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Freitag, 24. Januar 2014

Exiern

Tiffany in brauchbarer Rüstung auf einer Brüstung sitzend
Geschlechtsgewandelter Barbar in "sexy" Abenteuern

Typhan-Knee ist ein klassischer Barbar – muskelbepackt, männlich, halbnackt. Kurzgesagt, ein wahrer Held.

Sein Aufgabe auf der vom König ausgerufenen Quest ist die Befreiung der entführten Prinzessin Peonie aus den Klauen des Dunkelmagiers Faden. Doch dieser ist nicht ganz ohne und bei dem Gefecht kommt es dazu, dass Typhan-Knee mit überstarker Weißmagie angegriffen wird und eine Frau.

Mit der aktuellen Aufgabe, der Befreiung Peonies, abgeschlossen, macht sich Tiffany also daran seinen – Pardon, ihren – Fluch zu brechen. Doch vorher muss Peonie zurück gebracht und Faden den Autoritäten übergeben werden.



Faden ist ein Besserwisser und Schwarzmagier. Und irgendwie lässt er ständig Kommentare fallen, die ihn für uns als Leser witzig machen.

Peonie ist eine kaum bekleidete Prinzessin.

Tiffany ist ein kaum bekleidetes Kampfschwein.

Der erste Autor Drowemos und seine Nachfolgenden Illustatoren und Schreiber geben sich im wesentlichen keine Mühe zu verstecken, dass einer der großen Anziehungspunkte des Webcomics der Fanservice, also die leichte (bis keine) Bekleidung der oftmals weiblichen, vollbusigen Figuren ist.

Der andere Anziehungspunkt ist der Humor, der sich teilweise sehr seiner selbst bewusst ist und gerne Spitzen in Richtung der üblichen Fantasystilmittel hat – Die Prinzessin in Nöten, die mehr als mangelhafte Panzerung bei Frauenrüstungen und so weiter.

Der Webcomic hat über seine ersten vier Jahre recht wenige Updates gehabt, nachdem Exiern aber von Dan Standing übernommen wurde (mittlerweile Scott T. Hicken), hat es sich auf etwa drei Updates pro Woche und einen etwas gerundeteren Zeichenstil eingeschossen.

Ein Aspekt, der leider viel zu selten durchscheint, ist die Welt an sich. Peonies Vater ist der König einer der beherrschenden Nationen des Kontinents, wenn nicht der Welt, und hat diese Position nicht, weil er ein netter Mensch ist. Das Magiesystem fußt in dem Entstehungsmythos der kaum 200 Jahre alten Welt. All dies bekommt man aber nur sehr langsam mit. Schade eigentlich.



Ein schuldiges Vergnügen

Titel: Exiern

Zeichner: Studio Boom 2006-2010, Shipeng Lee 2010+

Autor: Drowemos 2006-2011, Thomas Knapp 2011+

Seiten: 600+, alle farbig

Sprache: Englisch, einfach bis mittel

Status: Laufend, 2-3 Updates pro Woche

Dienstag, 10. Dezember 2013

String Theory

Dr. Schtein im Vordergrund mit boshaftem Lächeln, im Hintergrund ein Flammenmeer
Der katastrophale Aufstieg zum Superschurken-Superstar

Dr. Herville Schtein ist nicht gerade vom Glück geplagt. Nach seinem Abschluss in Quantenphysik mit 19 arbeitet er seit 15 Jahren an diversen streng geheimen Regierungsprojekten in einem unterirdischen Labor. Zusammen mit seiner Mysophobie (Angst vor Krankheitserregern) und aufreibenden Art ist er nicht gerade beliebt. Und seine Augen sind Rot auf Schwarz, aber na ja, Arbeitsunfälle eben.

Delia Osgood ist die frische nach ihrem Abschluss angestellte Assistentin von Dr. Schtein – seine 15 innerhalb von 5 Jahren. Das derzeitige Projekt unter seiner Führung soll Teleportation ermöglichen, aber nach Jahren kommt Schtein nicht weiter. Dr. Langstrom, Erzrivale und in einem Konkurrenzprojekt, macht Fortschritte und biedert bei Delia an.

