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Freitag, 10. Februar 2017

We Are Legion (We Are Bob)


Ich bin eine von-Neumann-Sonde.


Ich bin über We are Bob gestolpert, als ich irgendwo “Erzählperspektive: von-Neumann-Sonde” gelesen habe. Allein aufgrund dieser Idee habe ich mir spontan das Hörbuch/Ebook-Paket gekauft.

Von-Neumann-Sonde: Eine Maschine, die man von einem Sonnensystem zum nächsten schicken kann und die sich dann dort selbst vervielfältigt. Zum Beispiel von A nach B, Sonde sucht Ressourcen, stellt 5 Kopien her, schickt diese von B nach C/D/E/F/G, dort angekommen suchen die Kopien nach Ressourcen, stellen neue Kopien her und schicken diese weiter. Das ‘Original’ bleibt im System und schickt Informationen nach Hause zur Erde, oder falls die zu weit weg ist zur ‘Muttersonde’, welche die Nachrichten dann weiterleitet

Ich wurde gewissermaßen – aber wiederum auch nicht wirklich – enttäuscht. Der betreffende Bob ist im Prinzip ein Upload, hergestellt aus einem Hirnscan von Bob. Ein Programm simuliert alle Neuronen und anderen Hirnaktivitäten, so dass Bob an und für sich weiterlebt. Bis darauf, dass er legal (und nach gewissen Interpretationen auch philosophisch) tot ist. Die Heranführung an die Thematik und geschichtliche Entwicklung, mit der Bob und die von-Neumann-Sonde erklärt werden, ist ein bisschen schwach meines Erachtens nach, aber die eigentliche Grundidee ist ziemlich gut ausgeführt. Nicht exzellent, aber schon ziemlich gut.

Eine Schwäche in der Umsetzung sehe ich im Humor. Besonders das erste Drittel kommt es etwas gezwungen rüber. Bob mag seinen Humor, findet sich selbst witzig, und seine Freunde finden ihn witzig, aber für mich war das einfach ein bisschen zwanghaft umgesetzt. Er macht einige Seitenkommentare die mir vorkommen, als wären sie erst nachträglich angeflanscht worden um den Charakter witzig zu machen. Einfach so ein Gefühl.
Und je weniger ich über die narrative Rechtfertigung und den fiktiven Zeitstrahl verliere, desto besser, denke ich.

Ray Porter als Erzähler setzt die Sprechweise von Bob überraschend gut um. Wenn im Text Andeutungen über die Charakterisierung einer Figur sind, so lässt er diese in die Sprachmelodie der entsprechenden Figur einfließen. Zum Beispiel wählt eine Iteration von Bob Homer Simpson als Avatar, mit dementsprechender schleifender Aussprache. Als jemand, der quasi ausschließlich die deutsche Ausstrahlung der Serie Die Simpsons kennt, war das im ersten Moment natürlich verwirrend, da Homers deutsche Synchronstimme nicht diese Eigenschaft hat. Dennoch habe ich mich relativ schnell damit arrangiert.
Genauso ändert sich aber auch über die Handlung der Charakter mancher Figuren, was in der Umsetzung selbiger reflektiert wird.

Man sollte bei We are Bob im Hinterkopf behalten, dass dies der erste Teil einer Serie oder zumindest einer Mehrteilers ist. Die mittleren Handlungsstränge werden zu einem zufriedenstellenden Ende gebracht, aber zugleich werden neue angefangen.



Aufgrund der vielversprechenden Idee und adäquaten Umsetzung werde ich mir den nächsten Band von We are Bob sicherlich auch holen.

Titel: We Are Legion (We Are Bob)

Autor: Dennis E. Taylor

Erzähler: Ray Porter

Länge: 382 Seiten / 92k Wörter / 9:30 Stunden


PS: Ray Porter spricht eine exzellente Version von General Ackbar

Freitag, 24. Januar 2014

Exiern

Tiffany in brauchbarer Rüstung auf einer Brüstung sitzend
Geschlechtsgewandelter Barbar in "sexy" Abenteuern

Typhan-Knee ist ein klassischer Barbar – muskelbepackt, männlich, halbnackt. Kurzgesagt, ein wahrer Held.

Sein Aufgabe auf der vom König ausgerufenen Quest ist die Befreiung der entführten Prinzessin Peonie aus den Klauen des Dunkelmagiers Faden. Doch dieser ist nicht ganz ohne und bei dem Gefecht kommt es dazu, dass Typhan-Knee mit überstarker Weißmagie angegriffen wird und eine Frau.

Mit der aktuellen Aufgabe, der Befreiung Peonies, abgeschlossen, macht sich Tiffany also daran seinen – Pardon, ihren – Fluch zu brechen. Doch vorher muss Peonie zurück gebracht und Faden den Autoritäten übergeben werden.



