Engel… Engel… Engel… Mensch.
Es gibt Engel und sie lauschen unseren Gedanken, und machen sich ihrerseits Gedanken zu ihnen, suchen gute Taten und können gute und hoffnungsvolle Gedanken vermitteln.
Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel († Otto Sander) sind zwei solcher Engel, und im Verlauf des Films entwickelt Damiel ein so großes Interesse an den Menschen, an ihren Erfahrungen und Erlebnissen, dass er selber ein Mensch werden möchte. Ein Teil seines Interesses ist auf Marion gerichtet, eine Trapezkünstlerin, deren Gedankengänge Damiel anziehen.
Nach einer Unterhaltung mit Peter Falk, der Damiel weder hören noch sehen aber irgendwie dennoch spüren kann, entscheidet sich Damiel ein Mensch zu werden. Mit einer Ritterrüstung als Startkapital beginnt er durch Berlin zu wandern, bis er Marion wieder trifft bzw. kennen lernt.
Wim Wenders 1987er Film ist ein interessantes und künstlerisches Stück, das sich nicht gut beschreiben lässt. Die Engel durchwandern für die erste Hälfte Berlin und lauschen den diversen Gedanken der Menschen. Diese sind mitunter überaus lyrisch.
Da perspektivisch erzählt wird, grenzt Wenders die reingeistige Wahrnehmung der Engel von der physischen der Menschen durch Verwendung von Schwarz-Weiß bzw. Farbigkeit ab, was der gesamten Engelswelt ein tristes Dasein angleicht.
Die Handlung, Damiens Gespräch und Wandlung, kommen erst in der zweiten Hälfte wirklich zum Tragen. Zudem ist der Film umrahmt von dem Gedicht Lied Vom Kindsein, was einen weiteren surrealen Anklang verschafft.
Bekannt kann der Film jenen sein, die Stadt der Engel mit Meg Ryan und Nicolas Cage gesehen haben, der quasi eine Umsetzung des gleichen Themas ist.
Titel: Der Himmel über Berlin
Regie: Wim Wenders
Länge: 127 Minuten
Meine Meinungen zu Filmen, Bücher, Comics und allgemein jedweder Medienveröffentlichung, die mir vor die Augen oder unter die Griffel kommt.
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Sonntag, 6. Oktober 2013
Der Himmel über Berlin
Labels:
20. Jh,
Deutsch,
Erweiterte Welt,
Fiktion,
Film,
Französisch,
Gegenwart,
Kunst,
Melancholie,
Religion,
Romantik,
Schwarz-Weiß,
Selbstmord,
Tragik,
Vorlage
Sonntag, 14. Juli 2013
Gambit – Der Masterplan
Harry Dean ist Kurator der privaten Kunstsammlung von Lionel Shahbandar, Millionär, Schikanechef und Exzentriker. Oder war es. Wird es gewesen sein, denn Shabandar plant ihn zu kündigen. Da ist es nur gut (und gerecht), dass Dean einen Plan hat sich an seinem Chef zu rächen und zugleich etwas Geld zu bekommen.
Der Plan: Ein bestimmtes, verschollen gegangenes Gemälde zu fälschen und als Kurator die Echtheit gegenüber Shahbandar auszugeben.
Die Komplizen: Der Major, bereits seit langem mit Dean unter einer Decke, und P.J., texanisches Cowgirl, mit dem nötigen verwandtschaftlichen Hintergrund das Gemälde plausibel und unwissend in ihrem Besitz zu haben.
Das Problem: Kein Plan übersteht den Kontakt mit der Realität…
Gambit von den Coen-Brüdern ist eine Neuverfilmung von Das Mädchen aus der Cherry-Bar von 1966, aber das ist nicht so wichtig.
Vielmehr ist der Film eine witzige Kriminalkomödie, die in ihrer Art an sogenannte Heist-/Caper-Filme erinnert wie die Oceans 11/12/13, zum Beispiel. Es gibt den Plan, der zuerst in wunderschöner Darstellung gezeigt wird, alles geht glatt. Und dann kommt die Realität, und alles geht schief.
Seien es nun die Banalitäten wie Shahbandars nudistische Einstellung, oder Deans unerwartete Kündigung, nur wenig geschieht so, wie es geplant war. Dennoch schaffen es die Coen-Brüder das zu erwartende Ende durch teilweise unerwartete Wendungen zu erreichen. Dabei kommt der Witz auch nicht zu kurz, der recht stark von Deans Würde getragen und ermöglicht wird.
