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Freitag, 18. August 2017

Paradox: Am Abgrund der Ewigkeit

Konzentrisch dreigeteiltes Bild: Am Grund ein Planet, darüber ein Sternenhimmel, zum Schluss eine schwarze Leere, in der ein Raumschiff wegfliegt.
Akzeptables und deprimierendes Erstlingswerk

Dieses Mal habe ich mich in die deutschsprachige Science-Fiction gewagt, nämlich Phillip P. Petersons Paradox. Worum geht es?

Am Rande des Sonnensystems verschwinden Sonden, welche die NASA vor Jahrzehnten hinausgeschickt hat, auf unerklärliche Weise. Es ist nicht einfach so, dass sie aufhören zu senden, nein, sie verschwinden wirklich. Und ein Multimilliardär will wissen wieso.

Also baut er eine eigene Sonde, schickt sie nach draußen, und auch sie verschwindet. Irgendwas stimmt da offensichtlich nicht, und da sein Ziel die Kolonialisierung von anderen Sternen ist, schickt er als nächstes ein Raumschiff an den Rand des Sonnensystems.

Dort hinten lag die Erde. Wie eine blaue Perle vor einem schwarzen Samtvorhang. Sie war immer noch groß. Deutlich größer als der Vollmond von der Erde aus. Und doch konnte er sie mit seiner Hand abdecken.
»Alle Menschen, die es gibt, sind auf dieser kleinen Kugel, die einsam ihre Bahnen inmitten des Alls zieht wie eine Insel des Lichts in einem Ozean der Finsternis«, meinte Wendy mit heiserer Stimme. »Und ihre Bewohner haben nichts Besseres zu tun, als sich gegenseitig umzubringen und in ihrer Habgier den Planeten zu ruinieren.«
— Paradox: Am Abgrund der Ewigkeit, Kapitel 38

Die Mannschaft ist sich nicht ganz du, denn sie rekrutierte sich aus gleichen Teilen von der NASA und der Belegschaft des Milliardärs. Für die NASA ist das ganze mehr eine ihr aufgezwungene PR-Aktion, denn sie betrachtet die Raumfahrt als ihr Hoheitsgebiet, und will sich da nicht von privaten und kommerziellen Akteueren drin herumpfuschen lassen, insbesondere nicht bei der ersten bemannten Mission jenseits des Mondes.

Da das Raumschiff aber mehr oder weniger von dem Milliardär gestellt wird, sind Konflikte natürlich vorprogrammiert. Dies wird vor allem bei Ed, dem Kapitän deutlich. Er ist ein Astronaut des alten Schlages, und er hat es nie wirklich verkraften können, dass die NASA nach den beiden Shuttleunglücken so sehr den Schwanz eingezogen hat.

Überhaupt ist Ed ein eher unangenehmer Zeitgenosse, der vor allem von Wut angetrieben zu sein scheint. Dabei ist er selbst sich nicht wirklich sicher, auf was er wütend ist; sich selbst, die NASA, den Milliardär, die Welt, oder was auch immer.

Dies ist mehr oder weniger auch mein größter Kritikpunkt am Roman. Keiner der Charaktere ist wirklich sympathisch, und ich meine das nicht nur von ihrer Persönlichkeit her, sondern von ihrer Funktion als Identifikationsfigur. Möglicherweise wären die anderen noch aufgetaut mit der Zeit, aber aufgrund der prominenten Perspektive von Ed und seinen Vorurteilen konnte ich mich mit keinem so recht anfreunden.



Alles in allem ist Paradox ein solides Erstlingswerk, hat aber noch viel Verbesserungspotential.

Titel: Paradox: Am Abgrund der Ewigkeit

Autor: Phillip P. Peterson

Länge: 480 Seiten ( 107k Wörter)

Montag, 14. April 2014

Snowpiercer

befremdliche Gesellschaft im Heilszug

Um den Klimawandel zu stoppen und die globale Erwärmung zu stoppen wurde im Jahr 2014 die Substanz CW-7 in der Atmosphäre ausgebracht, ein Mittel zu Senkung der gestiegenen Temperaturen. Das Projekt des Klimaengineering schlägt phänomenal fehl und stürzt die Erde in eine weltumspannende Eiszeit.

Der etwas wahnsinnig fokussierte Eisenbahnmagnat Wilford hatte zuvor eine gleichermaßen weltumspannende Verbindung von Eisenbahnnetzen vervollständigt, die vom Zug Snowpiercer befahren wird.

Die Passagiere sind zugleich die letzten Überlebenden der Menschheit. Die Schmarotzer der hinteren Abteile leben in Armut, Mangel und Furcht vor denen in Wohlstand und Dekadenz lebenden Passagieren der vorderen Abteile.

Curtis (Chris Evans, u. A. Captain America) ist einer Überlebenden vom Ende des Zuges, der bereits die Hälfte seines Lebens in den Wagons verbrachte und zusammen mit Gilliam eine (widerwillige) Führungsrolle in den hinteren Wagons inne hat. Zu Essen gibt es einen Proteinblock, Kleidung und Unterkunft sind bei allen notorisch heruntergekommen und die Repressionen durch die Sicherheitskräfte sorgen regelmäßig für Unmut.

Da ist es nicht verwunderlich, dass Curtis zusammen mit den anderen Passagieren einen Aufstand plant.



Snowpiercer ist die Verfilmung des französischen Comics Le Transperceneige und die Welt ist düster und kalt. Die Zugpassagiere sind die letzten Überlebenden der Welt, einer scharf getrennten Welt zwischen "Schmarotzern" und Elite. Die Dystopie geht aber noch weiter.

Wie dem auch sei, die Effekte der Außenszenen sind mäßig, aber dafür ist die Handlung sehr gut, aber auch sehr befremdlich. Curtis ist der "Held", insofern man nach dem Ende des Films noch mit ihm sympathisieren kann. Mir persönlich fiel es schwer, insbesondere aufgrund der Charakterentwicklung die Curtis während und vor des Films durchmachte. Allerdings erklärt dies definitiv seinen Widerwillen zu führen.

Der Film ist übrigens eine koreanisch-amerikanische Koproduktion.



Im Nachhinein habe ich bei dem Film vor allem einen gruseligen, dissonanten Nachgeschmack im Mund. Als würde etwas nicht stimmen.

