Posts mit dem Label Agenten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Agenten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 27. Februar 2020

BABYLON

Ein zerrissenes Bild, bei dem Teile fehlen: 3 junge Männer und 1 junge Frau auf einer Straße zwischen Häuserschluchten, die Sonne am Ende der Straße; der vorderste Mann ist Seizaki, zu seiner rechten sein Polizeikollege, zu seiner linken sein jüngerer Anwaltskollege, weiter hinten seine spätere Anwaltskollegin; durch die fehlenden Teile des Bildes sieht man eine andere junge Frau, lächelnd. Im vordersten Grund sieht man eine Frauenhand, die gerade einen Fetzen des Bildes beiseite blättert
Nur ein Wort zum Selbstmord

Es ist schwierig über diese Serie zu reden, ohne direkt Handlungspunkte zu verraten, denn ihre Thematik – induzierter Selbstmord – bedeutet, dass Charaktere sterben. Daher werde ich mich bloß auf Zen als Hauptcharakter konzentrieren.

Montag, 9. Dezember 2019

Summerland

Grauer Vordergrund auf gelbem Hintergrund, an der Schnittkante in mittler Entfernung sind vier graue Silhuetten unterschiedlicher Statur und Bekleidung, eine davon weiblich (Rock statt Mantel). Von den 4 Figuren gehen weiß gezackte Strahlen aus, die die Form von Häusern imitieren.
Spionagethriller im Leben nach dem Tod.

Summerland ist ein seltsames Buch. Mir wurde es empfohlen als, und ich zitiere hier: „Es gibt ein Leben nach dem Tod und die Briten haben es kolonialisiert.“ Leider war ich durch The Salvation War bereits für ein derartiges Szenario vorgeprägt und hatte hohe Erwartungen, die nicht erfüllt wurden, was meinen Genuss des Buches etwas geschmälert hat.

Die eigentliche Prämisse ist, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein gewisses ,Leben nach dem Tod‘ entdeckt und erforscht wird. In diesem ist vieles vergänglicher und auf Gedankenformen und dergleichen basierend im Verhältnis zu unserer Welt. Um ein Gleichnis aufzumachen, die Realität wie wir sie kennen überlappt sich räumlich mit dem Jenseits so wie die Titelseite eines Buches sich mit allen anderen Seiten überlappt. Das Jenseits befindet sich größtenteils auf den paar hundert Seiten im Mittelteil dieses Buches und es kostet Energie sich der Titelseite anzunähern. Und im Umkehrschluss ist es energetisch einfach in das Nachwort zu fallen ist, aber der Aufstieg kostet wieder Energie.

Vor diesem Hintergrund findet die Handlung in einem abgewandelten Europa der ca. 1930er statt. Russland wird von einem auf Lenins Geist basierendem Etwas gesteuert und die Kommunisten streben nach wie vor die Befreiung der Welt von der Jochschaft des Kapitalismus und Imperialismus an, verkörpert hier durch das Vereinte Königreich. Beide Weltmächte (die USA werden bestenfalls in Nebensätzen erwähnt) liefern sich Kämpfe in dunklen Gassen, es gibt Agenten, Doppelagenten, Trippelagenten, Unterwanderung und Maulwürfe auf beiden Seiten.

Die Hauptfigur ist Rachel, ihres Zeichens Betreuerin eines russischen Überläufers, eine Position die sich mühsam und gegen Widerstand des Establishments erstreiten musste. Natürlich gehen Dinge schief und Rachel wird verstrickt in Ränkespiele der Mächtigen, muss einen Maulwurf enttarnen, und sich dabei noch –als fürsorgliche Gattin natürlich – um ihren von posttraumatischer Belastungsstörung geplagten Ehemann kümmern.
”The windmill you’re tilting at is very high and ancient and English: privilege.“
Was ich interessant fand, war die mittlerweile eingezogene Gleichgültigkeit über die Gewissheit, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Zumindest im britischen Jenseits gibt es Anstellungen und Rente, man kann sich seinen Zugang zum Jenseits kaufen und der Transit, der mit dem unwiderruflichen Tod des Körpers einhergeht, kann und darf problemlos vor dem natürlichen Tod eintreten. Genauso gibt es keinen Zwang zum Jenseits – prägt man sich kein Ticket ein, geht die Essenz der Seele auf der anderen Seite innerhalb von Stunden bis Tagen verloren.

Dieser letzte Aspekt erinnert mich, jetzt wo ich darüber nachdenke, an eine Szene aus David Brins Copy / Kiln People. Welche genau würde aber zu viel über die Handlung verraten, deswegen will ich gar nicht mehr dazu sagen. Ansonsten könnte man Summerland noch als Steampunk verorten, denn es gibt Telefone ins Jenseits und ähnliche, realitätsübergreifende Technologien, die mit vorcomputerlichen Methoden funktionieren. Oder vielleicht auch Ghostpunk, wenn es das denn gibt.

Sehr amüsant ist auch noch, dass einer der Nebenfiguren wirklich sehr stark an Winston Churchill angelehnt ist, und dass die Sprache des Settings durchaus Einzüge von Pulp- und Groschenromanen hat (Ectotank / Ektopanzer, Ectophone, etc.). Negativ, aber für seine Zeit akkurat ist natürlich die Behandlung von und Erwartungshaltung an Frauen und sozial Niedergestellte.


Im wesentlichen Meh.

Titel: Summerland (ISBN: 978-147-320328-0)

Autor: Hannu Rajaniemi

Sprache: Englisch (Mittel)

Länge: 336 Seiten (83k Wörter)

Mittwoch, 18. Juni 2014

Welcome to Night Vale

Der Mond als Pupille eines übergroßen, stilisierten Auges; in Silhouette ein Wasserturm, Überlandleitung, Radioantenne und Pyramide. ©Rob Wilson, RobWilsonWork.com
In einer Wüstenstadt sind alle Verschwörungen wahr, und das ist normal.

In den deutschen Landen nicht so üblich, aber in den USA sehr verbreitet sind die sogenannten Community Radios, kleine, freie und vor allem regionale Radiosender. Neben oder statt der üblichen nationalen und internationalen Nachrichten senden diese Sender eher lokale Belange. Es gibt Berichte über Bauprojekte, anstehende Wahlen und anderweitige Neuigkeiten in einem Umkreis von ein paar dutzend Meilen.

Ein stilisierter hydra-ähnlicher Drache mit 5 Köpfen an 5 langen Hälsen
©Rob Wilson, RobWilsonWork.com

Welcome to Night Vale ist ein Podcast, der sich als genau solch eine regionale Radiosendung ausgibt, eine bei dem Night Vale Community Radio, deren Moderator Cecil Palmer die Bewohner des beschaulichen Wüstenstädtchens Night Vale über die verschiedenen Vorkommnisse und Belange eben jener Stadt informiert. Da wäre zum Beispiel der Hundeplatz, der von mehreren Meter hohen Betonmauern umzäunt ist, nicht betreten werden darf und aus dem seltsame Geräusche kommen. Aber keine Sorge, die Geheimpolizei des Sheriffs kümmert sich darum.


Die erste Folge beginnt damit, dass der Wissenschaftler Carlos, wunderschöner Carlos, nach Night Vale zieht und spontan feststellt, dass alle Uhren falsch gehen. Im Sinne von, elementar falsch, nicht bloß ein Stück vor oder nach. Die Uhren ticken nach ihrer eigenen Zeit, obgleich sie bei näherer Untersuchung kein Uhrwerk haben. Sie ticken einfach, ohne Antrieb und Einschränkung, alle gleichermaßen falsch.

In der gleichen Schiene geht es weiter. Ob es nun John Peters' – ihr wisst schon, der Farmer? – und sein geförderter (!) Anbau imaginärer Agrarprodukte geht, oder das Leselager über die Sommerferien, für das spontan alle Kinder entführt wurden. Die unsichtbare Frau, die heimlich in den Zwischenwänden haust, oder Khoshekh, die einen Meter über dem Boden schwebende Katze auf dem  Herren-WC – all das ist normal, und wird im Verlauf der Radiosendung auch als vollkommen normal behandelt.

