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Donnerstag, 19. Dezember 2013

Die Eiskönigin – Völlig unverfroren

Im Hintergrund: Eine zugefrorene Trauerweide. Im Vordergrund v.l.n.r.: hellblonde Elsa im Eiskleid, dunkelblonder Kristoff in Winterkluft, Schneemann Olaf auf Rentier Sven, erdbeerblonde Anna in nicht so winterfester Kluft, brünetter Prinz Hans in Gardeuniform
Eine Eiskönigin mit zwei starken weiblichen Charakteren.
Und Musik.

Elsa und Anna sind Prinzessinnen von Arendelle, einem skandinavisch angehauchten Küstenkönigreich. Elsa ist von Geburt an mit der Eiszauberei gesegnet und je älter sie wird, desto größer werden ihre Kräfte. Für die beiden besten Freundinnen ist das aber unwichtig, bis Anna bei einer ihrer Spielereien verletzt wird. Aus Angst vor sich und um ihre Familie zieht Elsa sich zurück und lässt nichts und niemand mehr an sich heran.

Erst Jahre später, als ihre Krönung ansteht, traut sich Elsa ein wenig aus dem Schloss heraus um ihre Verantwortung wahrzunehmen. Anna unterdessen ist völlig aus dem Häuschen, dass die Schlosstore zumindest für einen Tag wieder geöffnet werden. Hals über Kopf verliebt sie sich dabei in den für die Krönungsfeierlichkeiten angereisten Prinz Hans – und er in sie.

Aufgeregt will sie ihre frisch gekrönten Schwester um ihren Segen für die Hochzeit bitten, aber diese lehnt ab. Als Anna sie zur Rede stellen will, verliert Elsa die Kontrolle über ihre Zauberkräfte und, erschrocken vor der Reaktion der Gäste, flieht zum Nordberg, wo sie sich zur Feier und in Akzeptanz ihrer Kräfte einen Eispalast erschafft.

Der während Elsas stürmischer Flucht schlagartig eingebrochene Winter sowie ihre Schwesterliebe treibt Anna dazu, fürs Erste Prinz Hans die Amtsgeschäfte zu übertragen und sich um die frierende Bevölkerung zu kümmern, während sie selbst sich aufmacht ihre Schwester zurück zu holen, zu ihrem eigenen Wohl, aus Liebe, und um den plötzlichen Winter zu beenden.

Unterwegs "überredet" sie Kristoff und sein Rentier Sven dazu, sie zum Nordberg zu führen.



Disneys neustes Filmwerk orientiert sich nur ganz lose an Hans Christian Andersens Vorlage und arbeitet sich selber an dem Stoff ab. Was nicht unbedingt schlecht ist, denn die Geschichte steht für sich selbst auch ganz gut.

Der Stil erinnert an den vorigen Film Rapunzel, und wie bei diesem wurde auch bei der Eiskönigin viel Wert auf die Ausgestaltung der Welt gelegt. Die Gebäude sind in sich schlüssig, die Charaktere aufeinander abgestimmt, auch wenn die Welt aus einem erwartungsgemäßen Mischmasch von Einflüssen besteht.

Im Gegensatz zu den letzten Disneyfilmen ist die Eiskönigin dieses Mal wieder mit mehreren, in die Handlung eingeflochtenen Liedern wieder ein halbes Musical. Im Gegensatz zum König der Löwen allerdings ist diesmal die charakterliche Entwicklung der beiden Hauptcharaktere Elsa und Anna wichtiger und die üblichen Spaßcharaktere kommen zwar zu Gute, fallen aber recht schnell in Nebenrollen und im Finale quasi vollkommen weg.

Gut Gefallen haben mir gewisse Wendungen. Die Eiskönigin ist nach wie vor ein Disneyfilm mit dem zu erwartenden Handlungsbogen, aber es gab Stellen die haben sich doch recht angenehm anders entwickelt als ich es erwartet hatte.

Nicht gut gefallen hat mir das Charakterdesign, das mir zu… verzweifelt niedlich war, insbesondere bei Elsa und Anna. Dafür waren die Stimmen seht gut besetzt, was insbesondere für die Gesangsrollen wichtig war, allen voran Elsa. Wenn ich an ihr Lied (siehe Abschlusskommentar weiter unten) denke, klingen mir bei unterschiedlichen Teilen das Original und die Adaption im Ohr.

