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Samstag, 12. Mai 2018

Light (Kefahuchi-Tract)


Verwirrend und misogyn

Ich have letztens versucht mir Light anzuhören, bin aber kläglich gescheitert. Die Schuld daran liegt aber nicht beim Erzähler – Elfer macht seine Arbeit gut und ist übermittelt das Buch mehr erzählend als vorlesend oder bloß sprechend – sondern bei der Geschichte selbst. Oftmals kommt es zu Traumszenen oder Sprüngen in Figuren und Orten die zwar angekündigt werden, aber insbesondere beim Zuhören nicht so klar zu trennen sind.

Dann wäre da noch die Handlung an sich. Man fragt sich zwangsläufig, was für einen Rochus Harrison auf das weibliche Geschlecht hat, denn fast alle weiblichen Charaktere sind einfach rollig und mannfixiert auf die eine oder andere Weise. Auch wenn ich Harrison spätere Handlungsentwicklungen zugestehe, die das teilweise in ein anderes Licht rücken, so ist es dennoch bedenklich wir verstörend das weibliche Geschlecht hier präsentiert wird.

Beim ersten Drittel habe ich somit gelesen statt gehört, um die plötzlichen Handlungssprünge mitzubekommen und nicht ständig um Minuten zurückzuspringen um zu wissen was jetzt gerade abgeht. Das zweite Drittel habe ich das Hörbuch gehört, das war adäquat. Man muss sich auf Elfers Dialekt einlassen können. Das letzte Drittel dann habe ich parallel gelesen und gehört, und das hat mir am meisten gebracht; das mag aber daran liegen, dass durch das vorangegangene Hören die Erzählung und Charaktere Elfers Interpretationen angenommen hatten und ich diese beim weiteren Lesen nicht missen wollte.

Unterschlagen will ich nicht Harrisons stilistische Schreibfertigkeit; er kann einfach sehr gut und evokativ beschreiben und Metaphern aufsetzen, die sich dem Leser sehr gut darbieten. Gleichermaßen allerdings müssen die oftmals grotesken und verstörenden Sexszenen erwähnt werden, bei denen ich mich stets fragte: Wieso. Was bringt das, hier, für die Erzählung?



Im Großen und Ganzen frage ich mich was für Drogen Harrison genommen hat beim Schreiben dieses Buches, denn die würde ich unbedingt vermeiden wollen.

Titel: Light

Autor: M. John Harrison
Sprecher: Julian Elfer

Sprache: Englisch (schwierig)

Länge: 10:22 Stunden, (100k Wörter)

Donnerstag, 7. September 2017

Pandora’s Star & Judas Unchained (Commonwealth 1 & 2)

Im Orbit eines blauen Planeten hat ein zylindrisches Raumschiff mit einem Ring um die Mitte hat Schaden genommen
Ein Planet bricht auseinander


Ausschweifende Weltraumoper

Mir sind unerwartet zwei Bücher ins Haus geflattert, die ich aufgrund der Idee irgendwo mal im Hinterkopf als interessant markiert hatte. Na ja, ein Buch, oder besser gesagt das fiktive Universum ist mir haften geblieben: durch Wurmlöcher verbundene Planeten, deren Warenaustausch über riesige Züge funktioniert.

Weitere Aspekte des Universums sind weit verbreitete Verjüngungstechnologien, welche es Menschen erlauben, nach einigen Jahrzehnten ihr körperliches Alter auf ca. 20 zurückzuschrauben. Während man diese Kur durchläuft, kann man zugleich seine Erinnerungen modifizieren, so dass man unliebsame Abschnitte seines letzten Lebens komplett vergisst oder sich bloß in groben Zügen daran erinnert. Das erfordert logischerweise Technologien, welche tief in das Gehirn und die Wahrnehmung eingreifen, und wie so vieles wird auch dies ordentlich erkundet. So gibt es zum Beispiel Menschen, die bei ihren Verjüngungen nichts vergessen haben, aber sie benötigen mehr ‘Speicherplatz’ außerhalb ihres Kopfes, um sich an all die Jahrhunderte zu erinnern.

Die eigentliche Handlung beginnt mit der Beobachtung eines Sternensystems durch Dudley Bose, einen Astronomen. Aufgrund der leichteren und ökonomischeren Erforschung näherer Sternensysteme mittel Wurmloch und ein paar Satelliten ist Astronomie zu einer kaum noch beachteten Wissenschaft geworden. Bose beobachtet allerdings die schlagartige Verdunklung eines Sterns. Die Menschheit wussten um die Dyson-Sphäre, aber dass sie wirklich innerhalb von Sekundenbruchteilen errichtet wurde ist mehr als überraschend. Also baut die Regierung ein Sternenschiff, das erste seiner Art (die Pläne lagen schon seit einiger Zeit in der Schublade, aber wieso ein Sternenschiff bauen, wenn Wurmlöcher so viel billiger sind?), und schaut vor Ort nach. Der Stern ist wirklich von einer Barriere umgeben, einem Kraftfeld unbekannter Art, und bei der Untersuchung schaltet sich dieses ab und die Außerirdischen im Inneren werden freigelassen.

Frei gelassen trifft es ziemlich passend, denn entgegen den anderen Außerirdischen, denen die Menschheit begegnet ist, sind diese sehr expansionistisch und es kommt schnell zu einem Konflikt. Man sollte annehmen, dass eine Zivilisation, die hunderte Planeten kolonialisiert hat, mit einer anderen, bisher auf ein System beschränkten, feindlich gesonnen Zivilisation umgehen könnte, aber nein, diese Außerirdischen sind ganz anders als erwartet und es kommt zu einem unweigerlichen Krieg.

