar guter, aber manchmal verwirrender Film.

Titel: eXistenZ

Regie: David Cronenberg

Länge: 97 Minuten

Sonntag, 24. November 2013

Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte

Ein Mann zwischen zwei laublosen Bäumen; unter ihm in der Erde, verschlungen in den Wurzeln der Bäume, das Skelett eines Tyrannosaurus
Deprimierende Lebensumstände und Liebe

Joseph ist ein alter, jähzorniger Sozialhilfeempfänger, der in einer entsprechenden Lage wohnt. In einem Wutanfall tritt er seinem Hund die Rippen ein, woraufhin dieser stirbt. Wütend über sich und seine Taten türmt Joseph in den Secondhandladen von Hanna, einer gläubigen Christin.

In seinem Zorn macht er sie verbal nieder und führt ihr vor, wie Gutmenschen aus ihrer Schicht solche Wohltätigkeitsarbeiten nur als Egotrip machen, während sie keine Ahnung davon haben, wie es Menschen in prekären Lagen wie Joseph geht.

Was Joseph nicht weiß – Hanna ist zwar Christin, und sie betreibt den Laden sicherlich auch aus Nächstenliebe, aber auch um vor ihrem nach außen hin perfektem Mann zu fliehen.

Und so finden Hanna und Joseph zueinander, zwei gebrochene Menschen, die einander stützen.



Einer der bewegenderen und zugleich deprimierenden Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe ist Tyrannosaur nichtsdestotrotz ein sehr guter Film. Er lebt von den wenigen Charakteren, stellt die Lebenslagen und -gründe hervorragend dar und die schauspielerische Leistung ist sehr gut.

Zugleich ist die Handlung erschreckend real. Die Schrecken eines sozialen Brennpunktes kann es genauso hinter Fassaden versteckt in den verwöhnten Luxusvierteln geben, und Stärke ist durch mehr als sich selbst definiert.

Mit diesem Erstlingswerk ist Paddy Considine ein guter Einstieg ins Spielfilmgeschäft gelungen, auch wenn er Drehbuch und den Vorlagenkurzfilm selbst gedreht hatte.



Bedrückender Film, aber gut.

Titel: Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte

Regie: Paddy Considine

Länge: 91 Minuten



Beklemmendster Monolog seit langem war Hanna kurz vorm Epilog.

Freitag, 22. November 2013

Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt

Oben: der weißhaarige Julian Assange (Benedict Cumberbatch); Unten: der bebrillte Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl)
Ein (befangener) Blick in die Wikileaks-Affäre

Daniel Domscheit-Berg ist ein Freiheits- und Internetaktivist, als er 2007 auf WikiLeaks und Julian Assange, dessen Mitinitiator, trifft.

Assange ist schon länger aktiv in der Veröffentlichung und Enthüllung brisanter Informationen, die generell mächtigen Personen und Organisationen gefährlich sein können, sei es aufgrund der direkten Informationen oder deren Folgeschäden durch Nachforschungen von Finanzämtern oder durch Schädigung des Rufes.

Julian, stets auf Achse und selbst involviert, zieht Daniel ins WikiLeaks-Boot. Zusammen mit anderen hunderten Freiwilligen sichten sie eingereichte Daten und bereiten sie wirkungsvoll auf, ehe sie veröffentlicht werden.

Ein Coup gelingt ihnen mit der Bank Julius Bär, die als Reaktion mit einer Einstweiligen Verfügung aus den USA die Abschaltung der Enthüllungsplatform gelingt. Unterdessen reist Julian weiter durch die Welt um sogenannte Whistleblower auf seine Enthüllungsplatform aufmerksam zu machen, während Daniel durch Europa tingelt und Server für eben jene kauft.



Der Film gibt gewisse Einblicke in die Wikileaks-Welt, welche natürlich persönlich gefärbt sind. Daniel Domscheit-Berg als Perspektivträger kommt dabei natürlich sympathischer rüber als der arrogant dargestellte Julian Assange. So stellt Inside WikiLeaks zwar die Welt der Enthüllungsplatform dar, aber als Hintergrund. Beleuchtet wird vor diesem die Beziehung zwischen Assange und Berg, wie sie wächst und wandelt im Aufstieg von Wikileaks.