Gerade darin liegt auch der Reiz der Berichterstattung. Quasi alles ist normal. Selbst die Katastrophen sind normal, und oft genug geplant oder im Kalender vorgemerkt. Dann gibt es wieder die Aberkennung von bestimmten Dingen, wie zum Beispiel Berge, die nicht existieren und offensichtlich einer Verschwörung entsprungen sind.

Der Wetterbericht ist übrigens stets ein Lied von diversen Bands, meist ruhig und melodisch, in die Richtung Easy Listening.

Nach knapp zwei Jahren und etwa 50 Folgen hört diese Kombination aus Theater und Hörspiel nicht auf, witzig zu sein.



Silhouette einer alten Frau mit Stock, wie sie aus einem Fenster mit Gardine schaut.
©Rob Wilson, RobWilsonWork.com
Titel: Welcome to Night Vale (dt. "Willkommen in Night Vale")

Autoren: Joseph Fink, Jeffrey Cranor

Sprecher: Cecil Baldwin und andere

Länge: 50 Folgen zu je 20-30 Minuten

Status: laufend, halbmonatlich

Sprache: Englisch, akustisch gut verständlich



Da Night Vale als Ort schon sehr seltsam ist, hat sich unter Fans des Podcasts ein gewisser Meme oder Injoke eingebürgert: Wenn etwas abstruses passiert, sei es nun in der Realität oder einer fiktiven Welt, das aber relativ normal aufgenommen wird, kommt der Kommentar "Und nun: das Wetter" ("And now: the weather."), in Anlehnung an Welcome to Night Vale.

Ich persönlich vertrete ja die Hypothese, dass es in den USA in dieser speziellen Instanz keine Ausreißer und Vermissten gibt, nicht wirklich, sondern dass dieses Personen schnell gefunden und kreativ nach Night Vale umgesiedelt werden. Dort werden sie nicht unbedingt geopfert, aber doch schon irgendwie.

Eine treffende Beschreibung für Welcome to Night Vale ist auch noch: Neil Gaiman und Stephen King haben zusammen Sims gespielt und sich irgendwann anderen Projekten zugewendet. Night Vale ist das Ergebnis, und Welcome to Night Vale der Versuch der Sims, ihre Welt zu erklären.

Montag, 16. Juni 2014

Jumper

Junge wird erwachsen – und kann sich teleportieren

Davy Rice ist ein stiller 17jähriger in einer US-amerikanischen Kleinstadt. Seine Mutter hat bereits vor Jahren die Familie verlassen und sein Vater ist dem Alkohol mehr als zugetan. Als er sich wieder Mal über die Faulheit seines Sohnes aufregt, zückt er seinen Gürtel und will Davy eine weitere Tracht Prügel versetzen, als sich Davy plötzlich in der städtischen Bibliothek wiederfindet.

Er hat keine Ahnung, wie er dorthin gekommen ist, vermutet aber, dass Züchtigung schlimm genug war, so dass er sich zum eigenen Schutz nicht an die Zwischenzeit erinnert. Dies veranlasst Davy, es seiner Mutter gleichzutun und einfach wegzulaufen.

Er ist bereits zwei Wochen unterwegs, es geht ihm mehr schlecht als recht, als er sich von einem Diner in der Wildniss von einem Trucker mitnehmen lässt. Erst zu spät bemerkt der Junge, dass die Motive des Truckers nicht Nächstenliebe sind, sondern sexueller Natur. Doch kurz bevor es dazu kommt, findet sich Davy wieder in der Bibliothek seiner Heimatstadt wieder. Heilfroh und völlig verstört verbringt er die Nacht dort.

Davy wird klar, dass er sich – wieso auch immer – durch die Welt teleportieren kann, aber bloß an Orte, an die er sich ausreichend erinnern kann. Er kann nicht mehr mitnehmen, als er ohnehin tragen kann, und so macht sich Davy an seinen ersten Plan: Eine Bank in New York auszurauben. Aber auch erst, nachdem tagelang versucht hat, legal einen Job zu finden.

Bei dieser einen Bank bleibt es aber auch, und von dem Geld lebt Davy über ein Jahr und gönnt sich ein vernünftiges, wenn auch extravagantes Leben. Er geht ins Theater, kauft sich Bücher, sowas in der Richtung. Bis er eines Abends Millie kennen lernt…



Es geht natürlich noch weiter, aber schätzungsweise dreiviertel des Romans handeln nur von Davy und seinen Problemen mit seinem Vater und seiner Familie, und wie er mit der plötzlichen autoritären und finanziellen Freiheit klar kommt. Davy schlägt dabei nicht über die Stränge und führt ein Leben in Saus und Braus. Ebensowenig nutzt er sein Talent für Heldentaten; vielmehr ist die Banalität, mit der er durch die Gegend springt, gut dargestellt. An einem faulen Tag springt er beispielsweise von einem Sofaende zum anderen, weil er nicht aufstehen wollte.

Durch die Begegnung und die Gesprächen mit der soliden Millie realisiert Davy erst, wie kaputt sein Familienleben war und er unternimmt Anstrengungen, mit seiner Mutter Kontakt aufzunehmen; später fängt er an, seine eigenen Probleme aufzuarbeiten.

Erst im letzten Teil kommt es dann zu einer Auseinandersetzung mit der NSA, und aus dem eher ruhigen Roman wird ein recht actionlastiger und handlungstriefender.

Jumper hat aber nur ganz grob etwas mit dem gleichnamigen Film von 2008 zu tun. Ein paar Charaktere werden aufgegriffen, ebenso das Teleportieren, aber das war's im wesentlichen. Im Buch kommen keine Paladine oder sonstwas vor.

Ich hatte eher das Gefühl, dass das Teleportieren mehr oder weniger ein Randgimmick ist und die Aufarbeitung von Davy und seiner Familiensituation sowie seinen Gefühlen der Hauptfokus ist. Ein Junge flieht einer misshandelnden Familiensituation und baut sich aufgrund seiner Talente ein eigenes und neues Leben in der Großstadt auf. Es hat den Beigeschmack einer Wunscherfüllung, die der Autor dort durchlebt, oder dem Leser anbietet, was durch die Ich-Erzählung noch einfacher wird.

Da der Roman in den frühen 90ern spielt, gibt es einige veraltete Elemente, die aber kaum auffallen. Schade, dass es keine deutsche Version gibt.



Ich muss sagen, mir hat der gut gefallen und ich überlege mir die 3 Folgeromane zu holen.

Titel: Jumper

Autor: Steven Gould

Länge: 345 Seiten, über 100k Wörter

Donnerstag, 24. April 2014

Ansatsu Kyoushitsu – Attentatsunterricht


Wir bringen unseren weltenzerstörenden Lehrer um!

Die Mondsichel war früher eine optische Erscheinung, jetzt ist sie Realität geworden – 70% des Mondes sind verschwunden, und keiner weiß warum.

So ganz stimmt das nicht, denn die Schüler der Klasse 3E aus der Kunugigaoka Mittelschule (gleichwertig zur 9. Klasse) haben einen euern Lehrer, der nicht von dieser Welt zu kommen scheint. Er ist gelb, hat Tentakeln, einen kugelrunden Kopf und ein dämliches Grinsen. Er ist für die großteilige Zerstörung des Mondes verantwortlich, kann sich mit grob 20-facher  Schallgeschwindigkeit bewegen und will nichts lieber tun als seine Klasse zu unterrichten. Da weder Militär noch sonst irgend etwas ihm bisher etwas antun konnte, erlaubt er im Gegenzug den Schülern seine Klasse ihn auf jedwede (nicht den Unterricht störende Weise) mit speziellen Mitteln anzugreifen, die ihn verletzen könnten, wenn er denn getroffen werde würde. Haben sie damit innerhalb eines Jahres keinen Erfolg, wird er die Erde genauso zerstören, wie er es mit dem Mond getan hat.

