Posts mit dem Label Rassismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rassismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 13. August 2018

The Wandering Inn

Kann Spuren von Säurefliegen enthalten

In The Wandering Inn folgen wir mehreren Charakteren aus unserer Welt, die ohne Vorwarnung in eine andere Welt versetzt werden. Und mit keiner Vorwarnung meine ich wirklich keinerlei Vorwarnung. So ist beispielsweise die Hauptcharakterin, Erin, auf dem Weg zur Toilette, öffnet die Tür, und steht vor einem Drachen. Sie tut was jeder normale Mensch tun würde, der einem hausgroßen, goldschuppigen, mit armlangen Zähnen besetzten drachenartigen Wesen ins Gesicht schaut – sie rennt kreischend davon. Nach einer nervenaufreibenden und massiv unterdrückten Flucht findet Erin einen heruntergekommenen Gasthof und legt sich in diesen, bloß um aus dem Regen zu kommen.

Andere Charaktere haben weniger aufreibende, aber nichtsdestotrotz gleichermaßen banale Transite.

Und sobald sie in dieser neuen Welt sind, wird es erst richtig interessant. Zuerst folgen wir Erin, wie sie in dieser Welt ankommt und einen Gasthof findet. Dieser steht nicht weit ab von der Stadt Liscor, deren Wehrmauern ein dutzend Meter in die Höhe ragen und von aufrecht laufenden Echsen bewohnt wird, sogenannten Drakes. Diese stellen jedoch bloß die Bevölkerungsmehrheit; es gibt auch noch humanoide Hyänen, Gnolls genannt, sechsarmige, aufrecht laufende Ameisen, ein paar Bestienartige und neuerdings eben noch einen Menschen: Erin.

Als extrovertierte und bewusst fröhliche Person freundet sie sich mit diversen Leuten aus der Stadt an, wie zum Beispiel Relc und Klbkch, ein Drake bzw. Antinum, die beide [Gardisten] in der Stadtwache sind. Sie verkauft ihnen Lasagne, ein Gericht, dass es in dieser Welt noch nicht gab, und ohne welche Erin wahrscheinlich verhungert wäre.

Und als wäre das nicht genug, scheint es auch noch so als könnten Menschen, oder besser gesagt alle vernunftbegabten Lebewesen, sich Level in diversen Jobs verdienen. Man bekommt diese, wenn man eine entsprechende Tätigkeit aufrichtig durchführt. Um [Gastwirt] zu leveln, kümmert man sich um einen Gasthof, als [Rezeptionist] spricht man mit Kunden und hilft diesen an der Rezeption, und wenn man regelmäßig mit Anderen und Monstern kämpft, dann wird man ein [Krieger]. Dabei ist man nicht auf nur einen Beruf eingeschränkt – die nomadischen Gnolls haben zum Beispiel oftmals Level in [Koch], [Kundschafter], [Bogenschätze], etc. Genauso kann man auch in gewissen Maßen aufsteigen oder sich spezialisieren: Ein [Leutnant] kann ein [Oberst] und später ein [General] werden, ein langjähriger [Krieger] kann je nach Waffenvorzug [Schwertkämpfer] oder [Speerkämpfer] werden, und so weiter.

Allgemein ist die Welt sehr ausgebaut, mit mehrere Kontinenten, auf denen noch weit mehr verschiedene Völker leben; es gibt die üblichen Verdächtigen wie Zwerge und Elfen (letztere sind aber seit Jahrtausenden ausgestorben), aber halt auch Drakes, nicht zu verwechseln mit den Echsenleute, Bestienleute, die wie archetypische menschenähnliche Tiere wirken, spanngroße Fraelinge, Dämonen, und so weiter. Die Welt im allgemeinen ist ungemein groß, selbst das kleinste Kontinent spannt tausende Kilometer in alle Richtungen, und überall tummeln sich Monster, natürlichen und unnatürlichen Ursprungs.

Falls also jemand ein Herz für gut ausbaute Welten hat, der wird hier durchaus zufrieden werden.

Übrigens kann man das erste Buch sowie alle anderen auch ohne Geld dafür auszugeben online lesen. Allerdings sollte man gewarnt sein: pirateaba hat innerhalb der zwei Jahre schon über 2.000.000 Worte veröffentlicht, was in etwa dem doppelten der Harry-Potter-Heptalogie entspricht. Jede Woche kommen neue Kapitel raus, die sich mittlerweile in der Größenordnung um 8.000 Wörter bewegen.