Faden ist ein Besserwisser und Schwarzmagier. Und irgendwie lässt er ständig Kommentare fallen, die ihn für uns als Leser witzig machen.

Peonie ist eine kaum bekleidete Prinzessin.

Tiffany ist ein kaum bekleidetes Kampfschwein.

Der erste Autor Drowemos und seine Nachfolgenden Illustatoren und Schreiber geben sich im wesentlichen keine Mühe zu verstecken, dass einer der großen Anziehungspunkte des Webcomics der Fanservice, also die leichte (bis keine) Bekleidung der oftmals weiblichen, vollbusigen Figuren ist.

Der andere Anziehungspunkt ist der Humor, der sich teilweise sehr seiner selbst bewusst ist und gerne Spitzen in Richtung der üblichen Fantasystilmittel hat – Die Prinzessin in Nöten, die mehr als mangelhafte Panzerung bei Frauenrüstungen und so weiter.

Der Webcomic hat über seine ersten vier Jahre recht wenige Updates gehabt, nachdem Exiern aber von Dan Standing übernommen wurde (mittlerweile Scott T. Hicken), hat es sich auf etwa drei Updates pro Woche und einen etwas gerundeteren Zeichenstil eingeschossen.

Ein Aspekt, der leider viel zu selten durchscheint, ist die Welt an sich. Peonies Vater ist der König einer der beherrschenden Nationen des Kontinents, wenn nicht der Welt, und hat diese Position nicht, weil er ein netter Mensch ist. Das Magiesystem fußt in dem Entstehungsmythos der kaum 200 Jahre alten Welt. All dies bekommt man aber nur sehr langsam mit. Schade eigentlich.



Ein schuldiges Vergnügen

Titel: Exiern

Zeichner: Studio Boom 2006-2010, Shipeng Lee 2010+

Autor: Drowemos 2006-2011, Thomas Knapp 2011+

Seiten: 600+, alle farbig

Sprache: Englisch, einfach bis mittel

Status: Laufend, 2-3 Updates pro Woche

Freitag, 3. Januar 2014

Reunions are a Bitch

Seitenansicht und Größenverhältnis ( 1 Pixel = 10 Meter)  ausgewählter Raumschiffe aus Stargate und Battlestar Galactica; Basierend auf Dirk Loechels Starship Size Comparison Chart ( http://dirkloechel.deviantart.com/ )
(neues) Battlestar Galactica greift (spätes) Star Gate an

Battlestar Galactica (nBSG) ist ein wiederaufgelegte Science-Fiction-Serie, in der hunderte Meter bis Kilometer große Schiffe von Menschen mit einem verschwenderischen Verbrauch von Atomwaffen gegen Roboter kämpften.

Stargate (SG1) ist eine lang laufende Science-Fiction-Serie, die in der Gegenwart spielt, mit Aliens auf der Seite der Menschen und der Gegner, mit Raumschiffen und Verschwörungen und Energiewaffen und dergleichen.

Reunions spielt mit dem Gedanken, was ein Angriff der Menschen aus BSG gegen die Erde aus den späten Staffeln von Stargate bedeuten würde. Vorwissen zu mindestens einer der Serien ist zwingend nötig, denn es wird nicht viel Zeit mit der Charakterisierung der verschiedenen und häufig wechselnden Personen verbracht.

Vielmehr scheint mir der Autor die Charaktere bloß als Blickpunkte zu nehmen, um die verschiedenen Entwicklungen dieses fusionierten Universums zu beschreiben. Es wird erschreckend viel Zeit auf die Mobilisierung und Militarisierung der Erde verwandt, auf die logistischen Aspekte von Aufrüstung, von Materialbeschaffung und weiteren militärischen Erwägungen auf höheren Führungsebenen.

Der Autor hat sich dabei für eine Entwicklung zugunsten der Erde entschieden, mit einer Porträtierung von Politikern als überflüssige und hinderliche Hinterzimmer- und Populäraffen, die lieber den Militärs das Führen überlassen sollten und deren Entscheidungen alle einfach abnicken.

Die Erde wird dabei interessanterweise als einfacher diesem Zweck zu beugen beschrieben im Verhältnis zu dem politischen System von nBSG, was aber vermutlich auch dem Szenario geschuldet ist – die Erde wurde angegriffen und von mehr oder weniger nuklearen Querschlägern 100 Millionen Menschen getötet. Da ist die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft nachvollziehbar.

Aus der Sicht von nBSG ist die Erde "bloß" eine verlorene Kolonie, die zurück in den Schoß der Zivilisation gebracht werden muss, ob sie will oder nicht. Die Rückschlagung der Invasionsflotte und Vergeltungsschläge der Erde machen den dortigen Menschen aber schnell klar, dass das was anderes wird als eine einfache Befriedung.

