Posts mit dem Label Tiere werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tiere werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 11. August 2014

Drachenzähmen leicht gemacht 2

Ein aufgepflanzter Bösewicht zieht den guten Film herunter

Früher waren Berg und seine Bewohner mit Drachen auf Kriegsfuß, doch das ist seit fünf Jahren Geschichte, nachdem Hicks sich mit einem Nachtschatten angefreundet hat. (Drachenzähmen 1)

Heute leben die Wikinger in Eintracht mit den verschiedenen Drachen, und Hicks ist auf dem besten Wege in die Fußstapfen seines Vaters Haudrauf als Dorfoberhaupt zu treten. Bloß will er das nicht, sondern viel lieber zusammen mit seinem Drachen Ohnezahn die weite Welt erkunden und neue Länder entdecken.

Bei einer seiner Entdeckungsreisen stößt er auf einen anderen Drachenreiter, und schnell stellt sich heraus, dass der andere Drachenreiter zwar eine andere Methode zum Drachenzähmen verwendet, aber genauso wie Hicks viel von ihrem Handwerk versteht. Zu seiner Überraschung entpuppt sich die Drachenreiterin als Hicks' Mutter, Valka, die seit 20 Jahren als verschollen galt.

Sie hat die Zeit damit verbracht, die Drachen kennen zu lernen, ihre Eigenarten herauszufinden und zusammen mit ihnen zu leben. Dabei ist sie der festen Überzeugung, dass ihr Ehemann Haudrauf niemals ihre Einsichten über Drachen und deren Friedfertigkeit würde teilen können.

Der Gegenpunkt, die Beherrschung von Drachen statt der Koexistenz, hat sich Drago Blutfaust auf die Fahnen geschrieben, und er hat bereits dutzende Drachen unter seine Kontrolle gebracht. Sein nächstes Ziel: Berg…



Drago ist in einem Maße überflüssig, dass es schon traurig ist. Es wird gut ein Viertel des Films darauf verwendet, Valka als Charakter zu etablieren und zu charakterisieren, bloß um dann auf den oberflächlichen und offensichtlichen Bösewicht Drago überzuschwenken. Anstatt den möglichen Konflikt in den Ansichten über Drachen als Konfliktthema aufzugreifen, wird stattdessen Drago genommen, der von der Dynamik und dem Standard bekannter Geschichten nichts anderes als Bösewichtmaterial sein kann, insbesondere im Bezug auf die im ersten Teil durchgemachte Entwicklung des Wikingerstammes von Drachenjägern zu Koexistenz mit Hausdrachen.

Zudem wird durch die Einführung von neuen Charakteren die Charakterisierung der früheren und etablierten Charaktere vernachlässigt.

Ich frage mich, wie damit in der Vorlage von Cressida Cowell umgegangen wird, auf der beide Filme lose basieren.

Immerhin ist der Film atmosphärisch und musikalisch gut gelungen. Einen technischer Kritikpunkt würde ich aber noch anbringen: es gibt keine erratische Augenbewegung. Bei richtigen Menschen zucken die Augen immer ganz leicht, suchen sich stets neue Fokuspunkte im Gesicht des Gesprächspartner. Dies wurde leider nicht berücksichtigt, was die Figuren etwas unwirklich scheinen lässt.



Nett, aber durch Drago wird der erste Teil der bessere.

Titel: Drachenzähmen leicht gemacht 2

Regie: Dean DeBlois

Länge: 105 Minuten

Sonntag, 24. November 2013

Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte

Ein Mann zwischen zwei laublosen Bäumen; unter ihm in der Erde, verschlungen in den Wurzeln der Bäume, das Skelett eines Tyrannosaurus
Deprimierende Lebensumstände und Liebe

Joseph ist ein alter, jähzorniger Sozialhilfeempfänger, der in einer entsprechenden Lage wohnt. In einem Wutanfall tritt er seinem Hund die Rippen ein, woraufhin dieser stirbt. Wütend über sich und seine Taten türmt Joseph in den Secondhandladen von Hanna, einer gläubigen Christin.

In seinem Zorn macht er sie verbal nieder und führt ihr vor, wie Gutmenschen aus ihrer Schicht solche Wohltätigkeitsarbeiten nur als Egotrip machen, während sie keine Ahnung davon haben, wie es Menschen in prekären Lagen wie Joseph geht.

Was Joseph nicht weiß – Hanna ist zwar Christin, und sie betreibt den Laden sicherlich auch aus Nächstenliebe, aber auch um vor ihrem nach außen hin perfektem Mann zu fliehen.

Und so finden Hanna und Joseph zueinander, zwei gebrochene Menschen, die einander stützen.



Einer der bewegenderen und zugleich deprimierenden Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe ist Tyrannosaur nichtsdestotrotz ein sehr guter Film. Er lebt von den wenigen Charakteren, stellt die Lebenslagen und -gründe hervorragend dar und die schauspielerische Leistung ist sehr gut.

Zugleich ist die Handlung erschreckend real. Die Schrecken eines sozialen Brennpunktes kann es genauso hinter Fassaden versteckt in den verwöhnten Luxusvierteln geben, und Stärke ist durch mehr als sich selbst definiert.

Mit diesem Erstlingswerk ist Paddy Considine ein guter Einstieg ins Spielfilmgeschäft gelungen, auch wenn er Drehbuch und den Vorlagenkurzfilm selbst gedreht hatte.



Bedrückender Film, aber gut.

Titel: Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte

Regie: Paddy Considine

Länge: 91 Minuten



Beklemmendster Monolog seit langem war Hanna kurz vorm Epilog.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Housepets

Haustiere sind intelligent, mehr oder weniger



Peanut und Grape sind die Haustiere der Sandwich-Familie, ansässig in Babylon Gardens. Und in Housepets bedeutet dies, dass sie intelligent sind, wenn auch mit einem kindlichen Gemüt ausgestattet sind.

Peanut als Hund und Grape als Katze haben viele Freunde unter den Hunden und Katzen der Nachbarschaft, es gibt einen Hundeclub (Katzen sind wohl zu einzelgängerisch für einen Katzenclub) und obgleich es romantische Handlungsstränge gibt, sind diese nicht der Fokus des Webcomics.

Viel mehr folgt der Leser den verschiedenen irrigen Abenteuern, nicht nur von Peanut und Grape, obwohl sie die Hauptpersonen sind, sondern auch von den vielen anderen Tieren der Nachbarschaft; Die Polizeihundestaffel, der katzenhassende Bino und sein (heimlich) katzenliebender Bruder Fido, Peanuts parapsychische Freundin und die schwerreichen Frettchen.

