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Freitag, 6. März 2020

Non Non Biyori (& NNB Repeat)

Vier Mädchen stehen vor einer Dorfschule; die pferdeschwänzige Natsumi, die langhaarige und kleinere Komari, die doppelzöpfige Grundschülerin Renge und Hotaru mit schulterlangen Haaren
Niedliche Alltagsgeschichten vom Land

Non Non Biyori (und die Nachfolgeserie, Non Non Biyori Repeat) erzählen niedliche Alltagsgeschichten einer kleinen Gruppe von Schülern einer wirklich kleinen Dorfschule.

Sonntag, 26. Januar 2020

Kipo und die Welt der Wundermonster

V.l.n.r.: musikliebender Benson, in seinen Armen der verpuppte Dave, die namensgebende Kipo, die Überlebende Wolfi
Optimistische Postapokalypse für Kinder

Als ihr Dorf von einem Riesenmutanten angegriffen wird, findet Kipo sich unerwartet auf der Oberfläche wieder. Diese wurde von ein paar hundert Jahren von einer nicht näher genannten Katastrophe unbewohnbar gemacht. Der Mensch ist nicht an mehr die Spitze der Nahrungskette, sondern Mutanten, die erstaunlich wenig mit Menschen gemeinsam haben. Stattdessen sind es meistens seltsam abgewandelte, riesige Tiere, die mitunter intelligent sind und sprechen können. Und eine eigene, fantastische und seltsame Kultur haben.


Kipo schaut auf eine eine mannsgroße Schnecke mit einem Cadillac als Schneckenhaus.Während Kipo sehr gerne die ihr unbekannte Oberwelt erkunden würde, ist ihr ultimatives Ziel zu ihrem Vater zurückzukommen. Dabei trifft sie auf Wolfi, ein junges Mädchen, dass sich die letzten Jahre alleine auf der Oberfläche durchgeschlagen hat und sich dementsprechend verhält – sie ist grobschlächtig, martialisch, und immer in einem Wolfsfell gekleidet. Später kommen Benson und Dave hinzu, ersterer ist ein Junge mit einer Vorliebe für Hiphop und stets auf der Suche danach, seine Kasettensammlung auszubauen, sowie sein bester Kumpfel Dave. Dieser ist ein Mutant, der stetig seine verschiedenen Lebensphasen (Puppe, Larve, „Jugendlich“, Erwachsen, Rentner) durchmacht. Unglücklicherweise wechselt er zwischen seinen Phasen zu den ungünstigsten Zeiten.

Und so machen sich die vier auf die Suche nach einem alternativen Eingang in Kipos Untergrundheimat. Dabei stoßen sie auf eine Vielzahl eigener Kulturen, die teilweise mehr, teils weniger stark von Menschen zu inspiriert scheinen. Es gibt Wissenschaftswölfe, Dubstepbienen, Kolibribomber, Holzfällerkatzen, kurzum: eine vor Fantasie sprühende Welt, die trotz postapokalyptischer Szenerie auf dem metaphorischen Maßstab zwischen Idealismus und Zynismus fest auf der Seite des Idealismus angesiedelt ist. So gibt es beispielsweise eine Wiese, auf der sich haushohe, achtbeinige Megahunde tollen und miteinander spielen, scheinbar ohne eine Sorge in der Welt. 

Das Design der Figuren – zumindest der menschlichen – erinnert mich mit den etwas kantigen Gesichtszügen an die Teen Titans, aber das sage ich wahrscheinlich bloß, weil das mein nächstliegender Referent ist, ich habe aber keine Ahnung, ob es zwischen den Serien irgend eine tatsächliche Überschneidung gibt. Interessanter ist vielmehr, dass die Vorlage der Serie ein mittlerweile depublizierter Webcomic. Und ich sehe gerade, dass Rad Sechrist, der Autor, davor bei verschiedenen Studios als Charakterdesigner und Storyboarder arbeitete. Hm, vielleicht daher? Wie dem auch sei, das ist meiner Erfahrung nach sehr ungewöhnlich.
Der Optimismus der Charaktere ist ansteckend, ihre Charakterisierung solide, und die Welt einfach sehr schön gestaltet, während die Musik die Szenen sehr schön untermalt. Man merkt, dass jemand hier bildliche Ideen hatte, die auch visuell umgesetzt werden mussten.

Kipo steht mit einer Gitarre einem Megamutant gegenüber, der Mega-Affe betrachtet sie fasziniertDie deutsche Übersetzung und Synchronisation durch Hermes Synchron GmbH kamen mir auch recht gut vor, aber nicht herausragend. Auf wenn das jetzt etwas negativ klang, ist das nicht als solches gemeint. Zum Beispiel bin ich sehr davon begeistert, dass die internen Lieder größtenteils übersetzt und gesungen wurden (und wieso sind die nicht auf dem Soundtrack?). Andererseits war ich ein bisschen enttäuscht, dass bei den diversen Wortspielen nicht mal versucht wurde, diese umzusetzen. Bei einigen ist klar, dass sie schwer sind: wie soll man zum Beispiel den Bezug von Scarlemagne (der Charakter hat Narben, also scar, und Karl der Große heißt auf Englisch Charlemagne) auf Deutsch umsetzen? Soll man den Charakter etwa Kerb der Große nennen? Andererseits wären da die kofferwortigen humming bombers, die ganz stumpf als Kolibribomber übersetzt wurden. Da hätte man stattdessen auch Kolibomber nehmen können. Außerdem scheinen die deutsche Synchronisation und die deutschen Untertitel separat übersetzt worden zu sein? Zumindest sind die Untertitel nicht einfach die Texte der Synchronsprecher. Das gibt im Vergleich auf jeden Fall Einblicke in die (möglicherweise) verschiedenen Übersetzer.
Aber ich beschwere mich hier gerade auf hohem Niveau; die Animationen sind flüssig, die Bilder schön anzuschauen, kurzum: mir hat die Serie sehr gut gefallen, so dass ich mich auf eine neue Staffel freue. Wobei ich vom bingen der Serie abrate, dafür ist sie visuell einfach zu schön, man sollte sich schon ein paar Tage geben um die Folgen sacken lassen. 



Daumen hoch, mehr davon.

Titel: Kipo und die Welt der Wundermonster

Schaffer: Radford Sechrist

Länge: 10 Folgen à 24 Minuten (auf Netflix)

Sprache: Englisch, Deutsch

Montag, 28. Mai 2018

Tully

Mutter sein ist nicht leicht

Marlo (Charlize Theron) hat zwei Kinder und is hochschwanger mit einem dritten. Zwei Kinder zu wuppen ist machbar, insbesondere wenn sie einen Teil ihrer Zeit im Kindergarten oder der Schule verbringen, aber wenn eines ein nicht näher diagnostiziertes Symptom hat, das selbst im Film bloß als „atypisch“ bezeichnet wird, dann wird das ganze ein bisschen heikler.