Das Englisch ist nicht so schwer, aber von militärischen Begriffen durchsetzt, was die Lesbarkeit erschwert, zumal die Rechtschreib- und Grammatikfehler relativ zahlreich sind. Ärgerlich, wenn dies auch noch gleichklingende Worte betrifft, da fehlt definitiv ein Editor/Lektor.

Zur Zeit befindet sich die Geschichte in einer Ruhephase, nachdem der Autor krank geworden ist. Im Gegenzug scheint es vielleicht erst zur Hälfte abgeschlossen zu sein, was bei über 300k Wörtern beachtlich ist.

Man sollte mindestens eine der beiden Serien gesehen habe, um die Geschichte zu durchblicken. Vorzugsweise beide.



Nicht so toll, aber gut genug.

Titel: Reunions are a Bitch/Deleted (URL: https://www.fanfiction.net/s/3546854/1/Reunions-are-a-Deleted)

Autor: Ash's Boomstick / Bob Regent

Länge: 350k Wörter, ca. 2000 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel mit militärischen Fachbegriffen

Status: Laufend, pausiert

Donnerstag, 28. November 2013

Spice & Wolf, Vol. 2


Holo running away into the sunset, looking laughingly back over her shoulder

Handelsreisender mit Wolf – Bankrott und Goldschmuggel

Kurze Zusammenfassung der Welt: Äquivalent zum späten Mittelalter, um die Renaissance herum, gibt es viele Königreiche und Feudalmonarchien, mit der Kirche als überspannendem Element. Allerdings gibt es auch Magie, mehr oder minder – keine Zauberer, aber eben tierische Gottgestalten, von der Kirche selbstverständlich nicht geduldet

Nach dem gerade so erfolgreichen Geschäft mit dem Währungskurs im vorherigen Band sind die Wolfgöttin in Menschengestalt Holo und der fahrende Händler Lawrence unterwegs, um ihren frisch erworbenen Pfeffer gewinnbringend zu verkaufen. In dem frommen Städtchen Poroson werden sie fündig und können durch Glück und Holos spitzfindige Sinne ein sehr gutes Geschäft machen: Sie können Rüstungen in einem Wert kaufen, als hätten sie den doppelten Pfand hinterlegt.

Ihr Ziel: Ruvinheigen. In dieser regionalen Hauptstadt hat die Kirche eine Vormachtstellung aufgrund der regelmäßig ausgerufenen Kampagnen zur kriegsgeführten Missionierung der heidnischen Städte. Aufgrund dessen finden Rüstungen, Schwerter und sonstige Militärmaterialen dort stetigen Absatz.

Auf dem Weg treffen sie Norah, eine talentierte und junge Schäferin. Doch dieser Beruf ist nicht sehr geachtet, denn die scheinbar übernatürliche Kontrolle von Schäfern über ihre Herde und Hütehund lässt sie in den Augen der Kirche heidnische Magie verwenden. Norah mit ihrem Talent und ihrer Jugend ist der Kirche da ein besonders verdächtige Person, auch wenn sie deren Schafe hütet.

Als Norah sich Lawrence eine Anstellung als Eskorte anbietet, stimmt er ihr nach kurzem überlegen und Absprache mit Holo zu.

In Ruvinheigen angekommen stehen Lawrence und Holo jedoch vor einem Problem: Die übliche Missionierungskampagne wurde abgesagt und die Preise für Metallwaren sind eingebrochen – Lawrence Wagenladung ist nur noch einen Bruchteil wert und ihm droht der Bankrott.



In dem zweiten Band von Spice & Wolf stehen Lawrence und Holo wieder am Rande ihrer Existenz. Und wieder nicht durch einen Gegner, obwohl es zu Gewalt kommt, sondern aufgrund von Gier und unerwarteten Ereignissen.

Auch dieses Mal sind die Light-Novel-üblichen Farbseiten am Anfang, mit einem halben Dutzend Schwarz-Weiß im Verlaufe des Buches zur Illustration von ein paar Szenen. Lawrence ringt wieder wirtschaftlich mit seinen Widersachern, sie stellen ihm Fallen, die er dann manchmal erfolgreich umdrehen kann.

Die romantische Nebenhandlung wird durch die Schäferin Norah gespeist, auf die Holo eine verhohlene Eifersucht und aber auch ehrliche Abneigung aufgrund ihres Berufes hat.

Die wirtschaftliche Handlung war dieses Mal einfacher, ich musste mir weniger Notizen machen um durchzublicken. Die wirtschaftlichen Fachbegriffe und Konzepte wie "Buying on margin" sehe ich als das größere Problem an.



