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Montag, 3. Februar 2020

Red Moon / Roter Mond

Ein Astronaut steht auf schwarzem Boden vor einem staubwolkigen Hintergrund
Die Erde und China im Umbruch, mit dem Mond als gut beleuchtetem Nebenschauplatz

Knapp 30 Jahre nach der Gegenwart, im Jahr 2048, befinden sich die Erde, der Mond, die USA und China im Umbruch. Die Kapitalüberschüsse, die China über das letzte Jahrhundert angehäuft hat, fließen in riesige Infrastrukturprojekte auf der Erde, im Weltraum und auf den Mond. Der Weltraumvertrag ist effektiv überholt. Auf dem Erdtrabanten wird von den USA und China geologische, selenologische und bergbauliche Forschung im industriellen Maßstab betrieben, ähnlich wie Japan Walforschung betreibt. Regelmäßig fliegen Raketen zum Mond und wieder zurück, der Südpol ist größtenteils unter chinesischer Kontrolle und der Nordpol international, natürlich unter der Führung der USA. Es gibt keine G8 oder G7 mehr, nur noch die G2.

Fred Frederikson kam zum Mond, um ein abhörungssicheres Telefon für den Leiter der chinesischen Basis zu installieren und lernt auf dem Hinweg Ta Shu, ehemaliger Poet und beliebte chinesische Netzpersönlichkeit, kennen. Als der Leiter und Fred beide vergiftet zusammenbrechen, hilft Ta Shu Fred dabei vom Mond zu fliehen, zusammen mit der schwangeren Prinzlingin Chang Qi. Auf der Erde trennen sich die Wege von Ta Shu und Fred sehr schnell, während Qi zusammen mit Fred untertaucht.

Mehr will ich gar nicht zur Handlung sagen, denn die Handlung an und für sich ist nicht so lang, aber für Stänge jenseits der Handlung wurde viel Stoff verwendet. So ist beispielsweise Fred relativ offensichtlich neuroatypisch, obgleich seine genaue Diagnose nicht benannt wird. Mir als Laien kommt es wie Asperger vor, aber wie gesagt, ich verstehe davon nichts. Es ist bloß klar, dass Fred zwischen die Linien der verschiedenen ränkeschmiedenden chinesischen Institutionen geraten ist.

Genau schnell wird klar, dass Qi zwar eine Prinzlingin ist, d.h. ihre Eltern sind in der Partei sehr weit oben und mächtig, aber auch dass sie nicht mit der Politik der Partei übereinstimmt. Sie wurde zu ihrem Schutz zum Mond geschickt, wo sie augenscheinlich wenig politischen Schaden anrichten konnte, bevor sie aufgrund ihrer Schwangerschaft zurück zur Erde musste. Willensstark und wütend ist sie beteiligt an den derzeitigen Unruhen in China, und unter Verdacht bzw. Vorwurf einer ihrer Rädelsführer zu sein.

Und zu guter Letzt Ta Shu. War er früher Professor für Poesie und selber Poet, so hat er seine dichterische Ader vor einigen Jahren aufgegeben und stattdessen Berühmtheit für seine Kolumnen und Reisetagebücher erlangt. Er bereist die Welt und gibt seine Eindrücke für chinesisches Publikum durch seine belesene, chinesische Linse wieder. Wie so viele Chinesen liebt er sein Land, aber das heißt nicht, dass er seine Augen vor dessen Problemen verschließen kann. Eine halbe Milliarde Menschen lebt und arbeitet in prekären Verhältnissen, weil veraltete Verwaltungssysteme sie dazu zwingen. Das chinesische Internet ist durch die Große Firewall vom Rest getrennt und bekommt bloß gefilterte Informationen. Pressefreiheit existiert bloß im Einklang mit dem Willen der Partei, und die Partei ist schließlich das Volk.

In den USA ist während der letzten Jahrzehnte die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeklafft und der Anteil der Prekären immer weiter gewachsen. Es formt sich eine „Bewohnervereinigung“, die eine Verstaatlichung von Kapital und Banken fordert, und zugleich findet ein Bankensturm statt, bei dem weite Teile der Bevölkerung ihr Geld von Banken abheben oder in Kryptowährungen transferieren.

Wie man sieht, ist das Ganze alles nicht leicht. Weite Teile des Romans folgen Fred und Qi auf ihrer Flucht, so dass sich mir ein bisschen der Eindruck eines Road Movies aufdrängte, bis darauf, dass dass es das nicht wirklich ist. Fred und Qi lernen sich kennen, und der Leser sie, aber genauso wird das Aufeinandertreffen der Kulturen, insbesondere bei Fred, sehr klar. Er hat schon so Probleme mit Menschen und Kommunikation, wenn da noch die zusätzliche Hürde einer anderen Kultur und ihrer kulturellen Geschichte hinzukommt, dann ist es wirklich schwer für ihn, Konzepte deckungsgleich mit seinen Vorstellungen zu bekommen. Am ehesten kann man es sich vielleicht so vorstellen, dass Qi Niederländisch und Fred Hochdeutsch spricht – bloß weil die Sprachen nahe verwandt sind und man einander beinahe verstehen kann, heißt das noch lange nicht, dass man es wirklich kann.

In dem Sinne ist Red Moon bzw. Roter Mond ein guter Einblick in die chinesische Psyche und Kultur. Es ist kein Rosettastein, aber zumindest ein Ansatz, an dem man sich anfangen kann entlang zu hangeln.

Skurril ist außerdem, dass der Roman offenbar nach den Regenschirmprotesten in Hongkong 2014 geschrieben wurde, aber vor den derzeitigen von 2019/20, denn innerhalb des Buches ist Hongkong gerade in den Nachwehen der bei der Übergabe 1997 abgeschlossenen chinesischen-britischen gemeinsamen Erklärung zu Hongkong. Genauso spielt der Roman explizit nicht im gleichen Setting wie KSR’s Mars-Trilogie.

Was ich dem Roman nicht so recht verzeihen kann, ist sein Ende, dass wirklich offen klafft. Allerdings würde es mich auch nicht wundern, wenn KSR keinen zweiten Teil schreibt, das traue ich ihm zu. Alternativ würde der potentielle zweite Teil nicht den Faden wieder aufnehmen, sondern zu anderen Orten und Personen wechseln.

Ich habe den Roman auf Englisch gelesen (diesmal nicht als Hörbuch), und anschließend in der deutschen Übersetzung geblättert, und ich muss sagen, so richtig überzeugt hat die mich nicht. Teilweise wurden Absätze umhergeschoben und ganze Sätze, die für das Verständnis durch relevant waren, komplett gestrichen. Da ich nie Übersetzer war, oder nie in der Position dafür bezahlt zu werden, kann ich keine Einblicke oder Erklärungen dafür geben, aber die Entscheidungslogik würde mich schon sehr interessieren. Ich meine damit nicht, dass eine Übersetzung länger ist als das Original; beim Lesen von englischsprachigen Büchern merke ich gelegentlich auf und frage mich, wie ich diesen oder jenen Satz übersetzen würde, und oftmals ist es einfach so, dass ein zackiger Ausdruck im Englischen keine einfache Übersetzung hat und daher umschrieben werden muss. Dennoch erklärt das nicht das Streichen von Sätzen und Absätzen, oder zumindest nicht in einem für mich zufriedenstellenden Maße.


Nahaufnahme eines Astronauten, im Visier reflektiert die rote, chinesischen Flagge
Ich habe gemischte Gefühle :/

Titel: Red Moon (bzw. Roter Mond)

Autor: Kim Stanley Robinson (Übersetzer: Jakob Schmidt)

Sprache: Englisch (Orbit), Deutsch (Heyne)

Länge: 480 Seiten / 143k Wörter, 624 Seiten / 152k Wörter

Samstag, 18. Januar 2020

Luna

Hyperkapitalismus und Dynastiendrama

Um die 2050er begann die ausschweifende Besiedlung und Industrialisierung des Mondes durch die sogenannten Fünf Drachen: die Mackenzies, die Suns, die Woronzows, die Asamoahs und die Corta. Diese Familien führten dieses Unternehmung an, und sie bestimmen die Politik und die Gesellschaft auf dem Mond, denn obgleich die Familien miteinander reden, sind sie auch alle in Konkurrenz miteinander.

Die Reihe spielt größtenteils um 2100. In die Welt eingeführt werden wir durch Marina, die sich als erdgeborene Tagelöhnerin auf dem Mond alles verdienen muss: Wasser, Luft, Kohlenstoff, Daten. Diese vier Elemente sind immer im Handel auf dem Mond, und ist das persönliche Konto nicht gedeckt, dann wird einem das betreffende abgedreht. Durch Glück kommt sie an einen Job bei den Cortas als Kellnerin und wird später als muskulöse Erdgeborene Leibwächterin für den Klan. Mit ihr stolpert der Leser durch die Familienpolitik, die politischen Ehen, die Eheverträge, Vertragsbrüche, und sogar durch Duelle auf den Tod.
Sie ist aber nicht die einzige Hauptfigur, sondern bloß die Einführung zu den Cortas, denen wir im Verlauf der Reihe folgen. Mit ihrer Spezialisierung auf 3He-Extraktion aus dem Mondregolith sind sie einer der Drachen und halten mit ihren Lieferungen die Lichter auf der Erde am brennen. Aufgrund ihres brasilianischen Erbes und Hintergrundes (und weil sie der „jüngste“ Drache sind) betrachten die Suns und vor allem die Mackenzies sie abfällig und machen ihnen gerne Claims streitig oder ziehen vor Gericht.

Ich wusste ja schon länger, dass der Mond eine herbe Geliebte ist, aber während Heinlein dies optimistisch darstellt, ist McDonalds Version das pessimistische Zerrbild. In einer durch reinen Kapitalismus beherrschten Welt gibt es keine Sozialsysteme, keine Rechte, keine Polizei, und keine höhere Autorität, auf die man sich berufen könnte, sondern nur Verträge und Schiedsgerichte. Auf dem Mond ist alles käuflich, einschließlich der Leben, denn man lebt immer auf Miete. Die Luft in den eigenen Lungen gehört einem nicht, genauso wenig wie das Wasser in den Zellen – all das hat man von der Lunar Development Corporation (Kapitalgesellschaft zur Mondentwicklung) gemietet.

Wenn man sich aber im Gegenzug die Erde anschaut, die in der Reihe bloß eine Nebenrolle darstellt, dann würde man dort auch nicht unbedingt leben wollen. Multiresistente Krankheiten sind die Norm, der Klimawandel führt regelmäßigen Wetterextremen, und der technologische Fortschritt hinkt mehr als ein Pirat mit Holzbein.

Dem Mond zugutehalten muss man, dass die Spektrumnatur von Sexualität und Geschlechteridentität so anerkannt ist, dass sie gar nicht erklärt wird, sondern einfach als Hintergrund vorhanden ist.



Ich weiß nicht so recht, wie ich die Reihe verorten soll. Die Welt von Luna ist schon ziemlich cool, aber so dystopisch, dass ich trotz des technologischen Fortschritts nicht in ihr Leben würde wollen.

Titel: Luna (bzw. Luna: New Moon), Luna: Wolfsmond (Luna: Wolf Moon), Luna: Drachenmond (Luna: Moon Rising)

Autor: Ian McDonald

Sprache: Deutsch (Heyne), Englisch (Tor)

Länge: 3x 416–449 Seiten

Donnerstag, 7. September 2017

Pandora’s Star & Judas Unchained (Commonwealth 1 & 2)

Im Orbit eines blauen Planeten hat ein zylindrisches Raumschiff mit einem Ring um die Mitte hat Schaden genommen
Ein Planet bricht auseinander


Ausschweifende Weltraumoper

Mir sind unerwartet zwei Bücher ins Haus geflattert, die ich aufgrund der Idee irgendwo mal im Hinterkopf als interessant markiert hatte. Na ja, ein Buch, oder besser gesagt das fiktive Universum ist mir haften geblieben: durch Wurmlöcher verbundene Planeten, deren Warenaustausch über riesige Züge funktioniert.