Eine Zeitlang überlegte ich, ob Deans Nachfolger von Christoph Waltz gesprochen/gespielt wurde, aber leider nicht, nein. Dafür ist Alan Rickman als Lionel Shahbandar herrlich. Ich könnte dem Mann zuschauen, wie er sich Tee macht und würde kichern vor Freude…
Eine Zeitlang überlegte ich, ob Deans Nachfolger von Christoph Waltz gesprochen/gespielt wurde, aber leider nicht, nein. Dafür ist Alan Rickman als Lionel Shahbandar herrlich. Ich könnte dem Mann zuschauen, wie er sich Tee macht und würde kichern vor Freude…
Mir hat Gambit gut gefallen, schön witzig ohne zu protzen.
Titel: Gambit – Der Masterplan
Regie: Joel & Ethan Coen
Länge: 89 Minuten
Montag, 3. Juni 2013
Ava's Demon
Ein neues Leben, eine zweite Chance
Was soll ich sagen? Liebe auf den ersten Blick!
Titel: Ava's Demon (Url: http://www.avasdemon.com/)
Autor: Michelle Czajkowski
Sprache: Englisch, leicht bis mittel
Länge: 450+, durchgehend farbig, teilweise animiert
Status: Laufend, wöchentlich+, bei großem Kickstartererfolg täglich+
PS: Für die Interessierten, es gibt bis zum 29. Juni ein Kickstarter mit dem ersten Buch, 500 Panels auf bis zu 200 Seiten.
Ava ist ein Kind mit einem schwierigen Leben. Keine Freunde, keine Familie, und ein Dämon in ihrem Kopf, den nur sie sehen kann – Wrathia.
Diese Dämonin ist unzufrieden mit Ava und versucht immer wieder, sie in den Selbstmord zu treiben, durch Beleidigungen, oder kurz in Avas Haut schlüpfen und sie Sachen anstellen lassen.
Nach einem weiteren dieser Versuche landet unsere langhaarige Heldin beim Schuldirektor, wo sie bald von ihren Klassenkameraden Odin und Maggie unfreiwillig Gesellschaft bekommt. Er versucht die grünhaarige Maggie davon zu überzeugen, zusammen mit ihm den Planeten zu verlassen.
Als der ganze Planet dann von Kreaturen angegriffen wird, ist klar, dass Odins gestotterte Anfrage nicht von ungefähr kam. Er schleppt die bewusstlose Maggie in sein Raumschiff, kümmert sich dabei aber kein Deut um Ava. Diese schleicht sich hinter ihm an Bord.
Nach einer Auseinandersetzung zwischen Odin und Maggie kommt es zu einer Bruchlandung, in deren Verlauf Ava – zur Freude er persönlichen Dämonin Wrathia – stirbt. Während ihrer letzten Momente unterhalten sich die beiden aber in Avas Geist und endlich erfährt sie, wieso Wrathia sie ihren Lebtag quälte.
Sie versuchte Ava seit ihrer Geburt zu einem Pakt zu überreden. Einem Pakt zu beiderseitigem Vorteil. Bloß ihre Herangehensweise war mehr als unglücklich, und jetzt, mit Ava am Sterben, war es wohl zu spät. Fast.
Ava willigt ein. Ein neues Leben, eine zweite Chance, und im Gegenzug hilft sie Wrathia bei ihrem Rachefeldzug.
Und Ava überlebt. Mit den Fähigkeiten und Kräften von Wrathia gesegnet entkommt sie ihrem frühzeitigen Tod, und ist ein bisschen mehr als sie vorher war, was auch Wrathia feststellt, als sie Avas Teil des Paktes, ein neues Leben, bereits erfüllt sieht.
Soviel zu den ersten Kapiteln, denn Ava's Demon ist auf wesentlich länger ausgelegt, knapp 7000 Panels, mit etwa einem Panel pro Update.
Der Stil sagt mir seeeeehr zu, mit den farbdominierten Charakteren und den vielen Kleinigkeiten, die ins Design eingegangen sind. Die Szenen sind immer schön gestaltet, oftmals ohne Text, wenn es bloß zur Darstellung von Handlung geht, und Lautworte gibt es nicht.