Aufgrund der Länge gibt es natürlich sehr viele Charaktere, und auch wenn die Hauptcharakterin Erin ist, so werden immer wieder andere Erzählstränge neu aufgegriffen und weitergeführt.

Und um das mal in Relation zu setzen: ich habe das ganze Buch innerhalb von 3–4 Tagen verschlungen. Und anschließend des Rest der Webnovel, wofür ich dann weitere zwei Wochen gebraucht habe.



Ziemlich gutes Buch, das ich mir trotz kostenloser Verfügbarkeit gekauft habe.

Titel: The Wandering Inn, Volume 1

Autor: pirateaba

Länge: 1100 Seiten (346.000 Wörter, Durchschnittlänge eines Buches von Das Lied von Eis und Feuer)

Sprache: Englisch, einfach bis mittel (hängt teilweise von der Erzählperspektive ab)

Ein Schankraum. Zu sehen sind Nekromant Pisces, Läuferin Ryoka, Skelett Toren, Gardisten Relc und Klbkch, und natürlich Gastwirtin Erin.

Nun noch mal meine persönliche Meinung:
Mir gefällt The Wandering Inn vielleicht so gut, weil die Erin eine sehr normale Person ist, die keine inhärente Kompetenzgranate ist, die alles einfach so wegsmasht. Im Gegenteil; sie hat Probleme und schiebt diese vor sich her, bis sie sich ihnen stellen muss. Sie würde gerne faulenzen, aber packt an, weil sie ansonsten verhungern würde, selbst als Gastwirtin. Während der dunklen Stunden vermisst ihre Freunde und Familie, aber weiß, dass sie erstmal nichts besseres tun kann als zu überleben. Viel zu oft sind LitRPG Charaktere mit ihren Leveln und Grinden oder Mechanik beschäftigt; in dieser Welt hingegen gibt es diese Mechanik seit Jahrtausenden und jeder hat sich damit arrangiert. Runde Level oder Jobspezialisierungen werden gefeiert, jeder hat einen Job und sei es [Bettler], und die Welt wirkt ganz allgemein viel belebter als andere Settings, bei denen die Levels einfach bloß aufgepfropft wurden.

Montag, 19. Mai 2014

The Mote in God's Eye

Der Aufstieg und Fall von Zivilisation als Bevölkerungskontrolle



Jahrhunderte nachdem ein Raumsprungantrieb entwickelt wurde, ist die Menschheit regelmäßig in dem Aufbau und Zerstörung von menschlichen Reichen beschäftigt und es wurde bisher kein intelligentes Leben entdeckt. Graduell steigt die Spitze der Technologie, aber der stete Zwist mit anderen menschlichen Reichen lässt diese regelmäßig in Vergessenheit geraten.

Momentan sind große Teile der Menschheit in einem quasifeudalistischen Imperium vereint, dass seinem Vorgänger nachstrebt, aber noch nicht gleich kommt. Die Antriebe erlauben Beschleunigung mit mehrfacher Erdbeschleunigung, ein Sonnensystem ist relativ klein, was die Reisezeit angeht, und die anderen Sterne sind nur einen Raumsprung entfernt. Da entpuppt es sich doch als äußerst überraschend, als in einem besiedelten System ein Raumschiff auftaucht, das mit Sonnensegeln angetrieben wird – und dessen Endstation ein Stern ist.

Schnell wird das von dem Segel gezogene Raumschiff geborgen, aber große Teile der Mannschaft verlassen zuvor das Schiff und lassen den Piloten zurück, der die Bergung nicht überlebt. Und er ist offensichtlich kein Mensch, sondern ein Außerirdischer, mit Fell und einem seltsam asymmetrischen Körperbau.

Mit einer gleichermaßen fremdartigen Technologie ist schnell klar, dass Kontakt zu diesen Aliens hergestellt werden muss; ein Kreuzer voller Wissenschaftler und ihrer Geräte sowie ein Schlachtschiff werden zu dem Ursprungssystem der fremden Raumschiffes geschickt.

