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Sonntag, 26. Januar 2020

Kipo und die Welt der Wundermonster

V.l.n.r.: musikliebender Benson, in seinen Armen der verpuppte Dave, die namensgebende Kipo, die Überlebende Wolfi
Optimistische Postapokalypse für Kinder

Als ihr Dorf von einem Riesenmutanten angegriffen wird, findet Kipo sich unerwartet auf der Oberfläche wieder. Diese wurde von ein paar hundert Jahren von einer nicht näher genannten Katastrophe unbewohnbar gemacht. Der Mensch ist nicht an mehr die Spitze der Nahrungskette, sondern Mutanten, die erstaunlich wenig mit Menschen gemeinsam haben. Stattdessen sind es meistens seltsam abgewandelte, riesige Tiere, die mitunter intelligent sind und sprechen können. Und eine eigene, fantastische und seltsame Kultur haben.


Kipo schaut auf eine eine mannsgroße Schnecke mit einem Cadillac als Schneckenhaus.Während Kipo sehr gerne die ihr unbekannte Oberwelt erkunden würde, ist ihr ultimatives Ziel zu ihrem Vater zurückzukommen. Dabei trifft sie auf Wolfi, ein junges Mädchen, dass sich die letzten Jahre alleine auf der Oberfläche durchgeschlagen hat und sich dementsprechend verhält – sie ist grobschlächtig, martialisch, und immer in einem Wolfsfell gekleidet. Später kommen Benson und Dave hinzu, ersterer ist ein Junge mit einer Vorliebe für Hiphop und stets auf der Suche danach, seine Kasettensammlung auszubauen, sowie sein bester Kumpfel Dave. Dieser ist ein Mutant, der stetig seine verschiedenen Lebensphasen (Puppe, Larve, „Jugendlich“, Erwachsen, Rentner) durchmacht. Unglücklicherweise wechselt er zwischen seinen Phasen zu den ungünstigsten Zeiten.

Und so machen sich die vier auf die Suche nach einem alternativen Eingang in Kipos Untergrundheimat. Dabei stoßen sie auf eine Vielzahl eigener Kulturen, die teilweise mehr, teils weniger stark von Menschen zu inspiriert scheinen. Es gibt Wissenschaftswölfe, Dubstepbienen, Kolibribomber, Holzfällerkatzen, kurzum: eine vor Fantasie sprühende Welt, die trotz postapokalyptischer Szenerie auf dem metaphorischen Maßstab zwischen Idealismus und Zynismus fest auf der Seite des Idealismus angesiedelt ist. So gibt es beispielsweise eine Wiese, auf der sich haushohe, achtbeinige Megahunde tollen und miteinander spielen, scheinbar ohne eine Sorge in der Welt. 

Das Design der Figuren – zumindest der menschlichen – erinnert mich mit den etwas kantigen Gesichtszügen an die Teen Titans, aber das sage ich wahrscheinlich bloß, weil das mein nächstliegender Referent ist, ich habe aber keine Ahnung, ob es zwischen den Serien irgend eine tatsächliche Überschneidung gibt. Interessanter ist vielmehr, dass die Vorlage der Serie ein mittlerweile depublizierter Webcomic. Und ich sehe gerade, dass Rad Sechrist, der Autor, davor bei verschiedenen Studios als Charakterdesigner und Storyboarder arbeitete. Hm, vielleicht daher? Wie dem auch sei, das ist meiner Erfahrung nach sehr ungewöhnlich.
Der Optimismus der Charaktere ist ansteckend, ihre Charakterisierung solide, und die Welt einfach sehr schön gestaltet, während die Musik die Szenen sehr schön untermalt. Man merkt, dass jemand hier bildliche Ideen hatte, die auch visuell umgesetzt werden mussten.

Kipo steht mit einer Gitarre einem Megamutant gegenüber, der Mega-Affe betrachtet sie fasziniertDie deutsche Übersetzung und Synchronisation durch Hermes Synchron GmbH kamen mir auch recht gut vor, aber nicht herausragend. Auf wenn das jetzt etwas negativ klang, ist das nicht als solches gemeint. Zum Beispiel bin ich sehr davon begeistert, dass die internen Lieder größtenteils übersetzt und gesungen wurden (und wieso sind die nicht auf dem Soundtrack?). Andererseits war ich ein bisschen enttäuscht, dass bei den diversen Wortspielen nicht mal versucht wurde, diese umzusetzen. Bei einigen ist klar, dass sie schwer sind: wie soll man zum Beispiel den Bezug von Scarlemagne (der Charakter hat Narben, also scar, und Karl der Große heißt auf Englisch Charlemagne) auf Deutsch umsetzen? Soll man den Charakter etwa Kerb der Große nennen? Andererseits wären da die kofferwortigen humming bombers, die ganz stumpf als Kolibribomber übersetzt wurden. Da hätte man stattdessen auch Kolibomber nehmen können. Außerdem scheinen die deutsche Synchronisation und die deutschen Untertitel separat übersetzt worden zu sein? Zumindest sind die Untertitel nicht einfach die Texte der Synchronsprecher. Das gibt im Vergleich auf jeden Fall Einblicke in die (möglicherweise) verschiedenen Übersetzer.
Aber ich beschwere mich hier gerade auf hohem Niveau; die Animationen sind flüssig, die Bilder schön anzuschauen, kurzum: mir hat die Serie sehr gut gefallen, so dass ich mich auf eine neue Staffel freue. Wobei ich vom bingen der Serie abrate, dafür ist sie visuell einfach zu schön, man sollte sich schon ein paar Tage geben um die Folgen sacken lassen. 



Daumen hoch, mehr davon.

Titel: Kipo und die Welt der Wundermonster

Schaffer: Radford Sechrist

Länge: 10 Folgen à 24 Minuten (auf Netflix)

Sprache: Englisch, Deutsch

Samstag, 26. August 2017

Strong Female Protagonist


Name ist Programm

Im Verlauf der letzten Jahre, um nicht zu sagen Jahrzehnte, hat sich ein Bedürfnis in mir herauskristallisiert: tiefgreifende Charakterisierung von handelnden Personen mit glaubwürdigen und nachvollziehbaren Motiven. Dieses Bedürfnis ist es, welches mich Serien wie Firefly so sehr wertschätzen lässt, denn ich dürste nach nachvollziehbaren Charakteren durch die Bank weg, nicht bloß in ein, zwei Hauptcharakteren und dem Rest als Pappfiguren.