Weitere Aspekte des Universums sind weit verbreitete Verjüngungstechnologien, welche es Menschen erlauben, nach einigen Jahrzehnten ihr körperliches Alter auf ca. 20 zurückzuschrauben. Während man diese Kur durchläuft, kann man zugleich seine Erinnerungen modifizieren, so dass man unliebsame Abschnitte seines letzten Lebens komplett vergisst oder sich bloß in groben Zügen daran erinnert. Das erfordert logischerweise Technologien, welche tief in das Gehirn und die Wahrnehmung eingreifen, und wie so vieles wird auch dies ordentlich erkundet. So gibt es zum Beispiel Menschen, die bei ihren Verjüngungen nichts vergessen haben, aber sie benötigen mehr ‘Speicherplatz’ außerhalb ihres Kopfes, um sich an all die Jahrhunderte zu erinnern.

Die eigentliche Handlung beginnt mit der Beobachtung eines Sternensystems durch Dudley Bose, einen Astronomen. Aufgrund der leichteren und ökonomischeren Erforschung näherer Sternensysteme mittel Wurmloch und ein paar Satelliten ist Astronomie zu einer kaum noch beachteten Wissenschaft geworden. Bose beobachtet allerdings die schlagartige Verdunklung eines Sterns. Die Menschheit wussten um die Dyson-Sphäre, aber dass sie wirklich innerhalb von Sekundenbruchteilen errichtet wurde ist mehr als überraschend. Also baut die Regierung ein Sternenschiff, das erste seiner Art (die Pläne lagen schon seit einiger Zeit in der Schublade, aber wieso ein Sternenschiff bauen, wenn Wurmlöcher so viel billiger sind?), und schaut vor Ort nach. Der Stern ist wirklich von einer Barriere umgeben, einem Kraftfeld unbekannter Art, und bei der Untersuchung schaltet sich dieses ab und die Außerirdischen im Inneren werden freigelassen.

Frei gelassen trifft es ziemlich passend, denn entgegen den anderen Außerirdischen, denen die Menschheit begegnet ist, sind diese sehr expansionistisch und es kommt schnell zu einem Konflikt. Man sollte annehmen, dass eine Zivilisation, die hunderte Planeten kolonialisiert hat, mit einer anderen, bisher auf ein System beschränkten, feindlich gesonnen Zivilisation umgehen könnte, aber nein, diese Außerirdischen sind ganz anders als erwartet und es kommt zu einem unweigerlichen Krieg.

Das Werk, und man sollte die beiden englischsprachigen (und vier deutschsprachigen) Bände wirklich als ein eng zusammenhängendes Werk verstehen, verfolgt dabei eine Vielzahl von Charakteren, seien es Terroristen von einem Provinzplaneten, Anführer von interstellaren Dynastien, Senatoren, Sicherheitsmänner, Detektive, und so weiter. Hamilton hat wirklich viele Personen am Werk, und manche sieht man hunderte Seiten lang nicht bevor sie wieder auftauchen. Ähnlich verhält es sich mit den Handlungssträngen; durch die Vielzahl an parallel laufenden Handlungsbögen kann es dauern, bis man einen alten wieder sieht. Wenn man das ganze von hinten aufrollt, wird allerdings klar, dass die vielen Seiten, die für den Aufbau dieser sehr entfernten Stränge verwendet werden, der Charakterisierung dienen für Charaktere, die im finalen Teil anfangen aufeinander zu treffen.

Hamilton verwendet viel Liebe zum Detail in der Weltgestaltung; die verschiedenen Planeten und Handlungsorte sind immer genau beschrieben, so dass man nicht wirklich viel hinzufügen muss, um was vorm geistigen Auge zu sehen. Ehrlich gesagt würde ich das sogar als Manko beschreiben, der Autor verliert sich manchmal in diesen Beschreibungen von Orten, die man nur ein einziges Mal zu Gesicht bekommt. Andererseits illustriert das sehr umfassend die Lebenssituation der Charaktere innerhalb dieser Welt. Dass man sich verjüngen lassen kann, heißt noch lange nicht, dass es kostenlos ist; viele Leute verbringen ihr Leben damit, das Geld für eine neue Verjüngung anzusparen. Andererseits gibt es Personen, die aus reichen Dynastien stammen und ihren Lebtag nie haben arbeiten müssen, oder werden, wenn sie es nicht wollen.

Ein Punkt, den ich auf keinen Fall verschweigen will, ist die sich stets in den Vordergrund drängende Sexualität der Charaktere. Vielleicht bin ich einfach zu verklemmt, was diese Sachen angeht, aber restlos alle Charaktere sind sehr freizügig; nach einer Verjüngungskur ist es normal, dass man sich erstmal durch die halbe Stadt fickt, sozusagen, weil man von den gediegenen Hormonen des späten Alters zu denen der immer noch pubertierenden Jugendlichen gewechselt ist. Wenn einen sowas stört, kann man diese Abschnitte einfach überfliegen und zu den Teilen springen, wo gesprochen wird.

Im Gegenzug möchte ich das letzte Drittel von Judas Unchained hervorheben. Die verschiedenen Handlungsstränge kommen sich immer näher und befinden sich bereits in der Verflechtung während ein Fanal nach dem anderen gezündet wird. Ich konnte das Buch gar nicht mehr beiseite legen, so fesselnd war das. Was problematisch ist, denn beide Bücher sind verdammt lang.

Der Vollständigkeit halber will ich noch anmerken, dass neben Pandora’s Star und Judas Unchained noch weitere Bücher im Commonwealth-Universum spielen, diese sind aber nur in bedingtem Zusammenhang; die meisten spielen mehr als tausend Jahre nach den Ereignissen in Pandora’s Star und Judas Unchained.



Titel: Pandora’s Star & Judas Unchained

Autor: Peter F. Hamilton

Sprache: Englisch (gehobene Schwierigkeit)

Länge: 992 Seiten (ca 300k Wörter), 1024 Seiten (ca 250k Wörter)

Freitag, 18. August 2017

Paradox: Am Abgrund der Ewigkeit

Konzentrisch dreigeteiltes Bild: Am Grund ein Planet, darüber ein Sternenhimmel, zum Schluss eine schwarze Leere, in der ein Raumschiff wegfliegt.
Akzeptables und deprimierendes Erstlingswerk

Dieses Mal habe ich mich in die deutschsprachige Science-Fiction gewagt, nämlich Phillip P. Petersons Paradox. Worum geht es?

Am Rande des Sonnensystems verschwinden Sonden, welche die NASA vor Jahrzehnten hinausgeschickt hat, auf unerklärliche Weise. Es ist nicht einfach so, dass sie aufhören zu senden, nein, sie verschwinden wirklich. Und ein Multimilliardär will wissen wieso.

Also baut er eine eigene Sonde, schickt sie nach draußen, und auch sie verschwindet. Irgendwas stimmt da offensichtlich nicht, und da sein Ziel die Kolonialisierung von anderen Sternen ist, schickt er als nächstes ein Raumschiff an den Rand des Sonnensystems.

Dort hinten lag die Erde. Wie eine blaue Perle vor einem schwarzen Samtvorhang. Sie war immer noch groß. Deutlich größer als der Vollmond von der Erde aus. Und doch konnte er sie mit seiner Hand abdecken.
»Alle Menschen, die es gibt, sind auf dieser kleinen Kugel, die einsam ihre Bahnen inmitten des Alls zieht wie eine Insel des Lichts in einem Ozean der Finsternis«, meinte Wendy mit heiserer Stimme. »Und ihre Bewohner haben nichts Besseres zu tun, als sich gegenseitig umzubringen und in ihrer Habgier den Planeten zu ruinieren.«
— Paradox: Am Abgrund der Ewigkeit, Kapitel 38

Die Mannschaft ist sich nicht ganz du, denn sie rekrutierte sich aus gleichen Teilen von der NASA und der Belegschaft des Milliardärs. Für die NASA ist das ganze mehr eine ihr aufgezwungene PR-Aktion, denn sie betrachtet die Raumfahrt als ihr Hoheitsgebiet, und will sich da nicht von privaten und kommerziellen Akteueren drin herumpfuschen lassen, insbesondere nicht bei der ersten bemannten Mission jenseits des Mondes.

Da das Raumschiff aber mehr oder weniger von dem Milliardär gestellt wird, sind Konflikte natürlich vorprogrammiert. Dies wird vor allem bei Ed, dem Kapitän deutlich. Er ist ein Astronaut des alten Schlages, und er hat es nie wirklich verkraften können, dass die NASA nach den beiden Shuttleunglücken so sehr den Schwanz eingezogen hat.

Überhaupt ist Ed ein eher unangenehmer Zeitgenosse, der vor allem von Wut angetrieben zu sein scheint. Dabei ist er selbst sich nicht wirklich sicher, auf was er wütend ist; sich selbst, die NASA, den Milliardär, die Welt, oder was auch immer.

Dies ist mehr oder weniger auch mein größter Kritikpunkt am Roman. Keiner der Charaktere ist wirklich sympathisch, und ich meine das nicht nur von ihrer Persönlichkeit her, sondern von ihrer Funktion als Identifikationsfigur. Möglicherweise wären die anderen noch aufgetaut mit der Zeit, aber aufgrund der prominenten Perspektive von Ed und seinen Vorurteilen konnte ich mich mit keinem so recht anfreunden.



Alles in allem ist Paradox ein solides Erstlingswerk, hat aber noch viel Verbesserungspotential.

Titel: Paradox: Am Abgrund der Ewigkeit

Autor: Phillip P. Peterson

Länge: 480 Seiten ( 107k Wörter)

Donnerstag, 10. August 2017

Spinward

Unausgereiftes Science-Fiction LitRPG

Susan ist eine Angestellte, Mitte Zwanzig, die seit Jahren Videospiele spielt und sich direkt zur Veröffentlichung bei dem lang erwarteten immersiven Science-Fiction MMO Spinward einloggt. Nach den ersten Minuten Einführung, Charaktererstellung, und dergleichen stürzt sie sich direkt ins Spiel. Obwohl Spinward im Weltraum spielt, sind Raumschiffe nicht direkt verfügbar, man muss sich erst hocharbeiten. In dem Sinne kommt Cal ihre Erfahrung aus anderen Spielen zu gute und sie questet, mit dem Ziel sich ein Raumschiff leisten zu können.

Glücklicherweise stößt sie während einer Quest auf ein Raumschiff samt Kapitän, die beide in einem Hangar vor sich hinrotteten. Damit rückt Cals Ziel natürlich näher, aber bevor sie das Schiff fliegen kann, muss es erstmal flugtauglich werden, diverse Lizenzen eingeholt werden, und eine Mannschaft ist auch noch nötig.

Soviel dazu.

Ich habe mir Spinward zu Gemüte geführt, weil es drei attraktive Merkmale aufweist:
  • LitRPG
  • weiblicher Protagonist und 
  • Science Fiction. 
Leider wurde ich enttäuscht, wenn auch nicht in der Art und Weise, mit der ich gerechnet habe. Meine Erwartungen gingen in die Richtung, dass der Hauptcharakterin alles zufliegt, dass sie was besonderes ist, wie es halt in vielen LitRPGs der Fall ist. Dies ist erfreulicherweise nicht der Fall, denn Cal hat zwar Glück mit ihren Drops, aber es ist halbwegs begründet: sie hatte ein Premium-Einsteigerpaket gekauft, welches die Wahrscheinlichkeit von hochwertigen Drops erhöhte. Daher ist sie eine der ersten, die ein Raumschiff ihr eigen nennen durfte, auch wenn es nicht flugfähig war.

