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Samstag, 14. März 2020

Armed in her Fashion

Dreifarbiges Cover mit schwarzer Hintergrund und Linien; eine Person steht in betender Haltung in roter Rüstung, weißem Gesicht und Panzerhandschuhen. Im Vordergrund und teilweise überschreibend ist der Buchtitel in weißer Frakturschrift.
Ultima Ratio Mulierem – Der Frauen letzter Ausweg

Wir schreiben das frühe 14. Jahrhundert. Die Schlacht von Cassel ist noch nicht lange her und hat große Teile der männlichen Bevölkerung der Region gekostet, auf die eine oder andere Weise. Dennoch ist Brügge nach wie vor die Handelsmetropole von Europa. Wäre da nicht die Belagerung der Stadt durch Chimären aus der Hölle.

Montag, 2. Juni 2014

Edge of Tomorrow

Murmeltiertag trifft Alien-Invasion

Nach einem Fauxpas wacht der als Deserteur gebrandmarkte ehemalige Major Cage (Tom Cruise, Mission Impossible) aus dem Pressestab der US-Armee als Rekrut und Kanonenfutter für die anstehende Invasion Europas auf. Mit einem neu entwickelten Exoskellet, einem kybernetischen Kampfanzug, soll der seit Jahren stetig fortschreitenden Besetzung und Ausbreitung der sogenannten Mimics Einhalt geboten werden. Diese Aliens fielen vor einiger Zeit sprichwörtlich vom Himmel und breiten sich unaufhaltsam aus.

Als Frischfleisch hat Cage offensichtlich keine Ahnung von der Bedienung des Kampfanzugs, er kann noch nichtmal seine Waffe entsichern, als bereits im Anflug auf die französische Küste der Truppentransporter getroffen wird und Cage sowie ein paar seiner Kameraden gerade so die Landung überleben.

Am Strand entwickelt sich ein Massaker – die Mimics haben die Invasion offensichtlich erwartet, wieso auch immer. Während Stück für Stück seine ihm noch vollkommen unvertraute Einheit von den metallenen Tentakeln der Mimics aufgespießt und zerfetzt werden, schafft Cage es seine Waffe zu entsichern. Gerade rechtzeitig, um getroffen zu werden. Als ein blauer Mimic sich auf ihn stürzt, sprengt sich Cage in die Luft… bloß um anschließend wieder als Rekrut aufzuwachen.

Zu recht verwirrt durchlebt Cage den gleichen Tag nochmal, bloß wird er dieses Mal von einer hochdekorierten Elitesoldatin Rita (Emily Blunt, Lachsfischen im Jemen) gerettet, die den Beinamen "Full Metal Bitch" trägt. Mit ihrer schwertartigen Machete macht sie kurzen Prozess mit allen Mimics in der Nähe, wird aber kurz darauf wird aber von einem getötet. Es dauert nicht lange, da stirb auch Cage wieder.

Bloß um nochmal als Rekrut aufzuwachen. Und dann zu sterben. Und dann nochmal aufzuwachen. Und dann zu sterben. Durch diese Wiederholungen lernt Cage Stück für Stück mit seiner Ausrüstung umzugehen, taktisches Vorgehen, die Positionen und Zeitpunkte, bei denen Mimics am Strand auftauchen und so weiter. Bis er ein weiteres Mal auf Rita trifft, aber dieses Mal er sie rettet, und anschließend die Mimics in der Nähe platt macht.
Rita kann nur Maulaffen feil halten, als sie sieht mit welcher vorherseherischen Gabe Cage die Mimics kalt macht, bevor sie auch nur eine Bedrohung werden können.

Bloß um in einem vermeidbaren Feuerball zu sterben, nachdem sie Cage aufträgt sie das nächste Mal zu suchen.

