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Dienstag, 11. Februar 2020

Oresuki

Joro hält ein Schild mit "I’m the PROTAGONIST" hoch, umgeben von Mädels im Uhrzeigersinn von oben: Tsundere Sazanka, Selbstständige Tsubaki ♡, Energiebündel Himawari ♡, Mauerblümchen Pansy ♡, Elegante Cosmos ♡, Reporterin Tsubaki
Bekennende Parodie üblicher Harem-Anime

Zuerstmal, jeder in dieser Serie bekommt innerhalb der erste Minute ihrer Vorstellung einen Spitznamen, also werde ich diese verwenden.

Joro ist ein liebenswürdiger und freundlicher Kerl. Oder zumindest verhält er sich so, scheinbar blind gegenüber den offensichtlichen romantischen Zeichen, die seine Sandkastenfreundin und Energiebündel Himawari und die elegante Schülerratspräsidentin Cosmos ihm geben. Doch in Wirklichkeit ist Joro alles andere als das: er wünscht sich nichts lieber als der Protagonist eines Haremanime zu sein, und gibt zu diesem Zweck zur vor ein netter Kerl zu sein. Sein wahres Wesen ist manipulierend und zynisch. Aber wir wären nicht in einem Haremanime, wenn es nicht zu einem Liebesgeständnis nach dem anderen kommen würde: Himawari/Cosmos führt Joro zu einer Parkbank, um ihm etwas zu gestehen: Sie hat sich in Sun verliebt und bittet den liebenswürdigen Joro darum, sie mit seinem besten Freund zu verkuppeln.

Tja, Hauptcharaktere eines Haremanime spielen nicht die zweite Geige. Aber Joro lenkt schnell um und entscheide beiden zu helfen, sicher im Wissen, dass welche auch immer nicht Suns Freundin wird, sich sehr wahrscheinlich anschließend in Joro verlieben wird, denn er ist ja so ein liebenswürdiger Mensch. Dann kommt Mauerblümchen Pansy ins Spiel, gesteht Joro ihre aufrichtige Liebe (auf der gleichen Parkbank wie Himawari und Cosmos!), aber sagt ihm zugleich, dass ihr seine unaufrichtige Gutheit missfällt und sie den zynischen und manipulativen Joro, den sie das letzte Jahr über gestalkt hat, viel lieber mag.
Unzufrieden mit der Situation Joro fragt sie halslaut, „Bist du die Einzige, die in mich verliebt ist?“ Und somit sind wir beim Titel der Serie und dem Ende der ersten Folge.

Ja, es ist so eine Serie. Oresuki ist sich nicht nur der typischen Stilmittel und Tropen von Haremserien bewusst, nein, es spielt mit diesen, untergräbt sie, dekonstruiert sie. Der ahnungslose Protagonist ist nicht ahnungslos, die typischen Archetypen wie Sandkastenfreundin, gehobene Dame, Mauerblümchen oder Tsundere sind nicht in den Hauptcharakter verliebt und ihre Liebe ist weder bedingungslos noch beständig.

Vielmehr ist die Welt von Oresuki durchweg zynisch, aber auf eine liebevolle Weise. Der Autor, bzw. die Macher, denn die Serie ist die Umsetzung einer mehrbändigen Light Novel Reihe, zeugen von ihrem Wissen über die Klischees in Romantischen Komödien und verwenden diese, ohne dem Zuschauer eine einfache Daumenregel zu geben, ob diese nun ehrlich verwendet oder auf den Kopf gestellt werden. In ehrlicher Haremanimemanier bleibt es beispielsweise nicht bei ,bloß‘ 3 weiblichen Optionen (siehe Titelbild), aber zugleich ist Joro nicht der einzige – oder beste – Manipulator unter den Charakteren.
Genauso scheut sich Joro auch nicht, gelegentliche Seitenkommentare zu geben, wie beispielsweise die unausweichliche Badefolge, die es nur im Anime und nicht in der Light Novel gab.

Apropos Light Novel, die 12 Folgen der Serie decken anscheinend die ersten vier Bände ab, aber nach aktuellen Stand gab es zumindest in Japan 12 Bände, und die Serie endet halboffen. Der aktuelle Handlungsstrang wird mit einer kommenden OVA im Sommer 2020 angeblich sein Ende finden.



Alternative Zusammenfassung: Eine Gruppe egoistischer, manipulativer Ärsche in einem Liebesvieleck zieht sich gegenseitig zu Boden, bevor sich alle in realisierter echter Freundschaft wieder aufhelfen, aber die alten Gewohnheiten sind schwer abzulegen.