Schöne Weiterführung der Reihe.

Titel: Spice & Wolf, Vol. 2

Autor: Isuna Hasekura
Illustration: Jyuu Ayakura

Länge: 280 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel mit einzelnen schwereren Wörtern und Fachbegriffen

Samstag, 16. November 2013

Spice & Wolf, Vol. 1


Leben eines Handlungsreisenden (mit Wolf) – Währungsspekulation

Kraft Lawrence ist ein 25jähriger reisender Händler, der nach sechs Jahren Lehre und weiteren sieben Jahren auf Reisen sich – wie der Traum und die Regel bei fahrenden Händlern – erst dann niederlassen kann, wenn er genug Geld für ein Geschäft in einer Stadt erwirtschaftet hat.

Seine Reisen führten ihn bereits mehrmals durch das Dorf Pasloe, bekannt für seine oft reichhaltige Weizenernte und einen ausgelassenen Erntedankbrauch dem lokalen Wolfgott Holo zu Ehren. Leider sind zu dem Fest nur ansässige willkommen, so dass Lawrence keinen Handel treiben und weiter fahren muss.

Er ist dementsprechend überrascht als besagter Weizengott Holo abends in der Gestalt eines fünfzehnjährigen Mädchens auf seinem Wagen liegt und schläft. Obgleich Lawrence misstrauisch ist, überzeugt Holo mit Hilfe von ihrer gestaltwandlerischen Natur von sich. Sie will Pasloe verlassen, da sie aufgrund von neuen Ackerbautechniken als „Gottheit“ nicht mehr gewürdigt wird und sehnt sich zurück nach ihrer Heimat.

Dank dem eigenen Bedürfnis nach beständigem menschlichen Kontakt und Freundschaft entscheidet sich Lawrence dafür sie ihn begleiten zu lassen. Und obgleich sie jung aussieht, hat Holo mit ihren mehreren hundert Jahren Alter sich den Beinamen Weiser Wolf verdient und liefert sich mit Lawrence immer wieder gut gemeinte Wortgefechte, aus denen sie fast immer siegreich hervor geht. Ihren Unterhalt verdient sich das verschmitzte „Mädchen“, indem sie bei Lawrence' Geschäften durch Rat und Tat hilft.



Die Welt der Light Novel Reihe, und auch der Manga- bzw. Anime-Umsetzung, ist nicht die unsere, sondern eine fiktive Welt, vergleichbar in großen Teilen und Aspekten mit dem späten Mittelalter bis Renaissance. Es gibt Königreiche und Imperien, eine (nach wie vor) einflussreiche Kirche, reisende Händler und der Hanse ähnliche Handelsketten, freie Städte und kleine Dörfer. Aber eben auch gestaltwandelnde Tiere, die sich selbst nicht unbedingt als Götter betrachten würden.

Man mag vermuten, dass Spice and Wolf einer relativ einfachen Formel folgt und die romantische Entwicklung von Lawrence und Holo der Anreiz der Handlung bildet, dem ist aber nicht so. Vielmehr ist es eine Betrachtung der verworrenen wirtschaftlichen Beziehungen von Händlern untereinander und zu Handelsketten, von Handelsketten zu Königen und Königen zu Kirche.

Und all das aus der Sicht eines fahrenden Händlers, was interessant ist, denn obgleich Lawrence einiges auf dem Kasten hat, ist er nicht allwissend, genauso wenig wie Holo.

Wie für Light Novels üblich gibt es einige Illustrationen im Verlauf des Buches sowie ein paar Farbseiten am Anfang und aufgrund der Kürze liest sich das Buch recht flott von der Hand weg; einfach ist es aber nicht unbedingt. Wer sich nicht gerade mit Wirtschaft beschäftigt hat, weiß nicht aus dem Stegreif wie man aus Wissen über eine bevorstehende Schwankung des Silberanteils einer Münze Profit schlagen kann. Zumal der Profit groß genug sein muss um den Aufwand wert zu sein.

Die Sprache ist im großen und ganzen verständlich, aber manche Worte sind nicht im allgemeinen Sprachgebrauch oder archaisch, letzteres besonders bei Holo, die eine ältliche Form spricht, wenn auch nicht von shakespearischem Ausmaße. 



Ich werde die Reihe weiter und ich denke auch wiederholt lesen.