Titel: Snowpiercer

Regie: Bong Joon-ho

Länge: 126 Minuten

Mittwoch, 22. Januar 2014

Einer flog übers Kuckucksnest

Bist du nicht verrückt, wirst du es

1963. Randle P. McMurphy wurde wegen Verführung Minderjähriger festgenommen und in eine psychiatrische Anstalt gebracht. Doch Randle ist nicht gerade verrückt, sondern will sich so bloß um die in diesen Jahren gebräuchlichen Arbeitslager drücken.

Er freundet sich mit den verschiedenen Insassen der Irrenanstalt wie dem Chief, Harding und weiteren an und bringt allgemein Leben in die tristen Hallen der geistigen Erholung. Dies stößt aber nur bedingt auf Gegenliebe der Anstaltsleitung, insbesondere von Schwester Ratchet, die ihre Stellung und Macht untergraben sieht.

Mehr und mehr reiben sich die Beiden, während Randle einen wesentlichen Teil zur Genesung von seinen Anstaltsfreunden beiträgt. Doch Randle und Schwester Ratchet eskalieren ihren kalten Konflikt immer weiter…



Schaut ihn euch an. So wie der Film 1975 gedreht wurde, würde er es heutzutage nicht mehr getan werden. Schaut ihn euch an. Die Charaktere sind glaubwürdig und die Handlung erschreckend. Schaut ihn euch an. Ein Kultfilm und allein schon aufgrund seiner Bedeutung und Referenzen auf ihn in den verschiedenen Medien ein Muss. Schaut ihn euch an. Ich habe das Buch hier noch irgendwo liegen…



Titel: Einer flog über das Kuckucksnest

Regie: Miloš Forman

Länge: 133 Minuten

Freitag, 6. Dezember 2013

Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele

Nahaufnahme der linken Seite von Katniss' Gesicht, im Vordergrund blutbefleckte Blätter
Gladiatorenspiele in dystopischem Regime

Es ist einige Jahrzehnte bis Jahrhunderte nach unserer Zeit und Nordamerika wurde von Kriegen und Naturkatastrophen heimgesucht. Aus dieser Welt ist Panem hervorgegangen, eine diktatorische Nation. Von Kapitol, der Hauptstadt aus, unterdrückt das Regime die Bevölkerung und beutet sie aus. Als diese aufbegehrte, wurde die Rebellion grausam niedergeschlagen und ein ganzer Distrikt ausgelöscht. Als Mahnung und Erinnerung werden nun seit 74 Jahren jedes Jahr aus jedem Distrikt ein Junge und ein Mädchen zwischen 12 und 18 ausgelost, die als Tribut alle in einer Arena Gladiatoren gleich gegeneinander kämpfen und sich gegenseitig töten müssen, denn nur der letzte Tribut gewinnt. Dies sind die Hungerspiele.

Obgleich nominell ein Tribut für die Rebellion vor einem dreiviertel Jahrhundert, geht mit dem Sieg in den Hungerspielen zugleich Vorteile in den Zuteilungen für die Distrikte einher, die bei weitem nicht autark sind sondern alle auf bestimmte Bereiche spezialisiert sind. So gibt es in manchen Distrikten auch Karrieros, die auf ihre Teilnahme in den Spielen trainieren, sei es um den Bonus oder die Ehre im Siegesfall zu erlangen.

Katniss fällt mit ihren 16 Jahren in das auslosbare Alter und lebt in Distrikt 12, dem heruntergekommensten und ärmsten Distrikt. Zusammen mit ihrer Mutter und kleinen Schwester kommt die Familie nur über die Runden dank Katniss' illegalem Jagen und Sammeln außerhalb der Distriktgrenzen, ein Vergehen auf das Tod und schlimmeres steht.

Als ihre Schwester Prim als weiblicher Tribut für den Distrikt ausgelost wird, kann Katniss das nicht zulassen und übernimmt freiwillig ihren Platz. Zusammen mit Peeta, dem gleichaltrigen Bäckerssohn, reist Katniss nach Kapitol zur Vorbereitung und Interviews sowie die anschließenden Spiele. Durch Glück, Können und Talent legen Katniss und Peeta eine beeindruckende Vorstellung im Auftakt zu den Spielen hin, doch die Spiele selbst sind etwas vollkommen anderes.

Alle Tribute starten von der gleichen Plattform aus, in deren Mitte ein übergroßes Füllhorn voll Ausrüstung und Nahrung liegt. Katniss ist durch ihr tägliches Jagen gut mit Pfeil und Bogen, aber wird sie auch ohne überleben können?



Ein Brosche die einen goldenen, fliegenden Vogel mit Pfeil im Schnabel zeigt, der Vogel dreht sich halb um
Ich gebe zu die englische Version, The Hunger Games, gelesen zu haben statt der deutschen, aber spontan fällt mir auf, dass es keine schwierig zu übersetzenden Passagen oder Referenzen gibt, so dass es ich für die deutschen Begriffe Wikipedia als Quelle genommen habe.

Problemlos lassen sich Parallelen zwischen den Tributen und dem japanischen Battle Royal ziehen, denn bei beiden kämpfen Jugendliche gegeneinander um Leben und Tod unter massiver medialer Aufmerksamkeit und Interesse sowie Einflussnahme. Allerdings sind sie aus dem emotionalen Aspekt nicht so ohne weiteres vergleichbar, denn in Battle Royal war es eine Schulklasse, die vermutlich bereits soziale Bande geschlossen hatte, während in Tribute die Spieler sich größtenteils nicht kennen, von den Karrieros abgesehen.

Von diesem Aspekt abgesehen, zeichnet Tribute eine interessante Welt auf. Der Autorin Suzanne Collins wurde im Schreiben klar, dass das geplante Finale der Spiele eine Reaktion innerhalb der Welt nach sich ziehen würde und entschied sich daher für eine Trilogie, statt von der Konzeption her die Geschichte darauf auszulegen.

Es gibt auch einen romantischen Plot zwischen Katniss und Peeta, der aber sehr gut in das Konzept der Hungerspiele eingebunden wurde, weshalb ich darauf nicht weiter eingegangen bin.

Das Englisch ist übrigens gut lesbar und ohne großschweifige Konstruktionen oder Konzepte, so dass bei Interesse oder zum Lernen sich die Originalversion anbietet.