Auch wird die zugrundeliegende Technologie nicht weiter vertieft. In Spinward wird die Immersion durch geteilte Wachträume erzeugt, in denen man effektiv bewusst und wach ist, aber zugleich die Erholung von regulärem Schlaf erfährt. Es wird in keiner Weise erzählt oder darauf eingegangen, wie sich solch eine Technologie auf die Gesellschaft auswirken würde, was ich sehr schade finde. Das haben andere LitRPGs schon besser hinbekommen.

Auch scheint Cal bei weitem nicht die geistige Reife zu besitzen, die man ihr aufgrund ihres Alters oder Berufs zuschreiben würde, denn der Autor stellt ihre Erzählweise als sehr… nah an ihrem Gedankengang nah. Man hat das Gefühl direkt auf ihren Stirnlappen zu hängen und jeden Gedanken mitzubekommen, und die meisten entsprechen nicht den wohlüberlegten Taktiken, die ich von einer in anderen MMOs erfahrenen und halblegendären Spielern erwarten würde.

Woran es aber vor allem mangelt ist ein Spannungsbogen. Ja, Cal kommt ins Spiel, setzt sich Ziele, etc, aber sie steht unter keinem Druck, muss gegen nichts konkretes ankämpfen, außer sich selbst. Ja, ‘Monster’ und sowas existiert, aber das sind keine Spannungsherde über ihre Szenen hinaus.

Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Manko ist, dass anscheinend kein Mensch das Buch Korrektur gelesen hat. Fehler reihen sich an Fehler, ohne Ende. Die Masse an Fehlern ist dabei die Wortwahl. Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass jemand über den Text mit einem Rechtschreibprogramm gegangen ist und einfach die Option “Alle Markierungen ändern” gewählt hat. Anders kann ich mir die hohe Anzahl an there/their-Fehlern und wiederholten Phrasen und wiederholten Phrasen nicht erklären.



Ich weiß, dass dies ein Erstlingswerk ist, aber trotzdem, man sollte zumindest jemand kompetentes Korrektur lesen lassen.

Titel: Spinward: An Artificial Dream State Novel

Autor: I. M. Waugh

Sprache: britisches Englisch, mit entsprechenden Eigenheiten (aufgrund der hohen Fehlerkorrekturnotwendigkeit sollte man besseres Englisch beherrschen)

Länge: 329 Seiten (Amazon-Zählung), 102k Wörter

Donnerstag, 13. Juli 2017

Lunar Discovery

Mindermäßige Neuauflage des Weltraumrennen

Die Chinesen lösen unabsichtlich auf dem Mond ein Signal aus, das unweigerlich außerirdischen Ursprungs ist. Es ist so eindeutig außerirdisch, dass selbst Amateurastronomen und Hobbyfunker es hören können, wenn sie auf der richtigen Frequenz sitzen. Das Signal zerstört aufgrund seiner Intensität auch direkt die chinesische Sonde.

Also machen sich die drei Weltraummächte USA, Russland und China auf zum Mond.

Da wäre bloß das Problem, dass seit dem Apolloprogramm kein Mensch mehr dort gewesen ist und die Technologie nicht mehr existiert.

Die Chinesen probieren es mit mehreren hastig zusammengeschweißten Raketen. Die Russen schicken ihre neue Raumstation Gordust. Die Amerikaner bauen ihren Marsrover zu einem Mondbuggy um.

Und alle drei scheitern, mehr oder weniger. Nachdem das chinesische Militär Kontrolle über das Weltraumprogramm genommen hat, kommt es zu den erwartungsgemäßen Fehlschlägen. Die russische Raumstation ist natürlich nicht für einen Mondflug ausgelegt und muss erstmal vorbereitet werden, d.h. Raumkapseln, Vorräte, und Panzerung gegen die starke Strahlung des außerirdischen Signals.

Natürlich schaffen es alle drei zum Mond, mehr oder minder, und zwar nahezu zeitgleich innerhalb von zwei Monaten.

Das ganze ist hanebüchen. Die technischen Aspekte mögen halbwegs gut durchdacht sein, aber der Zeitstrahl ist lächerlich. Genauso verhält es sich mit der Darstellung der drei politischen Lager. China ist offensichtlich militärisch-diktatorisch, Russland ist grenzwertig kompetent, aber technisch zurück, und die USA haben die glitzerndsten Spielzeuge und retten allen den Arsch.

Tja, was soll ich sagen. Es wäre was anderes wenn die Charaktere Tiefe besäßen, wie zum Beispiel in Mother Moon, aber dem ist leider nicht so. Alle sind ziemlich stereotyp in ihren Interaktionen untereinander und kommen eher wie Pappfiguren denn Personen rüber. Das ganze Drama mit den Gefahren für Astronauten/Kosmonauten/Taikonauten bei einer solchen Mission? Es kann nicht aufgebaut werden, wenn man sich nicht mit den Charakteren identifizieren kann, wie es hier der Fall war. Alle hätten umkommen können und es hätte mich nicht berührt.

The reentry was successful, and Julie felt relieved there were no complications. Despite the thrill of being an astronaut, she was always a bit anxious when she had to use Russian equipment to reach space and back. The mere act of being an astronaut was far more dangerous than any actuary chart could illustrate.

Weiterhin ist der Autor in Aspekten inkonsequent. So gibt er der russischen Raumstation einen Namen, Gordust, übersetzt "Stolz", schwenkt im Narrativ aber immer wieder zwischen Gordust und Stolz bzw. Pride. Ich glaube nicht, dass die Amerikaner in der Realität stets Mir und Welt/Frieden gleichermaßen verwendet haben, da verstehe ich nicht wieso es der Autor tut. Meine Vermutung ist, dass es etwas mit der amerikanischen Tradition in Benennungen zu tun hat, die haben viele Substantivnamen und selten Eigennamen.

Unerwähnt blieben der mir übel aufstoßende Prolog und Epilog. Im Ersten interveniert die außerirdische Sonde bei einem Konflikt zwischen einer Gruppe Cro-Magnon-Menschen und Neandertaler, zu Gunsten der Cro-Magnons. Im Epilog wiederum wird der Empfang weiterer Signale von im Sonnensystem erwähnt, und das Signal als ‘perfekter genetischer Code’ entschlüsselt, welcher Heilung der meisten Krankheiten verspricht, sowie aus irgend einem Grund für Übergewicht und aktinische Keratose kodiert.
Meine Vermutung ist ein Plan der Außerirdischen uns alle zu Echsenmenschen zu machen.



Nee, nicht wirklich empfehlenswert.

Titel: Lunar Discovery: Let the Space Race Begin

Autor: Salvador Mercer

Sprache: Englisch (normal)

Länge: 300 Seiten (Amazon-Zählung), 85k Wörter

Sonntag, 9. Juli 2017

The First Exoplanet

The First Exoplanet – Cover
Wir finden Außerirdische, und sie mögen uns nicht.

Ich hatte schon nicht hohe Erwartungen an dieses Buch, und dann wurde ich auch noch enttäuscht.

Sedgwick beschreibt eine Welt, ca 2060, in welcher die USA, das UK, die EU, und einige andere Staaten jahrzehntelange in einem zweiten kalten Krieg verwickelt waren, der jetzt im Auftauen begriffen ist. Der Gegner dieser sogenannten Westlichen Globalen Allianz (WGA) war Russland, welches sich einige seiner alten Sowjetrepubliken einverleibt hatte. China war zwar auch auf dem Brett, spielte aber eine entweder untergeordnete, neutralere, oder irrelevante Rolle, der Autor geht darauf nicht ein.

Die WGA hat mehr oder weniger die Weltraumhoheit, unter Duldung Russlands und China. Sie sind führend in den meisten Technologiefeldern, mit gewissen Ausnahmen, in denen Russland und China besser sind.

In diesem Klima wird ein Exoplanet gefunden, der aller Wahrscheinlichkeit nicht nur Leben sondern vermutlich sogar intelligentes Leben hat. Relativ schnell kommt es zu einer Übereinkunft, dank derer die in Kinderschuhen befindliche Überlichttechnologie in eine Sonde gesteckt wird, welche den Exoplaneten auskundschaften und mögliche Außerirdische kontaktieren soll.

Wie nicht anders zu erwarten kommt es anders als man denkt und die Sonde geht nach einer ersten Nachricht nach Hause verloren, mitsamt Überlichtantrieb. Es wird eine Bergungsmission gestartet, welche auch eher schlecht als recht läuft und ehe man sich versieht weiß die Menschheit mit absoluter Sicherheit, dass wir nicht mehr alleine im Universum sind, und dass unsere Nachbarn Groll gegen uns hegen.

Tja, soweit dazu.

Ich konnte mich leider nicht mit den Charakteren identifizieren. Das mag an der Menge liegen. Oder vielleicht war es die plumpe Art und Weise, mit der die persönlichen Hintergrunde mir einfach in den Schoß geworfen wurden. Es kann auch die Holzhammermethode gewesen sein, mit der die ideologischen Gegenspieler charakterisiert wurden.
Es hat mir auf jeden Fall nicht gefallen.

Sedgwick vergnügte sich zudem noch mit einem Detailreichtum, der für die Bedeutung der Erzählung  überproportioniert war. Um es genauer auszudrücken erweckte das Buch den Eindruck es hätte sich aus der Werkzeugkiste von Militärischer Science-Fiction bedient. Bitte versteht das nicht falsch, mir gefiel Scalzi’s Old Man’s War, bloß Sedgwick ist offensichtlich kein Scalzi. Es war einfach… irgendwie linkisch ausgeführt. Überbordende Details und Bezeichnungen in Waffen und Munition.

Zudem bestand zu wenig Kontinuität in Charakteren. So haben die Astronomen, die den Planeten gefunden haben, nach dem ersten Viertel des Buches bestenfalls noch Gastauftritte.



Ich habe selten in einem Buch so viele Seiten überblättert, weil es einfach nicht fesselnd oder interessant war.

Titel: The Last Exoplanet

Autor: T. J. Sedgwick

Sprache: Englisch (einige britische Eigenheiten)

Länge: 552 Seiten (Amazon-Zählung), 123k Wörter

Mittwoch, 5. Juli 2017

Donnerstag, 15. Juni 2017

The Seasoning & Serendipity (Foothold 2 und 3)

Schönes Paradies das ihr da habt, wäre eine Schande wenn dem was passieren würde.

Seufz…

Also, die Inspiration, das Schwesterschiff der Hope welches im ersten Band die Kolonisten nach Tau Ceti gebracht hatte, kommt nach einigen Jahrzehnten Verzögerung auf Serendipity an. Wieso hatte das Schiff Verspätung, und wieso flog es ins gleiche System wie die Hope? Ganz einfach. Edward Harper, seines Zeichens Industrieriese, hat über offizielle und inoffizielle Wege große Teile der Raumfahrtindustrie und Weltrauminfrastruktur unter seine Fittiche gebracht, denn er hat die Lage auf der Erde analysiert gehabt und gemerkt, er braucht einen Plan B falls wirklich alles den Bach runtergeht. Wie wir wissen ging alles den Bach runter, also hat er Plan B aktiviert und einige Ingenieure und Wissenschaftler samt EhepartnerIn, Söldner, sowie ein paar zahlenden Gäste mitgenommen.

