Niedliche Alltagsgeschichten vom Land
Meine Meinungen zu Filmen, Bücher, Comics und allgemein jedweder Medienveröffentlichung, die mir vor die Augen oder unter die Griffel kommt.
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Freitag, 6. März 2020
Non Non Biyori (& NNB Repeat)
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Donnerstag, 27. Februar 2020
BABYLON
Nur ein Wort zum Selbstmord
Es ist schwierig über diese Serie zu reden, ohne direkt Handlungspunkte zu verraten, denn ihre Thematik – induzierter Selbstmord – bedeutet, dass Charaktere sterben. Daher werde ich mich bloß auf Zen als Hauptcharakter konzentrieren.
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Mittwoch, 19. Februar 2020
Flüstern des Meeres – Ocean Waves
Ein merkwürdiger Ghibli
Flüstern des Meeres ist der für mich unerwartetste Ghibli, den ich bisher gesehen habe, vielleicht mit Ausnahme von Tränen der Erinnerung.
Freitag, 10. Januar 2020
Kaguya-sama: Love is War
Wer sich zuerst verliebt, verliert!
Was machen zwei hochbegabte und überstolze Oberschüler, die sich ineinander verguckt haben und die von ihrer Erziehung und Umgebung unter höchsten Ansprüchen stehen? Sie versuchen den jeweils anderen zu einem Liebesgeständnis zu verleiten, denn…
Liebe ist Krieg!
Das ist im wesentlichen der Aufhänger von Kaguya-sama: Love is War. Die namensgebende Kaguya Shinomiya ist Vizepräsidentin des Schülerrates der hochrenommierten Shuchi'in-Schule und Tochter aus hohem Hause. Bei den regelmäßigen Prüfungen schneidet sie immer ganz oben ab. Ihr Gegenstück ist Miyuki Shirogane, Präsident des Schülerrates, der bisher immer den ersten Rang bei den Prüfungen belegt hat, aber aus bescheideneren Verhältnissen stammt.
Für Shinomiya liegt das Problem nicht nur in ihrem Eingeständnis, dass sie Gefühle für ihren Präsidenten hegt, sondern auch darin, dass sie die Erwartungen ihrer Mitschüler an sie als Vize-Präsidentin und Erbin des Riesenkonzerns Shinomiya, erfüllen will und muss. Daher steht es ihr nicht frei, Shirogane ihre Gefühle zu gestehen, geschweige denn nach einem Date zu fragen. In einer ähnlichen Position, aber mit leicht anderen Zwängen, befindet sich Shirogane. Er hat zwar nicht die gesellschaftlichen Erwartungen zu erfüllen, da er aus ,normalem‘ Hause kommt, aber auf ihm lastet die Vorbildfunktion als Schülerratspräsidenten und der Leistungsdruck, in allem schulischen Bester zu sein (auch und insbesondere wenn er kein Talent für das Fach hat). Er kann und will Shinomiya nicht seine Gefühle gestehen, da dies für ihn einer Niederlage gleichkommen würde.
Und aus diesen Widersprüchen ergibt sich die Komik in Kaguga-sama. Die beiden sind Hals über Kopf ineinander verschossen, aber wie es in romantischen Komödien üblich ist, bringen sie die wichtigen Worte und Taten nicht über sich, weil dies eine Niederlage dem anderen gegenüber wäre. Beide sind durch ihre Umgebung so auf ein gegeneinander gebürstet, dass für sie Liebe ein Nullsummenspiel ist.
Damit das ganze kein Kammerstück ist, gibt es natürlich noch weitere Charaktere: die lebenslustige Chika Fujiwara mit Politikerblut und den nerdigen und latent depressiven Yu Ishigami mit fragwürdiger Vergangenheit. Es ist wahrscheinlich, dass in der vor kurzem angekündigten zweiten Staffel Miko Iino auch noch auftreten wird, aber da ich den Manga nicht gelesen habe, kann ich nichts zu ihr sagen.
Die zwölf Folgen spalten sich immer in drei relativ unabhängige Geschichten auf, an deren Ende durch den Erzähler immer entschieden wird, wer die aktuelle ,Schlacht‘ gewonnen hat. Die Geschichten erfüllen oftmals die typischen Erwartungen, die man an einer romantischen Komödie an einer Oberschule stellen kann: ein Schüler fragt um Rat in Sachen Liebe (weder Shirogane noch Shinomiya sind allzu bewandert in dem Thema und versuchen sich durchzumogeln ohne aufzufallen), bei Regen muss sich ein Schirm geteilt werden, das von zuhause mitgebrachte Mittagessen, Besuch von der ausländischen Partnerschule, etc.
Mir gefiel (und gefällt) die Prämisse nach wie vor, wie abhängig man sich von den Erwartungen Anderer macht, und wie sehr diese Erwartungen dem Erlangen von ein bisschen Glücklichkeit im Wege stehen können. Üblicherweise bin ich es von Romcoms gewohnt, dass die beiden Hauptcharaktere es nicht über die Lippen kriegen, weil es ihnen peinlich ist und sie Angst haben, von ihren Mitschülern etc. ausgelacht oder aufgezogen zu werden. Es ist nicht so, dass die Beiden bei Kaguya-sama nicht das gleiche Problem haben, sie haben das, aber es macht Spaß zuzuschauen, wie die Beiden im Prinzip versuchen sich gegenseitig zu verführen, ohne dass es offensichtlich ist, dass sie es versuchen.
Um als Beispiel die Folge mit dem Regenschirm heranzuziehen: Shirogane fährt üblicherweise mit dem Rad zur Schule, aber er wusste, dass es regnen würde, also nahm er die Bahn und einen Klappregenschirm. Als Shinomiya sagt, dass ihr Chauffeur sie den Tag nicht abholen kann, sieht Shirogane seine Chance: er weiß, dass Shinomiya keinen Schirm dabei hat. Doch er muss sie dazu bringen, ihn dazu zu bitten, mit ihm den Schirm zu teilen.
Allerdings hat Shinomiya natürlich einen Schirm mit, weil sie wusste, dass es regnen würde. Und sie vermutet, dass Shirogane das nicht weiß; genauso vermutet sie, dass Shirogane einen Schirm dabei hat, denn er kam ohne Rad (die Fahrradständer sind leer).
Und so folgt man den Argumenten und Gegenargumenten, welche die beiden sich wie in einem Detektivduell an den Kopf werfen, bis Fujiwara ihnen ihren Schirm in die Hand drückt und Shirogane und Shinomiya zusammen in den Regen hinaus schickt.
Also zumindest ich werde mit Vorfreude auf die zweite Staffel warten.
Titel: Kaguya-sama: Love Is War
Regie: Mamoru Hatakeyama
Autor der Vorlage: Aka Akasaka
Länge: 12 Folgen à 24 Minuten (auf Wakanim)
Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln
Dienstag, 17. Dezember 2019
Karakai Jozu no Takagi-san / Takagi, die Triezmeisterin
Was sich neckt, das liebt sich.
Es gibt ja diese Redewendung, „was sich neckt, das liebt sich“, die meiner Meinung nach darauf beruht, dass Kinder (insbesondere Jungs) ihr Bedürfnis nach Zuneigung vom anderen Geschlecht durch das Aufsichziehen von Aufmerksamkeit der betreffenden Person ausleben, weil sie selbst noch nicht wissen, welche Alternative sie hätten. Sie erlangen die Aufmerksamkeit, indem sie sie ärgern, triezen, oder aufziehen, denn für das Kind ist jede Anerkennung ihrer Existenz – auch eine negative Anerkennung – besser als gar nicht als Person wahrgenommen zu werden.
In dem Sinne ist es verständlich, dass die junge Takagi ihren Banknachbarn Nishikata triezt, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Da Frauen, insbesondere in dem latent bis explizit misogynistischen Japan, nach wie vor in einer passiven Erwartungshaltung gegenüber dem Mann stehen, kommt es Takagi zugute, dass Nishikata wiederum nur zu gerne zurückärgern würde, aber dabei Takagi heillos unterlegen ist. Daher gibt er ihr immer wieder Gelegenheiten, ihn zu triezen und zu veralbern.
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| Die anderen Drei, v.l.n.r.: Mina, Sanae, Yukari |
Der Fokus liegt offensichtlich darauf, wie Nishikata sich immer wieder einen Kopf macht, wie er denn Takagi dieses Mal drankriegen könnte, während sie wiederum so tut, als wüsste sie von nichts und ihn ins offene Messer laufen lässt. Gegenüber Nishikata sagt sie, sie mag einfach seine Gesichtsausdrücke, wenn er sich wiedermal aufregt, aber es ist mehr als klar, dass sie romantische Gefühle für Nishikata hegt (derer sie sich auch bewusst ist), während er langsam anfängt diese zu erwidern, auch wenn er nicht bereit ist, sich sie einzugestehen.
Die Serie fällt in die Slice-of-Life-Sparte, denn es gibt keine großen Widerstände oder Hindernisse, die es zu bewältigen gilt. Viel mehr liegt der Fokus auf die kleinen Alltagsgeschichten der Charaktere, wie zum Beispiel Nishikata vor Takagi nicht zugeben will, dass er Katzen mag und sie gerne streichelt, während Takagi gerade die Nachbarskatze streichelt, oder wie man lernt mit einer Person auf dem Gepäckträger Rad zu fahren.
Am meisten gegen den Strich ging mir das übertrieben niedliche Charakterdesign (siehe Bilder in diesem Beitrag), das sich doch wirklich sehr stark aufs Kindchenschema verlässt. Wenn man bedenkt, dass die Charaktere alle 12-14 sind (7.-8. Klasse), dann ist das doch etwas verstörend.
Übrigens ist dies eine Mangaumsetzung. Die Vorlage wurde von Sōichirō Yamamoto geschrieben und gezeichnet und hatte zwei Ableger, die sich mit der erwachsenen Takagi und ihrer Tochter sowie deren Klassenkameraden beschäftigen, bzw. die Erlebnisse des Mädchentrios erzählten. Davon habe ich aber nichts gelesen.