Fast jeder Comic enthält einen oder mehr Witze, die in Handlungssträngen verflochten sind. Und obgleich Humor im Vordergrund steht, ist das nicht der alleinige Fokus des Comics. Es geht auch um die Akzeptanz und Integration von Haustieren in einer Welt, in der neben Intellekt  auch opponierbaren Daumen haben aber dennoch ebenso Instinkt und Nahrungskette folgen.

Im Verlauf des Comics hat sich Griffin zum Glück weiter entwickelt und unter anderem dank der Farbigkeit die verschiedenen Charaktere leichter unterscheidbar gemacht. Beim Lesen hilft es aber trotzdem öfters ein Blick auf die getaggten Charaktere zu haben, so dass man sie nicht verwechselt. Und als Bonus gibt es immer noch (meist witzigen) Alternativtext, wenn man mit der Maus über den Comic fährt.



Mir zumindest hat er gut Gefallen und öfters mal zum Schmunzeln gebracht.

Titel: Housepets (Url: http://www.housepetscomic.com/)

Autor: Rick Griffin

Länge: ca. 900 Seiten (die ersten ~90 schwarz-weiß, danach farbig)

Status: laufend, 3x wöchentlich

Sprache: Englisch (einfach bis mittel)

Montag, 22. Juli 2013

Morphic

Womit Mensch-Pokémon-Hybride umgehen müssten…

Die Pokémon-Welt: Dave ist Genetiker und Chef bei Heywood Labs, mit Brian und einigen weiteren Angestellten. Aus einer Schnappsidee und zufälligerweise passendem Geniestreich heraus entscheiden sie sich dafür, Mensch-Pokémon-Hybride zu schaffen. Der Geniestreich entpuppt sich als wirklich folgenreich, denn es klappt – nach Bearbeitung und Kombination der genetischen Anlagen befinden sich die 8 Experimente im fötalen Stadium.

Da platzt die Bombe und die Öffentlichkeit erfährt von dem Hybridisierungsexperiment. Weder Dave noch sonstwer hatte geplant die Föten bis zur Reife zu bringen, es war mehr eine Konzeptstudie, dass so eine tiefgreifende genetische Manipulation möglich ist, aber eine Anti-Abtreibungs-Bewegung fordert die Reifung und anschließende Erzeihung der Hybriden durch die "Missetäter". Durch unglückliche PR-Entscheidungen bleibt Heywood Labs nichts anderes übrig, als sich dem öffentlichen Druck zu beugen und die Föten in künstlichen Gebärmuttern und Brutkammern auszutragen und anschließend aufzuziehen.

Die acht Hybride unterscheiden sich teilweise stark, insbesondere in den Pokémonteilen ihrer Erbanlagen: Vulpix-Mädchen (Fuchsig), Mauzi-Junge (Kätzisch), Sichlor-Mädchen (Messerpsychopath), Schwalbini-Junge (Vogel), Lampi-Junge (Angelfisch), Traunfugil-Mädchen (Geist), Roselia-Mädchen (Rose) und Schneckmag-Junge (Schneckenlava).

Aufgrund ihrer unterschiedlichen Biologie altern die Kinder auch unterschiedlich stark und zeigen verschieden starke Beeinflussungen ihrer Pokémonabstammung. Nach einem Zeitsprung von zehn Jahren wird das besonders klar: Obgleich alle chronologisch etwa gleich alt sind, sind sie körperlich – und teilweise auch geistig – stark unterschiedlich, von 8 bis zu 17 Jahren alt.

Hinzu kommt, wie normale Kinder mit diesen Kindern mit Pokémon-/Tierzügen umgehen werden, ganz zu schweigen von der Kirche der Heiligen Wahrhheit…



So ziemlich die erste Pokémon-Fanfic, die ich gelesen habe und dann gleich sehr gut! Wie eingangs beschrieben beschäftigt sie sich mit Pokémonhybriden, gewissermaßen ähnlich zu Animorphs (die habe ich aber nie gelesen), aber mit einem großen Fokus darauf, wie der Alltag von solchen Hybriden aussehen würde. Als Ergebnisse von Experimenten sind sie nicht gerade mit überragenden Fähigkeiten gesegnet, so hat der Anglerfischjunge beispielsweise grenzwertig Glasknochen und der Schneckmagjunge darf sich nicht aufregen, weil sonst seine Körpertemperatur ansteigen würde, was seine menschlichen Organe beschädigen oder abtöten könnte.

Aber prinzipiell hat es keines der Kinder leicht, weil sie alle ausgegrenzt werden und Anfeindungen von religiösen Fanatikern ausgesetzt sind.

Ich wünschte, der Autor hätte mehr Zeit für die Charakterisierung aufgebracht. Obwohl er viel Fokus in die Schaffung der Welt steckte, wird dieser Aspekt beispielsweise durch die spätere rasante Handlung teilweise hinten angestellt. Hinzu kommt die große Anzahl an Charakteren in einer relativ kurzen Geschichte: Die Kinder und ihre Adoptiveltern sind zusammen schon über 20 Personen.



Trotz allem sehr interessant. Besonders die Gespräche von Dave mit dem Sichlor-Mädchen sind sehr interessant.

Titel: Morphic (URL: http://www.fanfiction.net/s/3553005/1/

Autor: Dragonfree

Länge: 60k+ Wörter (380 Seiten)

Sprache: Englisch (Mittel)

Status: Abgeschlossen

Samstag, 20. Juli 2013

After Earth


Vater-Sohn-Geschichte. Ach ja, spielt in der Zukunft!



Cypher Raige ist ein – wortwörtlich – furchtloser Ranger und zugleich glühendes Vorbild seines Sohnes Kitai. Dieser hat vor kurzem beim Einstellungstest für die Ranger teilweise mit Bestnoten abgeschnitten, aber fiel in der psychischen Evaluation durch. Von diesem Ergebnis enttäuscht nimmt Cypher bloß auf Zureden seiner Frau Kitai mit auf eine Mission.