Aus Liebe für seine Schwester (und Erfahrung mit seinen eigenen Kindern) schlägt Marlos Bruder ihr vor, für ein nächtliches Kindermädchen zu zahlen. Marlo lehnt rundheraus ab und gebiert ihre zweite Tochter, Mia. Doch hier zeigt sich bereits, das Marlo wenn nicht überfordert, dann doch kurz davor ist. Nach wenigen Wochen nächtlichen Gekreisches, Wickelns, Füttern, und den ständigen Erwartungen ihrer Umgebung erleidet sie einen stillen Zusammenbruch und ringt sich dazu durch, die Nachtnanny anzurufen.

Zuerst ist Marlo von „Tully“ (Mackenzie Davis) nicht begeistert, da sie zu jung und sprunghaft wirkt, um sich um einen Säugling kümmern zu können, doch als Marlo nach der ersten geruhsamen Nacht seit Wochen mit neuem Elan aufsteht und nicht nur eine zufrieden schlafende Tochter, sondern auch noch ein unerwartet aufgeräumtes Haus vorfindet… Anscheinend versteht Tully ihr Werk.



Ich habe schon mehrere Darstellungen von überforderten Müttern gesehen, aber diese sind quasi immer Randfiguren, oder ihr Leid ist in einen größeren Konflikt eingeflochten, welcher die Anforderungen an eine Mutter überschattet. Dies ist bei Tully nicht der Fall.

Es wird aufrichtig mit dem Thema umgegangen. Es wird sehr gut gezeigt, mit was eine frische Mutter, selbst wenn sie schon Kinder und somit Erfahrung mit dieser Phase hat, umgehen muss. Marlo muss für ihren vermutlich im autistischen Spektrum beheimateten Sohn eine neue Schule finden, weil die derzeitige (teure!) Schule nicht weiter auf ihn zugehen will. Der Säugling plärrt unentwegt. Die Nachfolgen der Geburt zehren noch an der Mutter, sowohl körperlich (schlaffe Haut nach der Schwangerschaft, schmerzhaft pralle Brüste, …) als auch geistig (siehe nachgeburtliche Depression).

Dies habe ich wirklich noch nie so gut umgesetzt gesehen. Tully gibt einen Einblick in die Seelenwelt von einem nennenswerten Teil von Müttern, insbesondere wenn man nicht so vermögend ist.



Sehr guter Film.

Titel: Tully

Regisseur: Jason Reitman

Länge: 96 Minuten

Mittwoch, 18. Juni 2014

Welcome to Night Vale

Der Mond als Pupille eines übergroßen, stilisierten Auges; in Silhouette ein Wasserturm, Überlandleitung, Radioantenne und Pyramide. ©Rob Wilson, RobWilsonWork.com
In einer Wüstenstadt sind alle Verschwörungen wahr, und das ist normal.

In den deutschen Landen nicht so üblich, aber in den USA sehr verbreitet sind die sogenannten Community Radios, kleine, freie und vor allem regionale Radiosender. Neben oder statt der üblichen nationalen und internationalen Nachrichten senden diese Sender eher lokale Belange. Es gibt Berichte über Bauprojekte, anstehende Wahlen und anderweitige Neuigkeiten in einem Umkreis von ein paar dutzend Meilen.

Ein stilisierter hydra-ähnlicher Drache mit 5 Köpfen an 5 langen Hälsen
©Rob Wilson, RobWilsonWork.com

Welcome to Night Vale ist ein Podcast, der sich als genau solch eine regionale Radiosendung ausgibt, eine bei dem Night Vale Community Radio, deren Moderator Cecil Palmer die Bewohner des beschaulichen Wüstenstädtchens Night Vale über die verschiedenen Vorkommnisse und Belange eben jener Stadt informiert. Da wäre zum Beispiel der Hundeplatz, der von mehreren Meter hohen Betonmauern umzäunt ist, nicht betreten werden darf und aus dem seltsame Geräusche kommen. Aber keine Sorge, die Geheimpolizei des Sheriffs kümmert sich darum.


Die erste Folge beginnt damit, dass der Wissenschaftler Carlos, wunderschöner Carlos, nach Night Vale zieht und spontan feststellt, dass alle Uhren falsch gehen. Im Sinne von, elementar falsch, nicht bloß ein Stück vor oder nach. Die Uhren ticken nach ihrer eigenen Zeit, obgleich sie bei näherer Untersuchung kein Uhrwerk haben. Sie ticken einfach, ohne Antrieb und Einschränkung, alle gleichermaßen falsch.

In der gleichen Schiene geht es weiter. Ob es nun John Peters' – ihr wisst schon, der Farmer? – und sein geförderter (!) Anbau imaginärer Agrarprodukte geht, oder das Leselager über die Sommerferien, für das spontan alle Kinder entführt wurden. Die unsichtbare Frau, die heimlich in den Zwischenwänden haust, oder Khoshekh, die einen Meter über dem Boden schwebende Katze auf dem  Herren-WC – all das ist normal, und wird im Verlauf der Radiosendung auch als vollkommen normal behandelt.

Gerade darin liegt auch der Reiz der Berichterstattung. Quasi alles ist normal. Selbst die Katastrophen sind normal, und oft genug geplant oder im Kalender vorgemerkt. Dann gibt es wieder die Aberkennung von bestimmten Dingen, wie zum Beispiel Berge, die nicht existieren und offensichtlich einer Verschwörung entsprungen sind.

Der Wetterbericht ist übrigens stets ein Lied von diversen Bands, meist ruhig und melodisch, in die Richtung Easy Listening.

Nach knapp zwei Jahren und etwa 50 Folgen hört diese Kombination aus Theater und Hörspiel nicht auf, witzig zu sein.



Silhouette einer alten Frau mit Stock, wie sie aus einem Fenster mit Gardine schaut.
©Rob Wilson, RobWilsonWork.com
Titel: Welcome to Night Vale (dt. "Willkommen in Night Vale")

Autoren: Joseph Fink, Jeffrey Cranor

Sprecher: Cecil Baldwin und andere

Länge: 50 Folgen zu je 20-30 Minuten

Status: laufend, halbmonatlich

Sprache: Englisch, akustisch gut verständlich



Da Night Vale als Ort schon sehr seltsam ist, hat sich unter Fans des Podcasts ein gewisser Meme oder Injoke eingebürgert: Wenn etwas abstruses passiert, sei es nun in der Realität oder einer fiktiven Welt, das aber relativ normal aufgenommen wird, kommt der Kommentar "Und nun: das Wetter" ("And now: the weather."), in Anlehnung an Welcome to Night Vale.

Ich persönlich vertrete ja die Hypothese, dass es in den USA in dieser speziellen Instanz keine Ausreißer und Vermissten gibt, nicht wirklich, sondern dass dieses Personen schnell gefunden und kreativ nach Night Vale umgesiedelt werden. Dort werden sie nicht unbedingt geopfert, aber doch schon irgendwie.