Man kann nicht konkret von Hauptcharakteren sprechen, sondern vielmehr von Fokuscharakteren, da die über 20 Schüler verschiedentlich gut ausgearbeitet werden. Ein gewisser Fokus (ha!) wird dabei auf Nagisa gelegt, der schmächtig und androgyn ist. Meist ist er zusammen mit Kayano der Sprachrohrcharakter, der für den Leser die verschiedenen Einblicke in das Schulleben gibt oder erklärt.

Als Verbindungsstelle zum und für das Militär dient der fadenscheinig als Sportlehrer getarnte Karasuma, der unter anderem die verschiedenen Waffen und sonstigen Materialien zur Verfügung stellt, welche die Schüler für ihre Attentate benötigen.

Dem entgegen steht die ungemeine Gabe von Koro-sensei, so der Spitzname des Monsters, seinen Schülern selbst den schwierigsten Stoff verständlich, nachvollziehbar und anwendbar zu vermitteln, teilweise als Attentatsbeispiele und dergleichen. Er opfert sich für seine Schüler auf, wenn auch nicht mit seinem Leben. Teilweise muss er das aber auch, denn die Kunugigaoka-Schule und allen voran ihr Direktor bzw. Vorsitzender verfolgt eine rigorose Ausgrenzungspolitik gegen die 3E, die für alle anderen Schüler als Negativbeispiel hinhalten muss. Die A-, B-, C- und D-Klassen werden von der Furcht beherrscht in der E zu landen und behandeln daher die Ausschussschüler wie Abschaum.

Insgesamt hat mich der Manga mächtig an GTO (Great Teacher Onizuka) erinnert, mit schwachen Science-Fiction-Elementen und einer gehörigen Prise Spionage- bzw. Agentenkram.



Er hat mir ziemlich gut gefallen.

Titel: Ansatsu Kyoushitsu (übersetzt: Attentatsunterricht)

Autor: Yūsei Matsui

Länge: 7 Bände

Status: Laufend

Dienstag, 10. Dezember 2013

String Theory

Dr. Schtein im Vordergrund mit boshaftem Lächeln, im Hintergrund ein Flammenmeer
Der katastrophale Aufstieg zum Superschurken-Superstar

Dr. Herville Schtein ist nicht gerade vom Glück geplagt. Nach seinem Abschluss in Quantenphysik mit 19 arbeitet er seit 15 Jahren an diversen streng geheimen Regierungsprojekten in einem unterirdischen Labor. Zusammen mit seiner Mysophobie (Angst vor Krankheitserregern) und aufreibenden Art ist er nicht gerade beliebt. Und seine Augen sind Rot auf Schwarz, aber na ja, Arbeitsunfälle eben.

Delia Osgood ist die frische nach ihrem Abschluss angestellte Assistentin von Dr. Schtein – seine 15 innerhalb von 5 Jahren. Das derzeitige Projekt unter seiner Führung soll Teleportation ermöglichen, aber nach Jahren kommt Schtein nicht weiter. Dr. Langstrom, Erzrivale und in einem Konkurrenzprojekt, macht Fortschritte und biedert bei Delia an.

Sowohl aus romantischem Interesse als auch aus Prinzip kann Schtein das nicht ertragen und sabotiert Langstroms Projekt, was zu einer Explosion und mehreren Toten führt, unter ihnen sein Erzrivale Dr. Langstrom, aber auch sein Chef/Ersatzvater.

Legal für tot befunden wird Schtein in ein Gefängnis inmitten einer radioaktiven Einöde gebracht, dessen Vorsteherin Langstroms nach Rache sinnende Schwester ist…



Die Welt von String Theory ist eine interessante. Obwohl die "Gegenwart" im Jahr 2057 angesiedelt ist, verlief der kalte Krieg anders als bei uns. Die Kubakrise verlief nicht glimpflich, Chicago ist ein von Pilzen überwuchertes Ödland und übernationale Unternehmen scheinen im kapitalistischen Block mehr Macht als Regierungen zu haben.

In gewisser Weise wirkt es ein bisschen wie die Welt von Fall Out, mit den Wertvorstellungen der 1950er aber einer seltsamen und abschweifenden Zukunft.
Man kann das auch gut am Zeichenstil festmachen, der anfangs wirklich nah am Fall Out Boy angesiedelt ist, sich aber recht schnell findet und weiter entwickelt; die Hintergründe wandeln von "angedeutet" zu "opulent", die Charaktere werden noch individueller, ohne zu Überzeichnungen zu verkommen.

Dr. Schtein, einmal in Kittel und einmal in HäftlingskleidungAllgemein wird eine Menge Raum auf die Etablierung der Welt und Charaktere gelegt, so dass die Handlung für manch einen langsam vorkommen mag, mir aber gefällt das ziemlich gut, gerade weil dadurch die Charakterisierung sehr gut gelingt.Dabei scheut sich Grundy auch nicht davor, erwachsene Themen wie Drogenmissbrauch und -abhängigkeit zu thematisieren. Also nicht für Kinder geeignet, bloß weil es ein Comic ist.

Und so schauen wir zu, wie Schtein vom arroganten Wissenschaftler zu etwas anderem, böserem wandelt…



Ziemlich gut gefallen, vom Stil, von der Handlung, irgendwie von allem…

Titel: String Theory (URL: stringtheorycomic.com)

Autor: Dirk Grundy

Länge: 240 (42 Schwarz-Weiß, danach farbig)

Sprache: Englisch, Mittel, in wenigen (nahezu irrelevanten) Teilen Deutsch

Status: Laufend, eine Seite wöchentlich


Montag, 18. November 2013

Breaking Bad

 Vom abgehalfterten Chemielehrer zum Drogenbaron

Walter White ist Chemielehrer am College von Albuquerque. Er ist zuvorkommen, höflich und wurde gerade mit Krebs diagnostiziert, als er zufällig einen ehemaligen Schüler sieht, der durch pures Glück der Aushebung einer Drogenhöhle entkommt. Walter ist klar, dass er mit seinem mickrigen Gehalt weder die Medikamente für seine Behandlung, noch das College seines Sohnes oder die Mehrkosten durch das anstehende Kind wird bezahlen können.

Als sein Schwager Hank von der Drogenbehörde stolz einen Videomitschnitt von der Aushebung zeigt, realisiert Walter, dass sich mit Drogen Geld machen lässt, und zwar recht viel recht schnell.

Er stattet seinem ehemaligen Schüler Jesse einen Besuch ab und nachdem die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden sind, beginnen die beiden in der Wüste New Mexicos Methylamine, kurz Meth, anzufertigen. Aufgrund von Walter Ausbildung und Talent als Chemiker erreichen sie einen Reinheitsgrad der Droge, der weiter über dem Durchschnitt liegt.

Jesse und Walter stellen das Zeug her, während Jesse und seine nicht abgeneigten Freunde die Ware unters Volk bringen.

Mehrere Fakten sollten aber schnell klar werden:
  • Walters Schwager Hank arbeitet bei der Drogenbehörde
  • Es gibt Konkurrenz, die der Gewalt nicht abgeneigt ist
  • Walter muss seine illegalen Aktivitäten vor der Familie geheim halten
  • Jesse war und ist selbst drogensüchtig


Ich habe hier nur Teile der ersten Staffel angerissen, und das mit voller Absicht, denn Breaking Bad ist eine der besten, wenn nicht sogar die beste Serie, die mir je untergekommen ist. Die Charaktere sind alle Menschen, nicht unbedingt nett, aber so sind Menschen halt. Sie haben Fehler, und genau das haben die Charaktere hier auch.

Und sie machen auch Fehler. Walters Ego, dass ihn immer wieder Fehler machen lässt; Jesses Drogensucht, und der stetige Abstieg von Walter in die Welt des Verbrechens.

Rechnet er anfangs nur darüber nach, wie viele Wochen er Meth herstellen und verkaufen muss, um genug Geld zu haben, seine Familie über die Runden zu bringen sobald er nicht mehr da ist, so wandelt er sich im Laufe der Zeit von Walter zu etwas anderem. Es geht um Egobefriedigung, um Stolz, darum der Konkurrenz ein Schnippchen zu schlagen oder sie auszuschalten, und je mehr er sich wandelt, desto mehr schlüpft Walter in die Maske des Drogenbarons Heisenberg, unter der er agiert, bis man sich fragt: Wo beginnt Walter, und wo hört Heisenberg auf?

