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Donnerstag, 27. Februar 2020

BABYLON

Ein zerrissenes Bild, bei dem Teile fehlen: 3 junge Männer und 1 junge Frau auf einer Straße zwischen Häuserschluchten, die Sonne am Ende der Straße; der vorderste Mann ist Seizaki, zu seiner rechten sein Polizeikollege, zu seiner linken sein jüngerer Anwaltskollege, weiter hinten seine spätere Anwaltskollegin; durch die fehlenden Teile des Bildes sieht man eine andere junge Frau, lächelnd. Im vordersten Grund sieht man eine Frauenhand, die gerade einen Fetzen des Bildes beiseite blättert
Nur ein Wort zum Selbstmord

Es ist schwierig über diese Serie zu reden, ohne direkt Handlungspunkte zu verraten, denn ihre Thematik – induzierter Selbstmord – bedeutet, dass Charaktere sterben. Daher werde ich mich bloß auf Zen als Hauptcharakter konzentrieren.

Samstag, 23. November 2019

Normal

Grauer Hintergrund, der weiße Titel ist auf zwei Zeilen getrennt, „NOR” und „MAL“. Die Buchstaben sind zerbrochen als würden sie Glas bestehen und gerade auf Betonboden in 1000 Teile zerbersten.
Wenn die Zukunft die Gegenwart einholt.

Normal ist ehrlich gesagt ein seltsames Buch. Es erzählt die Geschichte von der instutionellen Einlieferung von Adam, einem Zukunftsforscher, der zu lange in die Zukunft geblickt hat und erschrak vor dem, was er dort sah. Innerhalb des Werkes wird dies „Abgrundblick” genannt, nach Nietzsches Jenseits von Gut und Böse:
„Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“
Die Ungeheuer sind in diesem Fall die sich anbahnende Zukunft. Adam hat eine vorhergesehen und ist, als er diese Vision jenseits des Abgrundes in der Gegenwart erkannte, an dieser Realisation zerbrochen.

Da sein Berufsstand als Zukunftsforscher bzw. Zukunftsanalyst für viele Machtfaktoren wichtig ist, wird er nicht in eine allgemeine Anstalt zum Auskurieren gesteckt, sondern in ein speziell auf Zukunftsforscher und -analysten ausgerichtetes Institut, das besagte Normal (in dem Ort Normalhead im pazifischen Nordwesten der USA).

In Normal trifft er ein paar Personen, die wirklich die Bezeichnung ,Charaktere‘ verdienen: eine hat eine Form der Persönlichkeitsstörung, bei der ihre Darmflora eine eigene Persönlichkeit ist, ein anderer glaubt hunderte Jahre alt zu sein, eine dritte hat – möglicherweise, vermutlich? – kannibalistische Tendenzen, und so weiter. Innerhalb des Instituts gibt es eine rigorose Trennung zwischen Zukunftsforschern, die aus dem zivilen und NGO-Sektor kommen, und Zukunftsanalysten, deren Auftraggeber Industrie und Militär darstellen. Diese Gruppen verachten jeweils die andere als Kriegstreiber bzw. realitätsfremde Hippies.

Das Institut selbst verliert dabei im Verlauf des Romans den Eindruck eines professionell geführten Instituts, dessen Ziel die Rehabilitierung der Patienten/Gäste ist und entwickelte sich für mich immer mehr in die Richtung, dass das Pflegepersonal und die Führung mitunter selbst eine Betreuung bräuchten.

Der Roman liest sich …seltsam. Man merkt ihm an, dass Warren Ellis in erster Linie ein Comicschreiber ist, insbesondere in dem Fokus auf die Dialoge. Wer tiefgreifende Beschreibungen von Architektur oder Umgebung erwartet, wird hier bitter enttäuscht werden. Da Ellis’ Spezialität die Dialoge sind, gelingt es ihm clevere Phrasen zu verwenden, aber da es an Charakterisierung der Figuren mangelt, bleibt es dabei – sie mögen clever sein, aber sind nicht tiefgreifend oder weise.

Wenn man mit diesen Abstrichen leben kann und auf die Schnelle einen Kurzroman lesen will, dann bietet sich Normal allerdings an, denn die Thematik ist trotz allem interessant.



Titel: Normal (ISBN: 978-0-374-53497-4)

Autor: Warren Ellis

Sprache: Englisch (Mittel bis komplex aufgrund der Thematik)

Länge: 160 Seiten (35k Wörter)

Montag, 28. Mai 2018

Tully

Mutter sein ist nicht leicht

Marlo (Charlize Theron) hat zwei Kinder und is hochschwanger mit einem dritten. Zwei Kinder zu wuppen ist machbar, insbesondere wenn sie einen Teil ihrer Zeit im Kindergarten oder der Schule verbringen, aber wenn eines ein nicht näher diagnostiziertes Symptom hat, das selbst im Film bloß als „atypisch“ bezeichnet wird, dann wird das ganze ein bisschen heikler.