Das 3D ist übrigens gut, aber nicht zwingend notwendig. Im Vorfilm, gehalten im Stil von den Micky Maus Kurzfilmen aus der Frühzeit von Disney, allerdings…



Mir hat er gut gefallen. Und ich habe wieder Ohrwürmer.

Titel: Die Eiskönigin – Völlig unverfroren

Regie: Chris Buck, Jennifer Lee

Länge: 101 Minuten



Abschlusskommentare:

Nachdem Elsa flieht und ihren Palast wie Dr. Manhattan (aus Watchmen) aus dem Boden stampft, singt sie dabei. Es gibt aber eine meiner Meinung nach bedeutende Unterscheidung in ihrem Liedtext im Original und auf Deutsch. Sie singt nämlich "The cold didn't bother me anyway", (die Kälte störte mich eh nie) im Original, auf Deutsch aber "die Kälte ist jetzt ein Teil von mir". Ich interpretiere das so, dass sie im Englischen so tut als würde sie die Kälte akzeptieren, während sie es im Deutschen wirklich tut.

Und noch was anderes: Als Elsa am Ende ihres Liedes auf den Palastbalkon tritt, schwingt sie die Hüften als würde sie ihre Gelenke ausrenken wollen. Von dem massiv übertriebenen Schwung abgesehen kann man das problemlos so interpretieren, dass ihr Wandel zum Bösen bzw. zur Kälte sie ihre Sexualität akzeptieren lässt. Oder Selbstfindung macht sexy?

Und ich hoffe, dass diese dummen Untertitel "Neu verföhnt" bzw. "Völlig unverfroren" nicht einen schlechten Trend bei den Übersetzern setzen und Wortspiele in den Titel gezwängt werden…

Samstag, 19. Oktober 2013

Brendan und das Geheimnis von Kells

Irisches Märchen… mehr oder weniger

 

Brendan ist ein lebhafter Junge, dessen Onkel Abt im irischen Kells des 8. Jahrhunderts ist. Die Abtei und deren Mönche sind zusammen mit der umliegenden Bevölkerung damit beschäftigt, eine Mauer zu bauen, welche die Familien und Abtei vor den herannahenden Nordmännern schützen soll, die brandschatzend und mordend durch die Lande ziehen.

Doch dem jungen Brendan steht nicht der Sinn danach Mauern zu bauen, er würde sich viel lieber mit dem eingetroffenen Bruder Aiden über das unvollendete Buch von Iona unterhalten. Aiden, Alchemiker und Gelehrter, ist mit dem Buch vor den Nordmännern geflohen und sucht in Kells Zuflucht. Als er Brendans Fantasie und gestalterische Gabe bemerkt, setzt er sich in den Kopf, dass Brendan ihm bei der Fertigstellung des Buches helfen soll.

Entgegen den Wünschen seines Onkels geht Brendan daher in den Wald, um Beeren für eine bestimmte Tinte zu suchen. Die ablehnende Waldfee Aisling hilft ihm widerwillig dabei, aber freundet sich zugleich mit Brendan an.

Als der Abt von dem Ungehorsam seines Neffen erfährt, greift er zu zunehmend schwereren Maßnahmen, mit denen er Brendan von strafen und zugleich von weiteren Streifzügen abhalten will. Während dessen rücken die Nordmänner immer näher…



Das wohl herausstechendste Merkmal von Kells ist der Animationsstil. Stark beeinflusst von den irischen Malereien des 8. Jahrhunderts und auch den Illustrationen aus dem besagten Buch sind die vordergründigen Personen in dem eckig gebogenen Stil, während der Hintergrund oft an isometrische Wassermalereien erinnert.

Der Film hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die bereits 10 Jahre vor seiner Veröffentlichung begann und sowohl durch Geldgeber als auch (die teilweise damit überlappende) Kirche beeinflusst wurde, die alle ihre jeweils eigene Interpretation verwirklicht sehen wollten.