Das Werk, und man sollte die beiden englischsprachigen (und vier deutschsprachigen) Bände wirklich als ein eng zusammenhängendes Werk verstehen, verfolgt dabei eine Vielzahl von Charakteren, seien es Terroristen von einem Provinzplaneten, Anführer von interstellaren Dynastien, Senatoren, Sicherheitsmänner, Detektive, und so weiter. Hamilton hat wirklich viele Personen am Werk, und manche sieht man hunderte Seiten lang nicht bevor sie wieder auftauchen. Ähnlich verhält es sich mit den Handlungssträngen; durch die Vielzahl an parallel laufenden Handlungsbögen kann es dauern, bis man einen alten wieder sieht. Wenn man das ganze von hinten aufrollt, wird allerdings klar, dass die vielen Seiten, die für den Aufbau dieser sehr entfernten Stränge verwendet werden, der Charakterisierung dienen für Charaktere, die im finalen Teil anfangen aufeinander zu treffen.

Hamilton verwendet viel Liebe zum Detail in der Weltgestaltung; die verschiedenen Planeten und Handlungsorte sind immer genau beschrieben, so dass man nicht wirklich viel hinzufügen muss, um was vorm geistigen Auge zu sehen. Ehrlich gesagt würde ich das sogar als Manko beschreiben, der Autor verliert sich manchmal in diesen Beschreibungen von Orten, die man nur ein einziges Mal zu Gesicht bekommt. Andererseits illustriert das sehr umfassend die Lebenssituation der Charaktere innerhalb dieser Welt. Dass man sich verjüngen lassen kann, heißt noch lange nicht, dass es kostenlos ist; viele Leute verbringen ihr Leben damit, das Geld für eine neue Verjüngung anzusparen. Andererseits gibt es Personen, die aus reichen Dynastien stammen und ihren Lebtag nie haben arbeiten müssen, oder werden, wenn sie es nicht wollen.

Ein Punkt, den ich auf keinen Fall verschweigen will, ist die sich stets in den Vordergrund drängende Sexualität der Charaktere. Vielleicht bin ich einfach zu verklemmt, was diese Sachen angeht, aber restlos alle Charaktere sind sehr freizügig; nach einer Verjüngungskur ist es normal, dass man sich erstmal durch die halbe Stadt fickt, sozusagen, weil man von den gediegenen Hormonen des späten Alters zu denen der immer noch pubertierenden Jugendlichen gewechselt ist. Wenn einen sowas stört, kann man diese Abschnitte einfach überfliegen und zu den Teilen springen, wo gesprochen wird.

Im Gegenzug möchte ich das letzte Drittel von Judas Unchained hervorheben. Die verschiedenen Handlungsstränge kommen sich immer näher und befinden sich bereits in der Verflechtung während ein Fanal nach dem anderen gezündet wird. Ich konnte das Buch gar nicht mehr beiseite legen, so fesselnd war das. Was problematisch ist, denn beide Bücher sind verdammt lang.

Der Vollständigkeit halber will ich noch anmerken, dass neben Pandora’s Star und Judas Unchained noch weitere Bücher im Commonwealth-Universum spielen, diese sind aber nur in bedingtem Zusammenhang; die meisten spielen mehr als tausend Jahre nach den Ereignissen in Pandora’s Star und Judas Unchained.



Titel: Pandora’s Star & Judas Unchained

Autor: Peter F. Hamilton

Sprache: Englisch (gehobene Schwierigkeit)

Länge: 992 Seiten (ca 300k Wörter), 1024 Seiten (ca 250k Wörter)

Donnerstag, 10. August 2017

Spinward

Unausgereiftes Science-Fiction LitRPG

Susan ist eine Angestellte, Mitte Zwanzig, die seit Jahren Videospiele spielt und sich direkt zur Veröffentlichung bei dem lang erwarteten immersiven Science-Fiction MMO Spinward einloggt. Nach den ersten Minuten Einführung, Charaktererstellung, und dergleichen stürzt sie sich direkt ins Spiel. Obwohl Spinward im Weltraum spielt, sind Raumschiffe nicht direkt verfügbar, man muss sich erst hocharbeiten. In dem Sinne kommt Cal ihre Erfahrung aus anderen Spielen zu gute und sie questet, mit dem Ziel sich ein Raumschiff leisten zu können.

Glücklicherweise stößt sie während einer Quest auf ein Raumschiff samt Kapitän, die beide in einem Hangar vor sich hinrotteten. Damit rückt Cals Ziel natürlich näher, aber bevor sie das Schiff fliegen kann, muss es erstmal flugtauglich werden, diverse Lizenzen eingeholt werden, und eine Mannschaft ist auch noch nötig.

Soviel dazu.

Ich habe mir Spinward zu Gemüte geführt, weil es drei attraktive Merkmale aufweist:
  • LitRPG
  • weiblicher Protagonist und 
  • Science Fiction. 
Leider wurde ich enttäuscht, wenn auch nicht in der Art und Weise, mit der ich gerechnet habe. Meine Erwartungen gingen in die Richtung, dass der Hauptcharakterin alles zufliegt, dass sie was besonderes ist, wie es halt in vielen LitRPGs der Fall ist. Dies ist erfreulicherweise nicht der Fall, denn Cal hat zwar Glück mit ihren Drops, aber es ist halbwegs begründet: sie hatte ein Premium-Einsteigerpaket gekauft, welches die Wahrscheinlichkeit von hochwertigen Drops erhöhte. Daher ist sie eine der ersten, die ein Raumschiff ihr eigen nennen durfte, auch wenn es nicht flugfähig war.