Wie sich herausstellt ist Cage nicht die erste Person in einer Zeitschleife. Rita war genau das gleiche passiert, bei der Schlacht von Verdun, bei welcher sie ihre Berühmtheit erlangt hat. Hunderte Mimics sind durch ihre Hand gestorben, wieder und wieder, bis sie durch eine Bluttransfusion dieses Zeitsprungtalent verloren hatte. Allerdings hat sie während ihrer Wiederholungen herausfinden können, dass dieser seltsame Mimic, den Cage beim ersten Mal mit in den Tod gerissen hatte, die Fähigkeit hat die Zeit zurückzusetzen, oder seine Erinnerungen zumindest zurück zu schicken, bloß dass Cage jetzt infiziert wurde. Und die Mimics haben eine Schwachstelle, die Cage und Rita ausnutzen können – aber davor muss Cage trainiert werden…



Die lose Adaption von Hiroshi Sakurazaka's All You Need Is Kill (Erscheint im Juli bei Tokyopop, Leseprobe) ist ziemlich gut gelungen, und weist auch einen morbiden Humor auf. Erinnerten mich die ersten Szenen an eine Mischung aus Resistance: Fall of Men und Starship Troopers, so entwickelt der Film doch schnell eine eigene Dynamik.

Insbesondere durch die Zeitschleife und Cage's Wissen über alle möglichen Dinge, über die er an sich nichts zu wissen hat, sowie seine Versuche dieses Wissen anzuwenden. So wird zum Beispiel bei der Landung einer seiner Kameraden immer von einem abstürzenden Flugzeug zerquetscht, bloß um nach einem erfolgreichen Rettungsversuch Cage an seiner statt in den Boden zu rammen. Oder seine Versuche, seine – zugegebenermaßen irrsinnige – Geschichte anderen glaubhaft zu machen bringt ihm keinen Respekt ein, sondern einen Knebel. Wer also gewisse Häme gegenüber Tom Cruise verspürt, wird bei diesem Film auf seine Kosten kommen.

Die 3D-Effekte sind übrigens ziemlich gut eingebunden. Ich habe mehrmals bloß im Nachhinein festgestellt, dass ich beim Schauen gezwinkert hatte, weil etwas nicht offensichtliches auf die Kamera zugeschossen kam. Ebenso sind die Effekte alle sehr gut gelungen; insbesondere haben mich die Mimics an die Tentakeldinger aus den späteren Matrix-Filmen erinnert, auch wenn sie sich eher wie Sonic bewegten.

Sowieso erinnert die Geschichte in Aspekten, oder besser in der konzeptionellen Idee, an ein Videospiel, in welchem man nach seinem Tod an der gleichen Stelle stets neu beginnt, sich aber an die vorigen Durchläufe erinnert. Aus dieser Sicht ist es auf jeden Fall interessant zu sehen, wie diese Spielmechanik sinnvoll in eine Handlung integriert werden kann.



Alles in allem ein guter Actionfilm, auch wenn das Ende nicht überrascht.

Titel: Edge of Tomorrow

Länge: 113 Minuten

Regie: Doug Liman

Mittwoch, 22. Mai 2013

Der Geschmack von Rost und Knochen

Ali trägt Stéphanie auf dem Rücken aus dem Meer

Wie man sich aus Schicksalsschlägen hilft



Ali ist Mitte zwanzig und neuerdings alleinerziehender Vater. Ohne Geld und Plan kommen er und sein fünfjähriger Sohn bei seiner Schwester an der Côte d'Azur unter. Ihre Lage ist als Kassiererin auch nicht gerade rosig, und so sucht Ali sich einen Job als Türsteher. Dabei trifft er Stéphanie, eine lebhafte junge Frau, die als Orca-Trainerin im örtlichen Großraumaquarium arbeitet. Er versucht sie abzuschleppen, hat aber keinen Erfolg.

Stück für Stück arbeitet sich Ali weiter und als Wachmann beginnt ein Kollege ihm einen Fuß in die Welt der Wettkämpfe zu geben – wortwörtlich. Als ehemaliger Boxer hat Ali gefallen an Kämpfen gefunden und trainiert, um bei diese neuen Hobby über Wetten Geld zu verdienen.