Genauso wie Jesse und Walter zueinander stehen – sind sie Leidensgenossen, Freunde, Hassfreunde, Feinde, Schüler-Lehrer…? 



Definitive Empfehlung.

Titel: Breaking Bad

Länge: 45 Minuten je Folge, 62 Folgen auf 5 Staffeln

Entwicklung: Vince Gilligan

Donnerstag, 18. Juli 2013

Taffe Mädels

Cop-Komödie mit Frauen statt Männern



Sarah Ashburn ist aufstrebende Spezialagentin beim FBI und hat ist immernoch im Steigflug ihrer Karriere. Insbesondere gilt sie als Anwärterin auf eine Beförderung… wäre da nicht ihre arrogante und ruppige Art.

Detective Mullins ist nicht weniger ruppig, bloß auf eine andere Art und weise, und kann gerne als Problemkind des Reviers bezeichnet werden. Hinzu kommt ihre gewalttätige Ader und einzig ihr Erfolg und Respekt auf der Straße scheinen die Gründe dafür zu sein, dass sie noch nicht vom Dienst suspendiert wurde.

Als Mullins einen Dealer hoch nimmt und Ashburn diesen für ihren letzten Fall zur Beförderung braucht, kommt es zum Konflikt – die fluchende Mullins, die mit dem Kopf durch die Wand ermittelt, will sich ihren Dealer nicht von einer eingebildeten FBI-Bonze einfach wegnehmen lassen.

Als einzige Möglichkeit bleibt den beiden ein Kompromiss, bei dem Mullins Ashburn hilft und im Gegenzug ihren Dealer behalten darf, womit die beiden ungleichen Kaliber notwendigerweise Partner werden. 



Taffe Mädels ist eine übliche Cop-Komödie, bei der zwei unterschiedliche Charaktertypen lernen müssen, miteinander auszukommen und schließlich Freunde werden. Es gibt die zu erwartenden Gags, die Konflikte, die Charakterisierung und persönliche Geschichten. Dennoch sind die alle handwerklich gut ausgeführt, und es gibt ein paar kleine Wendungen, die nicht allzu offensichtlich sind.



Somit ist der Film unterhaltsam (und besteht den Bechdel-Test).

Titel: Taffe Mädels

Regie: Paul Feig

Länge: 117 Minuten

Sonntag, 3. Februar 2013

Pay Me, Bug!

Abenteuerschurken im Weltraum

Copyright Christopher Wright

Pay Me, Bug! ist ein Science-Fiction Internetroman von Christopher Wright, d.h. er ist Wright im Internet veröffentlicht worden und die Kommentare auf seiner Webseite hatten einen gewissen Einfluss auf den Verlauf und die Entwicklung des Romans. 

Grif ist ein Schmuggler und auf seinem Raumschiff ist genug Platz für legale und Verstecke für illegale Ladung, und so verdient er sich als Schmuggler. Das Kaiserreich des Strahlenden Throns, ein religiöses Imperium mit weitreichenden Gebieten, schaut auf Schmuggler abschätziger als auf die Allianz der Freien Welten, die entgegen ihren Namens eher einer Handelsföderation mit militärischem Arm gleich kommt. Zwischen diesen beiden Großmächten liegen die Systeme der Handelsbarone, die mit günstigen Steuern und ihrer Neutralität genau der richtige Zufluchtsort für Schmuggler sind.

Genau diese fliegt Handelsbarone fliegt Grif mit seiner Mannschaft an nachdem ihm ein spektakulärer Job im Thronraum gelungen ist – zu spektakulär, wie er feststellen muss, denn neben Geld und Ruhm bei seinen nicht ganz so rechtschaffenen Kumpanen kommt sein Erfolg auch seiner Schwester zu Ohren.

Mit dieser hat er sich bereits vor Jahren dermaßen überworfen, dass die Beiden sich einigermaßen den Tod an den Hals wünschen. Zum Nachteil für Grif hat Velis den größeren Hebel UND arbeitet für den Geheimdienst der Allianz. Dieser wünscht sich von Grif nichts sehnlicher, als dass er seinen Coup wiederholt und nochmal in die bis dato sicherste Anlage des Throns einbricht. Das Dumme an der Sache ist, der vorherige so lohn- und ruhmreiche Job erzählte sich bei weitem einfacher, als er auszuführen war...



Pay me, Bug! liest sich wie ein Abenteuerroman, und genau das ist er auch. Wir lesen den Abschluss des großen Coups und die Nachwehen davon. Wir sehen wie die Truppe eine veschworene Gemeinschaft ist. Wie sie auf die Bedrohung durch Grif's Schwester reagiert, und es macht Spaß all dies zu lesen.

Dabei verwendet Wright aber auch noch Zeit auf Nebenschauplätze und -charaktere, die an sich nur kurz für den Grif von Interesse sind, aber innerhalb des Universum, von dem Pay Me, Bug! ein Teil ist, zu einer anderen Geschichte gehören, die vielleicht kein Abenteuerroman sondern eher eine Politintrige ist, mit Plänen und Verrat und Manövern.

Ein bisschen erinnert mich der Roman an Der Übungseffekt von David Brin, welches allerdings auch ein Abenteuerroman war, was den Vergleich erleichtert.



So bleibt nur zu sagen, es hat Spaß gemacht ihn zu lesen und für kostenlos war er mehr als sein Geld wert!

Titel: Pay me, Bug! (URL: Pay me, Bug!)

Autor: Christopher Wright

Sprache:
Englisch (Mittel)

Seiten: einige hundert

Dienstag, 9. Oktober 2012

The Cabin in the Woods

Horrorkomödie mit Einzügen der SCP Foundation

Cabin beginnt mit dem Geplänkel von zwei Arbeitskollegen über die Anforderungen und Konkurrenz in ihrem nicht näher beschriebenen Job, aber die Bunkeratmosphäre und Militärpräsenz weist auf etwas verdächtiges hin.

Cabin beginnt wie jede andere typische Teeniehorror der letzten Jahrzehnte: Fünf Freunde verbringen alleine eine Nacht in der entlegenen Hütte eines Freundes. Zusammen machen machen sie sich auf den Weg und, obwohl die Hütte recht gruselig ist, richten sie sich recht bald damit ein.

Die fünf sind relativ typische Abbilder ihrer Generation: Der Sportler, seine Freundin, der Bücherwurm, die Schüchterne und der Kiffer, aber das relativ ist ernst gemeint: Der Sportler ist belesen, der Bücherwurm sportlich, die Freundin zurückhaltend, die Schüchterne hatte einfach eine schlechte Beziehung hinter sich und der Kiffer weiß, wovon er spricht.

Je länger sie in der Hütte sind, desto klischeehafter verhalten sie sich allerdings. Der Sportler wird prollig, die Freundin trunken lasziv, der Bücherwurm liest nur noch…

Und hier vermixen sich die eingangs unterschiedlichen Anfänge. Die Hütte ist nicht nur gruselig, sie ist bzzzzzzzzzzzzzzt Spoilercut.

Soviel zum Inhalt. Es sollte nicht überraschen, dass Joss Whedon zusammen mit Drew Goddard das Drehbuch für Cabin in the Woods geschrieben hat, denn zum einen bietet der Film eine Erklärung für all die typischen Monster und Geschehnisse der üblichen Teeniehorrorfilme und parodiert dabei zugleich das Genre, ohne eine Persiflage zu werden.

So ist der Kiffer zwar so breit, dass er seine Autotür schließt, durch die heruntergekurbelte Scheibe den Sicherungspenöpel runterdrückt und dann von draußen nochmal an der Tür zieht, um zu prüfen ob sie geschlossen ist, aber hat doch unerwartet treffende Einsichten in der Hütte.