Auch wird die zugrundeliegende Technologie nicht weiter vertieft. In Spinward wird die Immersion durch geteilte Wachträume erzeugt, in denen man effektiv bewusst und wach ist, aber zugleich die Erholung von regulärem Schlaf erfährt. Es wird in keiner Weise erzählt oder darauf eingegangen, wie sich solch eine Technologie auf die Gesellschaft auswirken würde, was ich sehr schade finde. Das haben andere LitRPGs schon besser hinbekommen.

Auch scheint Cal bei weitem nicht die geistige Reife zu besitzen, die man ihr aufgrund ihres Alters oder Berufs zuschreiben würde, denn der Autor stellt ihre Erzählweise als sehr… nah an ihrem Gedankengang nah. Man hat das Gefühl direkt auf ihren Stirnlappen zu hängen und jeden Gedanken mitzubekommen, und die meisten entsprechen nicht den wohlüberlegten Taktiken, die ich von einer in anderen MMOs erfahrenen und halblegendären Spielern erwarten würde.

Woran es aber vor allem mangelt ist ein Spannungsbogen. Ja, Cal kommt ins Spiel, setzt sich Ziele, etc, aber sie steht unter keinem Druck, muss gegen nichts konkretes ankämpfen, außer sich selbst. Ja, ‘Monster’ und sowas existiert, aber das sind keine Spannungsherde über ihre Szenen hinaus.

Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Manko ist, dass anscheinend kein Mensch das Buch Korrektur gelesen hat. Fehler reihen sich an Fehler, ohne Ende. Die Masse an Fehlern ist dabei die Wortwahl. Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass jemand über den Text mit einem Rechtschreibprogramm gegangen ist und einfach die Option “Alle Markierungen ändern” gewählt hat. Anders kann ich mir die hohe Anzahl an there/their-Fehlern und wiederholten Phrasen und wiederholten Phrasen nicht erklären.



Ich weiß, dass dies ein Erstlingswerk ist, aber trotzdem, man sollte zumindest jemand kompetentes Korrektur lesen lassen.

Titel: Spinward: An Artificial Dream State Novel

Autor: I. M. Waugh

Sprache: britisches Englisch, mit entsprechenden Eigenheiten (aufgrund der hohen Fehlerkorrekturnotwendigkeit sollte man besseres Englisch beherrschen)

Länge: 329 Seiten (Amazon-Zählung), 102k Wörter

Samstag, 24. Mai 2014

Ringworld

Kurz vor der Grenze des Vorstellbaren



Im 26. Jahrhundert sind nach mehreren Kriegen und technologischen Fortschritten die Menschen und Kzinti seit ein paar Jahrhunderten wenn nicht Blutsbrüder, dann doch zumindest sich freundlich gegenüber. Für die katzenartige Rasse ist das eine ungemeine Entwicklung, waren sie früher noch um Größenordnungen kriegerischer und nur ein glücklicher Zufall bewahrte die Menschheit vor ihrer Versklavung.

Louis Wu ist ein 200jähriger Lebemann, der nach einem ausgedehnten Urlaub nach etwas neuem sucht. Teela Brown ist eine 20jährige, die in einem behüteten Maß aufgewachsen ist, dass es schon an Lächerlichkeit grenzt, denn das Glück ist auf ihrer Seite. Aufgrund von Überbevölkerung auf der Erde wird ein Teil des Fortbestands per Lotterie ausgelost und Teela ist das Produkt von sechs Generationen solcher glücklichen Fügungen.

Die ist auch der Grund, dass Nellus von den Puppenspielern, einer sehr feigen und übervorsichtigen Rasse, sie ausgewählt hat, ihn und Louis bei einer Expedition zu begleiten: als Glücksbringer. Der vierte im Bunde ist Sprecher-zu-den-Tieren, seines Zeichens ein Botschafter der Kzinti auf der Erde. Die Belohnung für Louis und Sprecher ist eine neue Form des Überlichtantriebs, der tagelange Reisen in den Bereich von Minuten rückt.

Das Ziel: die von den Puppenspielern frisch entdeckte Ringwelt. Ein Ring, 150 Millionen Kilometer im Durchmesser, 1,6 Millionen Kilometer breit, in dessen Mitte eine Sonne ist. Die Oberfläche des Innenseite entspricht etwa dem dreimillionenfachen der Erdoberfläche. Um das in ein Verhältnis zu setzen, jeder Ringabschnitt von etwas über 300 km Breite hat die gesamte Oberfläche der Erde auf sich vereint.

Nellos und seine Spezies haben natürlich eine Heidenangst vor einer Zivilisation, die solch ein Artefakt errichten konnte, und wollen daher mehr über diese in Erfahrung bringen, ergo besagte Expedition.

Doch die Ringwelt ist ohne Zivilisation…



Der Ringwelt-Zyklus umfasst mittlerweile 5 Bände, geschrieben über mehrere Jahrzehnte hinweg, so dass Niven abseits von der Ringwelt noch andere Universen gefüllt hat, die er später teilweise verschmolz. Known Space ist eines dieser Universen, und die Kzinti-Mensch-Kriege sind ein nennenswerter Teil davon.