Dummerweise geht alles schief, das Schiff zerbricht in zwei Teile und macht eine Bruchlandung. Mit mehr Schock als Blessuren übersteht Kitai diese, aber sein Vater hat weniger Glück und ist schwer verletzt. Zu allem Unglück ist auch noch die Notfunkbake beschädigt worden, so dass sich Kitai durch die Wildnis zum abgetrennten Heck durchschlagen muss, wo sich die andere Notfunkbake befindet. Cypher steht ihm dabei jedoch über Funk beiseite…



Ich habe die Handlung absichtlich so geschrieben, denn der Hintergrund in diesem Science-Fiction-Film ist wirklich das – Hintergrund. Es wird zu Beginn zwar der Grund für die Ranger beschrieben, und wieso Furchtlosigkeit so ein wichtiges Merkmal ist, aber für die Handlung ist das unerheblich.

Denn es geht darum, wie sich der Held und entfremdete Vater Cypher seinem Sohn stellen muss und umgekehrt, wenn die Vorbild- und Beschützerfigur Kitai's genau diese Aufgaben nicht mehr übernehmen kann. Gegenseitige Verbitterung muss überwunden werden, Vertrauen (wieder-)aufgebaut werden.
Bedenklich ist, dass der Vater ziemlich emotionslos wirkt und es nicht klar ist, inwiefern dies dank seiner legendären Furchtlosigkeit so ist. 

Eine interessante Unternote ist bei After Earth auch, dass das Vater-Sohn-Gespann von dem realen Pendant Will und Jaden Smith gespielt wird. Es stellt sich also unwillkürlich die Frage, wie viel von der Handlung und Positionierung der Personen Fiktion ist und wie viel der Realität entnommen wurde. Schließlich ist Will Smith ein sehr bekannter und erfolgreicher Schauspieler, während sein Sohn Jaden dadurch leicht unter Erfolgszwang steht, oder man es zumindest so sehen kann.
Diese Unternote ist wohl beileibe kein Zufall, stammte die Idee des Films doch von Smith selbst.



Fazit: Mehr eine Geschichte von Abenteuer und persönlichem Reifen als Science-Fiction

Titel: After Earth

Regie: M. Night Shyamalan

Länge: 100 Minuten

Mittwoch, 10. Juli 2013

Commander Kitty

Urheberrechte bei Scotty Arsenault

Weltraum, Abenteuer, Katzen



C.K., kurz für Commander Kitty, ist ein Spacer, was die Weltraumvariante von Abenteurern ist. Oder er will es sein. In Wirklichkeit ist er der Kapitän eines desolaten Schiffes mit einer seltsamen Mannschaft: Der Chefingenieur Mr. Socks ist ein unverständliches Frettchen, der erster Offizier Mittens bis auf ein Halsband nackt, die künstliche Intelligenz MOUSE aufmüpfig und Fluffy… ist ein unberechenbares Kätzchen. Wobei, die ganze Mannschaft mit Ausnahme von Socks sind Katzen.

Urheberrechte bei Scotty Arsenault
Wie dem auch sei, CK hat kürzlich einen Transporter ersteigert und wie es der Zufall so will könnte Ace, alter Freund von CK (und aus dessen Sicht Erzrivale und Vorbild), einen Transporter bei seinem aktuellen Auftrag gut gebrauchen.

Bei einem Testlauf vom Transporter landet über ein paar Umwege Nin Wah, ihres Zeichens Spacer und roter Panda, auf CK's Schiff und heuert nach ein paar Überredungsversuchen an, um sich heimlich Ace' Mannschaft anzuschließen.



Urheberrechte bei Scotty Arsenault
Commander Kitty ist einer dieser seltsamen Fälle, bei denen irgendwie alles stimmt. Die Charaktere sind witzig, die Handlung angenehm abgedroschen mit den richtigen überraschenden Wendungen und das ganze Universum liebenswert persiflierend.

Da wäre zum Beispiel die Weltraumpolizei Triple-I, die aufgrund von Budgetkürzungen unter anderem Strafen von 15 Minuten Müllsammeln für… nicht gerade Kavaliersdelikte. Der Haken an der milden Strafe? Müllsammeln außerhalb des Station, ohne Raumanzug, wegen den Budgetkürzungen, ihr versteht?

Der Stil ist, wie ihr seht, cartoonig, überzogen und vollkommen passend. Interessanterweise ist Commander Kitty, wie auch Treading Ground, an sich eine lange Serie, aber in diesem Fall entschied sich der Autor Scotty Arsenault für einen Neustart und nahm alles alte Material von der Seite. Leider ist er mittlerweile seinem eigenen Webcomic etwas überdrüssig, so dass zum Einen die Veröffentlichungsrate nachgelassen hat und zum Anderen er bereits angekündigte, dass es nach dem aktuellen Handlungsbogen vorbei sein wird. Ich hoffe, dass er zumindest nicht mittendrin aufhören wird…



Urheberrechte bei Scotty Arsenault
Sehr witzige Hommage an Weltraumopern und Abenteuergeschichten und -filme, mir hat's super gefallen.


Autor: Scotty Arsenault

Länge: 178+ Seiten, alle bunt

Sprache: Englisch, mittel

Status: Laufend, ca. wöchentlich, z.Zt seltener

Montag, 20. Mai 2013

Tales of the Questor

Quentyn stellt sich den Gragum (Alligatauren)
Vom Waschbären, der auszog Abenteuer zu überstehen



Quentyn, ein Rac Cona Daimh (quasi intelligente, antropomorphe Waschbären), ist gerade vierzehn Jahre alt und lebt bei seinen bäuerlichen Eltern im beschaulichen Dorf Freeman Downs. Zu seinen Aufgaben gehört es, sich zusammen mit seinem Vater um die Felder zu kümmern, aber auch sich eine Beruf auszusuchen. Für Quentyn ist das aber nicht so leicht, denn er ist von kleiner Statur, magisch unzureichend begabt, aber auch nicht mit einer ruhigen Hand für die feineren Berufe gesegnet. Davon abgesehen verliert er sich gerne in die Geschichten von Questoren, lizenzierten Abenteurern. Sie bekämpfen Drachen und retten Jungfrauen aus Nöten und seit hundert Jahren gab es keinen mehr.

