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Sonntag, 26. Januar 2020

Kipo und die Welt der Wundermonster

V.l.n.r.: musikliebender Benson, in seinen Armen der verpuppte Dave, die namensgebende Kipo, die Überlebende Wolfi
Optimistische Postapokalypse für Kinder

Als ihr Dorf von einem Riesenmutanten angegriffen wird, findet Kipo sich unerwartet auf der Oberfläche wieder. Diese wurde von ein paar hundert Jahren von einer nicht näher genannten Katastrophe unbewohnbar gemacht. Der Mensch ist nicht an mehr die Spitze der Nahrungskette, sondern Mutanten, die erstaunlich wenig mit Menschen gemeinsam haben. Stattdessen sind es meistens seltsam abgewandelte, riesige Tiere, die mitunter intelligent sind und sprechen können. Und eine eigene, fantastische und seltsame Kultur haben.


Kipo schaut auf eine eine mannsgroße Schnecke mit einem Cadillac als Schneckenhaus.Während Kipo sehr gerne die ihr unbekannte Oberwelt erkunden würde, ist ihr ultimatives Ziel zu ihrem Vater zurückzukommen. Dabei trifft sie auf Wolfi, ein junges Mädchen, dass sich die letzten Jahre alleine auf der Oberfläche durchgeschlagen hat und sich dementsprechend verhält – sie ist grobschlächtig, martialisch, und immer in einem Wolfsfell gekleidet. Später kommen Benson und Dave hinzu, ersterer ist ein Junge mit einer Vorliebe für Hiphop und stets auf der Suche danach, seine Kasettensammlung auszubauen, sowie sein bester Kumpfel Dave. Dieser ist ein Mutant, der stetig seine verschiedenen Lebensphasen (Puppe, Larve, „Jugendlich“, Erwachsen, Rentner) durchmacht. Unglücklicherweise wechselt er zwischen seinen Phasen zu den ungünstigsten Zeiten.

Und so machen sich die vier auf die Suche nach einem alternativen Eingang in Kipos Untergrundheimat. Dabei stoßen sie auf eine Vielzahl eigener Kulturen, die teilweise mehr, teils weniger stark von Menschen zu inspiriert scheinen. Es gibt Wissenschaftswölfe, Dubstepbienen, Kolibribomber, Holzfällerkatzen, kurzum: eine vor Fantasie sprühende Welt, die trotz postapokalyptischer Szenerie auf dem metaphorischen Maßstab zwischen Idealismus und Zynismus fest auf der Seite des Idealismus angesiedelt ist. So gibt es beispielsweise eine Wiese, auf der sich haushohe, achtbeinige Megahunde tollen und miteinander spielen, scheinbar ohne eine Sorge in der Welt. 

Das Design der Figuren – zumindest der menschlichen – erinnert mich mit den etwas kantigen Gesichtszügen an die Teen Titans, aber das sage ich wahrscheinlich bloß, weil das mein nächstliegender Referent ist, ich habe aber keine Ahnung, ob es zwischen den Serien irgend eine tatsächliche Überschneidung gibt. Interessanter ist vielmehr, dass die Vorlage der Serie ein mittlerweile depublizierter Webcomic. Und ich sehe gerade, dass Rad Sechrist, der Autor, davor bei verschiedenen Studios als Charakterdesigner und Storyboarder arbeitete. Hm, vielleicht daher? Wie dem auch sei, das ist meiner Erfahrung nach sehr ungewöhnlich.
Der Optimismus der Charaktere ist ansteckend, ihre Charakterisierung solide, und die Welt einfach sehr schön gestaltet, während die Musik die Szenen sehr schön untermalt. Man merkt, dass jemand hier bildliche Ideen hatte, die auch visuell umgesetzt werden mussten.

Kipo steht mit einer Gitarre einem Megamutant gegenüber, der Mega-Affe betrachtet sie fasziniertDie deutsche Übersetzung und Synchronisation durch Hermes Synchron GmbH kamen mir auch recht gut vor, aber nicht herausragend. Auf wenn das jetzt etwas negativ klang, ist das nicht als solches gemeint. Zum Beispiel bin ich sehr davon begeistert, dass die internen Lieder größtenteils übersetzt und gesungen wurden (und wieso sind die nicht auf dem Soundtrack?). Andererseits war ich ein bisschen enttäuscht, dass bei den diversen Wortspielen nicht mal versucht wurde, diese umzusetzen. Bei einigen ist klar, dass sie schwer sind: wie soll man zum Beispiel den Bezug von Scarlemagne (der Charakter hat Narben, also scar, und Karl der Große heißt auf Englisch Charlemagne) auf Deutsch umsetzen? Soll man den Charakter etwa Kerb der Große nennen? Andererseits wären da die kofferwortigen humming bombers, die ganz stumpf als Kolibribomber übersetzt wurden. Da hätte man stattdessen auch Kolibomber nehmen können. Außerdem scheinen die deutsche Synchronisation und die deutschen Untertitel separat übersetzt worden zu sein? Zumindest sind die Untertitel nicht einfach die Texte der Synchronsprecher. Das gibt im Vergleich auf jeden Fall Einblicke in die (möglicherweise) verschiedenen Übersetzer.
Aber ich beschwere mich hier gerade auf hohem Niveau; die Animationen sind flüssig, die Bilder schön anzuschauen, kurzum: mir hat die Serie sehr gut gefallen, so dass ich mich auf eine neue Staffel freue. Wobei ich vom bingen der Serie abrate, dafür ist sie visuell einfach zu schön, man sollte sich schon ein paar Tage geben um die Folgen sacken lassen. 



Daumen hoch, mehr davon.

Titel: Kipo und die Welt der Wundermonster

Schaffer: Radford Sechrist

Länge: 10 Folgen à 24 Minuten (auf Netflix)

Sprache: Englisch, Deutsch

Donnerstag, 2. Januar 2020

Girls’ Last Tour

Chi und Yuu auf ihrem Krad. Chi schaut in die Kamera, während Yuu vor sich hin träumt.
Mit der besten Freundin dem Ende entgegen

Girls’ Last Tour ist mir letztens in die Empfehlungen reingerutscht und ich muss sagen: das war gut so. Der Anime hat mir sehr gefallen.

Eine Stadt mit Wohnblöcken erstreckt sich bis zum Horizont; am rechten Rand ragen massive Säulen auf, die eine Ebene über der Stadt tragen, auf der wiederum Wohnblöcke und Gebäude sind. Die setzt sich zwei weitere Ebenen, bis zum oberen Ende des Bildes.
Die entvölkerte, mehrebenige Stadt
Der Hintergrund ist fix erzählt. Chi und Yuu sind zwei Mädels, die durch eine menschenverlassene, postapokalyptische Stadt fahren, immer auf der Suche nach Proviant, Wasser und Treibstoff für ihr Kettenkrad. Dabei erleben sie nicht wirklich Abenteuer, sondern genießen die kleinen Glücksmomente, die sich ihnen auf ihrer Suche anbieten.

Weder für die Beiden noch für den Zuschauer ist es wichtig, was genau diese Stadt entvölkert hat, denn dies ist nicht der Sinn des Anime. Es gibt zwar Hinweise, wie zum Beispiel das Datum und die Bilder im Fotoapparat, aber diese sind nicht der Fokus und auch nicht das Ziel von den Beiden. Statt sich mit einem klassischen Handlungsbogen zu beschäftigen, schaut man Chi und Yuu zu, wie sie ihr Krad durch ein zerfallene, kilometerlange Gebäude steuern und sich ganz nebenbei über dieses und jenes und ihre Umgebung unterhalten. Der Zuschauer (bzw. Leser) folgt den beiden, wie sie sich Stück für Stück ihrem Ziel, die Spitze der Stadt zu erreichen, nähern. Dabei stolpern oder irren sie nicht voller Verzweiflung durch die Stadt, wie man es vielleicht von den (vermutlich) letzten Überlebenden eines Dorfes erwarten würde, sondern suchen scheinbar bloß nebenbei nach Lebensmitteln. Sie scheinen zu wissen, dass sie am Ende ihres Weges nicht wirklich Rettung erwartet und haben sich bereits oder versuchen sich damit abzufinden. Solange Chi und Yuu einander haben, können sie ihr Los ertragen.

Ich glaube, um dieses Werk richtig zu verstehen, sollte ich wohl kurz mal „Mono no Aware“ anschneiden. Dieses japanische Konzept lässt sich als „Der Pathos der Dinge,“ oder auch „Das Herzzerreißende der Dinge“ übersetzen und meint im wesentlichen, dass man sich ob der Vergänglichkeit und Endlichkeit von etwas abfinden muss. Man kann traurig sein, aber es zugleich akzeptieren. Wie sehr man das Licht einer Kerze auch liebt, irgendwann wird sie heruntergebrannt sein. Man mag traurig über dieses Ende sein und mit der Kerze Mitgefühl haben, aber man akzeptiert die Unabwendbarkeit.