Sowohl aus romantischem Interesse als auch aus Prinzip kann Schtein das nicht ertragen und sabotiert Langstroms Projekt, was zu einer Explosion und mehreren Toten führt, unter ihnen sein Erzrivale Dr. Langstrom, aber auch sein Chef/Ersatzvater.

Legal für tot befunden wird Schtein in ein Gefängnis inmitten einer radioaktiven Einöde gebracht, dessen Vorsteherin Langstroms nach Rache sinnende Schwester ist…



Die Welt von String Theory ist eine interessante. Obwohl die "Gegenwart" im Jahr 2057 angesiedelt ist, verlief der kalte Krieg anders als bei uns. Die Kubakrise verlief nicht glimpflich, Chicago ist ein von Pilzen überwuchertes Ödland und übernationale Unternehmen scheinen im kapitalistischen Block mehr Macht als Regierungen zu haben.

In gewisser Weise wirkt es ein bisschen wie die Welt von Fall Out, mit den Wertvorstellungen der 1950er aber einer seltsamen und abschweifenden Zukunft.
Man kann das auch gut am Zeichenstil festmachen, der anfangs wirklich nah am Fall Out Boy angesiedelt ist, sich aber recht schnell findet und weiter entwickelt; die Hintergründe wandeln von "angedeutet" zu "opulent", die Charaktere werden noch individueller, ohne zu Überzeichnungen zu verkommen.

Dr. Schtein, einmal in Kittel und einmal in HäftlingskleidungAllgemein wird eine Menge Raum auf die Etablierung der Welt und Charaktere gelegt, so dass die Handlung für manch einen langsam vorkommen mag, mir aber gefällt das ziemlich gut, gerade weil dadurch die Charakterisierung sehr gut gelingt.Dabei scheut sich Grundy auch nicht davor, erwachsene Themen wie Drogenmissbrauch und -abhängigkeit zu thematisieren. Also nicht für Kinder geeignet, bloß weil es ein Comic ist.

Und so schauen wir zu, wie Schtein vom arroganten Wissenschaftler zu etwas anderem, böserem wandelt…



Ziemlich gut gefallen, vom Stil, von der Handlung, irgendwie von allem…

Titel: String Theory (URL: stringtheorycomic.com)

Autor: Dirk Grundy

Länge: 240 (42 Schwarz-Weiß, danach farbig)

Sprache: Englisch, Mittel, in wenigen (nahezu irrelevanten) Teilen Deutsch

Status: Laufend, eine Seite wöchentlich


Montag, 17. Juni 2013

Quentyn Quinn, Space Ranger


Titelseite in Aufmachung und Stil der frühen Puplmagazine


Weltraumwaschbärenoper



Quentyn macht sich kampfbereit, um einen intragalaktischen Zwischenfall zu verhindern
 Quentyn ist Angehöriger der Imperiums der Sieben Sternensysteme – und ein Rac Cona Daimh, das heißt gehört zu einer Art anthropomorpher Waschbären. Als Space Ranger liegen seine Aufgaben unter anderem bei der Patrouille und Erkundung jenseits der Raumgrenzen und damit auch beim Erstkontakt mit anderen Spezies und Völkern.

Er ist dabei alles andere als ein Diplomat, sondern eher bodenständig und pragmatisch in seiner Herangehensweise, was ihm beim Absturz/Abschuss seines Raumschiffes auf einem von Piraten kontrollierten Planeten zu gute kommt. Als Partner zur Seite steht ihm Omnibus, eine künstliche Intelligenz.



Da Quentyn mit kaum 100 Seiten recht kurz ist, wäre zu viel aus der Story vorwegzunehmen einfach fies, deswegen lasse ich das Mal.

RIAA - kommerzieller, interplanetarer Ideenraubbau
Als Ableger von Tales of the Questor, dem anderen Webcomic von Ralph Hayes Jr., ist der Quentyn mehr eine Betrachtung der Konsequenzen aus und Zukunft von Tales. Viele der darin angesprochenen Fakten der Welt wurden weiter ausgebaut und Hayes hat einige Gedanken darauf verwendet, wie zum Beispiel die funktionelle Magie, Lux genannt, in einem Science-Fiction-Setting nach Jahrhunderten technischer Entwicklungen in den Alltag integriert wurde.