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| „Bist wohl stirnophob oder was.“ |
Titel: Karakai Jozu no Takagi-san
Regie: Hiroaki Akagi
Länge: 2 Staffeln á 12 Folgen mit je 4-6 Episödchen
Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln (auf Crunchyroll)
PS: Ich habe bloß die erste Staffel gesehen.
PPS: Die Serie erschien ein paar Tage nachdem ich sie geschaut hatte zusätzlich auf Netflix mit Synchronisation.
Sonntag, 1. Dezember 2019
One Room
Die genretreueste Umsetzung einer Visual/Kinetic Novel
Ich hatte ja schon Mal den Erklärbär zu Visual Novels gemacht, aber kurz zusammengefasst, ist das im Prinzip ein Buch, welches man „spielen“ kann, mit verschiedenen Zielsträngen und Enden. Dabei wird der Text durch statische Hintergründe und Vordergründe unterstützt, welche Räume und Umgebung des Textes bzw. die sprechenden oder relevanten Personen abbilden unterstützt. Es ist definitiv weniger Spiel als Buch, denn die Handlung ist streng vorgegeben und das Interaktionsvermögen oftmals auf Routen beschränkt, die der Protagonist abklappern kann. Wenn es gar keine Routen gibt und man im Prinzip bloß „umblättert“, dann ist das eine Kinetic Novel.
Fast genau so ist auch dieser Anime: es gibt stets bloß eine Person – die betreffende Eroberung – und der nominelle Protagonist, üblicherweise der Leser, hier der Zuschauer, tritt nie in Erscheinung und sagt kein Wort. Stattdessen reagieren die Mädchen so, als würde er sich am Gespräch in der ihnen optimalsten Art und Weise beteiligen.
In One Room gibt es fünf Routen:
- Yui, eine frisch zugezogene Nachbarin, die versucht die Aufnahmeprüfung für die (natürlich hochrenommierte) Tokioter Universität des „Haupt“-Charakters zu bestehen.
- Natsuki, die kleine Schwester des „Haupt“-Charakters, die ihn aus Sorge in Tokio besucht und im Haushalt aushilft
- Moka, Kindheitsfreundin des Protagonisten. Sie hatte einen kurzen Erfolg als Sängerin und Songschreiberin während er sich als Romanautor versucht.
- Minori, Enkelin eines Badehausbetreibers, das ohne männlichen Erben droht demnächst stillgelegt zu werden, während der Protagonist im selbigen angestellt ist.
- Mashiro, ehemalige Gymnastin auf Jobsuche, die den Protagonisten dabei ertappt, wie er sie heimlich fotografiert.
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| Minori, die Badehausenkelin |
Wie man sieht, sind die Routen (ich weigere mich, diese Figuren als Charaktere zu beschreiben, denn dies sind sie definitiv nicht) viele durch ein Mächteungleichgewicht geprägt oder anderweitig nicht gesund: Student zu Nachhilfelehrer, kleine Schwester zu großer Bruder, Angestellter zu Oberstufenschülerin, heimlicher Fotograf zu Subjekt. Einzig die Beziehung mit Moka sticht als gleichauf heraus.
Mit diesem Ungleichgewicht zieht es sich durch den Rest der Serie durch; die Routen werden in lasziven oder niedliche Posen gezeigt, während die Kamera als Ich-Perspektive des Protagonisten dessen Blick folgt und auf Hüfte und Brustbereich verharrt oder zoomt. Weiterhin ist die Verharmlosung der unerlaubten Fotografie von Frauen, insbesondere in Japan, einem Land mit ausgeprägter patriarchalischer und passiv misogynistischer Gesellschaft, mehr als bedenklich. Als Mashiro dann auch noch anfängt den Protagonisten ,Onii-san‘ (großer Bruder) zu nennen… Ja, die Serie hat ihre Probleme.
Dennoch hat One Room ihre Vorteile unter dem Aspekt des Einblicks in die Erwartungshaltung einer Untergruppe in die japanische Gesellschaft. Außerdem ermöglich sie es einem, viele der Standardideen von romantischen Visual und Kinetic Novels zu begegnen, ohne diese dafür spielen zu müssen.
Insbesondere ist dies anmerkenswert, denn die Serie besteht aus zwei Staffeln, deren Folgen jeweils 4 Minuten lang sind (einschließlich 30-sekündigem Opening bzw. Ending), so dass man, selbst wenn man die ganze Serie sieht (was ich nur beschränkt empfehlen kann), innerhalb von 100 Minuten durch ist.
Bedenkliche Serie.
Titel: One Room
Autor: Eiji Mano
Folgen: 25 à 4 Minuten (Crunchyroll, + 3 nicht verfügbare OVA)
Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln
Ich glaube ich werde mir aus morbider Faszination die Schwesterserie Room Mate anschauen, bei der die Protagonistin Verwalterin einer Jungs-WG ist.
PS: Verdammtes blogger.com hatte dreiviertel meines Posts gefressen weil es zu dumm zum automatischen Speichern war…
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| Mashiro, Gymnastin und Office Lady! |
Freitag, 15. November 2019
Erklärbär: Isekai
Isekai ist ein Genre, das in den letzten Jahren vornehmlich in Manga, Anime und Light Novels eine ungemeine Popularität genossen hat. Die normale Form zeichnet sich dadurch aus, dass der/die Hauptcharaktere von einer normalen Welt in eine andere, für ihre gewohnten Verhältnisse unnormale Welt transportiert werden und gar nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten in ihre Heimatwelt zurückgelangen können. Man könnte es auch als „Gefangen in einer anderen Welt“ zusammenfassen.
Es gibt mehrere Methoden, wie dieser Transport vonstatten gehen kann, die sich grob in zwei Kategorien unterteilen lassen.
Die sind wohlgemerkt nur grobe Kategorien, von denen es viele Abwandlungen geben kann.
Die fremde Welt, in der sich die Protagonisten nun wiederfinden, ist quasi nie gleich zu unserer, sondern zeichnet sich stattdessen durch ihre Unterschiede zur Heimatwelt aus. Häufig gibt es in der neuen Welt Magie, die sich oft ähnlich zu Rollenspielmagie verhält – man wirft Feuerbälle oder Eisblitze, hat eine beschränkte Anzahl an Zaubern pro Tag oder ist durch seine Magiekraft (Mana) beschränkt, es gibt Drachen, Orks, oder Äquivalente, etc. Im Zusammenhang mit dieser Konvention findet sich auch der Entwicklungsstand dieser Welt, der sich rollenspielgemäß an unserem Mittelalter orientiert.
Eine weitere Charakteristik der transportierten Personen ist ihre überdurchschnittliche Befähigung; die neu angekommen haben die Fähigkeit zu ungewöhnlich starken Zaubersprüchen oder Superkräfte, welche die Einheimischen alt aussehen lassen, oder sie haben unerwartete Talente oder Begabungen, die selten und wertgeschätzt sind.
Weiterhin ist in den meisten Fällen der Anstoß jenseits der simplen Erforschung dieser neuen Welt durch die Protagonisten durch eine offensichtliche Bedrohung gegeben, sei dies ein böser Tyrann, der die Welt unterjochen will, oder eine nur durch die Protagonisten abwendbare drohende Katastrophe. Die Protagonisten nehmen diese Rolle oftmals aufgrund ihres moralischen Verantwortungsgefühls ein – sie haben die Befähigung und Macht (oder mitunter die Pflicht, wenn sie von den Einheimischen heraufbeschworen wurden) und folgen als aufgeklärte Personen dem Leitsatz von Onkel Ben: „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“, und so machen die Progaonisten eine Heldenreise durch.
Dies sind natürlich nur Tendenzen und Konventionen innerhalb des Genres. Da Isekai in den 2010ern ungemeine Popularität genoss, gibt es viele Vertreter, die die Konventionen genau befolgen, dann aber auch welche, die die Erwartungen der erfahrenen Zuschauer und Leser untergraben oder in einem Durchbruch der vierten Wand direkt angesprochen.
Obgleich die Protagonisten oftmals ohne Zustimmung oder Wunsch in der fremden Welt landen, knüpfen sie Kontakte, schließen Freundschaften, gehen Beziehungen (und Liebschaften) ein und reifen als Menschen, so dass sie am Ende ihrer Reise, nachdem der finale Gegner besiegt oder die drohende Katastrophe abgewehrt ist, sich gegen eine Rückkehr in ihre Heimatwelt entscheiden, wenn denn dies jemals zur Debatte stand. Stattdessen geht das Abenteuer weiter, es wird eine Familie gegründet, etc.
Bei alledem sollte man nicht davon ausgehen, dass Isekai als Genre ein Kind des Internets ist. Wenn man das Alleinstellungsmerkmal nimmt – sich unerwartet in einer anderen Welt/Zeit wiederzufinden – dann wäre zum Beispiel Lewis Carrolls Alice im Wunderland ein erstklassiger Vertreter: Alice findet sich unerwartet in einer anderen Welt wieder, ihre Heimkehr gestaltet sich wie eine klassische Heldenreise, oder auch Mark Twains Ein Yankee am Hofe des König Artus sowie jede Umsetzung davon.
Von denen abgesehen will ich hier mal ein paar Vertreter nennen, die mir im Gedächtnis haften geblieben sind.
Es gibt mehrere Methoden, wie dieser Transport vonstatten gehen kann, die sich grob in zwei Kategorien unterteilen lassen.
- In der Ersten stirbt der Protagonist in seiner Heimatwelt und wird in einer anderen Welt wiedergeboren, oftmals in den Körper einer bereits vorhandenen Person, so dass die ganze Säuglings- und Kindheitsphase einer Reinkarnation umgangen wird.
- Die zweite Kategorie wäre der Weltenwandel ohne Tod, der betreffenden Charakter findet sich in einer anderen Welt mit seinem ,normalen‘ Körper wieder.