Eine treffende Beschreibung für Welcome to Night Vale ist auch noch: Neil Gaiman und Stephen King haben zusammen Sims gespielt und sich irgendwann anderen Projekten zugewendet. Night Vale ist das Ergebnis, und Welcome to Night Vale der Versuch der Sims, ihre Welt zu erklären.

Freitag, 6. Juni 2014

Nix wie weg – vom Planeten Erde

Nix wie weg aus dem Film.

Scorch Supernova (Sprecher: Tobias Meister, u.a. Stimme für Brad Pitt, Jack Black) ist der Held des Planeten Baab. Babies retten? Scorch macht das. Interstellare Bedrohung? Auf Scorch kann man sich verlassen. Sich vermarkten? Scorch hat sogar eigene Frühstücksflocken!
Und das alles auch Dank der Hilfe seines Bruders Gary (Sprecher: Olaf Reichmann, u.a. Stimme für Nick Frost), der von Zuhause aus die Lage überprüft, das Raumschiff warten lässt und all die wichtigen Knöpfe drückt, die man halt in der Steuerzentrale so zu drücken hat.

Da ist es nicht überraschend, dass Scorch seinen Bruder, den Knöpfchendrücker, wenig wert schätzt. Das ändert sich, als sein neuer Auftrag ihn zum Dunklen Planeten führen soll, der schon von hunderten verschiedener Spezies besucht wurde – und von dem keiner je zurück kam. Gary und Scorch streiten sich, denn Scorch sieht in dem Auftrag kein Problem.

Natürlich fliegt der Weltraumheld zur Dunklen Planeten (es ist die Erde) und wird flugs gefangen genommen, und dank Live-Übertragung wird der ganze Planet Baab Zeuge. Gary fliegt hinterher, Blabla, galaktische Gefahr (Sprecher: Klaus-Dieter Klebsch, u.a. Stimme von Hugh Laurie, also Dr. House), Blabla, Verrat (Sprecher: Marie Bierstedt, u.a. Full Metal Alchemist, Grey's Anatomy), Blabla…



Es ist eine ganze Weile her, dass ich so von einem Film unterwältigt wurde. Die Witze sind flach und rar, und ich beziehe das nicht auf ein Erwachsenenniveau, sondern auf die Anzahl der Lacher im Kino. Es gab im ganzen Film vielleicht zwei Szenen bei denen ich Schmunzeln musste. Mit der Handlung verhält es sich gleich: Vorhersehbar, berechenbar, und das nicht in einem guten Maße, sondern einfach… schlecht. Als wäre ein Skript abgearbeitet worden, werden die verschiedenen Akte abgearbeitet ohne irgendwie mehr als fünf Sekunden Spannung aufzubauen.

Animationstechnisch war der Film solide, ohne irgendwie zu glänzen. Ich habe ihn in 2D gesehen, aber die offensichtlichen 3D-Szenen waren offensichtlich und unnötig. Die musikalische Seite fiel durch ein paar Autotune-Lieder auf, der Rest ist nicht nennenswert.

Ich denke selbst als Kind würde mir der Film nicht im Gedächtnis haften bleiben; es fühlt sich einfach wie ein 08/15-Fernsehfilm an. Da kann selbst die berühmt besetzte Synchronisation nichts dran rütteln.



Meiden.

Titel: Nix wie weg – vom Planeten Erde

Regie: Cal Brunker

Länge: 89 Minuten

Samstag, 19. Oktober 2013

Brendan und das Geheimnis von Kells

Irisches Märchen… mehr oder weniger

 

Brendan ist ein lebhafter Junge, dessen Onkel Abt im irischen Kells des 8. Jahrhunderts ist. Die Abtei und deren Mönche sind zusammen mit der umliegenden Bevölkerung damit beschäftigt, eine Mauer zu bauen, welche die Familien und Abtei vor den herannahenden Nordmännern schützen soll, die brandschatzend und mordend durch die Lande ziehen.

Doch dem jungen Brendan steht nicht der Sinn danach Mauern zu bauen, er würde sich viel lieber mit dem eingetroffenen Bruder Aiden über das unvollendete Buch von Iona unterhalten. Aiden, Alchemiker und Gelehrter, ist mit dem Buch vor den Nordmännern geflohen und sucht in Kells Zuflucht. Als er Brendans Fantasie und gestalterische Gabe bemerkt, setzt er sich in den Kopf, dass Brendan ihm bei der Fertigstellung des Buches helfen soll.

Entgegen den Wünschen seines Onkels geht Brendan daher in den Wald, um Beeren für eine bestimmte Tinte zu suchen. Die ablehnende Waldfee Aisling hilft ihm widerwillig dabei, aber freundet sich zugleich mit Brendan an.

Als der Abt von dem Ungehorsam seines Neffen erfährt, greift er zu zunehmend schwereren Maßnahmen, mit denen er Brendan von strafen und zugleich von weiteren Streifzügen abhalten will. Während dessen rücken die Nordmänner immer näher…



Das wohl herausstechendste Merkmal von Kells ist der Animationsstil. Stark beeinflusst von den irischen Malereien des 8. Jahrhunderts und auch den Illustrationen aus dem besagten Buch sind die vordergründigen Personen in dem eckig gebogenen Stil, während der Hintergrund oft an isometrische Wassermalereien erinnert.

Der Film hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die bereits 10 Jahre vor seiner Veröffentlichung begann und sowohl durch Geldgeber als auch (die teilweise damit überlappende) Kirche beeinflusst wurde, die alle ihre jeweils eigene Interpretation verwirklicht sehen wollten.

Als einen interessanten Aspekt betrachte ich die Zeit an sich: der durch die Römer eingeführte christliche Glaube ist mittlerweile als Standard zu betrachten und das Buch von Iona/Kells ist an sich eine besonders hübsch aufgearbeitete Bibel. Das (west-)römische Reich ist im Untergang begriffen, die Legionen sind schon länger abgezogen und die Kultur läuft auf Sparflamme weiter. Die Kirche übernimmt ein paar Aufgaben, aber kann beispielsweise die militärische Seite nicht übernehmen und so sind es militärische Gefahren, welche die Kultur und Menschen bedrohen.

Während dessen ist die lokale Kirche dabei, die alteingesessenen Sagengestalten wie Cromm Cruach (ein Todesgott) in den Kanon und Mystik der Kirche zu integrieren. Alles ziemlich interessant.



Alles in allem hat mir der Film gefallen, sowohl vom Animationsstil, Soundtrack als auch Handlung her.

Titel: Brendan und das Geheimnis von Kells (Original: The Secret of Kells)

Regie: Tomm Moore, Nora Twomey

Länge: 75 Minuten

Montag, 22. Juli 2013

Morphic

Womit Mensch-Pokémon-Hybride umgehen müssten…

Die Pokémon-Welt: Dave ist Genetiker und Chef bei Heywood Labs, mit Brian und einigen weiteren Angestellten. Aus einer Schnappsidee und zufälligerweise passendem Geniestreich heraus entscheiden sie sich dafür, Mensch-Pokémon-Hybride zu schaffen. Der Geniestreich entpuppt sich als wirklich folgenreich, denn es klappt – nach Bearbeitung und Kombination der genetischen Anlagen befinden sich die 8 Experimente im fötalen Stadium.