Titel: Spice and Wolf

Autor: Isuna Hasekura
Illustration: Jyuu Ayakura

Länge: 230 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel mit einzelnen schwereren Wörtern und Fachbegriffen



Noch ein paar Worte zum wirtschaftlichen Aspekt: In diesem Band kommt Währungsspekulationen zum Tragen, und wie man daraus Profit schlagen kann. Dies geht folgendermaßen in den jeweiligen Fällen:
  1. Die Währung wird einen höheren Edelmetallanteil erhalten
    • Der Nominalwert, d.h. aufgedruckte Wert der Münze wird gleich bleiben
    • Der Realwert wird aber erhöht!
    • Man sammelt viele "alte" Münzen mit geringem Realwert
    • Sobald die neuen Münzen im Umlauf sind, werden die alten gegen die neuen getauscht – der Nominalwert bleibt erhalten, der Realwert steigt aber.
  2. Die Währung wird einen geringeren Edelmetallteil erhalten
    • Der Nominalwert, d.h. aufgedruckte Wert der Münze wird gleich bleiben
    • Der Realwert wird aber erhöht!
    • Man sammelt viele alte Münzen, welche von der Münzprägerei erstmal eingeschmolzen werden müssen
    • Man verkauft die große Menge alter Münzen entweder mit Profit, d.h. einem höheren Wert als ihrem nominellen, an die Münzprägerei; oder man nötigt im Gegenzug für die Münzen dem König Konzessionen ab wie Handelserleichterungen oder Zölle. 
Ich habe keine Ahnung, wie leicht oder schwer das in der heutigen Wirtschaft geht.

Montag, 19. August 2013

Overlady

Jähzorniges Mädchen will (heimlich guter) böser Herrscher werden

Ein paar Worte vorab: Overlady ist wie XSGCOM ein Crossover, aber von anderen fiktiven Universen, nämlich Overlord und Zero no Tsukaima.

Overlord ist ein Videospiel, in dem man den namensgebenden Overlord steuert, der über Schergen (Minions) herrscht und diese pikmin-artig Aufgaben erledigen lässt, wie zum Beispiel Dörfer überfallen oder Helden bekämpfen. Das Spiel ist voller schwarzem Humor und nimmt sich nicht zu ernst.

Zero no Tsukaima (dt. "Begleiter von Zero") ist eine Light Novel- und Animereihe in einer stark europäisch angehauchten Fantasywelt. Viele Länder sind offensichtliche Analoga zu europäischen Ländern, es gibt Adel und Fußvolk, aber anstatt Mittelalter ist die technologische Epoche eher grob dem 18. Jahrhundert zuzuordnen.

Witzigerweise habe ich keins von beiden je in den Fingern gehabt und bin bloß mit dem gröbsten Vorwissen an die Fanfic rangegangen.



Louise Françoise le Blanc de la Vallière ist die jüngste Tochter einer bekannten adligen Familie und besucht die Tristain Academy of Magic. Aufgrund ihres mehr als moderaten magischen Talents wird sie von ihren Mitschülern allerdings nur Zero Louise gerufen. Ihre letzte Chance, die Beschwörung eines Begleiters (etwa wie Katzen für Hexen), schlägt fehl und sie beschwört nichts. Wütend und zu Tode beschämt flieht sie und will ein neues anfangen, den Fußstapfen ihrer Mutter folgen und eine weltberühmte Abenteurerin und Heldin werden und… sie findet einstweilig Zuflucht vor dem Wetter in einer Höhle und schläft ein…

…um vor Schrecken zu realisieren, dass sie nicht alleine ist. Ein Vampir greift an, den sie schnell mit ihrer Magie erledigt, denn Lousie kann Magie wirken, aber ausschließlich Explosionen. Als ein Gefangener des Vampirs, Gnarl, auf sich aufmerksam macht, befreit sie ihn. Und Gnarl ist keine Augenweide, nach 80 Jahren in einem Käfig an der Decke sollte man das auch nicht erwarten.

Die koboldartige Kreatur bezeichnet sich selbst als Minion, als Schergen, und sie werden Lousie fortan dienen bei ihrem offensichtlichen Ziel: Weltherrschaft. Anscheinend ist Lousie kompatibel und beherbergt große Böse Energien, die sie zur Meisterin über die Minions machen. Ihr zur Seite: Ein aufmüpfiger und viel zu kluger nicht-Kobold, einige nicht ganz so aufmüpfige aber dafür umso dümmere nicht-Kobolde und ein Turm der mehr kaputt als heile ist.

Schnell wird Louise klar, dass sie ganz schön in die Bredouille geraten ist und ihre einzige Hoffnung in guter Miene zum bösen Spiel besteht. Der Plan: Soviel lernen wie sie kann, ihre Bösen Taten so gestalten, dass sie insgeheim Gutes tun, und sich allgemein so Verhalten, dass ihre Eltern im nachhinein stolz auf sie sein können.

Und so beginnt sie die Goblins der umliegenden Gegenden zu jagen, einzufangen und zu Minions zu konvertieren, denn damit entfernt sie ja die Bedrohung, welche die Goblins für die Dörfer darstellten. Aber wie es so schön heißt: Der Pfad zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.