Dabei ist der Autor sich aber leider nicht zu schade, seine eigenen (nicht nur) politischen Meinungen und Worte in den Mund von Quentyn zu legen. Während seine Betrachtungen zu Urheber- und Kopierrecht noch interessant sind, erschlägt er mit seinen allzu offensichtlichen Strohmann-Argumentationen den Leser doch unweigerlich.



Kurz gefasst: Interessant für die Weltenbauerei, aber Autorengefährt für die politisch Gleichgesinnten.

Titel: Quentyn Quinn, Space Ranger (Url: http://www.rhjunior.com/QQSR/)

Autor: Ralph Hayes (RH) Junior

Sprache: Englisch

Länge: 101 Seiten, durchgehend farbig

Status: laufend, unregelmäßig (hochgerechnet etwa monatlich)

Die Piraten realisieren ihren Fehler

Dienstag, 14. Mai 2013

Grrl Power


Urheberrechte bei David Barrack
ADHS mit Superkräften. So'n bisschen.



Urheberrechte bei David Barrack
Wie beschreibe ich Grrl Power am Besten... okay: Der Comic ist abgedreht in der Charakterisierung von unserer Hauptcharakterin Sydney, einer hyperaktiven Comicshopbesitzerin mit einer etwas zu gewaltbereiten Neigung. Und sie ist vor kurzem in den Besitz von Superkräfte gekommen, wovon sie aber noch keinem erzählt hat.

Als sie bei der Bank ist und es dort zu einem Überfall kommt, sieht Sidney Gelegenheit für ihr Debüt. Bloß hat sie – ebenso wie die Bankräuber – die Superheldin am Anfang der Schlange übersehen. Im Zuge des Kampfes, bei dem Sidney einen der Räuber mit einem Judowurf an seiner Zunge(!)zu Boden befördert, wird Maxima, die Superheldin, auf dieses seltsame Mädel aufmerksam…

Und schlägt ihrem Boss, einer neu eingerichteten Streitkraft des Militärs, vor sie zu rekrutieren. Oder zumindest sich mal näher anzuschauen. Und so wird Sidney in die Welt der Superhelden eingeführt…



Urheberrechte bei David BarrackDas ist auch schon mehr oder weniger die Handlung, die sich sehr langsam entwickelt. Der große Anreiz liegt eher in dem Humor des Comics, der teilweise Meta sein kann. Was ich damit meine? Innerhalb von Grrl Power gab und gibt es nach wie vor Superheldencomics, und zwischen den verschiedenen Charakteren – insbesondere Sidney – kann es problemlos zu Diskussionen über die verschiedenen Tropen und Stilmittel von eben solchen Comics kommen. Wie zum Beispiel, dass Wolverine kein so guter Kämpfer sein kann, weil er ja ständig verletzt wird.
Die meisten Lacher ergeben sich aber aus der Situation und Interaktion der Charaktere. So sind zum Beispiel aus irgend einem Grund alle Superhelden körperlich eher einem Ideal entsprechend; groß, athletisch, mit gewissen… Merkmalen, was Sydney als kleine und schmächtige Person natürlich nicht entgeht.


Space Lama
Der Zeichenstil ist animebeeinflusst amerikanisch, mit Varianz je nach Ernst und Situation der Handlung. Welche, wie gesagt, eher auf Witz denn Action wert legt. Der Autor hat selbst zugegeben, dass ihn bei Comics die Kampfszenen nicht so sehr interessieren wie der anschließende gemeinsame Besuch des Schawarmarestaurants um die Ecke. Ihn reizen die alltäglichen Handlungen von den Helden mehr. Zu schade, dass sowohl Veröffentlichung als auch Handlung recht langsam ablaufen.



Urheberrechte bei David BarrackIch gebe gerne zu, dass Grrl Power ein sehr witziger Webcomic, bei dem ich mehrfach laut auflachen musste.