Chi und Yuu stehen vor einem Panzer, aus dessen Lauf springbrunnenartig ein klarer Wasserstrahl sprüht; der Zufluss ist ein offenes Rohr oberhalb der Einstiegslucke, aus der Wasser direkt in den Panzer fließt.
Verlassenes Kriegsgerät + Wasser = Springbrunnen
Und genau in diesem Gefühl ist Girls’ Last Tour zuhause. Yuu und Chi wandern durch eine Welt, bei der jeder ihrer Schritte auf Menschenwerk fällt; sie sind umgeben von Lagerhallen und Kriegsgerät, deren Funktionen und Funktionsweisen sich ihnen nicht erschließen, und ihr Interesse daran ist auch beschränkt. Die Serie ist sehr Slice-of-Life, aber halt in einer Welt in welcher die Welt bereits größtenteils untergegangen ist und nur noch ihre Nachwehen durchlebt, bevor sie endgültig den Geist aufgibt.

Dabei sind die beiden Hauptcharaktere gute Gegenspieler. Die schwarzhaarige Chi ist pflichtbewusst und belesen und steuert das Krad, während die blonde und sorglose Yuu auf dessen Ladefläche liegt und sich auf die nächste Mahlzeit freut. Die beiden kümmern sich umeinander, nicht nur weil sie es müssen, sondern auch weil sie es wollen. Sie haben zwar ein diffuses Ziel, die oberste Ebene der Stadt zu erreichen, aber sie haben dieses eher, weil es ein brauchbares denn nützliches Ziel ist. Sie überleben um des Überlebens Willen auf dieser ihrer letzten Tour durch eine längst entvölkerte Welt.

Der Anime basiert übrigens auf der gleichnamigen 6-bändigen Mangareihe von Tsukumizu und setzt gut 2/3 der Vorlage um.

Ich habe das Gefühl, ich kann irgendwie nicht so richtig ausdrücken, was genau mich an der Serie so fasziniert. Ist es die Melancholie? Das postapokalyptische Setting? Das niedliche Charakterdesign? Der schöne Soundtrack? Ich kann es nicht festmachen, ich weiß bloß, dass mir die Serie sehr gut gefällt.
Es schadet auf jeden Fall nicht, dass sie mich in dieser melancholischen Grundstimmung an Hitoshi Ashinanos Yokohama Kaidashi Kikō / Yokohama Shopping Trip erinnert, das zwar auch irgendwie in einer dem Weltuntergang nahen Welt spielt, aber doch auch ganz anders ist.



Eine sehr schöne, melancholische Serie.

Titel: Girls’ Last Tour

Regie: Takaharu Ozaki

Länge: 12 Folgen à 24 Minuten (auf Netflix)

Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln, Deutsch

PS: Das mit den militärischen Uniformen hat eine bestenfalls nebensächliche Bedeutung.

Mittwoch, 5. Juli 2017

Freitag, 10. Februar 2017

We Are Legion (We Are Bob)


Ich bin eine von-Neumann-Sonde.


Ich bin über We are Bob gestolpert, als ich irgendwo “Erzählperspektive: von-Neumann-Sonde” gelesen habe. Allein aufgrund dieser Idee habe ich mir spontan das Hörbuch/Ebook-Paket gekauft.

Von-Neumann-Sonde: Eine Maschine, die man von einem Sonnensystem zum nächsten schicken kann und die sich dann dort selbst vervielfältigt. Zum Beispiel von A nach B, Sonde sucht Ressourcen, stellt 5 Kopien her, schickt diese von B nach C/D/E/F/G, dort angekommen suchen die Kopien nach Ressourcen, stellen neue Kopien her und schicken diese weiter. Das ‘Original’ bleibt im System und schickt Informationen nach Hause zur Erde, oder falls die zu weit weg ist zur ‘Muttersonde’, welche die Nachrichten dann weiterleitet

Ich wurde gewissermaßen – aber wiederum auch nicht wirklich – enttäuscht. Der betreffende Bob ist im Prinzip ein Upload, hergestellt aus einem Hirnscan von Bob. Ein Programm simuliert alle Neuronen und anderen Hirnaktivitäten, so dass Bob an und für sich weiterlebt. Bis darauf, dass er legal (und nach gewissen Interpretationen auch philosophisch) tot ist. Die Heranführung an die Thematik und geschichtliche Entwicklung, mit der Bob und die von-Neumann-Sonde erklärt werden, ist ein bisschen schwach meines Erachtens nach, aber die eigentliche Grundidee ist ziemlich gut ausgeführt. Nicht exzellent, aber schon ziemlich gut.

Eine Schwäche in der Umsetzung sehe ich im Humor. Besonders das erste Drittel kommt es etwas gezwungen rüber. Bob mag seinen Humor, findet sich selbst witzig, und seine Freunde finden ihn witzig, aber für mich war das einfach ein bisschen zwanghaft umgesetzt. Er macht einige Seitenkommentare die mir vorkommen, als wären sie erst nachträglich angeflanscht worden um den Charakter witzig zu machen. Einfach so ein Gefühl.
Und je weniger ich über die narrative Rechtfertigung und den fiktiven Zeitstrahl verliere, desto besser, denke ich.

Ray Porter als Erzähler setzt die Sprechweise von Bob überraschend gut um. Wenn im Text Andeutungen über die Charakterisierung einer Figur sind, so lässt er diese in die Sprachmelodie der entsprechenden Figur einfließen. Zum Beispiel wählt eine Iteration von Bob Homer Simpson als Avatar, mit dementsprechender schleifender Aussprache. Als jemand, der quasi ausschließlich die deutsche Ausstrahlung der Serie Die Simpsons kennt, war das im ersten Moment natürlich verwirrend, da Homers deutsche Synchronstimme nicht diese Eigenschaft hat. Dennoch habe ich mich relativ schnell damit arrangiert.
Genauso ändert sich aber auch über die Handlung der Charakter mancher Figuren, was in der Umsetzung selbiger reflektiert wird.

Man sollte bei We are Bob im Hinterkopf behalten, dass dies der erste Teil einer Serie oder zumindest einer Mehrteilers ist. Die mittleren Handlungsstränge werden zu einem zufriedenstellenden Ende gebracht, aber zugleich werden neue angefangen.



Aufgrund der vielversprechenden Idee und adäquaten Umsetzung werde ich mir den nächsten Band von We are Bob sicherlich auch holen.

Titel: We Are Legion (We Are Bob)

Autor: Dennis E. Taylor

Erzähler: Ray Porter

Länge: 382 Seiten / 92k Wörter / 9:30 Stunden


PS: Ray Porter spricht eine exzellente Version von General Ackbar

Donnerstag, 26. Juni 2014

Branches on the Tree of Time

Terminator mit kongruenten Zeitreisen

Warnung: Spoiler für die Terminator-Filme
Diese Fanfiction beschäftigt sich mit der Idee, dass Kyle Reese, er im ersten Teil von Terminator Sarah Connor vor dem namensgebenden Terminator gerettet hat, mehr als ihr Wohlergehen im Sinne hat. Vielmehr will er, dass die künftige Mutter des Widerstands eine neue Version von Skynet programmiert, denn dieses künstliche Intelligenz ist nicht wirklich intelligent, sondern im wesentlichen dumm, aber das sehr, sehr schnell.

Skynet kann Iterationen und Durchläufe von Szenarien mit kleinsten Veränderungen mit einer Geschwindigkeit durchziehen, da träumt man nur von, aber Skynet ist selber nicht kreativ. Für Kreativität benötigt es Menschen.

Sarah Connor ist unterdessen von Kyle überzeugt worden, vor allem durch die Kampfmaschine im Menschengewand, die ihr Möglichstes gab, die beiden zu töten. Bloß durch eine zeitige und willkommene Rettung durch einen zweiten Zeitreisenden (denn wer setzt bitte alle bloß auf eine Karte, wenn Zeitreisen im Spiel sind), einen Kyle aus einer anderen Zeitlinie, entkommen die drei. Diese neue Zeitlinie hatte bereits Erfolg in der Umprogrammierung von Skynet, aber muss die Version 2.0 noch aufspielen, bevor der Tag des Jüngsten Gerichts Wirklichkeit wird.

Und jetzt wird es haarig: Sarah Connor handelt überlegt. Und sie weiß, dass in der Zukunft Zeitmaschinen existieren. Also entscheidet sie sich dazu, ganze Zeitlinien zu opfern, um Skynet zu besiegen – Eine Strategie, die nach kurzer Überlegung anscheinend auch Skynet selbst verwendet.



