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Mittwoch, 5. Juli 2017

Montag, 16. Juni 2014

Jumper

Junge wird erwachsen – und kann sich teleportieren

Davy Rice ist ein stiller 17jähriger in einer US-amerikanischen Kleinstadt. Seine Mutter hat bereits vor Jahren die Familie verlassen und sein Vater ist dem Alkohol mehr als zugetan. Als er sich wieder Mal über die Faulheit seines Sohnes aufregt, zückt er seinen Gürtel und will Davy eine weitere Tracht Prügel versetzen, als sich Davy plötzlich in der städtischen Bibliothek wiederfindet.

Er hat keine Ahnung, wie er dorthin gekommen ist, vermutet aber, dass Züchtigung schlimm genug war, so dass er sich zum eigenen Schutz nicht an die Zwischenzeit erinnert. Dies veranlasst Davy, es seiner Mutter gleichzutun und einfach wegzulaufen.

Er ist bereits zwei Wochen unterwegs, es geht ihm mehr schlecht als recht, als er sich von einem Diner in der Wildniss von einem Trucker mitnehmen lässt. Erst zu spät bemerkt der Junge, dass die Motive des Truckers nicht Nächstenliebe sind, sondern sexueller Natur. Doch kurz bevor es dazu kommt, findet sich Davy wieder in der Bibliothek seiner Heimatstadt wieder. Heilfroh und völlig verstört verbringt er die Nacht dort.

Davy wird klar, dass er sich – wieso auch immer – durch die Welt teleportieren kann, aber bloß an Orte, an die er sich ausreichend erinnern kann. Er kann nicht mehr mitnehmen, als er ohnehin tragen kann, und so macht sich Davy an seinen ersten Plan: Eine Bank in New York auszurauben. Aber auch erst, nachdem tagelang versucht hat, legal einen Job zu finden.

Bei dieser einen Bank bleibt es aber auch, und von dem Geld lebt Davy über ein Jahr und gönnt sich ein vernünftiges, wenn auch extravagantes Leben. Er geht ins Theater, kauft sich Bücher, sowas in der Richtung. Bis er eines Abends Millie kennen lernt…



Es geht natürlich noch weiter, aber schätzungsweise dreiviertel des Romans handeln nur von Davy und seinen Problemen mit seinem Vater und seiner Familie, und wie er mit der plötzlichen autoritären und finanziellen Freiheit klar kommt. Davy schlägt dabei nicht über die Stränge und führt ein Leben in Saus und Braus. Ebensowenig nutzt er sein Talent für Heldentaten; vielmehr ist die Banalität, mit der er durch die Gegend springt, gut dargestellt. An einem faulen Tag springt er beispielsweise von einem Sofaende zum anderen, weil er nicht aufstehen wollte.

Durch die Begegnung und die Gesprächen mit der soliden Millie realisiert Davy erst, wie kaputt sein Familienleben war und er unternimmt Anstrengungen, mit seiner Mutter Kontakt aufzunehmen; später fängt er an, seine eigenen Probleme aufzuarbeiten.

Erst im letzten Teil kommt es dann zu einer Auseinandersetzung mit der NSA, und aus dem eher ruhigen Roman wird ein recht actionlastiger und handlungstriefender.

Jumper hat aber nur ganz grob etwas mit dem gleichnamigen Film von 2008 zu tun. Ein paar Charaktere werden aufgegriffen, ebenso das Teleportieren, aber das war's im wesentlichen. Im Buch kommen keine Paladine oder sonstwas vor.

Ich hatte eher das Gefühl, dass das Teleportieren mehr oder weniger ein Randgimmick ist und die Aufarbeitung von Davy und seiner Familiensituation sowie seinen Gefühlen der Hauptfokus ist. Ein Junge flieht einer misshandelnden Familiensituation und baut sich aufgrund seiner Talente ein eigenes und neues Leben in der Großstadt auf. Es hat den Beigeschmack einer Wunscherfüllung, die der Autor dort durchlebt, oder dem Leser anbietet, was durch die Ich-Erzählung noch einfacher wird.

Da der Roman in den frühen 90ern spielt, gibt es einige veraltete Elemente, die aber kaum auffallen. Schade, dass es keine deutsche Version gibt.



Ich muss sagen, mir hat der gut gefallen und ich überlege mir die 3 Folgeromane zu holen.

