Krude Witze auf dem Rücken von rücksichtslos allen Minderheiten.
Sacha Baron Cohen ist vielen vermutlich ein Begriff, sei es durch seinen Film Borat oder durch die Figur des Ali G. Der Diktator setzt sich davon nicht wirklich ab.
Admiral General Hafiz Aladeen ist der Führer und Diktator des fiktiven arabischen Wüstenstaates. Seine Macht begründet sich auf unverhohlenen Israelhass, militärische Drohgebärden, Atomavancen und die Unmenge an Ölvorkommen.
Die UNO ist davon natürlich wenig begeistert und drückt Sanktionen durch, die Aladeen an den Verhandlungstisch nach New York zwingen. Dort wird klar, dass der ursprüngliche geplante Diktator – Onkel Tamir – seinen geliebten bärtigen Führer loswerden will, damit er das Öl seiner Landsleute teuer an die Russen, Amerikaner, Briten und Chinesen verkaufen kann.
Doch das Attentat misslingt, Aladeen ist bart- und somit identiätslos und nun im Big Apple auf sich allein gestellt. Nun ja, fast, er hat ja noch seine Vorurteile.
Durch Missverständnisse freundet er sich (unter falschem Namen) mit der veganen, linksalternativen, feministischen, politaktiven und burschikosen Bioladenbesitzerin Zoe an. Sie hält seine beleidigenden Bemerkungen zuerst für eine Art von Humor und es dauert wirklich lang, bis sie deren Ernsthaftigkeit erkennt.
Nebenbei stellt Aladeen fest, dass seine Diktatur von Widerstandszellen unterwandert ist und wirklich jede Hinrichtung fingiert war und die Opfer im Ausland Asyl gesucht haben. Eines dieser Opfer ist Nadal, ehemaliger Leiter des Atomwaffenprogramms. Er arbeitet bei Apple, also Grund genug zusammen mit Aladeen die Einführung einer Scheindemokratie in Wadiya durch Tamir und ein Aladeendouble zu verhindern.
Wenn es scheint, dass ich die Handlung verrate, dann habt ihr recht. Nennenswerte Teile davon habe ich hier bereits erwähnt.
Allerdings ist die Handlung auch bloß 08/15-Scheinwerk, dass dem eigentlichen Zweck, Humor, untergeordnet ist.
Allerdings muss ich sagen, Humor ist Geschmackssache und zutiefst den eigenen Erfahrungen und Sensibilitäten unterworfen. Ich habe zum Beispiel keine Freude an Fäkal- oder Sexualhumor und fand die entsprechenden Stellen einigermaßen eklig und weit ab von witzig, wenn auch absurd.
Allerdings lebt der Diktator nicht von diesem, sondern von Minderheitenhumor. Cohen schlägt in der Figur des Aladeen hemmungslos auf Minderheiten und Vorurteile ein, Wadiya ist ein Klischeepotpourri, und wer auf sowas steht, wird sicherlich sehr viel lachen können.
Das Perfide ist, auch wer nicht darauf steht, wird zwangsläufig lachen, weil es manche Momente gibt, wo die schiere Absurdität und Dreistigkeit der Figuren einem keine andere Wahl lässt.
Ein anderes Element, das etwas hintergründiger ist und fies reflektiert:
Achtet einfach Mal darauf, wie schnell ihr bei manchen Dreistigkeiten schmunzelt und bei anderen empört seid. Allein dies sollte schon einen gewissen Einblick auf die persönlichen, bestehenden Vorurteile ermöglichen.
Alles in allem: Geschmackssache.
Titel: Der Diktator
Regisseur: Larry Charles
Länge: 83 Minuten
Meine Meinungen zu Filmen, Bücher, Comics und allgemein jedweder Medienveröffentlichung, die mir vor die Augen oder unter die Griffel kommt.
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Sonntag, 15. Juli 2012
Der Diktator
Labels:
21. Jh,
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Reife,
Satire,
Schwarzer Humor,
Situationskomik,
USA
Freitag, 29. Juni 2012
Wanderlust – Der Trip ihres Lebens
Yuppiepärchen findet mittels Hippiekommune zu sich selbst.
George und Linda haben sich gerade eine Einzimmerwohnung, sie nennen es großzügig "Mikroloft", gekauft. Nur zu schade, dass George gerade seinen Job verloren hat, weil das FBI die Firma seines Chefs konfiszierte. Da kommt noch hinzu, dass er seiner Frau Linda finanzielle den Rücken frei hielt, damit sie sich selbst verwirklichen konnte, was sie auch mit verschiedenen Methoden versuchte, aber nie gelang. So ist George nicht wirklich traurig über den Verlust seines Jobs, den er nicht mochte, sondern eher wegen der Konsequenzen.
George's Bruder ist ein... schwieriger Mensch. Es kommt einem unweigerlich Arschloch in den Sinn, denn Rick ist erfolgreicher Chef, hat ein Riesenhaus und reibt das seinem Bruder bei jeder Gelegenheit unter die Nase.
Auf der Fahrt zu Rick müssen George und Linda übernachten und ihr Navi bietet ihnen Elysium an. Nicht in den Erwartungen: Nudist auf dem Waldweg. Bei dem hastigen Rückzug nach diesem Anblick baut das Pärchen einen Unfall und lässt sich von dem unerwartet freundlichen Nudisten helfen, der Mitglied in der Hippiekommune Elysium ist. Anscheinend war die Beschreibung im Navi unvollständig, was das anging.
Und so verbringen George und Linda einen Tag bei den Hippies, um dann weiter zu Rick zu fahren. Dessen Frau entpuppt sich als shoppingsüchtige Alkoholikerin, der Job als genauso stumpfsinnig wie in New York und Rick ist nach wie vor arrogant hoch zehn.
