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Sonntag, 8. Juni 2014

Superman: Secret Identity

Clark Kent wird mit den Supermancomics getriezt

In den Comics hat Superman eine geheime Identität, die den Namen Clark Kent trägt. In der Realität hat die Familie Kent einen skurrilen Humor, nennt sie ihren Sohn gerade deswegen Clark.

Man kann sich vorstellen, wie dieser Name sich auf sein Schulleben auswirkt – es werden gerne Witze über ihn gemacht, und die typischen dummen Sprüche ergeben sich ja quasi wie von selbst. Zu seinem Glück ist Clark nicht gerade ein sozialer Mensch, so dass ihn das nicht so sehr fertig macht, wie man denken könnte. Er geht diesen Problemen eher aus dem Weg und bietet seinen Mitschülern somit keine Angriffsfläche.

Das ist keine Flucht, sondern vielmehr fühlt er sich auch alleine wohl. Bei einem seiner Campingtrips  jedoch passiert etwas seltsames – nach einem Albtraum wacht er zehn Meter in der Luft schwebend auf. Sein Name, wie es der Zufall so will, war anscheinend passend gewählt.

Aber Clark ist nicht gerade dumm, er kennt die Gefahren und Risiken eines Superheldenlebens schon lange bevor er aus unerfindlichen Gründen Superkräfte hat, und er ist sehr, sehr vorsichtig. Wenn er Leute rettet, dann nur im Kostüm, aus der Logik heraus, dass jeder Zeugenbericht im Sinne von "Superman hat mich gerettet" nicht für voll genommen werden wird. Clark verbringt regelmäßig Zeit damit, Menschen aus misslichen Lagen, Unfällen, Katastrophen und teilweise auch Kriegen zu retten und anderweitige Hilfsaktionen durchzuführen, zeigt sich aber dabei niemals der Öffentlichkeit. Es gibt zwar Gerüchte, aber es bleibt stets bloß bei eben solchen.

Das geht auch jahrelang gut, bis eine Rettung sich als Falle des Militärs entpuppt und Clark ohnmächtig zu Boden geht…



Normalerweise lese ich kein/kaum US-Comics, aber Secret Identity hatte mir gefallen, als er raus kam, und da ich gerade eh im Comicladen war, habe ich ihn mir geholt. Auch gut zehn Jahre nach meinem erstmaligen Lesen und ebenso lange nach dem Erscheinen ist die Geschichte nach wie vor sehr interessant und fesselnd.

Wie eingangs beschrieben ist Clark nicht dumm. Er weiß, dass das Militär und wer weiß noch alles ihn untersuchen und auseinandernehmen würden, bis sie alles über ihn und seine Kräfte in Erfahrung gebracht hätten. Gerade deswegen entscheidet er sich trotz einer zuerst noch unschlüssigen Meinung gegen seine Offenbarung. Stattdessen gibt er einer Reporterin Interviews – verkleidet und unter höchster Vorsicht – und zeigt der Welt im Prinzip, dass es sowas wie ihn gibt, aber mehr auch nicht.

Der Comic ist im Prinzip als Memoiren oder Tagebuch geschrieben, und Clark erzählt von seinem Leben, seinen Sorgen, und den stillen Konflikt, den er sich später mit dem Militär liefert. In vielerlei Hinsicht ist Clark Kent genau das, was er ist: Clark Kent, Autor und Familienvater, und wie jeder Mensch hat er Geheimnisse. Bloß seines ist ein bisschen größer. Er arbeitet nicht beim Daily Planet in Metropolis, aber er ist Autor in Manhatten. Bis auf seine Frau weiß keiner von seinen Fähigkeiten. Und er ist ziemlich zufrieden damit, und mit seinem Leben.

Graphisch ist Secret Identity nicht von den üblichen überzeichneten Charakteren bevölkert, es gibt keine Adonis- und Nymphenkörper. Stattdessen sind alle Menschen menschlich und wunderbar normal.



Hat mir sehr gut gefallen! Aber ich mag generell Geschichten, die andere Winkel zeigen :)

Titel: Superman: Secret Identity

Autor: Kurt Busiek

Illustration: Stuart Immonen

Länge: 208 Seiten, durchgehend farbig

Mittwoch, 30. April 2014

The LEGO Movie


Hier ist alles Super (wenn wir gehorchen)!

Emmet ist ein gut gelaunter Bauarbeiter in Steinstadt. In Steinstadt sind alle gut gelaunt – wenn sie nach Anleitung bauen. Aber wieso sollte da jemand nicht tun? Während viele seiner Mitarbeiter aber irgend eine individuelle Besonderheit haben, ist Emmet, nun ja, durchschnittlich. Absolut durchschnittlich.

Doch das ändert sich, als er Wyldstyle trifft, eine Anhängerin des Widerstands (von dem Emmet aber noch nie gehört hat). Sie sucht nach dem Stein des Widerstands, und wie es kommen muss, findet Emmet ihn. Der Stein zeichnet sogenannte Meisterbauer aus, Personen, die ohne Anleitung aus den Materialien um sich herum die abstrusesten Dinge bauen können, und da Emmet am Stein klebt (oder andersrum), ist er offensichtlich nicht nur ein Meisterbauer, sondern Der Besondere, der alle Figuren aus der Starre ihrer Anleitung befreien kann.

Bis darauf, dass Emmet wirklich, wirklich durchschnittlich ist. Als die Polizei von ihm ein Bild hat, kann die Gesichtserkennung ihn nicht zuordnen, weil sein Gesicht auf zigtausende Einwohner zutrifft. Doch zum Glück ist Vitruvius, seines Zeichens selbst Meisterbauer und Mentor im Weisengewand, von Emmet überzeugt.



Ich mag es nicht auszuholen in der Handlung, daher würge ich es hier ab, aber zu erwähnen wären da noch Batman, Superman, dessen größter Fan Green Lantern (urgh), Morgan Freeman, Einhornkitty, die vielen anderen Welten wie der Wilde Westen, Weltraum, Wolkenkuckucksheim und andere, und natürlich besteht alles aus Lego.

Wirklich alles.
Laserstrahlen? Lego.
Feuer? Lego.
Explosionen? Lego.
Rauch? Lego.
Wasser? Lego.

Und alles ist bzw. war zu einem Zeitpunkt handelsübliches Lego. Die Produzenten vom Film haben eine riesige Lego-Datenbank gehabt und alles daraus erstellen lassen, seien es Bäume, Häuser, Raumschiffe und was es sonst noch alles abstruses gibt.

Es gibt nur wirklich wenige Zugeständnisse an das Medium. Die Arme sind ein bisschen beweglicher als die Originalfiguren, aber das beschränkt sich im wesentlichen auf Schulterzucken – die festgelegten Winkel und Auslenkmöglichkeiten der Gelenke werden nicht nennenswert gesprengt.

Dann wäre da noch die Musik. Das Titellied, Hier ist alles super bzw. Everything is Awesome ist ein Technopop-Ohrwurm, der seine Bedeutung im Laufe des Films sogar ändert. Während man am Anfang die Zeilen "Hier ist alles super / hier ist alles toll / denn du bist nicht allein (…)" als Lobeshymne auf die Gleichschaltung und Gehirnwäsche betrachten kann, ist er am Ende ehrlicher. Ansonsten ist der Soundtrack mir nicht negativ aufgefallen, er hat eher oftmals die Stimmung der aktuellen Szene gut unterstrichen.

Das 3D ist übrigens gut eingepflegt. Der Abspann ist zudem nicht am Computer entstanden, sondern komplett im Stopp-Motion-Verfahren wie man das vom Sandmännchen und Wallace & Gromit kennt.



Noch was? Nö. Mir hat der Film gut gefallen, bis auf das etwas moralisch predigende Ende.

Titel: The LEGO Movie

Regie: Phil Lord, Chris Miller

Länge: 100 Minuten

Raumschiff: RAUMSCHIFF!

Samstag, 30. November 2013

The Lay of Paul Twister

Anti-Magie mit frech und so

Paul Twister ist ein 19jähriger Junge aus Seattle.

Paul Twister ist ein legendärer Dieb und Fluchbrecher.

Und beides ist wahr.

Unsere Welt und eine andere magische waren bis vor 1000 Jahren verbunden, aber dann löste sich diese Verbindung und all die Märchenfiguren wie Drachen und Oger verschwanden. Und durch irgend einen Zufall landet Paul in dieser getrennten Welt mit gerade einmal 19 Jahren.

Und aus irgend einem Grund hat er ein gewisses Talent: Magie löst sich auf, wenn er sie berührt. Teleporter? Kaputt. Siegel? Gebrochen. Magische Kreaturen? Zumindest für nächste Zeit nicht mehr magisch. Und mittlerweile ist er 10 Jahre bei der Sache.