Titel: Jumper

Autor: Steven Gould

Länge: 345 Seiten, über 100k Wörter

Sonntag, 7. Oktober 2012

Madagascar 3: Flucht durch Europa

Besser als Madagascar 2

Löwe Alex, Zebra Marty, Giraffe Melman und Nilpferd Gloria sowie Pinguine und Affen brachen im ersten Teil von Madagascar aus ihrem Zoo in New York aus, um Mal die große weite Welt zu sehen und dann auf Madagaskar zu landen. Im Teil packt die vier das Heimweh und ihr Versuch nach New York zurückzukehren führt zu einer Bruchlandung in Afrika. Dort gewöhnen sich Alex, Marty, Melman und Gloria an die Wildnis, aber die Pinguine und Affen wollen einen Trip nach Monte Carlo machen. Hier setzt der dritte Teil an.

Alex hat erwartet, dass die Pinguine und Affen zurückkommen würden, aber als nach Monaten immer noch keiner wiedergekommen ist, muntern ihn seine Freunde auf und beschließen, zurück in den New Yorker Zoo zu gehen, mit Umweg über Monte Carlo.

Dort machen sie bald die Drückeberger aus, die in der Gestalt des Grafen von Versailles am Roulettetisch ihr Geld mehren. Dummerweise fliegen sie alle auf und verlassen panisch das Casino, verfolgt von der terminatorartigen Tierfängerin DuBois. In ihrem Eifer, an die Haut von Alex zu kommen, rennt sie durch Wände und vollführt Stunts, die Luc Bessons Taxi-Filme wie Möchtegerns dastehen lässt.

Bei ihrer Flucht verstecken sich sie die Zootiere in einem Zirkuswaggon. Dieser Zirkus wird durch Europa tingeln und bietet somit eine gute Versteckmöglichkeit. Leider besteht der gebrochene Startiger aber darauf, dass nur Zirkustiere mitfahren dürfen, und so geben sich unsere Helden als eben solche aus.

Schließlich ergibt sich die Möglichkeit von London aus nach New York zu fliegen über einen amerikanischen Käufer für den Zirkus, bloß wie bereits schon erwähnt, ist der Star gebrochen, die Nummern abgehalftert und alles ist uninspiriert und dröge.

Bis Alex das Ruder in die Pfote nimmt und eine Zirkusshow auf die Beine stellt, welche allein schon den Eintrittspreis wert ist.

Wieso ich den dritten Teil besser finde als den zweiten? Ganz einfach: Er ist humorvoller und besinnt sich zurück auf die Stärken des ersten Teils, wie Fisch-aus-dem-Wasser-Komponente. Interessant dabei ist, obgleich meiner Erwartungen eines typischen Abklapperns von europäischen Sehenswürdigkeiten und Klischees hält sich das überaus in Grenzen und ist teilweise auch selbstironisch.

Will damit sagen, ich habe mich herrlich amüsiert!

Titel: Madagascar 3: Flucht durch Europa

Regie: Eric Darnell, Tom McGrath, Conrad Vernon

Länge: 93 Minuten

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Onkel Dagobert - Sein Leben, seine Milliarden

Zu sagen ich liebe Don Rosa's Wirken und Werkeln, wäre etwas untertrieben. Von daher, erwartet einfach mal keine Unbefangenheit, was genau dieses anbelangt.

Wie dem auch sei, mit Sein Leben, seine Milliarden hat Rosa in meinen Augen sein Magnum Opus abgeliefert und sich in den Olymp der Disney-Zeichner gehievt. Allerdings kenne ich bis auf ihn selbst nur Carl Barks, und Rosa's eigene Bescheidenheit würde ihn davon abhalten, sich auf einer Schulterhöhe mit Barks zu sehen, aber dennoch ist er genau da anzusiedeln. Sein Werk zeichnet sich aus durch ein Detailreichtum, welches ich bisher bei noch keinem Disneyzeichner gesehen habe, und in den Neunzigern habe ich lange Jahre lang regelmäßig die Micky Maus gelesen. Dazu kommt noch eine Rechercheverliebtheit, die schon fast an Besessenheit grenzt – quasi alle historischen Namen, Orte und Zusammenkünfte sind belegbar und realistisch und nur zu seltensten Punkten wird sich künstlerische Freiheit heraus genommen, eine Ausrede, die bei manch anderen Zeichnern sonst zu gerne vorgeschoben wird.

