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Freitag, 20. Juni 2014

Dust: An Elysian Tail


Action-Plattformer mit einer Handlung, die mehr sein könnte

Dust ist der Hauptcharakter des gleichnamigen Spiels, welches sich sich der bewährten  Mechanik der Amnesiebehafteten Protagonisten bedient – Dust weiß nicht wer er ist, wer er war und auch sein Name, Dust, hat er mehr oder weniger aus einem mulmigen Gefühl und aus dem Stegreif heraus angenommen.

Ihm zur Seite fliegt Fidget, ein Ameisenbeutler. Ihre eigentlich Aufgabe ist die Bewachung des Schwertes Ahrah, eine mythische Klinge, aber nachdem Ahrah einfach anfing davonzuschweben, weil Dust "seiner würdig ist", bleibt ihr nichts anderes übrig als Dust bei seiner Quest nach seinen Erinnerungen zu begleiten.

Schnell stellt sich heraus, dass das schwieriger werden wird als gedacht. Die naheliegenden Dörfer Ländereien sind von Monstern überrannt, aber glücklicherweise weiß Dust "sein" Schwert gekonnt zu schwingen, auch wenn er nicht weißt woher er diese Fähigkeit hat. Stück für Stück erledigt er die Monster und befreit nachfliegende Dörfer, einfach weil es das richtige ist. Dabei stößt er immer wieder auf Spuren, aber niemand kann – oder will – etwas konkretes sagen.

Erst als Dust darauf aufmerksam gemacht wird, dass er die Kleidung der Soldaten von General Gaius trägt. Das ist der selbe General, der einen Vernichtungsfeldzug gegen die so genanten Mondblüter führt. Der selbe General, dessen rechte Hand vor einiger Zeit nach einem Duell plötzlich verschwunden ist…



Soviel zur Handlung. Spielerisch ist Dust ein 2D-Spiel mit starken Action- und Plattformelementen. Üblicherweise läuft und springt man als Dust durch die Gegend, stets von Fidget gefolgt, und kann mit ihrer Hilfe sogar noch wesentlich mehr Schaden bei den vielen Gegnern anrichten.

In der Welt verteilt finden sich verschiedene Power-Ups, die neue Fähigkeiten hinzufügen oder bereits bestehende erweitern (Doppelsprung, Luftangriff, …). Diese Spielelemente werden durch ein Rollenspiel-ähnliches Levelsystem ausgebaut, bei dem man mit jedem abgeschlossenen Level Angriff, Verteidigung, Fidget, etc. steigern kann; optional kann man das auch automatisch zuweisen lassen.

Dass Dust das Wunschkind des Entwicklers war,  erkennt man sofort: Hintergründe, Charaktere und Animationen sind liebevoll und teilweise in Handarbeit ausgearbeitet. Die Synchronisation ist gut besetzt, aber verständlicherweise bloß auf Englisch. Dafür sind (mit Ausnahme der Untergründigen) alle gut zu verstehen, so dass ich zumindest kaum noch auf die Untertitel achtete. Auch ist die Charakterisierung sehr gut gelungen.

Dust staubt ab
Kritisch ist anzumerken, dass die Handlung zwar an sich gut ist und einen guten und flüssigen Erzählfluss aufweist, aber doch recht vorhersehbar ist. Das muss nichts schlechtes sein, aber wer ein Auge dafür hat, erkennt: Dodrill hatte mit der Handlung noch mehr vor, hat dann aber das Spiel früher als erwartet abgeschlossen. Nach einigen Stunden Spielzeit hatte ich es durch, erwarte aber, dass das im Zweifelsfall auch schneller gehen würde. Allerdings Dust es relativ einfach: Ich habe direkt auf Schwer gestartet, aber nicht wirklich Probleme gehabt. Die Speicherpunkte sind großzügig bemessen und falls einem der Kopf nach 100% Spielfortschritt steht, gibt es da auch noch zeitabhängige Abschnitte, die allerdings keinesfalls Pflicht sind.

Die Steuerung ist relativ intuitiv, auch wenn ich zugegebener Maßen manche Techniken nicht wirklich verwendet habe und mir daher die betreffenden Knöpfe bzw. Combos nicht im Gedächtnis haften geblieben sind. Musikalisch… ist mir ehrlich gesagt gerade nicht viel haften geblieben. Es hat nicht gestört, war bei den Kampfsequenzen angenehm aufpeitschend und bei ruhigen Szenen entsprechend getaktet. 

Ab und zu gibt es auch noch Videosequenzen in Trickfilmmanier. Und ehe ich es vergesse, alle Charaktere sind anthropomorphisierte Tiere.


Fidget grillt Mashmellows am Lagerfeuer

Also mir hat's gefallen.