Engel in Hirschgestalt
Bei der Berufungszeremonie, einem nicht bindenden aber bedeutendem Brauch, wählen die Kits (noch nicht erwachsene Rac Cona Daimh), welchen Beruf sie ergreifen wollen, und Quentyn weiß immer noch nicht, was er werden will, oder bei seinem Mangel an Begabung überhaupt werden kann. Unschlüssig begleitet er seinen Vater und erhält sogar ein Zeichen…

„Questor‟ ist ein eher lose definierter Beruf, einer der sich aus den Umständen ergibt. Im wesentlichen könnte man es wohl als Held auf Abruf oder schnelle Eingreiftruppe beschreiben, als jemand, der bei Notwendigkeit schnell reagieren kann auf unerwartete Situationen. Und Quentyn entscheidet sich dafür. Die erste Zeit muss er Spott und Schalk ertragen und sich erst mal etablieren; anschließend? Langeweile, unterbrochen von Ausbrüchen von Aktivität und Angst.

Stück für Stück übersteht Quentyn Abenteuer, die oft nicht als solche beginnen; die sein Handeln mitunter nicht gebraucht hätten, aber durch ihn doch schneller und unkomplizierter gelöst wurden. Er macht sich ein Namen, wird bekannt, wächst als Person. Natürlich musste etwas dazwischen kommen, und so verlässt er das seine Heimat und zieht auf seiner bisher größten Quest in das Reich der Menschen jenseits der Nebelwand…
Das Luftschiff bricht jenseits der Nebelwand auf



Der Autor Ralph Hayes Jr. versteht es, eine interessante Welt zu gestalten, das kann keiner abstreiten. Die Rac Cona Daimh (Raccoon, klick gemacht?) leben in einem von einer Nebelwand, Stürmen und Sümpfen umgrenzten Gebiet, alles selbst geschaffene Hindernisse. Sie haben Magie soweit analysiert, dass sie einen Zweig der Wissenschaft darstellt und problemlos reproduzierbar ist, wenn man die unterliegenden Prinzipien kennt. Es gibt Luftschiffe, moderne Forschung, eine Republik als Regierungsform. Viele Bräuche und im Hintergrund stattfindende Ereignisse werden in einem Tagebuch erläutert.

Womit wir bei einem Kritikpunkt sind: ca. 40% des aktuellen Kapitels bestanden aus diesem Tagebuch, was zwar sehr informativ ist, aber die Handlung nicht weiter treibt. Insbesondere wenn die Charaktere gerade in einer prekären Situation sind, ist das frustrierend.
Quentyn begegnet dem Weißen Hirsch
Ein Anderer ist Religion. Obwohl Hayes einen mit seiner christlichen Weltanschauung nicht gerade erschlägt, verhüllt er sie auch nicht gerade. Für mein Empfinden kabbelt sich das etwas mit der wissenschaftlichen Herangehensweise und Aufklärung der Rac Cona Daimh. 

Man sieht ein gewisses künstlerisches Wachstum, wenn man die Seiten von Anfang und Ende vergleicht, zudem ist das Lesegefühl und -geschwindigkeit durchgehend angenehm. Wahrscheinlich der Grund für das Stören der Tagebuchteile…



Titel: Tales of the Questor (übersetzt: Geschichten vom Questor URL: http://www.rhjunior.com/totq/)
Quentyn hat den Flamenstoß eines Drachen überstanden und fordert ih heraus
Autor: Ralph Hayes Jr.

Sprache: English, das Sumpfkapitel ist durch den Dialekt schwierig, ansonsten ok.

Länge: 700+ Seiten, farbig (davon ca. 100 Seiten Tagebuch, schwarz-sepia)

Status: Laufend, sporadische Veröffentlichung

Sonntag, 7. Oktober 2012

Madagascar 3: Flucht durch Europa

Besser als Madagascar 2

Löwe Alex, Zebra Marty, Giraffe Melman und Nilpferd Gloria sowie Pinguine und Affen brachen im ersten Teil von Madagascar aus ihrem Zoo in New York aus, um Mal die große weite Welt zu sehen und dann auf Madagaskar zu landen. Im Teil packt die vier das Heimweh und ihr Versuch nach New York zurückzukehren führt zu einer Bruchlandung in Afrika. Dort gewöhnen sich Alex, Marty, Melman und Gloria an die Wildnis, aber die Pinguine und Affen wollen einen Trip nach Monte Carlo machen. Hier setzt der dritte Teil an.

Alex hat erwartet, dass die Pinguine und Affen zurückkommen würden, aber als nach Monaten immer noch keiner wiedergekommen ist, muntern ihn seine Freunde auf und beschließen, zurück in den New Yorker Zoo zu gehen, mit Umweg über Monte Carlo.

Dort machen sie bald die Drückeberger aus, die in der Gestalt des Grafen von Versailles am Roulettetisch ihr Geld mehren. Dummerweise fliegen sie alle auf und verlassen panisch das Casino, verfolgt von der terminatorartigen Tierfängerin DuBois. In ihrem Eifer, an die Haut von Alex zu kommen, rennt sie durch Wände und vollführt Stunts, die Luc Bessons Taxi-Filme wie Möchtegerns dastehen lässt.

Bei ihrer Flucht verstecken sich sie die Zootiere in einem Zirkuswaggon. Dieser Zirkus wird durch Europa tingeln und bietet somit eine gute Versteckmöglichkeit. Leider besteht der gebrochene Startiger aber darauf, dass nur Zirkustiere mitfahren dürfen, und so geben sich unsere Helden als eben solche aus.

Schließlich ergibt sich die Möglichkeit von London aus nach New York zu fliegen über einen amerikanischen Käufer für den Zirkus, bloß wie bereits schon erwähnt, ist der Star gebrochen, die Nummern abgehalftert und alles ist uninspiriert und dröge.

Bis Alex das Ruder in die Pfote nimmt und eine Zirkusshow auf die Beine stellt, welche allein schon den Eintrittspreis wert ist.

Wieso ich den dritten Teil besser finde als den zweiten? Ganz einfach: Er ist humorvoller und besinnt sich zurück auf die Stärken des ersten Teils, wie Fisch-aus-dem-Wasser-Komponente. Interessant dabei ist, obgleich meiner Erwartungen eines typischen Abklapperns von europäischen Sehenswürdigkeiten und Klischees hält sich das überaus in Grenzen und ist teilweise auch selbstironisch.

Will damit sagen, ich habe mich herrlich amüsiert!

Titel: Madagascar 3: Flucht durch Europa

Regie: Eric Darnell, Tom McGrath, Conrad Vernon

Länge: 93 Minuten

Samstag, 15. September 2012

Existence

…oder 101 Gründe, wieso wir nie auf echte (nicht fiktive) Aliens gestoßen sind.