Doch kommen wir zum Inhalt.

Dagobert Duck ist ein Hänfling aus einem verarmten Klan in Glasgow, und sein Vater schenkt ihm zum zehnten Geburtstag einen Schuhputzkasten, welchen der Junge Bertel als Inspiration nehmen soll für sein künftiges Arbeitsleben. Als er dann seine erste selbstverdiente Münze in der Hand hält, einen ausländischen Kreuzer, lernt er daraus.


Das Leben ist hart und voller Menschen, die dich betrügen wollen.

Aber ich werde härter sein als die Härtesten und schlauer als die Schlauesten, und ich werde es auf ehrliche Art bis ganz nach oben schaffen.


Nur aufgrund seiner harten Arbeit kommt er dann wirklich in den Genuss des Erfolges und steigert sich innerhalb weniger Jahre vom Schuhputzer zum Torfverkäufer, und gibt dabei stets einen Teil seines Verdienstes an seine Familie.

Nicht lang danach heuert er mit 13 bei seinem Onkel auf einem Mississippidampfer an und erbt diesen schließlich, nur um dann von der aufstrebenden Eisenbahn aus dem Geschäft gedrängt zu werden. Doch davon lässt sich ein Duck nicht unterkriegen und so führt ihn seine Suche nach Erfolg als Cowboy über die Great Plains, als Kupferschürfer nach Montana, als Goldgräber nach Afrika, um schließlich beim Goldrausch am Klondike zu den wenigen zu gehören, deren Arbeit nach langen, kalten entbehrungsreichen Jahren wirklich mit Erfolg gekrönt war – Dagobert machte seine erste Million. (Grober Gegenwert in heutigem Geld: 18 Million Euro)

Danach macht er recht schnell die Milliarde voll und zieht mit seinen Schwestern nach Entenhausen, wo er vor geraumer Zeit ein Stück Land erstanden hatte, und baut seinen Geldspeicher. Anschließend geht er weiter auf Schatz- und Geschäftsjagd durch die Welt.

Viele Jahre später schließlich ist Dagobert ein alter, gebrechlicher Mann geworden, als er sich mit seinem Neffen Donald am Weihnachtsabend wieder trifft und lernt seine Großneffen Tick, Trick und Track kennen. Bertel hatte sich aber schon vor Jahren aus der geschäftlichen Welt und Öffentlichkeit zurück gezogen. Doch gerade diese Verwandten, denen er quasi nie gegenüber stand, zeigen ihm eine Lücke in seinem Leben und veranlassen Dagobert, wieder zu neuem Leben zu erwachen.

Und dieser Dagobert ist es schließlich, den die meisten kennen – ein scheinbar skrupelloser Geschäftsmann, der ein gutes Geschäft sieben Meilen gegen den Wind riechen kann und sich trotzdem gerne Zeit nimmt, um seinen Großneffen von damals zu erzählen oder sie mitsamt Donald (letzteren für 30 Kreuzer die Stunde) in ein Abenteuer zu führen.

An dieses abgeschlossene Werk schließen sich noch einige Zusatzkapitel, die fast nochmal die Länge der Hauptgeschichte erreichen und unter anderem von der einzigen Person erzählen, die Dagobert von seinem Streben nach Reichtum wirklich hätte abbringen können, aber das ist, wie es so schön heißt, eine andere Geschichte.

An die jeweiligen Kapitel schließen sich immer ein paar Seiten, in denen Rosa alternative Cover zeigt und viel über die Recherche, sein Leben und die jeweiligen Kapitel erzählt, sowie Hinweise zum Auffinden seiner berühmten D.U.C.K.-Widmungen gibt.

Was wäre noch zu erzählen? Kauft es euch. Als ich damals meine alten Micky-Maus-Hefte weggeworfen hatte – miserabler Zustand, gelocht, und meistens einfach handlungsflach – waren die Rosa-Geschichten die wenigen, die ich nicht wegwarf und die ich bei jedem erneuten Auffinden immer ein weiteres Mal lesen musste, egal wo ich gerade war oder was ich eigentlich zu dem Zeitpunkt tat/tun sollte.
Lest es. Wenn ihr sonst keine Duck-Comics gelesen habt, lest wenigstens diese.

Titel: Onkel Dagobert - Sein Leben, seine Milliarden

Seiten: 495, komplett koloriert, mit Einband

Autor: Keno Don Rosa