So fliehen die beiden zurück zur Kommune, deren süßen Versuchungen sie haben kosten dürfen.
Gab es vorher das Touristenpaket, kommt jetzt auch die Kehrseite zum Vorschein: keine Privatsphäre (keine Türen!), Wurzelkaffee, freie Liebe und Pseudoguru Seth. Linda in ihrer bisherigen Suche nach sich selbst blüht auf, melkt Ziegen, macht Yoga und wird von Seth schöne Augen gemacht, während George Urwaldschreie brüllt und Ziegendung wegmacht.
Und dann wäre da noch der Aspekt der freien Liebe, sowie die im Hintergrund schwebende Drohung der Schließung von Elysium...
Im Nachhinein ist es eine nette Wendung, dass George bei dem Übernachtung von der Kommune hin- und weg war, mit Linda als Unwillige, während nach der Eingemeindung sich die Rollen umkehren und Linda diese andere Kultur in sich aufnimmt.
Allerdings stachen zwei Szenen sehr negativ hervor: Seth ist an Linda interessiert und George an Eva, und die Akzeptanz des Konzepts freie Liebe würde beiden gestatten ihren "fleischlichen Gelüsten" zu frönen. George versucht sich vorzubereiten, indem er vor einem Spiegel allerhand Umschreibungen heraus drischt, die allesamt einem Porno entstammen zu scheinen. Alles sehr widerwärtig, und ich sag das nicht aus Prüde, sondern weil es wohl witzig sein sollte, aber volle Kanne nach hinten los ging. Das er diese Worte dann auch nochmal in Eva Gesicht drückt... angenehm ist was anderes.
Leider wird das auch nicht durch die konsequente Charakterentwicklung aufgewogen.
Und so verbleibe ich dabei, dass der Film nur Durchschnitt ist, Hintergrundgeplänkel wenn man den Fernseher laufen lässt, aber keinesfalls "tolles Kino".
Titel: Wanderlust – Der Trip ihres Lebens
Länge: 98 Minuten
Regisseur: David Wain
George und Linda haben sich gerade eine Einzimmerwohnung, sie nennen es großzügig "Mikroloft", gekauft. Nur zu schade, dass George gerade seinen Job verloren hat, weil das FBI die Firma seines Chefs konfiszierte. Da kommt noch hinzu, dass er seiner Frau Linda finanzielle den Rücken frei hielt, damit sie sich selbst verwirklichen konnte, was sie auch mit verschiedenen Methoden versuchte, aber nie gelang. So ist George nicht wirklich traurig über den Verlust seines Jobs, den er nicht mochte, sondern eher wegen der Konsequenzen.
George's Bruder ist ein... schwieriger Mensch. Es kommt einem unweigerlich Arschloch in den Sinn, denn Rick ist erfolgreicher Chef, hat ein Riesenhaus und reibt das seinem Bruder bei jeder Gelegenheit unter die Nase.
Auf der Fahrt zu Rick müssen George und Linda übernachten und ihr Navi bietet ihnen Elysium an. Nicht in den Erwartungen: Nudist auf dem Waldweg. Bei dem hastigen Rückzug nach diesem Anblick baut das Pärchen einen Unfall und lässt sich von dem unerwartet freundlichen Nudisten helfen, der Mitglied in der Hippiekommune Elysium ist. Anscheinend war die Beschreibung im Navi unvollständig, was das anging.
Und so verbringen George und Linda einen Tag bei den Hippies, um dann weiter zu Rick zu fahren. Dessen Frau entpuppt sich als shoppingsüchtige Alkoholikerin, der Job als genauso stumpfsinnig wie in New York und Rick ist nach wie vor arrogant hoch zehn.
So fliehen die beiden zurück zur Kommune, deren süßen Versuchungen sie haben kosten dürfen.
Gab es vorher das Touristenpaket, kommt jetzt auch die Kehrseite zum Vorschein: keine Privatsphäre (keine Türen!), Wurzelkaffee, freie Liebe und Pseudoguru Seth. Linda in ihrer bisherigen Suche nach sich selbst blüht auf, melkt Ziegen, macht Yoga und wird von Seth schöne Augen gemacht, während George Urwaldschreie brüllt und Ziegendung wegmacht.
Und dann wäre da noch der Aspekt der freien Liebe, sowie die im Hintergrund schwebende Drohung der Schließung von Elysium...
Im Nachhinein ist es eine nette Wendung, dass George bei dem Übernachtung von der Kommune hin- und weg war, mit Linda als Unwillige, während nach der Eingemeindung sich die Rollen umkehren und Linda diese andere Kultur in sich aufnimmt.
Allerdings stachen zwei Szenen sehr negativ hervor: Seth ist an Linda interessiert und George an Eva, und die Akzeptanz des Konzepts freie Liebe würde beiden gestatten ihren "fleischlichen Gelüsten" zu frönen. George versucht sich vorzubereiten, indem er vor einem Spiegel allerhand Umschreibungen heraus drischt, die allesamt einem Porno entstammen zu scheinen. Alles sehr widerwärtig, und ich sag das nicht aus Prüde, sondern weil es wohl witzig sein sollte, aber volle Kanne nach hinten los ging. Das er diese Worte dann auch nochmal in Eva Gesicht drückt... angenehm ist was anderes.
Leider wird das auch nicht durch die konsequente Charakterentwicklung aufgewogen.
Und so verbleibe ich dabei, dass der Film nur Durchschnitt ist, Hintergrundgeplänkel wenn man den Fernseher laufen lässt, aber keinesfalls "tolles Kino".
Titel: Wanderlust – Der Trip ihres Lebens
Länge: 98 Minuten
Regisseur: David Wain
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