Die sind wohlgemerkt nur grobe Kategorien, von denen es viele Abwandlungen geben kann.
Die fremde Welt, in der sich die Protagonisten nun wiederfinden, ist quasi nie gleich zu unserer, sondern zeichnet sich stattdessen durch ihre Unterschiede zur Heimatwelt aus. Häufig gibt es in der neuen Welt Magie, die sich oft ähnlich zu Rollenspielmagie verhält – man wirft Feuerbälle oder Eisblitze, hat eine beschränkte Anzahl an Zaubern pro Tag oder ist durch seine Magiekraft (Mana) beschränkt, es gibt Drachen, Orks, oder Äquivalente, etc. Im Zusammenhang mit dieser Konvention findet sich auch der Entwicklungsstand dieser Welt, der sich rollenspielgemäß an unserem Mittelalter orientiert.
Eine weitere Charakteristik der transportierten Personen ist ihre überdurchschnittliche Befähigung; die neu angekommen haben die Fähigkeit zu ungewöhnlich starken Zaubersprüchen oder Superkräfte, welche die Einheimischen alt aussehen lassen, oder sie haben unerwartete Talente oder Begabungen, die selten und wertgeschätzt sind.
Weiterhin ist in den meisten Fällen der Anstoß jenseits der simplen Erforschung dieser neuen Welt durch die Protagonisten durch eine offensichtliche Bedrohung gegeben, sei dies ein böser Tyrann, der die Welt unterjochen will, oder eine nur durch die Protagonisten abwendbare drohende Katastrophe. Die Protagonisten nehmen diese Rolle oftmals aufgrund ihres moralischen Verantwortungsgefühls ein – sie haben die Befähigung und Macht (oder mitunter die Pflicht, wenn sie von den Einheimischen heraufbeschworen wurden) und folgen als aufgeklärte Personen dem Leitsatz von Onkel Ben: „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“, und so machen die Progaonisten eine Heldenreise durch.
Dies sind natürlich nur Tendenzen und Konventionen innerhalb des Genres. Da Isekai in den 2010ern ungemeine Popularität genoss, gibt es viele Vertreter, die die Konventionen genau befolgen, dann aber auch welche, die die Erwartungen der erfahrenen Zuschauer und Leser untergraben oder in einem Durchbruch der vierten Wand direkt angesprochen.
Obgleich die Protagonisten oftmals ohne Zustimmung oder Wunsch in der fremden Welt landen, knüpfen sie Kontakte, schließen Freundschaften, gehen Beziehungen (und Liebschaften) ein und reifen als Menschen, so dass sie am Ende ihrer Reise, nachdem der finale Gegner besiegt oder die drohende Katastrophe abgewehrt ist, sich gegen eine Rückkehr in ihre Heimatwelt entscheiden, wenn denn dies jemals zur Debatte stand. Stattdessen geht das Abenteuer weiter, es wird eine Familie gegründet, etc.
Bei alledem sollte man nicht davon ausgehen, dass Isekai als Genre ein Kind des Internets ist. Wenn man das Alleinstellungsmerkmal nimmt – sich unerwartet in einer anderen Welt/Zeit wiederzufinden – dann wäre zum Beispiel Lewis Carrolls Alice im Wunderland ein erstklassiger Vertreter: Alice findet sich unerwartet in einer anderen Welt wieder, ihre Heimkehr gestaltet sich wie eine klassische Heldenreise, oder auch Mark Twains Ein Yankee am Hofe des König Artus sowie jede Umsetzung davon.
Von denen abgesehen will ich hier mal ein paar Vertreter nennen, die mir im Gedächtnis haften geblieben sind.
- Sword Art Online: Spielerbasis eines VRMMO wird in diesem gefangen, und der Tod des Avatars bedeutet den Tod des Spielers. Hat Isekai als Genre einen ungemeinen Popularitätsschub gegeben.
- Die Chroniken von Narnia: Kinder wandern durch einen Schrank in eine fremde Welt und müssen diese retten. Nach Jahren kommen sie wieder zurück in ihre Kinderkörper.
- Digimon Adventure: Kinder werden in eine andere Welt gezogen, in der auf unserer Welt basierende Digitale Monster sind.
- Gate: In Japan öffnet sich ein Tor zu einer anderen Welt und die Anderswelter fallen ein; sie haben mittelalterliche Waffen und werden zurückgeschlagen. Das Tor bleibt bestehen.
- Re:Zero: Junge wird in eine andere Welt gezogen, und jedes Mal wenn er stirbt, beginnt er von einem Speicherpunkt. Nicht so spaßig, wie es sich anhört.
- The Wandering Inn: Protagonistin landet in einer ihr völlig unbekannten Welt und wird Gastwirtin.
- Now and Then, Here and There: Junge wird in eine dystopische, postapokalyptische Welt gezogen und muss dort überleben, bevor er sich um andere kümmern kann.
- TRON: Junge wird in Cyberspace gesogen.
- Rising of the Shield Hero: 4 junge Männer werden als Helden beschworen, der Protagonist wird direkt geschasst und geschnitten.
- Log Horizon: Spielerbasis eines VRMMO wird in eine dem Spiel sehr ähnliche, aber nicht gleiche Welt transportiert. Der plötzlichen Einstrom von übermächtigen Abenteurern destabilisiert die Heimatnation selbiger.
- In Another World With My Smartphone: Ein Negativbeispiel. Dem Protagonisten fliegt alles zu, Befähigung, Beziehungen, etc. Langweilig.
- Sliders: Eine Gruppe wandert von Parallelwelt zu Parallelwelt auf der Suche nach ihrer Heimatwelt. Die Meisten sind ähnlich unserer ohne Magie oder dergleichen.
- Weitere Beispiele aus meinem Blog: Isekai
Montag, 24. Juni 2019
Shigatsu wa Kimi no Uso – Sekunden in Moll
Somit wären alle relevanten Charaktere vorgestellt: Kaoru ist an Watari interessiert, Watari hat an Mädchen generell einen Narren gefressen, Kousei ist von Kaoru angetan (auch wenn er ziemlich lange braucht, das zu realisieren, ist es doch zwischen den Noten zu hören), und Tsubaki und Kousei kennen sich von Kindesbeinen an.
Der Anime beschäftigt sich zu großen Teilen mit Kouseis Überwindung seines Traumas, und der Wiedereinführung von Kousei in die Welt der klassischen Musik, fokussiert sich aber dabei auf die Interaktionen von und Gefühlswelt der Vierergruppe. Der Antrieb kommt im wesentlichen von Kaori, einer erstklassigen, aber mit einem sehr eigenwilligem Spiel gesegnete Violinistin. Sie ist es, die Kousei zu einem öffentlichen Auftritt nötigt als Klavierbegleitung zu einem Violinenkonzert, und ihre Beweggründe dafür werden erst in den letzten Folgen geklärt, aber es gibt sie.
Spontan hätte ich die Serie als Romanze eingestuft, aber je länger ich geschaut habe, desto klarer wurde mir, dass es ein Drama mit romantischen Untertönen ist; diverse Stilmittel werden verwendet, aber nur, um das Drama zu unterstreichen. Ein Melodrama? Vielleicht einen Shōnen-Romanze? Der Manga, der der Serie zugrunde liegt, wurde zumindest in einem Magazin veröffentlicht, deren Zielgruppe 10–15jährige Jungen sind. Wie dem auch sei, es gibt natürlich auch komödische Elemente, vor allem in der etwas rabiaten Behandlung von Kousei sowohl durch die sportliche Tsubaki, als auch die lebhafte Kaori.
Immer wieder überrascht war ich von Kouseis Blick, der im Verhältnis zu allen anderen Charakteren eine in sich ruhende Reife auszudrücken schien. Atypisch in meinen Erwarteungen für einen 14jährigen, aber ich weiß auch nicht… er gefiel mir einfach.
Die deutsche Synchronisation hat mir übrigens für die zwei Folgen, wo ich in sie reingehört habe, gut gefallen.
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| Die Hauptcharaktere v.l.n.r. Tsubaki, Kousei, Kaori, Watari |
Titel: Shigatsu wa Kimi no Uso – Sekunden in Moll (Englisch: Your Lie in April)
Regie: Kyōhei Ishiguro
Länge: 22 Folge je 23 Minuten
Sprache: Wahlweise Deutsch oder Japanisch mit deutschen Untertiteln
PS: Bezüglich des Titels, übersetzt wäre es im wesentlichen „Deine Aprillüge” oder „Es war April als du mich angelogen hast”.
Samstag, 18. Mai 2019
Rascal Does Not Dream of Bunny Girl Senpai
Das war mal eine interessante Serie.
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| Sakuta: Protagonist |
Sein Leben verläuft (meistens) in den gewohnten Bahnen, aber als er in einer Bibliothek eine Mitschülerin aus einem höheren Jahrgang in einem Playboyhäschenkostüm herumlaufen sieht und keiner darauf reagiert, ist ihm klar, dass es jetzt wieder etwas anders wird. Mai, die namensgebende „Bunny Girl Senpai” der Serie ist bereits seit frühen Jahren eine Schauspielerin, aber in letzter Zeit scheinen immer weniger Menschen auf ihre Anwesenheit zu reagieren, ja sie scheint für mehr und mehr unsichtbar zu werden.
Natürlich nimmt sich Sakuta sich ihrer und des Problems an.
In der Welt von Bunny Girl Senpai hat Sakuta ein vermeintliches Pubertätssyndrom ausgemacht, bei dem Jugendliche ihre psychologischen Probleme in die Welt manifestieren. Ein Cybermobbing-Opfer bekommt körperliche Wunden, welche ihre seelischen Malträtierungen widerspiegeln; zwei gegenseitig neidische Schwestern tauschen ihre Körper; eine von Selbstzweifeln und Komplexen zerfressene Person kann ihre Idiosynkratischen Wünsche nicht mit sich selbst vereinigen und spaltet sich in zwei Personen auf. Und Sakuta nimmt es immer wieder auf sich, diese Probleme zu lösen, denn er selbst trägt noch die Narben seines eigenen Pubertätssyndroms mit sich herum.