Interessante Welt, aber größtenteils vorhersehbar

Titel: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele (Original: The Hunger Games)

Autor: Suzanne Collins

Länge: 414 Seiten (Original: 374 Seiten)

Sprache: Deutsch, Englisch (Einfach bis Mittel)

Sonntag, 24. November 2013

Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte

Ein Mann zwischen zwei laublosen Bäumen; unter ihm in der Erde, verschlungen in den Wurzeln der Bäume, das Skelett eines Tyrannosaurus
Deprimierende Lebensumstände und Liebe

Joseph ist ein alter, jähzorniger Sozialhilfeempfänger, der in einer entsprechenden Lage wohnt. In einem Wutanfall tritt er seinem Hund die Rippen ein, woraufhin dieser stirbt. Wütend über sich und seine Taten türmt Joseph in den Secondhandladen von Hanna, einer gläubigen Christin.

In seinem Zorn macht er sie verbal nieder und führt ihr vor, wie Gutmenschen aus ihrer Schicht solche Wohltätigkeitsarbeiten nur als Egotrip machen, während sie keine Ahnung davon haben, wie es Menschen in prekären Lagen wie Joseph geht.

Was Joseph nicht weiß – Hanna ist zwar Christin, und sie betreibt den Laden sicherlich auch aus Nächstenliebe, aber auch um vor ihrem nach außen hin perfektem Mann zu fliehen.

Und so finden Hanna und Joseph zueinander, zwei gebrochene Menschen, die einander stützen.



Einer der bewegenderen und zugleich deprimierenden Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe ist Tyrannosaur nichtsdestotrotz ein sehr guter Film. Er lebt von den wenigen Charakteren, stellt die Lebenslagen und -gründe hervorragend dar und die schauspielerische Leistung ist sehr gut.

Zugleich ist die Handlung erschreckend real. Die Schrecken eines sozialen Brennpunktes kann es genauso hinter Fassaden versteckt in den verwöhnten Luxusvierteln geben, und Stärke ist durch mehr als sich selbst definiert.

Mit diesem Erstlingswerk ist Paddy Considine ein guter Einstieg ins Spielfilmgeschäft gelungen, auch wenn er Drehbuch und den Vorlagenkurzfilm selbst gedreht hatte.



Bedrückender Film, aber gut.

Titel: Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte

Regie: Paddy Considine

Länge: 91 Minuten



Beklemmendster Monolog seit langem war Hanna kurz vorm Epilog.

Montag, 7. Oktober 2013

Gravity

Wenn du alleine bist…



Gravity ist der neue Film von Alfonso Cuarón, der dem geneigten Kinogänger von Harry Potter und der Gefangene von Askaban oder Children of Men bekannt sein könnte. Aber in Gravity geht es nicht um zaubernde Schüler oder ein dystopisches England.

Es geht um Einsamkeit.

Es geht um Verzweiflung.

Es geht um Resilienz.

Es geht um Belastbarkeit.

Und es geht um den Weltraum.



Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) ist eine Ärztin und Missionspezialistin, die zusammen mit der regulären Space-Shuttle-Mannschaft unter der Leitung von Matt Kowalsky (George Cloney) am Hubble-Weltraumteleskop Erweiterungsarbeiten vornimmt. Matt, ein Weltraumveteran und Anwärter auf den Weltrekord an gesammelter EVA-Aktivität (Weltraumspaziergang), tauscht mit Houston Geschichten aus und hat ein Auge auf die Gesamtsituation, als Houston meldet, dass die Russen gerade einen ihrer eigenen Satelliten abgeschossen haben. Doch keine Sorge, der Orbit der Trümmerteile überschneidet sich nicht mit dem des Shuttles.

Bis sich herausstellt, dass die Trümmer andere Satelliten getroffen hat und es zu einem sogenannten Kesslersyndrom kommt, einem Schneeballeffekt bei dem Trümmer durch Kollisionen miteinander und anderen Satelliten immer mehr Trümmer erzeugen. Und diese bewegen sich jetzt auf das Shuttle zu.

Die Arbeit am Hubble wird abgebrochen, aber das Hetzen reicht nicht – das Shuttle wird getroffen und der Montagearm mit der noch daran befestigten Dr. Stone vom Shuttle geschleudert. In heftiger Rotation versetzt verfällt sie in Panik und wird erst durch Kowalskys ruhigen Worte und Anweisungen beruhigt und löst ihre Befestigung. immer noch taumelnd und ohne autonome Ausrüstung taumelt sie vom Arm weg und der Funkkontakt bricht ab.

Nach einiger Zeit hat Ryan ihre allgemeine Panik soweit unter Kontrolle, dass sie blind funkt, d.h. ihre Peilung angibt, ohne zu wissen, ob sie jemand empfängt. Glücklicherweise wird sie von Matt empfangen, der sie beruhigt, und mit seinem bewegungsautonomen Raumanzug abholt. Zusammen fliegen sie zurück zum Shuttle, um dort festzustellen, dass keiner überlebt hat.

Ihre einzige Hoffnung: Die ISS. Doch das wird mit dem verbleibenden Treibstoff knapp werden…



Man muss vor Cuarón wirklich den Hut ziehen: Die einzigen beiden gezeigten Rollen sind Weltraumveteran Matt und Neuling Ryan. Die restlichen Personen kommen bloß als Funkstimmen vor. Doch ist die nur eines der Mittel, die der Regisseur verwendet um die Trostlosigkeit des Weltraums darzustellen. Er nimmt kein cinematographisches Blatt vor den Mund, um die Lebensfeindlichkeit dort oben klar zu machen. Bereits die Eröffnung stellt unmissverständlich klar, dass jenseits der 100km Höhe es keine Luft, kein Leben und keine Rettung.

Die Darstellung des Weltraums, der Arbeit dort oben, ist unwiderlegbar wunderschön und in einem hohen Maße realistisch; Feuer brennt kugelförmig, Explosionen verpuffen und Töne werden ohne ein Medium für den Schall nicht übertragen. Die einzigen Geräusche sind die hervorragend passende musikalische Untermalung und das Atemgeräusch der Astronauten.

Normalerweise bin ich immer skeptisch bei der Verwendung von 3D in Realfilmen, da dies mit der Ausnahme von ein paar "Jetzt fliegt was knapp an der Kamera vorbei"-Szenen nicht heraus sticht, aber bei Gravity fiel mir das nicht auf. Viel mehr hielt die Spannung mich immer so fest, dass ich unwillkürlich Trümmerstücken mit dem Kopf zuckend auswich. Ich will damit sagen, die Einbindung ist sehr gut gelungen und lohnt den Aufpreis.