Louise ist eine 1A Tsundere. Tsundere fragt ihr? Nun, damit bezeichnet man einen bestimmten Charaktertyp. Ein Tsundere ist oft im Bezug auf bestimmte Person, aber oft genug auch generell, in zwei Modi anzutreffen: Zornig oder Zart. Nie beides. Und kaum Zwischenstufen. Helga Pataki aus Hey Arnold! ist zum Beispiel eine Tsundere deren Standard Zornig (Tsun) ist. Lois, die Mutter aus Malcom Mittendrin, fällt beispielsweise auch da rein. Und bei Characteren, bei denen die Zarte (Dere) Seite im Vordergrund steht (Ted aus How I Met Your Mother, Katara aus Avatar), kommt oft genug der Zorn durch.

Auf jeden Fall ist Louise sehr jähzornig und hat Spaß an Zerstörung, auch wenn ihre Erziehung sie immer einen Begründung für diese suchen lässt. Glücklicherweise sind die Minions tolpatschig und Tritte als akzeptable Strafen beim Bösen gern gesehen.

Es werden recht bald Charaktere eingeführt, mit denen Louise interagieren kann, und das sind nicht nur die teilweise individualisierten Minions jenseits von Gnarl, sondern beispielsweise Louise kränkliche Schwester oder ihre halbdämonische Rüstungsschmiedin Jessica.

Der Autor EarthScorpion vergisst dabei aber nicht Louise ehemalige Klassenkameraden und damit für Fans von Zero no Tsukaima bekannten Charaktere.

Obgleich oder weil die Welt von Tsukaima gut bekannt ist, entschied sich EarthScorpion für eine brauchbare logische Weiterführung des kanonischen Geschehens in Louise' Abwesenheit. Ihre arrangierte Gatte? Ach so traurig, dass er eine fremdes Bett bespringt. Oder besser dessen Belegerin. Ihre Eltern? Dank Louise' Tod ist die ohnehin wackelige am Zerbrechen. Und politisch? Nicht direkt, aber indirekt kommt es zu Aufständen im Nachbarland.

Interessant sind auch die Einblicke in die Subkultur des Bösen, mit eigenen Nachtklubs, verzerrtem Vokabular und magischen Technologien analog zu unserem.

Vom Englisch her ist es mittel, denke ich, aber mit einige äraangemessenen Worten wie "chemise" für eine Art Nachthemd. Ein Wörterbuch oder LEO nebenbei können also nicht schaden. Und es gibt gelegentlich Wortspiele, wo man als nicht Muttersprachler sich mitunter reindenken muss.



Recht witzig, allein schon durch Louise ständige Versuche sich vom Guten ihre Bösen Taten zu überzeugen. Von ihrem Umgang mit Kleinvolk mal ganz zu schweigen…

Titel: Overlady (URL: http://www.fanfiction.net/s/8753582/1/Overlady)

Autor: EarthScorpion

Länge: 160k+ Wörter (ca. 890 Seiten)

Sprache: Englisch (Mittel)

Status: laufend

Donnerstag, 8. März 2012

Habemus Papam – Ein Papst büxt aus

Diese Tragikomödie beschäftigt sich mit der Wahl eines Papstes, der sich seinem Amt nicht gewachsen fühlt und wie die Welt damit umgeht. Per Definition hat der Film dabei tragische und lustige Elemente, aber es überwiegt doch die Nachdenklichkeit.

Inhalt

Der Papst ist tot. Wie jedes Mal nach dem Tod des Oberhauptes der katholischen Kirche tritt das Konklave zusammen, in welchem alle Kardinäle zusammen kommen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit den neuen Papst wählen. Wie üblich gibt es einige Favoriten - hochgehandelte Kandidaten, welche für eine Wahl in Betracht kommen.

Doch einige, um nicht zu sagen viele, Kardinäle wollen gar nicht selbst Papst werden, denn auf diesem hohen Amt lastet doch eine große Würde und Verantwortung. So ist es doch nicht verwunderlich, dass der Außenseiter Kardinal Melville nach seiner Wahl diese erstmal annimmt, aber dann doch Zweifel bekommt und kurz vor der Verkündung auf dem Petersdom zusammen bricht.

Er wandert rastlos umher, ist in Gedanken versunken und scheint sich erst langsam der Tiefe seiner Situation bewusst zu werden. Ein hinzugezogener Psychoanalytiker versucht mit ihm zu reden, aber ohne konkreten Erfolg. Wie auch, wenn einige Dutzend Kardinäle und der Sekretär des Papstes ihm über die Schulter schauen und sein Fragenspektrum einschränken? Und so wandert der neue, unverkündete Papst umher, teilweise auch außerhalb des Vatikans, und versucht sich zu finden oder anderweitig klarzukommen.

