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Samstag, 12. Mai 2018

Light (Kefahuchi-Tract)


Verwirrend und misogyn

Ich have letztens versucht mir Light anzuhören, bin aber kläglich gescheitert. Die Schuld daran liegt aber nicht beim Erzähler – Elfer macht seine Arbeit gut und ist übermittelt das Buch mehr erzählend als vorlesend oder bloß sprechend – sondern bei der Geschichte selbst. Oftmals kommt es zu Traumszenen oder Sprüngen in Figuren und Orten die zwar angekündigt werden, aber insbesondere beim Zuhören nicht so klar zu trennen sind.

Dann wäre da noch die Handlung an sich. Man fragt sich zwangsläufig, was für einen Rochus Harrison auf das weibliche Geschlecht hat, denn fast alle weiblichen Charaktere sind einfach rollig und mannfixiert auf die eine oder andere Weise. Auch wenn ich Harrison spätere Handlungsentwicklungen zugestehe, die das teilweise in ein anderes Licht rücken, so ist es dennoch bedenklich wir verstörend das weibliche Geschlecht hier präsentiert wird.

Beim ersten Drittel habe ich somit gelesen statt gehört, um die plötzlichen Handlungssprünge mitzubekommen und nicht ständig um Minuten zurückzuspringen um zu wissen was jetzt gerade abgeht. Das zweite Drittel habe ich das Hörbuch gehört, das war adäquat. Man muss sich auf Elfers Dialekt einlassen können. Das letzte Drittel dann habe ich parallel gelesen und gehört, und das hat mir am meisten gebracht; das mag aber daran liegen, dass durch das vorangegangene Hören die Erzählung und Charaktere Elfers Interpretationen angenommen hatten und ich diese beim weiteren Lesen nicht missen wollte.

Unterschlagen will ich nicht Harrisons stilistische Schreibfertigkeit; er kann einfach sehr gut und evokativ beschreiben und Metaphern aufsetzen, die sich dem Leser sehr gut darbieten. Gleichermaßen allerdings müssen die oftmals grotesken und verstörenden Sexszenen erwähnt werden, bei denen ich mich stets fragte: Wieso. Was bringt das, hier, für die Erzählung?



Im Großen und Ganzen frage ich mich was für Drogen Harrison genommen hat beim Schreiben dieses Buches, denn die würde ich unbedingt vermeiden wollen.

Titel: Light

Autor: M. John Harrison
Sprecher: Julian Elfer

Sprache: Englisch (schwierig)

Länge: 10:22 Stunden, (100k Wörter)

Freitag, 22. November 2013

Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt

Oben: der weißhaarige Julian Assange (Benedict Cumberbatch); Unten: der bebrillte Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl)
Ein (befangener) Blick in die Wikileaks-Affäre

Daniel Domscheit-Berg ist ein Freiheits- und Internetaktivist, als er 2007 auf WikiLeaks und Julian Assange, dessen Mitinitiator, trifft.

Assange ist schon länger aktiv in der Veröffentlichung und Enthüllung brisanter Informationen, die generell mächtigen Personen und Organisationen gefährlich sein können, sei es aufgrund der direkten Informationen oder deren Folgeschäden durch Nachforschungen von Finanzämtern oder durch Schädigung des Rufes.

Julian, stets auf Achse und selbst involviert, zieht Daniel ins WikiLeaks-Boot. Zusammen mit anderen hunderten Freiwilligen sichten sie eingereichte Daten und bereiten sie wirkungsvoll auf, ehe sie veröffentlicht werden.

Ein Coup gelingt ihnen mit der Bank Julius Bär, die als Reaktion mit einer Einstweiligen Verfügung aus den USA die Abschaltung der Enthüllungsplatform gelingt. Unterdessen reist Julian weiter durch die Welt um sogenannte Whistleblower auf seine Enthüllungsplatform aufmerksam zu machen, während Daniel durch Europa tingelt und Server für eben jene kauft.