Titel: Grrl Power

Autor: David Barrack

Sprache: Englisch

Länge: 140 Seiten, farbig

Status: Laufend, wöchentlich (montags)

Freitag, 10. Mai 2013

Not a Villain


Ich will doch nur wiedergutmachen…



Vor Jahren war das Ending, ein Ereignis, welches man pauschal als Weltuntergang bezeichnen kann. Menschen überlebten in Enklaven, Städten und in der Wildnis, aber es waren nicht viele. In den Städten gibt es Farmen, auf denen die meisten Überlebenden arbeiten, während alle anderen mehr oder weniger auf sich allein gestellt sind.

Eine der wenigen Ablenkungen, und für die Auswärtigen zugleich Verbindungsmöglichkeit zu dem Rest der Menschheit, ist L.i.F.e, eine immersive virtuellen Umgebung. Im Gegensatz zu Vorläufern wie Second Life kann der Nutzer alles sehen und teilweise spüren, während ein Großteil der Sinneseindrücke des realen Körpers unterdrückt wird.

Kleya ist eine relativ neue Auswärtige, die aber gewisse Begabungen für den Umgang mit Technik hat. Relativ unsozial hilft sie trotzdem ihrer virtuellen Ziehfamilie und Freundin Mina, ihre Gesangskarriere zu starten.

Allerdings ist Kleyas Interesse eher an The Game gelegen, dem einzigen erlaubten und sanktionierten Computerspiel. Kämpfe zwischen Teilnehmern werden durch Stimmen der Fans und Zuschauer beeinflusst und für Städter ist The Game die einzige Möglichkeit in L.i.F.e. Geld zu verdienen. Geld ist aber eine geringere Sorge von Kleya – sie will teilnehmen, um eine Heldin zu werden; ein guter Mensch. Denn in ihrer Vergangenheit war sie nicht unbedingt Gut, um nicht zu sagen richtig Böse.

Und darin liegt zugleich ihr Problem. Kleya möchte an The Game teilnehmen, und dafür muss bzw. wird man zwangsläufig bekannt. Zugleich versucht sie genau dies zu vermeiden, damit ihre alten Feinde ihr nicht auf die Schliche kommen…



Not a Villain ist einer dieser interessanten Webcomics, die eine hervorragende Handlung haben, bei denen aber die graphische Präsentation einigermaßen schlecht ist. Die Autorin Aneeka Richins ist sich dessen auch bewusst und gibt bereitwillig zu, dass dies einer der Minuspunkte ist, aber sie entwickelt sich grafisch weiter. Da wären zum Beispiel die drei Ebenen von Not a Villain zu erwähnen: Die aufwendig gezeichnete und relativ spät eingeführte Realität; das L.i.F.e., einfach mit minimalen Schatten; und The Game, detaillierter und mit aufwändigen Schatten. Die Realität wird erst spät gezeigt, nachdem Richins an ihrer Technik feilen konnte.

Die Prämisse von der Autorin auf den Punkt gebracht ist, was wäre wenn die meisten Menschen nur in einer virtuellen Realität miteinander interagieren könnten, und wie sähe eine Kreuzung aus MMO und Reality-TV aus.

Eine Schlussfolgerung daraus ist, dass Programmierer in einer massiv virtualitätsabhängigen Welt ungleich mehr Macht haben als sie es normalerweise tun, insbesondere wenn sie keine Probleme mit illegalen Methoden hat, wie z.B. Hacker (obwohl Cracker der passendere Begriff wäre).



Mal schauen, inwieweit Kleya wirklich kein Bösewicht ist…


Titel: Not a Villain (Übersetzung: [Ich bin] Kein Bösewicht; URL: navcomic.com)

Autor: Akeena Richins

Sprache: Englisch

Länge: 260+ Seiten, größtenteils farbig

Status: Laufend

PS: Es gab einen Kickstarter: http://kck.st/GS40wM

Freitag, 16. März 2012

Gallows Humor


Der passend benannte Webcomic Gallows Humor, wörtlich übersetzt "Galgenhumor", ist im Ansatz ähnlich zu Der Tod und das Mädchen: Den Sensenmann gibt es wirklich, und er wird von einer jungen Frau gesehen, was nicht üblich ist. Mit einer noch zweistelligen Seitenanzahl ist der Comic recht jung und kurz.