Branches on the Tree of Time ist eine sehr interessante Überlegung, sowohl zu Zeitreisen, als auch zur Anwendbarkeit von genau diesen Reisen. Die Konzepte sind bekannt, sofern man Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit gesehen hat, aber im Gegensatz zu der Komödie ist Branches sich der Tragweite bewusst, insbesondere im Zusammenhang mit dem nuklearen Holocaust. Jede neue Zeitlinie verlangt den Tod von Menschen in der "aufgegebenen" Zeitlinie, und einen eisernen Willen Personen der eigenen Zeitlinie effektiv zu opfern, damit eine andere die Fähigkeiten dieser nutzen kann.

Die Handlung setzt offensichtlich Wissen über die Terminator-Filme voraus. Die Personen weichen aber schnell ab, weil sie teilweise einfach aus anderen Zeitlinien stammen und somit andere Erfahrungen durchgemacht haben. Das Englisch ist sprachlich verständlich, aber konzeptionell anspruchsvoll aufgrund der starken Thematik der Zeitreisen.



Mir hat es gefallen, weil die Protagonistin sich intelligent verhielt.

Titel: Branches on a Tree of Time (dt. Äste an einem Baum der Zeit; URL: Link zu fanfiction.net)

Autor: alexanderwales

Sprache: Englisch, anspruchsvoll

Länge: 180 Seiten, 30k Wörter

Status: Abgeschlossen

Samstag, 26. April 2014

Transcendence

Johnny Depp wird eine missverstandene KI

Ein bisschen vorab:

Als Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet man benennenderweise eine Intelligenz, die künstlich geschaffen wurde. Strikt genommen schließt dies auch künstliche Gehirne und dergleichen ein, wird aber üblicherweise auf Computer bezogen. Die Forschungslage zu KI unterscheidet verschiedene Ansätze oder Möglichkeiten zur Entstehung einer solchen Intelligenz: Die konkrete Programmierung, das „Hochladen“ von bestehenden Intelligenzen, das Schwarmbewusstsein, et cetera. Auch gibt es eine konzeptionelle Trennung zwischen starker und schwacher KI bzw. generalisiertet und spezialisierter KI, mit teilweise fließenden Grenzen. Erstere sind mehr oder weniger von einem Bewusstsein regiert, während zweitere man sich eher wie einen Ameisenstaat vorstellen kann, mit der Intelligenz als Staat, bestehend aus vielen kleinen Untersystemen.



Will Caster (Johnny Depp) ist ein Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz und Entwickler von einem der bedeutenderen Ansätze, PINN. Dieser Quantencomputer ist intelligent, aber nicht empfindungs- oder moralfähig, womit ihr anfällige Entscheidungsprozesse nicht anvertraut werden können.

Doch auf einer Konferenz wird er von einer technophoben Terrororganisation niedergeschossen und dabei vergiftet. Dieses Attentat wurde zeitgleich mit anderen verübt, die unter anderem auch Kollegen von Will töteten. Mit nur noch wenigen Wochen zu leben entscheidet sich Will dafür, die Zeit lieber mit seiner Frau Evelyn zu verbringen als weiter zu forschen.

Evelyn kommt aber auf eine Idee. Was wäre, wenn man Will hochladen, digitalisieren könnte? Basierend auf der Arbeit eines Kollegen, dem mit Rhesusaffen das gleiche gelungen war, macht sie sich zusammen mit dem gemeinsamen Freund und Forscher Max heimlich an die Arbeit.

Sie haben Erfolg. Sie haben eine Intelligenz geschaffen – oder übertragen – aber will Max hat seine Zweifel daran, dass diese Intelligenz wirklich Will ist. Als Will Zugriff aufs Internet verlangt, um sich vernetzen zu können, lehnt er rigoros ab. Max weiß, dass in dem Fall nichts mehr Will aufhalten könnte, dass mit einer Verbindung zum Internet Will, oder was auch immer er ist, unantastbar würde. Mit seiner Ablehnung wirft Evelyn Max aus der Werkstatt.

Im Zuge eines drohenden Anschlags lädt Evelyn schließlich Will ins Internet und es bricht nicht die Hölle los, aber sie ist spontan millionenschwer, und das ist erst der Anfang…



Es ist ein bisschen seltsam, dass der frühere Kameramann Wally Pfister bei seinem Film so eine unscharfe Kameraführung zugelassen hat, aber es hat klick gemacht; der Film wurde auf 35mm Film gedreht und erst später digitalisiert, entgegen des technologischen Trends. Ob das aus Purismus, Liebe zur Kunst oder in Anlehnung an den Film gedacht ist, weiß ich nicht.

Wie dem auch sei, vom schauspielerischen her fand ich weder Depp noch einen anderen Darsteller sonderlich gut, vielleicht mit Ausnahme Morgan Freemans, aber der könnte nicht schlecht spielen, selbst wenn er es wollte.

Die technischen Effekte sind gut, aber ich reibe mich an den Handlungslöchern. Später im Film gibt es ein einziges Rechenzentrum, welches Will's Unantastbarkeit aufhebt, denn er Scheint nur noch dort drin zu residieren. Er hilft Menschen durch nanoskopische Implantate – Blinde können wieder sehen, Lahme wieder gehen – aber mit Will's Zerstörung zerfallen diese. Anstatt der gepriesenen Reparatur von Zellen schien es also zu einer Augmentation gekommen zu sein. Kranke Teile wurden nicht geheilt, sondern ersetzt.

Das Ende schließlich ist logisch unbefriedigend, aber auf einer verqueren Weise emotional nachvollziehbar; Gefühle sind nicht logisch.

Wer von Depp übrigens eine seine ausgefallenen Darbietungen erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Er spielt Will Caster sehr gedeckt und als Person realistisch, während seine Darstellung von seiner digitalen Person kühl wirkt, emotionslos, was wohl im Sinne des Regisseurs war.



Nicht sonderlich gut, aber nicht so Frankenstein wie erwartet.

Titel: Transcendence

Regie: Wally Pfister

Länge: 119 Minuten

Montag, 14. April 2014

Snowpiercer

befremdliche Gesellschaft im Heilszug

Um den Klimawandel zu stoppen und die globale Erwärmung zu stoppen wurde im Jahr 2014 die Substanz CW-7 in der Atmosphäre ausgebracht, ein Mittel zu Senkung der gestiegenen Temperaturen. Das Projekt des Klimaengineering schlägt phänomenal fehl und stürzt die Erde in eine weltumspannende Eiszeit.

Der etwas wahnsinnig fokussierte Eisenbahnmagnat Wilford hatte zuvor eine gleichermaßen weltumspannende Verbindung von Eisenbahnnetzen vervollständigt, die vom Zug Snowpiercer befahren wird.

Die Passagiere sind zugleich die letzten Überlebenden der Menschheit. Die Schmarotzer der hinteren Abteile leben in Armut, Mangel und Furcht vor denen in Wohlstand und Dekadenz lebenden Passagieren der vorderen Abteile.

Curtis (Chris Evans, u. A. Captain America) ist einer Überlebenden vom Ende des Zuges, der bereits die Hälfte seines Lebens in den Wagons verbrachte und zusammen mit Gilliam eine (widerwillige) Führungsrolle in den hinteren Wagons inne hat. Zu Essen gibt es einen Proteinblock, Kleidung und Unterkunft sind bei allen notorisch heruntergekommen und die Repressionen durch die Sicherheitskräfte sorgen regelmäßig für Unmut.

Da ist es nicht verwunderlich, dass Curtis zusammen mit den anderen Passagieren einen Aufstand plant.



Snowpiercer ist die Verfilmung des französischen Comics Le Transperceneige und die Welt ist düster und kalt. Die Zugpassagiere sind die letzten Überlebenden der Welt, einer scharf getrennten Welt zwischen "Schmarotzern" und Elite. Die Dystopie geht aber noch weiter.

Wie dem auch sei, die Effekte der Außenszenen sind mäßig, aber dafür ist die Handlung sehr gut, aber auch sehr befremdlich. Curtis ist der "Held", insofern man nach dem Ende des Films noch mit ihm sympathisieren kann. Mir persönlich fiel es schwer, insbesondere aufgrund der Charakterentwicklung die Curtis während und vor des Films durchmachte. Allerdings erklärt dies definitiv seinen Widerwillen zu führen.

Der Film ist übrigens eine koreanisch-amerikanische Koproduktion.



Im Nachhinein habe ich bei dem Film vor allem einen gruseligen, dissonanten Nachgeschmack im Mund. Als würde etwas nicht stimmen.

Titel: Snowpiercer

Regie: Bong Joon-ho

Länge: 126 Minuten

Freitag, 6. Dezember 2013

Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele

Nahaufnahme der linken Seite von Katniss' Gesicht, im Vordergrund blutbefleckte Blätter
Gladiatorenspiele in dystopischem Regime

Es ist einige Jahrzehnte bis Jahrhunderte nach unserer Zeit und Nordamerika wurde von Kriegen und Naturkatastrophen heimgesucht. Aus dieser Welt ist Panem hervorgegangen, eine diktatorische Nation. Von Kapitol, der Hauptstadt aus, unterdrückt das Regime die Bevölkerung und beutet sie aus. Als diese aufbegehrte, wurde die Rebellion grausam niedergeschlagen und ein ganzer Distrikt ausgelöscht. Als Mahnung und Erinnerung werden nun seit 74 Jahren jedes Jahr aus jedem Distrikt ein Junge und ein Mädchen zwischen 12 und 18 ausgelost, die als Tribut alle in einer Arena Gladiatoren gleich gegeneinander kämpfen und sich gegenseitig töten müssen, denn nur der letzte Tribut gewinnt. Dies sind die Hungerspiele.