Der Film gibt gewisse Einblicke in die Wikileaks-Welt, welche natürlich persönlich gefärbt sind. Daniel Domscheit-Berg als Perspektivträger kommt dabei natürlich sympathischer rüber als der arrogant dargestellte Julian Assange. So stellt Inside WikiLeaks zwar die Welt der Enthüllungsplatform dar, aber als Hintergrund. Beleuchtet wird vor diesem die Beziehung zwischen Assange und Berg, wie sie wächst und wandelt im Aufstieg von Wikileaks.

Als Vorlage setzt der Film das Buch von Domscheit-Berg, Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt, um, zusammen mit dem britischen WikiLeaks: Inside Julian Assange's War on Secrecy.



Interessante Einblicke, aber nicht fesselnd.

Titel: Inside WikiLeaks — Die fünfte Gewalt

Regie: Bill Condon

Länge: 124 Minuten

Sonntag, 7. Oktober 2012

Madagascar 3: Flucht durch Europa

Besser als Madagascar 2

Löwe Alex, Zebra Marty, Giraffe Melman und Nilpferd Gloria sowie Pinguine und Affen brachen im ersten Teil von Madagascar aus ihrem Zoo in New York aus, um Mal die große weite Welt zu sehen und dann auf Madagaskar zu landen. Im Teil packt die vier das Heimweh und ihr Versuch nach New York zurückzukehren führt zu einer Bruchlandung in Afrika. Dort gewöhnen sich Alex, Marty, Melman und Gloria an die Wildnis, aber die Pinguine und Affen wollen einen Trip nach Monte Carlo machen. Hier setzt der dritte Teil an.

Alex hat erwartet, dass die Pinguine und Affen zurückkommen würden, aber als nach Monaten immer noch keiner wiedergekommen ist, muntern ihn seine Freunde auf und beschließen, zurück in den New Yorker Zoo zu gehen, mit Umweg über Monte Carlo.

Dort machen sie bald die Drückeberger aus, die in der Gestalt des Grafen von Versailles am Roulettetisch ihr Geld mehren. Dummerweise fliegen sie alle auf und verlassen panisch das Casino, verfolgt von der terminatorartigen Tierfängerin DuBois. In ihrem Eifer, an die Haut von Alex zu kommen, rennt sie durch Wände und vollführt Stunts, die Luc Bessons Taxi-Filme wie Möchtegerns dastehen lässt.

Bei ihrer Flucht verstecken sich sie die Zootiere in einem Zirkuswaggon. Dieser Zirkus wird durch Europa tingeln und bietet somit eine gute Versteckmöglichkeit. Leider besteht der gebrochene Startiger aber darauf, dass nur Zirkustiere mitfahren dürfen, und so geben sich unsere Helden als eben solche aus.

Schließlich ergibt sich die Möglichkeit von London aus nach New York zu fliegen über einen amerikanischen Käufer für den Zirkus, bloß wie bereits schon erwähnt, ist der Star gebrochen, die Nummern abgehalftert und alles ist uninspiriert und dröge.

Bis Alex das Ruder in die Pfote nimmt und eine Zirkusshow auf die Beine stellt, welche allein schon den Eintrittspreis wert ist.

Wieso ich den dritten Teil besser finde als den zweiten? Ganz einfach: Er ist humorvoller und besinnt sich zurück auf die Stärken des ersten Teils, wie Fisch-aus-dem-Wasser-Komponente. Interessant dabei ist, obgleich meiner Erwartungen eines typischen Abklapperns von europäischen Sehenswürdigkeiten und Klischees hält sich das überaus in Grenzen und ist teilweise auch selbstironisch.

Will damit sagen, ich habe mich herrlich amüsiert!

Titel: Madagascar 3: Flucht durch Europa

Regie: Eric Darnell, Tom McGrath, Conrad Vernon

Länge: 93 Minuten

Dienstag, 27. September 2011

Four Lions

“Three Lions on a shirt, Jules Rimet still gleaming, ..."