Dort angekommen stoßen sie auf eine seltsame, hochentwickelte Kultur…



Ich habe Mote als Hörbuch gehört, aber das war trotzdem schon recht nett. Insbesondere der typische schottische Dialekt der Ingenieure, der sogar eine Erklärung erfährt, ist spaßig zu hören.

Davon abgesehen ist Mote eine gute Betrachtung eines ersten Kontaktes mit einer sehr fremdartigen Kultur; viele der uns naheliegenden Designprinzipien treffen auf die sogenannten Moties nicht zu, allein schon aufgrund der Zeitspanne, während derer sie Zivilisation und Technologie sich zu eigen gemacht hatten. Da sie nicht an das interstellare Straßensystem des Raumsprungs angebunden sind (ihre "Straße" fährt aus ihrer Sicht gegen eine Wand, ist aber eher eine Hürde), haben sich die Moties nie jenseits ihres Systems ausbreiten können. Gerade aufgrund dieser Beschränkung gab es evolutionäre Drücke, welche eine Einnischung in verschiedene Unterarten nötig machte.

Niven und Pournelle verbringen gut ein Drittel des Buches mit der Hinleitung, bevor die Aliens überhaupt besucht werden, und in diesem Drittel wird eine nachvollziehbare und glaubwürdige Gesellschaftssituation der Menschen in einem interstellaren Lebensraum dargestellt. Eine Quasiaristokratie, ähnlich den Abh in Crest of the Stars, mit einem Hauptherrscher und Adligen in ihren System, die einen halbwegs autonomen Handlungsspielraum genießen, aber unter Beobachtung der mächtigen Raumflotte stehen.

Die Moties und ihre Geschichte sind gleichermaßen ausgearbeitet und tiefgründig und der zweite Teil dreht sich darum, genau diese Hintergründe herauszufinden, während das letzte Drittel die Konflikte aus dem zweiten verarbeitet.



Eine nette Weltraumoper.

Titel: The Mote in God's Eye (dt: Der Splitter im Auge Gottes)

Autor: Larry Niven, Jerry Pournelle

Länge: 874 Seiten, 20+ Stunden

Sprecher: L. J. Ganser

Montag, 13. Januar 2014

Der Hobbit – Smaugs Einöde

Bilbo auf einem Berg Goldmünzen, im Hintergrund das übergroße Auge des Drachen Smaug

Die Hybris des zornigen Zwerges

Im ersten Teil der Hobbittrilogie brachen der Hobbit Bilbo Beutlin, die Zwerge Dwalin, Balin, Fíli, Kíli, Dori, Nori, Ori, Óin, Glóin, Bifur, Bofur, Bombur und Thorin sowie Zauberer Gandalf auf, um den Drachen Smaug vom einsamen Berg und der Zwergenstadt Erebor zu vertreiben. Der Film endete nach einigen Abenteuern mit der gesammelten Gesellschaft, die über einen Wald und See hinweg den einsamen Berg erblickten.



Nachdem die Gemeinschaft im vorigen Teil gerade so dem Ork Azog entkam, flieht sie nach wie vor vor ihm. Sie schneien ungebeten, unerwartet und vor allem ungeliebt bei dem Gestaltenwandler Beorn herein und suchen Zuflucht bei ihm. Ihr einziges Heil ist, dass Beorn Orks noch mehr hasst als Zwerge und die Gemeinschaft daher trotzdem bei ihm Unterschlupf findet.

Anschließend wandern der Hobbit, die Zwerge und der Magier zum Dunkelwald. An dessen Eingang trennen sich aber die Wege, denn Gandalf muss einer Spur nachgehen, die ihn auf den Pfad des Nekromanten lenkt.

Ohne den mäßigenden Einfluss des weisen Zauberers wagen sich also Bilbo, Thorin und die anderen Zwerge in den von Elfen bewohnten Walt. Alsbald kommen sie vom Weg ab und werden von den Elfen gefunden und gefangen genommen, denn Thranduil, der Elfenkönig, ist nicht gut auf Zwerge zu sprechen, so wie Thorin im Gegenzug.



Ich versuche gar nicht erst, die Geschichte weiter nachzuerzählen. Sie kommen auf jeden Fall noch nach Seestadt und im Anschluss wagen sie sich in die Höhle des Drachen.