Dann kommt von Stéphanie ein Anruf, ob er sich mal mit ihr treffen wolle. Ali stimmt zu und die Treffen wiederholen sich, es bildet sich eine Art Freundschaft. Haken an der Sache: Mittlerweile sind Stéphanies Beine unterhalb der Knie amputiert, sie lebt von ihrer Krankenversicherung und ist, wenn nicht selbstmordgefährdet, dann doch dicht dran und niedergeschlagen.

Ali mit seiner panzerhaften Subtilität kümmert das nicht und zeigt ihr, dass sowas einen nicht vom Leben abhalten muss. Bei ihm selbst ist das Leben aber auch nicht eitel Sonnenschein. Öfters versäumt er seinen Sohn von der Schule abzuholen, und seine jähzornige Ader ist auch nicht gerade ein Erziehungssegen.



Rost und Knochen ist ein französischer Film, dessen Handlung nicht von irgendwelchen Besonderheiten oder Intrigen lebt, sondern von den Menschen und ihren banalen Leben. Eine Karriere wird zerstört, und mit ihr ein Mensch. Bindungsängste, woher sie auch immer kommen mögen, und ihre Konsequenzen. Die Mauer zwischen sich und der Umwelt, zwischen sich und Gefühlen. All dies wird nicht angesprochen, aber thematisiert.

Alis Schwierigkeiten und Frustration darüber, mit seinem Sohn eine Verbindung aufzubauen steht im Gegensatz dazu, wie er sich zwanghaft von jeder tiefergehenden Beziehung fernhält. Stéphanie Sturz in ein tiefes seelisches und persönlich Loch, und wie sie sich mithilfe von Ali da wieder herauszieht, und möglicherweise ein stärkerer Mensch wird als sie es zuvor war. Wie zwei gebrochene Menschen einander stützen können, wie zwei Steinbögen zusammen eine Tür bilden können.

Interessant ist auch, wie der Regisseur verschiedene gesellschaftliche Probleme anspricht: Indirekt, subtil, nicht direkt durch Opfer oder Täter, sondern durch Betroffene und Mittelmänner.



Mir hat Der Geschmack von Rost und Knochen gut gefallen, aber ich kann mir auch vorstellen, dass er manch einem zu nahe gehen kann.

Titel: Der Geschmack von Rost und Knochen

Regie: Jacques Audiard

Länge: 122 Minuten

Was sagt es über mich, dass bei Rost und Knochen mir der Titel reichte, um den Film sehen zu wollen?

Sonntag, 7. Oktober 2012

Madagascar 3: Flucht durch Europa

Besser als Madagascar 2

Löwe Alex, Zebra Marty, Giraffe Melman und Nilpferd Gloria sowie Pinguine und Affen brachen im ersten Teil von Madagascar aus ihrem Zoo in New York aus, um Mal die große weite Welt zu sehen und dann auf Madagaskar zu landen. Im Teil packt die vier das Heimweh und ihr Versuch nach New York zurückzukehren führt zu einer Bruchlandung in Afrika. Dort gewöhnen sich Alex, Marty, Melman und Gloria an die Wildnis, aber die Pinguine und Affen wollen einen Trip nach Monte Carlo machen. Hier setzt der dritte Teil an.

Alex hat erwartet, dass die Pinguine und Affen zurückkommen würden, aber als nach Monaten immer noch keiner wiedergekommen ist, muntern ihn seine Freunde auf und beschließen, zurück in den New Yorker Zoo zu gehen, mit Umweg über Monte Carlo.

Dort machen sie bald die Drückeberger aus, die in der Gestalt des Grafen von Versailles am Roulettetisch ihr Geld mehren. Dummerweise fliegen sie alle auf und verlassen panisch das Casino, verfolgt von der terminatorartigen Tierfängerin DuBois. In ihrem Eifer, an die Haut von Alex zu kommen, rennt sie durch Wände und vollführt Stunts, die Luc Bessons Taxi-Filme wie Möchtegerns dastehen lässt.