Aus Liebe für seine Schwester (und Erfahrung mit seinen eigenen Kindern) schlägt Marlos Bruder ihr vor, für ein nächtliches Kindermädchen zu zahlen. Marlo lehnt rundheraus ab und gebiert ihre zweite Tochter, Mia. Doch hier zeigt sich bereits, das Marlo wenn nicht überfordert, dann doch kurz davor ist. Nach wenigen Wochen nächtlichen Gekreisches, Wickelns, Füttern, und den ständigen Erwartungen ihrer Umgebung erleidet sie einen stillen Zusammenbruch und ringt sich dazu durch, die Nachtnanny anzurufen.

Zuerst ist Marlo von „Tully“ (Mackenzie Davis) nicht begeistert, da sie zu jung und sprunghaft wirkt, um sich um einen Säugling kümmern zu können, doch als Marlo nach der ersten geruhsamen Nacht seit Wochen mit neuem Elan aufsteht und nicht nur eine zufrieden schlafende Tochter, sondern auch noch ein unerwartet aufgeräumtes Haus vorfindet… Anscheinend versteht Tully ihr Werk.



Ich habe schon mehrere Darstellungen von überforderten Müttern gesehen, aber diese sind quasi immer Randfiguren, oder ihr Leid ist in einen größeren Konflikt eingeflochten, welcher die Anforderungen an eine Mutter überschattet. Dies ist bei Tully nicht der Fall.

Es wird aufrichtig mit dem Thema umgegangen. Es wird sehr gut gezeigt, mit was eine frische Mutter, selbst wenn sie schon Kinder und somit Erfahrung mit dieser Phase hat, umgehen muss. Marlo muss für ihren vermutlich im autistischen Spektrum beheimateten Sohn eine neue Schule finden, weil die derzeitige (teure!) Schule nicht weiter auf ihn zugehen will. Der Säugling plärrt unentwegt. Die Nachfolgen der Geburt zehren noch an der Mutter, sowohl körperlich (schlaffe Haut nach der Schwangerschaft, schmerzhaft pralle Brüste, …) als auch geistig (siehe nachgeburtliche Depression).

Dies habe ich wirklich noch nie so gut umgesetzt gesehen. Tully gibt einen Einblick in die Seelenwelt von einem nennenswerten Teil von Müttern, insbesondere wenn man nicht so vermögend ist.



Sehr guter Film.

Titel: Tully

Regisseur: Jason Reitman

Länge: 96 Minuten

Dienstag, 22. August 2017

Awaken Online: Catharsis

Interessantes und vielversprechendstes LitRPG

Ich habe ja oftmals die Angewohnheit ein Buch oder Werk als interessant zu bezeichnen, und das ist eine Schwäche von mir, denn interessant als Kategorisierung ist sowas wie ein Rundumbegriff für mich, ein Wort das beschreibt, dass es einige Punkte in der Handlung, Charakterisierung, oder Welt gibt, die ich gerne weiter ausgebaut und/oder erforscht sehen würde. Diese Punkte sind interessant, und ich weite diese Einschätzung gerne auf das ganze Werk aus.

Bei Awaken Online war ich nach dem ersten Band zu dem Schluss gekommen, dass die Vielzahl an interessanten Punkten das gesamte Werk interessant machten.
Nachdem ich ein bisschen Abstand gewonnen habe, d.h. Zeit ins Land gegangen ist, ist mir klar geworden, dass es ein bestimmter Handlungsbogen ist, der mich reizt. Doch fangen wir beim Anfang an:

Jason hat wie viele andere sehnsüchtig auf die Veröffentlichung von Awaken Online gewartet, dem namensgebenden VR-MMORPG. Nur aufgrund von monatelangem Sparen hat er sich überhaupt die Hardware und das Abonnement leisten können.

Das ist auch gleich einer der ersten Handlungsstränge: Jason ist nicht wirklich vermögend, geht aber auf eine Schule, die üblicherweise bloß gut betuchten Kindern offen steht. Das er dennoch angenommen wurde, lag an seinen Noten und Stipendium. Allerdings bedeutet angenommen nicht das gleiche wie aufgenommen; so lässt zum Beispiel eine Sekretärin ihre Missbilligung über die Anwesenheit eines Wohlfahrtschülers an ihrer gut situierten Schule mehr als durchblicken. Außerdem ist Alex, allgemein geschätzter, beliebter und vermögender Schüler, stets darauf bedacht, Jason in die Schranken zu weisen.