Die Handlung baut sich schnell auf, mit einem charakterabhängigen Fokus. Der Hintergrund von Wrathia lässt zudem auf eine gewisse Menge an Charakteren schließen, die später noch in den Fokus rücken werden.
Interessant, aber nicht überragend wie bei Homestuck, ist die Nutzung von animierten Bildern und Videos. Letztere gibt es noch nicht viele, aber sie nutzen allesamt eine gute Verflechtung der Begrenzungen von Comics, ohne dabei ins Trickfilmartige überzugehen.
Was soll ich sagen? Liebe auf den ersten Blick!
Titel: Ava's Demon (Url: http://www.avasdemon.com/)
Autor: Michelle Czajkowski
Sprache: Englisch, leicht bis mittel
Länge: 450+, durchgehend farbig, teilweise animiert
Status: Laufend, wöchentlich+, bei großem Kickstartererfolg täglich+
PS: Für die Interessierten, es gibt bis zum 29. Juni ein Kickstarter mit dem ersten Buch, 500 Panels auf bis zu 200 Seiten.
Labels:
Abenteuer,
Charaktergetrieben,
Fantasy,
Kunst,
Pixar,
Religion,
Science Fiction,
Superkräfte,
Webcomic,
Weltraum,
Zukunft
Freitag, 29. Juni 2012
Sequential Art
Wie so viele Webcomics ist Sequential Art humorgetrieben und erzählt aus dem Leben von Art, seines Zeichens Grafikdesigner und Zeichner einer großen Agentur. Eine wichtigere Rolle spielen allerdings seine beiden (bzw. drei) Mitbewohner Kat und Pip. Erstere ist professionelle Fotografin und eine humanoide Katze (mit anderen Worten ein Catgirl), während Pip sein Geld mit Internetauktionen verdient. Er ist analog zu Kat ein humanoider Pinguin. Bereits kurze Zeit später stößt die hyperaktive und naive Scarlet hinzu, die auf einem Eichhörnchen basiert.
Eine Großzahl der Strips sind einfache Gags, die aus dem Alltag der vier und ihren Interaktionen erzählen und man oft genug direkt die Situation nachvollziehen kann.

(Art verflucht das Fehlen einer "Rückgängig machen"-Funktion beim Zeichnen mit Bleistift)
Ein Großteil des Humors erschließt sich aber aus der Interaktion der Charaktere und ihren kleinen Marotten, welche ihnen Charme verleihen.
Gelegentlich stürzt sich der Autor Phillip M. Jackson (PMJ) in unterschiedlich lange Handlungsbögen, die dann ihre Spuren im Haushalt hinterlassen, wie beispielsweise Scarlets Herkunft, der schurkische Jack und so weiter.
Dabei kommt es immer wieder zu gelegentlichen kleinen Seitenhieben, welche die romantischen Untertöne zwischen Kat und Art hervorheben. Dabei ist von vornherein klar, dass irgendwann zwischen den beiden etwas laufen könnte, aber die Dynamik so niedlich ist, dass man sie sowohl um den heißen Brei tanzen als auch ihn auslöffeln sehen will.
Aber das ist ja allgemein die Crux Ungelöster Romantischer Spannungen.
Angenehm ist die Entwicklung der Handfertigkeit von PMJ, wie man besonders bei den zusammenhängenden Handlungen merkt, da gibt es ausführliche Bunkerbasen, gotische Kathedralen und ausgefeilt gestaltete Charaktere.
Dabei lässt er es sich aber nicht nehmen, gelegentlich Parallelen zu ziehen, so zeichnet Art auch freiberuflich Aufträge, die aber zumeist eher ins verferkelte Abdriften. Oder Art macht sich über die Augenbrauen eines Sylar-Ersatzes lustig, wobei er doch selbst mehr Brauen als Stirn hat. Oder da wäre der Handlungsstrang, der sich mit einem World-of-Warcraft-Ersatz auseinandersetzt, bei dem sich Pip in eine Spielerin verliebt, worauf ihn Art darauf hinweist: Wer spielt üblicherweise solche Spiele? Wie wahrscheinlich ist es, dass hinter dem weiblichen Spielcharakter auch eine weibliche Person steckt?