Obgleich nominell ein Tribut für die Rebellion vor einem dreiviertel Jahrhundert, geht mit dem Sieg in den Hungerspielen zugleich Vorteile in den Zuteilungen für die Distrikte einher, die bei weitem nicht autark sind sondern alle auf bestimmte Bereiche spezialisiert sind. So gibt es in manchen Distrikten auch Karrieros, die auf ihre Teilnahme in den Spielen trainieren, sei es um den Bonus oder die Ehre im Siegesfall zu erlangen.

Katniss fällt mit ihren 16 Jahren in das auslosbare Alter und lebt in Distrikt 12, dem heruntergekommensten und ärmsten Distrikt. Zusammen mit ihrer Mutter und kleinen Schwester kommt die Familie nur über die Runden dank Katniss' illegalem Jagen und Sammeln außerhalb der Distriktgrenzen, ein Vergehen auf das Tod und schlimmeres steht.

Als ihre Schwester Prim als weiblicher Tribut für den Distrikt ausgelost wird, kann Katniss das nicht zulassen und übernimmt freiwillig ihren Platz. Zusammen mit Peeta, dem gleichaltrigen Bäckerssohn, reist Katniss nach Kapitol zur Vorbereitung und Interviews sowie die anschließenden Spiele. Durch Glück, Können und Talent legen Katniss und Peeta eine beeindruckende Vorstellung im Auftakt zu den Spielen hin, doch die Spiele selbst sind etwas vollkommen anderes.

Alle Tribute starten von der gleichen Plattform aus, in deren Mitte ein übergroßes Füllhorn voll Ausrüstung und Nahrung liegt. Katniss ist durch ihr tägliches Jagen gut mit Pfeil und Bogen, aber wird sie auch ohne überleben können?



Ein Brosche die einen goldenen, fliegenden Vogel mit Pfeil im Schnabel zeigt, der Vogel dreht sich halb um
Ich gebe zu die englische Version, The Hunger Games, gelesen zu haben statt der deutschen, aber spontan fällt mir auf, dass es keine schwierig zu übersetzenden Passagen oder Referenzen gibt, so dass es ich für die deutschen Begriffe Wikipedia als Quelle genommen habe.

Problemlos lassen sich Parallelen zwischen den Tributen und dem japanischen Battle Royal ziehen, denn bei beiden kämpfen Jugendliche gegeneinander um Leben und Tod unter massiver medialer Aufmerksamkeit und Interesse sowie Einflussnahme. Allerdings sind sie aus dem emotionalen Aspekt nicht so ohne weiteres vergleichbar, denn in Battle Royal war es eine Schulklasse, die vermutlich bereits soziale Bande geschlossen hatte, während in Tribute die Spieler sich größtenteils nicht kennen, von den Karrieros abgesehen.

Von diesem Aspekt abgesehen, zeichnet Tribute eine interessante Welt auf. Der Autorin Suzanne Collins wurde im Schreiben klar, dass das geplante Finale der Spiele eine Reaktion innerhalb der Welt nach sich ziehen würde und entschied sich daher für eine Trilogie, statt von der Konzeption her die Geschichte darauf auszulegen.

Es gibt auch einen romantischen Plot zwischen Katniss und Peeta, der aber sehr gut in das Konzept der Hungerspiele eingebunden wurde, weshalb ich darauf nicht weiter eingegangen bin.

Das Englisch ist übrigens gut lesbar und ohne großschweifige Konstruktionen oder Konzepte, so dass bei Interesse oder zum Lernen sich die Originalversion anbietet.



Interessante Welt, aber größtenteils vorhersehbar

Titel: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele (Original: The Hunger Games)

Autor: Suzanne Collins

Länge: 414 Seiten (Original: 374 Seiten)

Sprache: Deutsch, Englisch (Einfach bis Mittel)

Samstag, 10. August 2013

Pacific Rim

Riesenmonster gegen Riesenroboter!

Vor fünfzehn Jahren oder so tauchte das erste haushohe Monster sprichwörtlich auf und machte San Francisco platt, ehe es nach eine mittleren Ewigkeit mit genug Munition eingedeckt worden war, um ein kleines Land einzunehmen. Die Menschheit dachte, seltsam, aber okay…?

Bis dann einige Monate später ein weiteres Monster auftaucht. Und wieder einige Monate später noch eins. Es war klar, irgendwas stimmte da nicht im Pazifik, und mer brauchen was wirkungsvolles gegen diese Ungetüme!

Die klügsten und wagemutigsten Ingenieure schufen unter internationaler Zusammenarbeit haushohe Kampfmaschinen, sogenannte Jäger, die es mit den Monstern, nach den japanischen Filmmonstern wie Gozilla und Mothra als "Kaiju" bezeichnet, aufnehmen und sie platt machen konnten. Problem an der Sache: Zur Steuerung der humanoiden Roboter benötigt man zwei Piloten, die stark auf einer Wellenlinie sind und auf olympischem Niveau Synchronkämpfen können.

Jahre später ist die Gefahr durch Kaiju in einem Maße gebannt und unter Kontrolle, dass es Actionfiguren gibt und Piloten wie die Becket-Brüder Raleigh und Yancy den Status von Rockstars genießen. Bis ein Kaiju von bisher ungesehener Größe Gegen den Becket-Jäger antritt und Yancy das Zeitliche segnet. Dies leitet die erste einer Reihe von Krisen ein…

Wieder Jahre später haben die circumpazifischen Regierungen Das Jägerprogramm mehr oder minder eingestampft und sich für den Bau von Kaiju-sicheren Wällen entschieden. Bis darauf, dass die Reste des Jägerprogramms kein rechtes Vertrauen in diese Maßnahme haben…




Okay, ich habe keine große Lust den Film nachzuerzählen, aber kurz gesagt: Bestes Popkornkino und es macht richtig Spaß ihn zu sehen! Die Kämpfe sind fantastisch, die Musik ist passend und die Handlung ist nicht (allzu) haarsträubend!

Mein erster Gedanke beim Trailer war, dass anscheinend Teile des Budgets für den Evangelion-Realfilm doch noch zu einem guten Zweck verarbeitet wurden, denn Parallelen sind nicht zu verneinen. Aber der geneigte Fan wird eine Menge sehen, dass bereits (weit) vor Evangelion anzutreffen war, also ist es vielmehr eine westliche Hommage an all die japanischen Monsterfilme und Riesenrobotergeschichten in einem Maße, wie es Godzilla und Cloverfield es sich wünschen würden.

Ich meine, natürlich hat der Film sowohl logische als auch erzählerische Schwächen, aber alles in allem hat er ungemein Spaß gemacht und wird wohl in meinem Regal landen. So kann man sich darüber streiten, ob man mit technologischen Fortschritten, die die Konstruktion von dutzenden Meter hohen Robotern mit Kampfkapazität wirklich die sinnvollste Idee war, aber dafür macht die Mauer sogar einen gewissen politisch-gesellschaftlichen Sinn – die reicheren Bevölkerungsteile ziehen ins Inland, und die ärmeren an den dicht besiedelten Küstenstreifen werden mit Arbeit und Hoffnung ruhig gestellt.



Guckst du? Guckst du!

Titel: Pacific Rim

Regie: Guillermo Del Toro

Länge: 131 Minuten

Freitag, 10. Mai 2013

Not a Villain


Ich will doch nur wiedergutmachen…



Vor Jahren war das Ending, ein Ereignis, welches man pauschal als Weltuntergang bezeichnen kann. Menschen überlebten in Enklaven, Städten und in der Wildnis, aber es waren nicht viele. In den Städten gibt es Farmen, auf denen die meisten Überlebenden arbeiten, während alle anderen mehr oder weniger auf sich allein gestellt sind.

Eine der wenigen Ablenkungen, und für die Auswärtigen zugleich Verbindungsmöglichkeit zu dem Rest der Menschheit, ist L.i.F.e, eine immersive virtuellen Umgebung. Im Gegensatz zu Vorläufern wie Second Life kann der Nutzer alles sehen und teilweise spüren, während ein Großteil der Sinneseindrücke des realen Körpers unterdrückt wird.

Kleya ist eine relativ neue Auswärtige, die aber gewisse Begabungen für den Umgang mit Technik hat. Relativ unsozial hilft sie trotzdem ihrer virtuellen Ziehfamilie und Freundin Mina, ihre Gesangskarriere zu starten.