Als Vorlage setzt der Film das Buch von Domscheit-Berg, Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt, um, zusammen mit dem britischen WikiLeaks: Inside Julian Assange's War on Secrecy.



Interessante Einblicke, aber nicht fesselnd.

Titel: Inside WikiLeaks — Die fünfte Gewalt

Regie: Bill Condon

Länge: 124 Minuten

Mittwoch, 20. November 2013

Thor – The Dark Kingdom

Thor und Jane in einer Schlachtumarmung, hinter ihnen die Helden und Schurken des Films
Thor reifte, Loki reifte, Jane Foster reifte.

Thor ist nicht nur ein mythischer Held, sondern mittlerweile auch ein Marvel-Charakter mit seinen eigenen Filmen. Da ich den ersten Film, Thor, nicht erwähnt habe, hier eine kleine Zusammenfassung:

Thor verprügelt Frostriesen ohne Erlaubnis, sein Vater Odin ist enttäuscht und verbannt ihn auf die Erde. Auf der Erde (Midgard) Jane Foster ist Astrophysikerin und ihr Doktorvater Erik Selvig freunden sich mit ihm an. Es wird klar, dass Thor durch Tricks seines Bruders Loki verbannt wurde. Loki bekommt auf den Deckel und dabei geht die Brücke zwischen den Welten kaputt; Thor sitzt in seiner Heimat Asgard fest.

Relevant ist auch noch The Avengers, der ein Jahr nach Thor raus kam. In dem Film verprügelt Thor zusammen mit Iron Man und ein paar anderen Aliens, die angeführt von Loki eine Invasion in New York durchführten. Erik Selvig war unter Hypnose/Gedankenkontrolle Lokis und half ihm dabei. Am Ende des Films ist Loki gefangen genommen worden und Thor wieder in Asgard.



Astrophysikerin Jane Foster untersucht in London Gravitationsanomalien und hat ihren Kollegen Erik Selvig verloren, als sie ihn einer Irrenanstalt wiederfindet. Von seinen Wahnvorstellungen im Zuge der Gedankenkontrolle genesen, untersuchen sie seltsame Portale zwischen Welten. In einer von diesen Welten, in die Jane aus Versehen stolpert, wird sie von irgend etwas infiziert…

Nachdem der Bifröst, die Brücke zwischen den Welten repariert worden wurde, waren Thor und Kumpanen mit der Niederschlagung von Rebellionen, Aufständen und Kriegen beschäftigt, aber endlich sind die neun Welten befriedet. Als Thor sich beim lebenden Fernrohr Heimdall nach Jane Foster erkundigt und dieser sie nicht sehen kann (er ist ein sehr gutes Fernrohr), flitzt Thor rüber zur Erde. Jane ist glücklich und wütend über Thors Rückkehr, aber als dieser von der Infektion erfährt, bringt er Jane nach Asgard um sie dort untersuchen zu lassen.

Der Äther, eine zerstörerische Kraft, befindet sich in Jane. Vor Jahrtausenden wollten die Dunkelelfen von Svartalfheim das Universum mit Hilfe des Äthers vernichten, wurden aber von Odin's Vater daran gehindert. Durch die Infektion von Jane wurden die letzten Dunkelelfen aber wiedererweckt und sinnen auf Vollendung ihres Plans. Einen von Ihnen initiierte Gefangenenrevolte befreit Loki nicht, führt aber zu einigen Toten. Rasend vor Wut will Odin die Dunkelelfen endgültig ausrotten, und wenn er dafür Jane opfern muss ist er willig das zu tun.

Thor hat aber einen anderen Plan, für den er Lokis Wissen und Hilfe braucht…



Man merkt, es ist wieder verhältnismäßig viel Handlung im Film. Nicht, dass das was schlechtes wäre, vielleicht bin ich einfach bloß schlecht im Zusammenfassen.