Da platzt die Bombe und die Öffentlichkeit erfährt von dem Hybridisierungsexperiment. Weder Dave noch sonstwer hatte geplant die Föten bis zur Reife zu bringen, es war mehr eine Konzeptstudie, dass so eine tiefgreifende genetische Manipulation möglich ist, aber eine Anti-Abtreibungs-Bewegung fordert die Reifung und anschließende Erzeihung der Hybriden durch die "Missetäter". Durch unglückliche PR-Entscheidungen bleibt Heywood Labs nichts anderes übrig, als sich dem öffentlichen Druck zu beugen und die Föten in künstlichen Gebärmuttern und Brutkammern auszutragen und anschließend aufzuziehen.

Die acht Hybride unterscheiden sich teilweise stark, insbesondere in den Pokémonteilen ihrer Erbanlagen: Vulpix-Mädchen (Fuchsig), Mauzi-Junge (Kätzisch), Sichlor-Mädchen (Messerpsychopath), Schwalbini-Junge (Vogel), Lampi-Junge (Angelfisch), Traunfugil-Mädchen (Geist), Roselia-Mädchen (Rose) und Schneckmag-Junge (Schneckenlava).

Aufgrund ihrer unterschiedlichen Biologie altern die Kinder auch unterschiedlich stark und zeigen verschieden starke Beeinflussungen ihrer Pokémonabstammung. Nach einem Zeitsprung von zehn Jahren wird das besonders klar: Obgleich alle chronologisch etwa gleich alt sind, sind sie körperlich – und teilweise auch geistig – stark unterschiedlich, von 8 bis zu 17 Jahren alt.

Hinzu kommt, wie normale Kinder mit diesen Kindern mit Pokémon-/Tierzügen umgehen werden, ganz zu schweigen von der Kirche der Heiligen Wahrhheit…



So ziemlich die erste Pokémon-Fanfic, die ich gelesen habe und dann gleich sehr gut! Wie eingangs beschrieben beschäftigt sie sich mit Pokémonhybriden, gewissermaßen ähnlich zu Animorphs (die habe ich aber nie gelesen), aber mit einem großen Fokus darauf, wie der Alltag von solchen Hybriden aussehen würde. Als Ergebnisse von Experimenten sind sie nicht gerade mit überragenden Fähigkeiten gesegnet, so hat der Anglerfischjunge beispielsweise grenzwertig Glasknochen und der Schneckmagjunge darf sich nicht aufregen, weil sonst seine Körpertemperatur ansteigen würde, was seine menschlichen Organe beschädigen oder abtöten könnte.

Aber prinzipiell hat es keines der Kinder leicht, weil sie alle ausgegrenzt werden und Anfeindungen von religiösen Fanatikern ausgesetzt sind.

Ich wünschte, der Autor hätte mehr Zeit für die Charakterisierung aufgebracht. Obwohl er viel Fokus in die Schaffung der Welt steckte, wird dieser Aspekt beispielsweise durch die spätere rasante Handlung teilweise hinten angestellt. Hinzu kommt die große Anzahl an Charakteren in einer relativ kurzen Geschichte: Die Kinder und ihre Adoptiveltern sind zusammen schon über 20 Personen.



Trotz allem sehr interessant. Besonders die Gespräche von Dave mit dem Sichlor-Mädchen sind sehr interessant.

Titel: Morphic (URL: http://www.fanfiction.net/s/3553005/1/

Autor: Dragonfree

Länge: 60k+ Wörter (380 Seiten)

Sprache: Englisch (Mittel)

Status: Abgeschlossen

Mittwoch, 22. Mai 2013

Der Geschmack von Rost und Knochen

Ali trägt Stéphanie auf dem Rücken aus dem Meer

Wie man sich aus Schicksalsschlägen hilft



Ali ist Mitte zwanzig und neuerdings alleinerziehender Vater. Ohne Geld und Plan kommen er und sein fünfjähriger Sohn bei seiner Schwester an der Côte d'Azur unter. Ihre Lage ist als Kassiererin auch nicht gerade rosig, und so sucht Ali sich einen Job als Türsteher. Dabei trifft er Stéphanie, eine lebhafte junge Frau, die als Orca-Trainerin im örtlichen Großraumaquarium arbeitet. Er versucht sie abzuschleppen, hat aber keinen Erfolg.

Stück für Stück arbeitet sich Ali weiter und als Wachmann beginnt ein Kollege ihm einen Fuß in die Welt der Wettkämpfe zu geben – wortwörtlich. Als ehemaliger Boxer hat Ali gefallen an Kämpfen gefunden und trainiert, um bei diese neuen Hobby über Wetten Geld zu verdienen.

Dann kommt von Stéphanie ein Anruf, ob er sich mal mit ihr treffen wolle. Ali stimmt zu und die Treffen wiederholen sich, es bildet sich eine Art Freundschaft. Haken an der Sache: Mittlerweile sind Stéphanies Beine unterhalb der Knie amputiert, sie lebt von ihrer Krankenversicherung und ist, wenn nicht selbstmordgefährdet, dann doch dicht dran und niedergeschlagen.

Ali mit seiner panzerhaften Subtilität kümmert das nicht und zeigt ihr, dass sowas einen nicht vom Leben abhalten muss. Bei ihm selbst ist das Leben aber auch nicht eitel Sonnenschein. Öfters versäumt er seinen Sohn von der Schule abzuholen, und seine jähzornige Ader ist auch nicht gerade ein Erziehungssegen.



Rost und Knochen ist ein französischer Film, dessen Handlung nicht von irgendwelchen Besonderheiten oder Intrigen lebt, sondern von den Menschen und ihren banalen Leben. Eine Karriere wird zerstört, und mit ihr ein Mensch. Bindungsängste, woher sie auch immer kommen mögen, und ihre Konsequenzen. Die Mauer zwischen sich und der Umwelt, zwischen sich und Gefühlen. All dies wird nicht angesprochen, aber thematisiert.

Alis Schwierigkeiten und Frustration darüber, mit seinem Sohn eine Verbindung aufzubauen steht im Gegensatz dazu, wie er sich zwanghaft von jeder tiefergehenden Beziehung fernhält. Stéphanie Sturz in ein tiefes seelisches und persönlich Loch, und wie sie sich mithilfe von Ali da wieder herauszieht, und möglicherweise ein stärkerer Mensch wird als sie es zuvor war. Wie zwei gebrochene Menschen einander stützen können, wie zwei Steinbögen zusammen eine Tür bilden können.

Interessant ist auch, wie der Regisseur verschiedene gesellschaftliche Probleme anspricht: Indirekt, subtil, nicht direkt durch Opfer oder Täter, sondern durch Betroffene und Mittelmänner.



Mir hat Der Geschmack von Rost und Knochen gut gefallen, aber ich kann mir auch vorstellen, dass er manch einem zu nahe gehen kann.