Titel: Oresuki – Are You The Only One Who Loves Me?

Regie: Noriaki Akitaya

Länge: 12 Folgen à 24 Minuten (auf Wakanim)

Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln

Montag, 6. Mai 2013

Hai-Alarm am Müggelsee


Der Titel bringt es auf den Punkt.



Der Müggelsee ist der größte See Berlins. Und er hat neuerdings einen Hai. Oder zumindest etwas so in der Richtung. Vielleicht. Die Experten sind sich da uneinig. Emeritierter Hai-Experte Snake Müller ist der Überzeugung, dass eine im See gefundene Hand Bissspuren eines Hais aufweist, während der Fischereiexperte der Freien Universität Berlin so vom wahrscheinlicheren Standpunkt eher einen Karpfen vermutet.

Dessen ungeachtet ruft der Bürgermeister erst Mal einen Hai-Alarm aus – streng nach Vorschrift, natürlich. Ja, es gibt Vorschriften und vorgefertigte Dokumente für einen Hai-Alarm. Fragt nicht, so ist Deutschland eben. Für das Städtemarketing legt sich so ein Hai sehr lohnenswert aus, Touristen und Hipster strömen an den Müggelsee, um den Hai zu sehen, ein Straßenfest wird vorverlegt und die halbe Innenstadt wird abgesperrt.



So in etwa in der Richtung geht es Hai-Alarm über weiter und wenn man sich darauf einlässt, einen B-Movie zu schauen, oder allgemein einen Film, der nicht Mal versucht sich ernst zu nehmen, dann kommt man genug geboten. Da wäre zum Beispiel der Bürgermeister, der bei der anberaumten internationalen Pressekonferenz englischen, französischen und polnischen Korrespondenten wortgewandt in ihrer Muttersprache antwortet, aber bei einer konkreten Anfrage von einem Ortsansässigen behauptet, ihn nicht zu verstehen. Oder die Kulisse der Hawaiiszene – Topfpalmen auf dem Steg.

Pluspunkte für Hai-Alarm sind die lächerlichen Dialoge, übertriebene Akzente und die stereotypen Charaktere, die während des Films aufeinander treffen. Partygeile Berliner, linke Chaoten, neoprenvernarrte Taucher, alles kommt vor.



Es ist beileibe genug zum Schmunzeln im Film, das Ausleihen lohnt sich also für Interessierte.

Titel: Hai-Alarm am Müggelsee

Regie: Leander Hausmann, Sven Regener

Länge: 104 Minuten

Dienstag, 9. Oktober 2012

The Cabin in the Woods

Horrorkomödie mit Einzügen der SCP Foundation

Cabin beginnt mit dem Geplänkel von zwei Arbeitskollegen über die Anforderungen und Konkurrenz in ihrem nicht näher beschriebenen Job, aber die Bunkeratmosphäre und Militärpräsenz weist auf etwas verdächtiges hin.

Cabin beginnt wie jede andere typische Teeniehorror der letzten Jahrzehnte: Fünf Freunde verbringen alleine eine Nacht in der entlegenen Hütte eines Freundes. Zusammen machen machen sie sich auf den Weg und, obwohl die Hütte recht gruselig ist, richten sie sich recht bald damit ein.

Die fünf sind relativ typische Abbilder ihrer Generation: Der Sportler, seine Freundin, der Bücherwurm, die Schüchterne und der Kiffer, aber das relativ ist ernst gemeint: Der Sportler ist belesen, der Bücherwurm sportlich, die Freundin zurückhaltend, die Schüchterne hatte einfach eine schlechte Beziehung hinter sich und der Kiffer weiß, wovon er spricht.

Je länger sie in der Hütte sind, desto klischeehafter verhalten sie sich allerdings. Der Sportler wird prollig, die Freundin trunken lasziv, der Bücherwurm liest nur noch…

Und hier vermixen sich die eingangs unterschiedlichen Anfänge. Die Hütte ist nicht nur gruselig, sie ist bzzzzzzzzzzzzzzt Spoilercut.

Soviel zum Inhalt. Es sollte nicht überraschen, dass Joss Whedon zusammen mit Drew Goddard das Drehbuch für Cabin in the Woods geschrieben hat, denn zum einen bietet der Film eine Erklärung für all die typischen Monster und Geschehnisse der üblichen Teeniehorrorfilme und parodiert dabei zugleich das Genre, ohne eine Persiflage zu werden.