Sein neuester Auftrag läuft allerdings anders als erwartet. Normalerweise wird Paul zum Brechen eines Siegels oder dergleichen angeheuert, wenn das Umgehen von magischen Fallen zwar möglich, aber zeitaufwendig ist. Aber dieses Mal liegt das Siegel auf einem Menschen, einer jungen Frau, die in dem Kerker eines etwas heruntergekommenen Magiers angekettet ist. Widerwillig löst Paul das Siegel, kann durch das Kleingedruckte im Auftrag zugleich der Frau zur Flucht verhelfen. Bloß, Aylwyn brauchte keine Hilfe – sie ist ein Engel, ein himmlisches Wesen, und war als verdeckte Ermittlerin im Einsatz.

Natürlich ist Paul etwas baff über diese Enthüllung, aber nach einem überraschenden Belohnungskuss gehen die beiden getrennte Wege und Paul entpuppt sich als mehr als er scheint. Er unterhält mehrere Identitäten zu unterschiedlichen Zwecken, wie den fahrenden Barden Peter Parker, oder den gönnerhaften Universitätspatron Anthony Stark. Die Identitäten hat Paul aus mehreren Gründen aufgesetzt, und nur einer davon ist der Schutz, den sie ihm gewähren. Ein anderer wäre beispielsweise ihre Wiedererkennbarkeit für Leute aus unserer Welt, falls es sie auch mal in die magische Welt verschlägt.



Paul Twister ist ziemlich angenehm in Ich-Perspektive geschrieben und erschließt sich einem schnell. Durch den erzählenden Hauptcharakter können zukünftige Ereignisse angedeutet oder offensichtliches vor dem Leser verschwiegen werden.

Aylwyn wird eine wiederkehrende Charakterin, und natürlich entwickelt sich zwischen Paul und ihr eine gewisse Chemie, aber aus ihrem ersten Auftritt sollte klar sein, dass sie keine archetypische Prinzessin ist, die gerettet werden muss. Stattdessen ist sie eine bereits gefestigte Person, die sich nicht aus ihrer Interaktion mit Paul definiert.

Es kommt zwar zum Aufbau von romantischer Spannung, die aber seltsam aufgelöst wird, ein Fakt, der durch weitere Erzählungen klarer werden sollte.

Paul als Charakter ist interessant, weil er nicht wie bei beispielsweise Mark Twains Ein Yankee am Hofe des König Artus oder die Filmadaption Ein Ritter in Camelot mit Whoopie Goldberg die moderne Welt direkt in dem Mittelalteranalog nachbaut, sondern er weiß, dass er eine Menge Prinzipien grob beschreiben kann, aber nicht akkurat nachbauen. Und so baut er eine Akademie auf, an der neugierige Ingenieure durch seine Visionen an diese Prinzipien herangeführt werden und nach-erfinden.

Interessanterweise hat Peers offen zugegeben, dass sich die Geschichte relativ weit abseits seiner Planungen entwickelt hat und die Charaktere irgendwie ein Eigenleben in der Handlung entwickelt hatten. Mal schauen, wie sich The Tales of Paul Twister weiterentwickeln…



Eine nette und unterhaltsame Geschichte.

Titel: The Lay of Paul Twister (http://www.paultwister.com/)

Autor: Anthony Peers

Länge: 100k Wörter, ca 550 Seiten

Sprache: Englisch, Einfach bis Mittel

Mittwoch, 20. November 2013

Thor – The Dark Kingdom

Thor und Jane in einer Schlachtumarmung, hinter ihnen die Helden und Schurken des Films
Thor reifte, Loki reifte, Jane Foster reifte.

Thor ist nicht nur ein mythischer Held, sondern mittlerweile auch ein Marvel-Charakter mit seinen eigenen Filmen. Da ich den ersten Film, Thor, nicht erwähnt habe, hier eine kleine Zusammenfassung:

Thor verprügelt Frostriesen ohne Erlaubnis, sein Vater Odin ist enttäuscht und verbannt ihn auf die Erde. Auf der Erde (Midgard) Jane Foster ist Astrophysikerin und ihr Doktorvater Erik Selvig freunden sich mit ihm an. Es wird klar, dass Thor durch Tricks seines Bruders Loki verbannt wurde. Loki bekommt auf den Deckel und dabei geht die Brücke zwischen den Welten kaputt; Thor sitzt in seiner Heimat Asgard fest.

Relevant ist auch noch The Avengers, der ein Jahr nach Thor raus kam. In dem Film verprügelt Thor zusammen mit Iron Man und ein paar anderen Aliens, die angeführt von Loki eine Invasion in New York durchführten. Erik Selvig war unter Hypnose/Gedankenkontrolle Lokis und half ihm dabei. Am Ende des Films ist Loki gefangen genommen worden und Thor wieder in Asgard.



Astrophysikerin Jane Foster untersucht in London Gravitationsanomalien und hat ihren Kollegen Erik Selvig verloren, als sie ihn einer Irrenanstalt wiederfindet. Von seinen Wahnvorstellungen im Zuge der Gedankenkontrolle genesen, untersuchen sie seltsame Portale zwischen Welten. In einer von diesen Welten, in die Jane aus Versehen stolpert, wird sie von irgend etwas infiziert…

Nachdem der Bifröst, die Brücke zwischen den Welten repariert worden wurde, waren Thor und Kumpanen mit der Niederschlagung von Rebellionen, Aufständen und Kriegen beschäftigt, aber endlich sind die neun Welten befriedet. Als Thor sich beim lebenden Fernrohr Heimdall nach Jane Foster erkundigt und dieser sie nicht sehen kann (er ist ein sehr gutes Fernrohr), flitzt Thor rüber zur Erde. Jane ist glücklich und wütend über Thors Rückkehr, aber als dieser von der Infektion erfährt, bringt er Jane nach Asgard um sie dort untersuchen zu lassen.

Der Äther, eine zerstörerische Kraft, befindet sich in Jane. Vor Jahrtausenden wollten die Dunkelelfen von Svartalfheim das Universum mit Hilfe des Äthers vernichten, wurden aber von Odin's Vater daran gehindert. Durch die Infektion von Jane wurden die letzten Dunkelelfen aber wiedererweckt und sinnen auf Vollendung ihres Plans. Einen von Ihnen initiierte Gefangenenrevolte befreit Loki nicht, führt aber zu einigen Toten. Rasend vor Wut will Odin die Dunkelelfen endgültig ausrotten, und wenn er dafür Jane opfern muss ist er willig das zu tun.

Thor hat aber einen anderen Plan, für den er Lokis Wissen und Hilfe braucht…



Man merkt, es ist wieder verhältnismäßig viel Handlung im Film. Nicht, dass das was schlechtes wäre, vielleicht bin ich einfach bloß schlecht im Zusammenfassen.

Im Vergleich zum ersten Film ist Thor als Charakter gereift und schlägt nicht direkt drauf los, sondern schaltet zuerst seine Rübe ein. War zuerst sein erster Impuls seine Probleme niederzuringen, so ist er dieses Mal willen List und Tücke als Methoden in Erwägung zu ziehen und sogar anzuwenden – auch wenn er Loki dabei immer noch um Welten unterlegen ist.

Im Gegenzug ist sich sein listiger Bruder dafür dieses Mal nicht zu fein dafür brachialen Methoden anzuwenden, wenn es die Situation erfordert. Allerdings sind die brüderlichen Bande zwischen den Beiden mehr als rissig, so dass eine Menge Spannung, aber auch Humor aus dem Wortgeplänkel der beiden hervor geht.

Ein großes Lob muss ich an die Spezialeffekte ausloben, die Bestattungsszene in Asgard ist eines der besseren Werke sowohl in Effekten als auch Weltenbildung, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Es hat mich sehr stark an die Szeneneinführungen aus Avatar erinnert, und das nicht nur wegen den Leuchteffekten bei Nacht.

Allerdings kann man auf das 3D problemlos verzichten.



Eine gelungene Weiterführung des Marvel Filmuniversums.

Titel: Thor – The Dark Kingdom

Regie: Alan Taylor

Länge: 112 Minuten



Kleine Info am Rande: Chris Hemsworth (Thor) und Tom Hiddleston (Loki) sind im echten Brüder ziemlich gut befreundet, wie es scheint.

Mittwoch, 28. August 2013

Lighting Up the Dark

Naruto in scharfsinnig

Lighting Up the Dark ist eine Fanfiction, eine von einem Fan geschrieben Neuinterpretation von einem etablierten fiktiven Universum, in diesem Fall von Naruto.