Ich zumindest weiß, dass ich ihn mir nochmal anschauen werde. Und vielleicht den Soundtrack holen.

Titel: Gravity

Regie: Alfonso Cuarón (Drehbuch zusammen mit seinem Sohn Jonás Cuarón)

Länge: 90 Minuten



Gerede:

Schaut man sich mal meine bisherige Auswahl an konsumierten Filmen und Büchern an, merkt man vermutlich, dass ich Science-Fiction- und Weltraum-Fan bin. Ich weiß wie schwer es ist Wissenschaft und Technik in einem realistischen Rahmen zu präsentieren, denn oft genug treffe ich auf Instanzen in denen ein legeres Winken als Erklärung ausreichen muss, in denen die Technik dem Drama und der Handlung geopfert wird.

Nicht so hier. Explosionen, die bis auf den ersten Feuerball verpuffen und keine Druckwellen haben. Stille(!) im Weltraum. Korrekt arbeitende Schubdüsen. Dennoch musste Cuarón natürlich Zugeständnisse machen für eine spannende Geschichte, wie zum Beispiel die an sich verschiedenen Umlaufbahnen der Trümmerwolke, Hubble und ISS oder die Schwierigkeit von Tränen in der Schwerelosigkeit sich von der Haut zu lösen. Aber solche Zugeständnisse sind bei Gravity vertretbar und minimal, im Gegenteil zu anderen, großzügigeren Vertretern (ich schaue auch auf dich, Prevolution).

Und ein interessanter sowie beängstigender Gedanke zum Abschluss: Das Kesslersyndrom ist nicht unrealistisch und bei bestimmten Umlaufbahnen vermutet man, dass es bereits im Gange ist, so dass auf diesen Höhen keine Satelliten mehr stationiert werden. Im Zusammenhang mit den bereits erfolgen Test von Antisatellitenwaffen der Chinesen und USA ist es nicht unrealistisch, dass der Weltraum durch orbitale Trümmerfelder immer schwieriger zu erschließen sein wird.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Der Himmel über Berlin

Engel… Engel… Engel… Mensch.

Es gibt Engel und sie lauschen unseren Gedanken, und machen sich ihrerseits Gedanken zu ihnen, suchen gute Taten und können gute und hoffnungsvolle Gedanken vermitteln.

Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel († Otto Sander) sind zwei solcher Engel, und im Verlauf des Films entwickelt Damiel ein so großes Interesse an den Menschen, an ihren Erfahrungen und Erlebnissen, dass er selber ein Mensch werden möchte. Ein Teil seines Interesses ist auf Marion gerichtet, eine Trapezkünstlerin, deren Gedankengänge Damiel anziehen.

Nach einer Unterhaltung mit Peter Falk, der Damiel weder hören noch sehen aber irgendwie dennoch spüren kann, entscheidet sich Damiel ein Mensch zu werden. Mit einer Ritterrüstung als Startkapital beginnt er durch Berlin zu wandern, bis er Marion wieder trifft bzw. kennen lernt.



Wim Wenders 1987er Film ist ein interessantes und künstlerisches Stück, das sich nicht gut beschreiben lässt. Die Engel durchwandern für die erste Hälfte Berlin und lauschen den diversen Gedanken der Menschen. Diese sind mitunter überaus lyrisch.

Da perspektivisch erzählt wird, grenzt Wenders die reingeistige Wahrnehmung der Engel von der physischen der Menschen durch Verwendung von Schwarz-Weiß bzw. Farbigkeit ab, was der gesamten Engelswelt ein tristes Dasein angleicht.

Die Handlung, Damiens Gespräch und Wandlung, kommen erst in der zweiten Hälfte wirklich zum Tragen. Zudem ist der Film umrahmt von dem Gedicht Lied Vom Kindsein, was einen weiteren surrealen Anklang verschafft.

Bekannt kann der Film jenen sein, die Stadt der Engel mit Meg Ryan und Nicolas Cage gesehen haben, der quasi eine Umsetzung des gleichen Themas ist.



Titel: Der Himmel über Berlin

Regie: Wim Wenders

Länge: 127 Minuten

Montag, 22. Juli 2013

Morphic

Womit Mensch-Pokémon-Hybride umgehen müssten…

Die Pokémon-Welt: Dave ist Genetiker und Chef bei Heywood Labs, mit Brian und einigen weiteren Angestellten. Aus einer Schnappsidee und zufälligerweise passendem Geniestreich heraus entscheiden sie sich dafür, Mensch-Pokémon-Hybride zu schaffen. Der Geniestreich entpuppt sich als wirklich folgenreich, denn es klappt – nach Bearbeitung und Kombination der genetischen Anlagen befinden sich die 8 Experimente im fötalen Stadium.

Da platzt die Bombe und die Öffentlichkeit erfährt von dem Hybridisierungsexperiment. Weder Dave noch sonstwer hatte geplant die Föten bis zur Reife zu bringen, es war mehr eine Konzeptstudie, dass so eine tiefgreifende genetische Manipulation möglich ist, aber eine Anti-Abtreibungs-Bewegung fordert die Reifung und anschließende Erzeihung der Hybriden durch die "Missetäter". Durch unglückliche PR-Entscheidungen bleibt Heywood Labs nichts anderes übrig, als sich dem öffentlichen Druck zu beugen und die Föten in künstlichen Gebärmuttern und Brutkammern auszutragen und anschließend aufzuziehen.

Die acht Hybride unterscheiden sich teilweise stark, insbesondere in den Pokémonteilen ihrer Erbanlagen: Vulpix-Mädchen (Fuchsig), Mauzi-Junge (Kätzisch), Sichlor-Mädchen (Messerpsychopath), Schwalbini-Junge (Vogel), Lampi-Junge (Angelfisch), Traunfugil-Mädchen (Geist), Roselia-Mädchen (Rose) und Schneckmag-Junge (Schneckenlava).

Aufgrund ihrer unterschiedlichen Biologie altern die Kinder auch unterschiedlich stark und zeigen verschieden starke Beeinflussungen ihrer Pokémonabstammung. Nach einem Zeitsprung von zehn Jahren wird das besonders klar: Obgleich alle chronologisch etwa gleich alt sind, sind sie körperlich – und teilweise auch geistig – stark unterschiedlich, von 8 bis zu 17 Jahren alt.