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| Mai: Bunny Girl Senpai und Syndromträger |
Sie ist nicht unbedingt nachahmenswert, aber auf jeden Fall eine Überlegung wert.
Relevant: Trotz des Titels gibt es bloß sehr wenige Szenen mit dem Bunny Girl, und obgleich Sakuta immer Mädchen hilft, ist dies kein Harem-Anime. Viel mehr ist es eine erfrischende Abweichung davon, wie Sakuta von vornherein klar macht, dass er nur für Mai Gefühle hat, und wie Mai im Gegenzug Sakuta Vertrauen entgegenbringt. Sie kennt seinen Retterkomplex und wenn sie ihn in einer seltsamen Situation mit einem anderen Mädchen vorfindet, wartet sie auf eine Erklärung anstatt ihn vorschnell zu verurteilen.
Gewissermaßen ähnliche Serien: Die Monogatari-Reihe (Bakemonogatari, Nisemonogatari, …), die schon fast im gleichen Universum spielen könnte, und Chūnibyō Demo Koi ga Shitai! (Love, Chunibyo & Other Delusions), wo solche besonderen Vorkommnisse definitiv Phantasiegespinste sind.
Löblich zu erwähnen ist noch das Opening, „Kimi no Sei” von The Peggies, das sich mir direkt ins Ohr gepflanzt hat.
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| Die anderen Pubertätssyndromträger |
Regie: Sōichi Masui
Länge: 13 Episoden à 24 Minuten
Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln (auf Wakanim)
Mittwoch, 10. Oktober 2018
Planet With
Füllerfreier Mecha-Sentai
Ich weiß ja nicht, ob ihr jemals sogenannte Sentai-Serien geschaut habt, aber denkt an Power Rangers und ihr habt den Nagel auf’m Kopf getroffen; eine Gruppe von Helden kämpft gegen Monster. Die Hintergründe variieren, aber das ist im wesentlichen es.
Ähnlich sind Mecha-Serien: riesige, von Menschen gesteuerte Kampfmaschinen kämpfen gegeneinander oder Monster.
Was Planet With davon abhebt ist die Mischung und Ausführung. Der Hauptcharakter ist Soya, und wie es sich gehört, erinnert er sich an nichts außer einem Traum, in dem ein Drache seine Heimat zerstört. Bloß existieren im modernen Japan keine Drachen. Bis darauf, dass man normalerweise auch nicht von einem menschengroßen Katze und einer Maid aufgezogen wird. Und was hat es mit diesen riesigen absurden Monstern auf sich, die von einer seltsamen Gruppe bekämpft werden?
Schnell wird klar, dass hier etwas nicht stimmt, insbesondere wenn die Katze Soya schluckt und die beiden sich zusammen in einen Mecha verwandeln um dem Kampf beizutreten. Allerdings nicht auf der Seite der Helden oder Monster, denn Soya hat ein eigenes Hühnchen zu rupfen.
Planet With wirft einen Teil der formularischen Mecha- und Sentai-Serien über Bord und konzentriert sich auf ausschließlich auf die roten Fäden. Wo es normalerweise jede Folge ein Monster der Woche gibt, die es zu besiegen gilt und während derer die Handlung und Charakterisierung gemächlich oder schleichend vorangetrieben werden, gibt es hier sowas nicht. Es kommt direkt zur Konfrontation zwischen den Parteien, jeder hat glaubwürdige und nachvollziehbare Positionen (wenn auch teilweise etwas extrem), und der größere Konflikt, für den die Erde bloß einen Schauplatz darstellt, wird schnell beleuchtet.
Es ist interessant sowas mal komprimiert zu sehen, der Inhalt mehrerer Staffeln oder Serien auf eine einzelne kurze Staffel eingedampft. Es ist immer noch genretypisch absurd, aber die Handlungsbögen, die normalerweise viele Folgen oder gar Staffeln spannen, sind hier innerhalb eines Dutzend Folgen abgearbeitet.
Alles in allem eine okaye Serie, die mir vermutlich aufgrund dieser kondensierten Charakteristik im Gedächtnis hängen bleiben wird.
Titel: Planet With
Regie: Youhei Suzuki
Länge: 12 Episoden zu je 24 Minuten
Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln (auf Crunchyroll)
Labels:
21. Jh,
Abgeschlossen,
Anime,
Außerirdische,
Deutsch,
Erweiterte Welt,
Japan,
Japanisch,
Mecha,
Sentai,
Serie
Samstag, 9. August 2014
Wie der Wind sich hebt
Der Wind frischt auf! Nun heißt es leben wagen!
Im frühen 20. Jahrhundert ist Jiro Horikoshi ist ein Träumer, dessen Faszination der Himmel ist. Er weiß, dass er aufgrund seiner Kurzsichtigkeit wohl nie Pilot werden wird, aber das verschließt ihm nicht den Bau an Flugzeugen. So richtet sich sein Ziel darauf, Flugzeugkonstrukteur zu werden.
Auf dem Weg zu diesem Ziel trifft er Freunde, die genauso fanatisch wie er in den Flugzeugbau streben, aber… bla. Ich kann keine kurze Zusammenfassung der Handlung geben jenseits davon, dass es um Jiro geht, der von 1920 an bis zum zweiten Weltkrieg hin Flugzeugingenieur wird. Dabei lässt er sich nicht von dem technischen Stand Japans zu der Zeit aufhalten, sondern lernt Flugzeuge zu bauen, immer besser und besser… bis sein Prototyp abstürzt. Enttäuscht verbringt er einige Zeit in einem Gasthof in den Bergen, wo er seine zukünftige Frau (wieder) trifft und Stück für Stück aus seiner Depression geholt wird.
Wie der Wind sich hebt ist eine sehr lockere Biografie von Jiro Horikoshi, die weniger sein Leben erzählt, als seine Eindrücke, seine Faszination. Von Kleinauf vom Fliegen begeistert und fasziniert steht es ihm nicht frei selbst zu fliegen, sondern die Flugmaschinen zu erschaffen. Er weiß, dass er dafür mit dem Teufel ins Bett steigen und für das Militär Flugzeuge bauen muss, aber das hält ihn nicht davon ab. Für ihn geht es nur ums Fliegen. Gerne würde er Flugzeuge bauen, die Menschen glücklich machen, aber die Politik gestattet ihm das nicht.
Zugleich erlebt er in seiner Jugend das große Kanto-Erdbeben von 1923 mit, dem halb Tokio in einem Feuersturm und über 100.000 Menschen zum Opfer fielen – ein Auftakt zu den Gräueln des Krieges, die da kommen sollten.
Beeindruckend ist, wie große Teile der Klangkulisse – Flugzeugmotoren, das Prasseln von Feuern – anscheinend von Mündern erzeugt wurden, was insbesondere in den Sturm- und Erdbebenszenen eine noch größere Bedrohlichkeit erzeugt. Zur Meisterleistung im optischen Bereich muss man nicht viel sagen, Miyazaki ist und bleibt nicht ein, sondern der Meister seines Fachs. Es ist schade, aber nachvollziehbar, dass er sich mit diesem Abschlusswerk zur Ruhe setzt.
Kommt definitiv in die Sammlung.
Titel: Wie der Wind sich hebt
Regie: Hayao Miyazaki
Länge: 126 Minuten
PS: Es lohnt sich, die untertitelte Version zu schauen, denn Jiro wird zum einen von Hideaki Anno gesprochen und zum anderen spielen Teile des Films in Deutschland, mit entsprechend deutscher Synchronisation von einigen Passagen.
Labels:
2. Weltkrieg,
20. Jh,
Anime,
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Deutschland,
Flugzeuge,
Japan,
Japanisch,
Vergangenheit,
Zeichentrick
Mittwoch, 4. Juni 2014
Godzilla
Zweischneidige Riesenechse
Nach eine Anzahl kleinerer Erdbeben bahnt sich im japanischen Janjira-KKW eine unerwartete und plötzliche Katastrophe an, der unter anderem die Frau und Mutter aus dem Brody-Haushalt zum Opfer fällt. Der Vater (Bryan Cranston, Heisenberg aus Breaking Bad) übersteht diese persönliche Tragödie weniger intakt als der Sohn und vertieft sich in einen Wahn, dass etwas bestimmtes, etwas großes die Kernschmelze verursacht hat.
Fünfzehn Jahre später ist der Sohn Ford (Aaron Johnson, Protagonist aus Kick-Ass) mittlerweile im Militär tätig, wo er eine Laufbahn als Kampfmittelräumer beschreitet. Er ist frisch aus einem Einsatz zurück und bei seiner Familie in San Francisco, als ihn die japanische Polizei anruft – sein Vater ist in Haft wegen Betreten des verstrahlten Sperrgebietes um Janjira.
Enttäuscht holt er seinen Vater ab, schafft es aber ihn davon zu überreden mit ihm zurück nach San Francisco zu ziehen, zu seinem Enkel und Schwiegertochter. Die Begründung einsehend, stimmt der Vater zu, unter einer Bedingung: sie gehen zusammen nach Janjira und schauen sich die Lage ein letztes Mal an, denn zur Zeit gibt es die gleichen seismologischen Aktivitäten wie vor der Kernschmelze.