Naruto ist eine Manga- und Animereihe mit dem namensgebenden Charakter als Hauptfigur. Die Welt ist eine seltsame Mischung aus unseren Vorstellungen, was Ninjas und ihre Fähigkeiten anbelangte und der japanischen Vorstellungen von Feudalstaaten.

Naruto selbst ist naiv, tollpatschig und untalentiert, und unwissendes Siegelgefäß für den schrecklichen, zerstörerischen neunschwänzigen Fuchsdämon. Der Waise weiß nichts davon und seine Altersgenossen auch nicht, aber die Eltern und die soziale Ausgrenzung durch die Erwachsenen hat sich auch in den Kindern niedergeschlagen, die auf Anraten ihrer Eltern den Jungen meiden.



In Lighting Up the Dark ist das ganze etwas anders: Naruto ist immer noch ausgegrenzt, immer noch ein Siegelgefäß, aber nicht für den neunschwänzigen, sondern neunhirnigen Fuchsdämon. Während das Original geballte Macht ist, ist der Kyubey geballte, ruchlose Intelligenz.

Und wie im Original auch schlägt sich die Größenordnung in Naruto wieder – er ist beängstigend intelligent, aber nicht ruchlos. Ihm wurde auf der Schule schnell klar, dass Genies wie Sasuke cool sind, aber sozial isoliert. Also gab er seinem Spieltrieb Auslauf und fing an Streiche zu spielen und somit zumindest gewisse positive Beachtung zu bekommen.

Bis darauf dass diese Streiche mitunter dazu dienten, Narutos Repertoire an Tricks und Techniken zu probieren und zu erweitern. War er im Original ein Tollpatsch, der selbst die einfachsten Ninja-Techniken nicht hinbekommen hat, so hat er bei Lighting Up the Dark viele dieser einfachsten Schultechniken in Kombinationen und Anwendungen eingebaut, die alles andere als offensichtlich sind.

Und so folgt die Geschichte in zwangsläufig abweichendem Verlauf zum ursprünglichen Naruto. Der Junge ist sich zum Beispiel seines Siegelgefäßstatus bewusst, hatte es aus den ihm bekannten Wissen geschlussfolgert und durch Nachforschungen diese Schlussfolgerung verfestigt. Der Neunhirnige ist intelligent in einem Maße, dass es beängstigend ist – beim Angriff auf das Ninjadorf in der Vorgeschichte hatte Konohagakure dem Erdboden gleich gemacht und wurde nach der Versiegelung im Krater (!) wiederaufgebaut.

Naruto ist dabei zum Glück nicht übermächtig und sozial alles andere als bewandert, so dass er nach wie vor Fehler macht und sympathisch bleibt. Die ersten paar Bände von Naruto gelesen oder paar Folgen geschaut zu haben hilft aber, vor allem in der Etablierung der anderen Charaktere und ihrem Verhältnis zu Naruto.

Die Inspiration kam dem Autor übrigens durch Harry Potter and the Methods of Rationality, die ich später auch mal reviewen werde. Im Gegensatz zu dem dortigen Harry hat der hiesige Naruto aber keinerlei Zugriff auf Werke von Bedeutung für rationales und logisches Denken.



Witzig geschriebene Geschichte

Titel: Lighting Up the Dark (URL: http://www.fanfiction.net/s/9311012/1/)

Autor: Velorien

Länge: 60k+ Wörter (ca. 350 Seiten)

Sprache: Englisch (Mittel)

Status: Laufend

Montag, 19. August 2013

Overlady

Jähzorniges Mädchen will (heimlich guter) böser Herrscher werden

Ein paar Worte vorab: Overlady ist wie XSGCOM ein Crossover, aber von anderen fiktiven Universen, nämlich Overlord und Zero no Tsukaima.

Overlord ist ein Videospiel, in dem man den namensgebenden Overlord steuert, der über Schergen (Minions) herrscht und diese pikmin-artig Aufgaben erledigen lässt, wie zum Beispiel Dörfer überfallen oder Helden bekämpfen. Das Spiel ist voller schwarzem Humor und nimmt sich nicht zu ernst.

Zero no Tsukaima (dt. "Begleiter von Zero") ist eine Light Novel- und Animereihe in einer stark europäisch angehauchten Fantasywelt. Viele Länder sind offensichtliche Analoga zu europäischen Ländern, es gibt Adel und Fußvolk, aber anstatt Mittelalter ist die technologische Epoche eher grob dem 18. Jahrhundert zuzuordnen.

Witzigerweise habe ich keins von beiden je in den Fingern gehabt und bin bloß mit dem gröbsten Vorwissen an die Fanfic rangegangen.



Louise Françoise le Blanc de la Vallière ist die jüngste Tochter einer bekannten adligen Familie und besucht die Tristain Academy of Magic. Aufgrund ihres mehr als moderaten magischen Talents wird sie von ihren Mitschülern allerdings nur Zero Louise gerufen. Ihre letzte Chance, die Beschwörung eines Begleiters (etwa wie Katzen für Hexen), schlägt fehl und sie beschwört nichts. Wütend und zu Tode beschämt flieht sie und will ein neues anfangen, den Fußstapfen ihrer Mutter folgen und eine weltberühmte Abenteurerin und Heldin werden und… sie findet einstweilig Zuflucht vor dem Wetter in einer Höhle und schläft ein…

…um vor Schrecken zu realisieren, dass sie nicht alleine ist. Ein Vampir greift an, den sie schnell mit ihrer Magie erledigt, denn Lousie kann Magie wirken, aber ausschließlich Explosionen. Als ein Gefangener des Vampirs, Gnarl, auf sich aufmerksam macht, befreit sie ihn. Und Gnarl ist keine Augenweide, nach 80 Jahren in einem Käfig an der Decke sollte man das auch nicht erwarten.

Die koboldartige Kreatur bezeichnet sich selbst als Minion, als Schergen, und sie werden Lousie fortan dienen bei ihrem offensichtlichen Ziel: Weltherrschaft. Anscheinend ist Lousie kompatibel und beherbergt große Böse Energien, die sie zur Meisterin über die Minions machen. Ihr zur Seite: Ein aufmüpfiger und viel zu kluger nicht-Kobold, einige nicht ganz so aufmüpfige aber dafür umso dümmere nicht-Kobolde und ein Turm der mehr kaputt als heile ist.

Schnell wird Louise klar, dass sie ganz schön in die Bredouille geraten ist und ihre einzige Hoffnung in guter Miene zum bösen Spiel besteht. Der Plan: Soviel lernen wie sie kann, ihre Bösen Taten so gestalten, dass sie insgeheim Gutes tun, und sich allgemein so Verhalten, dass ihre Eltern im nachhinein stolz auf sie sein können.

Und so beginnt sie die Goblins der umliegenden Gegenden zu jagen, einzufangen und zu Minions zu konvertieren, denn damit entfernt sie ja die Bedrohung, welche die Goblins für die Dörfer darstellten. Aber wie es so schön heißt: Der Pfad zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.



Louise ist eine 1A Tsundere. Tsundere fragt ihr? Nun, damit bezeichnet man einen bestimmten Charaktertyp. Ein Tsundere ist oft im Bezug auf bestimmte Person, aber oft genug auch generell, in zwei Modi anzutreffen: Zornig oder Zart. Nie beides. Und kaum Zwischenstufen. Helga Pataki aus Hey Arnold! ist zum Beispiel eine Tsundere deren Standard Zornig (Tsun) ist. Lois, die Mutter aus Malcom Mittendrin, fällt beispielsweise auch da rein. Und bei Characteren, bei denen die Zarte (Dere) Seite im Vordergrund steht (Ted aus How I Met Your Mother, Katara aus Avatar), kommt oft genug der Zorn durch.

Auf jeden Fall ist Louise sehr jähzornig und hat Spaß an Zerstörung, auch wenn ihre Erziehung sie immer einen Begründung für diese suchen lässt. Glücklicherweise sind die Minions tolpatschig und Tritte als akzeptable Strafen beim Bösen gern gesehen.

Es werden recht bald Charaktere eingeführt, mit denen Louise interagieren kann, und das sind nicht nur die teilweise individualisierten Minions jenseits von Gnarl, sondern beispielsweise Louise kränkliche Schwester oder ihre halbdämonische Rüstungsschmiedin Jessica.

Der Autor EarthScorpion vergisst dabei aber nicht Louise ehemalige Klassenkameraden und damit für Fans von Zero no Tsukaima bekannten Charaktere.

Obgleich oder weil die Welt von Tsukaima gut bekannt ist, entschied sich EarthScorpion für eine brauchbare logische Weiterführung des kanonischen Geschehens in Louise' Abwesenheit. Ihre arrangierte Gatte? Ach so traurig, dass er eine fremdes Bett bespringt. Oder besser dessen Belegerin. Ihre Eltern? Dank Louise' Tod ist die ohnehin wackelige am Zerbrechen. Und politisch? Nicht direkt, aber indirekt kommt es zu Aufständen im Nachbarland.