Während der erste Film sich eher um Bilbo drehte, rückt bei Smaugs Einöde Thorin etwas mehr in den Vordergrund, sowie sein Ingrimm auf die Welt und seine Sache. Er ist fast immer zornig, sei es auf Elfen, auf Gandalf, Orks oder Feigheit. Da ist es nur natürlich, dass seine Sturheit ihn zwangsläufig mit anderen, aber nicht nur nominell mächtigen Charakteren, die Köpfe stoßen lässt.

Schade, dass dadurch die anderen Zwerge ins Hintertreffen geraten.

Auch bekommen wir Legolas wieder zu Gesicht, den Sohn Thranduils, und dementsprechend skeptisch gegenüber Zwergen. Eine weitere Elfe ist Tauriel, die zum einen als Konfliktcharakter für Legolas sowie interessanterweise in einer romantische Nebenhandlung mit Kíli verstrickt ist.

Die Musik und Bilder sind wieder von epischem Ausmaß und mir kam es so vor, als hätte Smaugs Einöde nicht die gleichen Längen wie Eine unerwartete Reise.

Während 3D nett war, habe ich es nicht als einen sonderlichen Mehrwert empfunden. Das HFS/48fps hingegen hat zu einer merklichen und positiven Änderung in der Bildqualität geführt.



Alles in allem ein sehr guter Film.

Titel: Der Hobbit – Smaugs Einöde

Regie: Peter Jackson

Länge: 162 Minuten

Freitag, 3. Januar 2014

Reunions are a Bitch

Seitenansicht und Größenverhältnis ( 1 Pixel = 10 Meter)  ausgewählter Raumschiffe aus Stargate und Battlestar Galactica; Basierend auf Dirk Loechels Starship Size Comparison Chart ( http://dirkloechel.deviantart.com/ )
(neues) Battlestar Galactica greift (spätes) Star Gate an

Battlestar Galactica (nBSG) ist ein wiederaufgelegte Science-Fiction-Serie, in der hunderte Meter bis Kilometer große Schiffe von Menschen mit einem verschwenderischen Verbrauch von Atomwaffen gegen Roboter kämpften.

Stargate (SG1) ist eine lang laufende Science-Fiction-Serie, die in der Gegenwart spielt, mit Aliens auf der Seite der Menschen und der Gegner, mit Raumschiffen und Verschwörungen und Energiewaffen und dergleichen.

Reunions spielt mit dem Gedanken, was ein Angriff der Menschen aus BSG gegen die Erde aus den späten Staffeln von Stargate bedeuten würde. Vorwissen zu mindestens einer der Serien ist zwingend nötig, denn es wird nicht viel Zeit mit der Charakterisierung der verschiedenen und häufig wechselnden Personen verbracht.

Vielmehr scheint mir der Autor die Charaktere bloß als Blickpunkte zu nehmen, um die verschiedenen Entwicklungen dieses fusionierten Universums zu beschreiben. Es wird erschreckend viel Zeit auf die Mobilisierung und Militarisierung der Erde verwandt, auf die logistischen Aspekte von Aufrüstung, von Materialbeschaffung und weiteren militärischen Erwägungen auf höheren Führungsebenen.

Der Autor hat sich dabei für eine Entwicklung zugunsten der Erde entschieden, mit einer Porträtierung von Politikern als überflüssige und hinderliche Hinterzimmer- und Populäraffen, die lieber den Militärs das Führen überlassen sollten und deren Entscheidungen alle einfach abnicken.

Die Erde wird dabei interessanterweise als einfacher diesem Zweck zu beugen beschrieben im Verhältnis zu dem politischen System von nBSG, was aber vermutlich auch dem Szenario geschuldet ist – die Erde wurde angegriffen und von mehr oder weniger nuklearen Querschlägern 100 Millionen Menschen getötet. Da ist die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft nachvollziehbar.

Aus der Sicht von nBSG ist die Erde "bloß" eine verlorene Kolonie, die zurück in den Schoß der Zivilisation gebracht werden muss, ob sie will oder nicht. Die Rückschlagung der Invasionsflotte und Vergeltungsschläge der Erde machen den dortigen Menschen aber schnell klar, dass das was anderes wird als eine einfache Befriedung.