David Brin hat sich mit seinem aktuellen Buch einige Zeit genommen, um genau zu sein sind es 10 Jahre seit Copy (im Original: Kiln People) in den USA erschien, oder 7 für die deutsche Veröffentlichung.

Wie schon in einem seiner vorigen Bücher, Erde, spielt die Handlung nur einige Jahrzehnte in der Zukunft, mit einigen interessanten technologischen Entwicklungen. So ist das Internet noch umfassender geworden und hat sich zu verschiedenen Schichten, die Folien gleich über die Realität gelegt werden können, gemausert. Die Entwicklung von künstlichen Intelligenzen, KIs bzw. AIs, ist – wie immer – kurz davor, den Durchbruch zu schaffen und eine echte, wahre künstliche Intelligenz zu erschaffen, während eine versehentliche, nicht replizierbare bereits durch das Netz schleicht.

Mannigfaltige Entwicklungen haben dazu geführt, dass sich die Weltbevölkerung einigermaßen stabilisiert, aber trotzdem keine Mangelversorgung herrscht. Es gibt verschiedene politische Blöcke, wie eine Erdunion, Großchina, die Vereinigten Staaten, etc., aber die verschiedenen hochkomplexen Algorithmen und KIs prophezeien, dass der aktuelle Mitigierungsversuch, der Big Deal, innerhalb von ein paar Jahren scheitern wird und es zu einer Art Klassenkampf zwischen einem privilegierten Adel (basierend auf Geld, Blutlinien, und anderem Schnickschnack) und den weniger privilegierten Massen kommen wird.

Einen besänftigenden Druck übt die Verzichtsbewegung aus, welche die rasanten technologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Entwicklungen bremsen und kontrollieren will.

Und in genau diesem prekäre Gleichgewicht sammelt der Weltraummüllmann Gerald Livingstone ein kristallines Objekt ein, das äußert ungewöhnliche Eigenschaften aufweist. Parallel dazu verfolgt der Leser eine Zeit lang Hamish Brookeman, eine Art hoch erfolgreicher Autor von Technothrillern, nicht Michael Crichton unähnlich, der die Verzichtsbewegung unterstützt. Und dann gibt es da noch die neue Reporterin Tor, die gerade einer Story auf der Spur ist, als ihr was interessanteres dazwischen kommt.

Brin gestaltet eine interessante und in Zügen plausible Welt, mit interessanten und glaubwürdigen Charakteren. Dabei ist der Unterton, der sich unentwegt durch die ganze Handlung zieht, wieso dort im Weltraum diese Große Stille herrscht.

Denn, sind wir mal ehrlich, unter der Annahme, dass es intelligentes Leben außerhalb unseres Sonnensystems gibt, wieso haben wir von denen noch nie was gehört? Gehen wir davon aus, dass wir in einem Einsteinschen Universum sind, also keine überlichtschnellen Antriebe, keine Antischwerkraft wie wir sie aus den Weltraumopern kennen, dann… ist die Frage die gleiche. Vielleicht ist es zu kostspielig, Kolonieschiffe zu benachbarten Systemen zu schicken, aber Sonden sollten doch gehen, oder? Gehen wir davon aus, wir schicken Sonden zu nahegelegenen Systemen, und wollen das ganze effizient machen, also machen wir sie ein bisschen größer und geben ihnen die Fähigkeit, sich selbst zu reproduzieren. Okay, dann brauchen sie Jahrhunderte zu einem anderen Stern, und vielleicht nochmal Jahrhunderte, um Nachkommen zu bauen und loszuschicken, während die Muttersonde ihre Beobachtungen zur Erde schickt.

Also wieso sehen wir dort draußen keine Sonden von solchen Aliens?

Gibt es einen großen Filter, einen Selektor, der solche Sonden verhindert?

Dies sind die Fragen, denen sich die Charaktere in dem Buch widmen. Dies sind die Fragen, welche es zu beantworten gilt. Und eine Antwort ist dringend notwendig, den vielleicht ist die nahende Klassenkrise der Selektor?

Von diesen Grübeleien abgesehen bin ich von Existence angetan, denn ungleich einiger anderer Werke von Brin (Uplift, Copy, Erde, Postman), ist dieses mal das Finale nicht fantastisch bis grenzwertig hanebüchen.

Ein besonderes Augenmerk verdient noch die Sprache. Sind die meisten Begriffe von mittlerer Schwere in der Verständlichkeit, so kommt es doch beiläufig zu Worten, die man als Zweitsprachler auch nicht aus dem Zusammenhang zufriedenstellend deuten kann. Dazu kommen noch Neuschöpfungen von Worten, um einen Futureslang zu erschaffen, der Authentizität verleihen soll. Davon abgesehen macht nur Profnoo mit seinem Jamaikaakzent Probleme, aber was will man machen...

Titel: Existence

Autor: David Brin

Sprache: Englisch (mittel bis kreativ)

Länge: 556 Seiten

Freitag, 27. Juli 2012

Ice Age 4 – Voll Verschoben

Brauchbare Fortsetzung

Im neusten Teil von Ice Age wird die altbekannten Truppe – Mammut Manni, Säbelzahn Diego, Faultier Sid – am Anfang von Sids Familie heimgesucht, die ihrerseits bloß die resolute, aber leicht senile Oma abladen wollten. Währenddessen übt Manni's Tochter den Aufstand, denn ihr Vater will nicht in seinen Schädel bekommen, dass sie nunmehr jugendlich und nicht mehr das kleine Mädchen von früher ist. Es kommt, wie es kommen muss und die beiden überwerfen sich.

Dummerweise hat sich die Beutelratte Scrat in ihrem Nusswahn diesen Moment ausgesucht, um aus Versehen Flipper mit den Kontinenten zu spielen. Die Kontinentalgräben tun sich auf, es entstehen Subduktionszonen und die alte Heimat wird in Anlehnung an den ersten Ice Age von einer sich vorschiebenden Wand – diesmal Fels statt Eis – langsam ausgelöscht.

Im Verlauf dieser Verwerfungen werden die Drei+Oma vom Rest der Herde getrennt und treiben auf einem Eisberg aufs offene Meer, wo sie bald genug von Piraten aufgeschnappt werden. Erster Offizier des Primatenkäptn's: eine Säbelzahntigerin. Den romantischen Teil der Handlung kann man sich also denken.