In diesem Sinne ist Strong Female Protagonist auf dem richtigen Weg. Die Handlung folgt Alison, einer ehemaligen Superheldin, die vor laufender Kamera ihre Maske abgenommen hatte und nur noch ein relativ normales Leben führen will. Sie besucht eine Hochschule, studiert Politik und Soziologie, und arbeitet nebenbei bei der Feuerwehr.

Allerdings lässt ihre Vergangenheit sie nicht in Ruhe. Superhelden sind nämlich erst seit wenigen Jahren überhaupt ein Ding, und aufgrund der Umstände ihrer Entstehung ist keiner älter als Anfang zwanzig. Es gibt keine ältere und weisere Generation, die den Sprösslingen den Weg weisen kann; die Gesetzgebung hinkt immer noch hinter der veränderten Ausgangslage hinterher, und das übliche Superhelden-Superschurken-Schema wurde von den Kindern mit Superkräften bloß aufgegriffen, weil es vorhanden und im Vordergrund war. In anderen Kulturkreisen gibt es auch Superkräfte, aber das Auftreten von dermaßen ausgestatteten Personen folgt nicht dem gleichen Muster wie in den USA.

Der Webcomic beschäftigt sich sehr mit den alltäglichen und sekundären, ja ich möchte sagen vernachlässigten Aspekten typischer Superheldenuniversen. So gibt es viele Jugendliche, deren Superkräfte sie offensichtlich umgestaltet haben; das reicht von einfach blauer Haut über anthropomorphe tierähnliche Gestalt hin zu vollkommener Körperlosigkeit. Alison gehört nicht dazu, und ihre Kräfte sind effektiv auf Superman-Niveau, d.h. ihr kann keiner wirklich das Wasser reichen.

Alison: "Bullshit, You’re one of the Guardians. I went berserk a few months back, and they didn’t arrest me." – "That has nothing to do with being a Guardian, Al! They can’t do anything to you!. The rationalise reasons that you shouldn’t be in jail to make it okay that they can’t put you in jail! That’s how they do things. They make reasons for things to be okay the way they are.
Demaskierung ist nicht so einfach für andere
Aufgrund dieser Position und Kräfte hatte sie überhaupt das Privileg sich demaskieren zu können ohne allzu negative Konsequenzen fürchten zu müssen. Niemand konnte ihr wirklich was anhaben, da sie quasi der größte Fisch im Teich ist, und sie könnte sich, theoretisch, ohne Schwierigkeiten in die Gesellschaft integrieren.

Nicht nur wegen ihres Studiums sondern auch dank persönlicher Interessen ist Alison sich über diese Probleme bewusst und scheut nicht davor zurück, sich diesen zu stellen, oder auch andere zur Rede zu stellen. Soziale Gerechtigkeit liegt ihr am Herzen, und sie erkennt an, dass sie bloß eine Person ist, und dass Gerechtigkeit und gesellschaftliche Prinzipien und Veränderung nur von vielen herbeigeführt werden können, nicht von einigen wenigen, denen die Natur Holzhammer in die Wiege gelegt hat.

Der einzige Wermutstropfen in meinen Augen war die etwas linkisch ausgeführte romantische Nebenhandlung.

Professor: "You are the freest being they’ve ever met, and I doubt they’ll ever forgive you for it. It may be right for you to address the injury you have caused. But no matter what you do, this person may still hate you. Truth be told, I’ve never known what to do with freedom. A goddess worshipped by slave and master alike. And it seems obvious which of her acolytes she favours more. I have always suspected she was Power, by a different name."
Achtung: Hirnzellen helfen hier
Und eine Warnung, falls das noch nicht ausreichend klar geworden ist bisher, Strong Female Protagonist verwendet sehr viel Zeit auf Charakterisierung und die Erkundung von Ideen und Konzepten, sowohl im übertragenen als auch praktischeren Sinne. So gibt es zum Beispiel eine mehrere Seiten spannende Szene zwischen Alison und ihrem Ethik-Professor, bei dem beide eine halb-monologe Argumentation mit sich selbst halten, in derer sie ihre Standpunkte dem anderen, aber auch sich selbst klar machen.



Sehr guter, aber auch sehr eigener Webcomic.

Titel: Strong Female Protagonist (URL: https://strongfemaleprotagonist.com)

Autor: Brennan Lee Mulligan

Status: laufend, ca 2x die Woche

Sprache: Englisch (normal)

Länge: >500 Seiten, die ersten 240 Seiten schwarz-weiß, ab Kapitel 5 durchgehend farbig

Mittwoch, 28. Mai 2014

Raven Wolf

Anthros: Naturnah oder Domestiziert?

Vorgeschichte: Die Erde wurde heruntergewirtschaftet, es gab einen Klimawandel mit einer globalen Eiszeit. Anschließend waren das Land und die Umwelt in einem Maße verändert, dass die Tiergeister den Menschen anboten, sie an das Land anzupassen, wenn sie im Gegenzug die Natur respektieren.

Viele Menschen stimmten zu und wurden zu Mischwesen aus Tier und Mensch…

Einige Jahrhunderte später haben sich Kultur und Zivilisation wieder erhoben, und es wird unterschieden zwischen Domestizierten und Wilden; letztere scheuen Zivilisation und leben in Verbundenheit mit der Natur, mit Wurzeln näher ihres tierischen Ursprungs.

Allerdings gibt es eine Prophezeiung, dass weißäugige die Zukunft das Ende der Welt voraussehen können. Eine Legende, der zumindest genug Glauben geschenkt wird, dass das Militär Yula, seines Zeichens Wilder mit weißen Augen, seit Jahrzehnten ohne Kontakt zur Außenwelt gehalten wird, damit seine latenten Träume nicht unnötig beeinflusst werden können.

Teddy ist eine der Wachen von Yula und hat sich mit ihm angefreundet, während Eve eine neue zugeteilte Forscherin ist. Der tägliche Trott, Yula nach seinen Träumen zu befragen, ist eintönig, aber gut bezahlt, bis er eines morgens eine andere Antwort gibt.