In Janjira angekommen, stellen beide überrascht fest, dass keine Strahlung vorhanden ist, aber ein seltsamer Überbau über dem ehemaligen Kernkraftwerk, beleuchtet und bewacht von einem Aufgebot an Soldaten und Forschern. Prompt werden die beiden festgenommen, aber als die Position von Fords Vater bei der Kernschmelze vor 15 Jahre klar wird, werden sie eingeweiht:
Die Atombombentests von den USA im Pazifik waren keine Tests; es waren Versuche etwas unsagbar großes zu töten, etwas, dessen Rückenfinnen dutzende Meter aus dem Wasser ragten. Und vor kurzem hat man gleichermaßen große, versteinerte Skelette gefunden, an deren Rippen gleichermaßen alte, verpuppte Parasiten hingen, die stark strahlten. Zumindest hing einer; von dem anderen führte eine Spur zu einem gegrabenen Tunnel, und von dort ins Meer. Dieser Parasit hatte abermillionen Jahre überlebt und sich vor ein paar Jahren in dem Kernkraftwerk von Janjira eingenistet. Das Problem ist, der Parasit scheint aufzuwachen, und den seismischen Messungen zufolge nach etwas zu rufen; das größere Problem allerdings: etwas antwortet…
Natürlich kommt Godzilla vor, dumme Frage; allerdings kämpft er nicht gegen Mothra oder ähnliche bekannte Monster aus den Vorgängerfilmen, sondern gegen neue, sogenannte MUTOs. Die biologische Begründung ist einigermaßen hanebüchen – radioaktivitätsfressende Riesenmonster – aber man geht nicht in einen Godzillafilm, um eine Lehrstunde in Biologie zu erhalten.
Allerdings sollte man bei dieser Verfilmung auch nicht erwarten, die ganze Zeit Godzilla sich mit den MUTOs prügelt. Godzilla kommt vor, aber nicht in dem Maße, wie man vielleicht erwarten würde. Es ist eher so, dass Godzilla größer ist, und Menschen ihm gegenüber nur klein sind, im Hintergrund, und da der Film aus der Sicht von Ford Brody erzählt wird, sind quasi alle Szenen, in denen Menschen und Ford direkt mit Godzilla oder den MUTOs zu tun haben in einem Verhältnis gedreht, welche der Monumentalität und Gigantie dieser Kreaturen gerecht wird. Flugzeuge mit Dutzenden Metern Flügelspannweite verblassen gegenüber des unnatürlichen Ausmaßes.
Das ist zugleich Pro- wie Kontra-Argument des Films; Godzilla ist nicht der Hauptcharakter.
Grotesk hingegen finde ich die Proportionen des Hauptcharakters. Der Kopf ist zu klein für diesen Körper. Zu klein. Zu klein. Zu klein. Und er wird von Bryan Cranston an die Wand gespielt, der allerdings bloß für das erste Drittel des Films eine Rolle spielt.
Noch etwas zur besten Szene, die ich anschneiden kann, weil sie auch in einem der Trailer vorkam: Szenerie und Musik sind epochal. Ich hatte eine Gänsehaut. Ich kann nicht empfehlen sie jetzt zu schauen, weil sie einfach nach Leinwand schreit, aber… hier ist sie:
Zimelich gut, aber… schwach an schauspielerischer Front.
Titel: Godzilla
Regie: Gareth Edwards
Länge: 124 Minuten
Donnerstag, 24. April 2014
Ansatsu Kyoushitsu – Attentatsunterricht
Wir bringen unseren weltenzerstörenden Lehrer um!
Die Mondsichel war früher eine optische Erscheinung, jetzt ist sie Realität geworden – 70% des Mondes sind verschwunden, und keiner weiß warum.
So ganz stimmt das nicht, denn die Schüler der Klasse 3E aus der Kunugigaoka Mittelschule (gleichwertig zur 9. Klasse) haben einen euern Lehrer, der nicht von dieser Welt zu kommen scheint. Er ist gelb, hat Tentakeln, einen kugelrunden Kopf und ein dämliches Grinsen. Er ist für die großteilige Zerstörung des Mondes verantwortlich, kann sich mit grob 20-facher Schallgeschwindigkeit bewegen und will nichts lieber tun als seine Klasse zu unterrichten. Da weder Militär noch sonst irgend etwas ihm bisher etwas antun konnte, erlaubt er im Gegenzug den Schülern seine Klasse ihn auf jedwede (nicht den Unterricht störende Weise) mit speziellen Mitteln anzugreifen, die ihn verletzen könnten, wenn er denn getroffen werde würde. Haben sie damit innerhalb eines Jahres keinen Erfolg, wird er die Erde genauso zerstören, wie er es mit dem Mond getan hat.
Man kann nicht konkret von Hauptcharakteren sprechen, sondern vielmehr von Fokuscharakteren, da die über 20 Schüler verschiedentlich gut ausgearbeitet werden. Ein gewisser Fokus (ha!) wird dabei auf Nagisa gelegt, der schmächtig und androgyn ist. Meist ist er zusammen mit Kayano der Sprachrohrcharakter, der für den Leser die verschiedenen Einblicke in das Schulleben gibt oder erklärt.
Als Verbindungsstelle zum und für das Militär dient der fadenscheinig als Sportlehrer getarnte Karasuma, der unter anderem die verschiedenen Waffen und sonstigen Materialien zur Verfügung stellt, welche die Schüler für ihre Attentate benötigen.
Dem entgegen steht die ungemeine Gabe von Koro-sensei, so der Spitzname des Monsters, seinen Schülern selbst den schwierigsten Stoff verständlich, nachvollziehbar und anwendbar zu vermitteln, teilweise als Attentatsbeispiele und dergleichen. Er opfert sich für seine Schüler auf, wenn auch nicht mit seinem Leben. Teilweise muss er das aber auch, denn die Kunugigaoka-Schule und allen voran ihr Direktor bzw. Vorsitzender verfolgt eine rigorose Ausgrenzungspolitik gegen die 3E, die für alle anderen Schüler als Negativbeispiel hinhalten muss. Die A-, B-, C- und D-Klassen werden von der Furcht beherrscht in der E zu landen und behandeln daher die Ausschussschüler wie Abschaum.
Insgesamt hat mich der Manga mächtig an GTO (Great Teacher Onizuka) erinnert, mit schwachen Science-Fiction-Elementen und einer gehörigen Prise Spionage- bzw. Agentenkram.
Er hat mir ziemlich gut gefallen.
Titel: Ansatsu Kyoushitsu (übersetzt: Attentatsunterricht)
Autor: Yūsei Matsui
Länge: 7 Bände
Status: Laufend
Montag, 30. Dezember 2013
Saint Young Men
Jesus und Buddha in einer Kaschemme in Japan
Buddha und Jesus sind ziemlich gute Kumpels, beste sogar könnte man sagen, und eines Tages entscheiden sie sich dafür, einen Urlaub inkognito auf der Erde zu machen.
Doch bereits als sie sich ein Zimmer in dem kleinen Apartmentskomplex Matsuda Heights nehmen wollen, geraten sie an ein paar Schwierigkeit, denn die Vermieterin ist etwas… strenger. Und nicht gerade erpicht auf diese beiden offensichtlichen ausländischen und etwas seltsamen Gäste.
Viel zu sagen zu Saint Young Men kann ich gar nicht, denn die Handlung besteht immer aus mehr oder weniger kurzen, in sich geschlossenen Geschichten. Der Humor leitet sich direkt aus diesen und aus dem Charakter von Buddha und Jesus ab. Buddha muss beispielsweise aufpassen, dass er nichts zu tugendhaftes sagt, denn ansonsten tritt sein Heiligenschein vor und blendet alle. Im Gegenzug kommt es bei Jesus gelegentlich vor, dass er aus Versehen Wunder wirkt, wenn er lacht.
Der Stil ist etwas skizzenartiger gehalten, was bei einem Anime etwas seltsam wirkt, während die Farbgebung an Wasserfarben erinnert.
Mir hat er gut gefallen und ich würde gerne mehr als die zwei Folgen sehen.
Titel: Saint Young Men
Länge: 2 Folgen, insgesamt 40 Minuten
Sprache: Japanisch (Deutsch nur als Fansub)
Labels:
Adaption,
Anime,
Charaktergetrieben,
Deutsch,
Erweiterte Welt,
Gegenwart,
Humor,
Japan,
Japanisch,
Situationskomik,
Tag-für-Tag
Samstag, 28. Dezember 2013
Der Mohnblumenberg
Geschwisterliebe…
1963. Japan befindet sich mitten in seinem Wirtschaftswunder, der Koreakrieg liegt hinter in der Vergangenheit und die Olympiade in Tokio in der nahen Zukunft. Das Clubhaus der Konan-Mittelschule, obwohl strotzend vor Charmé, mangelt es ihm doch an baulicher Integrität und Sauberkeit, weswegen sein Abriss für einen Neubau droht.
Die vierzehnjährige Umi umsorgt ihre Familie, nachdem der Familienvater vor Jahren auf dem Meer umkam und ihre Mutter zur Zeit in den USA unterrichtet. Nichtsdestotrotz macht sie morgens und abends essen und ist den Tag über in der Schule.
Shun ist im Literaturclub und eine der Führungspersonen für die ganzen Clubs. Umi wird auf ihn aber erst aufmerksam, als er bei in einer Protestaktion vom Hausdach in den daneben liegenden Tümpel springt. Genauso wie die anderen Schüler in den diversen Clubs des Hauses hängt sein Herz an dem Clubhaus und an dem, was es repräsentiert.
Mit ihrer Hilfe um den Erhalt des Clubhauses entwickelt sich Stück für Stück zwischen Umi und Shun etwas, das mit Freundschaft beginnt und zu Zuneigung führt. Doch als Umi ihm ein Bild ihres Vaters zeigt, der Shun verblüffend ähnlich sieht, zieht sich Shun zurück. Was Umi unbegreiflich ist, ist für Shun nur logisch, denn er weiß, dass seine Eltern ihn zwar lieben, aber auch dass er bei ihnen abgegeben wurde…
Waren die letzten Filme vom japanischen Animationsstudio Ghibli mit fantastischen Elementen durchsetzt, so reiht sich Der Mohnblumenberg eher in die Tradition einiger voriger Werke (Stimme des Herzens, Tränen der Erinnerung). Die vertrauten Elemente von Magie fehlen und auch die epischen Hintergründe sind allein schon aufgrund des Handlungsortes, einer Küstenstadt in der Nähe Tokios, nicht ganz so episch wie man es kennt.