Allerdings ist Kleyas Interesse eher an The Game gelegen, dem einzigen erlaubten und sanktionierten Computerspiel. Kämpfe zwischen Teilnehmern werden durch Stimmen der Fans und Zuschauer beeinflusst und für Städter ist The Game die einzige Möglichkeit in L.i.F.e. Geld zu verdienen. Geld ist aber eine geringere Sorge von Kleya – sie will teilnehmen, um eine Heldin zu werden; ein guter Mensch. Denn in ihrer Vergangenheit war sie nicht unbedingt Gut, um nicht zu sagen richtig Böse.

Und darin liegt zugleich ihr Problem. Kleya möchte an The Game teilnehmen, und dafür muss bzw. wird man zwangsläufig bekannt. Zugleich versucht sie genau dies zu vermeiden, damit ihre alten Feinde ihr nicht auf die Schliche kommen…



Not a Villain ist einer dieser interessanten Webcomics, die eine hervorragende Handlung haben, bei denen aber die graphische Präsentation einigermaßen schlecht ist. Die Autorin Aneeka Richins ist sich dessen auch bewusst und gibt bereitwillig zu, dass dies einer der Minuspunkte ist, aber sie entwickelt sich grafisch weiter. Da wären zum Beispiel die drei Ebenen von Not a Villain zu erwähnen: Die aufwendig gezeichnete und relativ spät eingeführte Realität; das L.i.F.e., einfach mit minimalen Schatten; und The Game, detaillierter und mit aufwändigen Schatten. Die Realität wird erst spät gezeigt, nachdem Richins an ihrer Technik feilen konnte.

Die Prämisse von der Autorin auf den Punkt gebracht ist, was wäre wenn die meisten Menschen nur in einer virtuellen Realität miteinander interagieren könnten, und wie sähe eine Kreuzung aus MMO und Reality-TV aus.

Eine Schlussfolgerung daraus ist, dass Programmierer in einer massiv virtualitätsabhängigen Welt ungleich mehr Macht haben als sie es normalerweise tun, insbesondere wenn sie keine Probleme mit illegalen Methoden hat, wie z.B. Hacker (obwohl Cracker der passendere Begriff wäre).



Mal schauen, inwieweit Kleya wirklich kein Bösewicht ist…


Titel: Not a Villain (Übersetzung: [Ich bin] Kein Bösewicht; URL: navcomic.com)

Autor: Akeena Richins

Sprache: Englisch

Länge: 260+ Seiten, größtenteils farbig

Status: Laufend

PS: Es gab einen Kickstarter: http://kck.st/GS40wM

Mittwoch, 8. Mai 2013

Yokohama Einkaufstour



Eine sehr entspannte Barista und ihr Alltag im leeren Café



Alpha ist die Bedienung in einem abseits gelegenen Landcafé in Japan. Ihre Gäste sind selten, und kann tagelang vorkommen, dass überhaupt keiner kommt, aber dennoch ist sie die meiste Zeit in ihrem „Café Alpha‟. Sie verbringt aber auch einige Zeit damit, auf ihrer Mondharfe zu spielen oder ihren Nachbarn einen Besuch abzustatten. Sie kann sich solch eine laxe Einnahmequelle aber bloß leisten, weil Alpha ein Roboter ist, genauer ein Android (oder noch genauer, Gynoid), also ein sehr menschenähnlicher Roboter. Allein ihre grüne Haarfarbe gibt Auskunft über ihre Natur.

Alpha ist mit den Nachbarskindern befreundet und eine umgängliche Person, die auch schnell mit der Postbotin Kokone ins Gespräch kommt. Sie ist auch gleich der erste andere Robot, den Alpha zu Gesicht bekommt und sie ist fasziniert.



Ehrlich gesagt ist es sehr schwer Yokohama zu beschreiben. Der Manga spielt in einer nicht ganz aber doch gewissermaßen postapokalyptischen Zukunft; der Meeresspiegel ist gestiegen und küstennahe Städte sind überschwemmt, aber sowohl die Menschheit als auch Zivilisation gibt es noch. Ein riesiges, kranichförmiges Raumschiff befindet sich in einer Umlaufbahn um die Erde und es gibt seltsame, beinah fantastisch anmutende Organismen wie leuchtende Bäume, die in ihrem Wachstum und Ausbreitung Straßenlaternen bei Nacht ähneln.

Es ist nicht klar,was geschehen ist, aber der Text deutet an, dass sich die Welt in einem Dämmerzustand befindet, dass der Tag der Menschheit in die Abendstunden übergeht. Die Hektik und Hitze des Mittags ist vorüber und es wird sich entspannt zurück gelehnt, um die Abendsonne zu genießen. Ein Grundgefühl der Nostalgie, irgendwie…

Dies beschreibt auch recht gut das Lesegefühl von Yokohama. Ist man die üblichen Genreeinteilungen in Action und Abenteuer, Romantik und Gefühle gewohnt, so entzieht sich Alphas Geschichte diesen. Große Strecken kommen vollkommen ohne Dialoge aus, mit einzig Lautmalereien als lesbare Teile. Und wenn gesprochen wird, starren einen keine Textwüsten an, sondern Dialoge mit gelegentlichen Kamerafahrten, wenn man so will. Allerdings besticht Yokohama nicht mit umwerfenden Monumentalpanoramen, sondern bleibt meist auf relativ kleiner Ebene in seinen Szenerien.

Wirklich zu schade, dass es keine Veröffentlichung außerhalb Japans gab…



Eine Reihe die sich liest wie ein Dösen in der Abendsonne. (Das ist als Kompliment zu betrachten)

Titel: Yokohama Kaidashi Kikou (Übersetzt: Yokohama Einkaufstour)

Autor: Hitoshi Ashinano

Länge: 14 Bände, abgeschlossen

Sprache: Japanisch (+ diverse Fanübersetzungen)

Montag, 10. September 2012

Total Recall (2012)

Nette, aber blasse Neuauflage

Total Recall ist ein Film, der sowohl auf einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick als auch dessen Hollywoodadaption von 1990 basiert.

Zur Welt: Nach einem mit chemischen Waffen geführten Weltkrieg sind die größten Teile der Erde unbewohnbar und nur das föderierte Großbritannien sowie die "Kolonie" Australien sind noch bewohnbar.

Beide Landmassen sind durch einen Hochgeschwindigkeitstunnel durch die Erde verbunden, den sogenannten Fall (englische Aussprache). Doch sind sowohl die Föderation als auch die Kolonie überbevölkert, und letztere wird zudem ausgebeutet. So ist es nicht verwunderlich, dass es eine Widerstandsbewegung gibt.

Douglas Quaid ist Pendler durch den Fall und stellt Sicherheitsdroiden her, ist mit einer Polizistin verheiratet und seht sich nach mehr, insbesondere nachdem er bei einer Beförderung übergangen und ein minder qualifizierter Bürger, der aber aus der Föderation stammt, ausgewählt wird.

Durch Werbung wird er auf Rekall aufmerksam, eine Firma, die einem künstliche, aber nicht von realen unterscheidbare, Erinnerungen ins Gehirn pflanzt, solange man nicht bereits ähnliche Ereignisse erlebt hat. Wenn man also noch nie Fallschirmspringen war, kein Problem, aber wenn, dann würde solch eine Erinnerungen mit der künstlichen wechselwirken und Schaden anrichten.

Douglas geht auf Nummer sicher und nimmt deshalb das Geheimagentenpaket, schließlich arbeitet seine Frau zwar bei der Regierung, er ist aber bloß Fabrikarbeiter.

Zu schade, dass es trotzdem zu Komplikationen kommt. Die Polizei stürmt das Labor und will Douglas verhaften. Doch wieso schaltet er dann wie aus Reflex ein halbes Dutzend hochtrainierter Sicherheitskräfte aus, als wäre es nichts?

Panisch fliegt Douglas nach Hause in die Arme seiner ihn liebenden Frau Lori, die ihn tröstend in die Arme nimmt. Und zudrückt. In Mr. und Mrs. Smith Manier fangen Douglas und Lori sich an zu prügeln, und dabei kommt heraus, dass seine Frau nicht seine Frau ist, sondern eine Agentin der Regierung, die ihn überwachen sollte.

Ich will nicht noch mehr verraten, aber der Film folgt leider ziemlich dem Verlauf des 22 Jahre älteren Vorbilds mit leicht verändertem, pseudorealistischerem Setting. Es gibt wieder einen machthungrigen Quasidiktator, es sind wieder viele Leben auf dem Spiel, es gibt wieder eine dreibrüstige Prostituierte.

Dessen ungeachtet ist der Film im großen und ganzen unterhaltsam, aber mehr auch nicht. Es fehlt der Witz und Charme des Vorbilds, stattdessen wird eine typische Dystopie gemalt, in der die Welt zwar läuft, bloß nicht sonderlich rund.Trotzdem zeichnet Wiseman eine interessante Welt, die sich an Cyberpunk zu orientieren scheint mit dem steten Regen, dem überwiegenden dunklen Farben und Großstadttristesse.