Das Militär gerät in Aufruhr, denn die geträumte Szene spielte sich tatsächlich ab, und es wird befürchtet, dass das Ende der Welt droht…



Mit über 170 Seiten hat man gerne den Eindruck, dass Raven Wolf schon recht fortgeschritten sei, aber meiner Erfahrung nach, ist er gerade erstmal zu einem Drittel durch, oder am Ende des ersten Aktes.

Der Zeichenstil ist westlich-anthropomorph mit Mangaeinflüssen und durchgehend farbig, während die Handlung erst noch so richtig fesseln muss. Bisher scheint es mir bloß 08/15-Anthro-Animismus zu sein.

Die Charaktere sind nicht sonderlich fesselnd, und die angedeutete Hintergründe mit den Menschen, die sich gegen eine Zoomorphisierung entschieden, sind noch zu weit im Hintergrund um zu locken.



Im großen und ganzen Durchschnitt.

Titel: Raven Wolf

Autor: K. L. Seunnapha

Länge: 170+ Seiten, farbig

Status: laufend, ca. wöchentlich

Sprache: Englisch

Freitag, 24. Januar 2014

Exiern

Tiffany in brauchbarer Rüstung auf einer Brüstung sitzend
Geschlechtsgewandelter Barbar in "sexy" Abenteuern

Typhan-Knee ist ein klassischer Barbar – muskelbepackt, männlich, halbnackt. Kurzgesagt, ein wahrer Held.

Sein Aufgabe auf der vom König ausgerufenen Quest ist die Befreiung der entführten Prinzessin Peonie aus den Klauen des Dunkelmagiers Faden. Doch dieser ist nicht ganz ohne und bei dem Gefecht kommt es dazu, dass Typhan-Knee mit überstarker Weißmagie angegriffen wird und eine Frau.

Mit der aktuellen Aufgabe, der Befreiung Peonies, abgeschlossen, macht sich Tiffany also daran seinen – Pardon, ihren – Fluch zu brechen. Doch vorher muss Peonie zurück gebracht und Faden den Autoritäten übergeben werden.



Faden ist ein Besserwisser und Schwarzmagier. Und irgendwie lässt er ständig Kommentare fallen, die ihn für uns als Leser witzig machen.

Peonie ist eine kaum bekleidete Prinzessin.

Tiffany ist ein kaum bekleidetes Kampfschwein.

Der erste Autor Drowemos und seine Nachfolgenden Illustatoren und Schreiber geben sich im wesentlichen keine Mühe zu verstecken, dass einer der großen Anziehungspunkte des Webcomics der Fanservice, also die leichte (bis keine) Bekleidung der oftmals weiblichen, vollbusigen Figuren ist.

Der andere Anziehungspunkt ist der Humor, der sich teilweise sehr seiner selbst bewusst ist und gerne Spitzen in Richtung der üblichen Fantasystilmittel hat – Die Prinzessin in Nöten, die mehr als mangelhafte Panzerung bei Frauenrüstungen und so weiter.

Der Webcomic hat über seine ersten vier Jahre recht wenige Updates gehabt, nachdem Exiern aber von Dan Standing übernommen wurde (mittlerweile Scott T. Hicken), hat es sich auf etwa drei Updates pro Woche und einen etwas gerundeteren Zeichenstil eingeschossen.

Ein Aspekt, der leider viel zu selten durchscheint, ist die Welt an sich. Peonies Vater ist der König einer der beherrschenden Nationen des Kontinents, wenn nicht der Welt, und hat diese Position nicht, weil er ein netter Mensch ist. Das Magiesystem fußt in dem Entstehungsmythos der kaum 200 Jahre alten Welt. All dies bekommt man aber nur sehr langsam mit. Schade eigentlich.



Ein schuldiges Vergnügen

Titel: Exiern

Zeichner: Studio Boom 2006-2010, Shipeng Lee 2010+

Autor: Drowemos 2006-2011, Thomas Knapp 2011+

Seiten: 600+, alle farbig

Sprache: Englisch, einfach bis mittel

Status: Laufend, 2-3 Updates pro Woche

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Sakana

Jiro läuft vor einer Welle aus Wasser und Fisch davon
Ein Fischmarkt und sein drumherum

Jiro ist 22 Jahre alt und Kassierer in der Verkaufsbude seines Onkels auf demXXX Fischmarkt in Tokio, während sein Bruder Taro als …enthusiastischer Fisch-Schlachter im Hinterzimmer die Waren für den Verkauf vorbereitet.

Jiro öffnet in dem Loch verängstigt die Augen, als beinahe ein Donutmaskottchen auf ihn fiel.Die Brüder wohnen zusammen mit dem hühnenhaften Taisei, der nicht nur Jiros bester Freund seit überhaupt ist, sondern zudem noch ein äußert talentierter Verkaufsmann (Salaryman). Dessen Tage bestehen üblicherweise aus Verkaufen, und abends trinken und feiern.

Der vierte, und vor allem unfreiwillige, im Bunde ist Yuudai, dessen positiven Gefühle sich ausschließlich auf seine Katze konzentrieren und der alles anderes inbrünstig verachtet. Er arbeitet zusammen mit Jiro und Taro in der Fischbude.

Jiro hat sich bereits seit zwei Jahren in die Kassiererin gegenüber verguckt, ist aber überaus schüchtern und kennt daher noch nicht mal ihren Namen. Als er auf sie auf Drängen seines Bruders anspricht, kann er nur nach Wechselgeld stammeln und bekommt dieses. Und mit der Quittung auch unausgesprochen ihre Telefonnummer…



Yuudai liegt auf der Couch mit seiner Katze und macht sich GedankenDie Handlung von Sakana wäre schnell erzählt, denn es sind nicht großartige Erklärungen nötig. Es gibt keine Action, keine Raumschiffe oder Schießereien, und selbst die Romantik ist nicht der Kapitän dieses Webcomics. Nein, Sakana erzählt einfach nur Geschichten von Jiro und Taro, Taisei und Yuudai und noch einem Dutzend anderer Charaktere, die alle auf ihren eigenen Beinen stehen. Man hat an ihren alltäglichen Leben teil, und der Stil…

…Kurzgesagt – wunderbar.
Lang gesagt: XXX zeichnet immer monochrom, und fast immer in Schwarz-Weiß (erinnert mich an da Sam and Fuzzy). Charaktere und Hintergründe haben quasi keine Graustufen. Die Charaktere werden immer besser erkennbar und die bei manchen Zeichnern typische "Ein Gesicht, andere Frisur/Kleidung bedeutet anderer Charakter"-Eigenart ist hier nicht mal im Ansatz zu erkennen.