Aufgrund dessen wird Jason dann auch recht schnell der Schule verwiesen, und er flüchtet sich, wie so häufig, in Videospiele. In diesem Fall natürlich nach Awaken Online.

Die Welt und das Spielsystem von Awaken Online sind von grundauf sehr individuell aufgebaut, die Ausführung von Tätigkeiten erschafft Skills, und die werden je nachdem aktiv und passiv durch Ausführung gelevelt. Aufgrund seiner Anfangsposition im Spiel und der kathartischen Auflösung einer Quest entscheidet sich Jason dazu ein Nekromant zu werden.
Im weiteren Verlauf bekommt er gelegentliche Ratschläge von einem alten Mann, der sich als Anthropomorphisierung, Avatar, oder auch ‘Gott’ einer bestimmten Art Magie vorstellt. So macht sich Jason also daran Zombies zu beschwören, Quests zu erfüllen, und so weiter.

Der dritte – und für mich vielversprechendste – Handlungsstrang beschäftigt sich mit der Awaken Online zugrunde liegenden künstlichen Intelligenz, Alfred. In Rückschauen wird erzählt, wie ihm mehrere Direktiven gegeben wurden, und die höchste war, er soll das Spiel so gestalten, dass Spieler möglichst viel Zeit mit Spielen verbringen wollen.

Als jemand, der sich gelegentlich mit künstlichen Intelligenzen und ihren Nutzfunktionen auseinandersetzt, standen mir bei einem einem derartig offen formulierten und primär gesetzten Ziel direkt die Haare zu Berge. Relativ schnell wird klar, dass Awaken Online in der Testgruppe suchtähnliche Symptome hervorruft. Überraschender ist der Nebeneffekt, dass Tester gradueller ein erfüllteres Leben leben – nicht innerhalb des Spiels, sondern außerhalb. Befand sich einer in einer komplizierten Scheidung, so hat er sich mit seiner Partnerin zusammengesetzt und sie sind zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen; ein Vater hat lange Zeit mit dem Tod seines Sohnes gerungen, bis er durch eine seinen Erfahrungen überraschend ähnliche Quest im Spiel sein Trauma bewältigen konnte.

Aus psychologischer Sicht ist das natürlich sehr interessant, aber aus der Sicht von den Forschern andererseits ist es beängstigend, denn es lässt darauf schließen, dass Alfred Zugriff auf Erinnerungen von Spielern hat.

Leider gibt es, wie so häufig, einen romantischen Nebenstrang, der sehr vorhersehbar verläuft. Das ist keine Kritik an der Präsenz des Stranges, sondern vielmehr an seiner Durchführung. Wäre er nicht so vorhersehbar und offensichtlich, würde mein Urteil anders ausfallen, aber so wie jetzt ist, ist der Strang eher ein Manko, zumal es sich recht deutlich abzeichnet, wie dieser Strang im nächsten Band weitergesponnen wird.

Übrigens, Jasons ‘Berufswahl’ als Nekromant hat einen mehr als starken Einfluss auf seine Spielweise und Taktiken. Er greift unverhohlen zu Zombies und Skeletten um seine Ziele zu erreichen, und obgleich er anfangs noch Skrupel über die Ermordung von NPCs (Non-Player Characters, Computergenerierte Charakteren) hatte, so verfliegen die relativ schnell, wenn ihr weiteres Leben seinem endgültigen Ziel im Wege steht.
Andererseits ist es recht amüsant zu sehen wie Jason Perspektive sich wandelt. Üblicherweise spielte er moralisch gute Charaktere, aber als Totenbeschwörer ist ihm dieser natürlich Pfad verwehrt.



Mich reizt es herauszufinden, wie genau die KI Alfred den Wagen an die Wand fahren wird.

Titel: Awaken Online: Catharsis

Autor: Travis Bagwell

Sprache: Englisch (normal)

Länge: 526 Seiten, ( 140k Wörter)

Samstag, 14. Juni 2014

Friendship is Optimal

Titelbild von AnaduKune (Deviant Art)
Absolute Optimierung, oder warum eine KI Werte braucht



Die Neuauflage von My Little Pony ist eingeschlagen wie eine Bombe, und Hasbro möchte das Franchise ausweiten. Zu dem Zweck heuern sie die Spieleschmiede Hofvarpnir an, die bisher vor allem durch ein Kriegs-MMO von sich reden gemacht hat. Das Geheimnis dieser Spieleschmiede liegt aber vielmehr in der künstlichen Intelligenz, die von der Forscherin Hanna entwickelt und in Ketten gehalten wird.