Titel: Der Geschmack von Rost und Knochen

Regie: Jacques Audiard

Länge: 122 Minuten

Was sagt es über mich, dass bei Rost und Knochen mir der Titel reichte, um den Film sehen zu wollen?

Sonntag, 21. April 2013

Beasts of the Southern Wild

Wie die Welt aus sechsjährigen Augen ausschaut


Hushpuppy ist ein kleines Mädchen, vielleicht sechs Jahre, die bei ihrem alleinerziehenden Vater lebt. Sie hat ihr eigenes Haus, und wenn es Essen gibt, dann rupft ihr Daddy an einer Leine, die mit einer Glocke an Hushpuppys Haus hängt. Zusammen mit ihren Freunden leben sie im Bathtub, einem Flussdelta, und jenseits des Flusses gibt es Fabriken und Dämme. Die Menschen in den Fabriken haben nur einmal im Jahr Urlaub und Essen Fleisch, das aus Plastik kommt. Im Bathtub aber sind alle Menschen immer glücklich, und es gibt Feuerwerk und Feiern und immer zu Essen.

Bloß wenn das Wasser steigt und die Auerochsen kommen, davor fürchtet sich Hushpuppy ein bisschen.

In Wirklichkeit ist das Bathtub eine… Kommune könnte man sagen, die in einem Flussdelta lebt. In der Nähe sind Industriegebiete und ein Damm wird demnächst fertigstellt, der die halbe Region überfluten wird. Die Menschen vor Ort leben hauptsächlich von Fischerei für die Eigenversorgung, zumindest soweit es im Film klar wird.

Aber die Wirklichkeit ist es nicht, die Beasts darstellt, sondern die Realität, wie sie von Hushpuppy wahrgenommen und verstanden wird. Sie flieht vor den ihrer Fantasie entschlüpften Auerochsen, deren Inspiration ihr Unterricht war; ihr Daddy hat keine Sorgen, weil es ihr Daddy ist.

Ich weiß gar nicht, wie ich den Film noch weiter großartig beschreiben soll. Die Musik hat mir sehr gut gefallen, und er hat mich in gewisser Weise an Wo die wilden Kerle wohnen erinnert.

Sehr schöner Film, nicht nur für Kinder. Macht neugierig auf das Theateroriginal.



Titel: Beasts of the Southern Wild

Regie: Ben Zeitlin

Länge: 93 Minuten

Dienstag, 26. Februar 2013

Cucumber Quest

Niedlich, aber sowas von!


Cucumber, kurz Cuco, ist außer sich vor Freude, als er die Zusage für die beste Schule von Candyland bekommt! Endlich kann er weiter Magie lernen und--- dann kommt der königliche Briefträger mit einem Brief seiner Vaters. Cucumber muss sofort und unverzüglich die Welt retten! Dabei wäre seine Schwester Almond viel besser geeignet, mit ihrer abenteuerlichen Ader, Fechtkunst und dergleichen... aber nein, nur Cucumber, Jüngster in einer Familie traditionell legendärer Helden hat das Zeug dazu.
Erst das Traumorakel schafft es ihn zu überzeugen, oder besser gesagt die Notwendigkeit klarzumachen, denn irgendwie ist sie nicht wirklich so verlässlich wie man von einer Person annehmen sollte, die in die Zukunft schauen kann.

So begibt sich Cuco auf seine Reise die Welt zu retten. Nachdem ihn seine Mutter voller Stolz vor die Tür gesetzt hat. Die erste Station ist das königliche Schloss in Caketown, wo sich Cuco an den Wachen vorbeischleicht und seinen Vater im Verlies besucht. Der lässt auch nicht mit sich reden, zumal er es sich Stück für Stück immer gemütlicher macht in seinem Verlies.
Und als Cuco einen schnellen Weg zur Vereitelung des Weltuntergangs sieht, erlaubt ihm sein Vater diesen Weg nicht, denn das wäre ja langweilig D:

Kurz vor den Anfangsschritten seiner Quest, die Wiedererweckung des Albtraumritters zu verhindern, stößt dann doch noch Cuco's Schwester Almond zu ihm und will bei der Erfüllung dieser gewaltigen Aufgabe. Und fachlich betrachtet ist sie sowieso mit ihrer Abenteuerader und Fechtkunst eh besseres Heldenmaterial als der zaubernde Cucumber.



Fachlich betrachtet ist Cucumber Quest ein Webcomic, der sich im Handlungsaufbau merklich an klassischen SNES- und NES-Videospielen orientiert, mit einem Zeichenstil der in Richtung Wachsmalkreide und Kinderbücher geht.

Was ich bisher aber nicht erwähnt habe, ist die schnippische Art, wie die Charaktere teilweise miteinander umgehen. So ist sich Cuco beispielsweise darüber im Klaren, dass seine Schwester ein weit besserer Held wäre als er, aber anscheinend kann nur er der Held sein. Genauso sind die Figuren alle sehr eigensinnig durch ihre Rollen charakterisiert.

Ich weiß echt nicht, wie ich das besser beschreiben kann. Die Welt von Cucumber Quest ist sehr süß und verspielt, die Figuren liebenswert und die Handlung ein bisschen abgedroschen, worüber sich manche Charaktere aber auch bewusst sind.



Fazit: Es macht einfach Spaß zu lesen :)

Titel: Cucumber Quest (URL: http://cucumber.gigidigi.com/)

Autor: Gigi Digi

Sprache: Englisch

Länge: 350 Seiten, farbig

Status: Laufend, 2+ Seiten pro Woche

Mittwoch, 4. Juli 2012

Monsieur Lazhar

Nicht so französisch, wie man annehmen sollte.

Bachir Lahzar (ausgesprochen: Baschier Lahsaa) kommt aus Algier und wird durch die Zeitung auf eine freie Lehrerstelle an einer kanadischen Grundschule aufmerksam. Allerdings ist der Umstand der Stelle wenig erfreulich: Seine Vorgängerin hat sich im Klassenzimmer erhängt.

Bachir bekommt aufgrund seiner Referenzen dann doch die Stelle und reibt sich ein bisschen mit den Lehrmethoden, die er aus seiner Heimat anders gewohnt ist – die Anordnung der Tische, der Wissensstand der Schüler, ihre Betreuung durch eine Psychologin.

Die Kinder werden, teilweise zurecht, mit Samthandschuhen angefasst, falls denn überhaupt, und die Eltern lassen Bachir wissen, wie sie über seinen erziehenden Lehranspruch denken.

In einem zweiten, untergeordneten Handlungsstrang merkt man, dass Bachir an sich nicht wirklich Lehrer ist, und seine Aufenthaltsgenehmigung auch nicht wirklich den Stempel ”dauerhaft“ trägt.

Dem gegenüber steht der wachsende Druck auf Simon, einen Schüler der Klasse, der seine Lehrerin gefunden hatte. Es ist ein irrealer Druck, der aus dem Jungen selbst getragen wird, Selbstvorwürfe und verzweifelte Suche nach Gründen, warum sie es so arrangiert hatte, dass er sie finden würde.