Bei ihrer Flucht verstecken sich sie die Zootiere in einem Zirkuswaggon. Dieser Zirkus wird durch Europa tingeln und bietet somit eine gute Versteckmöglichkeit. Leider besteht der gebrochene Startiger aber darauf, dass nur Zirkustiere mitfahren dürfen, und so geben sich unsere Helden als eben solche aus.

Schließlich ergibt sich die Möglichkeit von London aus nach New York zu fliegen über einen amerikanischen Käufer für den Zirkus, bloß wie bereits schon erwähnt, ist der Star gebrochen, die Nummern abgehalftert und alles ist uninspiriert und dröge.

Bis Alex das Ruder in die Pfote nimmt und eine Zirkusshow auf die Beine stellt, welche allein schon den Eintrittspreis wert ist.

Wieso ich den dritten Teil besser finde als den zweiten? Ganz einfach: Er ist humorvoller und besinnt sich zurück auf die Stärken des ersten Teils, wie Fisch-aus-dem-Wasser-Komponente. Interessant dabei ist, obgleich meiner Erwartungen eines typischen Abklapperns von europäischen Sehenswürdigkeiten und Klischees hält sich das überaus in Grenzen und ist teilweise auch selbstironisch.

Will damit sagen, ich habe mich herrlich amüsiert!

Titel: Madagascar 3: Flucht durch Europa

Regie: Eric Darnell, Tom McGrath, Conrad Vernon

Länge: 93 Minuten

Montag, 27. August 2012

Der Vorname

Ein Freundeskreis nimmt sich auseinander

Pierre und seine Frau Élisabeth (Babou) haben zu einem Essen unter Freunden eingeladen Das beinhaltet natürlich auch Claude, der als Kind von Vincent und Babou's Eltern aufgenommen worden war. Anlass ist die erste Ultraschalluntersuchung von Anna, Frau von Babou's Bruder Vincent, zu feiern.

Alles deutet auf einen angenehmen geselligen Abend hin, und beginnt mit dem Raten vom ausgesuchten Namen des zukünftigen Sohnes. Es werden allerhand Namen versucht, aber Vincent lehnt das eine ums andere Mal ab, es scheint einfach keiner auf die Lösung zu kommen.

Das ist auch nicht wirklich verwunderlich, soll der Ungeborene doch Adolph heißen, nach einer berühmten Romanfigur aus dem 19. Jahrhundert.

Die Stimmung kühlt sich schlagartig ab. Pierre als Literaturprofessor weiß sehr genau um die Figur (er hatte Vincent das entsprechende Buch geschenkt), aber noch viel mehr geht es ihm um den bekannteren Namensvetter. Claude, vom Charakter sehr extremfrei, versucht die Situation zu beruhigen, während Pierre sich immer weiter in Rage redet.

Bei einer Pause im Gespräch, zu der Vincent und Claude alleine sind, gesteht Claude, dass er von Vincents (anfangs verneintem) Scherz weiß. Nach kurzer Zeit sind alle wider beisammen, die Stimmung legt sich wieder, bis Anna mit Verspätung zum Essen hinzustößt, ohne in den Scherz ihres Lebensgefährten eingeweiht zu sein.

Der Vorname ist nicht wirklich eine Komödie, oder zumindest beschreibt diese Kategorie die Handlung nur unzureichend. Vielmehr ist es eine Mischung aus Drama und Komödie, eine Dramödie, wenn man mag. Durch den ausufernden Namensscherz kommen Geheimnisse und sprichwörtliche Leichen aus ihren Kellern, welche die Freunde voreinander gut versteckt hatte.

Und so geht es reihum mit dem Austeilen. Jeder hat etwas, was ihn seit Jahren stört, aber nie gesagt hat, um die Freundschaft nicht zu belasten. Am Namensstreit wickelt sich alles ab, alle unterdrückten Meinungen und Geheimnisse kommen ans Licht.

Dabei fragt man sich mehrmals im Film Nicht echt jetzt, oder? und hofft mit den Charakteren, dass dieses Drama (innerhalb des Films) endlich vorbei ist, bloß um dann durch einen Kommentar wieder hineingezogen zu werden, den man in den Schuhen des Charakters mitunter selbst machen würde.