Anscheinend geht Niven in späteren Bänden auf die Problematik ein, die ein chronischer Glückspilz wie Teela Brown haben kann, die sich einem nur bedingt sofort erschließen. Vielleicht werde ich mir die späteren Bände zulegen und lesen, aber nicht demnächst.

Davon abgesehen schreibt Niven interessant in der Tradition der Weltraumopern und verbringt regelmäßig ein paar Absätze des Erzählers Louis Wu damit, die kaum zu fassende Größe der Ringwelt zu vergegenwärtigen. Große Teile der Handlung beschäftigen sich mit der Erforschung der Ringwelt und der Logik und Begründung ihrer Existenz sowie den Problemen, die sich aus der Konstruktion ergeben. In diesem Aspekt, sowie der teilweisen Unerklärbarkeit, lässt sich der Roman mit Rendezvous mit Rama vergleichen, bei dem es ebenfalls um die Erforschung eines Artefaktes kolossalen Ausmaßes geht.

Zudem mögen sich Xbox-Spieler an die Halo-Reihe erinnert fühlen, in denen ein funktional ähnliches Artefakt, das namensgebende Halo, eine wichtige Rolle spielt.

Ich habe das englische Hörbuch gehört, daher die Sprecherangabe, aber gehe davon aus, dass ich mir Hörbücher (jenseits von Podcast) nicht angewöhnen werde.



Gute, klassische Science-Fiction.

Titel: Ringworld (dt. Ringwelt)

Autor: Larry Niven

Länge: 480 Seiten, 11+ Stunden

Sprecher: Tom Parker

Montag, 19. Mai 2014

The Mote in God's Eye

Der Aufstieg und Fall von Zivilisation als Bevölkerungskontrolle



Jahrhunderte nachdem ein Raumsprungantrieb entwickelt wurde, ist die Menschheit regelmäßig in dem Aufbau und Zerstörung von menschlichen Reichen beschäftigt und es wurde bisher kein intelligentes Leben entdeckt. Graduell steigt die Spitze der Technologie, aber der stete Zwist mit anderen menschlichen Reichen lässt diese regelmäßig in Vergessenheit geraten.

Momentan sind große Teile der Menschheit in einem quasifeudalistischen Imperium vereint, dass seinem Vorgänger nachstrebt, aber noch nicht gleich kommt. Die Antriebe erlauben Beschleunigung mit mehrfacher Erdbeschleunigung, ein Sonnensystem ist relativ klein, was die Reisezeit angeht, und die anderen Sterne sind nur einen Raumsprung entfernt. Da entpuppt es sich doch als äußerst überraschend, als in einem besiedelten System ein Raumschiff auftaucht, das mit Sonnensegeln angetrieben wird – und dessen Endstation ein Stern ist.

Schnell wird das von dem Segel gezogene Raumschiff geborgen, aber große Teile der Mannschaft verlassen zuvor das Schiff und lassen den Piloten zurück, der die Bergung nicht überlebt. Und er ist offensichtlich kein Mensch, sondern ein Außerirdischer, mit Fell und einem seltsam asymmetrischen Körperbau.

Mit einer gleichermaßen fremdartigen Technologie ist schnell klar, dass Kontakt zu diesen Aliens hergestellt werden muss; ein Kreuzer voller Wissenschaftler und ihrer Geräte sowie ein Schlachtschiff werden zu dem Ursprungssystem der fremden Raumschiffes geschickt.

Dort angekommen stoßen sie auf eine seltsame, hochentwickelte Kultur…



Ich habe Mote als Hörbuch gehört, aber das war trotzdem schon recht nett. Insbesondere der typische schottische Dialekt der Ingenieure, der sogar eine Erklärung erfährt, ist spaßig zu hören.

Davon abgesehen ist Mote eine gute Betrachtung eines ersten Kontaktes mit einer sehr fremdartigen Kultur; viele der uns naheliegenden Designprinzipien treffen auf die sogenannten Moties nicht zu, allein schon aufgrund der Zeitspanne, während derer sie Zivilisation und Technologie sich zu eigen gemacht hatten. Da sie nicht an das interstellare Straßensystem des Raumsprungs angebunden sind (ihre "Straße" fährt aus ihrer Sicht gegen eine Wand, ist aber eher eine Hürde), haben sich die Moties nie jenseits ihres Systems ausbreiten können. Gerade aufgrund dieser Beschränkung gab es evolutionäre Drücke, welche eine Einnischung in verschiedene Unterarten nötig machte.

Niven und Pournelle verbringen gut ein Drittel des Buches mit der Hinleitung, bevor die Aliens überhaupt besucht werden, und in diesem Drittel wird eine nachvollziehbare und glaubwürdige Gesellschaftssituation der Menschen in einem interstellaren Lebensraum dargestellt. Eine Quasiaristokratie, ähnlich den Abh in Crest of the Stars, mit einem Hauptherrscher und Adligen in ihren System, die einen halbwegs autonomen Handlungsspielraum genießen, aber unter Beobachtung der mächtigen Raumflotte stehen.

Die Moties und ihre Geschichte sind gleichermaßen ausgearbeitet und tiefgründig und der zweite Teil dreht sich darum, genau diese Hintergründe herauszufinden, während das letzte Drittel die Konflikte aus dem zweiten verarbeitet.



Eine nette Weltraumoper.