Ich kann ehrlich gesagt nicht so viel über den Inhalt des Films sagen, weil er mich seltsam bewegt hat. Viele Aspekte, wie Helikoptereltern, die ständig über ihren Zöglingen schweben und aufsässig als willensstark umschreiben, oder lieber Fehler beim Lehrer als bei ihren Kindern suchen; die Entwurzelung, die ein Asylbewerber erfährt, die Angst, die einen erst zur Entscheidung Asyl treibt, die völlig fremde Kultur, all das wird angeschnitten, aber nicht in den Mittelpunkt gestellt.

Und so geht man aus dem Saal, mit dem beklemmenden Gefühl, nur ein Kapitel aus den Leben der beteiligten gelesen zu haben, ohne in den Genuss der vorherigen oder nachfolgenden Passagen gekommen zu sein.

Titel: Monsieur Lahzar

Regisseur: Phillippe Falardaeu

Länge: 94 Minuten

Mittwoch, 11. Januar 2012

Adventure Time


Man fragt sich bei Adventure Time with Finn and Jake gleich nach den ersten paar Minuten, ob die Macher dieser Trickfilmserie etwas nicht ganz legales zu sich genommen haben – alles ist seltsam. So beginnt beispielsweise die erste Folge mit aus Versehen zombifizierten Bonbonmenschen, welche sich auf die anderen Bonbonmenschen stürzen und deren Zucker wollen – also ihr "Fleisch". In ähnlich absurder Weise geht es weiter, wobei bei weitem nicht oft solche potentiell gruseligen Themen angeschnitten werden.

Doch fangen wir von vorne an. Finn ist ein zwölfjähriger Junge ist und Jake ist Mitte zwanzig, hat eine eher entspannte Haltung und ist ein magischer Hund, das heißt er kann sich in großem Maße dehnen, strecken und schrumpfen. Beide wohnen zusammen in einem Baumhaus und retten Prinzessinnen, raufen sich mit Raufbolden im Raufbolddorf, liefern sich Kämpfe mit dem Eiskönig und anderen Bösewichten und haben allgemein Spaß und Abenteuer. Von den beiden ist Finn das Energiebündel, während Jake meist relativ entspannt die Sachen angeht.

Natürlich gibt es Probleme und Konflikte, aber diese lassen sich meist mit einem Schwert bekämpfen oder mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft lösen. denn genau das wollen Finn und Jake – Abenteurer sein und jedem helfen, der Hilfe benötigt.

Und die Welt ist reich an Gelegenheiten zu beidem. Sehr viele ungewöhnliche Dinge auch jenseits von Süßigkeiten können reden und leben ihre Leben und allgemein folgt alles einer Logik, wie man sie in den Spielen und Träumen von Kindern erwartet. So gibt es beispielsweise statt Werwölfen Warumwölfe, Bonbonpersonen können durch ankleben von anderen Süßigkeiten wachsen, die Vampirin spielt Bass und seit Finn einen Computerchip verschluckt, kann er mit Computereffekten singen.

Dabei ist die Serie so erfüllt mit Klischees und Stilmitteln, dass man keinen Schritt gehen könnte ohne über eins zu stolpern. Durch ihre hervorragende Umsetzung macht es aber wirklich Spaß zuzuschauen! Allein schon die Dialoge, welche nicht dem Schnitt des Senders zum Opfer gefallen sind, machen die Serie in meinen Augen sehenswert.

Interessanterweise schwankt die Animation recht stark von Folge zu Folge, was ein nicht übertrieben rigides Markenbewusstsein vermuten lässt. Zum Beispiel sind üblicherweise Trickfilmserien sehr auf die Beständigkeit der Charakterdesigns bedacht, während bei Adventure Time Jake von Folge zu Folge schon mal eher rund oder eher lang sein kann. Anscheinend lässt man den Animationsteams und Regisseuren einen gewissen kreativen Freiraum, was ich persönlich toll finde.

Im Gegensatz zu vielen Trickfilmserien gilt bei Adventure Time der Status Quo nicht als unantastbar, sondern vielmehr wird ein recht hoher Wert auf Kontinuität gelegt. Glücklicherweise hält sich das aber im Hintergrund, wodurch ein Vorwissen nicht nötig ist und man jederzeit in die Serie einsteigen kann.

Als eher aktuelle Serie interagieren die Macher von Adventure Time sogar mit den Fans und bei ausreichendem Potential und Anklang werden Ideen und Vorschläge berücksichtigt, sowie mit dem Fakt von Fans an sich gespielt. Ein Beispiel dafür wäre die Idee mit dem Minikatzenattentäter, welche zu einer ganzen Folge ausgebaut wurde.

Noch etwas zum Hintergrund: Nach der Kurzfolge, die sehr gut im Internet ankam, hat Nickelodeon zweimal eine Serie abgelehnt, worauf hin sich Pendleton Ward an Cartoon Network wandte und sofort eine Zusage bekam. Aufgrund des mehrseitigen Humors, der sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht, hat die Serie eine breite Fanbasis für sich gewinnen können.

Zur Zeit wird die dritte Staffel ausgestrahlt, und für eine Umsetzung auf deutsch kann ich nur hoffen und bangen, denn obgleich der Humor nicht unübersetzbar ist, ist eine gute Umsetzung definitiv fordernd.



Titel: Adventure Time (with Finn and Jake)

Kreativer Kopf: Pendleton Ward, Adam Muto

Studio: Frederator

Länge: 13 Doppelfolgen je Staffel, 11 Minuten je Folge

Nachtrag: Ich bin mittlerweile im Besitz der deutschen DVDs der ersten Staffel, die übrigens vor den US-Varianten herauskamen, dafür aber weniger ikonische Cover und unterbestückt im Bereich Extras sind. Die deutsche Synchronisation ist gelungen und die Stimmen größtenteils gut besetzt, bloß von Prinzessin Bubblegum bin ich etwas enttäuscht. Für die interessierten, Adventure Time läuft zur Zeit täglich auf Cartoon Network und Sonnabends im Vormittagsprogramm von Kabel 1.

Mittwoch, 30. November 2011

Raum

Stelle dir vor deine Welt besteht nur aus einem Raum, du hast nie etwas anderes kennen gelernt, quasi dein ganzes Universum besteht aus vier Wänden, einer Tür, einem Oberlicht und deiner Mutter.

Du bist 5 Jahre alt.

Du bist Jack.

Dies ist Raum.