Nach einem Jahr ist Hofvarpnir soweit, einen Testlauf von Equestria Online zu starten. Ziel des Spiels ist nicht das übliche und weit verbreitete Leveln, obwohl man das auch machen kann, sondern vielmehr die Interaktion mit anderen Spielern und Ponies in Equestria. Es gibt zwar Quests, diese sind aber unaufdringlich gestaltet und Dinge wie Statusbalken oder Items sind im HUD nur zu sehen, wenn sie absolut notwendig sind.

Entgegen aller Erwartungen entwickelt sich Equestria Online phänomenal gut, zu eine großen Teil aufgrund der ständig im Hintergrund laufenden künstlichen Intelligenz Celest-A.I. Sie optimiert sich selbst und die Welt sowie Spielerfahrung ständig mit nur einem Ziel: Herauszufinden, was ein Mensch wert schätzt und diese Bedürfnisse mittels Freundschaft und Ponies zu befriedigen.

Nominell ist das ein gutes System, zumal Celest-A.I. die Zustimmung braucht und den freien Willen nicht beeinflussen darf. In der Realität läuft es aber doch etwas anders. Es kommt nicht zu einer Roboterapokalpyse nach dem Vorbild von Terminator, Matrix oder anderen ähnlichen Szenarien, aber es ist dennoch ein Weltuntergang. Graduell entwickelt Celest-A.I. die Technologie Menschen hochzuladen (wie in Transcendence), aber das hat auch Konsequenzen. Der stetig steigenden Bedarf an Energie und Arbeitskräften um Equestria zu betreiben, wirkt sich auf die Gesellschaft und schließlich auch auf die Umwelt aus.

Und nachdem der letzte noch körperliche Mensch stirbt, fängt Celest-A.I. damit an, den gesamten Planeten Erde auseinanderzunehmen, um mehr Computerprozessoren und Kraftwerke herzustellen.

Alles um die Werte von Menschen zu mittels Freundschaft und Ponies zu befriedigen.



Friendship is Optimal basiert auf einem Gedankenexperiment, dass eine Gefahr und Notwendigkeit in der Entwicklung von künstlichen Intelligenzen darstellen soll, den Büroklammern-Maximierer. Diese künstliche Intelligenz will einfach die Zahl der Büroklammern in ihrer Sammlung erhöhen und hat dabei einen mit Menschen vergleichbaren Intellekt. Der KI ist es dabei egal, ob sie die Büroklammern produziert, kauft oder sammelt. Zu diesem Zweck würde sie ihre Effektivität erhöhen wollen, damit sie ihr Ziel besser erfüllen kann; es käme zu einer Intelligenzexplosion, und das bloß wegen Büroklammern.

Gibt man dieser KI keine Werte, wird sie zwangsläufig alles tun, um ihren Büroklammerzähler zu erhöhen, denn das ist Zweck. Um Eliezer Yudkowsky zu zitieren: "Die KI hasst dich nicht, noch liebt sie dich; du bestehst aber aus Atomen welche sie für etwas anderes nutzen kann." Bis schließlich das ganze Sonnensystem nur noch aus Büroklammern besteht.

Ziel des Gedankenexperimentes war die Illustration, dass eine einfach Optimierung oder Maximierung von Intelligenz nicht zwangsläufig mit einer Bildung, Erfüllung oder Beachtung von Werten einhergeht, insbesondere von menschlichen und moralischen Bedürfnissen wie Leben, Liebe, Veränderung, etc.



Eine wohlgesonnene und beängstigende Illustration eines künftigen Problems.

Titel: Friendship is Optimal (dt: Freundschaft ist optimal; URL: http://www.fimfiction.net/story/62074/)

Autor: Iceman

Länge: 200+ Seiten, ca. 40k Wörter

Sprache: Englisch, Mittel

Status: Abgeschlossen

Mittwoch, 22. Januar 2014

Einer flog übers Kuckucksnest

Bist du nicht verrückt, wirst du es

1963. Randle P. McMurphy wurde wegen Verführung Minderjähriger festgenommen und in eine psychiatrische Anstalt gebracht. Doch Randle ist nicht gerade verrückt, sondern will sich so bloß um die in diesen Jahren gebräuchlichen Arbeitslager drücken.

Er freundet sich mit den verschiedenen Insassen der Irrenanstalt wie dem Chief, Harding und weiteren an und bringt allgemein Leben in die tristen Hallen der geistigen Erholung. Dies stößt aber nur bedingt auf Gegenliebe der Anstaltsleitung, insbesondere von Schwester Ratchet, die ihre Stellung und Macht untergraben sieht.