Die Hintergründe sind ausschweifend im Aufbau einer Szene und im Anschluss je nach Bedeutung für das Panel vorhanden und aufwendig gezeichnet oder erst gar nicht vorhanden.



Mir hat der Webcomic erschreckend gut gefallen und ich würde den gerne als Manga oder so lesen.

Titel: Sakana (URL: http://sakana.smackjeeves.com/)
 
Autor: Madeline Rupert

Länge: 10 Kapitel á 20-30 Strips

Sprache: Englisch, einfach bis mittel

Status: laufend / auf Eis

Ein Überblick über die verschiedenen Charaktere, leichte Spoiler.

Dienstag, 10. Dezember 2013

String Theory

Dr. Schtein im Vordergrund mit boshaftem Lächeln, im Hintergrund ein Flammenmeer
Der katastrophale Aufstieg zum Superschurken-Superstar

Dr. Herville Schtein ist nicht gerade vom Glück geplagt. Nach seinem Abschluss in Quantenphysik mit 19 arbeitet er seit 15 Jahren an diversen streng geheimen Regierungsprojekten in einem unterirdischen Labor. Zusammen mit seiner Mysophobie (Angst vor Krankheitserregern) und aufreibenden Art ist er nicht gerade beliebt. Und seine Augen sind Rot auf Schwarz, aber na ja, Arbeitsunfälle eben.

Delia Osgood ist die frische nach ihrem Abschluss angestellte Assistentin von Dr. Schtein – seine 15 innerhalb von 5 Jahren. Das derzeitige Projekt unter seiner Führung soll Teleportation ermöglichen, aber nach Jahren kommt Schtein nicht weiter. Dr. Langstrom, Erzrivale und in einem Konkurrenzprojekt, macht Fortschritte und biedert bei Delia an.

Sowohl aus romantischem Interesse als auch aus Prinzip kann Schtein das nicht ertragen und sabotiert Langstroms Projekt, was zu einer Explosion und mehreren Toten führt, unter ihnen sein Erzrivale Dr. Langstrom, aber auch sein Chef/Ersatzvater.

Legal für tot befunden wird Schtein in ein Gefängnis inmitten einer radioaktiven Einöde gebracht, dessen Vorsteherin Langstroms nach Rache sinnende Schwester ist…



Die Welt von String Theory ist eine interessante. Obwohl die "Gegenwart" im Jahr 2057 angesiedelt ist, verlief der kalte Krieg anders als bei uns. Die Kubakrise verlief nicht glimpflich, Chicago ist ein von Pilzen überwuchertes Ödland und übernationale Unternehmen scheinen im kapitalistischen Block mehr Macht als Regierungen zu haben.

In gewisser Weise wirkt es ein bisschen wie die Welt von Fall Out, mit den Wertvorstellungen der 1950er aber einer seltsamen und abschweifenden Zukunft.
Man kann das auch gut am Zeichenstil festmachen, der anfangs wirklich nah am Fall Out Boy angesiedelt ist, sich aber recht schnell findet und weiter entwickelt; die Hintergründe wandeln von "angedeutet" zu "opulent", die Charaktere werden noch individueller, ohne zu Überzeichnungen zu verkommen.

Dr. Schtein, einmal in Kittel und einmal in HäftlingskleidungAllgemein wird eine Menge Raum auf die Etablierung der Welt und Charaktere gelegt, so dass die Handlung für manch einen langsam vorkommen mag, mir aber gefällt das ziemlich gut, gerade weil dadurch die Charakterisierung sehr gut gelingt.Dabei scheut sich Grundy auch nicht davor, erwachsene Themen wie Drogenmissbrauch und -abhängigkeit zu thematisieren. Also nicht für Kinder geeignet, bloß weil es ein Comic ist.

Und so schauen wir zu, wie Schtein vom arroganten Wissenschaftler zu etwas anderem, böserem wandelt…



Ziemlich gut gefallen, vom Stil, von der Handlung, irgendwie von allem…

Titel: String Theory (URL: stringtheorycomic.com)

Autor: Dirk Grundy

Länge: 240 (42 Schwarz-Weiß, danach farbig)

Sprache: Englisch, Mittel, in wenigen (nahezu irrelevanten) Teilen Deutsch

Status: Laufend, eine Seite wöchentlich


Mittwoch, 4. Dezember 2013

Drewford

Eine anthropomorphizierte, auf dem Bauch liegende Ente schiebt mit einem Finger panisch den schiefen ersten Buchstaben gerade
Heteroente mit Homobruder

Drewford Duck ist eine erfolgreicher Macher von typischen 30-Sekunden Werbeblöcken im Fernsehen, aber mit seinem Job nicht zufrieden. Er wechselt in den Bereich Infomercials, die halbstündigen Werbeblöcke im Spätnachtsprogramm. Während dessen zieht sein zehn Jahre jüngerer Bruder Ormlu bei ihm ein. Die zutiefstchristliche Mutter und ihre Verachtung für ihren homosexuellen Jüngsten mag etwas damit zu tun haben.

Drewford beweist seine Silberzunge
Drewford ist im Gegensatz dazu ihre liebstes Kind, denn nicht nur ist er heterosexuell, er hat auch keinerlei romantischen/sexuellen Erfolg. Die Personen, an denen er Interesse hat, finden ihn abstoßend und er hat sowas wie ein Anti-Flirt-Talent.

Ormlu hingegen ist mehr oder weniger das Gegenteil und schläft sich durch die halbe Stadt, unabhängig von seinem Beziehungsstatus. Seine Drogenprobleme könnten etwas damit zu tun haben. Drewford unterdessen hat zwar Erfolg im Job, hasst ihn aber mehr oder weniger, sein Boss ist sein früherer Rivale dem alles zuflog und Gott hat ihn auf dem Kieker. Das ist kein Scherz, Gott hat ein Experiment gestartet: Er mischt sich nicht in das Leben von Drewford ein, außer durch Kleinigkeiten. Aber Gott ist hier auch ein Arsch, von daher…



Wie
Gott beweist, dass er ein Arsch ist.
so der zweite Absatz so verwirrt formuliert ist? Weil sich der Autor mitten im Comic für einen Retcon (retroactive continuity, rückwirkende Geschichtsänderung) entschieden, die Drewford homosexuell werden ließ. Während die Begründung des Autors gut ist, kann ich die Verwendung des Retcons dennoch nicht gutheißen.