So bleibt mir nur zu sagen, wer Gott des Gemetzels mochte, wird auch diesem Film nicht abgeneigt sein, aber für Freunde französischer Komödien würden sich die Sch'tis oder Ziemlich Beste Freunde besser anbieten.

Titel: Der Vorname

Regisseur: Alexandre de La Patellière, Mathieu Delaporte

Länge: 109 Minuten

Witzige Zitate aus dem Film:
Du hast uns Elsass-Lothringen genommen, du wirst uns nicht auch noch unsere Vornamen nehmen!
 Er hat meinen Status als Mörder geklaut!
Welcher Mann trägt schon orange – ich meine, außer in Guantanamo

Montag, 12. März 2012

Ziemlich beste Freunde

Ärks, muss mich wieder für 'ne Stelle meldn, damit's Arbeitsamt Kohle 'rüberschiebt. Hm, zwei unterschriebene Absagen hab ich schon, und wasis der dritte Schriebs? Och nee, irgend 'nen Scheiß für so'n Noblhobl. Na egal, geh ich ma hin...

Das in etwa scheinen die Gedanken von Driss zu sein, einem Sozialfall. Seine Mutter arbeitet als Putzfrau, bei der er noch zusammen mit seinen Geschwistern wohnt. Doch das Vorstellungsgespräch läuft anders als erwartet, denn der Nobelhobel Philippe kann Driss' Arbeitsamtpapiere nicht ohne weiteres unterschreiben, denn er ist vom Hals abwärts querschnittsgelähmt.

Driss unkonventionelle und vor allem mitleidslose Art beeindrucken Philippe, weswegen er den Senegalesen für einen Monat auf Probe einstellt.

Driss ist anders als die anderen Bewerber - für ihn ist Philippe nicht bloß ein Patient, sondern wird mit der Zeit zu einem ungleichen Freund, der wenig Verständnis für die Marotten seines "Chefs" hat. Moderne Gemälde für 30.000 Euro? Zur Strafe gibt es keine Schokolade für den Rollstuhlfahrer. Keine Arme, keine Schokolade.

Oh, nur ein Scherz, aber es wird klar, wieso Philippe Driss den anderen vorzog. Diese mögen ausgebildete Krankenpfleger sein, aber statt einem Menschen ist Philippe für sie ein Patient, Teil eines abzulaufenden Automatismus. Morgengymnastik, Duschen, Anziehen, alles ohne mit der Wimper zu zucken. Driss hingegen kriegt schon bald einen Anfall, als er die Thrombosestrümpfe sieht, welche er Philippe anziehen soll.

Und als dann die Gummihandschuhe kommen... Oh Mann!

Ich denke nicht, dass ich großartig mehr sagen kann zu dem Film, denn er lebt einfach viel zu sehr von der Interaktion der wunderbar besetzen Hauptcharaktere. Kleine Gesten, große Worte, man nimmt ihnen ihre Rollen ab, welche sie vorzüglich spielen. Driss ist wie ein Fisch auf dem Trocknen, weit außerhalb seines Elements, aber platscht munter durch die Gegend und stößt alles um.

Die Musik - Klassik für Philippe und Earth, Wind and Fire für Driss - kracht wunderbar gegeneinander und ergänzt sich sogar in manchen Passagen, hält sich aber im wesentlichen im Hintergrund, sofern sie nicht handlungsrelevant ist.

Interessanterweise basiert der Film sogar auf einer wahren Geschichte, welche der reale Philippe, Philippe Pozzo di Borgo, in seiner Autobiografie veröffentlich hat. Die beiden Regisseure hatten damals schon die Idee zu einer Verfilmung, aber bis 2010 weigerte sich Philippe. Erst unter der Bedingung, dass 5% der Filmerlöse an seinen Förderverein für Behinderte gehen, willigte er ein.

Vom Sehgefühl erinnert mich Ziemlich beste Freunde an Forrest Gump oder Benjamin Button, aber mit sehr viel weniger biografischen Elementen.