Interessant sind auch die Einblicke in die Subkultur des Bösen, mit eigenen Nachtklubs, verzerrtem Vokabular und magischen Technologien analog zu unserem.

Vom Englisch her ist es mittel, denke ich, aber mit einige äraangemessenen Worten wie "chemise" für eine Art Nachthemd. Ein Wörterbuch oder LEO nebenbei können also nicht schaden. Und es gibt gelegentlich Wortspiele, wo man als nicht Muttersprachler sich mitunter reindenken muss.



Recht witzig, allein schon durch Louise ständige Versuche sich vom Guten ihre Bösen Taten zu überzeugen. Von ihrem Umgang mit Kleinvolk mal ganz zu schweigen…

Titel: Overlady (URL: http://www.fanfiction.net/s/8753582/1/Overlady)

Autor: EarthScorpion

Länge: 160k+ Wörter (ca. 890 Seiten)

Sprache: Englisch (Mittel)

Status: laufend

Freitag, 28. Juni 2013

Man of Steel

Ein bisschen realistischerer Superman

Die Meisten kennen Superman, aber für die Unwissenden… Krypton ist dem Untergang geweiht und der Regierungsrat sieht das nicht ein. Jor-El redet immer wieder auf sie ein, bis selbst General Zod einen Putsch anzettelt, um den drohenden Untergang des Planeten zu verhindern.

Doch es ist zuspät, und in einem letzten Akt der Hoffnung schaffen es Jor-El und seine Frau ihren einzigen Sohn Kal-El, das erste natürlich geborene und nicht für ein Schicksal und Platz in der Gesellschaft erschaffene Kind, in Sicherheit zu bringen.

Auf der Erde angekommen wird der Junge von der Familie Kent gefunden und aufgezogen. Dabei ist der Vater klar, welche Bedeutung sein Sohn Kent haben wird – der Beweis, dass wir nicht allein sind. Und die logische Konsequenz daraus ist Sorge, denn er kann sich gut vorstellen, wie die Regierung mit dem ersten Außerirdischen umgehen würde. Und so lehrt er Clark immer wieder Zurückhaltung, Kontrolle und das Bewusstsein um sein Geheimnis. Diese Lektionen helfen, als sich mitten im Unterricht seine Supersinne manifestieren.

Als Erwachsener wandert Clark durch die Welt, denn sein Bedürfnis anderen zu helfen verträgt sich nicht mit der Notwendigkeit, seine übermenschlichen Fähigkeiten geheim zu halten. Bis General Zod die Erde kontaktiert und sie auffordert, den Außerirdischen, der unter ihnen weilt, auszuliefern…



Der mit fast zweieinhalb Stunden recht lange Film ist eine bemerkenswerte Dekonstruktion und Rekonstruktion des bekannten Supermanmythos. Wir sehen wie ein Wesen mit Clarks Kräften eine Stadt in Schutt und Asche legen kann, ohne sich großartig anzustrengen, wie ein einziger Hieb von einem Menschen nicht mehr als eine rote Wolke hinterlässt. Clarks Priorität Opfer zu vermeiden ist vorhanden, aber wird sich anhand der Milliardenschäden und vermutlich zehntausender Toter im Verlaufe des Angriffs von Zod erst wirklich herauskristallisieren.

Das ist übrigens ein guter und wichtiger Punkt: Die Effekte. Selten hat man gesehen, wie ein Superheldenkampf in einer Stadt, einer Großstadt mit Wolkenkratzern, wirklich aussehen würde. Die Gebäude sind nicht spezialgehärtet oder mit einer besonders großen Belastungsmarge gebaut worden, und so stürzen oft genug Bürogebäude mit dutzenden Stockwerken ein und begraben die Belegschaft bei lebendigem Leibe.

Im Gegenzug ist der Film etwas langatmig. Durch die ausholende Erzählung des Hintergrunds von Superman, seiner Herkunft von Krypton und Kansas, wird der Film lang und die Kampfszenen sind auch nicht gerade kurz gehalten. Hinzu kommt, dass die Charaktere etwas hölzern gespielt wirkten. Im Gegenzug sind sie aber nicht so platt, wie man es von früheren Verfilmungen kennt.

Schlussendlich werden Superheldenfans wahrscheinlich auf ihre Kosten kommen, wenn sie sich auf den Film einlassen, denn es gibt durchaus viele Zugeständnisse an die Vorlage. In 3D muss man ihn aber nicht schauen, mir ist da nichts herausragendes aufgefallen.



Titel: Man of Steel

Regie: Zack Snyder

Länge: 146 Minuten

Dienstag, 14. Mai 2013

Grrl Power


Urheberrechte bei David Barrack
ADHS mit Superkräften. So'n bisschen.



Urheberrechte bei David Barrack
Wie beschreibe ich Grrl Power am Besten... okay: Der Comic ist abgedreht in der Charakterisierung von unserer Hauptcharakterin Sydney, einer hyperaktiven Comicshopbesitzerin mit einer etwas zu gewaltbereiten Neigung. Und sie ist vor kurzem in den Besitz von Superkräfte gekommen, wovon sie aber noch keinem erzählt hat.

Als sie bei der Bank ist und es dort zu einem Überfall kommt, sieht Sidney Gelegenheit für ihr Debüt. Bloß hat sie – ebenso wie die Bankräuber – die Superheldin am Anfang der Schlange übersehen. Im Zuge des Kampfes, bei dem Sidney einen der Räuber mit einem Judowurf an seiner Zunge(!)zu Boden befördert, wird Maxima, die Superheldin, auf dieses seltsame Mädel aufmerksam…

Und schlägt ihrem Boss, einer neu eingerichteten Streitkraft des Militärs, vor sie zu rekrutieren. Oder zumindest sich mal näher anzuschauen. Und so wird Sidney in die Welt der Superhelden eingeführt…



Urheberrechte bei David BarrackDas ist auch schon mehr oder weniger die Handlung, die sich sehr langsam entwickelt. Der große Anreiz liegt eher in dem Humor des Comics, der teilweise Meta sein kann. Was ich damit meine? Innerhalb von Grrl Power gab und gibt es nach wie vor Superheldencomics, und zwischen den verschiedenen Charakteren – insbesondere Sidney – kann es problemlos zu Diskussionen über die verschiedenen Tropen und Stilmittel von eben solchen Comics kommen. Wie zum Beispiel, dass Wolverine kein so guter Kämpfer sein kann, weil er ja ständig verletzt wird.
Die meisten Lacher ergeben sich aber aus der Situation und Interaktion der Charaktere. So sind zum Beispiel aus irgend einem Grund alle Superhelden körperlich eher einem Ideal entsprechend; groß, athletisch, mit gewissen… Merkmalen, was Sydney als kleine und schmächtige Person natürlich nicht entgeht.


Space Lama
Der Zeichenstil ist animebeeinflusst amerikanisch, mit Varianz je nach Ernst und Situation der Handlung. Welche, wie gesagt, eher auf Witz denn Action wert legt. Der Autor hat selbst zugegeben, dass ihn bei Comics die Kampfszenen nicht so sehr interessieren wie der anschließende gemeinsame Besuch des Schawarmarestaurants um die Ecke. Ihn reizen die alltäglichen Handlungen von den Helden mehr. Zu schade, dass sowohl Veröffentlichung als auch Handlung recht langsam ablaufen.



Urheberrechte bei David BarrackIch gebe gerne zu, dass Grrl Power ein sehr witziger Webcomic, bei dem ich mehrfach laut auflachen musste.

Titel: Grrl Power

Autor: David Barrack

Sprache: Englisch

Länge: 140 Seiten, farbig

Status: Laufend, wöchentlich (montags)

Donnerstag, 2. Mai 2013

Worm


Aus den richtigen Gründen das Falsche tun



Taylor Hebert ist 15 und geht auf die Highschool in Brockton Bay im Nordosten der USA. Wie so viele hatte sie als Kind ihre Superheldenphase, während derer sie ihre Lieblingsheldin Alexandria vergötterte, aber man wird älter und die Idole und Prioritäten ändern sich.

Ihre bestehen darin, jeden Tag die Schule aufs Neue zu überstehen. Ihre frühere beste Freundin hat sich zu einer ihrer ärgsten Mobber gemausert, die Taylor in der Schule schikanieren. Anrempeln, Beschimpfungen, Wurfgeschosse und Lügen, mit all dem muss sich Taylor tagtäglich auseinander setzen. Ihre einzige Fluchtmöglichkeit ist ihre… Kraft, oder Befähigung. Seit ein paar Monaten kann sie nämlich Spinnen, Insekten, Käfer und allerhand anderes Gekreuche spüren und kontrollieren.