Als einen interessanten Aspekt betrachte ich die Zeit an sich: der durch die Römer eingeführte christliche Glaube ist mittlerweile als Standard zu betrachten und das Buch von Iona/Kells ist an sich eine besonders hübsch aufgearbeitete Bibel. Das (west-)römische Reich ist im Untergang begriffen, die Legionen sind schon länger abgezogen und die Kultur läuft auf Sparflamme weiter. Die Kirche übernimmt ein paar Aufgaben, aber kann beispielsweise die militärische Seite nicht übernehmen und so sind es militärische Gefahren, welche die Kultur und Menschen bedrohen.

Während dessen ist die lokale Kirche dabei, die alteingesessenen Sagengestalten wie Cromm Cruach (ein Todesgott) in den Kanon und Mystik der Kirche zu integrieren. Alles ziemlich interessant.



Alles in allem hat mir der Film gefallen, sowohl vom Animationsstil, Soundtrack als auch Handlung her.

Titel: Brendan und das Geheimnis von Kells (Original: The Secret of Kells)

Regie: Tomm Moore, Nora Twomey

Länge: 75 Minuten

Montag, 8. Juli 2013

Epic – Verborgenes Königreich

Urheberrecht bei FOX und bla

Däumelinchen + Borger animiert

Im Wald gibt es eine hochentwickelte Zivilisation winziger Menschen, die Leafmen, die in enger Verbundenheit mit der Natur leben. Regiert von einer Personifikation des Lebens selbst, Königin Tara, würden sie alle glücklich leben, wenn da nicht die bösen Rots wären mit ihrem Anführer Mandrake. Als dieser überraschend einen Angriff startet, wird die Königin tödlich verletzt…

M.K., Tochter eines schrulligen und von der Fachwelt belächelten Wissenschaftlers, besucht nach langer Zeit mal wieder ihren Vater in seinem Haus im Wald, denn dort befindet sich auch sein Untersuchungsobjekt – eine hochentwickelte Zivilisation kleiner Menschen. Bloß beweisen kann er nichts.

M.K. lässt ihrem Vater seine abstrusen Theorien und verläuft sich im plötzlich stürmischen Wald. Als sie auf dem Boden etwas, leuchtendes, flitterndes findet… schrumpft sie auf die Größe der Leafmen.

Alsbald wird ihr klar, dass sie eine von der Königin Tara zuvor ausgesuchte Blüte mithilfe der Leafmen zum Blühen bringen muss, um das durch den Tod der Königin verletzte Gleichgewicht im Wald wieder zurecht zu rücken.



Natürlich gibt es da dann noch den Draufgänger unter den Leafmen, Ronin, in den sich unsere Heldin M.K. verguckt und allgemein ist der Film schön aber… vorhersehbar. Das muss beileibe nichts schlechtes sein, aber in diesem Fall war es schon recht langweilig.

Alle Handlungsstränge waren absehbar, die Charaktere kaum mehr als Archetypen, die Dialoge – wenn schon nicht im Wortlauf dann doch im Inhalt – von vornherein klar.
Das 3D war nett, aber… na ja. Für einen Animationsfilm unaufdringlich, was gut ist, aber es wurde damit nicht so sehr gespielt, wie ich gedacht hätte. Im Gegenzug war der Wald, von den phantastischen Elementen abgesehen, wunderschön und zu einem beeindruckenden Grade realistisch gestaltet. Blätter mit Blattadern, durchscheinend, Abermillionen Grashalme, die sich im gleichen Wind wiegen, der auch durch die Blätter wühlt; Baumrinde, die knorke aussieht…

Und als Dreingabe wird der Bösewicht Mandrake von Christopher Waltz gesprochen, was ihm den gewissen kultivierten Charme verleiht. Hinzu kommt noch der gut verteilte Humor, der mit Spitzen nicht geizt.



Recht nett, aber er hat mich nicht weggehauen.

Titel: Epic – Verborgenes Königreich

Regie: Chris Wedge

Länge: 102 Minuten

Montag, 20. Mai 2013

Tales of the Questor

Quentyn stellt sich den Gragum (Alligatauren)
Vom Waschbären, der auszog Abenteuer zu überstehen



Quentyn, ein Rac Cona Daimh (quasi intelligente, antropomorphe Waschbären), ist gerade vierzehn Jahre alt und lebt bei seinen bäuerlichen Eltern im beschaulichen Dorf Freeman Downs. Zu seinen Aufgaben gehört es, sich zusammen mit seinem Vater um die Felder zu kümmern, aber auch sich eine Beruf auszusuchen. Für Quentyn ist das aber nicht so leicht, denn er ist von kleiner Statur, magisch unzureichend begabt, aber auch nicht mit einer ruhigen Hand für die feineren Berufe gesegnet. Davon abgesehen verliert er sich gerne in die Geschichten von Questoren, lizenzierten Abenteurern. Sie bekämpfen Drachen und retten Jungfrauen aus Nöten und seit hundert Jahren gab es keinen mehr.