Das Englisch ist nicht so schwer, aber von militärischen Begriffen durchsetzt, was die Lesbarkeit erschwert, zumal die Rechtschreib- und Grammatikfehler relativ zahlreich sind. Ärgerlich, wenn dies auch noch gleichklingende Worte betrifft, da fehlt definitiv ein Editor/Lektor.

Zur Zeit befindet sich die Geschichte in einer Ruhephase, nachdem der Autor krank geworden ist. Im Gegenzug scheint es vielleicht erst zur Hälfte abgeschlossen zu sein, was bei über 300k Wörtern beachtlich ist.

Man sollte mindestens eine der beiden Serien gesehen habe, um die Geschichte zu durchblicken. Vorzugsweise beide.



Nicht so toll, aber gut genug.

Titel: Reunions are a Bitch/Deleted (URL: https://www.fanfiction.net/s/3546854/1/Reunions-are-a-Deleted)

Autor: Ash's Boomstick / Bob Regent

Länge: 350k Wörter, ca. 2000 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel mit militärischen Fachbegriffen

Status: Laufend, pausiert

Montag, 11. Februar 2013

Django Unchained

Django Unchained

Ein Spaghettiwestern in den Südstaaten



Django ist ein Sklave, Und Dr. King Schultz ein Sklave. Zumindest sind dies die ersten Eindrücke, die man von den beiden bekommt. Django, frisch auf dem Sklavenmarkt ersteigert, muss zusammen mit anderen Sklaven in Ketten durch die kalte Wildnis marschieren, während ihre Wärter auf Pferden daneben reiten.

Als ihnen ein Pferdewagen mit einem übergroßen wackelnden Backenzahn entgegenkommt, sind alle natürlich verwirrt. Der Fahrer des Wagens ist Dr. King Schultz und er sucht einen bestimmten Sklaven, Django. Als er ihn findet, möchte der eloquente Doktor diesen Sklaven erwerben. Die beiden anderen Gentleman wollen das nicht und bedrohen Schultz.

(Aus Spoilergründen sage ich hier nichts weiter)

Dr. Schutlz, seit fünf Jahren Kopfgeldjäger statt praktizierender Zahnarzt, schließt mit Django einen Handel: Zusammen machen sie eine gesuchte Bande ausfindig, von denen Django die Gesichter kennt, und im Gegenzug wird Django ein freier Mann und am Kopfgeld beteiligt.

Im Verlauf der Suche nach der Bande freunden sich der deutsche Doktor Schultz und Django an und der Juniorpartner erzählt von seinem früheren Herrn, seiner Frau Hildy, und seiner Suche nach ihr und Rache an ihren und seinen Peinigern. Schultz, in einer Art Verantwortung für "seinen" freien Mann, will Django helfen und zusammen machen sie Hildy's Käufer ausfindig, Monsieur Candi, Besitzer der viertgrößten Südstaatenplantage Candyland, Altes Blut im Sklavenhandel und Veranstalter von Sklavenringen bis zum Tod.

Bloß wie kauft man einem Händler Ware ab, wenn dieser weiß, dass man sie unbedingt haben will? Schultz hat da einen Plan...



Wie für Tarantino üblich ist auch Django Unchained eine Hommage, und zwar dieses Mal an Spaghetti-Western und Blaxploitation. Bloß verpflanzt Tarantino die oftmals typische Rachehandlung, wie sie auch hier vorkommt, von dem Wilden Westen in die Südstaaten und den daraus folgenden Konsequenzen. Django, befreiter Sklave, wird auf seinem Pferd wild und empört beäugt, während der überaus intelligente Dr. Schultz sich mit seiner Engelszunge aus Teufels Küche herausreden kann - beides nicht gerade typische Figuren von Spaghettiwestern.

Interessant oder auch zu bemängeln ist, dass Django als Charakter zwar formell die Hauptperson darstellt, er aber oftmals durch die kraftvoll gespielten Nebenfiguren von Dr. Schultz (Christopher Waltz), Monsieur Candi (Leonardo DiCaprio) und dessen Hausnigger Stephen (Samuel L. Jackson) überschattet wird. Und wie auch bei seinen früheren Filmen spielen die Dialoge einen wichtigen Aspekt in der Charakterisierung der Figuren.