Titel: The Mote in God's Eye (dt: Der Splitter im Auge Gottes)

Autor: Larry Niven, Jerry Pournelle

Länge: 874 Seiten, 20+ Stunden

Sprecher: L. J. Ganser

Mittwoch, 10. Juli 2013

Commander Kitty

Urheberrechte bei Scotty Arsenault

Weltraum, Abenteuer, Katzen



C.K., kurz für Commander Kitty, ist ein Spacer, was die Weltraumvariante von Abenteurern ist. Oder er will es sein. In Wirklichkeit ist er der Kapitän eines desolaten Schiffes mit einer seltsamen Mannschaft: Der Chefingenieur Mr. Socks ist ein unverständliches Frettchen, der erster Offizier Mittens bis auf ein Halsband nackt, die künstliche Intelligenz MOUSE aufmüpfig und Fluffy… ist ein unberechenbares Kätzchen. Wobei, die ganze Mannschaft mit Ausnahme von Socks sind Katzen.

Urheberrechte bei Scotty Arsenault
Wie dem auch sei, CK hat kürzlich einen Transporter ersteigert und wie es der Zufall so will könnte Ace, alter Freund von CK (und aus dessen Sicht Erzrivale und Vorbild), einen Transporter bei seinem aktuellen Auftrag gut gebrauchen.

Bei einem Testlauf vom Transporter landet über ein paar Umwege Nin Wah, ihres Zeichens Spacer und roter Panda, auf CK's Schiff und heuert nach ein paar Überredungsversuchen an, um sich heimlich Ace' Mannschaft anzuschließen.



Urheberrechte bei Scotty Arsenault
Commander Kitty ist einer dieser seltsamen Fälle, bei denen irgendwie alles stimmt. Die Charaktere sind witzig, die Handlung angenehm abgedroschen mit den richtigen überraschenden Wendungen und das ganze Universum liebenswert persiflierend.

Da wäre zum Beispiel die Weltraumpolizei Triple-I, die aufgrund von Budgetkürzungen unter anderem Strafen von 15 Minuten Müllsammeln für… nicht gerade Kavaliersdelikte. Der Haken an der milden Strafe? Müllsammeln außerhalb des Station, ohne Raumanzug, wegen den Budgetkürzungen, ihr versteht?

Der Stil ist, wie ihr seht, cartoonig, überzogen und vollkommen passend. Interessanterweise ist Commander Kitty, wie auch Treading Ground, an sich eine lange Serie, aber in diesem Fall entschied sich der Autor Scotty Arsenault für einen Neustart und nahm alles alte Material von der Seite. Leider ist er mittlerweile seinem eigenen Webcomic etwas überdrüssig, so dass zum Einen die Veröffentlichungsrate nachgelassen hat und zum Anderen er bereits angekündigte, dass es nach dem aktuellen Handlungsbogen vorbei sein wird. Ich hoffe, dass er zumindest nicht mittendrin aufhören wird…



Urheberrechte bei Scotty Arsenault
Sehr witzige Hommage an Weltraumopern und Abenteuergeschichten und -filme, mir hat's super gefallen.


Autor: Scotty Arsenault

Länge: 178+ Seiten, alle bunt

Sprache: Englisch, mittel

Status: Laufend, ca. wöchentlich, z.Zt seltener

Montag, 17. Juni 2013

Quentyn Quinn, Space Ranger


Titelseite in Aufmachung und Stil der frühen Puplmagazine


Weltraumwaschbärenoper



Quentyn macht sich kampfbereit, um einen intragalaktischen Zwischenfall zu verhindern
 Quentyn ist Angehöriger der Imperiums der Sieben Sternensysteme – und ein Rac Cona Daimh, das heißt gehört zu einer Art anthropomorpher Waschbären. Als Space Ranger liegen seine Aufgaben unter anderem bei der Patrouille und Erkundung jenseits der Raumgrenzen und damit auch beim Erstkontakt mit anderen Spezies und Völkern.

Er ist dabei alles andere als ein Diplomat, sondern eher bodenständig und pragmatisch in seiner Herangehensweise, was ihm beim Absturz/Abschuss seines Raumschiffes auf einem von Piraten kontrollierten Planeten zu gute kommt. Als Partner zur Seite steht ihm Omnibus, eine künstliche Intelligenz.



Da Quentyn mit kaum 100 Seiten recht kurz ist, wäre zu viel aus der Story vorwegzunehmen einfach fies, deswegen lasse ich das Mal.

RIAA - kommerzieller, interplanetarer Ideenraubbau
Als Ableger von Tales of the Questor, dem anderen Webcomic von Ralph Hayes Jr., ist der Quentyn mehr eine Betrachtung der Konsequenzen aus und Zukunft von Tales. Viele der darin angesprochenen Fakten der Welt wurden weiter ausgebaut und Hayes hat einige Gedanken darauf verwendet, wie zum Beispiel die funktionelle Magie, Lux genannt, in einem Science-Fiction-Setting nach Jahrhunderten technischer Entwicklungen in den Alltag integriert wurde.

Dabei ist der Autor sich aber leider nicht zu schade, seine eigenen (nicht nur) politischen Meinungen und Worte in den Mund von Quentyn zu legen. Während seine Betrachtungen zu Urheber- und Kopierrecht noch interessant sind, erschlägt er mit seinen allzu offensichtlichen Strohmann-Argumentationen den Leser doch unweigerlich.



Kurz gefasst: Interessant für die Weltenbauerei, aber Autorengefährt für die politisch Gleichgesinnten.