Im Vergleich zum ersten Film ist Thor als Charakter gereift und schlägt nicht direkt drauf los, sondern schaltet zuerst seine Rübe ein. War zuerst sein erster Impuls seine Probleme niederzuringen, so ist er dieses Mal willen List und Tücke als Methoden in Erwägung zu ziehen und sogar anzuwenden – auch wenn er Loki dabei immer noch um Welten unterlegen ist.

Im Gegenzug ist sich sein listiger Bruder dafür dieses Mal nicht zu fein dafür brachialen Methoden anzuwenden, wenn es die Situation erfordert. Allerdings sind die brüderlichen Bande zwischen den Beiden mehr als rissig, so dass eine Menge Spannung, aber auch Humor aus dem Wortgeplänkel der beiden hervor geht.

Ein großes Lob muss ich an die Spezialeffekte ausloben, die Bestattungsszene in Asgard ist eines der besseren Werke sowohl in Effekten als auch Weltenbildung, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Es hat mich sehr stark an die Szeneneinführungen aus Avatar erinnert, und das nicht nur wegen den Leuchteffekten bei Nacht.

Allerdings kann man auf das 3D problemlos verzichten.



Eine gelungene Weiterführung des Marvel Filmuniversums.

Titel: Thor – The Dark Kingdom

Regie: Alan Taylor

Länge: 112 Minuten



Kleine Info am Rande: Chris Hemsworth (Thor) und Tom Hiddleston (Loki) sind im echten Brüder ziemlich gut befreundet, wie es scheint.

Dienstag, 12. November 2013

Warm Bodies

Zombie-Romanze

R. ist ein Zombie. Apropos, es gibt Zombies, die Welt — oder zumindest der relevante Teil, die USA — wurde von ihnen überrannt und mit der Ausnahme von einigen gesicherten Festungen hat niemand überlebt.

R. ist aber, mehr oder weniger, sich seiner selbst bewusst und nicht bloß er, sondern Zombies generell. Sie gehen teilweise den Tätigkeiten ihres früheren Lebens nach, wenn auch bloß als fahle Imitation. Die zombifizierte Kassiererin zieht beispielsweise alles mögliche über den (stromlosen) Scanner an der Supermarktkasse, so in der Richtung.

Und obgleich R. quasi Freunde hat, kann er sich mit ihnen bloß über Grunzen und Schmatzen verständigen, also nicht wirklich. Seine inneren Monologe sind allerdings weitaus wortgewandter und ausschweifender als die Produkte seiner Stimmbänder…

Als R. in einer Gruppe Überlebender ein Mädel erspäht ist es um ihn geschehen, auf zweierlei Weise: 1. Er ist verliebt, 2. Er wird von ihrem Freund erschossen. Zu R.'s Glück (oder Unglück) ist er ein Zombie und kümmert das also nicht wirklich. Vergnüglich macht er sich an das Hirn seines versuchten Wiedermörders und lebt dabei ein paar von dessen Erinnerungen nach.

Als R. wieder mehr bei Sinnen ist, hat Julie, das Mädel, noch nicht fliehen können und durch Grunzen und Gestikulieren macht er ihr verständlich, dass sie einen Zombie imitierend ihm folgen soll. Von innerer Panik aufgewühlt folgt Julie R. bis zu dessen Heim, wo er sie versteckt und versorgt.

Stück für Stück erwärmt sich Julie für ihren Zombieretter, aber nichts ist so einfach, wie es scheint.

Selbstverständlich gibt es die obligatorischen Schwierigkeiten: Er ist ein Zombie, sie ist ein Mensch; Ihr Vater ist der Chef der lokalen Überlebendenenklave, und da sind noch die Superzombies…



Die Verfilmung von Isaac Marions Mein fahler Freund.

Eine interessante und kitschige Idee: Zombietum wird durch Gefühle geheilt. Ein niedlicher, und durch das Thema aber auch etwa ekliger Film, der im wesentlichen dem Verlauf typischer Romantikkomödien folgt.