Und genau bei diesem ziellosen Umherstreifen entkommt Melville seinen ständigen vatikanischen Schatten. Er quartiert sich in einem Hotel ein, redet mit den dortigen Schauspielern eines kleinen Theaters und man sieht ihm an, dass er langsam anfängt sich besser zu fühlen.

Der Sekretär des Vatikans verschleiert unterdessen die Flucht des Papstes und lässt einen Schweizergardisten in dessen Wohnung die Vorhänge rascheln und dergleichen um den Eindruck von Anwesenheit zu erwecken. Die Kardinäle sind derweil nach wie vor im Vatikan, da das Konklave bis zur Verkündung des Papstes andauert. Die Langeweile treibt wiederum seltsame Blüten, so organisiert beispielsweise der Psychoanalytiker ein Volleyballturnier, um den Papst auzuheitern...

Gedanken

Wie würde man selbst mit solch einer Bürde umgehen? Nicht unbedingt Papst, obgleich dieses Schicksal theoretisch jeden gläubigen männlichen Katholiken ereilen kann, sondern eine verantwortungsvolle, führende und leitende Position einzunehmen. Nicht viele, um nicht zu sagen nur wenige, sind mit den dazu nötigen Fähigkeiten ausgestattet, und haben dazu noch einen Charakter, der ihnen die Nutzung dieser erlaubt.

Somit stell sich die Frage, ist man lieber Schaf, Schäfer oder Leitbock?

Und in all dem schwebt ständig der Hintergrund des Glaubens, sowohl an den Papst als auch den Christengott, und die Hoffnung auf eine Genesung des Papstes.

Mir persönlich hat der Film gefallen, aber mich faszinieren auch traditionsverfangene Gesellschaften, und mit ihren zweitausend Jahren gehört die katholische Kirche problemlos dazu. Die tollen Hüte haben natürlich auch nicht geschadet :D
Davon abgesehen bietet der Film einen interessanten Einblick in den Vatikan und irgendwo resonierte der melancholische Ton des Films mit mir. Ich mag sowas, irgendwie.

Titel: Habemus Papam – Ein Papst büxt aus

Regie: Nanni Moretti

Länge: 105 Minuten

Freitag, 28. Oktober 2011

Die drei Musketiere

Als ich den Trailer zu den drei Musketieren gesehen hatte, war mir klar, dass ich den Film sehen musste, und ich würde glücklicherweise nicht in meinen Erwartungen enttäuscht.

Doch fangen wir am Anfang an. Wie der Name es einen vermuten lässt, geht es in dem Film um die aus dem Roman und den vielen Verfilmungen bekannten Musketiere Athos, Portos und Aramis, die nach Jahren des Dienstes am französischen König ihre besten Jahre hinter sich haben. Gepaart mit dem Verrat durch eine enge Vertraute und Mitstreiterin der drei gehen sie nach einer gescheiterten Mission ihrer jeweiligen eigener Wege, nur um durch die Arroganz eines Dorfjungen wieder vereinigt zu werden. Dieser Möchtegern ist D'Artagnan, und aus einer Reihe von Umständen heraus wird aus einem Fechtduell ein Vier-gegen-Vierzig-Kampf.
Durch das Überkommen von Schwierigkeiten geeint (und im Falle des D'Artagnan bewiesen), bahnt sich bald genug für die nun vier Musketiere eine Aufgabe an. Welche und den Rest sage ich nicht, das müsst ihr schon selbst herausfinden.

Doch kommen wir zum eigentlichen Reiz des Films. Die Basis liegt eindeutig bei mehr als nur dem Buch oder vorangegangenen Verfilmungen. Allein die erste Szene, in der einer der drei mittels eines Tauchanzugs aus den Kanälen von Venedig heraufsteigt, macht deutlich: Die ausgetretenen Pfade haben wir hinter uns gelassen. Allerdings beschreitet der Anderson (der Regisseur) auch kein Neuland, sondern vermengt vielmehr verschiedenen Stilmittel zu einem Mix. Der Film ist nach wie vor eindeutig ein Abenteuerfilm, wo man gut nebenbei Popkorn mampfen kann, und obgleich eine romantische Nebenhandlung vorkommt, bleibt es genau dabei, einer Nebenhandlung. Gleichermaßen kann man die Anleihen an die Luftschiffe sehen, die eindeutig ihre Inspiration aus dem Steampunk beziehen, obgleich sowohl historisch als auch innerhalb des Films keine Dampfmaschinen zu finden sind. In ähnlichem Zusammenhang stehen auch die versteckten Fallen (So dünnen Draht haben wir noch nicht Mal heute!)