Diese Hundertschaft kommt auf Serendipity an, und mit ihr Probleme. War die Kolonie zuvor quasi ein Paradies auf, naja, nicht Erden, aber ihr wisst was ich meine. Mit den Neuankömmlingen kam die sprichwörtliche Schlange ins Paradies. Harpers Plan war Kontrolle über die Kolonie zu erlangen, eine industrielle Basis aufzubauen, und dann zurück zur Erde zu fliegen um dort die Kontrolle zu übernehmen.
“I have no, and I mean no, wish for titles. My only interest is in uniting the human race under one leader and eliminating all the things distracting us from achieving our potential. I want, once and for all, to eliminate the pernicious influences of the families and their single-minded objective of acquiring and wielding power just for the sake of it. But I do mean to lead what remains of humanity–here, on Mars and on Earth.” 
— Edward Harper
Wieso er der Meinung ist überall die Kontrolle übernehmen zu müssen? Nun ja, weil seit Jahrhunderten einige mächtige Familien die Geschicke der Menschheit lenken die Menschheit schröpfen, und er will das beenden. An und für sich ein nobles Ziel, bloß seine Methoden und Angestellten lassen zu wünschen übrig. Vor allem Clara, seine Assistentin (und Domina), fallen da rein. Sie ist nicht glücklich, wenn sie nicht die Zügel in der Hand hält. Solange das Harper war und sie ihn an den Eiern hatte, war sie zufrieden. Die Situation auf Serendipity allerdings geht ihr arg gegen den Strich.

Und so spornt sie ein paar der moralisch bankrotten Söldner an ihren Trieben nachzugehen, mit vorhersehbaren Folgen. Harper wehrt sich und setzt alle Kolonisten fest. Die Kolonisten brechen aus und die Lage eskaliert: Carla tötet vor Augen aller Harper. Kaum sind ihre Krokodilstränen getrocknet beginnt sie weiter zu intrigieren.

Ich lasse das Mal einfach so weit stehen, aber es reicht wohl aus zu sagen, dass bis zum Ende von Serendipity alle Probleme mehr oder weniger gelöst sind.

Kommen wir zu den nach wie vor bestehenden Mängeln in den Büchern. Die Charaktere bleiben flach wie ein Brett, egal ob es nun Neben- oder Hauptcharaktere sind. Die vergewaltigenden Söldner zum Beispiel:
One of them looked at [16 year old] Joyce and smirked. “What’s your name, honey?” “Joyce.” “Joyce, huh? You know, you’re real pretty, Joyce, do you know that?” Joyce looked down, her ears burning. “Everyone says I look like my Mom.” “That figures,” a second man said, leaning back in his chair. “Your Mom’s pretty hot too. Like mother, like daughter.” 
(…) 
Jake Cooper contemplated the crowd milling about the pavilion. All this happiness made him feel ill. He thrived on human misery, and if he filled his pockets because of it, all the better.
Dann sind da die Verschwörungen; es gibt eine dynastische Plutokratie, welche die Menschheit lenkt, und Demokratie und etc. sind bloß angenehme Illusionen. Diese gleiche Verschwörung hält technologische Fortschritte zurück, bis das letzte Tröpfchen Geld aus einer aktuellen Generation von Technologie erwirtschaftet wurde. Diese Verschwörung ist auch auch nicht klein, sondern umfasst mindestens 130 Familien. Ich glaube der Autor ist sich nicht dessen bewusst, oder ausreichend im klaren darüber, dass mit der Größe einer Verschwörung deren unfreiwilliges Bekanntwerden steigt, und zwar exponentiell.

Es wird auch weiter auf der ganzen genetischen Reinheit herumgeritten, und wie jeder Kolonist im Körperbau einer griechischen Statue gleicht. Dem schließen bedenkliche Strömungen in Moralvorstellungen an. So gibt es zum Beispiel einen Charakter, der mit Tattoos und Studs übersät ist. Im Verlauf der Bücher entwickelt sie Gefühle für einen Mann und mit einem Mal fühlt sie sich nicht wohl in ihrer Haut, weil das alles ja bloß Aufbegehren gegen ihre Eltern war, und jetzt wo sie nach kaum zwei Wochen Bekanntschaft mit dem Mann ihn heiraten will, ist diese Phase vorbei und sie möchte doch natürlich lieber wieder blond und blauäugig und unverziert sein.

Wie gesagt, etwas problematisch das ganze. Glücklicherweise ist ihr Handlungsbogen besser gestaltet und sie realisiert, dass die Tattoos nur Rebellion waren, sondern auch Ausdruck ihrer Persönlichkeit, und sie bekommt neue.

Dennoch bleibt der Beigeschmack der moralischen Prüderie, und der Hochhaltung christlicher Werte. Was seltsam ist, denn bis zur Ankunft der Neuen waren alle in der Kolonie Nacktbader. Wobei, jetzt wo ich darüber nachdenke kann das natürlich eine absichtliche Parallele sein Paradies, und dem Einzug der Scham und dem Verlust der Unschuld.

Wie dem auch sei, die Kolonisten waren sich der Probleme ihrer mangelnden genetischen Diversität bewusst, und ebenso waren es die Missionsplaner, weswegen hunderte menschliche Embryonen, Eizellen und Samenzellen mit nach Tau Ceti gebracht worden waren. Allerdings wollte keiner der Kolonisten Kuckuckskinder.
When it came down to it, none of them wanted cuckoos in their nests, and there’d been an unofficial “Don’t ask, don’t tell” policy about their intentions.
Nach all dem Drama und schlechter Charakterisierung bin ich froh, dass ich durch bin. Der Autor hat gesagt, dass er plant neun Bücher insgesamt zu schreiben, und die ersten drei sind ein größtenteils geschlossener Handlungsstrang. Die nächsten werden sich mit der Situation auf der Erde (und Mars) konzentrieren, und ich vermute die werden sich mit der Suche nach den Außerirdischen beschäftigen, deren Skelette auf Serendipity gefunden worden waren.

Die Bücher werde ich aber definitiv nicht mehr lesen, nicht ohne eine herausragende Empfehlung seitens einer vertrauenswürdigen Person.



Wird leider nicht besser.

Titel: The Seasoning (Foothold Book 2) | Serendipity (Foothold Book 3)

Autor: David Ingram

Sprache: Englisch, normal

Länge: 311 Seiten (Amazon-Zählung) / 83k Wörter | 373 Seiten (Amazon-Zählung) / 101k Wörter

Sonntag, 11. Juni 2017

Foothold

Neubesiedlung leicht gemacht.

Der Roman erzählt größtenteils aus der Sicht von David die Reise und Besiedlung eines Planeten in Tau Ceti, einem Sternsystem über 11 Lichtjahre von der Erde. Geschickt werden 8 Kolonisten, die über jahrelange Kleinarbeit aus einem riesigen Pool ausgewählt worden waren, um psychologisch und genetisch kompatibel zu sein. Denn eines der Hauptziele der Hope ist die Besiedlung bzw. Kolonialisierung eines unbewohnten Planeten.

Die Geschichte beginnt damit, dass David an und für sich der Ersatzmannschaft zugehörig ist, aber der Kapitän der Hope durch medizinische Komplikationen nicht mehr zum Flug zugelassen ist. Das bringt eine starke Dynamik ins Spiel, denn die Mannschaft ist bereits in Beziehungen untereinander, was explizit gefördert wurde. Mit dem Austausch des Kapitäns musste zwei Leute eine schwere Entscheidung treffen: David musste seine Partnerin, die 'Liebe seines Lebens' zurücklassen um mitzufliegen; und Grace, die Partnering des Käptn’s, musste sich entscheiden lieber mitzufliegen als der Liebe ihres Lebens zu folgen und auf der Erde zu bleiben.

Leider wird diese Dynamik nicht wirklich vertieft. Sie kommt zwar zur Sprache, aber nicht in einem befriedigenden Maße.

Der Flug nach Tau Ceti verläuft birgt einige Probleme, aber auch die werden überwunden, und die Besiedlung des neugetauften Planeten Serendipity ("Glücklicher Zufall") beginnt mit einer günstig gelegenen Lavaröhre.

Einer der ferneren Handlungsstränge beschäftigt sich mit der Situation auf der Erde, die im Verlauf der Reise zunehmend verschlechtert, bis bei Ankunft der Hope gar keine Nachrichten mehr von zuhause kommen. Dies ist nur bedingt der Lage zu schulden, denn ein Industriemagnat hat die über die Jahre Kontrolle über das große Teile der Weltrauminfrastruktur sowie das Schwesterschiff Inspiration erlangt. Er betrachtet das Schiff als eine Rettungskapsel für sich und ausgewählte andere, um dem drohenden und schließlich eintretenden Atomkrieg auf der Erde zu entkommen.

Nun, soweit zu Handlung.

Was mich stört sind die mitschwingenden Untertöne. Die Erzählung hebt immer wieder die genetische Reinheit der Kolonisten hervor. Es ist nachvollziehbar, dass man keine rezessiven Erbkrankheiten mitbringen will, aber das ist nach ein, zwei Erwähnungen klar. Problematischer wird das ganze durch die immer wiederkehrende Betonung der Schönheit und Perfektheit der Mannschaft. Es stößt mir nicht gut auf. Und dann wäre da noch der Sex. Okay, sie sind alle um die 30, da hat man viel, aber das wäre ein Thema wo ich mit der Erwähnung zufrieden gewesen wäre ohne eine Beschreibung des Vorspiels zu erhalten. Glücklicherweise bleibt es immer dabei und ist nach maximal einer Seite abgeschlossen.

Darüber hinaus sind die Charaktere alle etwas flach. Sie haben ihre Motivationen, sicherlich, aber als Personen sind sie alle sehr zweidimensional und charakterisiert durch einige wenige, hervorstechende Charaktermerkmale.
Da Ingram zudem merklich stereotype bedient… es macht das ganze ein bisschen lustlos.

Dann wäre da noch die wissenschaftliche Seite.

Die Reise wird überhaupt nur möglich durch quantenblablalangweilig. Wissenschaftler haben eine Methode gefunden, in bestimmten Bereichen Zeit quasi einzufrieren. Stasis. Schön, kann ich akzeptieren.

Dann fliegt das Schiff mit etwa 100.000 km/s, oder 1/3 Lichtgeschwindigkeit. Jedes Gramm Staub, welches dem Raumschiff im Weg ist, würde einschlagen mit der Energie von 22 Kilotonnen TNT. Nur so zur Relation. Es wird übrigens nichts von Schilden oder Panzerung diesbezüglich erwähnt. Gegen kosmische Strahlung, klar, aber nicht gegen interstellaren Fliegendreck.

Positiv hingegen war, dass es kein reaktionsfreier Antrieb war, d.h. es wurde Treibstoff beschleunigt. Ein bisschen wie eine Rakete, bloß um Größenordnungen effizienter.

Da die Hope einen brauchbaren, aber leblosen Planeten gefunden hatte, muss der natürlich auch bepflanzt werden. Die Atmosphäre hat 17% CO2, also nicht zu atmen. Luftdruck und Schwerkraft sind aber angenehm, und die Temperaturen zwischen 50° und 5°C, mit anderen Worten tropisch. Die Terraformung wird auch recht schnell in Angriff genommen, und schreitet in meinen Augen in einem wahnwitzigen Tempo voran. Aber was weiß ich, ich bin bloß Biologe.