So sticht Sequential Art für mich nicht wegen seiner herausragenden Handlung heraus, sondern wegen dem leicht selbstbewussten Humor und des angenehmen Designs.
Titel: Sequential Art (http://www.collectedcurios.com)
Seiten: 777 (schwarz-weiß)
Zyklus: unregelmäßig (etwa 1 je Woche)
Labels:
21. Jh,
England,
Englisch,
Gegenwart,
Grusel,
Humor,
Kunst,
Meme,
Meta,
Schwarz-Weiß,
Situationskomik,
Tag-für-Tag,
Videospiel,
Webcomic
Freitag, 30. Dezember 2011
Bakuman.
Der Titel sagt rein gar nichts über den Inhalt aus. Aber dafür ist er angefüllt mit Handlung und Fakten und Betrachtungen und Überlegungen und Interna eines Mediums, welches von Millionen von Menschen täglich konsumiert wird.
Denn Bakuman. ist ein Manga über Manga schreiben und zeichnen. Es beginnt damit, dass der 14jährige Moritaka gedankenverloren ein Bild seines Schwarms Miho in sein Schulheft zeichnet. Als er feststellt, dass er das Heft in der Schule vergessen hat, will er es von dort abholen, wird aber von dem Klassenbesten Akito aufgehalten. Dieser hat sich die Skizzen und Bilder im Heft angeschaut und schlägt Moritaka vor, zusammen mit ihm Managua zu werden. Akito würde die Handlung schreiben, während Moritaka für die Story verantwortlich wäre.
Moritaka ist mehr als unwillig, denn durch die Erfahrungen seines verstorbenen Onkels, der selbst Mangaka war aber selbst nur einen Hit gelandet hat, hat Moritaka einen recht guten Einblick in das Leben und die Entbehrlichkeiten, welche ein professioneller Mangazeichner überstehen muss. Genauso ist ein einziger Erfolg nicht ausreichend, um abgesichert zu sein, sondern man muss vielmehr mehrere Hits landen und idealerweise auch noch verfilmt werden, ehe man sich wirklich Mangaka nennen darf und mehr ist als ein zeichnender Glücksspieler.
Überzeugt wird Moritaka also erst, als Akito herausbekommt, dass Miho Synchronsprecherin werden will und beide in einem Anfall von jugendlichem Leichtsinn bei Miho zu Hause über ihre jeweiligen Träume reden. Hatte Akito davor schon die Vermutung geäußert, dass Miho auch etwas für Moritaka empfinden würde, so bestätigt sich das nun auf etwas verquere Weise:
Die drei machen ab, dass Moritaka und Akito einen Manga schaffen werden, der so erfolgreich genug für eine Animeverfilmung wird und Miho wird die weibliche Hauptrolle sprechen! So weit so gut, aber... Moritaka macht dann den irrwitzigen Vorschlag, bei diesen Umständen Miho heiraten zu wollen. Und damit ist im Prinzip der romantische und motivierende Grundfaden gelegt, denn Miho stimmt zu. Unter der Bedingung, sich bis dahin nur über Mail (in Japan sind SMS quasi unbekannt) und so zu motivieren.
Und so beginnen die beiden ihre epische Quest. Die wirklich verdammt schwierig ist, denn anstatt einfach nur Monster killen zu müssen, geht es hier um die ständige Verbesserung der eigenen Fähigkeiten, dem Arbeiten an sich selbst und das Bestehen in einem heiß umkämpften Markt. Ziel ist eine Serie im Shonen Jump, einem verkaufsstarken Wochenmagazin, unterzubringen. Doch davor sind eine Menge Hürden zu überwinden...
Zuerst einmal muss beispielsweise die Aufmerksamkeit eines Redakteurs gewonnen werden, wofür eine solide Handlung und gute Zeichnungen notwendig sind. Gelegenheit bieten die regelmäßig stattfindenden Kurzgeschichtenwettbewerbe, die zugleich auch als Testballons für Geschichten mit Serienpotential genutzt werden. Falls man dann einem Redakteur ins Auge gefallen ist, wird dann mit diesem Rücksprache gehalten, wo etwas verbessert werden muss, welchen Weg man beim veröffentlichen einschlägt, was wahrscheinlich mehr und was weniger Erfolg haben wird.