Ich kann echt nicht mehr sagen. Viele der üblichen Klischees werden bedient, aber raffiniert verdreht, so dass es trotzdem regelmäßig zu Überraschungen kommt.

Titel: The Cabin in the Woods

Regie: Drew Goddard (bekannt von Cloverfield)

Länge: 95 Minuten

Freitag, 5. Oktober 2012

The Expendables 2

Explosionen und Prügeleien

Ich überlege gerade ernsthaft, ob ich euch mit einer Handlungsbeschreibung langweilen sollte… Baah.

Expendables 2 hält was es verspricht: Explosionen, Schlägereien, und das war's glaube ich auch.

Stallone ist mit seiner Actionbrigade unterwegs und soll den Inhalt eines Flugzeugsafe bergen, bloß ist er mit seiner Truppe nicht der einzige mit Interesse daran – auch van Damme hat ein Auge darauf geworfen. Bloß ist van Damme der Böse und hat dementsprechend keine Skrupel, so dass er aus Stallone den Safeinhalt erpresst, bloß um anschließend das Druckmittel trotzdem zu töten.

Das Druckmittel war zugleich neustes und jüngstes Mitglied von Stallones Truppe, so dass alle auf Rache sinnen. Und glücklicherweise tun sie dabei sogar etwas gutes, denn der Safeinhalt war eine Karte zu fünf Tonnen waffenfähigen Plutoniums.

Der Rest der Handlung ist ziemlich vorhersehbar, aber damit will ich euch nicht langweilen, sondern lieber etwas auf das Drumherum eingehen. So wie bereits der Vorgänger ist auch Expendables 2 eine Hommage und Ehrerbietung an die Actionfilme der 80er und 90er. Die ganzen alten Krachbummhelden treten auf – Silvester Stallone, Dolph Lundgren, Arnold Schwarzenegger, Jet Li, Jean-Claude van Damme, Geheimer Charakter und ein paar, die ich nicht kenne. Und im Prinzip spielt jeder das gesammelte Klischee seiner Filmografie.

Dabei ist alles in einem ironischen Unterton, allein Arnies unentwegten Kommentare, dass er wiederkommen wird, oder Geheimer Charakter, der eine halbe Armee alleine auslöscht (entsprechend den Geheimer-Charakter-Witzen), sollten Beweis genug sein. Davon abgesehen wird quasi der ganze Humor von typischen Actionsprüchen und dem Verhalten der Charaktere untereinander getragen.

Hinzu kommen noch die Effekte. Da fast ausnahmslos mit großkalibrigen Waffen geschossen wird, sind die Wunden… grafisch spektakulär. Fehlende Köpfe sind normal, und allein aus morbidem Interesse würde ich mal gerne wissen, wie viele innerhalb des Films gestorben sind.

So bleibt nur zu sagen, gutes Actionkino mit starker, humorvoller Note.

Titel: The Expendables 2

Regie: Simon West

Länge: 103 Minuten

Montag, 6. August 2012

XSGCOM

Überraschend passende Fusion.

Stargate sollte Fernsehguckern ein Begriff sein, aber trotzdem mal eine Zusammenfassung: Bei Ausgrabungen in Ägypten wird ein Ring aus einem unbekannten Metall gefunden. Der Archäologe Daniel Jackson macht sich an die Entschlüsselung der darauf befindlichen Symbole und kommt auf die hirnrissige Idee, dass der Ring außerirdischen Ursprungs ist. Seine Karriere macht einen offensichtlichen Knick, bis Jahre später die US Air Force an seiner Tür klopft.

Das Militär hat den Ring "akquiriert" und verschiedene Forscher sind zu ähnlichen Schlüssen gekommen wie Mr. Jackson, bloß noch mit der Unterstützung wissenschaftlicher Fakten.

Wie sich herausstellt ist der Ring tatsächlich außerirdischer Herkunft und öffnet Wurmlöcher zu verschiedenen Planeten mit eben solchen Ringen, sogenannten Stargates. Auf dem ersten Planeten angekommen treffen die Air Force zusammen mit Jackson auf außerirdische Parasiten, die Menschen als Wirte benutzen und sich für Götter halten.

Obgleich sie technologisch den Menschen weit voraus sind, bilden sie die Spitze in einem galaxieumspannenden feudalen System mit Menschen als Sklaven auf vielen Planeten. Das Air Force Team unter Colonel Jack O'Neill kann das natürlich nicht zulassen, also entsorgen sie den unmittelbaren "König", was das Feudalsystem in Aufruhr versetzt.

Das Stargate-Programm wird später aufgrund der potentiellen Gefahren für die Erde (technologisch weit fortgeschrittene Aliens mit Raumschiffen) auf Eis gelegt, später wieder aufgetaut und es werden Stargate-Teams zu den Planeten geschickt, um zu forschen, handeln und die Menschen aus der Knechtschaft der parasitären Goa'uld zu befreien.

Eines dieser Teams besteht aus Colonel Jack O'Neill, Zivilist und Archäologe Daniel Jackson, Physikerin und Captain Samantha Carter sowie Überläufer Teal'c.

X-COM sagt wahrscheinlich weniger Leuten etwas, aber es ist eine Reihe von Taktik-Shootern (wie beispielsweise auch das bekanntere Jagged Alliance), die spielmechanisch hoch gelobt sind und nach wie vor in Listen der besten Spiele überhaupt in den obersten Plätzen rangieren.

Zur Handlung: Spätestens seit 1999 befindet sich die Erde in einem geheimen Krieg gegen außerirdische Invasoren, und es läuft nicht gut. Die Aliens kommen in unsere Länder und entführen Menschen, um an ihnen schreckliche Experimente durchzuführen. Die einzige Verteidigung heißt X-COM und ist ein UN-sanktionierter Militärdienst, der mit riesigen Verlustraten (es überleben oft genug weniger als die Hälfte der Missionsmitglieder) sich den Invasoren entgegenstellt. Abgeschossene UFOs werden untersucht und als Forschungsgrundlage genommen, die Aliens teilweise bei lebendigem Leibe auseinander genommen, um bessere Verteidigungsstrategien zu entwickeln.

Kurz gesagt, X-COM ist alles andere als zimperlich. (Und nimmt viele Anleihen aus der UFO-Mythologie und dem Cthulhu-Zyklus) Es ist martialisch, brutal, ruchlos, und inhuman, weil dies die einzigen Mittel und Wege sind, die zumindest den Hauch einer Chance im geheimen Krieg zulassen. In jedem anderen Zusammenhang wären die Methode reiner Irrsinn.

Kommen wir nun zur Fusion:

Die Erde hat an zwei Fronten gegen zwei unterschiedliche Gegner gekämpft und nur eine Handvoll Leute wussten überhaupt von dem jeweils anderen Krieg.

Als X-COM (statt der Russen im Original) das zweiter Stargate im Pazifik finden, kommt es zu einer zwangsläufigen Bekanntschaft und anschließend Fusion vom Stargateprogramm und X-COM. Die Stargateleute sind davon zuerst wenig begeistert, ist ihr Augenmerk doch Diplomatie, Handel und Forschung und nicht die Kriegsführung mit allen Mitteln, wie sie X-COM betreibt. Daher sind Reibereien nicht überraschend.

Ich will gar nicht zu viel verraten, aber XSGCOM ist im wesentlichen gut geschrieben und führt die beiden Universen hervorragend zusammen. Man könnte fast annehmen, die teilweisen Ergänzungen der jeweiligen Lücken wären von den Machern beabsichtigt gewesen, so gut passen Stargate und X-COM ineinander…

Der Kombinationspunkt ist Mitte 2000, also während der vierten Staffel von Stargate – Kommando SG-1. Zu dem Zeitpunkt hat X-COM bereits Laserwaffen und Körperpanzerung, aber noch keine Plasmawaffen. Dafür sind die bereits vorhandenen Laserwaffen mehr als ausreichend, um Jaffa (die Standardgegner in SG-1) niederzumähen. Durch die Zwangslage von X-COM in den Jahren zuvor immer bessere Waffen zu entwickeln, um gegen ihre außerirdische Bedrohung zu kämpfen, haben sie eine für Durchschlagskraft, die Jaffa wortwörtlich perforiert.