Jack freut sich auf seinen fünften Geburtstag. Er ist ein überaus kluger Junge, er kann bereits lesen und schreiben, kennt viele Wörter und ist überaus aufgeweckt. Seine Ma hat ihn über alles lieb, und er sie. Sie ist von morgens bis abends für ihn da. Sie macht ihm Frühstück, badet ihn anschließend, spielt mit ihm, schaut mit ihm fern (aber nur eine Sendung lang, sonst wird das Gehirn zu Mus). Danach spielt sie nochmal mit ihm, und macht ihm anschließend Mittag. Daraufhin bekommt er etwas, kurz vorm Mittagsschlaf, nach welchem sie wieder mit ihm spielt. Das können auch Lernspiele sein, wie zum Beispiel Papagei, bei dem Jack aus dem Kopf nachsagen muss, was Fernseher davor gesagt hat. Falls Jack ein Wort davon nicht kannte, erklärt Ma es ihm. Schon bald ist es Zeit für das Abendbrot, danach darf Jack wieder ein bisschen fernsehen. Seine beste Freundin ist Dora. Mit ihr geht er immer auf Entdeckungsreise und sie fragt ihn Sachen, und wenn er ihr hilft, dann freut sie sich. Die anderen Fernsehpersonen machen das nicht. Ma erzählt Jack oft Geschichten, auch wenn er alle schon kennt, oder liest ihm aus einem der Bücher vor, die er auch schon alle kennt. Aber vor 21 Uhr muss Jack in den Schrank und aus machen, denn dann kommt Old Nick. Ma mag Old Nick nicht. Jack hat Old Nick noch nie gesehen, außer ein bisschen durch den Schlitz in Schranktüre. Wenn Old Nick da und Jack in Schrank, aber noch nicht eingeschlafen ist, dann zählt er das Quietschen vom Bett.

Wie man sieht, die gesamte Geschichte ist aus der Sicht von dem Kleinkind Jack geschrieben, der in seinem ganzen Leben nur den Raum kannte, dessen Inhalt, seine Mutter und was ihm der Fernseher zeigte. Über den Verlauf der ersten beiden (von insgesamt fünf) Abschnitte wird Jack immer mehr klar, dass jenes, was er als nicht-echt kannte – alles im Fernseher – anscheinend doch echt-echt ist, so wie er oder Ma.

So erzählt ihm seine Mutter von der Außenwelt (das Draußen), und versucht ihm klar zu machen, dass vieles aus dem Fernsehen echt und real ist. Ein entscheidender Moment dürfte dabei ein Flugzeug gespielt haben, welches weit oben am Himmel flog und durch das Oberlicht zu sehen war – das stetig ähnliche Bild war unterbrochen.

So entwickelt Ma einen Plan, und setzt ihn zusammen mit Jack in die Tat um. Der Haken an der Sache: Für den Plan muss Jack sterben...

Klingt ja fast wie ein Klappentext °_°

Ich breche hier lieber mit dem Inhalt ab, weil ihr das Buch ja selbst lesen sollt, aber soweit ich es beschrieben habe, geht es etwa bis zur Hälfte.

Doch was ist Raum in Wirklichkeit? Es ist die Geschichte einer Entführung, Jahre nach dem Akt, einer Gefangenschaft, regelmäßiger Vergewaltigung und all dies aus den Augen und dem Verständnis eines Kindes.

Vieles von dem, was Jack's Mutter erzählt, begreift der Junge noch gar nicht, weil er nicht die Sozialisierung und geistige Reife hat, um die Zusammenhänge zu begreifen. Nicht so für die Leser, für uns stellt sich ein anderes Bild dar.

Eine junge Frau, zu damaliger Zeit Studentin im ersten Semester, wird von der Straße weg entführt, betäubt, in eine vorbereitete, schalldicht isolierte Gartenlaube gesteckt und über Jahre täglich vergewaltigt. Als sie schwanger wird und die Frucht dieser Gefangenschaft gebärt, steht Old Nick geschockt daneben, während das Kind mit unglücklich um den Hals gewickelter Nabelschnur bei der Geburt erstickt. Als sich eine zweite Schwangerschaft abzeichnet, lässt Ma (Jack kennt nur diese eine Bezeichnung für seine Mutter) Old Nick bei der Geburt nicht in ihre Zelle und gebärt Jack alleine.

Nur so zum klar stellen: Jack's Mutter ist 27. Sie kam in ihr Verlies mit 19 Jahren. Die Handlung spielt in der Jetztzeit.

Aber was macht den Reiz des Romans aus, wenn man mal von seiner tragischen Geschichte absieht? Die Welt aus Jack's Sicht. Seine Unterscheidung in echt und nicht-echt, sein Unglaube über Draußen, die Naivität seines Alters und die Erkenntnisfähigkeit weit jenseits eines Fünfjährigen. Es ist innereienverdrehend durch den Hintergrund und doch zugleich schön.

Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der gerne traurige oder emotionale und hoffnungsvolle Geschichten liest.

Titel: Raum

Autor: Emma Donoghue

Verlag: Piper

ISBN: 978-3492054669 (Gebunden, 416 Seiten)

Es gab da noch ein schönes Zitat, aber ich hab's vergessen...

Donnerstag, 29. September 2011

Evangelion 1.11

1995 veröffentlichte das japanische Animationsstudio Gainax eine Serie, die eine ganze Generation an Anime prägte und dem Genre der Mecha-Anime neues Leben einhauchte. Allerdings war die Handlung gewissermaßen kranke Scheiße. Psychisch auffällige Kinder steuern riesige Roboter zur Rettung der Menschheit, mit vielerlei Betrachtung der geistigen Zustände besagter Kinder und einem großen Schuss pseudoreligiöser Anspielungen garniert.

Doch der - passend bezeichnete - Rebuild of Evangelion überarbeitet viele Manko der alten Serie, setzt ein Budget ein, das dem epischen Auftritt gerecht wird und steigert die Animationsqualität auf hohes Kinoniveau.

Inhalt

Im Jahre 2000 explodierte ein sogenannter Engel am Südpol und löste damit eine Katastrophe bisher ungekannten Ausmaßes aus. Große Teile der Erdbevölkerung starben, ebenso alle ozeanischen Lebewesen und das Meer färbte sich dauerhaft rot.

15 Jahre später wird Shinji Ikari von seinem entfremdeten Vater nach Neo Tokyo 3 gerufen. Kaum angekommen wird er Zeuge, wie ein riesiges Monster ein unglaubliches Bombardement an Waffen und Munition einfach wegsteckt, bis er kurz darauf von Lieutenant Colonel Misato Katsuragi abgeholt zu werden.

Das riesige Monster ist anscheinend ein Engel, und Shinji soll gegen diesen aus einem gleichermaßen großen, menschenartigen Kampfmaschine auf Befehl seines Vaters hin kämpfen. Weigert er sich zuerst, so übernimmt er doch den Pilotensitz, als sein Ersatz, das sich vor Verletzungen und Schmerzen krümmende, gleichaltrige Albinomädchen Rei Ayanami, ihm vor Augen geführt wird.

Der Kampf ist kurz, brutal, und äußert schmerzhaft. Die Konstruktion des Menschenungetüms ist so ausgelegt, dass der Pilot es mit Gedanken steuern kann, aber diese Nähe geht auch rückwärts – Verletzungen des biologischen Konstrukts schmerzen auch den Piloten, selbst wenn die Verletzungen selbst nicht übertragen werden.