Hinzu kommt, wie normale Kinder mit diesen Kindern mit Pokémon-/Tierzügen umgehen werden, ganz zu schweigen von der Kirche der Heiligen Wahrhheit…



So ziemlich die erste Pokémon-Fanfic, die ich gelesen habe und dann gleich sehr gut! Wie eingangs beschrieben beschäftigt sie sich mit Pokémonhybriden, gewissermaßen ähnlich zu Animorphs (die habe ich aber nie gelesen), aber mit einem großen Fokus darauf, wie der Alltag von solchen Hybriden aussehen würde. Als Ergebnisse von Experimenten sind sie nicht gerade mit überragenden Fähigkeiten gesegnet, so hat der Anglerfischjunge beispielsweise grenzwertig Glasknochen und der Schneckmagjunge darf sich nicht aufregen, weil sonst seine Körpertemperatur ansteigen würde, was seine menschlichen Organe beschädigen oder abtöten könnte.

Aber prinzipiell hat es keines der Kinder leicht, weil sie alle ausgegrenzt werden und Anfeindungen von religiösen Fanatikern ausgesetzt sind.

Ich wünschte, der Autor hätte mehr Zeit für die Charakterisierung aufgebracht. Obwohl er viel Fokus in die Schaffung der Welt steckte, wird dieser Aspekt beispielsweise durch die spätere rasante Handlung teilweise hinten angestellt. Hinzu kommt die große Anzahl an Charakteren in einer relativ kurzen Geschichte: Die Kinder und ihre Adoptiveltern sind zusammen schon über 20 Personen.



Trotz allem sehr interessant. Besonders die Gespräche von Dave mit dem Sichlor-Mädchen sind sehr interessant.

Titel: Morphic (URL: http://www.fanfiction.net/s/3553005/1/

Autor: Dragonfree

Länge: 60k+ Wörter (380 Seiten)

Sprache: Englisch (Mittel)

Status: Abgeschlossen

Freitag, 10. Mai 2013

Not a Villain


Ich will doch nur wiedergutmachen…



Vor Jahren war das Ending, ein Ereignis, welches man pauschal als Weltuntergang bezeichnen kann. Menschen überlebten in Enklaven, Städten und in der Wildnis, aber es waren nicht viele. In den Städten gibt es Farmen, auf denen die meisten Überlebenden arbeiten, während alle anderen mehr oder weniger auf sich allein gestellt sind.

Eine der wenigen Ablenkungen, und für die Auswärtigen zugleich Verbindungsmöglichkeit zu dem Rest der Menschheit, ist L.i.F.e, eine immersive virtuellen Umgebung. Im Gegensatz zu Vorläufern wie Second Life kann der Nutzer alles sehen und teilweise spüren, während ein Großteil der Sinneseindrücke des realen Körpers unterdrückt wird.

Kleya ist eine relativ neue Auswärtige, die aber gewisse Begabungen für den Umgang mit Technik hat. Relativ unsozial hilft sie trotzdem ihrer virtuellen Ziehfamilie und Freundin Mina, ihre Gesangskarriere zu starten.

Allerdings ist Kleyas Interesse eher an The Game gelegen, dem einzigen erlaubten und sanktionierten Computerspiel. Kämpfe zwischen Teilnehmern werden durch Stimmen der Fans und Zuschauer beeinflusst und für Städter ist The Game die einzige Möglichkeit in L.i.F.e. Geld zu verdienen. Geld ist aber eine geringere Sorge von Kleya – sie will teilnehmen, um eine Heldin zu werden; ein guter Mensch. Denn in ihrer Vergangenheit war sie nicht unbedingt Gut, um nicht zu sagen richtig Böse.

Und darin liegt zugleich ihr Problem. Kleya möchte an The Game teilnehmen, und dafür muss bzw. wird man zwangsläufig bekannt. Zugleich versucht sie genau dies zu vermeiden, damit ihre alten Feinde ihr nicht auf die Schliche kommen…



Not a Villain ist einer dieser interessanten Webcomics, die eine hervorragende Handlung haben, bei denen aber die graphische Präsentation einigermaßen schlecht ist. Die Autorin Aneeka Richins ist sich dessen auch bewusst und gibt bereitwillig zu, dass dies einer der Minuspunkte ist, aber sie entwickelt sich grafisch weiter. Da wären zum Beispiel die drei Ebenen von Not a Villain zu erwähnen: Die aufwendig gezeichnete und relativ spät eingeführte Realität; das L.i.F.e., einfach mit minimalen Schatten; und The Game, detaillierter und mit aufwändigen Schatten. Die Realität wird erst spät gezeigt, nachdem Richins an ihrer Technik feilen konnte.

Die Prämisse von der Autorin auf den Punkt gebracht ist, was wäre wenn die meisten Menschen nur in einer virtuellen Realität miteinander interagieren könnten, und wie sähe eine Kreuzung aus MMO und Reality-TV aus.

Eine Schlussfolgerung daraus ist, dass Programmierer in einer massiv virtualitätsabhängigen Welt ungleich mehr Macht haben als sie es normalerweise tun, insbesondere wenn sie keine Probleme mit illegalen Methoden hat, wie z.B. Hacker (obwohl Cracker der passendere Begriff wäre).



Mal schauen, inwieweit Kleya wirklich kein Bösewicht ist…


Titel: Not a Villain (Übersetzung: [Ich bin] Kein Bösewicht; URL: navcomic.com)

Autor: Akeena Richins

Sprache: Englisch

Länge: 260+ Seiten, größtenteils farbig

Status: Laufend

PS: Es gab einen Kickstarter: http://kck.st/GS40wM

Donnerstag, 27. September 2012

Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt

Roadmovie mit unsichtbarem Weltuntergang

Dodge ist in den vierzigern, seit Jahren verheiratet und freut sich darauf, mit seiner Frau das Ende seiner Tage zu erleben. Zu schade, dass dieses Ende sehr nahe ist und sie wortwörtlich in den Wald läuft, als die einzige Chance auf Rettung fehlschlägt.

Der über 100km große Asteroid, der auf Kollisionskurs mit der Erde ist, konnte nicht zerstört oder abgelenkt werden, und bei einem Objekt dieser Größe kann man davon ausgehen, dass die ganze Welt untergeht. Der Krater würde pauschal überschlagen eine Hemisphäre umfassen und Feuerstürme würden die Erde umrunden. Kurz: nichts nennenswert Mehrzelliges überlebt.