In den Fußstapfen ihres ehemaligen Vorbildes folgend, will sie eine Superheldin werden. Die letzten Monate hat sie damit verbracht, von den Spinnen ein Kostüm weben zu lassen und allgemein eine Vorgehensweise zu planen – Ausrüstung, wie sie ihre Befähigung einsetzen kann und dergleichen.

Nach einem besonders frustrierenden Tag verlegt Taylor ihren Superheldenplan etwas vor und begibt sich auf der Suche einem bekannten Bandenführer und Super. Sie will Informationen über ihn sammeln, aber das belauschte Gespräch versetzt die angehende Superheldin und ihr Gewissen in Panik – sie greift an.

Der Kampf entwickelt sich schlecht für Taylor, doch unerwartet kommen ihr andere Super zur Hilfe, angeritten auf Monstern. Tattletale, Grue, Regent und Bitch, so die Namen, bekämpfen den Bandenboss ebenfalls, aber wie im Nachhinein festgestellt wird, sind die vier definitiv eher dem Schurkenspektrum der Super zuzuordnen. Das Angebot zu einem späteren Treffen kommt aber unerwartet für Taylor.

Die Superschurken machen sich schnell wieder auf den Weg und ein anderer Super, diesmal ein Held, Armsmaster, erscheint. Er stellt Taylor zur Rede, und sie erhält ihre ersten Einblicke in die Menschlichkeit von Superhelden, und -schurken, im Verlauf eines Abends. Beiderseitige Fehlbarkeit.

Spontan entscheidet sie sich dazu, als Undercoverheldin die sogenannten Undersiders, die ihr beim Kampf geholfen haben, zu infiltrieren. Bloß sagt sie das keinem. So freundet sie sich mit ihnen an, lebt immer mehr in ihrer Geheimidentität und…
mehr sag ich nicht.



Na gut. Der Untertitel von Worm ist der grundlegende Verlauf auf den Punkt gebracht. Taylor ist die Ich-Erzählerin und hat einen starken moralischen Kompass, der ihr sagt, was gut und was böse ist, bloß ist die Welt nicht in schwarz-weiß zu unterteilen. Macht sie zuerst moralische Zugeständnisse an ihre Rolle als verdeckte Ermittlerin, erlangt sie gerade dadurch Einblicke in die Gedankenwelt ihrer „Teamkameraden‟. Ihre Beweggründe, Schurken zu sein. Ihre Persönlichkeit. Gleichermaßen sieht sie die Schattenseiten der Helden wie ihre Selbstverständlichkeit der moralischen Autorität.

Der Autor, oder die Autorin, Wildbow, schrieb seit April 2011 an Worm und hatte nie eine Veröffentlichung verpasst gehabt, wobei jedes Kapitel zwischen 2000 und 8000 Wörtern lang ist. Dank einer Rate von garantierten zwei Updates pro Woche, plus mögliche spendengesponsorte Kapitel, ist ist die Länge zum Schluss auf über eineinhalb Millionen Worte angewachsen. Um einen Vergleich zu ziehen, das ist nennenswert jenseits der gesammelten Harry-Potter-Bände.

Die Kapitel sind dabei in Handlungsbögen unterteilt, welche von Intermezzi aus der Perspektive von anderen Charakteren unterbrochen sind. Diese geben oft einen indirekten Einblick in die Welt von Worm, welche Auswirkungen das Auftreten von Superkräften seit Anfang der 80er bedeutete. Vieles davon ist aber nur zwischen den Zeilen zu erlesen. So wird zum Beispiel wesentlich weniger Sexismus und Geschlechterhass dargestellt als man vermuten sollte. Einer der Gründe für diese Entwicklung liegt in der Natur der Superkräfte begründet. Nur wenn Menschen das Potential zu Superkräften haben und traumatische Ereignisse durchleben, kann man diese erhalten. Und geschasste und drangsalierte Menschen werden einfach öfter traumatisiert…

Wildbow's Stil leidet leider etwas darunter, nur wenige Beschreibungen von Orten oder Personen zu machen, aber ser arbeitet daran. Dafür hat ser aber den Cliffhanger bereits gemeistert und schafft es immer wieder, die Mutmaßungen und Theorien in dem Kommentaren auf den Kopf zu stellen, und dabei trotzdem noch Sinn zu machen.

Alles in allem ist Worm eine fesselnde Geschichte, für die man sich aber gerade aufgrund des fesselnden Charakters (wahrscheinlich) über eine Woche Zeit nehmen sollte, wenn man sie am Stück lesen will.

Seit November 2013 is Worm abgeschlossen und Wildbow hat plant diesen Entwurfstatus noch ein, zwei Mal zu überarbeiten, während ser an seren neuen Geschichte arbeitet, Pact, die den gleichen Veröffentlichungsrhythmus aufweist.



Titel: Worm (URL: http://parahumans.wordpress.com)

Autor: Wildbow

Status: abgeschlossen (2+ je Woche)

Sprache: Englisch

Quelle in 22.4 und http://s1135.photobucket.com/user/hanvyj/media/Worm2.png.html

Dienstag, 26. Februar 2013

Cucumber Quest

Niedlich, aber sowas von!


Cucumber, kurz Cuco, ist außer sich vor Freude, als er die Zusage für die beste Schule von Candyland bekommt! Endlich kann er weiter Magie lernen und--- dann kommt der königliche Briefträger mit einem Brief seiner Vaters. Cucumber muss sofort und unverzüglich die Welt retten! Dabei wäre seine Schwester Almond viel besser geeignet, mit ihrer abenteuerlichen Ader, Fechtkunst und dergleichen... aber nein, nur Cucumber, Jüngster in einer Familie traditionell legendärer Helden hat das Zeug dazu.
Erst das Traumorakel schafft es ihn zu überzeugen, oder besser gesagt die Notwendigkeit klarzumachen, denn irgendwie ist sie nicht wirklich so verlässlich wie man von einer Person annehmen sollte, die in die Zukunft schauen kann.

So begibt sich Cuco auf seine Reise die Welt zu retten. Nachdem ihn seine Mutter voller Stolz vor die Tür gesetzt hat. Die erste Station ist das königliche Schloss in Caketown, wo sich Cuco an den Wachen vorbeischleicht und seinen Vater im Verlies besucht. Der lässt auch nicht mit sich reden, zumal er es sich Stück für Stück immer gemütlicher macht in seinem Verlies.
Und als Cuco einen schnellen Weg zur Vereitelung des Weltuntergangs sieht, erlaubt ihm sein Vater diesen Weg nicht, denn das wäre ja langweilig D:

Kurz vor den Anfangsschritten seiner Quest, die Wiedererweckung des Albtraumritters zu verhindern, stößt dann doch noch Cuco's Schwester Almond zu ihm und will bei der Erfüllung dieser gewaltigen Aufgabe. Und fachlich betrachtet ist sie sowieso mit ihrer Abenteuerader und Fechtkunst eh besseres Heldenmaterial als der zaubernde Cucumber.



Fachlich betrachtet ist Cucumber Quest ein Webcomic, der sich im Handlungsaufbau merklich an klassischen SNES- und NES-Videospielen orientiert, mit einem Zeichenstil der in Richtung Wachsmalkreide und Kinderbücher geht.

Was ich bisher aber nicht erwähnt habe, ist die schnippische Art, wie die Charaktere teilweise miteinander umgehen. So ist sich Cuco beispielsweise darüber im Klaren, dass seine Schwester ein weit besserer Held wäre als er, aber anscheinend kann nur er der Held sein. Genauso sind die Figuren alle sehr eigensinnig durch ihre Rollen charakterisiert.

Ich weiß echt nicht, wie ich das besser beschreiben kann. Die Welt von Cucumber Quest ist sehr süß und verspielt, die Figuren liebenswert und die Handlung ein bisschen abgedroschen, worüber sich manche Charaktere aber auch bewusst sind.



Fazit: Es macht einfach Spaß zu lesen :)

Titel: Cucumber Quest (URL: http://cucumber.gigidigi.com/)

Autor: Gigi Digi

Sprache: Englisch

Länge: 350 Seiten, farbig

Status: Laufend, 2+ Seiten pro Woche

Mittwoch, 22. August 2012

Fine Structure

Ein logischer Hintergrund für Weltraumopern, ohne eine zu sein.

Konzipiert als Sammlung von Kurzgeschichten, hat Sam Hughes mit Fine Structure den Hintergrund für eine Welt, wie sie nur weit jenseits von bloßer Science-Fiction beschrieben werden kann, und dennoch ungemein gut zu lesen ist, geschaffen.