Titel: Quentyn Quinn, Space Ranger (Url: http://www.rhjunior.com/QQSR/)

Autor: Ralph Hayes (RH) Junior

Sprache: Englisch

Länge: 101 Seiten, durchgehend farbig

Status: laufend, unregelmäßig (hochgerechnet etwa monatlich)

Die Piraten realisieren ihren Fehler

Mittwoch, 22. August 2012

Fine Structure

Ein logischer Hintergrund für Weltraumopern, ohne eine zu sein.

Konzipiert als Sammlung von Kurzgeschichten, hat Sam Hughes mit Fine Structure den Hintergrund für eine Welt, wie sie nur weit jenseits von bloßer Science-Fiction beschrieben werden kann, und dennoch ungemein gut zu lesen ist, geschaffen.

Hier einige Einblicke:



1. Jedes Jahr wird eine zufällig gewählte Person auf der Erde von einem Blitz getroffen und erhält Superkräfte.
2. Jeder neue Supermensch ist doppelt so mächtig wie der Vorige.
3. Dies geht so seit zehn Jahren.



Die Grundlagenforschung der Physik mit ihren Quantentheorien und Supersymmetrie, Paralleluniversen und all ihren theoretischen Konstrukten, die zwar möglich, aber nicht nachweisbar sind, stößt bei der Untersuchung einer kleinen, aber unerklärlichen Abweichung auf etwas fundamentales.

Überlichtschnelle Kommunikation ist nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglich.

Oder zumindest war sie es, denn alle Experimente schlagen fehl, weil irgendetwas auf der etwas verschobenen Ebene der Realität, durch welche die Kommunikation geht, unser Signal niederbrüllt. Bei der Analyse dieses Brüllens finden die Physiker etwas fundamentales: Mathematik. Logik. Definitionen. Sprache. Ein Skript, welches wie die Voyager-Plakette, in sich selbst den Schlüssel zu seinem eigenen Verstehen birgt.

Und was dieses Skript sagt, ist im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch.

Es wird die gesamte, uns bekannte Mathematik und Physik beschrieben.
Leibniz? Check.
Newton? Check.
Einstein? Check.
Hawking? Check.
Weit jenseits von Hawking? Check...?
Das Problem: Alle unsere überaus genauen Theorien decken gerade mal das erste Prozent des Skriptes ab.



Anscheinend gibt es Universen, jenseits des unseren, die mehr als unsere 3+1 Dimensionen kennen. Universen, in denen man sich vor und zurück, nach links und rechts, hoch und runter, aber zudem noch in eine vierte, fünfte oder gar sechste Raumdimension bewegen kann!

Und je mehr Dimensionen ein Universum hat, desto wahrscheinlicher und mächtiger wird Intelligenz.

In einem für uns wortwörtlich unvorstellbaren Universum gibt es eine Art Krieg, obwohl das Wort bei weitem unzureichend beschreibend ist. Eine Waffe, bösartig, quasi-intelligent, ringt mit einem Wesen und die einzige Methode diese Waffe zu bannen, besteht darin, sie ihrer Fähigkeiten zu rauben. Fähigkeiten, die vielen Dimensionen zur Funktion benötigen.

Zu diesem Zweck reißt das Wesen die Waffe mit sich, stürzt hinab und plättet sich gewissermaßen auf 3+1 Dimensionen zusammen, und schafft eine Konstrukt, welches sowohl das Wesen als auch die Waffe daran hindern soll, diese Plätte zu verlassen. Eine intelligente Gefängniszelle, die jeden Versuch der Flucht durch immer striktere Regeln zunichte Macht.



So ziemlich jeder Ort unseres Planeten ist besiedelt, bewohnt, bebaut, bebombt und allgemein belebt gewesen. Irgendwann. Wenn man tief genug gräbt, egal wo, findet man verfallene Tempel, desolate Laboratorien, monolithische Häuser, und andere Nachweise der Zivilisation. Die Welt ist ein dutzend Mal untergegangen, und wieder aufgestanden.



Ich will wirklich nicht zu viel verraten und trotzdem klar machen, wie gut Fine Structure ist.

Es werden weit auseinander liegende Geschichten erzählt, die jede für sich bereits ungemein interessant ist. Der konkrete Zusammenhang zwischen dem Skript, den Supermenschen und allen anderen Handlungssträngen ist nicht offensichtlich, zumindest nicht zuerst, und auch im späteren Verlauf muss man mitdenken und mitunter anhalten, um alles zu begreifen und zu durchdenken.

Sam Hughes weiß darum, und sieht es als Problem, welches durch eine Überarbeitung zu lösen gilt, aber dies ist vorerst von geringer Priorität. Er weiß, obwohl die Sprache verständlich ist, die Thematik ist es nicht, und sie besser zu erklären hat er sich für eine Überarbeitung vorgenommen.

So ist man für ein tiefergründiges Verständnis auf das FAQ angewiesen, in welchem die Leserkommentare zusammengefasst beantwortet wurden. Übrigens sollte man diese bei den einzelnen Kurzgeschichten allerdings meiden zu lesen, denn es gibt zwar eine empfohlene Lesereihenfolge, aber die Kommentare nehmen auch Bezüge auf noch folgende Geschehnisse.

Nur so als Hinweis, es lohnt sich ein zweites Lesen, nicht nur fürs Verständnis, sondern auch aufgrund mehrerer gut ausgeführter Entwicklungen in der späteren Handlung, die ein anderes Licht auf Ereignisse am Anfang werfen.

So bleibt nur zu sagen, wer sich über softe Science-Fiction aufregt, sollte sich mal Fine Structure durchlesen, denn die Geschichten bieten mit wunderschöner Begeisterung eine harte Grundlage für weiche Science-Fiction (nur eine Interpretation).