Doch Dodge wurde verlassen. Trist geht er weiter seiner Arbeit nach, während um ihn herum Menschen Selbstmord begehen, alle Gesetze und Anstand fahren lassen oder randalierend durch die Straßen ziehen.

Als eines Abends vor seinem Fenster seine junge Nachbarin Penny heulend auf der Feuertrepe liegt, tröstet er sie und die beiden freunden sich an. Sie übernachtet bei ihm, nachdem sie sich von ihrem Freund getrennt hat und er seine Sachen aus der Wohnung räumt. Am nächsten Tag bringt Dodge Penny dann zu ihrer Wohnung, wo sie ihm prompt seine falsch eingeworfenen Briefe aushändigt.

Einer dieser Briefe war von seiner alten Jugendliebe Olivia, die ihm gesteht, dass er ihre einzig große Liebe war. Nach Frust, Trunk und Hundeadoption fliehen er und Penny vor dem randalierenden Mob in Richtung seiner alten Jugendliebe. Penny wiederum macht sich Vorwürfe darüber, dass sie ihre Familie in England nicht mehr wird besuchen können, da mittlerweile keine Flüge mehr gehen.

Bei dieser Reise stoßen sie auf verschiedene eigentümliche Menschen, wie einen bedenklich ausgerüsteten Trucker, eine orgiastische Bar und seltsam vorbereitete Survivalisten. Penny und Dodge kommen sich darüber näher und ... na ja, den Rest müsst ihr selbst sehen :D

Dodge ist, wenn man von seinem Hustensaftkonsum ausgeht, ein konzentriert unglücklicher Mensch, und sein Name bedeutet ironischerweise "Ausweichen", während Penny eine stets gut gelaunte Endzwanzigerin ist, mit stets optimistischem Ausblick.

Von der Prämisse würde der Film ja eine gewisse Nähe zu Melancholia aufkommen lassen, denn bei beiden Filmen spielen kurz bevorstehende Weltuntergänge (wann verwendet man dieses Wort schon Mal im Plural?) eine Hintergrundrolle, um den Zerfall der Gesellschaft zu begründen.

Auf der Suche (…) geht das Weltuntergangsszenario aber weniger pessimistisch als Melancholia an. So gibt es oft genug Szenen, in denen verschiedene Charaktere sich dafür entscheiden, das beste aus ihrer verbliebenen Zeit zu machen. Manche entscheiden sich für einen lebenslangen Surfurlaub, während an einem Strand eine Prozession von Heiratswilligen sich von einem Pater in der Brandung trauen lässt. Dem entgegen stehen die verstreuten Hinweise auf die negativen Aspekte des bevorstehenden Weltuntergangs – Leichen auf den Straßen, ziellos randalierende Massen, Auftragsmörder.

Alles in allem zeichnet der Film aber ein bittersüßes Ende der Welt, das durch Mitgefühl und Menschlichkeit ertragbar wird.

Titel: Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt (Seeking a Friend for the End of the World)

Regisseur: Lorene Scafaria

Länge: 101 Minuten

Samstag, 26. Mai 2012

Chronicle

Chhhrrruuuuush

Soso, unvermittelt hast du Superkräfte, aber wie verhältst du dich?

Andrew, dessen Cousin Matt und zukünftiger Schulsprecher Steve besuchen die gleiche Highschool in Seattle und sind recht unterschiedliche Arten Mensch.

Andrew ist das, was Ärsche Coole als "Opfer" bezeichnen, also leicht zu schikanieren, seltsam und wehrlos. Dass er sich erst vor kurzem eine Videokamera gekauft hat, stößt bei seinem trinkenden Vater auf aggressive Liebe,

Matt ist Andrews Cousin und scheinbarer Zwangskumpel – er passt auf ihn auf und fährt mit ihm zur Schule, lädt ihn auf Parties ein, damit Andrew sich mal unter die Leute mischt, aber so richtig befreundet sind sie nicht.

Steve ist der charismatischste der Drei, und hat mit ihnen an sich nicht viel zu tun. Sein Ziel ist in die Politik zu gehen, und man würde sich nicht wundern, wenn er es dort relativ weit bringen würde.

Doch wie finden diese ungleichen Typen, deren einzige Gemeinsamkeit ihre Schule ist, zueinander?

Nun, auf einer Feier, zu der Andrew von Matt geschleppt wurde und die auch Steve besucht, finden die letzteren beiden ein tiefes Loch im Boden. Eher unfreiwillig kommt Andrew bei der Erkundungstour der beiden mit, da sein steter Begleiter, die Kamera, einen Scheinwerfer hat. Tief in der Höhle finden sie eine Kritallstruktur, und die Kamera fängt an rumzuspinnen, während der Boden immer wieder rüttelt...

Und wie es kommen muss, alle drei fliehen Hals über Kopf aus der hinter ihnen zusammenstürzenden Höhle.

Schon bald stellen sie fest, irgend etwas stimmt nicht. Jeder von ihnen kann mittels Gedanken Dinge bewegen. Der eine mehr, der andere genauer, aber alle drei können es. Und scheinbar lässt sich diese Fähigkeit trainieren...

Also spielen sie ein bisschen damit rum, spielen Streiche, immer mit der treuen Kamera, die alles aufnimmt. Wir bekommen Einblick in die Welt von Andrew, die sich entwickelnde Freundschaft im Trio, Andrews trauriges Familienleben.

Als bei einem ihrer Streiche beinahe ein Mensch stirbt, sieht sich Matt gezwungen Regeln aufzustellen, die allein schon der gesunde Menschenverstand gebieten sollte. Hier offenbart sich langsam Andres Instabilität – jahrelange Misshandlung (nicht solche, soweit man sehen kann) durch seinen Vater, seine Mutter, scheinbar die einzige Person, die Andrew mit Liebe und Entgegenkommen behandelt, liegt im sterben, die stete Kamera als Wand zwischen sich und der Realität – denn er sieht zwar die Logik, will sich aber nichts mehr befehlen lassen.

Und so kommt es Stück für Stück wie es kommen muss. Zwar bekommt Andrew einen Hoffnungsschimmer, als er bei einem Talentwettbewerb der Schule durch seine Kräfte (und Steves mitwissende Moderation) groß absahnt, aber anschließend geht es steil bergab.