Davon abgesehen… war's das im wesentlichen mit der Handlung. Es geht bei weitem nicht nur um Sexualität und Schwulenkultur, sondern auch um den Büroalltag von Drew oder um die Lächerlichkeit der Werbeindustrie im allgemeinen. Der Webcomic wird vor allem von den Charakteren und ihren Interaktionen getragen.



Im wesentlichen meh.

Titel: Drewford (URL: http://drewfordcomic.com)

Autor: Damon Xanthopoulos

Länge: 400+ Comics, komplett Schwarz-weiß

Sprache: Englisch, Mittel

Status: Laufend, 2x je Woche

Sonntag, 20. Oktober 2013

Housepets

Haustiere sind intelligent, mehr oder weniger



Peanut und Grape sind die Haustiere der Sandwich-Familie, ansässig in Babylon Gardens. Und in Housepets bedeutet dies, dass sie intelligent sind, wenn auch mit einem kindlichen Gemüt ausgestattet sind.

Peanut als Hund und Grape als Katze haben viele Freunde unter den Hunden und Katzen der Nachbarschaft, es gibt einen Hundeclub (Katzen sind wohl zu einzelgängerisch für einen Katzenclub) und obgleich es romantische Handlungsstränge gibt, sind diese nicht der Fokus des Webcomics.

Viel mehr folgt der Leser den verschiedenen irrigen Abenteuern, nicht nur von Peanut und Grape, obwohl sie die Hauptpersonen sind, sondern auch von den vielen anderen Tieren der Nachbarschaft; Die Polizeihundestaffel, der katzenhassende Bino und sein (heimlich) katzenliebender Bruder Fido, Peanuts parapsychische Freundin und die schwerreichen Frettchen.

Fast jeder Comic enthält einen oder mehr Witze, die in Handlungssträngen verflochten sind. Und obgleich Humor im Vordergrund steht, ist das nicht der alleinige Fokus des Comics. Es geht auch um die Akzeptanz und Integration von Haustieren in einer Welt, in der neben Intellekt  auch opponierbaren Daumen haben aber dennoch ebenso Instinkt und Nahrungskette folgen.

Im Verlauf des Comics hat sich Griffin zum Glück weiter entwickelt und unter anderem dank der Farbigkeit die verschiedenen Charaktere leichter unterscheidbar gemacht. Beim Lesen hilft es aber trotzdem öfters ein Blick auf die getaggten Charaktere zu haben, so dass man sie nicht verwechselt. Und als Bonus gibt es immer noch (meist witzigen) Alternativtext, wenn man mit der Maus über den Comic fährt.



Mir zumindest hat er gut Gefallen und öfters mal zum Schmunzeln gebracht.

Titel: Housepets (Url: http://www.housepetscomic.com/)

Autor: Rick Griffin

Länge: ca. 900 Seiten (die ersten ~90 schwarz-weiß, danach farbig)

Status: laufend, 3x wöchentlich

Sprache: Englisch (einfach bis mittel)

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Nine Planets Without Intelligent Life

Arbeitslose Roboter suchen sich selbst


Ben und Chris sind zwei Roboteringenieure, die geschaffen wurden um andere Roboter zu konstruieren. Unglücklicherweise haben sie gerade ihre Nachfolger konstruiert und sind daher frisch arbeitslos. Doch sie entscheiden sich nicht für die übliche Selbstverschrottung, denn die Welt bietet an sich doch noch mehr. Zu diesem Zweck machen sie einen Roadtrip durch das Sonnensystem mit den zu erwartenden Erlebnissen.



Aufgrund der Kürze möchte ich nicht viel über die Handlung verraten. Ben und Chris sind im Prinzip von ihrer Arbeit befreite Arbeiter, die sich fragen was sie nun mit ihrer Zeit anstellen können und werden.

Der Stil ist in gedeckten Farben, die selten aufdringlich sind und meist einen vorherrschenden Farbton je Kapitel haben.

Gewisse philosophische Avancen, aber ohne aufdringlich zu sein, gibt NPWIL einen interessanten Blick auf die Menschheit und die Roboter, die sie schuf.



Angenehm zu lesen, hat mir gefallen.

Titel: Nine Planets Without Intelligent Life (URL: http://www.bohemiandrive.com/comics/npwil.html)

Autor: Kit Roebuck

Länge: 99 Kapitel zu je ca. 9 Panels

Status: Abgeschlossen, als Buch veröffentlicht (2 Bände)

Sprache: Englisch

Dienstag, 6. August 2013

Go Get a Roomie

Träumerisch befreit
Tag und Nacht

 
Manchmal ist Roomie beängstigend
Roomie ist ein Freigeist, wie sie im Buche steht – sexuell aufgeschlossen, extrovertiert und fröhlich in einem Maße, dass es an Manie grenzt. Und sie ist effektiv obdachlos, obwohl man das bei ihr nicht wirklich so bezeichnen könnte. Vielmehr schläft sie bei immer wieder neuen (Bett-)Bekanntschaften und lebt so fröhlich in den Tag und die Nacht hinein. Aber allgemein frequentiert sie Jo's Bar und ist bei dessen Stammgästen bekannt und beliebt, wenn man Roomie nicht gerade als Einrichtung von Jo's bezeichnen will.

Lilian ist zurückgezogen und in einem Maße verschlafen, dass es an Narkolepsie grenzt. Große Teile ihrer Zeit verschläft und -träumt sie in ihrem Bett. Bis eines Tages Roomie neben ihr im Bett liegt.

Und so beginnt die Geschichte, wie Roomie Stück für Stück Lillian aus ihrem sozialen Kokon holt. Ein bisschen. Also etwas. Quasi, sozusagen.
 


Go Get A Roomie ist ein sexuell sehr liberaler Webcomic, wo anfangs sehr häufig nackte Busen zu sehen sind. Der Stil lässt diese interessanterweise aber nicht wie Ballons aussehen, sondern verhältnismäßig realistisch. Von diesem Merkmal abgesehen haben die knapp drei Jahre seit Beginn des Comics dem Stil gut getan und viele kleine Macken vom Anfang sind ausgebügelt, so dass er sich mittlerweile echt sehen lassen kann.