Insgesamt lässt sich also sagen, dass Bakuman einen sehr guten und fundierten Einblick in das Mangageschäft liefert, wie ihn wohl bloß wenige realisieren. Dabei sprechen die Macher aus Erfahrung, denn sie sind beide selbst ein Autorengespann in ähnlicher Konfiguration wie Akito und Moritaka.
Bemerkenswert fand ich persönlich vor allem die Lesedichte und den Lesefluss des Manga. Obwohl relativ viel Text vorkommt - bei diesem Thema sollte das einen aber nicht wirklich wundern - wird der Lesefluss davon nicht gestört. Ich wahr ehrlich gesagt sehr überrascht, als ich nach einem Band intensiven Lesens festgestellt habe, dass knapp zwei Stunden vorbei gegangen waren, anstatt der üblichen einen, der Manga dabei aber nicht langweilig gewesen war.
Die Zeichnungen sind oberes Regal, der realistische Zeichenstil ergänzt sich gut mit der realistischen Handlung und falls man die Death-Note-Zeichnungen gut fand, wird man wahrscheinlich hier noch eine Verbesserung feststellen. Ehrlich gesagt, glaube ich sogar leichte Einzüge von Kōsuke Fujishima (Oh! My Goddess!) im Charakterdesign erkannt zu haben. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass die Charaktere für ihr Anfangsalter (14 Jahre) zu alt wirken, da sie aber innerhalb von 10 Bänden auch vier Jahre älter werden, ohne großartige Zeitsprünge zu vollführen, fällt das mit den späteren Bänden nicht so sehr ins Gewicht.
Ein weiterer Punkt, den ich noch erwähnenswert finde, ist die hintergrundlastige Betrachtung des Erzählend an sich. Es wird gelegentlich eine interne Geschichte um Elemente bereichert oder etwas gestrichen, um gezielt einen Effekt zu erzielen. Die Arbeit und Handlung wird analysiert, die Erfolgsrezepte aus den Geschichten herausgekocht. Kurzgesagt: Dekonstruktion ist ein Steckenpferd.
Und wie bei jeder Dekonstruktion muss man damit rechnen, dass man dem Medium anschließend anders Wert entgegenbringt als man es ursprünglich tat - um die Entstehung von Zauberei zu wissen, entzaubert mitunter, lässt einen aber das Handwerk umso mehr schätzen.
Als Fazit sage ich, dass der Manga jedem zu empfehlen ist, der mal gerne einen detaillierten Blick hinter die Kulisse "Manga" werfen würde. Die Romantik allerdings ist nur eine Nebenhandlung.
Titel: Bakuman.
Autoren: Tsugumi Ōba (Handlung), Takeshi Obata (Zeichnung)
Bände: z.Zt. 11-12 in Deutschland, 16 in Japan
Seiten: ca. 200 jeweils, schwarz-weiß
Denn Bakuman. ist ein Manga über Manga schreiben und zeichnen. Es beginnt damit, dass der 14jährige Moritaka gedankenverloren ein Bild seines Schwarms Miho in sein Schulheft zeichnet. Als er feststellt, dass er das Heft in der Schule vergessen hat, will er es von dort abholen, wird aber von dem Klassenbesten Akito aufgehalten. Dieser hat sich die Skizzen und Bilder im Heft angeschaut und schlägt Moritaka vor, zusammen mit ihm Managua zu werden. Akito würde die Handlung schreiben, während Moritaka für die Story verantwortlich wäre.
Moritaka ist mehr als unwillig, denn durch die Erfahrungen seines verstorbenen Onkels, der selbst Mangaka war aber selbst nur einen Hit gelandet hat, hat Moritaka einen recht guten Einblick in das Leben und die Entbehrlichkeiten, welche ein professioneller Mangazeichner überstehen muss. Genauso ist ein einziger Erfolg nicht ausreichend, um abgesichert zu sein, sondern man muss vielmehr mehrere Hits landen und idealerweise auch noch verfilmt werden, ehe man sich wirklich Mangaka nennen darf und mehr ist als ein zeichnender Glücksspieler.