Die Handlung selbst ist nicht so kinderfreundlich, wie man dem typischen Vorurteil vor Trickfilmen vermuten lassen würde. Im wesentlichen folgt der Verlauf der Entwicklung um Umi und Shun und wie üblich verrate ich nicht wie es ausgeht.
Die Musik ist unaufdringlich, es gibt aber fünf oder sechs Gesangsphasen unterschiedlicher Länge, die dafür gut in die Handlung eingebunden sein – ein leises vor sich her singen beim Kochen, oder ein Chorlied um die Lehrer abzulenken.
Ich könnte mir vorstellen, dass der Film etwas für ein älteres Publikum ist, die auch in den vierzigern bis sechzigern aufgewachsen sind, aber ansonsten…
Mir hat er gut genug gefallen, aber es war kein Reißer.
Titel: Der Mohnblumenberg
Regie: Gorō Miyazaki
Länge: 92 Minuten
Labels:
2. Weltkrieg,
20. Jh,
Anime,
Deutsch,
Drama,
Fiktion,
Japan,
Japanisch,
Jugendliche,
Romantik,
Vergangenheit
Donnerstag, 12. Dezember 2013
Sakana
Ein Fischmarkt und sein drumherum
Jiro ist 22 Jahre alt und Kassierer in der Verkaufsbude seines Onkels auf demXXX Fischmarkt in Tokio, während sein Bruder Taro als …enthusiastischer Fisch-Schlachter im Hinterzimmer die Waren für den Verkauf vorbereitet.
Die Brüder wohnen zusammen mit dem hühnenhaften Taisei, der nicht nur Jiros bester Freund seit überhaupt ist, sondern zudem noch ein äußert talentierter Verkaufsmann (Salaryman). Dessen Tage bestehen üblicherweise aus Verkaufen, und abends trinken und feiern.
Der vierte, und vor allem unfreiwillige, im Bunde ist Yuudai, dessen positiven Gefühle sich ausschließlich auf seine Katze konzentrieren und der alles anderes inbrünstig verachtet. Er arbeitet zusammen mit Jiro und Taro in der Fischbude.
Jiro hat sich bereits seit zwei Jahren in die Kassiererin gegenüber verguckt, ist aber überaus schüchtern und kennt daher noch nicht mal ihren Namen. Als er auf sie auf Drängen seines Bruders anspricht, kann er nur nach Wechselgeld stammeln und bekommt dieses. Und mit der Quittung auch unausgesprochen ihre Telefonnummer…
Die Handlung von Sakana wäre schnell erzählt, denn es sind nicht großartige Erklärungen nötig. Es gibt keine Action, keine Raumschiffe oder Schießereien, und selbst die Romantik ist nicht der Kapitän dieses Webcomics. Nein, Sakana erzählt einfach nur Geschichten von Jiro und Taro, Taisei und Yuudai und noch einem Dutzend anderer Charaktere, die alle auf ihren eigenen Beinen stehen. Man hat an ihren alltäglichen Leben teil, und der Stil…
…Kurzgesagt – wunderbar.
Lang gesagt: XXX zeichnet immer monochrom, und fast immer in Schwarz-Weiß (erinnert mich an da Sam and Fuzzy). Charaktere und Hintergründe haben quasi keine Graustufen. Die Charaktere werden immer besser erkennbar und die bei manchen Zeichnern typische "Ein Gesicht, andere Frisur/Kleidung bedeutet anderer Charakter"-Eigenart ist hier nicht mal im Ansatz zu erkennen.
Die Hintergründe sind ausschweifend im Aufbau einer Szene und im Anschluss je nach Bedeutung für das Panel vorhanden und aufwendig gezeichnet oder erst gar nicht vorhanden.
Mir hat der Webcomic erschreckend gut gefallen und ich würde den gerne als Manga oder so lesen.
Titel: Sakana (URL: http://sakana.smackjeeves.com/)
Autor: Madeline Rupert
Länge: 10 Kapitel á 20-30 Strips
Sprache: Englisch, einfach bis mittel
Status: laufend / auf Eis
Labels:
21. Jh,
Charaktergetrieben,
Drama,
Englisch,
Gegenwart,
Japan,
Romantik,
Situationskomik,
Tag-für-Tag,
Webcomic
Dienstag, 26. November 2013
Planetes
Müllsammler im Weltraum
Hachimaki ist der Außenbordspezialist der Toybox, dem Raumschiff der Abteilung Debris (Weltraummüll), und sein Arbeitsplatz ist der nahe Weltraum im Erde-Mond-System. Zusammen mit seinem Kapitän Fee, Spezialist Yuri und den Kollegen auf der Raumstation ISPV-7 ist ihre Aufgabe die Reinigung des Weltraumorbits von Debris, sogenanntem Weltraummüll. Obgleich dies schon lange nötig war, rückte erst durch einen tragischen Unfall einige Jahre vor der Serie die Problematik in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und es wurden Maßnahmen getroffen.
Da die Weltraummüllsammlung und -entsorgung aber mit wenig bis keinem Profit verbunden ist, stattet Technora, die eigentliche Firma, die Abteilung nur mit dem nötigsten aus, weshalb sie auch abfällig den Namen "Sektion Halb" trägt.
Tachibana, zufälligerweise ebenso wie Hachimaki Japaner, stößt frisch zur Sektion Debris hinzu und ihr Idealismus und ihre Vorstellungen von Moral und richtigem wie falschem Verhalten kollidieren direkt mit denen von dem nur wenige Jahre älteren Hachimaki. Sein Traum, ein eigenes Raumschiff zu haben, scheint in immer weitere Ferne zu rücken, während Hachis bester Freund Cheng-Chin als Pilot auf der Karriereleiter immer weiter steigt und bald Passagierschiffe fliegen darf.
Zugleich gibt es einen im Hintergrund schwelenden, politischen Konflikt um die Erschließung des Weltraums. Die verschiedenen weltraumtüchtigen Nationen sind in einer internationalen Vereinigung, ähnlich den Vereinten Nationen, und schöpfen die Profite ab, während die Staaten und Völker, auf deren Rücken das Weltraumrennen ausgetragen wurde, leer ausgehen bzw. von den reichen Staaten mit Waffen für die diversen Konflikte beliefert werden.
Dem entgegen stellen sich verschiedene terroristische Organisationen, allen voran die Weltraumbefreiungsfront, die durch ihre Bombenanschläge Angst und Schrecken verbreitet. Die Weltraumnationen andererseits bauen gemeinsam ein Raumschiff zur Erkundung und wirtschaftlichen Erschließung des Jupiter.
Planetes, sowohl der Manga als auch Anime, bauen eine glaubwürdige Vision der nahen Zukunft auf, in der es nach wie vor Konflikte gibt, aber auch Hoffnung.
Hachimaki und Tanabe sind die beiden Hauptcharaktere, aber obgleich beide Japaner sind, ist die Welt, oder zumindest die Firma bzw. Organisation, internationaler. Man sieht stets Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen, seien es Europäer, Asiaten, Afrikaner oder Nord- bzw. Südamerikaner. Zugleich wird die Diskrepanz zwischen den technologisch hochgerüsteten Nationen, unabhängig vom Erdteil, und den Schwellen- und Entwicklungsländern thematisiert.
Dabei ist wissenschaftlich quasi nichts zu bemängeln und Anmerkungspunkte sind gegebenenfalls dem Medium geschuldet. Es ist nun Mal etabliert, dass bei Astronauten das Gesicht gezeigt wird, obgleich das im Weltraum den Astronaut blenden und verbrennen würde. Dieses Problem wird zum Beispiel von Makoto Yukimura durch Kameras in den Helmen angesprochen, die an sich permanent sichtgeschlossen und mit Tasten für eine Bedienung versehen sind.
Die Charaktere sind alle sehr gut als eigenständige Persönlichkeiten etabliert, auch jenseits der Sektion Debris. Beim Anime muss ich sagen, dass mir manche Stimmen in der deutschen Synchronisation gegen den Strich und zu… archetypisch gewählt klingen, Claire zum Beispiel wird nicht nur aufreibend dargestellt, sondern klingt auch dementsprechend.
Als Fazit kann ich nur sagen, dass sowohl der Manga als auch Anime definitiv konsumierenswert sind, denn es gibt viele Handlungsbögen, von denen seltsamerweise keiner irgendwie zu kurz kommt.
Titel: Planetes
Autor: Makoto Yukimura
Länge Manga: 5 Bände
Länge Anime: 26 Folgen zu je 24 Minuten
Mittwoch, 4. September 2013
To the Stars
Nicht-wirklich-Weltraumoper Fanfiction basierend auf Puella Magi Madoka Magica
Die fesselndste Welt, auf die ich seit längerem gestoßen bin, mit interessanter Handlung.
Titel: To the Stars (URL: http://www.fanfiction.net/s/7406866/1/To-the-Stars; Fanwiki; Tumblr)
Autor: Hieronym
Länge: 300k+ Wörter (ca. 1800+ Seiten)
Sprache: Englisch, Mittel
Status: Laufend, ca. monatliche Updates (bisher wurden 1 1/2 von 6 geplanten Bänden erreicht)
Vorab: Falls ihr Madoka noch nicht gesehen habt und noch vorhabt es euch anzuschauen, dann lest dieses Review und die Geschichte nicht, sie werden zwangsläufig SPOILER enthalten.