Engel in Hirschgestalt
Bei der Berufungszeremonie, einem nicht bindenden aber bedeutendem Brauch, wählen die Kits (noch nicht erwachsene Rac Cona Daimh), welchen Beruf sie ergreifen wollen, und Quentyn weiß immer noch nicht, was er werden will, oder bei seinem Mangel an Begabung überhaupt werden kann. Unschlüssig begleitet er seinen Vater und erhält sogar ein Zeichen…

„Questor‟ ist ein eher lose definierter Beruf, einer der sich aus den Umständen ergibt. Im wesentlichen könnte man es wohl als Held auf Abruf oder schnelle Eingreiftruppe beschreiben, als jemand, der bei Notwendigkeit schnell reagieren kann auf unerwartete Situationen. Und Quentyn entscheidet sich dafür. Die erste Zeit muss er Spott und Schalk ertragen und sich erst mal etablieren; anschließend? Langeweile, unterbrochen von Ausbrüchen von Aktivität und Angst.

Stück für Stück übersteht Quentyn Abenteuer, die oft nicht als solche beginnen; die sein Handeln mitunter nicht gebraucht hätten, aber durch ihn doch schneller und unkomplizierter gelöst wurden. Er macht sich ein Namen, wird bekannt, wächst als Person. Natürlich musste etwas dazwischen kommen, und so verlässt er das seine Heimat und zieht auf seiner bisher größten Quest in das Reich der Menschen jenseits der Nebelwand…
Das Luftschiff bricht jenseits der Nebelwand auf



Der Autor Ralph Hayes Jr. versteht es, eine interessante Welt zu gestalten, das kann keiner abstreiten. Die Rac Cona Daimh (Raccoon, klick gemacht?) leben in einem von einer Nebelwand, Stürmen und Sümpfen umgrenzten Gebiet, alles selbst geschaffene Hindernisse. Sie haben Magie soweit analysiert, dass sie einen Zweig der Wissenschaft darstellt und problemlos reproduzierbar ist, wenn man die unterliegenden Prinzipien kennt. Es gibt Luftschiffe, moderne Forschung, eine Republik als Regierungsform. Viele Bräuche und im Hintergrund stattfindende Ereignisse werden in einem Tagebuch erläutert.

Womit wir bei einem Kritikpunkt sind: ca. 40% des aktuellen Kapitels bestanden aus diesem Tagebuch, was zwar sehr informativ ist, aber die Handlung nicht weiter treibt. Insbesondere wenn die Charaktere gerade in einer prekären Situation sind, ist das frustrierend.
Quentyn begegnet dem Weißen Hirsch
Ein Anderer ist Religion. Obwohl Hayes einen mit seiner christlichen Weltanschauung nicht gerade erschlägt, verhüllt er sie auch nicht gerade. Für mein Empfinden kabbelt sich das etwas mit der wissenschaftlichen Herangehensweise und Aufklärung der Rac Cona Daimh. 

Man sieht ein gewisses künstlerisches Wachstum, wenn man die Seiten von Anfang und Ende vergleicht, zudem ist das Lesegefühl und -geschwindigkeit durchgehend angenehm. Wahrscheinlich der Grund für das Stören der Tagebuchteile…



Titel: Tales of the Questor (übersetzt: Geschichten vom Questor URL: http://www.rhjunior.com/totq/)
Quentyn hat den Flamenstoß eines Drachen überstanden und fordert ih heraus
Autor: Ralph Hayes Jr.

Sprache: English, das Sumpfkapitel ist durch den Dialekt schwierig, ansonsten ok.