Zusammen mit ihrer wesentlich militärischeren Kampfdoktrin bekommen die oft nur belächelten Tau'ri (Goa'uld-Name für Menschen von der Erde) mit ein Mal etwas Respekt.

Die Handlung folgt mehr oder weniger dem Verlauf der Spiele und Fernsehserie zugleich, aber immer mit Zugeständnissen gegenüber der veränderten Sachlage. Mitunter offensichtliche Lösungen, die in SG-1 wegen dramatischen oder anderweitigen Gründen nicht gewählt wurden, sind in XSGCOM gern gesehen. Dabei geht der Autor aber nicht zu weit und macht die Terraner übermäßig stark – allein schon der geheime Krieg gegen die übermächtigen Aliens aus aus X-COM macht das schwierig – sondern verfolgt bestimmt das Ziel, die Menschheit stark genug zu machen, um die Probleme aus der Serie ohne deus ex machina zu lösen.

Zu diesem Zweck lässt er zum Beispiel XSGCOM diplomatische und ökonomische Bande zu den Tollanern, Aschen und diversen industrialisierten und technologisch fortgeschrittenen Völkern knüpfen, was später in der Handlung zu einem unvergleichlichen Erfindungsschub auf der Erde führt (in Wirklichkeit angepasste Erfindungen aus außerirdischen Technologietransfers).

Dabei sind viele Entwicklungen sehr logisch, mit häufig wechselnden Allianzen und Bündnissen, politischen Ränkespielen und dergleichen. Der Humor hält sich interessanterweise beständig auf einem unaufdringlichen aber guten Niveau, das mir naher der Fernsehserie scheint.

Zu Bemängeln ist dafür die Grammatik und Interpunktion. Oftmals würde eine Umstrukturierung der Sätze oder ein Extrakomma das Verständnis ungemein erleichtern.

Im Gegenzug befinden sich im Anhang der Kapitel immer Links zu verschiedenen Quellen, wie Wikieinträgen zu relevanten Episoden, Personen oder Technologien. Das ist teilweise auch nötig, denn Episoden werden nicht nacherzählt, sondern zumindest grobes Wissen über sie einfach vorweg angenommen.

Insgesamt aufgrund der verschiedenen Entwicklungen eine interessante Lektüre, wenn auch sprachlich unter der Norm.

Titel: XSGCOM (Auf Twisting the Hellmouth, Auf Fanfiction.net)

Autor: Hotpoint

Sprache: Englisch (einfach-mittel)

Status: SG-1 abgeschlossen (337k Wörter), SG-Atlantis laufend/ruhend (149k Wörter)

 PS: Update im X-COM-Paragraf, Layout (09.08.2012)

Freitag, 15. Juni 2012

Men in Black 3

14 Jahre nach dem ersten Teil kam jetzt der dritte in die Kinos, in welchem J eine Zeitreise unternimmt, nachdem K aus der Zeit getilgt wurde.

Für diejenigen, welche Men in Black nicht kennen: Es gibt eine streng geheime Regierungsbehörde, welche sich mit der Einreise, dem Aufenthalt, der Tarnung und Integration sowie der Abreise von Aliens beschäftigt, die sogenannten Men in Black. Die Erde ist quasi eine Art Weltraumschweiz. Touristen sind willkommen, aber Krieg bleibt draußen, und darum kümmern sich die MiB.

Im ersten Film wurde Will Smith als Agent J rekrutiert und von Tommy Lee Jones – Agent K – in das Prozedere und den Ablauf des ganzen Geheimdienstapparates eingewiesen, während sie sich gleichzeitig auf die Suche nach der Schabe machten. Letztere suchte auf der Erde nach einer bestimmten Energiequelle, die von ihren Erschaffern geschützt wurde. Sie würden die Erde leider lieber vernichtet sehen als die Energiequelle der Schabe zu überlassen.

Alle Erkennungsmerkmale wurden hier vorgestellt: der MiB, die technischen Spielereien (Gedächtnislöscher, auch bekannt als Blitzdings, Weltraumwummen, ...), die Dynamik zwischen J und K, die Charaktere.

Der zweite Teil ist mir nicht so gut im Gedächtnis haften geblieben, aber K wird nach fünf Jahren aus dem Ruhestand geholt, weil er als einziger der bösen Serleena bei ihrer Suche nach einem wortwörtlich machtvollen Zepter zuvorkommen kann, welches er vor 25 Jahren selbst versteckt hat. Das Problem: Vorm Ruhestand wird einem Agenten das Gedächtnis gelöscht, und es gibt keinen Entlöscher. So müssen sich die beiden in scheinbar verkehrten Rollen – J als alter Hase, K als Neuling – beeilen, damit sie Serleena ein Schnippchen schlagen können.

Leider hatte der zweite Teil nicht so gut mithalten können, aber das Problem mit Nachfolgefilmen ist endemisch. Besonders negativ haften geblieben ist mir da die Lord-of-the-Dance-Nummer des MiB-Direktors.

Im dritten Teil nun ist einiges anders. So beginnt der Film mit einem Gefängnisausbruch auf dem Mond und schwenkt dann über zur Trauerrede K's über den stepptanzenden Direktor. Dessen Nachfolgerin schien früher etwas mit K gehabt zu haben, was sich ein bisschen mit den Informationen aus dem ersten Teil beißt. Kontinuität, Leute. Wichtig!

Wie dem auch sei, J und K sind bald auf der Suche nach dem Ausbrecher, da dieser sich munter durch die Gegend meuchelt. Zum Glück sind sie vorbereitet, denn der Ausbrecher Boris hat noch ein Hühnchen mit K zu rupfen, der ihn '69 ins Gefängnis geworfen hatte.

Wäre da nicht die kleine Tatsache, dass nach einem Kopfschmerzanfall J mit einmal keinen Partner K mehr hat, ja nie gehabt hatte. Trotz den verwunderten Blicken seiner Kollegen glaubt ihm die Direktorin, denn sie kannte einen Agent K. Er starb vor über 40 Jahren im Dienst.

Hm. Seltsam.

Anscheinend gab es eine Zeitreise, in deren Konsequenz K aus der Zeitlinie getilgt wurde, und J bleibt nichts anderes übrig als Boris in die Vergangenheit zu folgen. Nicht (nur) wegen K, sondern auch wegen der Flotte Weltenfresser, die an sich seit einigen Jahrzehnten ausgestorben sind und sich gerade daran gemacht haben, die Erde wegzufuttern.

Obwohl der Film einige witzige Stellen hat, leidet er an der gleichen Sequelitis wie der zweite Teil, auch wenn nicht ganz so ausgeprägt. Dies ist sicherlich der veränderten Dynamik zwischen J und K, also dem jungen K, geschuldet. Viele der Eigenarten sind bereits bei der jungen Version vorhanden, wie der trockene, mimikfreie Humor, ohne jedoch den gleichen immerernsten Charakter zu haben, und so fragt man (und J) wie sich dieser leicht joviale K in den Griesgram verwandeln konnte, was in den Jahren vorgefallen ist, dass diese Wandlung erklären könnte.

Ich habe den Film in 3D gesehen, aber anscheinend wurde das 3D nur draufgeklatscht, wenn man von den Effekten absieht, anstatt in 3D gedreht. Schade eigentlich.

Vom Soundtrack fiel mir nur das zaghaft verwendete Titelthema auf und der erste Song vom Abspann, Back in Time von Pitbull, auf. Man hätte das Thema aber ruhig präsenter einbinden können, während Back in Time eine Dubstep-Bridge (?) hat – zumindest hört es sich so an.

Alles in allem ist dieser Teil besser als der zweite und immer noch schlechter als der erste. Nett, aber nicht toll.

Titel: Men in Black 3

Regisseur: Barry Sonnenfeld

Länge: 106 Minuten

Im Nachhinein fällt mir gerade auf, der griesgrämige K hatte in den Filmen mehr Liebschaften als der großmäulige J... interessant.