Hier einige Einblicke:



1. Jedes Jahr wird eine zufällig gewählte Person auf der Erde von einem Blitz getroffen und erhält Superkräfte.
2. Jeder neue Supermensch ist doppelt so mächtig wie der Vorige.
3. Dies geht so seit zehn Jahren.



Die Grundlagenforschung der Physik mit ihren Quantentheorien und Supersymmetrie, Paralleluniversen und all ihren theoretischen Konstrukten, die zwar möglich, aber nicht nachweisbar sind, stößt bei der Untersuchung einer kleinen, aber unerklärlichen Abweichung auf etwas fundamentales.

Überlichtschnelle Kommunikation ist nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglich.

Oder zumindest war sie es, denn alle Experimente schlagen fehl, weil irgendetwas auf der etwas verschobenen Ebene der Realität, durch welche die Kommunikation geht, unser Signal niederbrüllt. Bei der Analyse dieses Brüllens finden die Physiker etwas fundamentales: Mathematik. Logik. Definitionen. Sprache. Ein Skript, welches wie die Voyager-Plakette, in sich selbst den Schlüssel zu seinem eigenen Verstehen birgt.

Und was dieses Skript sagt, ist im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch.

Es wird die gesamte, uns bekannte Mathematik und Physik beschrieben.
Leibniz? Check.
Newton? Check.
Einstein? Check.
Hawking? Check.
Weit jenseits von Hawking? Check...?
Das Problem: Alle unsere überaus genauen Theorien decken gerade mal das erste Prozent des Skriptes ab.



Anscheinend gibt es Universen, jenseits des unseren, die mehr als unsere 3+1 Dimensionen kennen. Universen, in denen man sich vor und zurück, nach links und rechts, hoch und runter, aber zudem noch in eine vierte, fünfte oder gar sechste Raumdimension bewegen kann!

Und je mehr Dimensionen ein Universum hat, desto wahrscheinlicher und mächtiger wird Intelligenz.

In einem für uns wortwörtlich unvorstellbaren Universum gibt es eine Art Krieg, obwohl das Wort bei weitem unzureichend beschreibend ist. Eine Waffe, bösartig, quasi-intelligent, ringt mit einem Wesen und die einzige Methode diese Waffe zu bannen, besteht darin, sie ihrer Fähigkeiten zu rauben. Fähigkeiten, die vielen Dimensionen zur Funktion benötigen.

Zu diesem Zweck reißt das Wesen die Waffe mit sich, stürzt hinab und plättet sich gewissermaßen auf 3+1 Dimensionen zusammen, und schafft eine Konstrukt, welches sowohl das Wesen als auch die Waffe daran hindern soll, diese Plätte zu verlassen. Eine intelligente Gefängniszelle, die jeden Versuch der Flucht durch immer striktere Regeln zunichte Macht.



So ziemlich jeder Ort unseres Planeten ist besiedelt, bewohnt, bebaut, bebombt und allgemein belebt gewesen. Irgendwann. Wenn man tief genug gräbt, egal wo, findet man verfallene Tempel, desolate Laboratorien, monolithische Häuser, und andere Nachweise der Zivilisation. Die Welt ist ein dutzend Mal untergegangen, und wieder aufgestanden.



Ich will wirklich nicht zu viel verraten und trotzdem klar machen, wie gut Fine Structure ist.

Es werden weit auseinander liegende Geschichten erzählt, die jede für sich bereits ungemein interessant ist. Der konkrete Zusammenhang zwischen dem Skript, den Supermenschen und allen anderen Handlungssträngen ist nicht offensichtlich, zumindest nicht zuerst, und auch im späteren Verlauf muss man mitdenken und mitunter anhalten, um alles zu begreifen und zu durchdenken.

Sam Hughes weiß darum, und sieht es als Problem, welches durch eine Überarbeitung zu lösen gilt, aber dies ist vorerst von geringer Priorität. Er weiß, obwohl die Sprache verständlich ist, die Thematik ist es nicht, und sie besser zu erklären hat er sich für eine Überarbeitung vorgenommen.

So ist man für ein tiefergründiges Verständnis auf das FAQ angewiesen, in welchem die Leserkommentare zusammengefasst beantwortet wurden. Übrigens sollte man diese bei den einzelnen Kurzgeschichten allerdings meiden zu lesen, denn es gibt zwar eine empfohlene Lesereihenfolge, aber die Kommentare nehmen auch Bezüge auf noch folgende Geschehnisse.

Nur so als Hinweis, es lohnt sich ein zweites Lesen, nicht nur fürs Verständnis, sondern auch aufgrund mehrerer gut ausgeführter Entwicklungen in der späteren Handlung, die ein anderes Licht auf Ereignisse am Anfang werfen.

So bleibt nur zu sagen, wer sich über softe Science-Fiction aufregt, sollte sich mal Fine Structure durchlesen, denn die Geschichten bieten mit wunderschöner Begeisterung eine harte Grundlage für weiche Science-Fiction (nur eine Interpretation).

Titel: Fine Structure

Autor: Sam Hughes

Länge: etwa 600 Seiten

Sprache: Englisch

Sonntag, 29. Juli 2012

Josh & Imp

Kurzcomic über Eingliederungsprobleme von Superhelden

Das klingt jetzt thematisch schwer, ist es aber nicht, dafür aber recht kurz.

Josh ist ein normaler Jugendlicher, 17 Jahre, mit einem Nebenjob im Einzelhandel.

Imp ist eine unnormale Jugendliche, die hauptberuflich Schurken und Verbrecher verprügelt.

Die beiden sind in einer geheimen Beziehung, passend zur Imps Notwendigkeit einer Geheimidentität, denn wie der Name vermuten lässt, geht Imp nicht ohne Maske außer Haus. Einerseits ist Josh hin- und weg von Imp sowie dem Konzept, eine maskierte Heldin als Freundin zu haben, andererseits schränkt das die möglichen Aktivitäten doch sehr stark ein – keine öffentlichen Veranstaltungen, und immer eine Barriere zwischen den beiden.

Ich will gar nicht viel zum Inhalt sagen, denn die Inhaltsangabe einer Kurzgeschichte ist zwangsläufig schon bald so lang wie die Geschichte selbst. Daher gehe ich lieber auf die anderen Elemente ein, denn dieser sind zugleich der Fokus der Geschichte, die Gefühle.

Wie gesagt, Josh ist angetan von Imp, aber für ihn stellt die Maske ein sich immer wieder in den Vordergrund drängendes Hindernis dar. Imp wiederum begrüßt eine Beziehung mit einem mondänen, normalen Menschen, denn die Leute ihres Bekanntenzirkels sind von Beruf her ein bisschen verquer, sei es durch Mutationen oder kosmische Kräfte oder die notwendige geistige Entrückung, sich in einem auf Teufeln und Dämonen basierendem Kostüm mit Hightechwaffen gegen übermenschliche Gegner ins Feld zu stürzen.

Dabei ist die in Josh vorhandene und ihr mangelnde Normalität nicht der Grund für die Beziehung der beiden, sondern nur eine angenehme Grundlage.

Im Verlauf des Comics arbeiten die beiden durch ihre Differenzen und kommen zu einem für beide Seiten zufriedenstellendem Kompromiss, mit einer überraschenden Wendung.

An und für sich ist Josh & Imp Teil einer nie vollendeten Anthologie, die im gleichen Universum mit überschneidenden Charakteren angesiedelt war. Man merkt, dass die Gruppe um Imp ein Äquivalent zu Batman sein soll, mit wahrscheinlich ähnlichen Äquivalenten zu anderen Helden und Schurken.

Der Autor, Jon Bernhardt, war zum damaligen Zeitpunkt 18, und das zeigt sich. Die Seiten quellen fast über vor Sprechblasen, bis zum Rand mit Text gefüllt. Die Illustratorin Diana Nock hat glücklicherweise einiges retten können, so dass die Textwüste aufgebrochen und dynamischer gestaltet wurde.

Bezüglich des Sprachniveaus ist Josh & Imp recht textlastig, aber verständlich formuliert.

Alles in allem eine schnelle und niedliche Lektüre.

Titel: Josh & Imp (Link: http://www.jinxville.com/comics/)

Autor: Jon Bernhardt

Illustrator: Diana Nock

Sprache: Englisch

Status: Abgeschlossen

Seiten: ca. 30

Samstag, 28. Juli 2012

The Amazing Spider-Man

Tod in der Familie treibt Jugendlichen zu Heldentaten

In dieser Neuauflage von Spiderman orientiert sich die Handlung weniger an der Heldengalerie sondern dem Reifen des Helden. Und unser Held ist natürlich Peter Parker. Er besucht die Highschool und ist für seine Fotografien bekannt, aber in der sozialen Hackordnung eher unten als oben, allerdings widmet der Film sich diesem Aspekt nicht allzu sehr.