Titel: Dust: An Elysian Tail (dt.: Dust: Eine Elysische Geschichte / Ein Elysischer Schweif)

Entwickler: Humble Hearts / Dean Dodrill

Genre: 2D, Platformer, Action-Rollenspiel

Sprache: Englisch, deutsche Untertitel & Menüführung

System: X-Box, Mac, Windows, Linux, Steam

Montag, 7. Mai 2012

Analogue: A Hate Story

Meine erste Visual Novel!

Und sie war gut!

Logo

Doch worum geht es? Offensichtlich sind die Menschen in den Weltraum vorgedrungen und wir sind eine Art Detektiv oder Ermittler, denn unser Agent hat uns gerade einen Auftrag zugewiesen: Das verschollen gegangene, gesamtkoreanische Kolonieschiff Mugunghwa hat sich in einem Orbit um Antares B angefunden, und wir sollen herausfinden, wie es mit dem Schiff steht und was passiert ist. Zu dem Zweck können wir mir der künstlichen Intelligenz (KI) *Mute sprechen, aber sollen auf jeden Fall die Logbücher (Logs) herunterladen.

Über ein Texteingabefeld erlangen wir Zugriff auf das Schiff und können eine KI starten, *Hyun-ae. Von *Mute ist aber nichts zu sehen.


*Hyun-ae stellt sich als Verwaltungs-KI heraus, die völlig überrascht ist, Verbindung zur Außenwelt zu haben. Diese Verbindung ist aber gestört, so dass wir im wesentlichen bloß Ja/Nein-Fragen beantwortet können, was die Interaktionsmöglichkeiten doch eher eingrenzt.

Theoretisch können wir bereits jetzt über die Texteingabe die Logs herunterladen, doch dann würde uns das Mysterium der Mugunghwa entgehen, also unterhalten wir uns mit der *Hyun-ae. Sie zeigt uns einige Logs, worauf wir sie dann im Prinzip anstubsen können, und sie versucht dann zu erraten, weswegen wir ihre Aufmerksamkeit wollen. Zumeist ist der Grund und die Antwort selbsterklärend – wir wollen mehr Logs lesen, denn die Geschichten, welche in ihnen erzählt werden, sind spannend und werfen Licht auf das Schicksal des Kolonieschiffes.

Anscheinend starben vor über 600 Jahren alle Bewohner des Schiffs, denn die Lebenserhaltungssysteme sind offline, doch interessanter ist die mittel- und unmittelbare Zeit vor dieser Tragödie.

Durch irgend einen Grund, welcher sich nicht aus der Handlung erschließt, wurden über 300 Jahre vor dem Versagen der Lebenserhaltung alle Systeme und Aufzeichnungen auf Null gesetzt, bis auf die KI *Mute. Zudem kam es zu einem kolossalen Gesellschaftswandel, was die Vermutung nahe legt, dass zum gleichen Zeitpunkt große Teile der Bevölkerung starben oder sonstwie die Erinnerungen an das ursprüngliche System verloren gingen.

Das Kolonieschiff, dessen Zweck vergessen war, wurde nunmehr durch den Kapitän und Kaiser in einer Monarchie regiert, die stark patriarchalisch geprägt war – Frauen verließen selten ihre Häuser und waren ihren Männern streng untergeordnet. Sie wurden bereits früh (13-16 Jahre waren die Norm) verheiratet und mussten sich stets fügen. Nur wenige lernten lesen und schreiben, und von denen machten noch weniger Aufzeichnungen. Glücklicherweise gab es aber welche, denn ansonsten würden die Logs schnell langweilig werden.

Und mehr möchte ich vom Inhalt auch nicht wirklich ausbreiten, denn die Erforschung dieses Gesellschaftssystems stellt unter anderem einen Reiz des Spiels dar. Es wird dabei aus zwei Perspektiven beschrieben: *Hyun-aes, die noch Erinnerungen an die vorige Gesellschaft hat und von ihrem Vater in diesem Geiste der Selbstbestimmung erzogen wurde, und *Mutes, der Schiffs-KI, deren persönliche Speicherstände im wesentlichen mit der neuen Gesellschaftsform gefüllt sind.

So kann man verschiedene Logeinträge beiden KIs zeigen, und sie werden stark unterschiedlich darauf reagieren und entsprechend unterschiedliche Logeinträge freigeben. Während *Hyun-ae zum Beispiel angewidert vom Leitgedanken „Namjon yeobi‟ ist und es mit „Männer werden geehrt, Frauen werden erniedrigt‟ übersetzt, sieht *Mute keine Probleme mit der selbstverständlichen „Männlichen Überlegenheit‟, auch wenn sie *Hyun-aes Übersetzung als zu wörtlich abtut.