Alma, die Hauptcharakterin, ist eine rothaarige Bedienung. Auf dem Weg zur Arbeit sieht sie, wie ein Mann einen Hund attackiert und eilt dem Tier zur Hilfe. Bloß, es ist kein normaler Hund, sondern viel eher ein Höllenhund, und der Mann hat nicht umsonst eine Sense.

Wie sich herausstellt, ist der blasshäutige Sensenmann Lord Thanatos (seine Hervorhebung), oder kurz: Thanny (Alma's Spitzname). Und er hat einen cholerischen Charakter, sehr zu Leidwesen der fröhlichen Alma. Zudem ist es nicht üblich, dass Sterbliche ihn sehen können, also kommen natürlich erstmal die üblichen Drohgebärden und dergleichen ins Spiel. Gegen welche Alma irgendwie immun erscheint, sehr zur Frust von Thanny.

Also arrangieren sich die beiden, und werden... Freunde? Die Beziehung zwischen ihnen ist schwer zu beschreiben, da Thanatos abweisend ist, und Alma an einer Romanze nicht interessiert scheint, sie ist viel eher von den metaphysischen Aspekten fasziniert - die verschiedenen Formen von Thanatos, zum Beispiel. So rupft sie ungeniert einige Federn aus Thanny's Flügeln (in Engelsform) und steckt sie sich ins Haar, bloß um sie einige Seiten später als Staubwedel zu benutzen.

Während Alma und Thanatos bisher fast die einzigen Charaktere sind, geht der Comic auch noch auf die anderen Götter ein, die allesamt dem griechischen Pantheon entlehnt sind. Allerdings sind bisher bloß Ares und Amor aufgetaucht, und mit ersterem versteht sich Alma verdächtig gut, da beide zu viel Spaß damit haben, Thanatos zu piesacken.

Vom Charakterdesign her erinnert mich Gallows Humor verdächtig an The Meek und einen anderen Comic, an den ich gerade nicht so recht erinnern kann. Irgendwas mit einem verrückten gewalttätigem Sport, Killerhockeball oder sowas.

Die Handlung ist lacherzentriert, soll heißen, wenn etwas witziges geschehen kann, wird es das auch, allerdings im Rahmen eines langsam fortschreitenden Fadens. Dabei folgt sie den typischen Tropen einer Romantikkomödie, was aber nicht schlecht sein muss.

Mit gerade mal 51 Seiten in drei Kapiteln befindet sich Gallows Humor noch im Anfangsstadium, ist aber unterhaltsam.

Titel: Gallows Humor (Galgenhumor)

Seiten:
73 (farbig, Kapitel + Extra)

Zyklus:
1-2 Seiten pro Woche

Autoren: Bilder und Handlung von Val, Dialog von Sab

Sprache: Englisch

Montag, 6. Februar 2012

Homestuck

Homestuck ist problemlos einer der seltsamsten Webcomics, die ich bisher gelesen habe, und ich habe viele gelesen. Es gibt Zeitschleifen (sowohl offen als auch geschlossen), Weltbedrohungen, Internettrolle, Rollenspielelemente, weit mehr als einen Soundtrack, und allerhand mehr.

Allein die Besetzung erstreckt sich über mehr als ein Dutzend Charaktere, aber keine Bange, der Autor scheut sich nicht, diese mal zu totifizieren. Doch auch darüber muss man sich nicht zu viele Sorgen machen, denn der Tod ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. Wodurch man sterben kann? Buntblütige Trolle, einarmige, einäugige, fliegende radioaktive Hunde und cthulhuartige Greuelschrecken, um nur ein paar zu nennen. Und obgleich es an ihnen nicht mangelt, ist noch keiner an schlechten Wortspielen gestorben.