Foothold ist offensichtlich Science-Fiction, soviel ist klar, aber technisch betrachtet ist es relativ hart. Relativ ist hier der Knackpunkt natürlich. Die Stasisfelder sind nicht zu Ende gedacht—wenn man reinsehen kann, dann müssten die Insassen theoretisch innerhalb des Sekundenbruchteils ihrer Stade gebacken werden, durch die ganze akkumulierende Strahlung. Die Geschwindigkeit des Raumschiffes ist zu hoch, selbst wenn man theoretische Antriebe wie den im Buch verwendeten Fusionsantrieb verwendet. Die Terraformung ist rasend schnell.

Aber ich kann nachvollziehen, dass so eine Geschichte natürlich interessanter und fesselnder ist, als hunderte Jahre warten zu müssen.



Im großen und ganzen lesbar, aber ein bisschen flach durch die Charaktere.

Titel: Foothold: The Story of Mankind’s First Expedition to the Stars

Autor: Dennis Ingram

Sprache: Englisch, normal

Länge: 357 Seiten (Amazon-Zählung) / 92k Wörter

Ich habe übrigens den zweiten Band aus der Reihe, The Seasoning, schon gelesen und mache mich gleich an den dritten, der den ersten Handlungsbogen abschließen soll. Mal schauen.

Freitag, 10. Februar 2017

We Are Legion (We Are Bob)


Ich bin eine von-Neumann-Sonde.


Ich bin über We are Bob gestolpert, als ich irgendwo “Erzählperspektive: von-Neumann-Sonde” gelesen habe. Allein aufgrund dieser Idee habe ich mir spontan das Hörbuch/Ebook-Paket gekauft.

Von-Neumann-Sonde: Eine Maschine, die man von einem Sonnensystem zum nächsten schicken kann und die sich dann dort selbst vervielfältigt. Zum Beispiel von A nach B, Sonde sucht Ressourcen, stellt 5 Kopien her, schickt diese von B nach C/D/E/F/G, dort angekommen suchen die Kopien nach Ressourcen, stellen neue Kopien her und schicken diese weiter. Das ‘Original’ bleibt im System und schickt Informationen nach Hause zur Erde, oder falls die zu weit weg ist zur ‘Muttersonde’, welche die Nachrichten dann weiterleitet

Ich wurde gewissermaßen – aber wiederum auch nicht wirklich – enttäuscht. Der betreffende Bob ist im Prinzip ein Upload, hergestellt aus einem Hirnscan von Bob. Ein Programm simuliert alle Neuronen und anderen Hirnaktivitäten, so dass Bob an und für sich weiterlebt. Bis darauf, dass er legal (und nach gewissen Interpretationen auch philosophisch) tot ist. Die Heranführung an die Thematik und geschichtliche Entwicklung, mit der Bob und die von-Neumann-Sonde erklärt werden, ist ein bisschen schwach meines Erachtens nach, aber die eigentliche Grundidee ist ziemlich gut ausgeführt. Nicht exzellent, aber schon ziemlich gut.

Eine Schwäche in der Umsetzung sehe ich im Humor. Besonders das erste Drittel kommt es etwas gezwungen rüber. Bob mag seinen Humor, findet sich selbst witzig, und seine Freunde finden ihn witzig, aber für mich war das einfach ein bisschen zwanghaft umgesetzt. Er macht einige Seitenkommentare die mir vorkommen, als wären sie erst nachträglich angeflanscht worden um den Charakter witzig zu machen. Einfach so ein Gefühl.
Und je weniger ich über die narrative Rechtfertigung und den fiktiven Zeitstrahl verliere, desto besser, denke ich.

Ray Porter als Erzähler setzt die Sprechweise von Bob überraschend gut um. Wenn im Text Andeutungen über die Charakterisierung einer Figur sind, so lässt er diese in die Sprachmelodie der entsprechenden Figur einfließen. Zum Beispiel wählt eine Iteration von Bob Homer Simpson als Avatar, mit dementsprechender schleifender Aussprache. Als jemand, der quasi ausschließlich die deutsche Ausstrahlung der Serie Die Simpsons kennt, war das im ersten Moment natürlich verwirrend, da Homers deutsche Synchronstimme nicht diese Eigenschaft hat. Dennoch habe ich mich relativ schnell damit arrangiert.
Genauso ändert sich aber auch über die Handlung der Charakter mancher Figuren, was in der Umsetzung selbiger reflektiert wird.

Man sollte bei We are Bob im Hinterkopf behalten, dass dies der erste Teil einer Serie oder zumindest einer Mehrteilers ist. Die mittleren Handlungsstränge werden zu einem zufriedenstellenden Ende gebracht, aber zugleich werden neue angefangen.



Aufgrund der vielversprechenden Idee und adäquaten Umsetzung werde ich mir den nächsten Band von We are Bob sicherlich auch holen.

Titel: We Are Legion (We Are Bob)

Autor: Dennis E. Taylor

Erzähler: Ray Porter

Länge: 382 Seiten / 92k Wörter / 9:30 Stunden


PS: Ray Porter spricht eine exzellente Version von General Ackbar

Samstag, 24. Mai 2014

Ringworld

Kurz vor der Grenze des Vorstellbaren



Im 26. Jahrhundert sind nach mehreren Kriegen und technologischen Fortschritten die Menschen und Kzinti seit ein paar Jahrhunderten wenn nicht Blutsbrüder, dann doch zumindest sich freundlich gegenüber. Für die katzenartige Rasse ist das eine ungemeine Entwicklung, waren sie früher noch um Größenordnungen kriegerischer und nur ein glücklicher Zufall bewahrte die Menschheit vor ihrer Versklavung.

Louis Wu ist ein 200jähriger Lebemann, der nach einem ausgedehnten Urlaub nach etwas neuem sucht. Teela Brown ist eine 20jährige, die in einem behüteten Maß aufgewachsen ist, dass es schon an Lächerlichkeit grenzt, denn das Glück ist auf ihrer Seite. Aufgrund von Überbevölkerung auf der Erde wird ein Teil des Fortbestands per Lotterie ausgelost und Teela ist das Produkt von sechs Generationen solcher glücklichen Fügungen.

Die ist auch der Grund, dass Nellus von den Puppenspielern, einer sehr feigen und übervorsichtigen Rasse, sie ausgewählt hat, ihn und Louis bei einer Expedition zu begleiten: als Glücksbringer. Der vierte im Bunde ist Sprecher-zu-den-Tieren, seines Zeichens ein Botschafter der Kzinti auf der Erde. Die Belohnung für Louis und Sprecher ist eine neue Form des Überlichtantriebs, der tagelange Reisen in den Bereich von Minuten rückt.

Das Ziel: die von den Puppenspielern frisch entdeckte Ringwelt. Ein Ring, 150 Millionen Kilometer im Durchmesser, 1,6 Millionen Kilometer breit, in dessen Mitte eine Sonne ist. Die Oberfläche des Innenseite entspricht etwa dem dreimillionenfachen der Erdoberfläche. Um das in ein Verhältnis zu setzen, jeder Ringabschnitt von etwas über 300 km Breite hat die gesamte Oberfläche der Erde auf sich vereint.

Nellos und seine Spezies haben natürlich eine Heidenangst vor einer Zivilisation, die solch ein Artefakt errichten konnte, und wollen daher mehr über diese in Erfahrung bringen, ergo besagte Expedition.

Doch die Ringwelt ist ohne Zivilisation…



Der Ringwelt-Zyklus umfasst mittlerweile 5 Bände, geschrieben über mehrere Jahrzehnte hinweg, so dass Niven abseits von der Ringwelt noch andere Universen gefüllt hat, die er später teilweise verschmolz. Known Space ist eines dieser Universen, und die Kzinti-Mensch-Kriege sind ein nennenswerter Teil davon.

Anscheinend geht Niven in späteren Bänden auf die Problematik ein, die ein chronischer Glückspilz wie Teela Brown haben kann, die sich einem nur bedingt sofort erschließen. Vielleicht werde ich mir die späteren Bände zulegen und lesen, aber nicht demnächst.

Davon abgesehen schreibt Niven interessant in der Tradition der Weltraumopern und verbringt regelmäßig ein paar Absätze des Erzählers Louis Wu damit, die kaum zu fassende Größe der Ringwelt zu vergegenwärtigen. Große Teile der Handlung beschäftigen sich mit der Erforschung der Ringwelt und der Logik und Begründung ihrer Existenz sowie den Problemen, die sich aus der Konstruktion ergeben. In diesem Aspekt, sowie der teilweisen Unerklärbarkeit, lässt sich der Roman mit Rendezvous mit Rama vergleichen, bei dem es ebenfalls um die Erforschung eines Artefaktes kolossalen Ausmaßes geht.

Zudem mögen sich Xbox-Spieler an die Halo-Reihe erinnert fühlen, in denen ein funktional ähnliches Artefakt, das namensgebende Halo, eine wichtige Rolle spielt.

Ich habe das englische Hörbuch gehört, daher die Sprecherangabe, aber gehe davon aus, dass ich mir Hörbücher (jenseits von Podcast) nicht angewöhnen werde.



Gute, klassische Science-Fiction.

Titel: Ringworld (dt. Ringwelt)

Autor: Larry Niven

Länge: 480 Seiten, 11+ Stunden

Sprecher: Tom Parker

Montag, 19. Mai 2014

The Mote in God's Eye

Der Aufstieg und Fall von Zivilisation als Bevölkerungskontrolle



Jahrhunderte nachdem ein Raumsprungantrieb entwickelt wurde, ist die Menschheit regelmäßig in dem Aufbau und Zerstörung von menschlichen Reichen beschäftigt und es wurde bisher kein intelligentes Leben entdeckt. Graduell steigt die Spitze der Technologie, aber der stete Zwist mit anderen menschlichen Reichen lässt diese regelmäßig in Vergessenheit geraten.

Momentan sind große Teile der Menschheit in einem quasifeudalistischen Imperium vereint, dass seinem Vorgänger nachstrebt, aber noch nicht gleich kommt. Die Antriebe erlauben Beschleunigung mit mehrfacher Erdbeschleunigung, ein Sonnensystem ist relativ klein, was die Reisezeit angeht, und die anderen Sterne sind nur einen Raumsprung entfernt. Da entpuppt es sich doch als äußerst überraschend, als in einem besiedelten System ein Raumschiff auftaucht, das mit Sonnensegeln angetrieben wird – und dessen Endstation ein Stern ist.

Schnell wird das von dem Segel gezogene Raumschiff geborgen, aber große Teile der Mannschaft verlassen zuvor das Schiff und lassen den Piloten zurück, der die Bergung nicht überlebt. Und er ist offensichtlich kein Mensch, sondern ein Außerirdischer, mit Fell und einem seltsam asymmetrischen Körperbau.

Mit einer gleichermaßen fremdartigen Technologie ist schnell klar, dass Kontakt zu diesen Aliens hergestellt werden muss; ein Kreuzer voller Wissenschaftler und ihrer Geräte sowie ein Schlachtschiff werden zu dem Ursprungssystem der fremden Raumschiffes geschickt.

Dort angekommen stoßen sie auf eine seltsame, hochentwickelte Kultur…



Ich habe Mote als Hörbuch gehört, aber das war trotzdem schon recht nett. Insbesondere der typische schottische Dialekt der Ingenieure, der sogar eine Erklärung erfährt, ist spaßig zu hören.

Davon abgesehen ist Mote eine gute Betrachtung eines ersten Kontaktes mit einer sehr fremdartigen Kultur; viele der uns naheliegenden Designprinzipien treffen auf die sogenannten Moties nicht zu, allein schon aufgrund der Zeitspanne, während derer sie Zivilisation und Technologie sich zu eigen gemacht hatten. Da sie nicht an das interstellare Straßensystem des Raumsprungs angebunden sind (ihre "Straße" fährt aus ihrer Sicht gegen eine Wand, ist aber eher eine Hürde), haben sich die Moties nie jenseits ihres Systems ausbreiten können. Gerade aufgrund dieser Beschränkung gab es evolutionäre Drücke, welche eine Einnischung in verschiedene Unterarten nötig machte.