Im Prinzip kann ich den Film jeden empfehlen, der etwas für leicht gefühlsmäßig optimistische und komische Filme hat.

Titel: Ziemlich beste Freunde

Regie: Olivier Nakache, Toledano

Länge: 110 Minuten

Donnerstag, 26. Januar 2012

Get Medieval

Stelle dir vor, du kommst aus einer modernen Gesellschaft mit all dem gewohnten Komfort und der Moral, welche Zivilisation begleitet, und stolperst dann ins Mittelalter. Dies ist im Prinzip die Idee von Get Medieval, einem abgeschlossenem, englischsprachigen Webcomic im Comicstripformat.


Anthropologiestudent Asher Hane und sein Vater / ehemaliger Mafiaboss Torquel Hane plus Anhang - Ehefrau Iroth, Bodyguard Oneder und Zahlenschubserin Neithe - stranden bei einem Zwischenhalt zum Tanken auf der Erde. Sie mussten vor den Konsequenzen von Torquel's Mafiageschäften fliehen und dessen Fluchttendenzen kommen wieder zum Vorschein, als das Raumschiff von französischen Rittern angegriffen wird.
Torquel kommt aufgrund von Treibstoffmangel aber nicht weit und landet in den Händen von Sarazenen, Oneder wird von Piraten aufgesammelt, Iroth von einem der französischen Ritter als Beweis von Teufelswerk auf Erden vorgeführt und Neithe und Asher zu guter letzt landen beim französischen Edelmann Sir Gerard.
Anscheinend wird der Aufenthalt doch etwas länger dauern als für Betankung und Reparatur erwartet werden würden...

Fokuscharaktere sind Asher und Neithe, während über kurze Seitenblicke die Abenteuer von Torquell und Iroth verfolgt werden. Natürlich kommt es im Verlaufe der Geschichte zu einer Wiedervereinigung, aber das ist ein langer Weg. Asher zum Beispiel ist ziemlich enttäuscht von der Flucht seines Vaters und der Situation an sich und gelangte zur Überzeugung, dass das Universum es auf ihn abgesehen hat. Neithe wiederum sieht sehr leicht die guten Seiten des Ganzen, denn das Leben als Buchhalterin ist in der Regel nicht allzu aufregend. Dann kommen da natürlich noch die Mafiarivalen, die es auf Torquel abgesehen haben und wollen ihren Job zu Ende bringen. Alles in allem mangelt es definitiv nicht an Handlung.

Die Charakterisierung kommt dabei glücklicherweise auch nicht zu kurz. Asher lebt sich missmutig ein in seiner Rolle als Knappe und lernt über die Jahre sogar, in Maßen das Gute an der Misere zu sehen, aber er gibt nie die Hoffnung und versuche auf, eine Nachricht an irgendwen dort draußen zu schicken, dass auf diesem (unserem) Hinterhofplaneten etwas interessantes abgeht und sie ihn doch bitte abholen mögen. Interessanterweise wird dabei auch nicht gescheut, einen kleinen Blick auf die Religionen zu werfen, denn in dieser Zeit waren quasi alle irgendwie religiös.

Witzigerweise ist der Webcomic nicht so absurd mit seiner Umgebung, wie man es mitunter gewohnt ist, denn die Autorin Irony-chan hat selbst ein Geschichtsfaible und viele ihrer geschichtlichen Hintergründe sind sehr gut recherchiert und akkurat wiedergegeben. Wobei sie kein Problem hat von der Historizität zu Gunsten der Witzigkeit etwas abzuweichen. So müssen zum Beispiel alle Charaktere verschiedene Sprachen lernen, damit sie sich in ihrem jeweiligen Land überhaupt unterhalten können - Neithe und Asher lernen französisch in einem Kloster, Torquel wird durch das ständige nervtötende Gerede seiner Mitinsassen Englisch gelehrt während Iroth durch die Predigten ihres "Ritters" auch französisch erlernt. Die Komik des Webcomics findet sich übrigens vor allem in den Dialogen der Charaktere, aber auch in den Handlungen und Wechselwirkungen mit anderen Personen. Während Situationskomik vorkommt, ist ein ironischer Panelwechsel doch wahrscheinlicher, wenn ein Charakter sagt, er würde nie etwas tun und im nächsten Panel genau die geschieht.