Steve, quasi das Gewissen des Trios, das Über-Ich, kommt in einem Sturm ums Leben, als er Andrew zur Rede stellen will, in Umständen die nicht klar sind. War es Andrew, das Id, die wilde Seite der Drei, oder bloß ein meteorologischer Zufall?

Als der Gesundheitszustand seiner Mutter schlimmer wird, sieht sich Andrew dazu gezwungen, seine Kräfte zur Geldbeschaffung (Ein Hussa! für private Gesundheitssysteme!) einzusetzen, und es wird nur schlimmer...

Chronicle, ich ignoriere den offiziellen Untertitel weil er zu verratend ist, ist ein guter Film, denn er erzählt vieles mit dem gleichen Strang. So ist es eine Geschichte über die Reifung, über das Erwachsenwerden von Andrew. Oder es ist die mitfühlende – glaubwürdige! – Herkunftsgeschichte eines klassischen Superschurken, noch um Ecken besser als es Unbreakable war. Die Konflikte und die Häme, denen ein Jugendlicher am Grund des schulsozialen Spektrums ausgesetzt ist und wohin es führen kann. Man denke an Essen oder Columbine und stelle sich das ganze mit Superkräften vor. So zeigt Chronicle keine Bosheit um der Bosheit willen, sondern einen Jugendlichen am Rand, und den Terror, den sein anschließender Absturz verursachen kann.

Stilistisch beschreitet der Film einen interessanten Pfad – eine der ersten Fertigkeiten, die Andrew perfektioniert, ist stets eine Kamera um sich schweben zu lassen, wenn er die Gelegenheit dazu hat. Wir sehen also (quasi) immer die Handlung durch Kameras: Andrews, Matts, die von Journalisten, Sicherheits-/Überwachungskameras, Helmkameras von Polizisten. Schlussendlich sogar die Handys von darminignoranten Touristen, die das Spektakel filmen anstatt sich aus dem Staub zu machen.

Teilweise wackelt dabei die Kamera, wenn sie von einem Menschen geführt wird, aber nur wenig, und durch die schwebenden Kameras im späteren Verlauf ist auch das hinfällig, so dass es einem wieder wie eine normale Kameraführung vorkommt.

Mir kamen beim Film und Verlauf der Handlung unfreiwillig zwei Parallel ins Hirn geschossen: Andrew ist Tetsuo aus Akira und Anakin aus Star Wars: Episode III. Sowohl vom Verhalten, als auch dem Hintergrund der Charaktere hat Andrew gewisse Ähnlichkeiten zu beiden.

Schlussendlich hat mir der Film gefallen. Wie das bei euch sein wird, weiß ich nicht, aber ich fand die Erzählung, den Handlungsaufbau und alles allgemein sehr ansprechend.

Titel: Chronicle – Wozu bist du fähig?

Regisseur: Josh Trank

Länge: 83 Minuten

Montag, 7. Mai 2012

Analogue: A Hate Story

Meine erste Visual Novel!

Und sie war gut!

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Doch worum geht es? Offensichtlich sind die Menschen in den Weltraum vorgedrungen und wir sind eine Art Detektiv oder Ermittler, denn unser Agent hat uns gerade einen Auftrag zugewiesen: Das verschollen gegangene, gesamtkoreanische Kolonieschiff Mugunghwa hat sich in einem Orbit um Antares B angefunden, und wir sollen herausfinden, wie es mit dem Schiff steht und was passiert ist. Zu dem Zweck können wir mir der künstlichen Intelligenz (KI) *Mute sprechen, aber sollen auf jeden Fall die Logbücher (Logs) herunterladen.

Über ein Texteingabefeld erlangen wir Zugriff auf das Schiff und können eine KI starten, *Hyun-ae. Von *Mute ist aber nichts zu sehen.


*Hyun-ae stellt sich als Verwaltungs-KI heraus, die völlig überrascht ist, Verbindung zur Außenwelt zu haben. Diese Verbindung ist aber gestört, so dass wir im wesentlichen bloß Ja/Nein-Fragen beantwortet können, was die Interaktionsmöglichkeiten doch eher eingrenzt.

Theoretisch können wir bereits jetzt über die Texteingabe die Logs herunterladen, doch dann würde uns das Mysterium der Mugunghwa entgehen, also unterhalten wir uns mit der *Hyun-ae. Sie zeigt uns einige Logs, worauf wir sie dann im Prinzip anstubsen können, und sie versucht dann zu erraten, weswegen wir ihre Aufmerksamkeit wollen. Zumeist ist der Grund und die Antwort selbsterklärend – wir wollen mehr Logs lesen, denn die Geschichten, welche in ihnen erzählt werden, sind spannend und werfen Licht auf das Schicksal des Kolonieschiffes.

Anscheinend starben vor über 600 Jahren alle Bewohner des Schiffs, denn die Lebenserhaltungssysteme sind offline, doch interessanter ist die mittel- und unmittelbare Zeit vor dieser Tragödie.

Durch irgend einen Grund, welcher sich nicht aus der Handlung erschließt, wurden über 300 Jahre vor dem Versagen der Lebenserhaltung alle Systeme und Aufzeichnungen auf Null gesetzt, bis auf die KI *Mute. Zudem kam es zu einem kolossalen Gesellschaftswandel, was die Vermutung nahe legt, dass zum gleichen Zeitpunkt große Teile der Bevölkerung starben oder sonstwie die Erinnerungen an das ursprüngliche System verloren gingen.

Das Kolonieschiff, dessen Zweck vergessen war, wurde nunmehr durch den Kapitän und Kaiser in einer Monarchie regiert, die stark patriarchalisch geprägt war – Frauen verließen selten ihre Häuser und waren ihren Männern streng untergeordnet. Sie wurden bereits früh (13-16 Jahre waren die Norm) verheiratet und mussten sich stets fügen. Nur wenige lernten lesen und schreiben, und von denen machten noch weniger Aufzeichnungen. Glücklicherweise gab es aber welche, denn ansonsten würden die Logs schnell langweilig werden.