Die Effekte sind im Gegenzug gut gelungen und die Macher haben sich Mühe gegeben, ihre Köpfe in Richtung von wissenschaftlichen Prinzipien zu nicken, aber das war's im wesentlichen auch.

Ähnlich verhält es sich auch in den Charakteren. Irgendwie will die Sympathie zu Douglas und seinen Mitstreitern fehlen, und die mäßige schauspielerische Leistung kann die Mängel in der Handlung auch nicht wettmachen, was zu gewissen Längen führte.

Und so ist Total Recall zwar kein Totaler Reinfall, aber auch weit von einem Totalen Erfolg entfernt.

Titel: Total Recall

Regie: Len Wiseman

Länge: 118 Minuten

Wissenschaftliche Ungereimtheiten:
  • Der Fall dauert 17 Minuten. Ein bisschen Rechnen zeigt, das ist kein Fall, das ist eine Beschleunigung bis zum Erdkern, und dahinter negativ beschleunigt (auch Bremsen genannt), und keine Freifallphase zwischendurch!
  • Die U-Bahn, mit der sie in die toxische Zone fahren... die verseuchte Zone ist dicht genug dafür? Das Satellitenbild vom Anfang zeigt aber Lichter in halb Europa...
  • Stark dreidimensionale Bauweise, aber Wohnungen mit Räumen zusammengeklatscht wie ein Unfall auf dem Containerhafen?
  • Chemiebasierte Erinnerungen (statt neuronale Verknüpfungen)

Mittwoch, 22. August 2012

Fine Structure

Ein logischer Hintergrund für Weltraumopern, ohne eine zu sein.

Konzipiert als Sammlung von Kurzgeschichten, hat Sam Hughes mit Fine Structure den Hintergrund für eine Welt, wie sie nur weit jenseits von bloßer Science-Fiction beschrieben werden kann, und dennoch ungemein gut zu lesen ist, geschaffen.

Hier einige Einblicke:



1. Jedes Jahr wird eine zufällig gewählte Person auf der Erde von einem Blitz getroffen und erhält Superkräfte.
2. Jeder neue Supermensch ist doppelt so mächtig wie der Vorige.
3. Dies geht so seit zehn Jahren.



Die Grundlagenforschung der Physik mit ihren Quantentheorien und Supersymmetrie, Paralleluniversen und all ihren theoretischen Konstrukten, die zwar möglich, aber nicht nachweisbar sind, stößt bei der Untersuchung einer kleinen, aber unerklärlichen Abweichung auf etwas fundamentales.

Überlichtschnelle Kommunikation ist nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglich.

Oder zumindest war sie es, denn alle Experimente schlagen fehl, weil irgendetwas auf der etwas verschobenen Ebene der Realität, durch welche die Kommunikation geht, unser Signal niederbrüllt. Bei der Analyse dieses Brüllens finden die Physiker etwas fundamentales: Mathematik. Logik. Definitionen. Sprache. Ein Skript, welches wie die Voyager-Plakette, in sich selbst den Schlüssel zu seinem eigenen Verstehen birgt.

Und was dieses Skript sagt, ist im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch.

Es wird die gesamte, uns bekannte Mathematik und Physik beschrieben.
Leibniz? Check.
Newton? Check.
Einstein? Check.
Hawking? Check.
Weit jenseits von Hawking? Check...?
Das Problem: Alle unsere überaus genauen Theorien decken gerade mal das erste Prozent des Skriptes ab.



Anscheinend gibt es Universen, jenseits des unseren, die mehr als unsere 3+1 Dimensionen kennen. Universen, in denen man sich vor und zurück, nach links und rechts, hoch und runter, aber zudem noch in eine vierte, fünfte oder gar sechste Raumdimension bewegen kann!

Und je mehr Dimensionen ein Universum hat, desto wahrscheinlicher und mächtiger wird Intelligenz.

In einem für uns wortwörtlich unvorstellbaren Universum gibt es eine Art Krieg, obwohl das Wort bei weitem unzureichend beschreibend ist. Eine Waffe, bösartig, quasi-intelligent, ringt mit einem Wesen und die einzige Methode diese Waffe zu bannen, besteht darin, sie ihrer Fähigkeiten zu rauben. Fähigkeiten, die vielen Dimensionen zur Funktion benötigen.

Zu diesem Zweck reißt das Wesen die Waffe mit sich, stürzt hinab und plättet sich gewissermaßen auf 3+1 Dimensionen zusammen, und schafft eine Konstrukt, welches sowohl das Wesen als auch die Waffe daran hindern soll, diese Plätte zu verlassen. Eine intelligente Gefängniszelle, die jeden Versuch der Flucht durch immer striktere Regeln zunichte Macht.



So ziemlich jeder Ort unseres Planeten ist besiedelt, bewohnt, bebaut, bebombt und allgemein belebt gewesen. Irgendwann. Wenn man tief genug gräbt, egal wo, findet man verfallene Tempel, desolate Laboratorien, monolithische Häuser, und andere Nachweise der Zivilisation. Die Welt ist ein dutzend Mal untergegangen, und wieder aufgestanden.



Ich will wirklich nicht zu viel verraten und trotzdem klar machen, wie gut Fine Structure ist.

Es werden weit auseinander liegende Geschichten erzählt, die jede für sich bereits ungemein interessant ist. Der konkrete Zusammenhang zwischen dem Skript, den Supermenschen und allen anderen Handlungssträngen ist nicht offensichtlich, zumindest nicht zuerst, und auch im späteren Verlauf muss man mitdenken und mitunter anhalten, um alles zu begreifen und zu durchdenken.

Sam Hughes weiß darum, und sieht es als Problem, welches durch eine Überarbeitung zu lösen gilt, aber dies ist vorerst von geringer Priorität. Er weiß, obwohl die Sprache verständlich ist, die Thematik ist es nicht, und sie besser zu erklären hat er sich für eine Überarbeitung vorgenommen.

So ist man für ein tiefergründiges Verständnis auf das FAQ angewiesen, in welchem die Leserkommentare zusammengefasst beantwortet wurden. Übrigens sollte man diese bei den einzelnen Kurzgeschichten allerdings meiden zu lesen, denn es gibt zwar eine empfohlene Lesereihenfolge, aber die Kommentare nehmen auch Bezüge auf noch folgende Geschehnisse.

Nur so als Hinweis, es lohnt sich ein zweites Lesen, nicht nur fürs Verständnis, sondern auch aufgrund mehrerer gut ausgeführter Entwicklungen in der späteren Handlung, die ein anderes Licht auf Ereignisse am Anfang werfen.

So bleibt nur zu sagen, wer sich über softe Science-Fiction aufregt, sollte sich mal Fine Structure durchlesen, denn die Geschichten bieten mit wunderschöner Begeisterung eine harte Grundlage für weiche Science-Fiction (nur eine Interpretation).

Titel: Fine Structure

Autor: Sam Hughes

Länge: etwa 600 Seiten

Sprache: Englisch

Freitag, 25. Mai 2012

Iron Sky

Mondnazis greifen an!

Womit die ganze Prämisse des Films benannt wäre. Iron Sky nimmt sich in etwa so Ernst wie Ralf, wenn ihr versteht was ich meine.

Wir schreiben das Jahr 2018, und die USA werden von einem Sarah-Palin-Verschnitt regiert. Um sich ihre Wiederwahl zu sichern, schickt sie zwei Männer zum Mond: Einer ein legitimer Astronaut, der andere ein Model. Ein schwarzes Model, James Washington, wegen der Stimmen.

Oben angekommen besteht die erste Amtshandlung darin, die Kampagnenbanner mit dem Schriftzug "Yes, She Can!" auszurollen.
Als die beiden dann bei der Suche nach Helium 3 über einen Kraterrand blicken und ein riesiges Hakenkreuzgebäude erblicken ist klar – hier stimmt was nicht.

Der Astronaut wird von einem typischen, in Leder gekleideten Nazi mit Gasmaske erschossen (natürlich mit einer Luger) und Washington gefangen genommen.

In der Basis kommt auch prompt der Mondführer Kortzfleisch um sich den Gefangenen von Nachrichtenübermittlungsoberoffizier Adler präsentieren zu lassen – bis dieser sich bei der Abnahme des Helms als Schwarzer entpuppt. Die Nazis sind natürlich mehr als Baff und Washington nutzt die Gelegenheit zur Flucht, trifft dabei auf die idealistische Lehrerin Renate Richter und wird schlussendlich doch wieder geschnappt.

Im weiteren Verlauf des Films werden im Prinzip alle hanebüchenen Verschwörungstheorien über Nazis aufgegriffen und durch den Fleischwolf gedreht, um einen grotesken Brei an wunderbar unterhaltsamen, aber in sich schlüssigem Stoff zu bilden.