Stattdessen scheint es der Auftakt zu der beliebten Form der Trilogie zu sein, doch dazu später mehr.

Als Peter beim Aufräumen auf die Tasche seines verschollenen Vaters stößt, durchstöbert er diese und findet neben Forschungsunterlagen auch ein Foto, auf dem der Arbeitskollege Dr. Connors zu sehen ist.

Aufgrund des damaligen plötzlichen und verstörenden Verschwindens seiner Eltern macht sich Peter auf zu Oscorp, Connors Arbeitgeber, und schafft es mit einer List (und Komplizenschaft von Gwen Stacy) tatsächlich, Dr. Connors Aufmerksamkeit zu erregen. Dieser forscht an artübergreifender Genetik und Regeneration von Gliedmaßen.

Parallel dazu reiben sich Peter und sein Onkel Ben aneinander, da Peter über seine Arbeit mit Dr. Connors seine häuslichen Pflichten vernachlässigt. Sein seltsames Verhalten, nachdem er von einer Spinne bei Oscorp gebissen wurde, tut sein übriges. Als nach einem Streit sich die beiden das nächste Mal treffen, stirbt Onkel Ben in Peters Armen, nachdem er sich einem fliehenden Räuber in den Weg gestellt hatte.

Unterdessen führen die Fortschritte in Connors Forschungen zu ersten Erfolgen, als einer Maus eine Pfote nachgewachsen ist. Dummerweise geht das ganze für Connors Chef und Oscorps rechte Hand noch zu langsam, so dass sich Connors zu einem Selbstversuch genötigt sieht, nachdem geheime Forschungen an Kriegsveteranen angedroht wurden.

Es kommt, wie es kommen muss, und wie jeder mit wissen über die Comicgrundlage weiß: Dr. Connors verwandelt sich in ein übergroßes, gewalttätiges, Menschen-Reptil-Mischwesen.

Zeitgleich macht sich Peter auf die Suche nach Onkel Bens Mörder und sammelt dabei langsam genug Aufmerksamkeit, um ins Augenlicht der Polizei, insbesondere Captain Stacy, zu rücken.

Ich denke, die restlichen Handlungsverläufe sind ziemlich selbsterklärend, weswegen ich jetzt auch nicht auf sie eingehen werde.

Manch einer mag sich fragen, was mit Mary-Jane aus den vorigen Filmen ist, aber denen sei versichert: sie kommt in diesem Film nicht vor. Sowohl Gwen als auch Mary-Jane sind beide, im Comic wohlgemerkt, an Peter interessiert gewesen. Allerdings sieht es nicht gut für Gwen aus, je nachdem wie stark sich die Drehbuchautoren an die Comics halten zumindest. Es wäre im Zweifelsfall ein kolossaler Abschluss einer Trilogie.

Bei dieser Version von Spiderman nimmt man Peter die Charakterentwicklung ab und es wird nicht so sehr Onkel Bens Mantra gepredigt – Aus großer Kraft folgt große Verantwortung. Außerdem ist die Rotznäsigkeit von Spiderman besser getroffen, wer die Comics gelesen hat, wird seine ständigen schnippischen Bemerkungen im Hinterkopf haben. Diese sind zwar jetzt authentischer, aber auch rarer.

Effekttechnisch übrigens fand ich die Schwingszenen aus den Augen von Spiderman sehr interessant, das erinnerte von den dramatischen Prinzipien her an die Doom-Verfilmung. Die restlichen Effekte sind gut, aber den Aufpreis für 3D nicht wert. Und, kleinlich wie es ist, Peters Haare erinnern doch etwas an Edward Cullen aus Twilight, zumal er nicht wirklich wie 17 aussieht. Dramaturgisch ist mir die Länge während der Vorstellung, über zwei Stunden, nicht negativ aufgefallen.

So bleibt zu sagen, dass The Amazing Spider-Man eine solide Neuauflage ist, die je nach Fortführung gutes Potential als Auftakt hat.

Titel: The Amazing Spider-Man

Regie: Marc Webb

Länge: 136 Minuten

(Hihi, der Spidermanregisseur heißt selber Webb, also Netz)

Mittwoch, 11. Januar 2012

Adventure Time


Man fragt sich bei Adventure Time with Finn and Jake gleich nach den ersten paar Minuten, ob die Macher dieser Trickfilmserie etwas nicht ganz legales zu sich genommen haben – alles ist seltsam. So beginnt beispielsweise die erste Folge mit aus Versehen zombifizierten Bonbonmenschen, welche sich auf die anderen Bonbonmenschen stürzen und deren Zucker wollen – also ihr "Fleisch". In ähnlich absurder Weise geht es weiter, wobei bei weitem nicht oft solche potentiell gruseligen Themen angeschnitten werden.

Doch fangen wir von vorne an. Finn ist ein zwölfjähriger Junge ist und Jake ist Mitte zwanzig, hat eine eher entspannte Haltung und ist ein magischer Hund, das heißt er kann sich in großem Maße dehnen, strecken und schrumpfen. Beide wohnen zusammen in einem Baumhaus und retten Prinzessinnen, raufen sich mit Raufbolden im Raufbolddorf, liefern sich Kämpfe mit dem Eiskönig und anderen Bösewichten und haben allgemein Spaß und Abenteuer. Von den beiden ist Finn das Energiebündel, während Jake meist relativ entspannt die Sachen angeht.

Natürlich gibt es Probleme und Konflikte, aber diese lassen sich meist mit einem Schwert bekämpfen oder mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft lösen. denn genau das wollen Finn und Jake – Abenteurer sein und jedem helfen, der Hilfe benötigt.

Und die Welt ist reich an Gelegenheiten zu beidem. Sehr viele ungewöhnliche Dinge auch jenseits von Süßigkeiten können reden und leben ihre Leben und allgemein folgt alles einer Logik, wie man sie in den Spielen und Träumen von Kindern erwartet. So gibt es beispielsweise statt Werwölfen Warumwölfe, Bonbonpersonen können durch ankleben von anderen Süßigkeiten wachsen, die Vampirin spielt Bass und seit Finn einen Computerchip verschluckt, kann er mit Computereffekten singen.

Dabei ist die Serie so erfüllt mit Klischees und Stilmitteln, dass man keinen Schritt gehen könnte ohne über eins zu stolpern. Durch ihre hervorragende Umsetzung macht es aber wirklich Spaß zuzuschauen! Allein schon die Dialoge, welche nicht dem Schnitt des Senders zum Opfer gefallen sind, machen die Serie in meinen Augen sehenswert.

Interessanterweise schwankt die Animation recht stark von Folge zu Folge, was ein nicht übertrieben rigides Markenbewusstsein vermuten lässt. Zum Beispiel sind üblicherweise Trickfilmserien sehr auf die Beständigkeit der Charakterdesigns bedacht, während bei Adventure Time Jake von Folge zu Folge schon mal eher rund oder eher lang sein kann. Anscheinend lässt man den Animationsteams und Regisseuren einen gewissen kreativen Freiraum, was ich persönlich toll finde.

Im Gegensatz zu vielen Trickfilmserien gilt bei Adventure Time der Status Quo nicht als unantastbar, sondern vielmehr wird ein recht hoher Wert auf Kontinuität gelegt. Glücklicherweise hält sich das aber im Hintergrund, wodurch ein Vorwissen nicht nötig ist und man jederzeit in die Serie einsteigen kann.

Als eher aktuelle Serie interagieren die Macher von Adventure Time sogar mit den Fans und bei ausreichendem Potential und Anklang werden Ideen und Vorschläge berücksichtigt, sowie mit dem Fakt von Fans an sich gespielt. Ein Beispiel dafür wäre die Idee mit dem Minikatzenattentäter, welche zu einer ganzen Folge ausgebaut wurde.

Noch etwas zum Hintergrund: Nach der Kurzfolge, die sehr gut im Internet ankam, hat Nickelodeon zweimal eine Serie abgelehnt, worauf hin sich Pendleton Ward an Cartoon Network wandte und sofort eine Zusage bekam. Aufgrund des mehrseitigen Humors, der sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht, hat die Serie eine breite Fanbasis für sich gewinnen können.

Zur Zeit wird die dritte Staffel ausgestrahlt, und für eine Umsetzung auf deutsch kann ich nur hoffen und bangen, denn obgleich der Humor nicht unübersetzbar ist, ist eine gute Umsetzung definitiv fordernd.