Überzeugt wird Moritaka also erst, als Akito herausbekommt, dass Miho Synchronsprecherin werden will und beide in einem Anfall von jugendlichem Leichtsinn bei Miho zu Hause über ihre jeweiligen Träume reden. Hatte Akito davor schon die Vermutung geäußert, dass Miho auch etwas für Moritaka empfinden würde, so bestätigt sich das nun auf etwas verquere Weise:
Die drei machen ab, dass Moritaka und Akito einen Manga schaffen werden, der so erfolgreich genug für eine Animeverfilmung wird und Miho wird die weibliche Hauptrolle sprechen! So weit so gut, aber... Moritaka macht dann den irrwitzigen Vorschlag, bei diesen Umständen Miho heiraten zu wollen. Und damit ist im Prinzip der romantische und motivierende Grundfaden gelegt, denn Miho stimmt zu. Unter der Bedingung, sich bis dahin nur über Mail (in Japan sind SMS quasi unbekannt) und so zu motivieren.
Und so beginnen die beiden ihre epische Quest. Die wirklich verdammt schwierig ist, denn anstatt einfach nur Monster killen zu müssen, geht es hier um die ständige Verbesserung der eigenen Fähigkeiten, dem Arbeiten an sich selbst und das Bestehen in einem heiß umkämpften Markt. Ziel ist eine Serie im Shonen Jump, einem verkaufsstarken Wochenmagazin, unterzubringen. Doch davor sind eine Menge Hürden zu überwinden...
Zuerst einmal muss beispielsweise die Aufmerksamkeit eines Redakteurs gewonnen werden, wofür eine solide Handlung und gute Zeichnungen notwendig sind. Gelegenheit bieten die regelmäßig stattfindenden Kurzgeschichtenwettbewerbe, die zugleich auch als Testballons für Geschichten mit Serienpotential genutzt werden. Falls man dann einem Redakteur ins Auge gefallen ist, wird dann mit diesem Rücksprache gehalten, wo etwas verbessert werden muss, welchen Weg man beim veröffentlichen einschlägt, was wahrscheinlich mehr und was weniger Erfolg haben wird.
Insgesamt lässt sich also sagen, dass Bakuman einen sehr guten und fundierten Einblick in das Mangageschäft liefert, wie ihn wohl bloß wenige realisieren. Dabei sprechen die Macher aus Erfahrung, denn sie sind beide selbst ein Autorengespann in ähnlicher Konfiguration wie Akito und Moritaka.
Bemerkenswert fand ich persönlich vor allem die Lesedichte und den Lesefluss des Manga. Obwohl relativ viel Text vorkommt - bei diesem Thema sollte das einen aber nicht wirklich wundern - wird der Lesefluss davon nicht gestört. Ich wahr ehrlich gesagt sehr überrascht, als ich nach einem Band intensiven Lesens festgestellt habe, dass knapp zwei Stunden vorbei gegangen waren, anstatt der üblichen einen, der Manga dabei aber nicht langweilig gewesen war.
Die Zeichnungen sind oberes Regal, der realistische Zeichenstil ergänzt sich gut mit der realistischen Handlung und falls man die Death-Note-Zeichnungen gut fand, wird man wahrscheinlich hier noch eine Verbesserung feststellen. Ehrlich gesagt, glaube ich sogar leichte Einzüge von Kōsuke Fujishima (Oh! My Goddess!) im Charakterdesign erkannt zu haben. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass die Charaktere für ihr Anfangsalter (14 Jahre) zu alt wirken, da sie aber innerhalb von 10 Bänden auch vier Jahre älter werden, ohne großartige Zeitsprünge zu vollführen, fällt das mit den späteren Bänden nicht so sehr ins Gewicht.
Ein weiterer Punkt, den ich noch erwähnenswert finde, ist die hintergrundlastige Betrachtung des Erzählend an sich. Es wird gelegentlich eine interne Geschichte um Elemente bereichert oder etwas gestrichen, um gezielt einen Effekt zu erzielen. Die Arbeit und Handlung wird analysiert, die Erfolgsrezepte aus den Geschichten herausgekocht. Kurzgesagt: Dekonstruktion ist ein Steckenpferd.
Und wie bei jeder Dekonstruktion muss man damit rechnen, dass man dem Medium anschließend anders Wert entgegenbringt als man es ursprünglich tat - um die Entstehung von Zauberei zu wissen, entzaubert mitunter, lässt einen aber das Handwerk umso mehr schätzen.