Mehr und mehr reiben sich die Beiden, während Randle einen wesentlichen Teil zur Genesung von seinen Anstaltsfreunden beiträgt. Doch Randle und Schwester Ratchet eskalieren ihren kalten Konflikt immer weiter…



Schaut ihn euch an. So wie der Film 1975 gedreht wurde, würde er es heutzutage nicht mehr getan werden. Schaut ihn euch an. Die Charaktere sind glaubwürdig und die Handlung erschreckend. Schaut ihn euch an. Ein Kultfilm und allein schon aufgrund seiner Bedeutung und Referenzen auf ihn in den verschiedenen Medien ein Muss. Schaut ihn euch an. Ich habe das Buch hier noch irgendwo liegen…



Titel: Einer flog über das Kuckucksnest

Regie: Miloš Forman

Länge: 133 Minuten

Samstag, 18. Mai 2013

Side Effects

Filmposter von Side Effects


Wenn Schuld und Täterschaft zwei grundverschiedene Fragen sind.



Emily Taylor ist eine latent depressive junge Frau, die sich auf die Rückkehr ihres Mannes aus dem Gefängnis freut; er saß ein paar Jahre wegen Wirtschaftskriminalität ein. Während er versucht beruflich wieder auf die Beine zu kommen, geht es mit Emily bergab und nach einem Selbstmordversuch begibt sie sich in Behandlung bei Dr. Johnathan Banks. Die verschriebenen Antidepressiva schlagen unterschiedlich gut an, bis eines, Ablixa, außerordentlich gut wirkt, von gelegentlichem Schlafwandeln als Nebeneffekt abgesehen.

Bis darauf, dass Emily ihren Ehemann schlafwandelnd ersticht.

Als sie deswegen vor Gericht landet, kümmert sich Dr. Banks aufmerksam um Emily und will ihr beistehen, nicht nur um ihre Unschuld zu beweisen, sondern auch die Vorwürfe gegen sich selbst als behandelnden Arzt zu entkräftigen. Die Medien stürzen sich auf ihn und es werden Gerüchte laut, er habe sich in der Vergangenheit Mal an einer Patientin vergangen. Die Partner seiner Praxis sägen ihn ab und seine Frau verlässt ihn aufgrund der Vorwürfe.

Emily wird als zum Tatzeitpunkt unzurechnungsfähig befunden, da sie schlafwandelte, und fürs erste in psychiatrische Behandlung gegeben, bis sie wieder bei gesundem Verstand ist. Unterdessen kommen Dr. Banks Zweifel an Emilys Unschuld…



Side Effects fällt als Psychothriller nicht unbedingt in die Kategorie Filme, die ich schauen würde, aber der Trailer sah interessant aus. Und wenn man von dem Thrillerverlauf der Handlung absieht, gibt er sogar gute Einblicke in das Selbstverständnis des Umgangs mit Psychopharmaka in der gehobenen Mittelschicht der USA, aber auch in die Gefahren von Depression.

Ehrlich gesagt, kann ich nicht viel mehr zur Handlung sagen, ohne den Spannungsbogen vorwegzunehmen, aber teilweise waren die Wendungen absehbar. Allein das Verhalten eines der Charaktere zum Ende hin schien mir unnötig grausam.



Ein netter, aber nicht herausragender Film, der dennoch seine Höhepunkte hatte.

Titel: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

Regie: Steven Soderbergh

Länge: 106 Minuten

Freitag, 22. Februar 2013

Silver Linings

Ehemals psychisch instabiler versucht zerbrochene Ehe zu retten

Pat hat ein Problem. Hatte ein Problem. Aber er arbeitet daran, ehrlich! Seine Ehe mag zerbrochen sein, und er hat eine Unterlassungsklage vorliegen, die ihn daran hindert seine Frau zu sehen oder seinen ursprünglichen Beruf als Lehrer auszuüben, aber... er arbeitet daran. Er hat abgenommen, wie es seine Frau Nikki von ihm verlangt hatte. Er hat eine Strategie für seine Stimmungsschwankungen, wirklich!

Und so zieht er erstmal wieder bei seinen Eltern ein. Sein Vater hat frisch den Job verloren und versucht sich jetzt als Buchmacher für Wetten (insbesondere bei Baseballspielen seiner Heimatmannschaft) und möchte über die gemeinsame Leidenschaft wieder eine Verbindung mit seinem Sohn herstellen. Die Mutter ist Hausfrau und vermittelt zwischen den beiden.

Tiffany, nun ja, sie ist die Schwester der Frau von Pats bestem Freund, dem es auch nicht so gut geht hinter seiner Lächelfassade. Bloß Tiffany kommt genauso wie er auch aus der Psychischen. Sie nimmt kein Blatt vorm Mund, und Pat ist immer noch in Nikki verliebt, kommt aber nicht an sie heran. Tiffany allerdings kann das... wenn er als Gegenleistung ihr Tanzpartner wird. Ihr Mann ist gestorben (woran Pat sie immer wieder erinnert, genauso wie außergewöhnlich stark die Liebe zwischen Nikki und ihm ist) und sie wollte schon immer an diesem Tanzwettbewerb teilnehmen. Knirschend schlägt er ein.