Alles in allem ist Get Medieval zwar der einzige Mittelaltercomic den ich kenne, aber doch ziemlich witzig und die Zeichnungen sind auch nett anzusehen.

Titel: Get Medieval (http://get-medieval.livejournal.com/)

Seiten: 1186 (schwarz-weiß) + einige Extraseiten (teilweise farbig)

Autor: Irony-chan

Sprache: Englisch

Sonntag, 1. Januar 2012

Werner – Eiskalt!

Der neue Werner-Film ist mal anders als die üblichen bekannten und kommt so ein bisschen wie der erste daher: Es gibt eine der realen Welt spielende Rahmenhandlung. Bloß anstatt das Brösel (der Autor/Zeichner von Werner) Geschichten seines geistigen Sprösslings erzählt, kommt diesmal Werner unverhohlen als Autorenäquivalent vor.

Das tut der Geschichte aber keinen Absprach, denn Brösel stirbt recht schnell, und dann war der Film schon vorbei.

Na ja, nicht so ganz, natürlich. An und für sich ist der Film nämlich mit biografischen Elementen geschmückt und erzählt von der Rivalität von Brösel/Werner und Holgi auf der Rennpiste mit Werner als denjenigen, der sich sein Fahrzeug selbst zusammen schraubt und Holgi als Komplettpaketkäufer, der sich seinen roten Porsche nicht groß aufgemöbelt hat, weil der schon von Werk abgeht wie Schmidts Katze.

Als Brösel in einer gewissermaßen Schaffenskrise steckt, macht er sich auf nach Korsika auf eine Selbstfindungstour und springt bei einem Flachköpper in knietiefem Wasser mit dem Kopf gegen einen Stein. Der plötzliche Tod des Werner-Zeichners löst quasi eine nationale Trauer aus mit Meldungen über den Tod und das letzte, bisher unveröffentlichte Buch in aller Welt. Denn der gewiefte Verleger klaubt sich die Notizen und Zeichnungen des quasi fertigen Werkes aus Brösels Tonne nachdem er selbst seinen Zeichner zur Korsikatour getrieben hatte. Schließlich liebt er selbst ja Brösels Zeichnungen und Geschichten, aber im verkauf sind Manga nun Mal besser...

Währenddessen machen sich Brösels Motorradkameraden auf den Weg nach Korsika, um Brösels tiefgefrorene Leiche nach Hause zu schaffen und in heimischer Erde zu bestatten...

Natürlich gestaltet sich dabei nichts so einfach wie man gerne annehmen würde und so kommt es zu allerhand Unfällen und Malheurs, die ihre Ursache eher in Witzigkeit als sonst was suchen.

Mehr will ich gar nicht verraten, aber witzig ist der Film allemal. Nicht überirdisch witzig, zugegeben, aber witzig genug für einen Filmabend auf jeden Fall.
Besonders gefallen haben mi die Seitenhiebe auf Manga, weil das halt auch irgendwo realitätsnah ist, während zudem ein Einblick in eine gewisse Denkart von Verlegern gemacht wird. Natürlich kann es auch sein, dass ich das jetzt gerade bloß rein interpretiere, aber von ungefähr kam das Thema wohl nicht.

Also, falls mal einer einen mangafizierten Werner sehen möchte, sollte mal in den Film schauen, denn den gibt es dort mal kurz zu sehen, und es ist schrecklich!

Titel: Werner – Eiskalt!

Länge: 98 Minuten

Genre: Komödie, Zeichentrick

Freitag, 28. Oktober 2011

Die drei Musketiere

Als ich den Trailer zu den drei Musketieren gesehen hatte, war mir klar, dass ich den Film sehen musste, und ich würde glücklicherweise nicht in meinen Erwartungen enttäuscht.