Als Fazit sage ich, dass der Manga jedem zu empfehlen ist, der mal gerne einen detaillierten Blick hinter die Kulisse "Manga" werfen würde. Die Romantik allerdings ist nur eine Nebenhandlung.
Titel: Bakuman.
Autoren: Tsugumi Ōba (Handlung), Takeshi Obata (Zeichnung)
Bände: z.Zt. 11-12 in Deutschland, 16 in Japan
Seiten: ca. 200 jeweils, schwarz-weiß
Freitag, 30. September 2011
Bobwhite
In einer Stadt in Neuengland sind drei junge Frauen mehr oder weniger beste Freundinnen, und der Webcomic beschreibt im wesentlichen ihr Leben und das persönliche Wachstum – oder Stagnation – der drei und ihrer Clique in ihre Jahren des Studiums an der Bobwhite University.
Bobwhite ist eine Art der in Nord- und Südamerika heimischen Zahnwachteln und der Name einer fiktiven Universität in Providence, Rhode Island, USA. Sie ist das Pendant zur Rhode Island School of Design, einer Hochschule mit künstlerischer Ausrichtung. Die drei Hauptcharaktere, Cleo, Ivy und Marlene, haben dort jeweils Kurse belegt (Industriedesign, Illustration und Film, respektive) und der Webcomic folgt ihrem Studienalltag mit einem Fokus auf die Spinnereien und Interaktion der drei Untereinander sowie deren Freundeskreis.
Marlene ist das giftige, von sich selbst überzeugte Filmgenie und schnell mit Beleidigungen bei der Hand.
Ivy ist sehr letharg und entspannt und fährt trotzdem gute Noten ein, was ihr Cleo nur eine Winzigkeit übel nimmt.
Cleo ist ein halb-neurotischer Blondschopf, die Videospiele entwickeln will und sich sehr viele Gedanken um alles mögliche macht. Und vermutlich ein Roboter, wenn man ihr Arbeitspensum betrachtet.
Trotz oder vielleicht auch aufgrund dieser Differenzen kommen die drei sehr gut miteinander aus und stützen einander, wenn sie sich nicht freundschaftlich Schimpfwörter an die Stirn knallen.
Also, was macht den Comic so besonders?
Das sind viele, viele kleine Elemente, die ich nur versuchen kann hier aufzuzählen. Fangen wir einfach mal beim Stil an.
Magnolia Porter, die Autorin und Zeichnerin, zeichnet die Charaktere sehr lebendig und lebhaft, so dass ihre Gefühlsregungen oftmals keiner Sprechblasen bedürfen, sondern der Gesichtsausdruck allein schon die inneliegende Emotion rüberbringt.
Die pastelartige Koloration unterstreicht dabei diese Stimmungen nur zu gut.
Ein großer Pluspunkt ist zudem die Charakterisierung. Cleo beispielsweise ist ein Nerd, weiß dies, aber versucht trotzdem verzweifelt cool zu sein, ohne voll auf die Fresse zu fliegen damit. Vielmehr lernt sie langsam, mit ihren sozialen Ansprüchen und Realitäten umzugehen und schlussendlich so weit zu wachsen, dass sie sowohl Nerd sein, aber auch gleichzeitig eine gute Party schmeißen kann. Dass sie dabei die cholerische Marlene heimlich cool findet, zeigt nur den Realismus in ihrem Charakter.
Überhaupt ist keiner der Haupt- noch Nebencharaktere überdreht oder überzeichnet. Bei vielen kann man ohne weiteres Züge von seinen eigenen Freunden oder zumindest umgebenden Menschen erkennen, ohne die Augen dafür allzu sehr zusammen kneifen zu müssen.
Davon abgesehen ist die Handlung erfrischend normal. Es gibt keine Aliens, Monster, Elfen, oder sonstige Absonderlichkeiten, die man als Alltagsfantasy oder dergleichen bezeichnen könnte, sondern einfach nur Tag-für-Tag-Geschichten, die aber trotzdem fesselnd sind. Allerdings sind die Handlungsstränge auch dementsprechend mondän – Es geht um Kunstprojekte, Abschlussprüfungen, Männer und was halt das Leben eines Collegestudenten bewegt.
Zum Schluss noch etwas, was insbesondere bei weboriginären Inhalten angemerkt werden muss: Der Webcomic ist abgeschlossen, und es gab per se fünf Updates pro Woche, also braucht man ein bisschen Zeit, bis man das Archiv durchgelesen hat.