Moment, nicht ganz. An sich noch nicht Mal ansatzweise. Der einzige Zusammenhang ist England, ein Fussball für ein paar Sekunden und das war es auch schon. Denn Four Lions ist rabenschwarz im wahrsten Sinne des Wortes, es kommen Raben vor und der Humor ist tiefschwarz. Was erwartet man aber auch von einem Film über idiotische Selbstmordattentäter?

Inhalt

Omar, Barry, Waj und Feisal sind mehr oder wenige junge Muslime, die ihr Leben für ihre Religion opfern wollen. Allerdings sind sie nicht gerade die frischsten Äpfel in der Theke.

Alle vier wollen die Ungläubigen bei Selbstmordattentaten in die Luft sprengen und ein Zeichen setzen, bloß bei der Auswahl des Zeichens fängt der Streit schon an. Barry, weißer Konvertit, den man am Besten mit einem fleischgewordenen Internettroll vergleichen kann, will eine Moschee als Ziel nehmen und die Schuld den Feindes des Islam in die Schuhe schieben. Wieso er dann aber ein Bekennervideo aufnimmt, weiß wohl nur er.

Faisal hat die Grundlagen für den Sprengstoff besorgt, also alles im gleichen Laden über einen mehrjährigen Zeitraum zusammen gekauft. Und dabei verschiedene Stimmen benutzt, damit er als unterschiedliche Personen wirkt, darunter eine vollbärtige Frau. Sein religiösen Ratschläge erhält er von seinem Vater.

Waj ist ein Kindsmann, das auch in Pakistan nach Osten betet, wie er es in England getan hat. Im wesentlichen hat er als einziger einen halbwegs brauchbaren moralischen Kompass und einfach falsche Freunde.

Omar, nun ja, ist an sich der Kopf der Bande und die ideologische Stütze. Er ist der am festesten in der Realität verwurzelte mit Frau und Sohn, festem Job und brauchbarem Bildungsniveau, aber er ist kein Genie.

Dennoch ist er es im Prinzip, auf dessem Mist die ganze Idee mit den Selbstmordattentaten gewachsen ist, er hat die Kontakte (sprich: einen Onkel) nach Pakistan für eine Ausbildung, und er ist es auch, der Waj Richtung und Ziel vorgibt, denn letzterer ist nicht gerade zum Denken geboren.

Der Film besteht im Prinzip daraus, den vieren zuzuschauen, wie sie sich auf ein Selbstmordattentat vorbereiten, von dem sie keine Ahnung haben, wo oder wann es stattfinden soll. Sie stellen Nitroglycerin her, sprengen eine Mikrowelle in die Luft, Faisal sprengt sich und ein Schaf in die Luft und im wesentlichen sterben alle.

Meinung

Dies ist der erste Film seit langem, wo ich mich schlecht dafür gefühlt habe, mich nicht für den Tod anderer, unschuldiger Menschen schuldig und mitleidig zu fühlen und stattdessen lauthals zu lachen und bald vom Kinosessel zu fallen. Häusliche Szenen einer intakten Familie wechseln sich ab mit einer Gutenachtgeschichte, bei der Simba (aus Der König Der Löwen) als Märtyrer dargestellt wird, der aus Versehen Mufasa mit einem Stein erschlagen hat.

In seinem Humor kennt Chris Morris kein Pardon, selbst beim Aufsammeln der Reste von Faisal nicht. Szenen, wo man an sich denken sollte, 'das kann man doch nicht machen', macht Morris genau das und setzt noch einen oben drauf. Der Film ist auf keinen Fall etwas für die humoristisch zart besaiteten. Überraschend war in meinen Augen aber auch die charakterliche Entwicklung von Omar, aber mehr will ich nicht verraten.

Schade war die in der Mitte auftretende Trägheit, aber sie wird wett gemacht durch das Finale.

Fazit

Für diejenigen, die unter Schadenfreude mehr verstehen als "Happines in the misfortune of others", lohnt sich der Film definitiv.

Titel: Four Lions

Regisseur: Chris Morris

Länge: 100 Minuten

FSK: 16