Doch fangen wir am Anfang an. Wie der Name es einen vermuten lässt, geht es in dem Film um die aus dem Roman und den vielen Verfilmungen bekannten Musketiere Athos, Portos und Aramis, die nach Jahren des Dienstes am französischen König ihre besten Jahre hinter sich haben. Gepaart mit dem Verrat durch eine enge Vertraute und Mitstreiterin der drei gehen sie nach einer gescheiterten Mission ihrer jeweiligen eigener Wege, nur um durch die Arroganz eines Dorfjungen wieder vereinigt zu werden. Dieser Möchtegern ist D'Artagnan, und aus einer Reihe von Umständen heraus wird aus einem Fechtduell ein Vier-gegen-Vierzig-Kampf.
Durch das Überkommen von Schwierigkeiten geeint (und im Falle des D'Artagnan bewiesen), bahnt sich bald genug für die nun vier Musketiere eine Aufgabe an. Welche und den Rest sage ich nicht, das müsst ihr schon selbst herausfinden.

Doch kommen wir zum eigentlichen Reiz des Films. Die Basis liegt eindeutig bei mehr als nur dem Buch oder vorangegangenen Verfilmungen. Allein die erste Szene, in der einer der drei mittels eines Tauchanzugs aus den Kanälen von Venedig heraufsteigt, macht deutlich: Die ausgetretenen Pfade haben wir hinter uns gelassen. Allerdings beschreitet der Anderson (der Regisseur) auch kein Neuland, sondern vermengt vielmehr verschiedenen Stilmittel zu einem Mix. Der Film ist nach wie vor eindeutig ein Abenteuerfilm, wo man gut nebenbei Popkorn mampfen kann, und obgleich eine romantische Nebenhandlung vorkommt, bleibt es genau dabei, einer Nebenhandlung. Gleichermaßen kann man die Anleihen an die Luftschiffe sehen, die eindeutig ihre Inspiration aus dem Steampunk beziehen, obgleich sowohl historisch als auch innerhalb des Films keine Dampfmaschinen zu finden sind. In ähnlichem Zusammenhang stehen auch die versteckten Fallen (So dünnen Draht haben wir noch nicht Mal heute!)

Was wäre da noch zu erwähnen... Christopher Waltz spielt Kardinal Richelieu (Bösewicht mit guter PR), Orlando Bloom hat Spaß an seiner Rolle und der gesamte Film wurde in Deutschland gedreht und massiv gefördert (u.a. durch Steuerrückvergütungen).

Wie dem auch sei, der Film ist unterhaltsam und fällt in die lohnend-durch-Kinoatmosphäre-Schublade. Mir hat er Lust auf die Romane gemacht, und kurz vorm Abspann wird nochmal eine Andeutung für eine Fortsetzung gemacht, die interessant werden könnte.

Titel: Die drei Musketiere

Regisseur: Paul W. S. Anderson

Länge: 111 Minuten

Historisch interessanter aber wenig relevanter Kontext: Der Film spielt etwa 1625 (zumindest ist es in der Vorlage so und die Charaktere stimmen überein), die bekannteren historischen Figuren (Buckingham, Ludwig XIII., Blabla) existierten wirklich, aber ihr Gefüge ist mitunter für den Film variiert worden. Vor Richelieu hatte die Mutter des Königs die Macht in Frankreich in der Hand. Davor gab es häufig Bürgerkriege und extremistische Gruppierungen. Ludwig selbst wollte als "Ludwig der Gerechte" in die Geschichte eingehen (im Sinne von Ordnung schaffen, nicht Mildtätigkeit zeigen). Er war aber keineswegs so einfältig wie er dargestellt wird, sondern vielmehr ein schüchterner, aber durchgreifungsfähiger Mann.
Der Dreißigjährige Krieg ist in vollem Gange, Frankreich hat unter Ludwigs Vater einen spanienkritischen Kurs gefahren und engagierte sich einige Jahre später selbst im Dreißigjährigen Krieg, was wiederum zu einem gleichzeitigen langen Krieg mit Spanien führte.