Titel: Fine Structure

Autor: Sam Hughes

Länge: etwa 600 Seiten

Sprache: Englisch

Freitag, 25. Mai 2012

Iron Sky

Mondnazis greifen an!

Womit die ganze Prämisse des Films benannt wäre. Iron Sky nimmt sich in etwa so Ernst wie Ralf, wenn ihr versteht was ich meine.

Wir schreiben das Jahr 2018, und die USA werden von einem Sarah-Palin-Verschnitt regiert. Um sich ihre Wiederwahl zu sichern, schickt sie zwei Männer zum Mond: Einer ein legitimer Astronaut, der andere ein Model. Ein schwarzes Model, James Washington, wegen der Stimmen.

Oben angekommen besteht die erste Amtshandlung darin, die Kampagnenbanner mit dem Schriftzug "Yes, She Can!" auszurollen.
Als die beiden dann bei der Suche nach Helium 3 über einen Kraterrand blicken und ein riesiges Hakenkreuzgebäude erblicken ist klar – hier stimmt was nicht.

Der Astronaut wird von einem typischen, in Leder gekleideten Nazi mit Gasmaske erschossen (natürlich mit einer Luger) und Washington gefangen genommen.

In der Basis kommt auch prompt der Mondführer Kortzfleisch um sich den Gefangenen von Nachrichtenübermittlungsoberoffizier Adler präsentieren zu lassen – bis dieser sich bei der Abnahme des Helms als Schwarzer entpuppt. Die Nazis sind natürlich mehr als Baff und Washington nutzt die Gelegenheit zur Flucht, trifft dabei auf die idealistische Lehrerin Renate Richter und wird schlussendlich doch wieder geschnappt.

Im weiteren Verlauf des Films werden im Prinzip alle hanebüchenen Verschwörungstheorien über Nazis aufgegriffen und durch den Fleischwolf gedreht, um einen grotesken Brei an wunderbar unterhaltsamen, aber in sich schlüssigem Stoff zu bilden.

Ich zähle mal auf:
  • Nazis haben Ufos und Weltraumzeppeline
  • Nazis haben Fusion
  • Nazis haben die Endwaffe Götterdämmerung
  • Nazis haben Antischwerkraft
  • Nazis wohnen auf der dunklen Seite des Mondes
Wie soll man das nicht lieben können? Nicht wegen den Nazis, sondern vielmehr aufgrund des Geflechts an Parodien – Sarah Palin als US-Präsidentin, deren PR-Chefin eine Tirade à la Der Untergang hinlegt, die Ohnmacht der Konföderation/UN in ihrem War Room nach Kubricks Vorbild, das berüchtigte "Ab 5:45 Uhr wird zurückgeschossen", Elemente von Weltraumopern wie Star Trek, die obligatorische Weltraumschlacht am Ende... All diese Elemente persiflieren breitgefächert sowohl unsere derzeitige Politik als auch den Irrsinn und Größenwahn der Nazis.

Von den Effekten ist der Film auch ziemlich spektakulär, vor allem durch die Weltraumszenen, die zu Ende hin ein Spektakel bilden. Und was das Ende anbelangt, so sollte man sich vor Augen halten, dass Iron Sky nicht in Hollywood geschrieben, produziert oder gedreht wurde, so dass einige typische Konventionen nicht befolgt werden.

Übrigens wurde der Film zu einem nennenswerten Teil durch Fans über sogenanntes Crowdfunding finanziert, womit sich beteiligende Personen gewisse Extras oder auch Gewinnbeteiligungen sichern konnten.

Insgesamt lässt sich sagen, Iron Sky hat mir sehr gut gefallen, teilweise sogar mehr noch durch die Implikationen als den Film selbst, und er ist definitiv sehenswert. Wer nicht so auf Parodien steht, sollte ihn sich aber vielleicht lieber ausleihen/kaufen. Allein schon, weil man dann den wunderbar übertriebenen deutschen Akzent der Schauspieler hören kann.

Titel: Iron Sky

Regisseur:
Timo Vuorensola

Länge: 92 Minuten

Mittwoch, 15. Februar 2012

Ed Stories

Ed Stories ist der Titel eine Sammlung von Kurzgeschichten von Sam Hughes, die von den Eskapaden und Erfindungen von Sam und Ed erzählt. Sam erzählt dabei aus der Ich-Perspektive die Handlung, während Ed der Anlass zur selbigen ist, denn Ed ist das, was man im allgemeinen als Bastler bezeichnen würde.
Mit dem Unterschied, das seine Basteleien Hochleistungsteilchenbeschleuniger sprengen oder Ed aus Versehen das Administratorpasswort für unser Universum heraus findet.
Ed seems to have been stamped directly from the comic-book mad scientist mould - last week he raised an Amiga 500 to sentience (although it took us a while to notice; it thinks darned slowly).

Ed schien direkt aus der Form gegossen worden zu sein, die man auch für die verrückten Wissenschaftler aus Comicbooks verwendete - letzte Woche hat er in seinem Amiga 500 eine KI erschaffen (obwohl wir eine weile brauchten um das zu bermerken, diese Teile sind verflixt lahm).
Kurz gesagt, Ed holt gerne die Science Fiction in den Bereich der Realität - in seiner Schublade sind Designs für funktionierende Zeitmaschinen, riesige Roboter und was es sonst noch so alles gibt. Das kommt Sam und Ed sehr gelegen, als just nach der Fertigstellung des Riesenroboters eine Flotte von Außerirdischen über die Erde herfällt und mit gewissem Erfolg durch die beiden zurückgedrängt werden kann. Als das Militär die Invasoren selbst nicht zurückschlagen kann und Ed sein Baby auf eine Spritz- und Zerstörungstour schickt, werden die Lamettaträger mit einem Mal hellhörig und erwerben die Designs.