Und mehr möchte ich vom Inhalt auch nicht wirklich ausbreiten, denn die Erforschung dieses Gesellschaftssystems stellt unter anderem einen Reiz des Spiels dar. Es wird dabei aus zwei Perspektiven beschrieben: *Hyun-aes, die noch Erinnerungen an die vorige Gesellschaft hat und von ihrem Vater in diesem Geiste der Selbstbestimmung erzogen wurde, und *Mutes, der Schiffs-KI, deren persönliche Speicherstände im wesentlichen mit der neuen Gesellschaftsform gefüllt sind.

So kann man verschiedene Logeinträge beiden KIs zeigen, und sie werden stark unterschiedlich darauf reagieren und entsprechend unterschiedliche Logeinträge freigeben. Während *Hyun-ae zum Beispiel angewidert vom Leitgedanken „Namjon yeobi‟ ist und es mit „Männer werden geehrt, Frauen werden erniedrigt‟ übersetzt, sieht *Mute keine Probleme mit der selbstverständlichen „Männlichen Überlegenheit‟, auch wenn sie *Hyun-aes Übersetzung als zu wörtlich abtut.

Das Spiel selbst gestaltet sich wie für das Genre üblich größtenteils in Textform, mit gelegentlichen Unterbrechungen durch die gezeichneten KIs. Die Musik ist unaufdringlich mit östlichen Einschlägen, bleibt einem aber auch nicht im Ohr haften.

Der Fokus liegt offensichtlich in der Handlung, und diese ist sehr fesselnd, insbesondere wenn man die historischen Parallelen betrachtet. Das Gesellschaftsmodell, in welches die Logs Einblick gewähren, basiert auf der Joseon-Dynastie, die Korea vom 14. bis zum 19. Jahrhundert ziemlich genau 500 Jahre beherrschte. Wenn man bedenkt, dass sie die Autorin Christine Love sich zwar künstlerische Freiheiten herausgenommen hat, die erniedrigte Position der Frauen in ihrer Version aber eher noch untertrieben hat im Verhältnis zur Vorlage, so wird einem Angst und Bange um damals.

Und so ist die Betrachtung und Erforschung der moralischen Implikationen eine der tragischen Triebkräfte der Handlung.

Nichtsdestotrotz hat sie eine wunderbare Geschichte erzählt, die je nach eigenen Entscheidungen im Spielverlauf verschiedene Enden nehmen kann. Für das „beste‟ Ende muss man aber etwas tricksen und das Spiel zuvor bereits mindestens einmal durchgespielt haben.

Titel: Analogue: A Hate Story

Entwickler: Christine Love

Genre: Visual Novel, Science-Fiction, Drama, Romantik

Sprache: Englisch (Mittel)

System: PC, Mac, Linux, Steam (PC, Mac)

Montag, 26. Dezember 2011

The Darth Side: Memoirs of a Monster

An und für sich lese ich kein Star Wars, weder offizielles noch fangeschaffenes, weil das Universum einfach zu umfassend ist um nicht darin zu ertrinken, aber als ich über Memoire of a Monster bin, war ich doch hellauf begeistert.

Aber worum geht es? Nun, das ganze ist ein (abgeschlossener) Blog, welcher die Tagebucheinträge von Darth Vader, rechte Hand des Imperators Palpatine wiedergibt. Es beginnt mit folgendem (gekürzten) Eintrag:
Moff Nur: You should try keeping a journal.
Darth Vader: A journal? Do you mean I should write a book?
Moff Nur: No, no. I mean like a diary.
Darth Vader: Like a teenage girl?
Moff Nur: Well, not entirely unlike a teenage girl, I suppose.
Solche direkten Dialogwiedergaben sind eher selten, meist beschreibt Vader "bloß" seinen Alltag und Frust mit der zunehmenden Verdummung seiner Untergebenen. Dabei folgt der zeitliche Verlauf der klassischen Trilogie. Sie zeigt, wie Vader versucht in Palpatine's Auftrag die Rebellen zu besiegen und wie er dabei das erste Mal seit Jahren auf eine Person aufmerksam wird, die mit der Macht gesegnet zu sein scheint.

Diese Person ist offensichtlich Luke, sein Sohn, aber das weiß Vader zu dem Zeitpunkt noch nicht. Er fühlt bloß, wie die Macht von dem Jungen ausströmt und die Geschicke und Schicksale der Welt um ihn herum berührt, dass es eine wahre Freude ist.

Dem entgegen stehen die lapidar erwähnten Folter- und Verhörmethoden, welche Vader Hinweise auf die Rebellen geben, die aus Missmut über Inkompetenz mit Gedankenkraft zerstörten Luftröhren und seine berühmte Nachahmung des toten Mace Windu. Man kann problemlos glauben, dass Vader ein Monster ist, aber eben auch ein Mensch.

Und ehrlich gesagt ist die Idee ungemein erfrischend! Witzigerweise wurde durch die neue Star-Wars-Trilogie erst die Möglichkeit für diesen Blog geliefert, denn in den drei chronologischen Vorgängerfilmen wird der Wandel des etwas naiven Jungen Anakin Skywalker zu dem klassischen Widersacher schlechthin erzählt. Und wie es der Archetyp verlangt, erhält Vader ja bekannterweise zum Schluss auch die Möglichkeit, Buße zu tun und Reue zu zeigen.

Was mich persönlich aber noch mehr fasziniert hat, war die Beschreibung der Macht. Wie sie in Wogen von Sternen ausgeht und doch erst auf Planeten so richtig in Fülle vorkommt. Wie ein Planet durch die Augen der Macht gesehen nur eine hohle Kugel ist, deren Oberfläche leuchtet und ein strahlendes Geflecht nach innen und außen streckt. Wie Ereignisse einen Schatten voraus werfen und an sich unbedeutende Personen mit einmal von leichten Verästelungen der Macht berührt werden, welche eine zukünftige Bedeutung bedeuten können, aber deren Wahrscheinlichkeit und Kausalität noch nicht bestimmt sind.

Das war es, was mich wirklich überrascht und gefreut hat.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass der Blog seit Jahren abgeschlossen ist (man also in einem Rutsch durchlesen kann) und die dort bereit gestellte PDF noch Bonusmaterial enthält.

Titel: The Darth Side: Memoirs of a Monster

Autor: Chester Burton ("Cheeseburger Brown")

Sprache: Englisch (einfach-mittel)

URL: http://darthside.blogspot.com/

PS: Bester Beweis wie gut Memoirs ist: ich habe eben aus Versehen noch einen Eintrag über Memoirs verfasst, fünf Monate später.