Wer Angst oder irrationale Abneigungen gegen Ausleben von sexuellen Gefühlen hat, sollte aber mit Bedacht an Roomie heran gehen, denn in Jo's Bar treffen sich eher ungezwungene Menschen, egal welcher Ausrichtung. 

War es am Anfang alles Spaß, entwickelt sich recht bald die eingangs erwähnte Beziehung zwischen Lillian und Roomie, die – bisher zumindest – rein platonisch ist. Viele der Doppeldeutigkeiten, mit denen Roomie und die anderen um sich werfen, werden von Lillian beispielsweise entweder nicht registriert oder ignoriert. "Die Anderen" sind dabei Roomies, und mit steigendem Maße auch Lillians Freundeskreis, die zwar aufgrund des Fokus' vom Comic nicht so stark charakterisiert werden, wie man hoffen sollte, aber dennoch auf eigenen Beinen stehen können.

Noch etwas zum Titel: "go get a room" sagen Umstehende in einer Situation, bei der zwei oder mehr Personen in einem Maße turteln oder miteinander rummachen, dass es für die Anderen unangenehm ist, und Roomie ist eine Kurzform für Mitbewohner. Also ist "go get a roomie" in Bezug auf die Person Roomie, als auch einen Mitbewohner sowie miteinander rummachen zu verstehen.
 


Ein schöner, in der Freizügigkeit seltsam niedlicher Webcomic

Titel: Go Get a Roomie (Übersetzt: Such dir einen Mitbewohner)

Autor: Chloé C bzw. batlesbo

Länge: 450+, Schwarz-Weiß bzw. Monochrom Pastel

Status: Laufend, 3 Updates pro Woche

Sprache: Englisch, Leicht bis Mittel

Mittwoch, 10. Juli 2013

Commander Kitty

Urheberrechte bei Scotty Arsenault

Weltraum, Abenteuer, Katzen



C.K., kurz für Commander Kitty, ist ein Spacer, was die Weltraumvariante von Abenteurern ist. Oder er will es sein. In Wirklichkeit ist er der Kapitän eines desolaten Schiffes mit einer seltsamen Mannschaft: Der Chefingenieur Mr. Socks ist ein unverständliches Frettchen, der erster Offizier Mittens bis auf ein Halsband nackt, die künstliche Intelligenz MOUSE aufmüpfig und Fluffy… ist ein unberechenbares Kätzchen. Wobei, die ganze Mannschaft mit Ausnahme von Socks sind Katzen.

Urheberrechte bei Scotty Arsenault
Wie dem auch sei, CK hat kürzlich einen Transporter ersteigert und wie es der Zufall so will könnte Ace, alter Freund von CK (und aus dessen Sicht Erzrivale und Vorbild), einen Transporter bei seinem aktuellen Auftrag gut gebrauchen.

Bei einem Testlauf vom Transporter landet über ein paar Umwege Nin Wah, ihres Zeichens Spacer und roter Panda, auf CK's Schiff und heuert nach ein paar Überredungsversuchen an, um sich heimlich Ace' Mannschaft anzuschließen.



Urheberrechte bei Scotty Arsenault
Commander Kitty ist einer dieser seltsamen Fälle, bei denen irgendwie alles stimmt. Die Charaktere sind witzig, die Handlung angenehm abgedroschen mit den richtigen überraschenden Wendungen und das ganze Universum liebenswert persiflierend.

Da wäre zum Beispiel die Weltraumpolizei Triple-I, die aufgrund von Budgetkürzungen unter anderem Strafen von 15 Minuten Müllsammeln für… nicht gerade Kavaliersdelikte. Der Haken an der milden Strafe? Müllsammeln außerhalb des Station, ohne Raumanzug, wegen den Budgetkürzungen, ihr versteht?

Der Stil ist, wie ihr seht, cartoonig, überzogen und vollkommen passend. Interessanterweise ist Commander Kitty, wie auch Treading Ground, an sich eine lange Serie, aber in diesem Fall entschied sich der Autor Scotty Arsenault für einen Neustart und nahm alles alte Material von der Seite. Leider ist er mittlerweile seinem eigenen Webcomic etwas überdrüssig, so dass zum Einen die Veröffentlichungsrate nachgelassen hat und zum Anderen er bereits angekündigte, dass es nach dem aktuellen Handlungsbogen vorbei sein wird. Ich hoffe, dass er zumindest nicht mittendrin aufhören wird…



Urheberrechte bei Scotty Arsenault
Sehr witzige Hommage an Weltraumopern und Abenteuergeschichten und -filme, mir hat's super gefallen.


Autor: Scotty Arsenault

Länge: 178+ Seiten, alle bunt

Sprache: Englisch, mittel

Status: Laufend, ca. wöchentlich, z.Zt seltener

Samstag, 6. Juli 2013

Treading Ground

Kleinstadtalltag und Verführungsversuche

Nach einer erfolglosem zweijährigen Fluchtversuch jenseits seiner Heimatstadt findet sich Nate doch wieder in selbiger und fängt im gleichen Supermarkt, in dem er zuvor auch gearbeitet hatte, erneut an. Er teilt sich mit alten Freunden eine Wohnung und auf dem Dach liegt eine attraktive Schönheit. Nach einem stundenlangen Gespräch mit Rose macht sie den ersten Schritt und bald darauf landen sie in Nate's Zimmer.

Bloß dummerweise ist sie 16 und damit das, was man in den USA Jailbait nennt, Knastköder, denn auf die Verführung Minderjähriger, selbst bei gegenseitigem Einverständnis, steht in vielen Bundesstaaten Gefängsnisstrafe.

Nichtdestotrotz haben sowohl Rose als auch Nate gegenseitiges Interesse und würden, wenn man von den sechs Jahren Altersdifferenz absieht, wohl eine Beziehung eingehen. Da das aber wegen des Knastköderstatus' von Rose nicht geht, wollen sie erstmal Freunde bleiben.