Die Geschichten sind wie schon gesagt sehr kurz und episodenhaft gehalten, im späteren Verlauf baut Hughes sie allerdings um Handlungsbögen auf. Die Eingangs erwähnten Außerirdischen tauchen wieder auf, die Bedrohung durch sie nimmt zu, und es kommen Zeitreisen ins Spiel.

Gefallen hat mir der legere Ton, mit dem all das geschieht und beschrieben wird, und obgleich es später dramatischer wird, bleibt die Lockerheit irgendwie bestehen. Es liest sich ehrlich gesagt ein bisschen wie Arthur C. Clarke, das gefällt mir. Wer also mit dessen Werken was anfangen kann, wird dem Sam/Ed-Duo wahrscheinlich auch etwas abgewinnen können.

Titel: Ed Stories (http://qntm.org/ed, Everything2.com, Zeitstrahl der Ed Stories)

Autor: Sam Hughes

Länge: 36.000 Worte (abgeschlossen)

Sprache: Englisch (mittel)

Sam Hughes (der Autor) hat noch ein paar andere Geschichten auf seiner Webseite, in welche man problemlos reinschnuppern kann, insbesondere Fine Structures, zu welchen ich bei Gelegenheit noch etwas schreiben werde.

Montag, 26. Dezember 2011

The Darth Side: Memoirs of a Monster

An und für sich lese ich kein Star Wars, weder offizielles noch fangeschaffenes, weil das Universum einfach zu umfassend ist um nicht darin zu ertrinken, aber als ich über Memoire of a Monster bin, war ich doch hellauf begeistert.

Aber worum geht es? Nun, das ganze ist ein (abgeschlossener) Blog, welcher die Tagebucheinträge von Darth Vader, rechte Hand des Imperators Palpatine wiedergibt. Es beginnt mit folgendem (gekürzten) Eintrag:
Moff Nur: You should try keeping a journal.
Darth Vader: A journal? Do you mean I should write a book?
Moff Nur: No, no. I mean like a diary.
Darth Vader: Like a teenage girl?
Moff Nur: Well, not entirely unlike a teenage girl, I suppose.
Solche direkten Dialogwiedergaben sind eher selten, meist beschreibt Vader "bloß" seinen Alltag und Frust mit der zunehmenden Verdummung seiner Untergebenen. Dabei folgt der zeitliche Verlauf der klassischen Trilogie. Sie zeigt, wie Vader versucht in Palpatine's Auftrag die Rebellen zu besiegen und wie er dabei das erste Mal seit Jahren auf eine Person aufmerksam wird, die mit der Macht gesegnet zu sein scheint.

Diese Person ist offensichtlich Luke, sein Sohn, aber das weiß Vader zu dem Zeitpunkt noch nicht. Er fühlt bloß, wie die Macht von dem Jungen ausströmt und die Geschicke und Schicksale der Welt um ihn herum berührt, dass es eine wahre Freude ist.

Dem entgegen stehen die lapidar erwähnten Folter- und Verhörmethoden, welche Vader Hinweise auf die Rebellen geben, die aus Missmut über Inkompetenz mit Gedankenkraft zerstörten Luftröhren und seine berühmte Nachahmung des toten Mace Windu. Man kann problemlos glauben, dass Vader ein Monster ist, aber eben auch ein Mensch.

Und ehrlich gesagt ist die Idee ungemein erfrischend! Witzigerweise wurde durch die neue Star-Wars-Trilogie erst die Möglichkeit für diesen Blog geliefert, denn in den drei chronologischen Vorgängerfilmen wird der Wandel des etwas naiven Jungen Anakin Skywalker zu dem klassischen Widersacher schlechthin erzählt. Und wie es der Archetyp verlangt, erhält Vader ja bekannterweise zum Schluss auch die Möglichkeit, Buße zu tun und Reue zu zeigen.

Was mich persönlich aber noch mehr fasziniert hat, war die Beschreibung der Macht. Wie sie in Wogen von Sternen ausgeht und doch erst auf Planeten so richtig in Fülle vorkommt. Wie ein Planet durch die Augen der Macht gesehen nur eine hohle Kugel ist, deren Oberfläche leuchtet und ein strahlendes Geflecht nach innen und außen streckt. Wie Ereignisse einen Schatten voraus werfen und an sich unbedeutende Personen mit einmal von leichten Verästelungen der Macht berührt werden, welche eine zukünftige Bedeutung bedeuten können, aber deren Wahrscheinlichkeit und Kausalität noch nicht bestimmt sind.

Das war es, was mich wirklich überrascht und gefreut hat.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass der Blog seit Jahren abgeschlossen ist (man also in einem Rutsch durchlesen kann) und die dort bereit gestellte PDF noch Bonusmaterial enthält.

Titel: The Darth Side: Memoirs of a Monster

Autor: Chester Burton ("Cheeseburger Brown")

Sprache: Englisch (einfach-mittel)

URL: http://darthside.blogspot.com/

PS: Bester Beweis wie gut Memoirs ist: ich habe eben aus Versehen noch einen Eintrag über Memoirs verfasst, fünf Monate später.