Niven und Pournelle verbringen gut ein Drittel des Buches mit der Hinleitung, bevor die Aliens überhaupt besucht werden, und in diesem Drittel wird eine nachvollziehbare und glaubwürdige Gesellschaftssituation der Menschen in einem interstellaren Lebensraum dargestellt. Eine Quasiaristokratie, ähnlich den Abh in Crest of the Stars, mit einem Hauptherrscher und Adligen in ihren System, die einen halbwegs autonomen Handlungsspielraum genießen, aber unter Beobachtung der mächtigen Raumflotte stehen.

Die Moties und ihre Geschichte sind gleichermaßen ausgearbeitet und tiefgründig und der zweite Teil dreht sich darum, genau diese Hintergründe herauszufinden, während das letzte Drittel die Konflikte aus dem zweiten verarbeitet.



Eine nette Weltraumoper.

Titel: The Mote in God's Eye (dt: Der Splitter im Auge Gottes)

Autor: Larry Niven, Jerry Pournelle

Länge: 874 Seiten, 20+ Stunden

Sprecher: L. J. Ganser

Sonntag, 18. Mai 2014

Rendezvous mit 31/439 / Rendezvous mit Rama

Ein hohler Zylinder, an dessen Wänden Strukturen und ein zylindrischer See sind. Jenseits des Sees ein weiterer "Kontinent", mit einer sechseckigen Struktur an der Nabenfläche des Zylinders.

Abenteuer ohne Feinde mit etwas Robinson.

Im 22. Jahrhundert hat die Menschheit bereits einige Schritte in der Besiedlung des Sonnensystems hinter sich; Mars, Merkur, Luna, Triton, Ganymed und Titan haben dauerhafte Kolonien und sind unter dem Banner der Vereinten Planeten vereint. Nach einem verheerenden Meteoriteneinschlag im Jahr 2077 wurde ein großangelegtes Programm gestartet, SPACEGUARD, welches nach Kandidaten für weitere Einschläge und allgemein Asteroiden und anderen periodischen und aperiodischen Himmelskörpern suchen sollte. Gut 50 Jahre später entdeckt Spaceguard ein Objekt, das zwar kein Kandidat ist, aber hochinteressant. Sie nennen es Rama.

Schnell entpuppt sich Rama als in verschiedenen Aspekten ungewöhnlich. Geschwindigkeit, Orbit und Reflektivität sind merkwürdig, und mit fortlaufender Zeit wird der Grund klar – Rama ist künstlich. Ein Zylinder von 50 km Länge und 16 km Durchmesser, der sich innerhalb von vier Minuten entlang seiner Zylinderachse dreht, mit einer viel zu geringen Dichte für einen Festkörper. 

Schnell wird ein Raumschiff umgeleitet, dass zumindest die Chance hat, sich Rama näher anzuschauen, die Endeavour. Rama ist bereits innerhalb der Venusumlaufbahn, als das Rendezvous gelingt und die Besatzung sich daran macht, Rama zu erkunden. Nach redundanten Luftschleusen sehen sie vor sich… nichts. Ein dunkler Raum, 10.000 km3 groß, ohne Licht. Ohne Leben. Doch die Erkundung geht weiter…



Arthur C. Clarke erschafft mit Rama eine interessante Art Geschichte. Es gibt keine Gegner, keine Antagonisten, wie sie heutzutage so häufig sind. Allein die Erforschung des riesigen Objektes mit seinen mehreren tausend Quadratkilometern Fläche ist das Ziel, und die Hinternisse liegen allein in der zügigen Bewerkstelligung dieser Vorgabe.

Natürlich spielen auch noch die politischen Erwägungen der verschiedenen Fraktionen bzw. Planeten da hinein, aber im wesentlichen ist der einzige Kampf im Buch der um die Erforschung von und maximaler Kenntnisgewinn aus Rama.

Latent ließ Clarke genug offen, um eine Fortsetzung zu ermöglichen, diese wurden aber nicht von ihm, sondern unter seiner Beratung von Gentry Lee geschrieben. Allerdings gibt es durchaus berechtigte Kritik an diesen. Allerdings steht Rama auch gut auf eigenen Füßen.

Sprachlich ist Rama durchaus verständlich, und die verschiedenen halbmilitärischen Abkürzungen und Begriffe werden ausreichend erklärt, um im Verlauf der Handlung in den Hintergrund zu treten.

Mich erinnert die Herangehensweise Clarke's an die Roboter-Kurzgeschichten von Isaac Asimov, welche oftmals auch keinen Gegner, sondern vielmehr ein Problem enthielten, welches es zu lösen galt.


Titel: Rendezvous mit 31/439 (Original: Rendezvous with Rama)

Autor: Arthur C. Clarke

Länge: 280 Seiten

Montag, 20. Januar 2014

Article 2

Luna steht nachts auf ihrem Balkon und überblickt Equestria; am Himmel gehen Wrackteile nieder.
Fanfic: Ein Marine am Hofe Celestias

Vorab: Wenn kein rudimentäres Wissen über My Little Pony: Friendship is Magic vorhanden ist, macht das Lesen keinen Sinn.



Über Equestria geht ein Komet nieder, der sich schnell als mehr entpuppt, als es den Anschein hat und Prinzessin Celestia ruft die Elemente der Harmonie herbei. Verwirrt sammelt Twilight ihre Freundinnen Rarity, Fluttershy, Rainbow Dash, Applejack und Pinkie Pie und wird direkt von einer fliegenden Eskorte abgeholt, die wesentlich straffer und militärischer organisiert ist, als sie es gewohnt ist.

In Canterlot schließlich werden die sechs aufgeklärt – der Komet war kein Komet, sondern ein Raumschiff. Das nicht von diesem Planeten ist. Und ein Alien hat die Bruchlandung überlebt, doch selbst die mächtige Magie von den Prinzessinen Celestia und Luna reicht nicht aus, um es zu heilen. Insbesondere, weil es irgendwie resistent gegen Magie ist. Mithilfe der Elemente der Harmonie gelingt es dann doch, den Alien zu heilen und zu wecken.

Es stellt sich als Major Shane T. Doran von den US Marines heraus.



Article 2 ist eine der seltenen MLP:FIM-Fanfictions mit Menschen, bei denen der Mensch nicht die Erzählperspektive liefert. Vielmehr bietet die Geschichte eher einen gewissen Blick von außen, wie die Menschen für die Ponys wirken müssen. Shane mit seiner militärischen Ausbildung und Weltanschauung ist dabei natürlich nicht gerade ein Paradebeispiel, das für die gesamte Menschheit spricht. Zumal sein Verhalten eher ruppig ist.

Die Geschichte ist nett geschrieben, aber hat ein paar Schwächen, die ich aber eher dem Zentralcharakter Shane ankreide als dem Autor. Es wird ein Tenor von "AMURRICAAAA" verbreitet, der ein bisschen widerlich ist, insbesondere aufgrund der Unreflektiertheit.



Im wesentliche Militärische Scifi + MLP:FIM

Titel: Article 2

Autor: Muppetz

Länge: ca. 125k Wörter, ca. 700 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel

Status: laufend, letztes Update: Juli 2013

Freitag, 3. Januar 2014

Reunions are a Bitch

Seitenansicht und Größenverhältnis ( 1 Pixel = 10 Meter)  ausgewählter Raumschiffe aus Stargate und Battlestar Galactica; Basierend auf Dirk Loechels Starship Size Comparison Chart ( http://dirkloechel.deviantart.com/ )
(neues) Battlestar Galactica greift (spätes) Star Gate an

Battlestar Galactica (nBSG) ist ein wiederaufgelegte Science-Fiction-Serie, in der hunderte Meter bis Kilometer große Schiffe von Menschen mit einem verschwenderischen Verbrauch von Atomwaffen gegen Roboter kämpften.

Stargate (SG1) ist eine lang laufende Science-Fiction-Serie, die in der Gegenwart spielt, mit Aliens auf der Seite der Menschen und der Gegner, mit Raumschiffen und Verschwörungen und Energiewaffen und dergleichen.

Reunions spielt mit dem Gedanken, was ein Angriff der Menschen aus BSG gegen die Erde aus den späten Staffeln von Stargate bedeuten würde. Vorwissen zu mindestens einer der Serien ist zwingend nötig, denn es wird nicht viel Zeit mit der Charakterisierung der verschiedenen und häufig wechselnden Personen verbracht.

Vielmehr scheint mir der Autor die Charaktere bloß als Blickpunkte zu nehmen, um die verschiedenen Entwicklungen dieses fusionierten Universums zu beschreiben. Es wird erschreckend viel Zeit auf die Mobilisierung und Militarisierung der Erde verwandt, auf die logistischen Aspekte von Aufrüstung, von Materialbeschaffung und weiteren militärischen Erwägungen auf höheren Führungsebenen.

Der Autor hat sich dabei für eine Entwicklung zugunsten der Erde entschieden, mit einer Porträtierung von Politikern als überflüssige und hinderliche Hinterzimmer- und Populäraffen, die lieber den Militärs das Führen überlassen sollten und deren Entscheidungen alle einfach abnicken.

Die Erde wird dabei interessanterweise als einfacher diesem Zweck zu beugen beschrieben im Verhältnis zu dem politischen System von nBSG, was aber vermutlich auch dem Szenario geschuldet ist – die Erde wurde angegriffen und von mehr oder weniger nuklearen Querschlägern 100 Millionen Menschen getötet. Da ist die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft nachvollziehbar.

Aus der Sicht von nBSG ist die Erde "bloß" eine verlorene Kolonie, die zurück in den Schoß der Zivilisation gebracht werden muss, ob sie will oder nicht. Die Rückschlagung der Invasionsflotte und Vergeltungsschläge der Erde machen den dortigen Menschen aber schnell klar, dass das was anderes wird als eine einfache Befriedung.

Das Englisch ist nicht so schwer, aber von militärischen Begriffen durchsetzt, was die Lesbarkeit erschwert, zumal die Rechtschreib- und Grammatikfehler relativ zahlreich sind. Ärgerlich, wenn dies auch noch gleichklingende Worte betrifft, da fehlt definitiv ein Editor/Lektor.

Zur Zeit befindet sich die Geschichte in einer Ruhephase, nachdem der Autor krank geworden ist. Im Gegenzug scheint es vielleicht erst zur Hälfte abgeschlossen zu sein, was bei über 300k Wörtern beachtlich ist.

Man sollte mindestens eine der beiden Serien gesehen habe, um die Geschichte zu durchblicken. Vorzugsweise beide.



Nicht so toll, aber gut genug.

Titel: Reunions are a Bitch/Deleted (URL: https://www.fanfiction.net/s/3546854/1/Reunions-are-a-Deleted)

Autor: Ash's Boomstick / Bob Regent

Länge: 350k Wörter, ca. 2000 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel mit militärischen Fachbegriffen

Status: Laufend, pausiert

Dienstag, 26. November 2013

Planetes

Astronaut Hachimaki reaches for a floating screw while he is tethered to a nearby spaceship; the Earth fills the background
Müllsammler im Weltraum

Hachimaki ist der Außenbordspezialist der Toybox, dem Raumschiff der Abteilung Debris (Weltraummüll), und sein Arbeitsplatz ist der nahe Weltraum im Erde-Mond-System. Zusammen mit seinem Kapitän Fee, Spezialist Yuri und den Kollegen auf der Raumstation ISPV-7 ist ihre Aufgabe die Reinigung des Weltraumorbits von Debris, sogenanntem Weltraummüll. Obgleich dies schon lange nötig war, rückte erst durch einen tragischen Unfall einige Jahre vor der Serie die Problematik in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und es wurden Maßnahmen getroffen.