Falls ihr damit kein Problem habt, Puella Magi Madoka Magica kurz erklärt:
Eine geringe Anzahl an Mädchen, die sogenannten Potential haben, haben die Chance von sogenannten Inkubatoren aufgesucht zu werden, Außerirdischen mit der Fähigkeit einen Wunsch zu erfüllen, der der Entropie entgegenwirkt. Im Gegenzug werden sie Magical Girls (Magische Mädchen), erhalten spezielle magische Fähigkeiten, ein Kostüm und müssen fortan Hexen jagen. Zudem wird die Seele in einen Soul Gem (Seelenstein) transferiert und die Körper quasi von dort ferngesteuert. Magie 'verunreinigt' den Soul Gem, kann aber durch Grief Seeds (Leidenssaat) gereinigt werden. Grief Seeds werden von getöteten Hexen hinterlassen, grotesken realitätsverzerrende Gestalten.
Mami ist ein Magical Girl und wurde vom Inkubator Kyubey auf Madoka hingewiesen, ein Mädchen mit bisher ungehörtem Potential. Homura, selbst ein Magical Girl, will die Rekrutierung von Madoka verhindern. Mami will Madoka und deren besten Freundin Sayaka den Kampf gegen eine Hexe zeigen, der zweite geht aber schrecklich schief, Mami stirbt und Homura besiegt die Hexe. Sayaka wird ein Magical Girl. Kyouko, ein anderes Magical Girl taucht auf und bekämpft Sayaka, ehe sie sich anfreunden. Wegen einer unglücklichen Liebe verzweifelt Sayaka und ihr Grief Seed wird so stark verunreinigt, dass sie eine Hexe. (Hintergrund: Jede Hexe war ursprünglich ein Magical Girl.) Kyouko besiegt Sayakas Hexenform, stirbt aber dabei. Homura erzählt Madoka von Magical Girls und Hexen, von dem Hintergrund, der ihr teilweise verschwiegen wurde, von ihren früheren Freundschaften und Zeitlinien, denn: Madoka wurde schon früher ein Magical Girl, kämpfte zusammen mit Homura gegen die Monsterhexe Walpurgisnacht und starb. Homura drehte mit ihrer speziellen magischen Fähigkeit die Zeit zurück bis vor Madoka's Rekrutierung. Mehrmalige Wiederholung ähnlich schlimmer Szenarien, immer durch Zeit zurück drehen durch Homura abgewendet. Die gezeigte Linie ist die letzte, aktuelle Zeitlinie. Durch den Fokus von Homuras Zeitreisen, das Überleben von Madoka, ist Madokas Potenzial so riesig.
Madoka entscheidet sich für einen Wunsch, der das komplette Magical-Girl-System rückwirkenden in einem Maße umkrempelt, das Madoka dafür allgegenwärtig, d.h. eine Göttin, sein muss. Der Wunsch wird aufgrund ihres ungeheuren Potenzials, ermöglicht durch Vernichtung mehrerer Zeitlinien, gewährt.
Es gibt jetzt zwar noch Magical Girls, diese bekämpfen aber Dämonen, die Grief Cubes (Leidenswürfel) hinterlassen, mit denen der Soul Gem gereinigt werden kann. Verschmutzt er trotzdem zu stark, verschwinden die Magical Girls irgendwohin, statt zu Hexen zu werden. Homura hat andere magische Fähigkeiten und hört Madokas Flüstern.
Es gibt aber auch noch andere Veröfentlichungen zu Puella Magi, unter anderem Kinofilme und Manga wie Oriko Magika, deren Charaktere und Handlungen auch noch in To the Stars eingeflossen sind, soweit es ging.
Das 25. Jahrhundert. Die Welt war nach knapp eineinhalb Jahrhunderten stetig steigender Disparität in einen globalen Konflikt geraten, aus dem Governance als globale Regierung erstieg. Im Auftrag der Etablierung und Festigung werden verschiedene Schlüsseltechnologien entwickelt: Quasiunsterblichkeit, Überlichtantrieb, Freie Energie. Weitere Zweihundert Jahre später gibt es dutzende Kolonien in anderen Sonnensystemen, die (immer noch stark bevölkerte) Erde wird langsam von den Narben ihrer kriegerischen Vergangenheit geheilt und die Menschheit wird von einem bisher unbekannten Feind angegriffen. Die Kolonien werden überrannt, bis sich die Magical Girls für einen Bruch ihrer bisherigen Geheimhaltung entscheiden und mit ihrer Verteidigung den Feldzug der Cephalopds einstweilen stoppen.
Weitere zwanzig Jahre später Shizuki Ryouko ist eine Schülerin in Mitakihara. Ihre Familie ist nicht arm, hat aber einen gewissen Mangel an Zuweisungen zu beklagen. Im Gegensatz zu ihren Mitschülern hat sie nicht für eine Spezialisierung in einem bestimmten Interessengebiet entschieden, sie kann es gar nicht, weil sie ein unerklärliches Fernweh plagt. Wie jeder Mensch weiß sie von Magical Girls und Inkubatoren, wüsste aber keinen konkreten Wunsch. Und selbst wenn, hofft man auf Inkubatoren, kommen sie nicht, also hoffte sie gar nicht darauf.
Wie zu erwarten wird sie rekrutiert und ihr Wunsch ist etwas hoch-strebend: Orte zu sehen, die noch kein Mensch vor ihr gesehen hat, ihren Platz in der Welt zu finden.
Sie beginnt, einige Dinge zu erfahren, die ihr bisher noch nicht klar waren, wird auf ihre Rolle im Militär vorbereitet und lernt allgemein eine Menge Leute kennen und macht allerhand neue Erfahrungen, die ihr teilweise zu Eigenschaften über sich selbst offenbaren, derer sie sich nicht direkt bewusst war.
Homura hat in der aktuellen (und letzten) Zeitlinie andere Fähigkeiten und erhielt nach dem Tod/Verblassen von Sayaka in einer quasi-religiösen Vision von Madoka die Erinnerungen an ihre vorigen Zeitschleifen und somit an Madoka selbst zurück, was zu einem starken Persönlichkeitswandel führte. Fortan betrachtete sie vieles in einer Sicht die Madoka's Meinung beinhalten sollte, selbst wenn diese nicht anwesend sein konnte. Sie war sich über ihr von außen betrachtet leicht wahnsinnig erscheinendes Verhalten in Bezug auf eine nicht existierende Göttin bzw. Person klar, weswegen sie sich kaum dazu äußerte.
Trotzdem stieg zu einer Führungspersönlichkeit in der MSY (Verbund von Magical Girls) auf, bis sie im Zuge des Verteidigungsschlags vor 20 Jahren verschwand.
Mami ist unterdessen eine einflussreiche Persönlichkeit und als Verbindungsoffizier zwischen MSY und Militär in Führungsposition, während Kyouko nach Homuras Verschwinden eine mittlerweile einflussreiche Kirche basierend auf ihren Äußerungen über die Göttin gegründet hat.
Da ich meine Reviews ungern lange halte und bisher im Prinzip bloß über die Welt gesprochen habe, stoppe ich einfach mal ehe ich anfange über die Unmenge an Charakteren zu reden.
To the Stars ist im Prinzip eine Weltenschaffung. Mit Charakteren. Okay, ich stehe auf gut ausgebaute und plausibel geschaffene Welten, aber TtS ist einfach Güteklasse 1A was diesen Aspekt angeht. Autor Hieronym hat einen Zeitstrahl mit logischen und aufeinander aufbauen und nachvollziehbaren Entwicklungen verfasst und betrachtet, was ein halbwegs typisches Magical-Girl-Setting auf die Spitze getrieben bedeuten würde: Magisches Altern, die Notwendigkeit und Schwierigkeit von Anonymität, Geldsorgen, welche ein Grund für eine Allianz waren, die schließlich in der MSY mündete, eine weltumspannende Geheimorganisation. Die moralischen Implikationen, wenn nicht mehr alle Magical Girls Dämonen jagen müssen sondern auch Zeit für andere Dinge haben, wie zum Beispiel die graduelle Übernahme der Unterwelt um verwerfliche Verbrechen wie Zwangsprostitution entführter Mädchen zu unterbinden.
Obwohl es viele Charaktere gibt, ist ihre szenische Anzahl stets übersichtlich gehalten, soll heißen man hat nicht ein Dutzend verschiedene Leute die alle halbwegs durcheinander sprechen und man vergisst was der eine gesagt hatte, wenn er mal wieder dran ist. Durch die Länge von über 300k Wörter kommen aber zwangsläufig eine Menge Charaktere an sich vor.
Die Hauptcharaktere (ja, die) sind die frisch rekrutierte Ryouko und die beiden aus der Puella-Magi-Originalserie bekannten Mami und Kyouko. Obwohl es meiner Meinung nach nicht zwingend erforderlich ist, die Serie gesehen zu haben, hilft es doch ungemein. Und ehrlich gesagt ist man mit der Serie schneller durch als mit To the Stars.
Der Schreibstil ist nicht so reich an Charakterbeschreibungen wie man es vielleicht von anderen Autoren gewohnt ist, soll heißen es wird eine Person vielleicht bloß durch eine für sie heraus stechende Eigenschaft beschrieben, ohne auf ihre Kleidung oder sonstige äußere Merkmale einzugehen. Außerdem bemerkt man oft eine leicht wissenschaftliche und eloquente Unternote. Der Autor ist sich aber dessen bewusst und versucht dies auf die passenden Charaktere zu beschränken.
Die fesselndste Welt, auf die ich seit längerem gestoßen bin, mit interessanter Handlung.
Titel: To the Stars (URL: http://www.fanfiction.net/s/7406866/1/To-the-Stars; Fanwiki; Tumblr)
Autor: Hieronym
Länge: 300k+ Wörter (ca. 1800+ Seiten)
Sprache: Englisch, Mittel
Status: Laufend, ca. monatliche Updates (bisher wurden 1 1/2 von 6 geplanten Bänden erreicht)
Mittwoch, 28. August 2013
Lighting Up the Dark
Naruto in scharfsinnig
Lighting Up the Dark ist eine Fanfiction, eine von einem Fan geschrieben Neuinterpretation von einem etablierten fiktiven Universum, in diesem Fall von Naruto.