Das Spiel selbst gestaltet sich wie für das Genre üblich größtenteils in Textform, mit gelegentlichen Unterbrechungen durch die gezeichneten KIs. Die Musik ist unaufdringlich mit östlichen Einschlägen, bleibt einem aber auch nicht im Ohr haften.

Der Fokus liegt offensichtlich in der Handlung, und diese ist sehr fesselnd, insbesondere wenn man die historischen Parallelen betrachtet. Das Gesellschaftsmodell, in welches die Logs Einblick gewähren, basiert auf der Joseon-Dynastie, die Korea vom 14. bis zum 19. Jahrhundert ziemlich genau 500 Jahre beherrschte. Wenn man bedenkt, dass sie die Autorin Christine Love sich zwar künstlerische Freiheiten herausgenommen hat, die erniedrigte Position der Frauen in ihrer Version aber eher noch untertrieben hat im Verhältnis zur Vorlage, so wird einem Angst und Bange um damals.

Und so ist die Betrachtung und Erforschung der moralischen Implikationen eine der tragischen Triebkräfte der Handlung.

Nichtsdestotrotz hat sie eine wunderbare Geschichte erzählt, die je nach eigenen Entscheidungen im Spielverlauf verschiedene Enden nehmen kann. Für das „beste‟ Ende muss man aber etwas tricksen und das Spiel zuvor bereits mindestens einmal durchgespielt haben.

Titel: Analogue: A Hate Story

Entwickler: Christine Love

Genre: Visual Novel, Science-Fiction, Drama, Romantik

Sprache: Englisch (Mittel)

System: PC, Mac, Linux, Steam (PC, Mac)

Mittwoch, 28. September 2011

Limbo

Als Limbo, auf Deutsch Limbus, bezeichnet man einen Ort diesseits der Hölle aber jenseits des Lebens, an dem sich jene Seelen aufhalten, die ohne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen wurden. Dementsprechend wirkt das gleichnamige Spiel auch.

Inhalt

Man spielt einen kleinen Jungen, der in einer silhouetten Welt erwacht. Ohne zu wissen, wie man in diesen wunderlichen Wald gekommen ist, macht man sich auf den einzigen möglichen Weg. Über einen umgestürzten Baum hinweg rutscht man einen Hang hinab, überspringt eine mit Speeren gespickte Grube, übersteigt ein Konstrukt und passierst mit einem Boot ein seichtes, bedrohliches Gewässer.

So geht das im Wesentlichen weiter und nie erhält man eine Erklärung für das Geschehen. Weder von der gruseligen Spinnen, die einen mit ihren Beinen aufspießen, noch von den gruseligen Kindern, die Fallen bauen und mit Speer und Blasrohr Jagd auf einen machen. Stets geht es voran, durch den Wald, Höhlen- und Stadtlandschaft die alle so surreal sind, dass man es mit der Angst kriegt.

Kreaturen jagen ein, Maschinen rasen auf und ab, hin und her, mit dem offensichtlichen Ziel dem Jungen sein Leben zu nehmen. Es ist wunderbar furchteinflößend.

Spielelemente

Das Spiel ist in 2D gehalten, mit den bekannten 3D-wirkenden Hintergründen. Man steuert den Jungen auf seinem Weg durch die schwarz-weiße Welt und muss stets darauf achten, dass an dem Hang, den man gerade herunter rutscht, wahrscheinlich eine Fallgrube ist, dass Hebel nicht so funktionieren wie man unbedingt auf den ersten Fall annimmt und der Tod garantiert ist.

Der Schwierigkeitsgrad kommt nicht von ungefähr - beginnt der Anfang noch relativ großzügig, was die Bedrohungen angeht, so wird es mit der Zeit immer verzwickter, die Sprünge über Abgründe nicht weiter, sondern knapper, und mehr als einmal wird man beinahe sterben, bloß um dann wegen einer anderen Dusselei drauf zugehen.
Nicht umsonst erhält man eine/n der Trophäen/Erfolge für das Durchspielen mit nicht mehr als 5-maligem Sterben.

Der Soundtrack ist äußerst minimalistisch und besteht an und für sich ausschließlich aus den Geräuschen - Schritte, Maschinenkreischen, Spinnenbrummen, sowas halt. Nur in ausgewählten Bereichen unterstreichen sphärische und bedrückende Stücke die Stimmung.

Fazit

Ein Spiel zum Gruseln, im positiven Sinne. Ich mag kein Resident Evil oder solche Spiele, wo mich was erschreckt, und Limbo tut dies zwar mitunter, aber so passend, dass ich es verzeihen kann. Schade, dass es so schnell vorbei ist - wenn man keine Fehler macht, kann man es in einer Stunde durchspielen - aber immerhin stirbt man oft. Ergo, lohnt sich, aber spielt es im Dunkeln!

Titel: Limbo

Entwickler: Playdead

Genre: Grusel, Jump&Run, Rätsel