Für einen Animationsfilm kommt relativ wenig 3D zum Einsatz, ist dafür aber nicht unnötig in den Vordergrund geschoben. Eine unaufdringliche Bereicherung, möchte ich sagen.

Von der Witzigkeit ist der vierte Teil erstaunlich nah am Original, und der Humor ist zumeist Slapstick, der vor allem gespeist wird durch die absurden Charaktere. Angenehm aufgefallen ist mir, dass der Handlungsfaden von Scrat dieses Mal sich gut mit denen von Manni und Co. kreuzt, ohne sich ihnen aufzudrängen, das wurde gut gelöst.

Parallel zu diesen macht die Tochter eine Entwicklung durch, denn die Flucht vor der Steinwand zeigt ihr den Unterschied zwischen Schwarm und Freundschaft sowie Leichtsinn und Mut.

Alles in allem eine solide Fortsetzung, die mir besser im Gedächtnis haften bleiben wird als die beiden vorigen Fortsetzungen.

Titel: Ice Age 4 – Voll Verschoben

Regie: Steve Martino, Mike Thurmeier

Länge: 88 Minuten

Überrascht hat mich, dass, obwohl Scrat durch die Einbindung als Vorfilm rausgefallen war, ein Vorfilm mit den Simpsons gezeigt wurde, genauer gesagt die Abenteuer von Maggie bei einem Tag im Kindergarten. Der hatte mir sehr gut gefallen, ein nettes Schmankerl für den Lachmagen.

Freitag, 13. Juli 2012

Wolfsbrüder

Eine Art Biografie eines modernen Mogli

Wolfsbrüder ist ein recht interessanter Film, der von einer wahren Geschichte berichtet, die sich in Spanien zur Zeit der Francodiktatur abgespielt hat.

Marcos und sein Bruder sind Ziegenhüten. Das Leben ist hart, aber einfach. Als ihre Herde von Wölfen angegriffen wird, ändert sich das schlagartig. Es gelingt ihnen zwar, das kleine Rudel zu vertreiben, aber nicht ohne herbe Kosten: Der Hütehund stirbt bei der Verteidigung und einige Schafe werden gerissen.

Als die Jungs müde und verängstigt zu Hause ankommen, werden sie von der Schwiegermutter gescholten und dem Vater bleibt aufgrund der sozialen Verhältnisse nichts anderes übrig, als zur Entschädigung des Verlustes dem Großgrundbesitzer der Gegend seinen Sohn zu übertragen.

Der nur unwillige Herr nimmt den Ausgleich an und schickt Marcos in das Tal der Stille zu einem Einsiedler, der dort lebt und Ziegen hütet. Dieser ist, wie man sich eine Person vorstellt, die freiwillig weit ab von Menschen lebt: schweigsam, mürrisch, naturverbunden.

So lernt Marcos langsam durch Imitation und Beobachtung die Methoden, alleine in der Wildnis zu überleben, bis der Einsiedler langsam sein Herz öffnet und ihm dabei hilft. Er zeigt ihm, wie man Hasen und Vögel fängt, welche Pflanzen und Kräuter essbar und hilfreich sind, und wie man mit dem lokalen Wolfsrudel umgeht, damit dieses nicht die Ziegen reißt.

Denn die Wölfe und der Einsiedler scheinen zu einer stillen Übereinkunft gekommen zu sein. Sie respektieren einander, und die Wölfe bekommen ab und zu einen der gefangenen Hasen, dafür reißen sie keine der Ziegen. Marcos lebt sich ein und schließt sogar eine Art Freundschaft mit einem der Wölfe.

Das ändert sich, als der Einsiedler erkrankt und die vorhandenen Mittel nicht ausreichen, ihn zu kurieren. Es kommt wie es kommen muss und Marcos ist auf sich allein gestellt. Jahrelang.

Der Film teilt sich in zwei Teile, die zum einen den siebenjährigen und zum anderen den erwachsenen Marcos zeigen. Leider kann der Ältere nicht mit seinem jüngeren Pendant mithalten.

Die Kindheit wirkt wie aus einem Märchenfilm der DEFA entnommen: Das Ziegenhüten ist unbeschwert, die schlagende Stiefmutter, der trinkenden Vater, der böse Herr, der Angriff der Wölfe und damit verbundene Verlust der Umwelt.
Die erwachsene Zeit hingegen entspricht mehr einem Hollywoodklischee: Der junge Mann läuft in Fellen gehüllt über Steine und Sträucher, heult mit den Wölfen und wird schließlich gefangen genommen.

Was aber nicht in einem DEFA-Film vorkommen würde, sind die Naturaufnahmen der kargen Landschaft und die Unbarmherzigkeit nach dem Verlust des Einsiedler. Darin glänzt der Film wirklich, in der Charakterisierung des jungen Marcos. Man kann sich sehr gut einfühlen in den verstoßenen Jungen und sein Schicksal, so wie er sich den Umständen anpasst und lernen muss, mit dem Frust seines Loses umzugehen.

Alles in allem ein ordentlicher Film mit Schwächen im zweiten Teil, kürzeren Teil.

Titel: Wolfsbrüder

Regisseur: Gerardo Olivares

Länge: 107

Mittwoch, 11. Januar 2012

Adventure Time


Man fragt sich bei Adventure Time with Finn and Jake gleich nach den ersten paar Minuten, ob die Macher dieser Trickfilmserie etwas nicht ganz legales zu sich genommen haben – alles ist seltsam. So beginnt beispielsweise die erste Folge mit aus Versehen zombifizierten Bonbonmenschen, welche sich auf die anderen Bonbonmenschen stürzen und deren Zucker wollen – also ihr "Fleisch". In ähnlich absurder Weise geht es weiter, wobei bei weitem nicht oft solche potentiell gruseligen Themen angeschnitten werden.

Doch fangen wir von vorne an. Finn ist ein zwölfjähriger Junge ist und Jake ist Mitte zwanzig, hat eine eher entspannte Haltung und ist ein magischer Hund, das heißt er kann sich in großem Maße dehnen, strecken und schrumpfen. Beide wohnen zusammen in einem Baumhaus und retten Prinzessinnen, raufen sich mit Raufbolden im Raufbolddorf, liefern sich Kämpfe mit dem Eiskönig und anderen Bösewichten und haben allgemein Spaß und Abenteuer. Von den beiden ist Finn das Energiebündel, während Jake meist relativ entspannt die Sachen angeht.