Da die Weltraummüllsammlung und -entsorgung aber mit wenig bis keinem Profit verbunden ist, stattet Technora, die eigentliche Firma, die Abteilung nur mit dem nötigsten aus, weshalb sie auch abfällig den Namen "Sektion Halb" trägt.

Tachibana, zufälligerweise ebenso wie Hachimaki Japaner, stößt frisch zur Sektion Debris hinzu und ihr Idealismus und ihre Vorstellungen von Moral und richtigem wie falschem Verhalten kollidieren direkt mit denen von dem nur wenige Jahre älteren Hachimaki. Sein Traum, ein eigenes Raumschiff zu haben, scheint in immer weitere Ferne zu rücken, während Hachis bester Freund Cheng-Chin als Pilot auf der Karriereleiter immer weiter steigt und bald Passagierschiffe fliegen darf.

Zugleich gibt es einen im Hintergrund schwelenden, politischen Konflikt um die Erschließung des Weltraums. Die verschiedenen weltraumtüchtigen Nationen sind in einer internationalen Vereinigung, ähnlich den Vereinten Nationen, und schöpfen die Profite ab, während die Staaten und Völker, auf deren Rücken das Weltraumrennen ausgetragen wurde, leer ausgehen bzw. von den reichen Staaten mit Waffen für die diversen Konflikte beliefert werden.

Dem entgegen stellen sich verschiedene terroristische Organisationen, allen voran die Weltraumbefreiungsfront, die durch ihre Bombenanschläge Angst und Schrecken verbreitet. Die Weltraumnationen andererseits bauen gemeinsam ein Raumschiff zur Erkundung und wirtschaftlichen Erschließung des Jupiter.



Planetes, sowohl der Manga als auch Anime, bauen eine glaubwürdige Vision der nahen Zukunft auf, in der es nach wie vor Konflikte gibt, aber auch Hoffnung.

Hachimaki und Tanabe sind die beiden Hauptcharaktere, aber obgleich beide Japaner sind, ist die Welt, oder zumindest die Firma bzw. Organisation, internationaler. Man sieht stets Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen, seien es Europäer, Asiaten, Afrikaner oder Nord- bzw. Südamerikaner. Zugleich wird die Diskrepanz zwischen den technologisch hochgerüsteten Nationen, unabhängig vom Erdteil, und den Schwellen- und Entwicklungsländern thematisiert.

Dabei ist wissenschaftlich quasi nichts zu bemängeln und Anmerkungspunkte sind gegebenenfalls dem Medium geschuldet. Es ist nun Mal etabliert, dass bei Astronauten das Gesicht gezeigt wird, obgleich das im Weltraum den Astronaut blenden und verbrennen würde. Dieses Problem wird zum Beispiel von Makoto Yukimura durch Kameras in den Helmen angesprochen, die an sich permanent sichtgeschlossen und mit Tasten für eine Bedienung versehen sind.

Die Charaktere sind alle sehr gut als eigenständige Persönlichkeiten etabliert, auch jenseits der Sektion Debris. Beim Anime muss ich sagen, dass mir manche Stimmen in der deutschen Synchronisation gegen den Strich und zu… archetypisch gewählt klingen, Claire zum Beispiel wird nicht nur aufreibend dargestellt, sondern klingt auch dementsprechend.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass sowohl der Manga als auch Anime definitiv konsumierenswert sind, denn es gibt viele Handlungsbögen, von denen seltsamerweise keiner irgendwie zu kurz kommt.



Titel: Planetes

Autor: Makoto Yukimura

Länge Manga: 5 Bände
Länge Anime: 26 Folgen zu je 24 Minuten

Montag, 7. Oktober 2013

Gravity

Wenn du alleine bist…



Gravity ist der neue Film von Alfonso Cuarón, der dem geneigten Kinogänger von Harry Potter und der Gefangene von Askaban oder Children of Men bekannt sein könnte. Aber in Gravity geht es nicht um zaubernde Schüler oder ein dystopisches England.

Es geht um Einsamkeit.

Es geht um Verzweiflung.

Es geht um Resilienz.

Es geht um Belastbarkeit.

Und es geht um den Weltraum.



Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) ist eine Ärztin und Missionspezialistin, die zusammen mit der regulären Space-Shuttle-Mannschaft unter der Leitung von Matt Kowalsky (George Cloney) am Hubble-Weltraumteleskop Erweiterungsarbeiten vornimmt. Matt, ein Weltraumveteran und Anwärter auf den Weltrekord an gesammelter EVA-Aktivität (Weltraumspaziergang), tauscht mit Houston Geschichten aus und hat ein Auge auf die Gesamtsituation, als Houston meldet, dass die Russen gerade einen ihrer eigenen Satelliten abgeschossen haben. Doch keine Sorge, der Orbit der Trümmerteile überschneidet sich nicht mit dem des Shuttles.

Bis sich herausstellt, dass die Trümmer andere Satelliten getroffen hat und es zu einem sogenannten Kesslersyndrom kommt, einem Schneeballeffekt bei dem Trümmer durch Kollisionen miteinander und anderen Satelliten immer mehr Trümmer erzeugen. Und diese bewegen sich jetzt auf das Shuttle zu.

Die Arbeit am Hubble wird abgebrochen, aber das Hetzen reicht nicht – das Shuttle wird getroffen und der Montagearm mit der noch daran befestigten Dr. Stone vom Shuttle geschleudert. In heftiger Rotation versetzt verfällt sie in Panik und wird erst durch Kowalskys ruhigen Worte und Anweisungen beruhigt und löst ihre Befestigung. immer noch taumelnd und ohne autonome Ausrüstung taumelt sie vom Arm weg und der Funkkontakt bricht ab.

Nach einiger Zeit hat Ryan ihre allgemeine Panik soweit unter Kontrolle, dass sie blind funkt, d.h. ihre Peilung angibt, ohne zu wissen, ob sie jemand empfängt. Glücklicherweise wird sie von Matt empfangen, der sie beruhigt, und mit seinem bewegungsautonomen Raumanzug abholt. Zusammen fliegen sie zurück zum Shuttle, um dort festzustellen, dass keiner überlebt hat.

Ihre einzige Hoffnung: Die ISS. Doch das wird mit dem verbleibenden Treibstoff knapp werden…



Man muss vor Cuarón wirklich den Hut ziehen: Die einzigen beiden gezeigten Rollen sind Weltraumveteran Matt und Neuling Ryan. Die restlichen Personen kommen bloß als Funkstimmen vor. Doch ist die nur eines der Mittel, die der Regisseur verwendet um die Trostlosigkeit des Weltraums darzustellen. Er nimmt kein cinematographisches Blatt vor den Mund, um die Lebensfeindlichkeit dort oben klar zu machen. Bereits die Eröffnung stellt unmissverständlich klar, dass jenseits der 100km Höhe es keine Luft, kein Leben und keine Rettung.

Die Darstellung des Weltraums, der Arbeit dort oben, ist unwiderlegbar wunderschön und in einem hohen Maße realistisch; Feuer brennt kugelförmig, Explosionen verpuffen und Töne werden ohne ein Medium für den Schall nicht übertragen. Die einzigen Geräusche sind die hervorragend passende musikalische Untermalung und das Atemgeräusch der Astronauten.

Normalerweise bin ich immer skeptisch bei der Verwendung von 3D in Realfilmen, da dies mit der Ausnahme von ein paar "Jetzt fliegt was knapp an der Kamera vorbei"-Szenen nicht heraus sticht, aber bei Gravity fiel mir das nicht auf. Viel mehr hielt die Spannung mich immer so fest, dass ich unwillkürlich Trümmerstücken mit dem Kopf zuckend auswich. Ich will damit sagen, die Einbindung ist sehr gut gelungen und lohnt den Aufpreis.



Ich zumindest weiß, dass ich ihn mir nochmal anschauen werde. Und vielleicht den Soundtrack holen.

Titel: Gravity

Regie: Alfonso Cuarón (Drehbuch zusammen mit seinem Sohn Jonás Cuarón)

Länge: 90 Minuten



Gerede:

Schaut man sich mal meine bisherige Auswahl an konsumierten Filmen und Büchern an, merkt man vermutlich, dass ich Science-Fiction- und Weltraum-Fan bin. Ich weiß wie schwer es ist Wissenschaft und Technik in einem realistischen Rahmen zu präsentieren, denn oft genug treffe ich auf Instanzen in denen ein legeres Winken als Erklärung ausreichen muss, in denen die Technik dem Drama und der Handlung geopfert wird.

Nicht so hier. Explosionen, die bis auf den ersten Feuerball verpuffen und keine Druckwellen haben. Stille(!) im Weltraum. Korrekt arbeitende Schubdüsen. Dennoch musste Cuarón natürlich Zugeständnisse machen für eine spannende Geschichte, wie zum Beispiel die an sich verschiedenen Umlaufbahnen der Trümmerwolke, Hubble und ISS oder die Schwierigkeit von Tränen in der Schwerelosigkeit sich von der Haut zu lösen. Aber solche Zugeständnisse sind bei Gravity vertretbar und minimal, im Gegenteil zu anderen, großzügigeren Vertretern (ich schaue auch auf dich, Prevolution).

Und ein interessanter sowie beängstigender Gedanke zum Abschluss: Das Kesslersyndrom ist nicht unrealistisch und bei bestimmten Umlaufbahnen vermutet man, dass es bereits im Gange ist, so dass auf diesen Höhen keine Satelliten mehr stationiert werden. Im Zusammenhang mit den bereits erfolgen Test von Antisatellitenwaffen der Chinesen und USA ist es nicht unrealistisch, dass der Weltraum durch orbitale Trümmerfelder immer schwieriger zu erschließen sein wird.

Donnerstag, 12. September 2013

Wahre Helden

Erstlingswerk mit Ausbaubedarf

Die First Extra Planetarial University ist, wie der Name sagt, die erste Universität im Weltraum und als solche eine extrem prestigeträchtige Ausbildungsstätte für junge Akademiker. Wer einen Abschluss vorzuweisen hat, bekommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Job, wenn nicht sogar schon vorher. Oder beteiligt sich an dem Terraformungsprojekt auf dem Mars, welches von dem westlichen Machtblock der Erde voran getrieben wird. Dem gegenüber steht der asiatische Block, dessen Vorzeigeprojekt die Terraformung von Venus ist.

Um einen Abschluss auf der EPU zu bekommen, muss man im Rahmen des vierjährigen intensiven Studiums auch eine Exkursion oder ein Praktikum vorweisen, welches aber nur bedingt etwas mit dem Studienfach zu tun haben kann.

Auf einer solchen Exkursion zur Untersuchung von Raumphänomenen befinden sich die Hauptfiguren David, Sonja, Michael, Oliver, Maureen, Nina… also eine Menge auf jeden Fall. Das Schiff fliegt wie vorgesehen durch das Sonnensystem, als es zu einer unvorhergesehen Panne kommt, der ein Viertel des Raumschiff und über die Hälfte der Passagiere und Besatzung zum Opfer fällt.

Die Studenten, mit David als Hauptcharakter, müssen sich organisieren, die Lage prüfen, eine Befehlskette etablieren, die Ursache der regelmäßigen Vibrationen feststellen, die Verletzten behandeln, und und und…



Wahre Helden war eines der wenigen Bücher, wo ich froh war, als sie durch waren und wo ich häufiger auf die Seitenzahl geschaut habe um betrübt die Seitenzahl festzustellen.