Länge: 700+ Seiten, farbig (davon ca. 100 Seiten Tagebuch, schwarz-sepia)

Status: Laufend, sporadische Veröffentlichung

Mittwoch, 5. September 2012

Merida – Legende der Highlands

Dickkopf lernt Lektion


Merida ist die Älteste ihres Vaters, Bärentöter/König Fergus, hat gewitzte Drilling als Geschwister, und obwohl sie eine Prinzessin ist, leidet sie doch unter den Ansprüchen und Anforderungen ihrer sie liebenden Mutter Elinor. Diese hat ganz genaue Vorstellungen, was eine Prinzessin zu tun und was sie zu lassen hat und setzt diese auch immer wieder mit Nachdruck durch.

Dabei will Merida nichts anderes, als mit ihrem Pferd durch die schottischen Highlands reiten, Berge erklimmen, Bogen schießen und ihre Freiheit genießen.

Das stellt sich als Problem heraus, als die drei Clans ihrem König einen Besuch abstatten, um der uralten Tradition gerecht zu werden und ihren Erstgeborenen um die Hand des Königskindes anhalten zu lassen.

Spitzfindig nimmt Merida diese Tradition beim Wort, tritt nach den drei Söhnen, zur Empörung aller, selber an und deplaziert sie. Ungehalten überwerfen Merida und Elinor sich und in einem Streit wird der frisch gestickte Wandteppich Elinors zerschnitten, während Meridas Bogen im Kamin landet.

Wutentbrannt und den Tränen nah flieht Merida und landet – einer Irrlichtfährte folgend – bei einer Holzschnitzerin/Hexe. Nach einigem Handeln kauft Merida ihr einen Zauber ab, in Form eines Kuchens, der ihr Schicksal verwandeln soll.

Zurück im Schloss bietet Merida diesen Kuchen ihrer Mutter als Versöhnungsversuch an. Er schmeckt grausig. Und er wandelt das Schicksal, genauso wörtlich wie Merida die Tradition nahm.

Königin Elinor wird ein Bär.

Und hier unterbreche ich meine Inhaltsbeschreibung, ihr wollt ihn ja schließlich selbst sehen.

Merida, im Original Brave (also mutig), ist der aktuelle Pixarfilm und hat das erste Mal eine weibliche Heldin. Inhaltlich ist es näher an Disney angesiedelt, durch seine Grundlage in Märchen und einen leichten Hauch von fad (im Sinne von nicht so originell wie gewohnt), weiß durch seine fantastischen Bilder aber zu überzeugen.

Die Highlands, Landschaften und Umgebungen sind sehr gut und zeigen ein weiteres Mal den technischen Fortschritt, der sich nicht nur in der Haarlänge der Figuren, sondern auch den wabbernden Nebelbänken zeigt.

Der 3D-Aspekt des Films ist übrigens sehr dezent, so dass sich Merida problemlos in normal anschauen lässt, ohne etwas zu verpassen.

Trotzdem fehlt Merida irgendwo der Charme seiner Vorläufer. Vielleicht hätte etwas Biss, oder Mut zur Andersandertigkeit, geholfen.

So bleibt der Film technisch einwandfrei und unterhaltsam, aber das gewisse Etwas fehlt halt.

Titel: Merida

Regisseur: Mark Andrews, Brenda Chapman, Steve Purcell

Länge: 94 Minuten

PS: Brave als Titel gefällt mir besser. Nicht, weil es Englisch ist oder so, sondern weil es mehr Bedeutung hat. Mut, sich Gefahren entgegenzustellen. Mut, sich seinen Eltern zu widersetzen. Mut, seine Fehler einzugestehen.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Adventure Time


Man fragt sich bei Adventure Time with Finn and Jake gleich nach den ersten paar Minuten, ob die Macher dieser Trickfilmserie etwas nicht ganz legales zu sich genommen haben – alles ist seltsam. So beginnt beispielsweise die erste Folge mit aus Versehen zombifizierten Bonbonmenschen, welche sich auf die anderen Bonbonmenschen stürzen und deren Zucker wollen – also ihr "Fleisch". In ähnlich absurder Weise geht es weiter, wobei bei weitem nicht oft solche potentiell gruseligen Themen angeschnitten werden.