Inhalt

John Egbert freut sich auf seinen dreizehnten Geburtstag, denn an diesem Tag bekommt er Geschenke seiner drei Onlinefreunde Dave, Rose und Jade. Zudem ist es der Tag, an dem die Beta von SBURB ankommen soll, einem mit Vorschusslorbeeren überhäuften Online-Computerspiel. Das Spiel selbst ist auf Gruppenbildung ausgelegt, so dass man mit seinen Freunden gemeinsam spielt und gegenseitig Server füreinander wird. Nachdem sich John an seinem Harlekin-besessenem Vater vorbei geschlichen hat und einigen anderen Problemen, hält er schließlich die CD mit der Client-Version in den Händen, mit welcher er sich bei Rose einloggen kann. Anscheinend ist bei dem Spiel selbst noch kein Spieler überhaupt allzuweit gekommen, da ist der Ehrgeiz natürlich hoch. Da Rose der Server von John ist, kann sie an seinem Haus rumbauen, verschiedene Gegenstände kaufen und platzieren und später andere Gegenstände mittels eines der platzierten Geräte erschaffen. Dies alles kostet aber GRIST (Schrot), und keiner weiß, wie man an dieses Zeug kommt.

Während dessen erwehrt sich im Untergeschoss der Dad von John gegen Monster, die auf der Erde alles andere als üblich sind, von denen John aber noch nicht den Hauch einer Ahnung hat. Und dann wären da noch die Chattrolle, die seit längerer Zeit die vier Kinder belästigen...

Die Dramatik kommt zum Zuge als beim Aufstellen von einem der Geräte ein Countdown startet und sich ein Zusammenhang über all die abgebrochenen Erfahrungsberichte von SBURB mit den Meteoriteneinschlägen in letzter Zeit herauskristallisiert... Die Ziele des Spiels ohne Bedienungsanleitung sollte man anscheinend erfüllen, damit der Clientspieler überlebt, und wahrscheinlich auch für den Serverspieler.

Hintergrund

Ich könnte jetzt problemlos noch 5000 Wörter schreiben und Stück für Stück Homestuck nacherzählen, aber dann würde ich sehr vieles vorweg nehmen. So weit wie ich es bis jetzt beschrieben habe, geht es bis Seite vierhundert (mit unerwähnten Handlungssträngen).

Das mag viel wirken, aber ich gebe euch ein Größenverhältnis dazu, damit ihr euch eine Vorstellung davon machen könnt, was Homestuck umfasst: Über 4000 Seiten, mehrere Stunden Flashanimation und -spiel, über ein Dutzend Musikalben(u.A. Chiptunes, aber auch andere Genre), und viele, viele Handlungsstränge. Ich habe über vier Tage mit stark reduziertem Schlaf benötigt um auf den aktuellen Stand zu kommen, und das Suchtpotential alles auf einmal lesen zu wollen, ist enorm!

Das passiert, wenn ein Mann gerne Comics macht, eine postmoderne Herangehensweise hat und es sich für ihn genug lohnt, um davon leben zu können. Andrew Hussie, der Autor von Homestuck, verbringt überschlagsmäßig 90% seiner Zeit mit Homestuck und schafft es somit, im Schni 4-5 Updates pro Tag herauszubringen, wobei vor bestimmten Terminen (also größeren Updates wie Spielen oder Animationen) mitunter Pausen sind.

Interessant ist der Eindruck, den Homestuck vermittelt: Es ist absichtlich so ausgelegt, als wäre es nicht ein Comic sondern ein Spiel mit Texteingabe wie die frühen Textadventures, bei denen man etwas schreiben konnte und wenn das Programm gut war, diese Eingabe umzugesetzt wurde ("Kombiniere Hund mit Hahn" - "Bravo, du hast einen eierlegenden Huhnd geschaffen!"). Somit ist es also ein Webcomic im Gewand eines Spiels. Später gibt es Passagen, bei denen man wirklich die Kontrolle über einen Charakter übernehmen kann, also wird es ein spielbarer Webcomic im Gewand eines Spiels. Andrew Hussie liebt solche Verwirrungen offensichtlich, denn Homestuck ist voll davon. Die vierte Wand, welche die Geschichte vom Autor bzw. Publikum trennt, wird gelegentlich durchbrochen, es gibt Selbstreferenzen, Rückgriffe und so ziemlich alles, was man im großen Werkzeugkatalog der Postmoderne finden kann.

Aber wie IST es?