Natürlich gibt es Probleme und Konflikte, aber diese lassen sich meist mit einem Schwert bekämpfen oder mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft lösen. denn genau das wollen Finn und Jake – Abenteurer sein und jedem helfen, der Hilfe benötigt.

Und die Welt ist reich an Gelegenheiten zu beidem. Sehr viele ungewöhnliche Dinge auch jenseits von Süßigkeiten können reden und leben ihre Leben und allgemein folgt alles einer Logik, wie man sie in den Spielen und Träumen von Kindern erwartet. So gibt es beispielsweise statt Werwölfen Warumwölfe, Bonbonpersonen können durch ankleben von anderen Süßigkeiten wachsen, die Vampirin spielt Bass und seit Finn einen Computerchip verschluckt, kann er mit Computereffekten singen.

Dabei ist die Serie so erfüllt mit Klischees und Stilmitteln, dass man keinen Schritt gehen könnte ohne über eins zu stolpern. Durch ihre hervorragende Umsetzung macht es aber wirklich Spaß zuzuschauen! Allein schon die Dialoge, welche nicht dem Schnitt des Senders zum Opfer gefallen sind, machen die Serie in meinen Augen sehenswert.

Interessanterweise schwankt die Animation recht stark von Folge zu Folge, was ein nicht übertrieben rigides Markenbewusstsein vermuten lässt. Zum Beispiel sind üblicherweise Trickfilmserien sehr auf die Beständigkeit der Charakterdesigns bedacht, während bei Adventure Time Jake von Folge zu Folge schon mal eher rund oder eher lang sein kann. Anscheinend lässt man den Animationsteams und Regisseuren einen gewissen kreativen Freiraum, was ich persönlich toll finde.

Im Gegensatz zu vielen Trickfilmserien gilt bei Adventure Time der Status Quo nicht als unantastbar, sondern vielmehr wird ein recht hoher Wert auf Kontinuität gelegt. Glücklicherweise hält sich das aber im Hintergrund, wodurch ein Vorwissen nicht nötig ist und man jederzeit in die Serie einsteigen kann.

Als eher aktuelle Serie interagieren die Macher von Adventure Time sogar mit den Fans und bei ausreichendem Potential und Anklang werden Ideen und Vorschläge berücksichtigt, sowie mit dem Fakt von Fans an sich gespielt. Ein Beispiel dafür wäre die Idee mit dem Minikatzenattentäter, welche zu einer ganzen Folge ausgebaut wurde.

Noch etwas zum Hintergrund: Nach der Kurzfolge, die sehr gut im Internet ankam, hat Nickelodeon zweimal eine Serie abgelehnt, worauf hin sich Pendleton Ward an Cartoon Network wandte und sofort eine Zusage bekam. Aufgrund des mehrseitigen Humors, der sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht, hat die Serie eine breite Fanbasis für sich gewinnen können.

Zur Zeit wird die dritte Staffel ausgestrahlt, und für eine Umsetzung auf deutsch kann ich nur hoffen und bangen, denn obgleich der Humor nicht unübersetzbar ist, ist eine gute Umsetzung definitiv fordernd.



Titel: Adventure Time (with Finn and Jake)

Kreativer Kopf: Pendleton Ward, Adam Muto

Studio: Frederator

Länge: 13 Doppelfolgen je Staffel, 11 Minuten je Folge

Nachtrag: Ich bin mittlerweile im Besitz der deutschen DVDs der ersten Staffel, die übrigens vor den US-Varianten herauskamen, dafür aber weniger ikonische Cover und unterbestückt im Bereich Extras sind. Die deutsche Synchronisation ist gelungen und die Stimmen größtenteils gut besetzt, bloß von Prinzessin Bubblegum bin ich etwas enttäuscht. Für die interessierten, Adventure Time läuft zur Zeit täglich auf Cartoon Network und Sonnabends im Vormittagsprogramm von Kabel 1.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Das Leben ist kein Streichelzoo

Ehrlich gesagt, habe ich spontan das Original "squirrel seeks chipmunk" statt der deutschen Übersetzung gekauft, weil... nun ja, der Titel war einfach herrlich absurd ansprechend und gepaart mit der Coverillustration... Es war ein Hüftschuss, der sich gelohnt hat!

Doch um was geht es eigentlich: Im Prinzip schreibt David Sedaris eine Anzahl an kurzer Geschichten mit Tieren als Hauptcharakteren. Man kann ihnen problemlos einen fabelartigen Charakter zuweisen, ohne sich allzeit von dem literarischen Begriff der Fabel selbst zu entfernen. Oftmals haben die Geschichten eine Moral oder Lektion, die offen genug ist, dass die meisten Leser sie ohne weiteres erkennen können.

Als Beispiel sei einfach die Geschichte der mutterlosen Bärin erwähnt. In ihr stirbt die Mutter der Bärin unerwartet und letztere ist geschockt und traurig. Doch basierend auf den Reaktionen ihrer Mittiere, dass ihre Mutter so plötzlich fort war, drückt die Bärin auf die Tränendrüse und baut ihr ganzes Wesen um diesen tragischen Vorfall auf. Als ihre Mittiere dann langsam die Mitleidstour leid sind, entschließt sich die Bärin umzuziehen dorthin, wo ihre Nachbarn wieder Verständnis für die ach so arme Bärin haben werden.
Schließlich setzt sie dem ganzen die Krone auf, als sie ihre traurige Geschichte mit mittlerweile falscher Trauer einem Artistenbären erzählt, der grün-und-blau geschunden, mit ausgeschlagen Zähnen für Publikum tanzen muss. Er hat kein sonderlich großes Mitleid, befindet er sich selbst doch in einer vergleichsweise schlechteren Position. Die Artisten selbst greifen die Gelegenheit beim Schopfe, töten ihren alten Bären und schnappen sich die trauernde Bärin. Nachdem sie sie ebenso "gezähmt" haben wie den Vorgänger, tanzt nun die Bärin für das Publikum und nuschelt durch bloßes Zahnfleisch und Maulkorb die Geschichte ihrer Mutter, wie sie doch ach so plötzlich starb...

Was ich an der deutschen Version gelesen habe, erscheint mir die Übersetzung gelungen und passend. Das Lesegefühl ist gut wieder gegeben, was nicht so leicht ist, wie man annehmen sollte.
Davon abgesehen, das Buch liest sich einfach schön – viele der hintergreifenden Gedanken der handelnden Personen werden veranschaulicht, und effektiv die Handlungsweise verschiedener Menschen persifliert. Was für den einen als wendehälsisches Verhalten erscheint, ist für den Wendehals mitunter nur zu logisch und somit für den Leser nachvollziehbar.