Im weiteren Verlauf kommt es zu romantischen Verstrickungen und Drama beiderseits, denn so eine Wartezeit ist schwer, vor allem für Rose, aber auch Nate ist frustriert. Hinzu kommen seine Exfreundin, die jetzt direkte Vorgesetzte von ihm ist, Rose' Bekanntheit als "Dorffahrrad" und natürlich Freunde und andere Charaktere, die sich einmischen.



Treading Ground ist im wesentlich ein relativ kurzer, witziger Webcomic mit einem romantischen Grundplot und allgemein leichten Beziehungsdramen. Der Humor ergibt sich vor allem daraus, wie die Charaktere miteinander umgehen zusammen mit einer Dosis von Einzelhandelshumor, welcher aufgrund der Erfahrungen des Autors teilweise in bizarrer Realität fußt.

Theoretisch ist der Webcomic sogar recht alt, trotz seiner "Kürze" von 251 Seiten, denn er lag für einige Jahre brach ehe der Autor Zeit fand, die Serie abzuschließen. Daher kann man einen recht starken Schnitt und Entwicklung im Zeichenstil erkennen, ab wann der Autor wieder Zeit hatte. Also nicht wundern, wenn die nachträglich angefertigte Prologseite besser aussieht als die eigentliche erste Seite. Vom Stil ist später sogar eine gewisse Ähnlichkeit zu Questionable Content



Titel: Treading Ground (abgeleitet von Treading Water, also Wassertreten, auf der Stelle stehen)

Autor: Nick Wright

Länge: 252 Seiten, größtenteils farbig

Sprache: Englisch, Einfach-Mittel

Status: Abgeschlossen

Montag, 17. Juni 2013

Quentyn Quinn, Space Ranger


Titelseite in Aufmachung und Stil der frühen Puplmagazine


Weltraumwaschbärenoper



Quentyn macht sich kampfbereit, um einen intragalaktischen Zwischenfall zu verhindern
 Quentyn ist Angehöriger der Imperiums der Sieben Sternensysteme – und ein Rac Cona Daimh, das heißt gehört zu einer Art anthropomorpher Waschbären. Als Space Ranger liegen seine Aufgaben unter anderem bei der Patrouille und Erkundung jenseits der Raumgrenzen und damit auch beim Erstkontakt mit anderen Spezies und Völkern.

Er ist dabei alles andere als ein Diplomat, sondern eher bodenständig und pragmatisch in seiner Herangehensweise, was ihm beim Absturz/Abschuss seines Raumschiffes auf einem von Piraten kontrollierten Planeten zu gute kommt. Als Partner zur Seite steht ihm Omnibus, eine künstliche Intelligenz.



Da Quentyn mit kaum 100 Seiten recht kurz ist, wäre zu viel aus der Story vorwegzunehmen einfach fies, deswegen lasse ich das Mal.

RIAA - kommerzieller, interplanetarer Ideenraubbau
Als Ableger von Tales of the Questor, dem anderen Webcomic von Ralph Hayes Jr., ist der Quentyn mehr eine Betrachtung der Konsequenzen aus und Zukunft von Tales. Viele der darin angesprochenen Fakten der Welt wurden weiter ausgebaut und Hayes hat einige Gedanken darauf verwendet, wie zum Beispiel die funktionelle Magie, Lux genannt, in einem Science-Fiction-Setting nach Jahrhunderten technischer Entwicklungen in den Alltag integriert wurde.

Dabei ist der Autor sich aber leider nicht zu schade, seine eigenen (nicht nur) politischen Meinungen und Worte in den Mund von Quentyn zu legen. Während seine Betrachtungen zu Urheber- und Kopierrecht noch interessant sind, erschlägt er mit seinen allzu offensichtlichen Strohmann-Argumentationen den Leser doch unweigerlich.



Kurz gefasst: Interessant für die Weltenbauerei, aber Autorengefährt für die politisch Gleichgesinnten.

Titel: Quentyn Quinn, Space Ranger (Url: http://www.rhjunior.com/QQSR/)

Autor: Ralph Hayes (RH) Junior

Sprache: Englisch

Länge: 101 Seiten, durchgehend farbig

Status: laufend, unregelmäßig (hochgerechnet etwa monatlich)

Die Piraten realisieren ihren Fehler

Montag, 3. Juni 2013

Ava's Demon

Ein neues Leben, eine zweite Chance



Ava ist ein Kind mit einem schwierigen Leben. Keine Freunde, keine Familie, und ein Dämon in ihrem Kopf, den nur sie sehen kann – Wrathia.

Diese Dämonin ist unzufrieden mit Ava und versucht immer wieder, sie in den Selbstmord zu treiben, durch Beleidigungen, oder kurz in Avas Haut schlüpfen und sie Sachen anstellen lassen.

Nach einem weiteren dieser Versuche landet unsere langhaarige Heldin beim Schuldirektor, wo sie bald von ihren Klassenkameraden Odin und Maggie unfreiwillig Gesellschaft bekommt.  Er versucht die grünhaarige Maggie davon zu überzeugen, zusammen mit ihm den Planeten zu verlassen.

Als der ganze Planet dann von Kreaturen angegriffen wird, ist klar, dass Odins gestotterte Anfrage nicht von ungefähr kam. Er schleppt die bewusstlose Maggie in sein Raumschiff, kümmert sich dabei aber kein Deut um Ava. Diese schleicht sich hinter ihm an Bord.

Nach einer Auseinandersetzung zwischen Odin und Maggie kommt es zu einer Bruchlandung, in deren Verlauf Ava – zur Freude er persönlichen Dämonin Wrathia – stirbt. Während ihrer letzten Momente unterhalten sich die beiden aber in Avas Geist und endlich erfährt sie, wieso Wrathia sie ihren Lebtag quälte.

Sie versuchte Ava seit ihrer Geburt zu einem Pakt zu überreden. Einem Pakt zu beiderseitigem Vorteil. Bloß ihre Herangehensweise war mehr als unglücklich, und jetzt, mit Ava am Sterben, war es wohl zu spät. Fast.

Ava willigt ein. Ein neues Leben, eine zweite Chance, und im Gegenzug hilft sie Wrathia bei ihrem Rachefeldzug.

Und Ava überlebt. Mit den Fähigkeiten und Kräften von Wrathia gesegnet entkommt sie ihrem frühzeitigen Tod, und ist ein bisschen mehr als sie vorher war, was auch Wrathia feststellt, als sie Avas Teil des Paktes, ein neues Leben, bereits erfüllt sieht.