So ist der Kiffer zwar so breit, dass er seine Autotür schließt, durch die heruntergekurbelte Scheibe den Sicherungspenöpel runterdrückt und dann von draußen nochmal an der Tür zieht, um zu prüfen ob sie geschlossen ist, aber hat doch unerwartet treffende Einsichten in der Hütte.

Ich kann echt nicht mehr sagen. Viele der üblichen Klischees werden bedient, aber raffiniert verdreht, so dass es trotzdem regelmäßig zu Überraschungen kommt.

Titel: The Cabin in the Woods

Regie: Drew Goddard (bekannt von Cloverfield)

Länge: 95 Minuten

Freitag, 25. Mai 2012

Iron Sky

Mondnazis greifen an!

Womit die ganze Prämisse des Films benannt wäre. Iron Sky nimmt sich in etwa so Ernst wie Ralf, wenn ihr versteht was ich meine.

Wir schreiben das Jahr 2018, und die USA werden von einem Sarah-Palin-Verschnitt regiert. Um sich ihre Wiederwahl zu sichern, schickt sie zwei Männer zum Mond: Einer ein legitimer Astronaut, der andere ein Model. Ein schwarzes Model, James Washington, wegen der Stimmen.

Oben angekommen besteht die erste Amtshandlung darin, die Kampagnenbanner mit dem Schriftzug "Yes, She Can!" auszurollen.
Als die beiden dann bei der Suche nach Helium 3 über einen Kraterrand blicken und ein riesiges Hakenkreuzgebäude erblicken ist klar – hier stimmt was nicht.

Der Astronaut wird von einem typischen, in Leder gekleideten Nazi mit Gasmaske erschossen (natürlich mit einer Luger) und Washington gefangen genommen.

In der Basis kommt auch prompt der Mondführer Kortzfleisch um sich den Gefangenen von Nachrichtenübermittlungsoberoffizier Adler präsentieren zu lassen – bis dieser sich bei der Abnahme des Helms als Schwarzer entpuppt. Die Nazis sind natürlich mehr als Baff und Washington nutzt die Gelegenheit zur Flucht, trifft dabei auf die idealistische Lehrerin Renate Richter und wird schlussendlich doch wieder geschnappt.

Im weiteren Verlauf des Films werden im Prinzip alle hanebüchenen Verschwörungstheorien über Nazis aufgegriffen und durch den Fleischwolf gedreht, um einen grotesken Brei an wunderbar unterhaltsamen, aber in sich schlüssigem Stoff zu bilden.

Ich zähle mal auf:
  • Nazis haben Ufos und Weltraumzeppeline
  • Nazis haben Fusion
  • Nazis haben die Endwaffe Götterdämmerung
  • Nazis haben Antischwerkraft
  • Nazis wohnen auf der dunklen Seite des Mondes
Wie soll man das nicht lieben können? Nicht wegen den Nazis, sondern vielmehr aufgrund des Geflechts an Parodien – Sarah Palin als US-Präsidentin, deren PR-Chefin eine Tirade à la Der Untergang hinlegt, die Ohnmacht der Konföderation/UN in ihrem War Room nach Kubricks Vorbild, das berüchtigte "Ab 5:45 Uhr wird zurückgeschossen", Elemente von Weltraumopern wie Star Trek, die obligatorische Weltraumschlacht am Ende... All diese Elemente persiflieren breitgefächert sowohl unsere derzeitige Politik als auch den Irrsinn und Größenwahn der Nazis.

Von den Effekten ist der Film auch ziemlich spektakulär, vor allem durch die Weltraumszenen, die zu Ende hin ein Spektakel bilden. Und was das Ende anbelangt, so sollte man sich vor Augen halten, dass Iron Sky nicht in Hollywood geschrieben, produziert oder gedreht wurde, so dass einige typische Konventionen nicht befolgt werden.

Übrigens wurde der Film zu einem nennenswerten Teil durch Fans über sogenanntes Crowdfunding finanziert, womit sich beteiligende Personen gewisse Extras oder auch Gewinnbeteiligungen sichern konnten.

Insgesamt lässt sich sagen, Iron Sky hat mir sehr gut gefallen, teilweise sogar mehr noch durch die Implikationen als den Film selbst, und er ist definitiv sehenswert. Wer nicht so auf Parodien steht, sollte ihn sich aber vielleicht lieber ausleihen/kaufen. Allein schon, weil man dann den wunderbar übertriebenen deutschen Akzent der Schauspieler hören kann.

Titel: Iron Sky

Regisseur:
Timo Vuorensola

Länge: 92 Minuten