Blesinger macht zwar eine interessante Welt auf – Terraforming auf Mars, Venus und Proxima Zentauri; ein westlicher und östlicher Machtblock auf Erden der nur gerade so einen größeren nuklearen Konflikt umschifft hat; Außerirdische – aber irgendwie kommt es mir vor, als würde ich die Verbuchung eines Rollenspiels lesen. Charaktere, die alle mehr oder minder kurz davor stehen, ein Weltraum-Harvard/Oxford/Todai mit summa cum laude abzuschließen.

Zu viele Charaktere, als dass sie vernünftig als solche aufgebaut werden können.

Interessante, aber nur randwärts erwähnte Welt.

Keines dieser Elemente für sich gesprochen muss schlecht sein, aber alle zusammen genommen, zeichnen doch nur ein mittelmäßiges Bild, wenn überhaupt.

Es hat mich ein bisschen im handwerklichen Frühstadium an Bernhard Hennens Nebenan oder Benjamin D. Hutchins' Undocumented Features.



Da ist noch Arbeit nötig und Spielraum drin.

Titel: Wahre Helden

Autor: Dennis Blesinger

Sprache: Deutsch (einfach-mittel)

Länge: 264 Seiten


PS: Auch wenn es im Eigenverlag veröffentlicht ist, hätte mehr gegenlesen und lektorieren geholfen.

Mittwoch, 4. September 2013

To the Stars

Nicht-wirklich-Weltraumoper Fanfiction basierend auf Puella Magi Madoka Magica

Vorab: Falls ihr Madoka noch nicht gesehen habt und noch vorhabt es euch anzuschauen, dann lest dieses Review und die Geschichte nicht, sie werden zwangsläufig SPOILER enthalten.



Falls ihr damit kein Problem habt, Puella Magi Madoka Magica kurz erklärt:

Eine geringe Anzahl an Mädchen, die sogenannten Potential haben, haben die Chance von sogenannten Inkubatoren aufgesucht zu werden, Außerirdischen mit der Fähigkeit einen Wunsch zu erfüllen, der der Entropie entgegenwirkt. Im Gegenzug werden sie Magical Girls (Magische Mädchen), erhalten spezielle magische Fähigkeiten, ein Kostüm und müssen fortan Hexen jagen. Zudem wird die Seele in einen Soul Gem (Seelenstein) transferiert und die Körper quasi von dort ferngesteuert. Magie 'verunreinigt' den Soul Gem, kann aber durch Grief Seeds (Leidenssaat) gereinigt werden. Grief Seeds werden von getöteten Hexen hinterlassen, grotesken realitätsverzerrende Gestalten.

Mami ist ein Magical Girl und wurde vom Inkubator Kyubey auf Madoka hingewiesen, ein Mädchen mit bisher ungehörtem Potential. Homura, selbst ein Magical Girl, will die Rekrutierung von Madoka verhindern. Mami will Madoka und deren besten Freundin Sayaka den Kampf gegen eine Hexe zeigen, der zweite geht aber schrecklich schief, Mami stirbt und Homura besiegt die Hexe. Sayaka wird ein Magical Girl. Kyouko, ein anderes Magical Girl taucht auf und bekämpft Sayaka, ehe sie sich anfreunden. Wegen einer unglücklichen Liebe verzweifelt Sayaka und ihr Grief Seed wird so stark verunreinigt, dass sie eine Hexe. (Hintergrund: Jede Hexe war ursprünglich ein Magical Girl.) Kyouko besiegt Sayakas Hexenform, stirbt aber dabei. Homura erzählt Madoka von Magical Girls und Hexen, von dem Hintergrund, der ihr teilweise verschwiegen wurde, von ihren früheren Freundschaften und Zeitlinien, denn: Madoka wurde schon früher ein Magical Girl, kämpfte zusammen mit Homura gegen die Monsterhexe Walpurgisnacht und starb. Homura drehte mit ihrer speziellen magischen Fähigkeit die Zeit zurück bis vor Madoka's Rekrutierung. Mehrmalige Wiederholung ähnlich schlimmer Szenarien, immer durch Zeit zurück drehen durch Homura abgewendet. Die gezeigte Linie ist die letzte, aktuelle Zeitlinie. Durch den Fokus von Homuras Zeitreisen, das Überleben von Madoka, ist Madokas Potenzial so riesig.

Madoka entscheidet sich für einen Wunsch, der das komplette Magical-Girl-System rückwirkenden in einem Maße umkrempelt, das Madoka dafür allgegenwärtig, d.h. eine Göttin, sein muss. Der Wunsch wird aufgrund ihres ungeheuren Potenzials, ermöglicht durch Vernichtung mehrerer Zeitlinien, gewährt.

Es gibt jetzt zwar noch Magical Girls, diese bekämpfen aber Dämonen, die Grief Cubes (Leidenswürfel) hinterlassen, mit denen der Soul Gem gereinigt werden kann. Verschmutzt er trotzdem zu stark, verschwinden die Magical Girls irgendwohin, statt zu Hexen zu werden. Homura hat andere magische Fähigkeiten und hört Madokas Flüstern. 

Es gibt aber auch noch andere Veröfentlichungen zu Puella Magi, unter anderem Kinofilme und Manga wie Oriko Magika, deren Charaktere und Handlungen auch noch in To the Stars eingeflossen sind, soweit es ging.



Das 25. Jahrhundert. Die Welt war nach knapp eineinhalb Jahrhunderten stetig steigender Disparität in einen globalen Konflikt geraten, aus dem Governance als globale Regierung erstieg. Im Auftrag der Etablierung und Festigung werden verschiedene Schlüsseltechnologien entwickelt: Quasiunsterblichkeit, Überlichtantrieb, Freie Energie. Weitere Zweihundert Jahre später gibt es dutzende Kolonien in anderen Sonnensystemen, die (immer noch stark bevölkerte) Erde wird langsam von den Narben ihrer kriegerischen Vergangenheit geheilt und die Menschheit wird von einem bisher unbekannten Feind angegriffen. Die Kolonien werden überrannt, bis sich die Magical Girls für einen Bruch ihrer bisherigen Geheimhaltung entscheiden und mit ihrer Verteidigung den Feldzug der Cephalopds einstweilen stoppen.

Weitere zwanzig Jahre später Shizuki Ryouko ist eine Schülerin in Mitakihara. Ihre Familie ist nicht arm, hat aber einen gewissen Mangel an Zuweisungen zu beklagen. Im Gegensatz zu ihren Mitschülern hat sie nicht für eine Spezialisierung in einem bestimmten Interessengebiet entschieden, sie kann es gar nicht, weil sie ein unerklärliches Fernweh plagt. Wie jeder Mensch weiß sie von Magical Girls und Inkubatoren, wüsste aber keinen konkreten Wunsch. Und selbst wenn, hofft man auf Inkubatoren, kommen sie nicht, also hoffte sie gar nicht darauf.

Wie zu erwarten wird sie rekrutiert und ihr Wunsch ist etwas hoch-strebend: Orte zu sehen, die noch kein Mensch vor ihr gesehen hat, ihren Platz in der Welt zu finden.

Sie beginnt, einige Dinge zu erfahren, die ihr bisher noch nicht klar waren, wird auf ihre Rolle im Militär vorbereitet und lernt allgemein eine Menge Leute kennen und macht allerhand neue Erfahrungen, die ihr teilweise zu Eigenschaften über sich selbst offenbaren, derer sie sich nicht direkt bewusst war.



Homura hat in der aktuellen (und letzten) Zeitlinie andere Fähigkeiten und erhielt nach dem Tod/Verblassen von Sayaka in einer quasi-religiösen Vision von Madoka die Erinnerungen an ihre vorigen Zeitschleifen und somit an Madoka selbst zurück, was zu einem starken Persönlichkeitswandel führte. Fortan betrachtete sie vieles in einer Sicht die Madoka's Meinung beinhalten sollte, selbst wenn diese nicht anwesend sein konnte. Sie war sich über ihr von außen betrachtet leicht wahnsinnig erscheinendes Verhalten in Bezug auf eine nicht existierende Göttin bzw. Person klar, weswegen sie sich kaum dazu äußerte.

Trotzdem stieg zu einer Führungspersönlichkeit in der MSY (Verbund von Magical Girls) auf, bis sie im Zuge des Verteidigungsschlags vor 20 Jahren verschwand.

Mami ist unterdessen eine einflussreiche Persönlichkeit und als Verbindungsoffizier zwischen MSY und Militär in Führungsposition, während Kyouko nach Homuras Verschwinden eine mittlerweile einflussreiche Kirche basierend auf ihren Äußerungen über die Göttin gegründet hat.



Da ich meine Reviews ungern lange halte und bisher im Prinzip bloß über die Welt gesprochen habe, stoppe ich einfach mal ehe ich anfange über die Unmenge an Charakteren zu reden.

To the Stars ist im Prinzip eine Weltenschaffung. Mit Charakteren. Okay, ich stehe auf gut ausgebaute und plausibel geschaffene Welten, aber TtS ist einfach Güteklasse 1A was diesen Aspekt angeht. Autor Hieronym hat einen Zeitstrahl mit logischen und aufeinander aufbauen und nachvollziehbaren Entwicklungen verfasst und betrachtet, was ein halbwegs typisches Magical-Girl-Setting auf die Spitze getrieben bedeuten würde: Magisches Altern, die Notwendigkeit und Schwierigkeit von Anonymität, Geldsorgen, welche ein Grund für eine Allianz waren, die schließlich in der MSY mündete, eine weltumspannende Geheimorganisation. Die moralischen Implikationen, wenn nicht mehr alle Magical Girls Dämonen jagen müssen sondern auch Zeit für andere Dinge haben, wie zum Beispiel die graduelle Übernahme der Unterwelt um verwerfliche Verbrechen wie Zwangsprostitution entführter Mädchen zu unterbinden.

Obwohl es viele Charaktere gibt, ist ihre szenische Anzahl stets übersichtlich gehalten, soll heißen man hat nicht ein Dutzend verschiedene Leute die alle halbwegs durcheinander sprechen und man vergisst was der eine gesagt hatte, wenn er mal wieder dran ist. Durch die Länge von über 300k Wörter kommen aber zwangsläufig eine Menge Charaktere an sich vor.

Die Hauptcharaktere (ja, die) sind die frisch rekrutierte Ryouko und die beiden aus der Puella-Magi-Originalserie bekannten Mami und Kyouko. Obwohl es meiner Meinung nach nicht zwingend erforderlich ist, die Serie gesehen zu haben, hilft es doch ungemein. Und ehrlich gesagt ist man mit der Serie schneller durch als mit To the Stars.

Der Schreibstil ist nicht so reich an Charakterbeschreibungen wie man es vielleicht von anderen Autoren gewohnt ist, soll heißen es wird eine Person vielleicht bloß durch eine für sie heraus stechende Eigenschaft beschrieben, ohne auf ihre Kleidung oder sonstige äußere Merkmale einzugehen. Außerdem bemerkt man oft eine leicht wissenschaftliche und eloquente Unternote. Der Autor ist sich aber dessen bewusst und versucht dies auf die passenden Charaktere zu beschränken.



Die fesselndste Welt, auf die ich seit längerem gestoßen bin, mit interessanter Handlung.

Titel: To the Stars (URL: http://www.fanfiction.net/s/7406866/1/To-the-Stars; Fanwiki; Tumblr)

Autor: Hieronym

Länge: 300k+ Wörter (ca. 1800+ Seiten)

Sprache: Englisch, Mittel

Status: Laufend, ca. monatliche Updates (bisher wurden 1 1/2 von 6 geplanten Bänden erreicht)