Doch fangen wir von vorne an. Finn ist ein zwölfjähriger Junge ist und Jake ist Mitte zwanzig, hat eine eher entspannte Haltung und ist ein magischer Hund, das heißt er kann sich in großem Maße dehnen, strecken und schrumpfen. Beide wohnen zusammen in einem Baumhaus und retten Prinzessinnen, raufen sich mit Raufbolden im Raufbolddorf, liefern sich Kämpfe mit dem Eiskönig und anderen Bösewichten und haben allgemein Spaß und Abenteuer. Von den beiden ist Finn das Energiebündel, während Jake meist relativ entspannt die Sachen angeht.

Natürlich gibt es Probleme und Konflikte, aber diese lassen sich meist mit einem Schwert bekämpfen oder mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft lösen. denn genau das wollen Finn und Jake – Abenteurer sein und jedem helfen, der Hilfe benötigt.

Und die Welt ist reich an Gelegenheiten zu beidem. Sehr viele ungewöhnliche Dinge auch jenseits von Süßigkeiten können reden und leben ihre Leben und allgemein folgt alles einer Logik, wie man sie in den Spielen und Träumen von Kindern erwartet. So gibt es beispielsweise statt Werwölfen Warumwölfe, Bonbonpersonen können durch ankleben von anderen Süßigkeiten wachsen, die Vampirin spielt Bass und seit Finn einen Computerchip verschluckt, kann er mit Computereffekten singen.

Dabei ist die Serie so erfüllt mit Klischees und Stilmitteln, dass man keinen Schritt gehen könnte ohne über eins zu stolpern. Durch ihre hervorragende Umsetzung macht es aber wirklich Spaß zuzuschauen! Allein schon die Dialoge, welche nicht dem Schnitt des Senders zum Opfer gefallen sind, machen die Serie in meinen Augen sehenswert.

Interessanterweise schwankt die Animation recht stark von Folge zu Folge, was ein nicht übertrieben rigides Markenbewusstsein vermuten lässt. Zum Beispiel sind üblicherweise Trickfilmserien sehr auf die Beständigkeit der Charakterdesigns bedacht, während bei Adventure Time Jake von Folge zu Folge schon mal eher rund oder eher lang sein kann. Anscheinend lässt man den Animationsteams und Regisseuren einen gewissen kreativen Freiraum, was ich persönlich toll finde.

Im Gegensatz zu vielen Trickfilmserien gilt bei Adventure Time der Status Quo nicht als unantastbar, sondern vielmehr wird ein recht hoher Wert auf Kontinuität gelegt. Glücklicherweise hält sich das aber im Hintergrund, wodurch ein Vorwissen nicht nötig ist und man jederzeit in die Serie einsteigen kann.

Als eher aktuelle Serie interagieren die Macher von Adventure Time sogar mit den Fans und bei ausreichendem Potential und Anklang werden Ideen und Vorschläge berücksichtigt, sowie mit dem Fakt von Fans an sich gespielt. Ein Beispiel dafür wäre die Idee mit dem Minikatzenattentäter, welche zu einer ganzen Folge ausgebaut wurde.

Noch etwas zum Hintergrund: Nach der Kurzfolge, die sehr gut im Internet ankam, hat Nickelodeon zweimal eine Serie abgelehnt, worauf hin sich Pendleton Ward an Cartoon Network wandte und sofort eine Zusage bekam. Aufgrund des mehrseitigen Humors, der sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht, hat die Serie eine breite Fanbasis für sich gewinnen können.

Zur Zeit wird die dritte Staffel ausgestrahlt, und für eine Umsetzung auf deutsch kann ich nur hoffen und bangen, denn obgleich der Humor nicht unübersetzbar ist, ist eine gute Umsetzung definitiv fordernd.



Titel: Adventure Time (with Finn and Jake)

Kreativer Kopf: Pendleton Ward, Adam Muto

Studio: Frederator

Länge: 13 Doppelfolgen je Staffel, 11 Minuten je Folge

Nachtrag: Ich bin mittlerweile im Besitz der deutschen DVDs der ersten Staffel, die übrigens vor den US-Varianten herauskamen, dafür aber weniger ikonische Cover und unterbestückt im Bereich Extras sind. Die deutsche Synchronisation ist gelungen und die Stimmen größtenteils gut besetzt, bloß von Prinzessin Bubblegum bin ich etwas enttäuscht. Für die interessierten, Adventure Time läuft zur Zeit täglich auf Cartoon Network und Sonnabends im Vormittagsprogramm von Kabel 1.