Titel: Adventure Time (with Finn and Jake)

Kreativer Kopf: Pendleton Ward, Adam Muto

Studio: Frederator

Länge: 13 Doppelfolgen je Staffel, 11 Minuten je Folge

Nachtrag: Ich bin mittlerweile im Besitz der deutschen DVDs der ersten Staffel, die übrigens vor den US-Varianten herauskamen, dafür aber weniger ikonische Cover und unterbestückt im Bereich Extras sind. Die deutsche Synchronisation ist gelungen und die Stimmen größtenteils gut besetzt, bloß von Prinzessin Bubblegum bin ich etwas enttäuscht. Für die interessierten, Adventure Time läuft zur Zeit täglich auf Cartoon Network und Sonnabends im Vormittagsprogramm von Kabel 1.

Montag, 26. Dezember 2011

The Darth Side: Memoirs of a Monster

An und für sich lese ich kein Star Wars, weder offizielles noch fangeschaffenes, weil das Universum einfach zu umfassend ist um nicht darin zu ertrinken, aber als ich über Memoire of a Monster bin, war ich doch hellauf begeistert.

Aber worum geht es? Nun, das ganze ist ein (abgeschlossener) Blog, welcher die Tagebucheinträge von Darth Vader, rechte Hand des Imperators Palpatine wiedergibt. Es beginnt mit folgendem (gekürzten) Eintrag:
Moff Nur: You should try keeping a journal.
Darth Vader: A journal? Do you mean I should write a book?
Moff Nur: No, no. I mean like a diary.
Darth Vader: Like a teenage girl?
Moff Nur: Well, not entirely unlike a teenage girl, I suppose.
Solche direkten Dialogwiedergaben sind eher selten, meist beschreibt Vader "bloß" seinen Alltag und Frust mit der zunehmenden Verdummung seiner Untergebenen. Dabei folgt der zeitliche Verlauf der klassischen Trilogie. Sie zeigt, wie Vader versucht in Palpatine's Auftrag die Rebellen zu besiegen und wie er dabei das erste Mal seit Jahren auf eine Person aufmerksam wird, die mit der Macht gesegnet zu sein scheint.

Diese Person ist offensichtlich Luke, sein Sohn, aber das weiß Vader zu dem Zeitpunkt noch nicht. Er fühlt bloß, wie die Macht von dem Jungen ausströmt und die Geschicke und Schicksale der Welt um ihn herum berührt, dass es eine wahre Freude ist.

Dem entgegen stehen die lapidar erwähnten Folter- und Verhörmethoden, welche Vader Hinweise auf die Rebellen geben, die aus Missmut über Inkompetenz mit Gedankenkraft zerstörten Luftröhren und seine berühmte Nachahmung des toten Mace Windu. Man kann problemlos glauben, dass Vader ein Monster ist, aber eben auch ein Mensch.

Und ehrlich gesagt ist die Idee ungemein erfrischend! Witzigerweise wurde durch die neue Star-Wars-Trilogie erst die Möglichkeit für diesen Blog geliefert, denn in den drei chronologischen Vorgängerfilmen wird der Wandel des etwas naiven Jungen Anakin Skywalker zu dem klassischen Widersacher schlechthin erzählt. Und wie es der Archetyp verlangt, erhält Vader ja bekannterweise zum Schluss auch die Möglichkeit, Buße zu tun und Reue zu zeigen.

Was mich persönlich aber noch mehr fasziniert hat, war die Beschreibung der Macht. Wie sie in Wogen von Sternen ausgeht und doch erst auf Planeten so richtig in Fülle vorkommt. Wie ein Planet durch die Augen der Macht gesehen nur eine hohle Kugel ist, deren Oberfläche leuchtet und ein strahlendes Geflecht nach innen und außen streckt. Wie Ereignisse einen Schatten voraus werfen und an sich unbedeutende Personen mit einmal von leichten Verästelungen der Macht berührt werden, welche eine zukünftige Bedeutung bedeuten können, aber deren Wahrscheinlichkeit und Kausalität noch nicht bestimmt sind.

Das war es, was mich wirklich überrascht und gefreut hat.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass der Blog seit Jahren abgeschlossen ist (man also in einem Rutsch durchlesen kann) und die dort bereit gestellte PDF noch Bonusmaterial enthält.

Titel: The Darth Side: Memoirs of a Monster

Autor: Chester Burton ("Cheeseburger Brown")

Sprache: Englisch (einfach-mittel)

URL: http://darthside.blogspot.com/

PS: Bester Beweis wie gut Memoirs ist: ich habe eben aus Versehen noch einen Eintrag über Memoirs verfasst, fünf Monate später. 

Donnerstag, 22. September 2011

20th Century Boys

Was geschieht, wenn man die Heldengeschichten, die man sich als Kind ausgedacht hat, Wirklichkeit werden? Denn genau dies passiert in 20th Century Boys. Eine Rasselbande erfindet eine Böse Organisation, welche die Welt vernichten will und der sie sich selbst als Helden entgegenstellen müssen. Als es dreißig Jahre später wirklich dazu kommt...

Inhalt

Es ist der Sommer 1970 und Kenji und seine Freunde verbringen die Sommerferien in einem Geheimversteck, das sie sich auf einem Feld gebaut haben. Die kleine Gruppe liest dort gegenseitig mitgebrachte Manga, spielen Helden und Schurken und haben an sich einen Heidenspaß.

1997 drängt Kenji's Schwester ihm aus unerfindlichen Gründen ihre wenige Monate alte Tochter auf und er trägt sie fortan während der Arbeit im familiären Franchise-Konbini (eine Art Tante-Emma-Laden in groß) herum. In Afrika scheint es eine Seuche zu geben, die allen das Blut aus dem Körper treibt und im Großen und Ganzen für die Allgemeinheit nicht von Interesse ist. Als ein Schulfreund stirbt und Kenji einen mysteriösen Brief hinterlässt, fängt Kenji an der Sache auf den Grund zu gehen.

Der Brief enthielt ein Zeichen, eine weisende Hand vor einem Auge, welches ihm bekannt vorkam, und dann erinnert sich Kenji an die alten Heldengeschichten aus dem Geheimversteck. Doch wer ist der Zeichendieb, dieser sogenannte "Freund", und wieso verwendet der IHR Zeichen? Stück für Stück erschließt sich Kenji, dass die Geschichten, welche sie sich als Kinder ausgedacht hatten, Wirklichkeit werden...

Hintergrund

Man mag ja sonst nichts von Manga halten, aber 20th Century Boys ist problemlos ein Magnum Opus nicht nur von Naoki Urasawa sondern für das ganze Medium. Vielfältige Personen mit eigenständigem Charakter, eine Erzählspanne von 50 Jahren, Rückblicke, Vorschauen und das alles in meisterhaften Ausführung. Ist man normalerweise bloß die Standardgesichter mit variierenden Frisuren oder Kleidung als Unterscheidungsmerkmal gewohnt, so sind bei 20th Century Boys die Charaktere allein schon vom Gesicht, aber auch Statur so individuell, ohne dabei überzeichnet zu sein, dass man anhand der Gesichtszüge die Kinder von damals und Erwachsenen von heute erkennen kann.

Sich bloß auf diesen Aspekt zu konzentrieren, würde der Handlung und Geschichte aber nicht gerecht werden. Urasawa zeichnet das Bild einer realistischen Entwicklung von dem uns vertrauten System hin zu dem realistischen diktatorischen Konstrukt einer staatsbeherrschenden Schurkenorganisation. Er nimmt dieses an sich absurde Konzept und lässt es nachvollziehbar Wirklichkeit werden, stets auch mit den notwendigen Kompromissen im Hintergrund. Wenn etwas physikalisch unmöglich oder finanziell nicht tragbar wäre, dann wird eben geschummelt für den Anschein und die Schummelei sowohl dem Leser als auch der Hauptfigur gezeigt.

Dabei lässt er sich aber genügend Zeit und quetscht das ganze nicht in einen Rahmen, dem man nur mit größter Not folgen kann. Stattdessen nahm er sich die Muße um 24 Bände für die ganze Geschichte mit Epilog zu brauchen.

Übrigens, Naoki Urasawa zeichnet sich auch verantwortlich für den in Deutschland spielenden Manga Monster.

Fazit

Die Handlung ist monumental, die Charaktere tiefgründig, der Verlauf glaubwürdig, was will man mehr? Und falls einer an dem Erwerb der Bände interessiert ist: Teilweise wurden die Bände nur auf Anfrage gedruckt (Print-On-Demand), also viel Glück!

Titel: 20th Century Boys (22 Bände), 21st Cenrtury Boys (2 Bände)

Autor: Naoki Urasawa

Verlag: Planet Manga