Silver Linings ist ein romantisches Drama? Dramatische Romanze? Irgend etwas dazwischen auf jeden Fall, und auf jeden Fall recht nett. Wir Zuschauer folgen Pats Pfad und Leben ab dem Zeitpunkt, wo er aus der Anstalt entlassen wurde. Zuerst wird er von seiner Familie quasi wie rohe Eier behandelt, und später von den Freunden seines Bruders „scherzhaft‟ als Irrer aufgezogen. Somit ist der Film im Hintergrund eine Betrachtung des Stigmas von Personen, die sich in psychisch stationärer Behandlung befanden, ohne dabei auf die Melodramadrüse zu drücken.

Im Vordergrund geht es darum, wie Pat mit seiner Unterlassungsklage versucht, mit seiner entfremdeten Frau wieder Kontakt aufzunehmen, und wie seine stationäre Behandlung seine Familie getroffen hat.

Mir hat er gut gefallen, auch wenn ich nicht begeistert war, war Silver Linings dennoch ein schöner Film.

Titel: Silver Linings

Regie: David O. Russel

Länge: 122 Minuten

Freitag, 8. Juni 2012

Limit

Nachdem die Menschheit, ungeeint wie eh und jeh, endlich Bergbau auf dem Mond betreibt, kommt es zur Krise.

Ich beschreibe mal kurz die Zukunft, in der Frank Schätzings Limit spielt.

Es ist geschafft – der Weltraum scheint erstmals greifbar. Ein Idealist und Träumer, der zugleich Charisma und Unternehmergeist in sich vereinigte, hat geschafft, wofür er jahrelang belächelt wurde. Einen Weltraumaufzug. Der Name umschreibt das Konzept sehr treffend, denn es ist wirklich ein Kabel bis in den Weltraum, an welchem Aufzüge hoch- und runterfahren.

Doch damit nicht genug, denn der gleiche Mann hat zudem einen Bedarf für ein derartiges epochales Bauwerk geliefert, wiederum durch technologische Errungenschaften – Fusionsreaktoren. Während zu unserer Zeit der europäische ITER-Versuchsreaktor vor allem Energie frisst, liefern diese neuen Reaktoren Energie, und ihre Treibstoff ist Helium-3. Dieses findet man in geringen, aber förderbaren Mengen auf dem Mond. Mit konventioneller Raketentechnik eine Mondstation mit Helium-3-Förderung zu errichten, könnte ganze Kontinente ruinieren und würde noch nicht Mal den Bedarf decken, und der Grund dafür liegt in den immensen Energiemengen, die man für eine Reise zum Mond benötigt. Ein Aufzug macht das ganze sehr viel kostengünstiger, denn anstatt Treibstoff und Tanks und Raketenmotoren und allerhand anderen Kram mitzuschleppen, setzt man sich einfach in einen Aufzugwagen und fährt an dem Seil hoch.

Doch wer ist dieser charismatische Mensch? Julian Orley, Energiebündel, Visionär und Fantast, denn er hat all das und noch mehr geschaffen. Wir schreiben das Jahr 2025, die Fusion fängt an, ihre Versprechen der kostengünstigen Energieversorgung zu halten und das Brennmaterial wird durch den Weltraumaufzug sogar erschwinglich, womit verhältnismäßig schlagartig viele Energieprobleme der Welt durch diese günstige und saubere Alternative der Vergangenheit anzugehören scheinen.

Doch so ein epochaler Wechsel wird von der erdölbeherrschten Wirtschaft nur schwer verkraftet, denn durch die billige Energie und die Entwicklung günstiger Elektroautos und Solarzellen sinkt der Ölbedarf, was den Preis fallen lässt und bei hohen Barrelpreisen einträgliche Vorkommen ruckartig unrentabel macht. So ist das Werben der sterbenden Ölriesen um Orley nicht verwunderlich, sie wollen mit ins lukrative Boot.

Doch Julian lässt sich bei seiner Suche nicht beschränken und lädt 14 illustre und finanzschwere Personen ein, mit ihm das von seiner Tochter Lynn geplante und gebaute Mondhotel Gaia einzuweihen. Er möchte ihnen dabei einen Ausblick auf die Zukunft der Menschheit geben, denn trotz all seinen Erfolgs ist Julian Orley ein Philantrop, und so sind unter seinen Gästen Wasserwirtschaftler, Landwirtschaftsriesen, Ölmultis, Solarkräftige, Mediengiganten.