Soviel zu den ersten Kapiteln, denn Ava's Demon ist auf wesentlich länger ausgelegt, knapp 7000 Panels, mit etwa einem Panel pro Update.

Der Stil sagt mir seeeeehr zu, mit  den farbdominierten Charakteren und den vielen Kleinigkeiten, die ins Design eingegangen sind. Die Szenen sind immer schön gestaltet, oftmals  ohne Text, wenn es bloß zur Darstellung von Handlung geht, und Lautworte gibt es nicht.

Die Handlung baut sich schnell auf, mit einem charakterabhängigen Fokus. Der Hintergrund von Wrathia lässt zudem auf eine gewisse Menge an Charakteren schließen, die später noch in den Fokus rücken werden.

Interessant, aber nicht überragend wie bei Homestuck, ist die Nutzung von animierten Bildern und Videos. Letztere gibt es noch nicht viele, aber sie nutzen allesamt eine gute Verflechtung der Begrenzungen von Comics, ohne dabei ins Trickfilmartige überzugehen.



Was soll ich sagen? Liebe auf den ersten Blick!

Titel: Ava's Demon (Url: http://www.avasdemon.com/)

Autor: Michelle Czajkowski

Sprache: Englisch, leicht bis mittel

Länge: 450+, durchgehend farbig, teilweise animiert

Status: Laufend,  wöchentlich+, bei großem Kickstartererfolg täglich+

PS: Für die Interessierten, es gibt bis zum 29. Juni ein Kickstarter mit dem ersten Buch, 500 Panels auf bis zu 200 Seiten. 

Montag, 20. Mai 2013

Tales of the Questor

Quentyn stellt sich den Gragum (Alligatauren)
Vom Waschbären, der auszog Abenteuer zu überstehen



Quentyn, ein Rac Cona Daimh (quasi intelligente, antropomorphe Waschbären), ist gerade vierzehn Jahre alt und lebt bei seinen bäuerlichen Eltern im beschaulichen Dorf Freeman Downs. Zu seinen Aufgaben gehört es, sich zusammen mit seinem Vater um die Felder zu kümmern, aber auch sich eine Beruf auszusuchen. Für Quentyn ist das aber nicht so leicht, denn er ist von kleiner Statur, magisch unzureichend begabt, aber auch nicht mit einer ruhigen Hand für die feineren Berufe gesegnet. Davon abgesehen verliert er sich gerne in die Geschichten von Questoren, lizenzierten Abenteurern. Sie bekämpfen Drachen und retten Jungfrauen aus Nöten und seit hundert Jahren gab es keinen mehr.

Engel in Hirschgestalt
Bei der Berufungszeremonie, einem nicht bindenden aber bedeutendem Brauch, wählen die Kits (noch nicht erwachsene Rac Cona Daimh), welchen Beruf sie ergreifen wollen, und Quentyn weiß immer noch nicht, was er werden will, oder bei seinem Mangel an Begabung überhaupt werden kann. Unschlüssig begleitet er seinen Vater und erhält sogar ein Zeichen…

„Questor‟ ist ein eher lose definierter Beruf, einer der sich aus den Umständen ergibt. Im wesentlichen könnte man es wohl als Held auf Abruf oder schnelle Eingreiftruppe beschreiben, als jemand, der bei Notwendigkeit schnell reagieren kann auf unerwartete Situationen. Und Quentyn entscheidet sich dafür. Die erste Zeit muss er Spott und Schalk ertragen und sich erst mal etablieren; anschließend? Langeweile, unterbrochen von Ausbrüchen von Aktivität und Angst.

Stück für Stück übersteht Quentyn Abenteuer, die oft nicht als solche beginnen; die sein Handeln mitunter nicht gebraucht hätten, aber durch ihn doch schneller und unkomplizierter gelöst wurden. Er macht sich ein Namen, wird bekannt, wächst als Person. Natürlich musste etwas dazwischen kommen, und so verlässt er das seine Heimat und zieht auf seiner bisher größten Quest in das Reich der Menschen jenseits der Nebelwand…
Das Luftschiff bricht jenseits der Nebelwand auf



Der Autor Ralph Hayes Jr. versteht es, eine interessante Welt zu gestalten, das kann keiner abstreiten. Die Rac Cona Daimh (Raccoon, klick gemacht?) leben in einem von einer Nebelwand, Stürmen und Sümpfen umgrenzten Gebiet, alles selbst geschaffene Hindernisse. Sie haben Magie soweit analysiert, dass sie einen Zweig der Wissenschaft darstellt und problemlos reproduzierbar ist, wenn man die unterliegenden Prinzipien kennt. Es gibt Luftschiffe, moderne Forschung, eine Republik als Regierungsform. Viele Bräuche und im Hintergrund stattfindende Ereignisse werden in einem Tagebuch erläutert.

Womit wir bei einem Kritikpunkt sind: ca. 40% des aktuellen Kapitels bestanden aus diesem Tagebuch, was zwar sehr informativ ist, aber die Handlung nicht weiter treibt. Insbesondere wenn die Charaktere gerade in einer prekären Situation sind, ist das frustrierend.
Quentyn begegnet dem Weißen Hirsch
Ein Anderer ist Religion. Obwohl Hayes einen mit seiner christlichen Weltanschauung nicht gerade erschlägt, verhüllt er sie auch nicht gerade. Für mein Empfinden kabbelt sich das etwas mit der wissenschaftlichen Herangehensweise und Aufklärung der Rac Cona Daimh. 

Man sieht ein gewisses künstlerisches Wachstum, wenn man die Seiten von Anfang und Ende vergleicht, zudem ist das Lesegefühl und -geschwindigkeit durchgehend angenehm. Wahrscheinlich der Grund für das Stören der Tagebuchteile…



Titel: Tales of the Questor (übersetzt: Geschichten vom Questor URL: http://www.rhjunior.com/totq/)
Quentyn hat den Flamenstoß eines Drachen überstanden und fordert ih heraus
Autor: Ralph Hayes Jr.

Sprache: English, das Sumpfkapitel ist durch den Dialekt schwierig, ansonsten ok.

Länge: 700+ Seiten, farbig (davon ca. 100 Seiten Tagebuch, schwarz-sepia)

Status: Laufend, sporadische Veröffentlichung