Naruto ist eine Manga- und Animereihe mit dem namensgebenden Charakter als Hauptfigur. Die Welt ist eine seltsame Mischung aus unseren Vorstellungen, was Ninjas und ihre Fähigkeiten anbelangte und der japanischen Vorstellungen von Feudalstaaten.
Naruto selbst ist naiv, tollpatschig und untalentiert, und unwissendes Siegelgefäß für den schrecklichen, zerstörerischen neunschwänzigen Fuchsdämon. Der Waise weiß nichts davon und seine Altersgenossen auch nicht, aber die Eltern und die soziale Ausgrenzung durch die Erwachsenen hat sich auch in den Kindern niedergeschlagen, die auf Anraten ihrer Eltern den Jungen meiden.
In Lighting Up the Dark ist das ganze etwas anders: Naruto ist immer noch ausgegrenzt, immer noch ein Siegelgefäß, aber nicht für den neunschwänzigen, sondern neunhirnigen Fuchsdämon. Während das Original geballte Macht ist, ist der Kyubey geballte, ruchlose Intelligenz.
Und wie im Original auch schlägt sich die Größenordnung in Naruto wieder – er ist beängstigend intelligent, aber nicht ruchlos. Ihm wurde auf der Schule schnell klar, dass Genies wie Sasuke cool sind, aber sozial isoliert. Also gab er seinem Spieltrieb Auslauf und fing an Streiche zu spielen und somit zumindest gewisse positive Beachtung zu bekommen.
Bis darauf dass diese Streiche mitunter dazu dienten, Narutos Repertoire an Tricks und Techniken zu probieren und zu erweitern. War er im Original ein Tollpatsch, der selbst die einfachsten Ninja-Techniken nicht hinbekommen hat, so hat er bei Lighting Up the Dark viele dieser einfachsten Schultechniken in Kombinationen und Anwendungen eingebaut, die alles andere als offensichtlich sind.
Und so folgt die Geschichte in zwangsläufig abweichendem Verlauf zum ursprünglichen Naruto. Der Junge ist sich zum Beispiel seines Siegelgefäßstatus bewusst, hatte es aus den ihm bekannten Wissen geschlussfolgert und durch Nachforschungen diese Schlussfolgerung verfestigt. Der Neunhirnige ist intelligent in einem Maße, dass es beängstigend ist – beim Angriff auf das Ninjadorf in der Vorgeschichte hatte Konohagakure dem Erdboden gleich gemacht und wurde nach der Versiegelung im Krater (!) wiederaufgebaut.
Naruto ist dabei zum Glück nicht übermächtig und sozial alles andere als bewandert, so dass er nach wie vor Fehler macht und sympathisch bleibt. Die ersten paar Bände von Naruto gelesen oder paar Folgen geschaut zu haben hilft aber, vor allem in der Etablierung der anderen Charaktere und ihrem Verhältnis zu Naruto.
Die Inspiration kam dem Autor übrigens durch Harry Potter and the Methods of Rationality, die ich später auch mal reviewen werde. Im Gegensatz zu dem dortigen Harry hat der hiesige Naruto aber keinerlei Zugriff auf Werke von Bedeutung für rationales und logisches Denken.
Witzig geschriebene Geschichte
Titel: Lighting Up the Dark (URL: http://www.fanfiction.net/s/9311012/1/)
Autor: Velorien
Länge: 60k+ Wörter (ca. 350 Seiten)
Sprache: Englisch (Mittel)
Status: Laufend
Lighting Up the Dark ist eine Fanfiction, eine von einem Fan geschrieben Neuinterpretation von einem etablierten fiktiven Universum, in diesem Fall von Naruto.
Naruto ist eine Manga- und Animereihe mit dem namensgebenden Charakter als Hauptfigur. Die Welt ist eine seltsame Mischung aus unseren Vorstellungen, was Ninjas und ihre Fähigkeiten anbelangte und der japanischen Vorstellungen von Feudalstaaten.
Naruto selbst ist naiv, tollpatschig und untalentiert, und unwissendes Siegelgefäß für den schrecklichen, zerstörerischen neunschwänzigen Fuchsdämon. Der Waise weiß nichts davon und seine Altersgenossen auch nicht, aber die Eltern und die soziale Ausgrenzung durch die Erwachsenen hat sich auch in den Kindern niedergeschlagen, die auf Anraten ihrer Eltern den Jungen meiden.
In Lighting Up the Dark ist das ganze etwas anders: Naruto ist immer noch ausgegrenzt, immer noch ein Siegelgefäß, aber nicht für den neunschwänzigen, sondern neunhirnigen Fuchsdämon. Während das Original geballte Macht ist, ist der Kyubey geballte, ruchlose Intelligenz.
Und wie im Original auch schlägt sich die Größenordnung in Naruto wieder – er ist beängstigend intelligent, aber nicht ruchlos. Ihm wurde auf der Schule schnell klar, dass Genies wie Sasuke cool sind, aber sozial isoliert. Also gab er seinem Spieltrieb Auslauf und fing an Streiche zu spielen und somit zumindest gewisse positive Beachtung zu bekommen.
Bis darauf dass diese Streiche mitunter dazu dienten, Narutos Repertoire an Tricks und Techniken zu probieren und zu erweitern. War er im Original ein Tollpatsch, der selbst die einfachsten Ninja-Techniken nicht hinbekommen hat, so hat er bei Lighting Up the Dark viele dieser einfachsten Schultechniken in Kombinationen und Anwendungen eingebaut, die alles andere als offensichtlich sind.
Und so folgt die Geschichte in zwangsläufig abweichendem Verlauf zum ursprünglichen Naruto. Der Junge ist sich zum Beispiel seines Siegelgefäßstatus bewusst, hatte es aus den ihm bekannten Wissen geschlussfolgert und durch Nachforschungen diese Schlussfolgerung verfestigt. Der Neunhirnige ist intelligent in einem Maße, dass es beängstigend ist – beim Angriff auf das Ninjadorf in der Vorgeschichte hatte Konohagakure dem Erdboden gleich gemacht und wurde nach der Versiegelung im Krater (!) wiederaufgebaut.
Naruto ist dabei zum Glück nicht übermächtig und sozial alles andere als bewandert, so dass er nach wie vor Fehler macht und sympathisch bleibt. Die ersten paar Bände von Naruto gelesen oder paar Folgen geschaut zu haben hilft aber, vor allem in der Etablierung der anderen Charaktere und ihrem Verhältnis zu Naruto.
Die Inspiration kam dem Autor übrigens durch Harry Potter and the Methods of Rationality, die ich später auch mal reviewen werde. Im Gegensatz zu dem dortigen Harry hat der hiesige Naruto aber keinerlei Zugriff auf Werke von Bedeutung für rationales und logisches Denken.
Witzig geschriebene Geschichte
Titel: Lighting Up the Dark (URL: http://www.fanfiction.net/s/9311012/1/)
Autor: Velorien
Länge: 60k+ Wörter (ca. 350 Seiten)
Sprache: Englisch (Mittel)
Status: Laufend
Labels:
Anime,
Bösewichte,
Charaktergetrieben,
Fanfic,
Fantasy,
Fiktion,
Gegenwart,
Helden,
Humor,
Japan,
Magie,
Manga,
Monster,
Rationalität,
Situationskomik,
Vergangenheit
Mittwoch, 19. Juni 2013
Memories of Emanon
Auf mehrstündigen Fährüberfahrt begegnet unserer namenlose Protagonist einer jungen Frau und kommt ein bisschen mit ihr ins Gespräch. Als sie eine Ausrede braucht, um nicht mit ein paar senilen Mitreisenden einen Trinken zu müssen, nutzt sie ihn zur Ausrede und bittet ihren Schatz mit ihr an die frische Luft zu gehen.
Ein bisschen perplex stimmt er zu und wandert mit ihr übers Schiff. Sie stellt sich als Emanon vor und gibt offen zu, dass das bloß ein Pseudonym ist. Im Bordrestaurant unterhalten sie sich und sie erzählt ihm eine Geschichte, über die er als Science-Fiction-Leser selbst entscheiden müsse, ob er sie glaubt oder nicht.
Denn Emanon ist wohl an die drei Milliarden Jahre alt…
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Viel mehr zu sagen wäre zu spoilernd, oder würde dem Impakt der Geschichte die Bedeutung nehmen. Ursprünglich ist Emanon nämlich ein japanischer Roman von Shinji Kajio, der von Kenji Tsuruta als Manga umgesetzt wurde. Wem dieser Name nichts sagt, er hat unter anderem Spirit of Wonder gemacht, eine dreibändige Sammlung lose zusammenhängender Science-Fiction-Geschichten.
Und ähnlich zu diesen ist auch Emanon eine eher träumerische Geschichte. Der Charakter, aus dessen Perspektive wir die Handlung sehen, ist namenlos, die Handlung ist leicht melancholisch und auf der Härteskala definitv auf der weichen Seite von Scifi.
Die Zeichnung sind wie für Tsuruta üblich detailliert in einem Grad, der ans obsessive grenzt, oft mit dialogfreien Intervallen, die einfach zum Beschreiben und Einfangen der Atmosphäre dienen.
Interessanterweise gibt Kajio unumwunden zu, dass der Charakter Emanon nach seiner Traumfrau gestaltet wurde – mysteriös, Jeans, lange Haare, Sommersprossen und Zigarette.
Mir hat Emanon sehr gut gefallen, aber ich mag solche Geschichten auch.
Titel: Omoide Emanon (übersetzt: Memories of Emanon / Erinnerungen von/an Emanon)
Autor: Shinji Kajio
Zeichner: Kenji Tsuruta
Länge: 2 Bände, Schwarz-Weiß, wenige Farbseiten
Sprache: Japanisch, Englisch in Fanübersetzungen
Status: abgeschlossen
Labels:
20. Jh,
Abgeschlossen,
Adaption,
Englisch,
Erweiterte Welt,
Japan,
Japanisch,
Manga,
Melancholie,
Science Fiction,
Vergangenheit
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