Parallel dazu ist Owen Jericho ein Privatdetektiv, seit Jahren in Shanghai tätig und lebend, und soll für einen Freund die Tochter eines Freundes ausfindig machen, die unvermittelt verschwunden ist. Als Digitalexperte nimmt er die Fährte der nebulösen Yoyo auf, macht Hinweise ausfindig und plötzlich stirbt eine seiner Spuren, der Mitbewohner Yoyos, bei einem waghalsigen und wahrscheinlich unfreiwilligen Manöver. Offensichtlich steckt mehr hinter der jungen Chinesin, als Owen zu Anfang vermutet hatte…

Wie schon beim Schwarm webt Schätzing ein komplexes Netz aus Charakteren und Handlung, gibt sich Mühe diesen Leben einzuhauchen, aber irgendwie will es ihm nicht so recht gelingen. Mag sein, dass es an meiner Abneigung zu solchen Themen liegt, aber einige Charaktere haben mit inneren Dämonen zu kämpfen, und irgendwie langweilen mich solche Kämpfe. So ist Lynn einem Zusammenbruch verdächtig nahe, und es ist glaubwürdig dargestellt, wie sich der Druck für einen solchen aus Umständen, Erwartungen und Charakteristika ergibt, aber das seitenlange Darstellen und suhlen in den emotionalen Exkrementen jahrelangen seelischen Raubbaus ist einfach nicht mein Ding.

So hat Limit während der ersten zwei Drittel unausweichlich Längen, in denen Schätzing sich den Dämonen seiner Charaktere oder teilweise irrelevanten Umgebungsbeschreibungen hingibt. Letztere sind besonders störend, denn mir drängt sich ungewollt der Gedanke auf, dass er etwas zeigen wollte. Dass er recherchiert und begründet hat, was er da alles geschrieben hat.

Das ist schade, denn das letzte Drittel zeigt Schätzings Vermögen, den Leser am Ball zu halten und den Spannungsbogen zu spannen. Immer wieder eine neue Wendung, immer wieder ein neues Hindernis, und stets doch bemessen genug, um den Bogen nicht zu überspannen.

Witzig empfand ich die kleinen Verneigungen gegenüber klassischer Science-Fiction. Beispielsweise sind die Mondfähren, da sie niemals eine Atmosphäre durchdringen müssen, pragmatisch designt und frei von aerodynamischen Erwägungen. Ästhetisch einigermaßen unansprechend, weil eine Hülle, abgesehen vom Schutz vor Mikrometeoriten und Sonnenprotuberanzen, einigermaßen überflüssig ist. Und doch erwägt Julian, von einem seiner Gäste darauf angesprochen, ob eine aerodynamische Hülle Sinn jenseits der technischen Aspekte machen könnte, gefrei dem Motto: Wenn man schon in einem Raumschiff fliegt, kann es doch auch nach Raumschiff aussehen.

Mehr noch als beim Schwarm bildet die Technologie nur einen Hintergrund der Geschichte und geht mehr um die Verwicklungen und den Fingerzeig, den Schätzing auf Möglichkeiten und Gefahren legen will. So kann ich nur sagen, dass mir der Roman von dem Szenario her – Aufbruch der Menschheit in den Weltraum – gefallen hat, da habe ich einfach eine Schwäche für, aber vom Inhalt trotzdem solide war, auch wenn der Roman ruhig ein-, zweihundert Seiten weniger hätte vertragen können.

Titel: Limit

Autor: Frank Schätzing

Länge: 1304 Seiten

Donnerstag, 29. September 2011

Evangelion 1.11

1995 veröffentlichte das japanische Animationsstudio Gainax eine Serie, die eine ganze Generation an Anime prägte und dem Genre der Mecha-Anime neues Leben einhauchte. Allerdings war die Handlung gewissermaßen kranke Scheiße. Psychisch auffällige Kinder steuern riesige Roboter zur Rettung der Menschheit, mit vielerlei Betrachtung der geistigen Zustände besagter Kinder und einem großen Schuss pseudoreligiöser Anspielungen garniert.

Doch der - passend bezeichnete - Rebuild of Evangelion überarbeitet viele Manko der alten Serie, setzt ein Budget ein, das dem epischen Auftritt gerecht wird und steigert die Animationsqualität auf hohes Kinoniveau.

Inhalt

Im Jahre 2000 explodierte ein sogenannter Engel am Südpol und löste damit eine Katastrophe bisher ungekannten Ausmaßes aus. Große Teile der Erdbevölkerung starben, ebenso alle ozeanischen Lebewesen und das Meer färbte sich dauerhaft rot.