Was wäre da noch zu erwähnen... Christopher Waltz spielt Kardinal Richelieu (Bösewicht mit guter PR), Orlando Bloom hat Spaß an seiner Rolle und der gesamte Film wurde in Deutschland gedreht und massiv gefördert (u.a. durch Steuerrückvergütungen).

Wie dem auch sei, der Film ist unterhaltsam und fällt in die lohnend-durch-Kinoatmosphäre-Schublade. Mir hat er Lust auf die Romane gemacht, und kurz vorm Abspann wird nochmal eine Andeutung für eine Fortsetzung gemacht, die interessant werden könnte.

Titel: Die drei Musketiere

Regisseur: Paul W. S. Anderson

Länge: 111 Minuten

Historisch interessanter aber wenig relevanter Kontext: Der Film spielt etwa 1625 (zumindest ist es in der Vorlage so und die Charaktere stimmen überein), die bekannteren historischen Figuren (Buckingham, Ludwig XIII., Blabla) existierten wirklich, aber ihr Gefüge ist mitunter für den Film variiert worden. Vor Richelieu hatte die Mutter des Königs die Macht in Frankreich in der Hand. Davor gab es häufig Bürgerkriege und extremistische Gruppierungen. Ludwig selbst wollte als "Ludwig der Gerechte" in die Geschichte eingehen (im Sinne von Ordnung schaffen, nicht Mildtätigkeit zeigen). Er war aber keineswegs so einfältig wie er dargestellt wird, sondern vielmehr ein schüchterner, aber durchgreifungsfähiger Mann.
Der Dreißigjährige Krieg ist in vollem Gange, Frankreich hat unter Ludwigs Vater einen spanienkritischen Kurs gefahren und engagierte sich einige Jahre später selbst im Dreißigjährigen Krieg, was wiederum zu einem gleichzeitigen langen Krieg mit Spanien führte.

Samstag, 8. Oktober 2011

Priest

Seit Anbeginn der Zeit kämpfen zwei Spezies auf der Welt um die Vorherrschaft, die Menschen und die Vampire. Jahrhundertelang waren die Menschen nicht mehr als Vieh und Nahrung für die Vampire, und was die Menschen in festungsartige Städte trieb. Erst mit der Entwicklung einer Waffe gegen die Vampire konnten sich Menschen wieder aus ihren Festungen wagen. Die Priester, Kämpfer menschlichen Blutes und doch geschickt und schnell genug um es mit den unmenschlichen Vampiren aufzunehmen, jagten den Feind und töteten ihn, wieder und wieder und wieder und jagten ihn solange, bis die Vampire nur mehr in Reservaten leben konnten.

Soviel zur Hintergrundgeschichte. Es ist die klassische Postapokalypse:
  • Mad-Max-Umwelt (Wüsten, Sand, Felsen, Trockenheit), 
  • totalitäre Obrigkeit (Kirche, Rituale, Kutten, Uniformen),
  • ehrliche Menschen versuchen in der Außenwelt sich ein Leben aufzubauen und schlussendlich
  • die Bedrohung der Überreste der Menschheit durch einen unmenschlichen Feind.
Der tituläre Priester trägt mit seinem Glauben an ein Wiedererstarken der Vampire Eulen nach Athen, denn die Obrigkeit glaubt ihm nicht und brandmarkt ihn nach dessen vorhersehbaren Reaktion als Ketzer, der von den anderen Priestern zur Strecke gebracht werden soll. Natürlich hat unser Titelheld eine dunkle und aufgewühlte Vergangenheit, natürlich steckt mehr hinter den Vampiren, natürlich beißt ihm seine Vergangenheit ins Bein, und natürlich beißt er zurück.

Der Film ist somit wirklich vorhersagbar. Es gibt keine überraschenden Wendungen, und ehrlich gesagt nichts, was ihn positiv oder negativ hervorheben würde aus dem Einheitsbrei des actionlastigen Popcornkinos.

Hintergrund

Hm. Angeblich soll dieser Film auf dem gleichnamigen Mahnwa basieren, aber nach dem Überfliegen der Handlung des letzteren scheint mir "angeblich" noch ein zu starkes Wort zu sein. "Hat die Buchrücken aus der Ferne gesehen" würde vielleicht besser passen.

Nichtdestotrotz hat der Film einige schöne Effekte (der Regisseur hat seine noch aktiven Wurzeln in dieser Zunft), Verbrechen gegen die Gesetze der Biologie und Physik und na ja, Popkörnigkeit halt. Für einen DVD-Abend oder zur Hintergrundberieselung reicht es.

Titel: Priest

Länge: 87 Minuten

Regisseur: Scott Stewart