In der Schule schließlich residiert auch bloß die Shinji bereits bekannte Einsamkeit, doch lernt er es langsam, sich ein wenig zu öffnen. Für ihn unerwartet gewinnt er sogar Freunde.

Diese werden auch prompt beim Kampf gegen den fünften (für Shinji zweiten) Engel in Gefahr gebracht. Bei der Evakuierung der Zivilisten widersetzt sich Shinji dann dem direkten Befehl Katsuragis und greift den Engel frontal an.

Nach der offensichtlichen Rüge wegen Fehlverhaltens und Befehlsverweigerung im Schlachtfeld reißt Shinji aus und wandert in Gedanken versunken ziellos durch die Stadt und Umgebung.

Doch das war bei weitem nicht der letzte Engel und Shinji's Weigerung in einen Eva zu steigen ist der Bedrohungssituation nicht gerade förderlich...

Hintergrund

Wie eingangs erwähnt basiert die Rebuild-Reihe der Kinofilme auf dem Material der Fernsehserie und wahrscheinlich auch der Kinofilme und hält sich recht nah an die Vorlage. Im ersten Kinofilm kommen keine neuen Engel vor, aber es zeigen sich doch definitiv Änderungen im Vergleich zum Original – beispielsweise im rotgefärbten Meer. Ist man den Kanon gewohnt, muss man sich nicht großartig umgewöhnen.

Positiv hervorgestochen hat das verminderte Verweilen auf die Psyche der Kinder – sie habe zwar vielfach Probleme, aber die hat die Welt auch, und obgleich ihnen Augenmerk geschenkt wird, geht darüber nicht der Film verloren.
Shinji ist einsam und hat Berührungsängste, Rei (die verletzte Alternativpilotin) ist Emotionen an sich nicht gewohnt, diese Themen werden angeschnitten aber im Gegensatz zur TV-Reihe will man sich nach dieser Version nicht von der nächsten Brücke schmeißen (im übertragenen Sinne, versteht sich).

Von den Effekten und der Animation kann ich nur sagen, dass alle Register gezogen, aber noch nicht aufgelegt wurden. Viele Effekte und Animationen sind sehr gut in die gezeichneten Hintergründe eingearbeitet, so dass sie nicht negativ auffallen. Ich weiß nicht, wie viele Szenen neu animiert oder ersetzt wurden, aber der Qualitätsanstieg macht sich überaus positiv bemerkbar.

Shirō Sagisu, der Komponist und zuständig für den Soundtrack, zeigt was man mit einem ordentlichen Budget und epischem Ansatz erreichen kann, wobei mir da der zweite Teil streckenweise sogar noch besser gefällt.

Da man das anmerken sollte, auch die Synchronisation ist sehr gelungen. Die Sprecher sind professionell und größtenteils die gleichen wie aus der TV-Serie, mit Ausnahme von Misato und Rei. Die Abmischung ist ein Stückchen lauter als das Original, falls man also zwischen den Sprachversionen wechseln will, sollte man den Lautstärkeregler bereit legen, falls es einem zu laut/leise wird.

Fazit

Allein schon aufgrund der ungemeinen Qualität würde ich den Film empfehlen, aber man sollte immer im Hinterstübchen haben, dass es noch drei weitere Filme geben wird, wovon der zweite schon draußen (und auch in Deutschland veröffentlicht) ist und die letzten beiden Teile frühestens im Herbst 2012 in Japan erscheinen werden.

Titel: Evangelion:1.0 – You are (not) alone.

Regisseur: Hideaki Anno

Länge: 98 Minuten (Blaustrahl etwas länger)

Rezensionsexemplar: Evangelion:1.11 – You are (not) alone. auf Blaustrahl

Mittwoch, 28. September 2011

Limbo

Als Limbo, auf Deutsch Limbus, bezeichnet man einen Ort diesseits der Hölle aber jenseits des Lebens, an dem sich jene Seelen aufhalten, die ohne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen wurden. Dementsprechend wirkt das gleichnamige Spiel auch.

Inhalt

Man spielt einen kleinen Jungen, der in einer silhouetten Welt erwacht. Ohne zu wissen, wie man in diesen wunderlichen Wald gekommen ist, macht man sich auf den einzigen möglichen Weg. Über einen umgestürzten Baum hinweg rutscht man einen Hang hinab, überspringt eine mit Speeren gespickte Grube, übersteigt ein Konstrukt und passierst mit einem Boot ein seichtes, bedrohliches Gewässer.

So geht das im Wesentlichen weiter und nie erhält man eine Erklärung für das Geschehen. Weder von der gruseligen Spinnen, die einen mit ihren Beinen aufspießen, noch von den gruseligen Kindern, die Fallen bauen und mit Speer und Blasrohr Jagd auf einen machen. Stets geht es voran, durch den Wald, Höhlen- und Stadtlandschaft die alle so surreal sind, dass man es mit der Angst kriegt.

Kreaturen jagen ein, Maschinen rasen auf und ab, hin und her, mit dem offensichtlichen Ziel dem Jungen sein Leben zu nehmen. Es ist wunderbar furchteinflößend.

Spielelemente

Das Spiel ist in 2D gehalten, mit den bekannten 3D-wirkenden Hintergründen. Man steuert den Jungen auf seinem Weg durch die schwarz-weiße Welt und muss stets darauf achten, dass an dem Hang, den man gerade herunter rutscht, wahrscheinlich eine Fallgrube ist, dass Hebel nicht so funktionieren wie man unbedingt auf den ersten Fall annimmt und der Tod garantiert ist.

Der Schwierigkeitsgrad kommt nicht von ungefähr - beginnt der Anfang noch relativ großzügig, was die Bedrohungen angeht, so wird es mit der Zeit immer verzwickter, die Sprünge über Abgründe nicht weiter, sondern knapper, und mehr als einmal wird man beinahe sterben, bloß um dann wegen einer anderen Dusselei drauf zugehen.
Nicht umsonst erhält man eine/n der Trophäen/Erfolge für das Durchspielen mit nicht mehr als 5-maligem Sterben.

Der Soundtrack ist äußerst minimalistisch und besteht an und für sich ausschließlich aus den Geräuschen - Schritte, Maschinenkreischen, Spinnenbrummen, sowas halt. Nur in ausgewählten Bereichen unterstreichen sphärische und bedrückende Stücke die Stimmung.

Fazit

Ein Spiel zum Gruseln, im positiven Sinne. Ich mag kein Resident Evil oder solche Spiele, wo mich was erschreckt, und Limbo tut dies zwar mitunter, aber so passend, dass ich es verzeihen kann. Schade, dass es so schnell vorbei ist - wenn man keine Fehler macht, kann man es in einer Stunde durchspielen - aber immerhin stirbt man oft. Ergo, lohnt sich, aber spielt es im Dunkeln!

Titel: Limbo

Entwickler: Playdead

Genre: Grusel, Jump&Run, Rätsel