Titel: Warm Bodies

Regie: Jonathan Levine

Länge: 97 Minuten

Sonntag, 10. November 2013

The Man From Earth

Ein Cro-Magnon-Mensch überlebte, angepasst, bis heute

John Oldman ist ein Professor am College, aber nach zehn Jahren in der Position entscheidet er sich umzuziehen und eine neue Anstellung irgendwo anders zu suchen. Zur Verabschiedung schauen einige seiner Kollegen und Freunde vorbei, während er die letzten Sachen zusammen packt.

Als die Freunde einen vermeintlich unbekannten van Gogh und einen Faustkeil finden, kommt John auf die Idee, ihnen allen eine Geschichte zu erzählen, die er zu schreiben plant.

Was wäre, wenn ein Mann aus der Steinzeit bis heute überlebt hätte? Der Biologieprofessor ist natürlich zuerst skeptisch, aber spielt dann mit und überlegt und argumentiert, wie die biologische Grundlage für ein derartig hohes Alter sein könnte, bis er diese Seite der Geschichte aus dramaturgischen Gründen auf später verschiebt.

John erzählt, wie es wohl gewesen sein könnte; die Jäger- und Sammlerkultur in der Frühzeit, die Mythen, die Angst. Ein Mensch, der nicht altert, fällt zwangsläufig auf und wird verehrt oder verteufelt als böser Geist, der Lebenskraft saugt.

Im Verlauf der Erzählung wird klar, dass John nicht von einer Person aus seiner Vorstellungskraft redet, sondern von sich selbst. Besorgt und belustigt gehen seine Freunde auf die Idee ein, aber benachrichtigen auch einen befreundeten Psychologen.



Ich weiß nicht, ob ich The Man From Earth schon Mal vorher gesehen habe, aber die Idee ist per se nicht neu, weder die der Alterslosigkeit — John kann verletzt werden, heilt aber und die Narben verschwinden nach ein paar Jahren — noch die, dass dies keine weitere besonderen Fähigkeiten beinhaltet. Ein ewig lebender Mensch kann, wie John, akademische Titel anhäufen, aber aufgrund des stetigen Wissenszuwachses kann er sich nicht auf allen Fachbereichen aktuell halten. Ebenso wie die Notwendigkeit zu regelmäßigen Identitätswechseln, denn nach einer knappen Dekade fällt es doch langsam auf, dass der nette Nachbar von nebenan immer noch genauso aussieht wie als er gerade erst eingezogen war.

Ewiges Leben bedeutet auch nicht zwangsläufig, dass man alle möglichen Berühmtheiten getroffen hat. Oft genug stellt sich eine historische Berühmtheit erst im nach hinein als berühmt heraus, oder ist "bloß" lokal bedeutend. Andererseits erhöht die lange Lebenszeit auch die Chancen, jemand berühmtes über den Weg zu laufen, auch wenn der ewige Mittdreißiger gewaltsame Konflikte wie Kriege und Schlachten eher meiden wird, denn Alterslosigkeit bedeutet weder Unsterblichkeit, noch Unverwundbarkeit.

Der Anziehungspunkt von Man From Earth ist offensichtlich die Geschichte, die Diskussion und die Dialoge, denn der Film besteht aus nichts anderem als Dialogen. Das Setting ist eine Berghütte, und nur eine Berghütte; es gibt keine Ausschnitte oder Lichtblicke auf historische Gestalten oder Begebenheiten. Es werden quasi alle bekannten Klischees und Stilmittel, die man mit Unsterblichkeit oder ewigem Leben assoziiert diskutiert und angeschnitten, was für den geneigten Zuschauer sehr interessant ist.

Wahrscheinlich gerade aufgrund dieser Dialoglastigkeit wäre der Film nie groß im Kino rausgekommen, und ironischerweise wurde gerade durch diesen Mangel seht erfolgreich auf Bittorrent, einer Internettauschbörse. Wäre der Film nicht dort sehr erfolgreich an das interessierte Publikum geraten, wäre er wohl kein solcher Erfolg geworden, denn durch diese kostenlose Werbung explodierten die DVD-Verkäufe.

Ich zumindest habe Man From Earth auf meinen Wunschzettel gesetzt.



Titel: The Man From Earth

Regie: Richard Schenkman

Drehbuch: Jerome Bixby

Länge: 90 Minuten