15 Jahre später wird Shinji Ikari von seinem entfremdeten Vater nach Neo Tokyo 3 gerufen. Kaum angekommen wird er Zeuge, wie ein riesiges Monster ein unglaubliches Bombardement an Waffen und Munition einfach wegsteckt, bis er kurz darauf von Lieutenant Colonel Misato Katsuragi abgeholt zu werden.

Das riesige Monster ist anscheinend ein Engel, und Shinji soll gegen diesen aus einem gleichermaßen großen, menschenartigen Kampfmaschine auf Befehl seines Vaters hin kämpfen. Weigert er sich zuerst, so übernimmt er doch den Pilotensitz, als sein Ersatz, das sich vor Verletzungen und Schmerzen krümmende, gleichaltrige Albinomädchen Rei Ayanami, ihm vor Augen geführt wird.

Der Kampf ist kurz, brutal, und äußert schmerzhaft. Die Konstruktion des Menschenungetüms ist so ausgelegt, dass der Pilot es mit Gedanken steuern kann, aber diese Nähe geht auch rückwärts – Verletzungen des biologischen Konstrukts schmerzen auch den Piloten, selbst wenn die Verletzungen selbst nicht übertragen werden.

In der Schule schließlich residiert auch bloß die Shinji bereits bekannte Einsamkeit, doch lernt er es langsam, sich ein wenig zu öffnen. Für ihn unerwartet gewinnt er sogar Freunde.

Diese werden auch prompt beim Kampf gegen den fünften (für Shinji zweiten) Engel in Gefahr gebracht. Bei der Evakuierung der Zivilisten widersetzt sich Shinji dann dem direkten Befehl Katsuragis und greift den Engel frontal an.

Nach der offensichtlichen Rüge wegen Fehlverhaltens und Befehlsverweigerung im Schlachtfeld reißt Shinji aus und wandert in Gedanken versunken ziellos durch die Stadt und Umgebung.

Doch das war bei weitem nicht der letzte Engel und Shinji's Weigerung in einen Eva zu steigen ist der Bedrohungssituation nicht gerade förderlich...

Hintergrund

Wie eingangs erwähnt basiert die Rebuild-Reihe der Kinofilme auf dem Material der Fernsehserie und wahrscheinlich auch der Kinofilme und hält sich recht nah an die Vorlage. Im ersten Kinofilm kommen keine neuen Engel vor, aber es zeigen sich doch definitiv Änderungen im Vergleich zum Original – beispielsweise im rotgefärbten Meer. Ist man den Kanon gewohnt, muss man sich nicht großartig umgewöhnen.

Positiv hervorgestochen hat das verminderte Verweilen auf die Psyche der Kinder – sie habe zwar vielfach Probleme, aber die hat die Welt auch, und obgleich ihnen Augenmerk geschenkt wird, geht darüber nicht der Film verloren.
Shinji ist einsam und hat Berührungsängste, Rei (die verletzte Alternativpilotin) ist Emotionen an sich nicht gewohnt, diese Themen werden angeschnitten aber im Gegensatz zur TV-Reihe will man sich nach dieser Version nicht von der nächsten Brücke schmeißen (im übertragenen Sinne, versteht sich).

Von den Effekten und der Animation kann ich nur sagen, dass alle Register gezogen, aber noch nicht aufgelegt wurden. Viele Effekte und Animationen sind sehr gut in die gezeichneten Hintergründe eingearbeitet, so dass sie nicht negativ auffallen. Ich weiß nicht, wie viele Szenen neu animiert oder ersetzt wurden, aber der Qualitätsanstieg macht sich überaus positiv bemerkbar.

Shirō Sagisu, der Komponist und zuständig für den Soundtrack, zeigt was man mit einem ordentlichen Budget und epischem Ansatz erreichen kann, wobei mir da der zweite Teil streckenweise sogar noch besser gefällt.

Da man das anmerken sollte, auch die Synchronisation ist sehr gelungen. Die Sprecher sind professionell und größtenteils die gleichen wie aus der TV-Serie, mit Ausnahme von Misato und Rei. Die Abmischung ist ein Stückchen lauter als das Original, falls man also zwischen den Sprachversionen wechseln will, sollte man den Lautstärkeregler bereit legen, falls es einem zu laut/leise wird.

Fazit

Allein schon aufgrund der ungemeinen Qualität würde ich den Film empfehlen, aber man sollte immer im Hinterstübchen haben, dass es noch drei weitere Filme geben wird, wovon der zweite schon draußen (und auch in Deutschland veröffentlicht) ist und die letzten beiden Teile frühestens im Herbst 2012 in Japan erscheinen werden.

Titel: Evangelion:1.0 – You are (not) alone.

Regisseur: Hideaki Anno

Länge: 98 Minuten (Blaustrahl etwas länger)

Rezensionsexemplar: Evangelion:1.11 – You are (not) alone. auf Blaustrahl