Ein erwähnenswertes Merkmal ist übrigens noch, dass anscheinend Tiere mit Tieren reden können, aber idealerweise ein Raubtier nicht unbedingt sich auf einen Plausch mit seiner Nahrung einlassen sollte. Je nach Gewissen des Raubtieres, hat es dann vielleicht Reue oder dergleichen nach dem Verzehr.

Als Fazit kann ich sagen, dass das Buch mehrere Themen und Verhaltensweisen anschneidet, die einem mitunter unangenehm sind - Die Mitleidsheischer, beispielsweise, oder auch der gewalttätige Ehemann - und einen interessanten Einblick in deren Verhaltensweisen und Gedankengänge gewähren. Mir hat's gefallen.

Titel: Das Leben ist kein Streichelzoo

Autor: David Sedaris

ISBN: 978-3896674449 (gebunden, keine Taschenbuchausgabe)

Samstag, 1. Oktober 2011

Rango

Ein leicht gestörtes Chamäleon rettet eine Westernstadt vorm Verdursten. Das wäre die Handlung in einem Satz zusammengefasst, aber ich denke, ich werde einfach mal etwas weiter ausholen:

Inhalt

Der Film beginnt damit, ein Chamäleon zu zeigen, dass mit schauspielerischen Eskapaden seine Zeit im Terrarium vertreibt und dabei Selbstgespräche mit einem Aufziehfisch, einer Playmobilpalme und dem kopflosen Oberkörper einer Barbiepuppe führt.

Dies ändert sich, als durch ein Ausweichversuch wegen einem Gürteltier auf der Straße das Terrarium des Chamäleons vom rasant fahrenden Umzugswagen geschleudert wird und auf dem Wüstenasphalt aufschlägt. Dort auf der Straße trifft der Namenlose ein überfahrenes, weises Gürteltier, welches ihm die Richtung zur nächsten Stadt weist. Niedergeschlagen macht sich unser Held auf den Weg und nach einigen Eskapaden (Habicht + Chamäleon = Probleme) und einer durchträumten Nacht wird er von der resoluten Wüstenleguanin Bohne (ihr Vater mochte Bohnen wirklich) aufgelesen wird. Kurz vor der Stadt wirft sie ihn aber wieder vom Wagen, so dass er den letzten Rest des Weges alleine zurück legt.

Mit seinem Hawaiihemd fällt unser tarnungsfähiger Freund natürlich auf wie ein bunter Hund, bis er durch eine münchhausen-verdächtige Aktion den Habicht erledigt und spontan zum Sheriff ernannt wird, mit allen dazugehörigen Privilegien, wie beispielsweise westerngerechte Kleidung. Bei dem Habichtunfall fiel aber bereits das zweite Mal der eklatante Wassermangel der Stadt auf, und nach einem Blick in den Tresorraum der Bank (wo das Wasserlager ist), setzt Rango sich das Ziel, wieder Wasser in die Stadt zu bringen.

Hintergrund

Rango ist ein leicht neurotischer Charakter, der nicht weiß, was er mit sich anstellen soll und auf der Suche nach sich selbst ist. Vor der Sache mit dem Habicht gibt er sich selbst den Namen Rango, basierend auf dem Etikett eines Getränks, und schlüpft in die Rolle eines hartgesottenen Westernhelden. Und ich meine das wortwörtlich – bisher hatte das Chamäleon keinen Namen für sich verwendet und befand sich in einer Identitätskrise.

Doch nachdem er für sich eine Rolle gefunden hat, ein Verhaltensschema, welches er duplizieren kann, entwickelt sich Rango und wächst in seine falschen Kleider rein. Nicht im Sinne von einem hartgesottenem, steinekauendem Westernhelden, sondern in dem Departement Selbstbewusstsein. Das dieses leider ein Lügengebilde als Baurüstung benötigte, macht Rango wiederum angreifbar, denn der Bürgermeister als Hauptbösewicht weiß um die Scharade, die neue Sheriff vollführt, und die falsche Hoffnung, die er den Bürgern der Stadt vermittelt.

Aber auch wenn die neuen Kleider zwei Formate zu groß für Rango sind, so wächst er doch zumindest um eine Nummer im Verlaufe des Films.

Doch kommen wir zum Humor, den ich bis jetzt absichtlich nicht angeschnitten habe, denn das ist einer der großen Pluspunkte des Films. Vielfach ist es Slapstick, aber auch Situationskomik, wie beispielsweise das überfahrene Gürteltier vom Anfang, mit dem Rango ein angeregtes Gespräch führt, oder auch die Jagd durch den Habicht zuerst in der Wüste und später in der Stadt. Seltsamerweise fand ich dabei die übliche Art von Johnny Depp, dem englischen Synchronsprecher von Rango, nicht wirklich hervorstechend, obgleich er doch einen sehr eigenen Stil pflegt (Man sehe sich dazu nur die "Fluch der Karibik"-Reihe an, die erst durch Depps Interpretation der Rolle eine Reihe wurde).

Ein weitere Punkt ist der Animationsstil. Ist man doch ein sehr kindgerechtes Bild der Charaktere und Figuren gewohnt – schließlich ist es ja ein Animationsfilm, der muss als ins Kinderghetto gehören! – so bricht Rango mit dem Schema und zeigt Charaktere, die sehr viel näher am Bild sprechender Tiere anstelle von Kuscheltieren angelehnt sind. Selbst die Ausnahme, ein Fingertier, das an sich nicht in der Wüste heimisch ist, sieht so grotesk aus, dass niedlich nicht das erste Wort ist, was mir zur Beschreibung einfallen würde.

Fazit

Wenn man den Film mit etwas Abstand betrachtet und sich im Genre der (Spaghetti-)Western auskennt, dann wird man eine liebevolle Parodie der archetypischen Handlungsstränge und Charaktere erkennen, ähnlich wie Kung Fu Panda das mit den asiatischen Prügelfilmen getan hat. Und selbst wenn es das Charakterdesign nicht so aussehen lässt, ist der Film trotzdem für Kinder geeignet.

Titel: Rango

Laufzeit: 107 Minuten

Regie: Gore Verbinski

Witziges Wissen: Rango Bohne ist auch eine deutsche Malerin und Grafikerin