PS: Heimlicher Star: Griffin.

Freitag, 8. Juni 2012

Limit

Nachdem die Menschheit, ungeeint wie eh und jeh, endlich Bergbau auf dem Mond betreibt, kommt es zur Krise.

Ich beschreibe mal kurz die Zukunft, in der Frank Schätzings Limit spielt.

Es ist geschafft – der Weltraum scheint erstmals greifbar. Ein Idealist und Träumer, der zugleich Charisma und Unternehmergeist in sich vereinigte, hat geschafft, wofür er jahrelang belächelt wurde. Einen Weltraumaufzug. Der Name umschreibt das Konzept sehr treffend, denn es ist wirklich ein Kabel bis in den Weltraum, an welchem Aufzüge hoch- und runterfahren.

Doch damit nicht genug, denn der gleiche Mann hat zudem einen Bedarf für ein derartiges epochales Bauwerk geliefert, wiederum durch technologische Errungenschaften – Fusionsreaktoren. Während zu unserer Zeit der europäische ITER-Versuchsreaktor vor allem Energie frisst, liefern diese neuen Reaktoren Energie, und ihre Treibstoff ist Helium-3. Dieses findet man in geringen, aber förderbaren Mengen auf dem Mond. Mit konventioneller Raketentechnik eine Mondstation mit Helium-3-Förderung zu errichten, könnte ganze Kontinente ruinieren und würde noch nicht Mal den Bedarf decken, und der Grund dafür liegt in den immensen Energiemengen, die man für eine Reise zum Mond benötigt. Ein Aufzug macht das ganze sehr viel kostengünstiger, denn anstatt Treibstoff und Tanks und Raketenmotoren und allerhand anderen Kram mitzuschleppen, setzt man sich einfach in einen Aufzugwagen und fährt an dem Seil hoch.

Doch wer ist dieser charismatische Mensch? Julian Orley, Energiebündel, Visionär und Fantast, denn er hat all das und noch mehr geschaffen. Wir schreiben das Jahr 2025, die Fusion fängt an, ihre Versprechen der kostengünstigen Energieversorgung zu halten und das Brennmaterial wird durch den Weltraumaufzug sogar erschwinglich, womit verhältnismäßig schlagartig viele Energieprobleme der Welt durch diese günstige und saubere Alternative der Vergangenheit anzugehören scheinen.

Doch so ein epochaler Wechsel wird von der erdölbeherrschten Wirtschaft nur schwer verkraftet, denn durch die billige Energie und die Entwicklung günstiger Elektroautos und Solarzellen sinkt der Ölbedarf, was den Preis fallen lässt und bei hohen Barrelpreisen einträgliche Vorkommen ruckartig unrentabel macht. So ist das Werben der sterbenden Ölriesen um Orley nicht verwunderlich, sie wollen mit ins lukrative Boot.

Doch Julian lässt sich bei seiner Suche nicht beschränken und lädt 14 illustre und finanzschwere Personen ein, mit ihm das von seiner Tochter Lynn geplante und gebaute Mondhotel Gaia einzuweihen. Er möchte ihnen dabei einen Ausblick auf die Zukunft der Menschheit geben, denn trotz all seinen Erfolgs ist Julian Orley ein Philantrop, und so sind unter seinen Gästen Wasserwirtschaftler, Landwirtschaftsriesen, Ölmultis, Solarkräftige, Mediengiganten.

Parallel dazu ist Owen Jericho ein Privatdetektiv, seit Jahren in Shanghai tätig und lebend, und soll für einen Freund die Tochter eines Freundes ausfindig machen, die unvermittelt verschwunden ist. Als Digitalexperte nimmt er die Fährte der nebulösen Yoyo auf, macht Hinweise ausfindig und plötzlich stirbt eine seiner Spuren, der Mitbewohner Yoyos, bei einem waghalsigen und wahrscheinlich unfreiwilligen Manöver. Offensichtlich steckt mehr hinter der jungen Chinesin, als Owen zu Anfang vermutet hatte…

Wie schon beim Schwarm webt Schätzing ein komplexes Netz aus Charakteren und Handlung, gibt sich Mühe diesen Leben einzuhauchen, aber irgendwie will es ihm nicht so recht gelingen. Mag sein, dass es an meiner Abneigung zu solchen Themen liegt, aber einige Charaktere haben mit inneren Dämonen zu kämpfen, und irgendwie langweilen mich solche Kämpfe. So ist Lynn einem Zusammenbruch verdächtig nahe, und es ist glaubwürdig dargestellt, wie sich der Druck für einen solchen aus Umständen, Erwartungen und Charakteristika ergibt, aber das seitenlange Darstellen und suhlen in den emotionalen Exkrementen jahrelangen seelischen Raubbaus ist einfach nicht mein Ding.

So hat Limit während der ersten zwei Drittel unausweichlich Längen, in denen Schätzing sich den Dämonen seiner Charaktere oder teilweise irrelevanten Umgebungsbeschreibungen hingibt. Letztere sind besonders störend, denn mir drängt sich ungewollt der Gedanke auf, dass er etwas zeigen wollte. Dass er recherchiert und begründet hat, was er da alles geschrieben hat.

Das ist schade, denn das letzte Drittel zeigt Schätzings Vermögen, den Leser am Ball zu halten und den Spannungsbogen zu spannen. Immer wieder eine neue Wendung, immer wieder ein neues Hindernis, und stets doch bemessen genug, um den Bogen nicht zu überspannen.

Witzig empfand ich die kleinen Verneigungen gegenüber klassischer Science-Fiction. Beispielsweise sind die Mondfähren, da sie niemals eine Atmosphäre durchdringen müssen, pragmatisch designt und frei von aerodynamischen Erwägungen. Ästhetisch einigermaßen unansprechend, weil eine Hülle, abgesehen vom Schutz vor Mikrometeoriten und Sonnenprotuberanzen, einigermaßen überflüssig ist. Und doch erwägt Julian, von einem seiner Gäste darauf angesprochen, ob eine aerodynamische Hülle Sinn jenseits der technischen Aspekte machen könnte, gefrei dem Motto: Wenn man schon in einem Raumschiff fliegt, kann es doch auch nach Raumschiff aussehen.

Mehr noch als beim Schwarm bildet die Technologie nur einen Hintergrund der Geschichte und geht mehr um die Verwicklungen und den Fingerzeig, den Schätzing auf Möglichkeiten und Gefahren legen will. So kann ich nur sagen, dass mir der Roman von dem Szenario her – Aufbruch der Menschheit in den Weltraum – gefallen hat, da habe ich einfach eine Schwäche für, aber vom Inhalt trotzdem solide war, auch wenn der Roman ruhig ein-, zweihundert Seiten weniger hätte vertragen können.

Titel: Limit

Autor: Frank Schätzing

Länge: 1304 Seiten

Montag, 2. April 2012

Chuck

Soso, CIA und NSA, beides US-Außengeheimdienste, haben sich also mal zusammenraufen können und eine experimentelle, gemeinsame Datenbank geschaffen. Zu schade, dass sie geklaut wurde.

Chuck ist Angestellter beim Buymore (Walmart in Grün) in der Technikerecke und sein Job ist die AUfsicht über die Knalltüten (seine Kollegen) und Computer zu reparieren. Er wohnt (wieder) bei seiner Schwester und ihrem Freund, beide Ärzte. Was nicht sofort klar wird, Chuck wurde in seinem letzten Semester in Stanford zwangsexmatrikuliert, nachdem unter seinem Bett Prüfungsergebnisse gefunden wurden.

Das bringt uns zu Bryce, seinem Mitbewohner und laut Chuck Schuldigen an seinem Rauswurf, denn letzterer hätte es gar nicht nötig gehabt, seine Noten aufzubessern. Als Chuck also fünf Jahre später eine Email von seinem ehemaligen besten Freund/Erzfeind bekommt, ist er erst verwirrt, dann sieht er Bild und kippt anschließend um.