Ich zähle mal auf:
  • Nazis haben Ufos und Weltraumzeppeline
  • Nazis haben Fusion
  • Nazis haben die Endwaffe Götterdämmerung
  • Nazis haben Antischwerkraft
  • Nazis wohnen auf der dunklen Seite des Mondes
Wie soll man das nicht lieben können? Nicht wegen den Nazis, sondern vielmehr aufgrund des Geflechts an Parodien – Sarah Palin als US-Präsidentin, deren PR-Chefin eine Tirade à la Der Untergang hinlegt, die Ohnmacht der Konföderation/UN in ihrem War Room nach Kubricks Vorbild, das berüchtigte "Ab 5:45 Uhr wird zurückgeschossen", Elemente von Weltraumopern wie Star Trek, die obligatorische Weltraumschlacht am Ende... All diese Elemente persiflieren breitgefächert sowohl unsere derzeitige Politik als auch den Irrsinn und Größenwahn der Nazis.

Von den Effekten ist der Film auch ziemlich spektakulär, vor allem durch die Weltraumszenen, die zu Ende hin ein Spektakel bilden. Und was das Ende anbelangt, so sollte man sich vor Augen halten, dass Iron Sky nicht in Hollywood geschrieben, produziert oder gedreht wurde, so dass einige typische Konventionen nicht befolgt werden.

Übrigens wurde der Film zu einem nennenswerten Teil durch Fans über sogenanntes Crowdfunding finanziert, womit sich beteiligende Personen gewisse Extras oder auch Gewinnbeteiligungen sichern konnten.

Insgesamt lässt sich sagen, Iron Sky hat mir sehr gut gefallen, teilweise sogar mehr noch durch die Implikationen als den Film selbst, und er ist definitiv sehenswert. Wer nicht so auf Parodien steht, sollte ihn sich aber vielleicht lieber ausleihen/kaufen. Allein schon, weil man dann den wunderbar übertriebenen deutschen Akzent der Schauspieler hören kann.

Titel: Iron Sky

Regisseur:
Timo Vuorensola

Länge: 92 Minuten

Montag, 6. Februar 2012

Homestuck

Homestuck ist problemlos einer der seltsamsten Webcomics, die ich bisher gelesen habe, und ich habe viele gelesen. Es gibt Zeitschleifen (sowohl offen als auch geschlossen), Weltbedrohungen, Internettrolle, Rollenspielelemente, weit mehr als einen Soundtrack, und allerhand mehr.

Allein die Besetzung erstreckt sich über mehr als ein Dutzend Charaktere, aber keine Bange, der Autor scheut sich nicht, diese mal zu totifizieren. Doch auch darüber muss man sich nicht zu viele Sorgen machen, denn der Tod ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. Wodurch man sterben kann? Buntblütige Trolle, einarmige, einäugige, fliegende radioaktive Hunde und cthulhuartige Greuelschrecken, um nur ein paar zu nennen. Und obgleich es an ihnen nicht mangelt, ist noch keiner an schlechten Wortspielen gestorben.

Inhalt

John Egbert freut sich auf seinen dreizehnten Geburtstag, denn an diesem Tag bekommt er Geschenke seiner drei Onlinefreunde Dave, Rose und Jade. Zudem ist es der Tag, an dem die Beta von SBURB ankommen soll, einem mit Vorschusslorbeeren überhäuften Online-Computerspiel. Das Spiel selbst ist auf Gruppenbildung ausgelegt, so dass man mit seinen Freunden gemeinsam spielt und gegenseitig Server füreinander wird. Nachdem sich John an seinem Harlekin-besessenem Vater vorbei geschlichen hat und einigen anderen Problemen, hält er schließlich die CD mit der Client-Version in den Händen, mit welcher er sich bei Rose einloggen kann. Anscheinend ist bei dem Spiel selbst noch kein Spieler überhaupt allzuweit gekommen, da ist der Ehrgeiz natürlich hoch. Da Rose der Server von John ist, kann sie an seinem Haus rumbauen, verschiedene Gegenstände kaufen und platzieren und später andere Gegenstände mittels eines der platzierten Geräte erschaffen. Dies alles kostet aber GRIST (Schrot), und keiner weiß, wie man an dieses Zeug kommt.

Während dessen erwehrt sich im Untergeschoss der Dad von John gegen Monster, die auf der Erde alles andere als üblich sind, von denen John aber noch nicht den Hauch einer Ahnung hat. Und dann wären da noch die Chattrolle, die seit längerer Zeit die vier Kinder belästigen...

Die Dramatik kommt zum Zuge als beim Aufstellen von einem der Geräte ein Countdown startet und sich ein Zusammenhang über all die abgebrochenen Erfahrungsberichte von SBURB mit den Meteoriteneinschlägen in letzter Zeit herauskristallisiert... Die Ziele des Spiels ohne Bedienungsanleitung sollte man anscheinend erfüllen, damit der Clientspieler überlebt, und wahrscheinlich auch für den Serverspieler.

Hintergrund

Ich könnte jetzt problemlos noch 5000 Wörter schreiben und Stück für Stück Homestuck nacherzählen, aber dann würde ich sehr vieles vorweg nehmen. So weit wie ich es bis jetzt beschrieben habe, geht es bis Seite vierhundert (mit unerwähnten Handlungssträngen).

Das mag viel wirken, aber ich gebe euch ein Größenverhältnis dazu, damit ihr euch eine Vorstellung davon machen könnt, was Homestuck umfasst: Über 4000 Seiten, mehrere Stunden Flashanimation und -spiel, über ein Dutzend Musikalben(u.A. Chiptunes, aber auch andere Genre), und viele, viele Handlungsstränge. Ich habe über vier Tage mit stark reduziertem Schlaf benötigt um auf den aktuellen Stand zu kommen, und das Suchtpotential alles auf einmal lesen zu wollen, ist enorm!

Das passiert, wenn ein Mann gerne Comics macht, eine postmoderne Herangehensweise hat und es sich für ihn genug lohnt, um davon leben zu können. Andrew Hussie, der Autor von Homestuck, verbringt überschlagsmäßig 90% seiner Zeit mit Homestuck und schafft es somit, im Schni 4-5 Updates pro Tag herauszubringen, wobei vor bestimmten Terminen (also größeren Updates wie Spielen oder Animationen) mitunter Pausen sind.

Interessant ist der Eindruck, den Homestuck vermittelt: Es ist absichtlich so ausgelegt, als wäre es nicht ein Comic sondern ein Spiel mit Texteingabe wie die frühen Textadventures, bei denen man etwas schreiben konnte und wenn das Programm gut war, diese Eingabe umzugesetzt wurde ("Kombiniere Hund mit Hahn" - "Bravo, du hast einen eierlegenden Huhnd geschaffen!"). Somit ist es also ein Webcomic im Gewand eines Spiels. Später gibt es Passagen, bei denen man wirklich die Kontrolle über einen Charakter übernehmen kann, also wird es ein spielbarer Webcomic im Gewand eines Spiels. Andrew Hussie liebt solche Verwirrungen offensichtlich, denn Homestuck ist voll davon. Die vierte Wand, welche die Geschichte vom Autor bzw. Publikum trennt, wird gelegentlich durchbrochen, es gibt Selbstreferenzen, Rückgriffe und so ziemlich alles, was man im großen Werkzeugkatalog der Postmoderne finden kann.

Aber wie IST es?

Während Homestuck am Anfang ausschließlich witzig ist, teilweise durch die simple Absurdität der durch Scheinspieler gegebenen Texteingaben, wächst die Handlung und fügt auch ernstere Elemente hinzu, ohne dabei die Witzigkeit zu vernachlässigen.

Ich rate euch nur, falls ihr ein Faible für Adventures und Rollenspiele habt, und gute Geschichten nicht aus der Hand legen könnt, konsumiert Homestuck in euren Ferien oder im Urlaub, denn es braucht seine Zeit und das Englisch ist teilweise durch die Verwendung obskurer Begriffe und Kofferworte etwas schwerer zu verstehen.