Während Homestuck am Anfang ausschließlich witzig ist, teilweise durch die simple Absurdität der durch Scheinspieler gegebenen Texteingaben, wächst die Handlung und fügt auch ernstere Elemente hinzu, ohne dabei die Witzigkeit zu vernachlässigen.

Ich rate euch nur, falls ihr ein Faible für Adventures und Rollenspiele habt, und gute Geschichten nicht aus der Hand legen könnt, konsumiert Homestuck in euren Ferien oder im Urlaub, denn es braucht seine Zeit und das Englisch ist teilweise durch die Verwendung obskurer Begriffe und Kofferworte etwas schwerer zu verstehen.

Titel: Homestuck

Autor: Andrew Hussie

Seiten: über 4000, häufig animierte GIFs, teilweise farbig

Zyklus: 30-40 Seiten/Woche

Sprache: Englisch


Andrew Hussie:
Oh, ich zeichne nicht einfach Homestuck...
ICH BESCHWÖRE DIESE UNERSCHROCKENE FANTASIELANDSCHAFT HERAUF AUS DEN TRÄNEN WEISHEITSMÜDER AUGEN VON FÜNFZIGTAUSEND IMAGINÄREN MAGIERN. MIT VERZAUBERTEM GRÖLEN, GEPLÜNDERT VON EINER GILDE FLEGELHAFTER MYTHISCHER ZWERGE, ZIEHE ICH SCHWERES LEINEN VON DEN BRUMEN DER INSPIRATION. UNERMESSLICHE KNOLLIGE RÄTSELSPINNEN PRESSEN DIE SEIDENEN STRÄNGE REINER LAUNE DURCH DIE SCHEUßLICHEN SPINNDRÜSEN IHRER HINTERLEIBER UND DIESE SIND ES AUS WELCHEN ICH DEN UNVERFRORENEN KOKON EXQUISITER LÜGEN WEBE. UND WENN ES SCHLÜPFT, WIRD EINE GROßE MOTTE DER ERREGUNG ERWACHEN UND BRÜLLEN UND IHRE FLÜGEL SCHLAGEN, UND DAS NIEDERFALLENDE PULVER WIRD DIE HUMORALIEN EINES UNGEHEUERLICHEN ALTEN BETTLERS FESTSETZEN UND SOMIT DEN GEIERHAFTEN, LEDRIGEN KLEMMGRIFF, WELCHEN ER UM DEINEN GEFANGENEN VERSTAND LEGTE, LÖSEN.


Sonntag, 13. April 2008

A Miracle of Science

Dieser englische Webcomic spielt in der Zukunft und beschäftigt sich mit dem Thema des wahnsinnigen Genies. Er wurde geschrieben von Jon Kilgannon und von Mark Sachs in Bilder umgesetzt. Wurde? Richtig gehört, denn A Miracle of Science ist einer der wenigen Webcomics, die abgeschlossen sind. Er wurde von 2002 bis 2007 veröffentlicht und die erste Hälfte ist mittlerweile auch in Buchform erhältlich. Sachs und Kilgannon arbeiten eigenen Behauptungen zufolge daran, auch den zweiten Band auf tote Bäume zu bringen, über den Termin ist aber nichts bekannt - zumindest mir nicht.