Titel und Link: Bobwhite
Genre: College, Uni, Tag-für-Tag, Drama
Sprache: Englisch
Seiten: ca. 700, größtenteils koloriert
Veröffentlichungszyklus: Abgeschlossen
Autorin: Magnolia Porter
Bobwhite ist eine Art der in Nord- und Südamerika heimischen Zahnwachteln und der Name einer fiktiven Universität in Providence, Rhode Island, USA. Sie ist das Pendant zur Rhode Island School of Design, einer Hochschule mit künstlerischer Ausrichtung. Die drei Hauptcharaktere, Cleo, Ivy und Marlene, haben dort jeweils Kurse belegt (Industriedesign, Illustration und Film, respektive) und der Webcomic folgt ihrem Studienalltag mit einem Fokus auf die Spinnereien und Interaktion der drei Untereinander sowie deren Freundeskreis.
Ivy ist sehr letharg und entspannt und fährt trotzdem gute Noten ein, was ihr Cleo nur eine Winzigkeit übel nimmt.
Cleo ist ein halb-neurotischer Blondschopf, die Videospiele entwickeln will und sich sehr viele Gedanken um alles mögliche macht. Und vermutlich ein Roboter, wenn man ihr Arbeitspensum betrachtet.
Trotz oder vielleicht auch aufgrund dieser Differenzen kommen die drei sehr gut miteinander aus und stützen einander, wenn sie sich nicht freundschaftlich Schimpfwörter an die Stirn knallen.
Also, was macht den Comic so besonders?
Das sind viele, viele kleine Elemente, die ich nur versuchen kann hier aufzuzählen. Fangen wir einfach mal beim Stil an.
Magnolia Porter, die Autorin und Zeichnerin, zeichnet die Charaktere sehr lebendig und lebhaft, so dass ihre Gefühlsregungen oftmals keiner Sprechblasen bedürfen, sondern der Gesichtsausdruck allein schon die inneliegende Emotion rüberbringt.
Die pastelartige Koloration unterstreicht dabei diese Stimmungen nur zu gut.
Ein großer Pluspunkt ist zudem die Charakterisierung. Cleo beispielsweise ist ein Nerd, weiß dies, aber versucht trotzdem verzweifelt cool zu sein, ohne voll auf die Fresse zu fliegen damit. Vielmehr lernt sie langsam, mit ihren sozialen Ansprüchen und Realitäten umzugehen und schlussendlich so weit zu wachsen, dass sie sowohl Nerd sein, aber auch gleichzeitig eine gute Party schmeißen kann. Dass sie dabei die cholerische Marlene heimlich cool findet, zeigt nur den Realismus in ihrem Charakter.
Überhaupt ist keiner der Haupt- noch Nebencharaktere überdreht oder überzeichnet. Bei vielen kann man ohne weiteres Züge von seinen eigenen Freunden oder zumindest umgebenden Menschen erkennen, ohne die Augen dafür allzu sehr zusammen kneifen zu müssen.
Davon abgesehen ist die Handlung erfrischend normal. Es gibt keine Aliens, Monster, Elfen, oder sonstige Absonderlichkeiten, die man als Alltagsfantasy oder dergleichen bezeichnen könnte, sondern einfach nur Tag-für-Tag-Geschichten, die aber trotzdem fesselnd sind. Allerdings sind die Handlungsstränge auch dementsprechend mondän – Es geht um Kunstprojekte, Abschlussprüfungen, Männer und was halt das Leben eines Collegestudenten bewegt.
Zum Schluss noch etwas, was insbesondere bei weboriginären Inhalten angemerkt werden muss: Der Webcomic ist abgeschlossen, und es gab per se fünf Updates pro Woche, also braucht man ein bisschen Zeit, bis man das Archiv durchgelesen hat.
Titel und Link: Bobwhite
Genre: College, Uni, Tag-für-Tag, Drama
Sprache: Englisch
Seiten: ca. 700, größtenteils koloriert
Veröffentlichungszyklus: Abgeschlossen
Autorin: Magnolia Porter
Labels:
College,
Drama,
Englisch,
Kunst,
Slice-of-Life,
Tag-für-Tag,
Universität,
USA,
Webcomic
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