Titel: Homestuck

Autor: Andrew Hussie

Seiten: über 4000, häufig animierte GIFs, teilweise farbig

Zyklus: 30-40 Seiten/Woche

Sprache: Englisch


Andrew Hussie:
Oh, ich zeichne nicht einfach Homestuck...
ICH BESCHWÖRE DIESE UNERSCHROCKENE FANTASIELANDSCHAFT HERAUF AUS DEN TRÄNEN WEISHEITSMÜDER AUGEN VON FÜNFZIGTAUSEND IMAGINÄREN MAGIERN. MIT VERZAUBERTEM GRÖLEN, GEPLÜNDERT VON EINER GILDE FLEGELHAFTER MYTHISCHER ZWERGE, ZIEHE ICH SCHWERES LEINEN VON DEN BRUMEN DER INSPIRATION. UNERMESSLICHE KNOLLIGE RÄTSELSPINNEN PRESSEN DIE SEIDENEN STRÄNGE REINER LAUNE DURCH DIE SCHEUßLICHEN SPINNDRÜSEN IHRER HINTERLEIBER UND DIESE SIND ES AUS WELCHEN ICH DEN UNVERFRORENEN KOKON EXQUISITER LÜGEN WEBE. UND WENN ES SCHLÜPFT, WIRD EINE GROßE MOTTE DER ERREGUNG ERWACHEN UND BRÜLLEN UND IHRE FLÜGEL SCHLAGEN, UND DAS NIEDERFALLENDE PULVER WIRD DIE HUMORALIEN EINES UNGEHEUERLICHEN ALTEN BETTLERS FESTSETZEN UND SOMIT DEN GEIERHAFTEN, LEDRIGEN KLEMMGRIFF, WELCHEN ER UM DEINEN GEFANGENEN VERSTAND LEGTE, LÖSEN.


Mittwoch, 11. Januar 2012

Adventure Time


Man fragt sich bei Adventure Time with Finn and Jake gleich nach den ersten paar Minuten, ob die Macher dieser Trickfilmserie etwas nicht ganz legales zu sich genommen haben – alles ist seltsam. So beginnt beispielsweise die erste Folge mit aus Versehen zombifizierten Bonbonmenschen, welche sich auf die anderen Bonbonmenschen stürzen und deren Zucker wollen – also ihr "Fleisch". In ähnlich absurder Weise geht es weiter, wobei bei weitem nicht oft solche potentiell gruseligen Themen angeschnitten werden.

Doch fangen wir von vorne an. Finn ist ein zwölfjähriger Junge ist und Jake ist Mitte zwanzig, hat eine eher entspannte Haltung und ist ein magischer Hund, das heißt er kann sich in großem Maße dehnen, strecken und schrumpfen. Beide wohnen zusammen in einem Baumhaus und retten Prinzessinnen, raufen sich mit Raufbolden im Raufbolddorf, liefern sich Kämpfe mit dem Eiskönig und anderen Bösewichten und haben allgemein Spaß und Abenteuer. Von den beiden ist Finn das Energiebündel, während Jake meist relativ entspannt die Sachen angeht.

Natürlich gibt es Probleme und Konflikte, aber diese lassen sich meist mit einem Schwert bekämpfen oder mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft lösen. denn genau das wollen Finn und Jake – Abenteurer sein und jedem helfen, der Hilfe benötigt.

Und die Welt ist reich an Gelegenheiten zu beidem. Sehr viele ungewöhnliche Dinge auch jenseits von Süßigkeiten können reden und leben ihre Leben und allgemein folgt alles einer Logik, wie man sie in den Spielen und Träumen von Kindern erwartet. So gibt es beispielsweise statt Werwölfen Warumwölfe, Bonbonpersonen können durch ankleben von anderen Süßigkeiten wachsen, die Vampirin spielt Bass und seit Finn einen Computerchip verschluckt, kann er mit Computereffekten singen.

Dabei ist die Serie so erfüllt mit Klischees und Stilmitteln, dass man keinen Schritt gehen könnte ohne über eins zu stolpern. Durch ihre hervorragende Umsetzung macht es aber wirklich Spaß zuzuschauen! Allein schon die Dialoge, welche nicht dem Schnitt des Senders zum Opfer gefallen sind, machen die Serie in meinen Augen sehenswert.

Interessanterweise schwankt die Animation recht stark von Folge zu Folge, was ein nicht übertrieben rigides Markenbewusstsein vermuten lässt. Zum Beispiel sind üblicherweise Trickfilmserien sehr auf die Beständigkeit der Charakterdesigns bedacht, während bei Adventure Time Jake von Folge zu Folge schon mal eher rund oder eher lang sein kann. Anscheinend lässt man den Animationsteams und Regisseuren einen gewissen kreativen Freiraum, was ich persönlich toll finde.

Im Gegensatz zu vielen Trickfilmserien gilt bei Adventure Time der Status Quo nicht als unantastbar, sondern vielmehr wird ein recht hoher Wert auf Kontinuität gelegt. Glücklicherweise hält sich das aber im Hintergrund, wodurch ein Vorwissen nicht nötig ist und man jederzeit in die Serie einsteigen kann.

Als eher aktuelle Serie interagieren die Macher von Adventure Time sogar mit den Fans und bei ausreichendem Potential und Anklang werden Ideen und Vorschläge berücksichtigt, sowie mit dem Fakt von Fans an sich gespielt. Ein Beispiel dafür wäre die Idee mit dem Minikatzenattentäter, welche zu einer ganzen Folge ausgebaut wurde.

Noch etwas zum Hintergrund: Nach der Kurzfolge, die sehr gut im Internet ankam, hat Nickelodeon zweimal eine Serie abgelehnt, worauf hin sich Pendleton Ward an Cartoon Network wandte und sofort eine Zusage bekam. Aufgrund des mehrseitigen Humors, der sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht, hat die Serie eine breite Fanbasis für sich gewinnen können.

Zur Zeit wird die dritte Staffel ausgestrahlt, und für eine Umsetzung auf deutsch kann ich nur hoffen und bangen, denn obgleich der Humor nicht unübersetzbar ist, ist eine gute Umsetzung definitiv fordernd.



Titel: Adventure Time (with Finn and Jake)

Kreativer Kopf: Pendleton Ward, Adam Muto

Studio: Frederator

Länge: 13 Doppelfolgen je Staffel, 11 Minuten je Folge

Nachtrag: Ich bin mittlerweile im Besitz der deutschen DVDs der ersten Staffel, die übrigens vor den US-Varianten herauskamen, dafür aber weniger ikonische Cover und unterbestückt im Bereich Extras sind. Die deutsche Synchronisation ist gelungen und die Stimmen größtenteils gut besetzt, bloß von Prinzessin Bubblegum bin ich etwas enttäuscht. Für die interessierten, Adventure Time läuft zur Zeit täglich auf Cartoon Network und Sonnabends im Vormittagsprogramm von Kabel 1.

Samstag, 8. Oktober 2011

Priest

Seit Anbeginn der Zeit kämpfen zwei Spezies auf der Welt um die Vorherrschaft, die Menschen und die Vampire. Jahrhundertelang waren die Menschen nicht mehr als Vieh und Nahrung für die Vampire, und was die Menschen in festungsartige Städte trieb. Erst mit der Entwicklung einer Waffe gegen die Vampire konnten sich Menschen wieder aus ihren Festungen wagen. Die Priester, Kämpfer menschlichen Blutes und doch geschickt und schnell genug um es mit den unmenschlichen Vampiren aufzunehmen, jagten den Feind und töteten ihn, wieder und wieder und wieder und jagten ihn solange, bis die Vampire nur mehr in Reservaten leben konnten.

Soviel zur Hintergrundgeschichte. Es ist die klassische Postapokalypse:
  • Mad-Max-Umwelt (Wüsten, Sand, Felsen, Trockenheit), 
  • totalitäre Obrigkeit (Kirche, Rituale, Kutten, Uniformen),
  • ehrliche Menschen versuchen in der Außenwelt sich ein Leben aufzubauen und schlussendlich
  • die Bedrohung der Überreste der Menschheit durch einen unmenschlichen Feind.
Der tituläre Priester trägt mit seinem Glauben an ein Wiedererstarken der Vampire Eulen nach Athen, denn die Obrigkeit glaubt ihm nicht und brandmarkt ihn nach dessen vorhersehbaren Reaktion als Ketzer, der von den anderen Priestern zur Strecke gebracht werden soll. Natürlich hat unser Titelheld eine dunkle und aufgewühlte Vergangenheit, natürlich steckt mehr hinter den Vampiren, natürlich beißt ihm seine Vergangenheit ins Bein, und natürlich beißt er zurück.

Der Film ist somit wirklich vorhersagbar. Es gibt keine überraschenden Wendungen, und ehrlich gesagt nichts, was ihn positiv oder negativ hervorheben würde aus dem Einheitsbrei des actionlastigen Popcornkinos.

Hintergrund

Hm. Angeblich soll dieser Film auf dem gleichnamigen Mahnwa basieren, aber nach dem Überfliegen der Handlung des letzteren scheint mir "angeblich" noch ein zu starkes Wort zu sein. "Hat die Buchrücken aus der Ferne gesehen" würde vielleicht besser passen.

Nichtdestotrotz hat der Film einige schöne Effekte (der Regisseur hat seine noch aktiven Wurzeln in dieser Zunft), Verbrechen gegen die Gesetze der Biologie und Physik und na ja, Popkörnigkeit halt. Für einen DVD-Abend oder zur Hintergrundberieselung reicht es.

Titel: Priest

Länge: 87 Minuten

Regisseur: Scott Stewart