Zeichnung

Die ersten 38 Seiten und somit das ganze erste Kapitel sind noch in schwarz weiß gehalten, danach stieg Sachs auf vollfarbig um. Mit dieser grandiosen Überleitung kommen wir auch gleich zum Zeichenstil. Er basiert auf dem typischen amerikanischen Panelaufbau, zeigt aber vor allem bei der Charaktergestaltung Anleihen an japanische Manga. Sachs arbeitet perspektivisch korrekt, wobei er gerne auch filmische Linseneffekte einbaut, die ansonsten gerade Linien leicht gekrümmt erscheinen lassen. Diese Effekte sind aber rein zeichnerischer Natur und nicht durch Programme eingefügt, im Gegensatz zu den teils stark computerlastigen Hintergründen und Außenaufnahmen von Monden, Planeten und dergleichen. Dort greift der Zeichner sowohl auf Lensflares als auch andere Tricks aus der Effektekiste zurück. Die Charaktere selbst sind bis auf Caprice, die weibliche Hauptfigur, frei von solchen Spielereien. Wenn man von dem Coloring selbst absieht. Somit kommen wir auch gleich zum größten Manko des Webcomics - der zeichnerischen Darstellung der Charaktere. Es wirkt beständig so, als wäre Sachs aus der amerikanischen Dragonball-Z-Zeit herausgekrochen und hätte angefangen, aus Spaß an der Freude einige Mangamerkmale auf seine ansonsten bestenfalls mittelmäßigen Zeichnungen zu klatschen. Ich brauchte einige Zeit, bis ich realisiert, dass dies sein Stil ist, der sich von Anfang bis Ende zwar verändert hat, aber stet einen ähnlichen Anschein hatte. Nichtsdestotrotz bleibt das stümperhaft wirkende Charakterdesign ein leicht abschreckendes Merkmal. Die Charaktere selbst sind dabei bis auf die Mangaeinflüsse im Gesicht realistisch soweit dies in einem Science-Fiction-Setting möglich ist. Es fallen weder überlange Gliedmaßen noch sonst verstümmelte anatomische Merkmale ins Auge.

Story

Die Geschichte selbst ist das meiner Meinung nach Herausragendste an diesem Webcomic und sie war es auch, die mich A Miracle of Science hat lang genug lesen lassen, bis ich Sachs Zeichnungen als Stil statt Stümpern erkennen konnte.
Die Vorstellen-Polizei ist eine Behörde, die sich mit der Forschung nach und an memetische Erkrankungen - denkt einfach an ansteckende Ideen - sowie der Fahndung nach und Verhaftung von wahnsinnigen Wissenschaftlern beschäftigt. Benjamin Prester ist ein Agent dieser Behörde und soll zusammen mit Caprice Quevillion, einer Marsangehörigen, einen Fall lösen. Dies an sich ist schon herausragend, da der Mars sich nach der Besiedlung in Isolation zurückgezogen hat und erst hundert Jahre später, kurz vor dem Zeitpunkt der Handlung, als Gruppengeist dem Solaren Parlament beitrat. Sie untersuchen den Fall um einen unbekannten Robotiker, der dem Anschein nach an SRMD leidet, einer memetischen Krankheit, die vor allem Wissenschaftler befällt und sie zu Welteroberungsplänen oder dergleichen treibt. Dabei führt die Fahndung die beiden durch das halbe Sonnensystem, komplett mit Weltraumschlachten und Talär.
Besonders die Ausarbeitung der Welt, in der A Miracle of Science spielt, fällt dabei ins Auge. Verschiedene Konzepte aus dem Transhumanismus, der Gesellschaftslehre und weiteren Feldern werden elegant verknüpft und zu einem in sich geschlossenen und dabei logischen und nachvollziehbaren System verarbeitet. Dabei umschifft Kilgannon geschickt übliche Klippen wie das Abrutschen in eine Space Opera, obgleich einige Elemente enthalten sind, noch erstickt er den Leser mit Fachbegriffen und unverständlichen Konzepten. Dabei nimmt sich A Miracle of Science nicht zu ernst, aber auch nicht zu locker - es gibt zwar keine blutgefüllten oder grausige Schlachten, aber eben auch keine einsilbigen Actionhelden, die immer einen coolen Spruch auf den Lippen Metallsplitter aus der Umgebung machen.

Fazit

Alles in allem kann ich A Miracle of Science allen Science-Fiction-Fans wärmstens ans Herz legen, einen so in sich flüssigen Webcomic werdet ihr nicht so ohne weiteres finden. Und wenn doch, sagt es mir ;)
Gerechterweise sollte ich noch erwähnen, dass der Webcomic recht textlastig ist und teilweise Wörter abseits des 08/15-Englisch verwendet.
Aber auch falls ihr nicht so technik- und zukunftsbegeistert seid, lohnt es sich auf jeden Fall einmal hereinzuschauen.

Name: A Miracle of Science

URL: http://project-apollo.net/mos/index.html

Sprache: Englisch

Seiten: 435 (38 schwarz-weiß, 397 farbig)

Veröffentlichungszyklus: Abgeschlossen