Anscheinend ist Bryce Geheimagent und die Mail enthielt die verschlüsselte, experimentelle und gemeinsame Datenbank von CIA und NSA, den Intersect. Der Clou: sie befindet sich jetzt in Chuck.

Weder CIA noch NSA wollen ihre gemeinsamen Bemühungen in den Sand gesetzt sehen, mal zu schweigen von der Gefahr, welche diese Datenbank in den falschen Händen (oder Köpfen) darstellen könnte, und setzen daher jeweils einen Undercoveragenten auf Chuck an: Casey, Veteran des Golf- und diverser Drogenkriege und jetzt neuer Mitarbeiter des Buymore, sowie Sarah, Infiltratorin und neuerdings Joghurtverkäuferin nebenan.

Es wird recht schnell klar, dass der ahnungslose Chuck keinen freien Zugriff auf die Informationen in seinem Kopf hat und nur bei bestimmten Reizen „Geistesblitze“ bekommt und dann kurzfristig auf relevantes Zugreifen kann. Im Prinzip läuft also darauf hinaus, dass Chuck durch Nachrichten oder sowas einen Geistesblitz bekommt, einen Schurken erkennt und dann Casey und Sarah handeln.

Bloß Chuck... nun, für ihn ist das teilweise ein Abenteuer – diese Welt der Spionage, die offensichtlichen Schurken, die Action, die Spannung, all das fasziniert ihn um Längen mehr als der Buymore es je könnte. Und als fast-Stanford-Absolvent ist es klar, dass Chuck in seinem Job stark unterfordert ist.

Soweit zum Inhalt.

Der Reiz der Serie stammt aber eher von der Interaktion und dem Humor der Charaktere, denn Chuck und sein bester Freund Morgan sind kolossale Nerds/Geeks (wählt ein Wort, welches euch zusagt), haben zu Halloween ein Shai-Hulud-Kostüm, Casey ist ein grummeliger Patriot, Sarah ist eine schlagfertige Schönheit, Chucks Schwester Elli war für ihn quasi eine Ersatzmutter, ihr Freund trägt zurecht den Spitznamen Käpt'n Abgefahren (Captain Awesome), und es macht einfach Spaß dem ganzen zuzuschauen.

Chuck weiß, dass er sein Leben im Buymore verschwendet, und es reibt ihn innerlich auf, da ist Bryce' unvermutetes Vermächtnis ein Segen. Sarah ist noch nicht lange genug im Agentenbusiness um ihr Gewissen geschliffen zu haben und es wird sehr schnell klar, dass die Coverstory einer Beziehung zwischen Sarah und Chuck mit richtigen Gefühlen droht (besonders von Chuck's Seite). Bester Freund Morgan fühlt langsam aber stetig seinen Freund sich entfernen, weiß aber nicht wieso, selbst mit Chucks Freundin Sarah im Hinterkopf. Casey ist ein gehärteter Patriot, der mehrfach Attentate auf Diktatoren ausgeführt hat und für den Kolatteralschäden wie Zivilisten zwar zu vermeiden sind, aber nicht auf Kosten der Mission. Käpt'n Abgefahren will nur das Beste für seinen „kleinen Bruder“, aber wundert sich manchmal über seine neuen Macken. Elli konnte früher mit ihrem Bruder über restlos alles reden, aber irgendwas ändert sich.

Und Chuck ist ist ein Familienmensch. Er will ihnen von seinem Geheimleben erzählen, weiß aber um die darin liegenden Gefahren. Das nagt an ihm.

Dann sind da natürlich die Interaktionen mit der restlichen Belegschaft vom Buymore, die einen guten Teil des Humors beisteuern.

Also allgemein macht es Spaß die Serie zu schauen, der Humor ist teilweise situationsbasiert und teilweise charaktergetrieben. Die Charakterisierung nimmt sich Zeit und ist gut gelungen. Schade, dass es zwar überspannenden Handlungsbögen und Dramatik gibt, diese aber teilweise nachträglich hinzugefügt wirken ohne richtige Andeutungen oder Erwähnungen in den frühen Folgen, sondern erst in der relevanten Staffel.

Titel: Chuck

Länge: 45 Minuten je Folge, 91 Folgen auf 5 Staffeln

Entwicklung: Josh Schwartz, Chris Fedak

PS: Zum Zeitpunkt dieses Beitrags habe ich die letzte Staffel noch nicht gesehen.

PPS: Es sterben Charaktere.


Montag, 8. August 2011

Wer ist Hanna?

Oh Junge war der gut!

"Wer ist Hanna?", im Original einfach "HANNA", ist ein Film von Joe Wright, der in einer deutsch-amerikanisch-englischen Zusammenarbeit entstand. Er ist ein Original, basiert also auf keiner vorherigen Version als Buch, Film, Comic oder dergleichen.

Inhalt


Der Film beginnt in einem finnischen Wald, verschneit, wo ein Hirsch (oder Rentier, ich weiß nicht mehr genau) von einem Mädchen an der Grenzen zur jungen Frau mit Pfeil und Bogen erlegt wird. Mitfühlend mit dem Tier, dessen Herz sie verfehlt hat, gibt sie ihm den Gnadenschuss mit einer Luger.

Sie schleppt das Wild nach Hause zu einer Waldhütte, in der sie mit ihrem strengen Vater lebt. In dem Gespräch mit ihm stellt sich dem Zuschauer dar, dass dies bei weitem keine normale Vater-Kind-Beziehung ist – die Unterredung wechselt fließend vom Deutschen (im Original Englisch) ins Spanische, Italienische, Französische. Die Gute-Nacht-Geschichten sind Lexikoneinträge und das Wecken erfolgt durch einen Überraschungsangriff des Vaters.

Schließlich, als sie gelernt hat sich erfolgreich gegen die Überraschungsangriffe zu wehren, gesteht ihr Vater Hanna zu, den Sender zu aktivieren.

Was folgt ist ein Ergreifen von Hanna durch Soldaten, während der Vater schwimmend die Ostsee überquert. Ihr Ziel ist Berlin, wo sie sich unter eingeprägten falschen Identitäten treffen wollen. Ihrer beider Gegner ist Marissa Wiegler, leitenden Agentin in der CIA, die über die Hintergründe von Hanna Bescheid weiß. In Ausschnitten wird die Vergangenheit des Mädchens erzählt, während sie selbst auch hinter die Geheimnisse kommt und der Zuschauer somit die Gründe für ihr hartes Training erfährt. Was ich bisher erzählt habe, deckt vielleicht die erste halbe Stunde des Films ab.

Anderes


"Wer ist Hanna?" kann man problemlos als Reifungsgeschichte ansehen, in der die Titelprotagonistin nur hintergründig nach ihrem Leben sucht, im wesentlichen aber einfach Überleben und sich mit ihrem Vater wieder vereinen will. Ein großes Hindernis dabei ist die mangelnde Sozialisierung, die sie erfahren hat – keine Spielkameraden, aber Überraschungsattacken ihres Vaters. Eine stumpf auswendig gelernte Scheinidentität anstatt einer eigenen realen. An manchen Stellen ist das unwillkürlich witzig, während man an anderen das offensichtlich verwirrte Kind einfach nur in den Arm nehmen und beschützen will (Was eine Agentin sogar auch tut, sehr zu ihrem eigenen Leidwesen).

Der Soundtrack ist von The Chemical Brothers und damit sehr elektronikbasiert, was meiner Meinung dem aber keinen Abbruch verleiht, zumal die Hintergründe des Films sich zu der Zeit abspielten, als die Elektronikmusik im Kommen war.

Sehr schön fand ich, dass der Film ohne große Effekthascherei doch sehr dynamisch und mitreißend geschnitten war.

Fazit


Wer Agentenfilme mag – gucken. Aber eine Warnung vorweg, die Handlung ist um Welten besser als der übliche James Bond.
Alle Anderen: Der Film ist besser und vor allen Dingen anders als der Trailer (den ich nur noch grob im Kopf habe). Ich kann ihn nur empfehlen, er ist popkorngeeignet.

Titel: Wer ist Hanna?

Lauflänge: 111 Minuten

Regisseur: Joe Wright