Im Verhältnis zu manchen von Tarantinos anderen Werken halten sich die zerfetzten Innereien im Rahmen (oder Körperinneren), aber wer einen schwachen Magen hat, sollte vielleicht trotzdem nicht vor dem Film Essen gehen.

Manch einer mag kritisieren, dass der Film recht lang war, für mich hatte er aber trotzdem nicht übermäßige Längen. Vielleicht hätten die Produzenten lieber wieder eine Duologie wie Kill Bill gehabt, aber wer weiß das schon.



Mein Fazit ist, dass der Film aufgrund der Dialoge und Charaktere sehenswert ist, und die Gewalt und blutigen Szenen oft genug so übertrieben sind, dass sie ins Witzige abgleiten.

Titel: Django Unchained

Regie: Quentin Tarantino

Länge: 165 Minuten


PS: Witziger Nebeneffekt der Synchronisation: Samuel L. Jackson's Stimme kennen wir nicht nur von dem Schauspieler in verschiedenen Rollen wie Mace Windu, Nick Fury and Jules Winnfield, sondern auch als Bill Cosby... was hervorragend zu dem nörgelnden Stephen passt!

Sonntag, 15. Juli 2012

Der Diktator

Krude Witze auf dem Rücken von rücksichtslos allen Minderheiten.

Sacha Baron Cohen ist vielen vermutlich ein Begriff, sei es durch seinen Film Borat oder durch die Figur des Ali G. Der Diktator setzt sich davon nicht wirklich ab.

Admiral General Hafiz Aladeen ist der Führer und Diktator des fiktiven arabischen Wüstenstaates. Seine Macht begründet sich auf unverhohlenen Israelhass, militärische Drohgebärden, Atomavancen und die Unmenge an Ölvorkommen.

Die UNO ist davon natürlich wenig begeistert und drückt Sanktionen durch, die Aladeen an den Verhandlungstisch nach New York zwingen. Dort wird klar, dass der ursprüngliche geplante Diktator – Onkel Tamir – seinen geliebten bärtigen Führer loswerden will, damit er das Öl seiner Landsleute teuer an die Russen, Amerikaner, Briten und Chinesen verkaufen kann.

Doch das Attentat misslingt, Aladeen ist bart- und somit identiätslos und nun im Big Apple auf sich allein gestellt. Nun ja, fast, er hat ja noch seine Vorurteile.

Durch Missverständnisse freundet er sich (unter falschem Namen) mit der veganen, linksalternativen, feministischen, politaktiven und burschikosen Bioladenbesitzerin Zoe an. Sie hält seine beleidigenden Bemerkungen zuerst für eine Art von Humor und es dauert wirklich lang, bis sie deren Ernsthaftigkeit erkennt.

Nebenbei stellt Aladeen fest, dass seine Diktatur von Widerstandszellen unterwandert ist und wirklich jede Hinrichtung fingiert war und die Opfer im Ausland Asyl gesucht haben. Eines dieser Opfer ist Nadal, ehemaliger Leiter des Atomwaffenprogramms. Er arbeitet bei Apple, also Grund genug zusammen mit Aladeen die Einführung einer Scheindemokratie in Wadiya durch Tamir und ein Aladeendouble zu verhindern.

Wenn es scheint, dass ich die Handlung verrate, dann habt ihr recht. Nennenswerte Teile davon habe ich hier bereits erwähnt.

Allerdings ist die Handlung auch bloß 08/15-Scheinwerk, dass dem eigentlichen Zweck, Humor, untergeordnet ist.

Allerdings muss ich sagen, Humor ist Geschmackssache und zutiefst den eigenen Erfahrungen und Sensibilitäten unterworfen. Ich habe zum Beispiel keine Freude an Fäkal- oder Sexualhumor und fand die entsprechenden Stellen einigermaßen eklig und weit ab von witzig, wenn auch absurd.

Allerdings lebt der Diktator nicht von diesem, sondern von Minderheitenhumor. Cohen schlägt in der Figur des Aladeen hemmungslos auf Minderheiten und Vorurteile ein, Wadiya ist ein Klischeepotpourri, und wer auf sowas steht, wird sicherlich sehr viel lachen können.

Das Perfide ist, auch wer nicht darauf steht, wird zwangsläufig lachen, weil es manche Momente gibt, wo die schiere Absurdität und Dreistigkeit der Figuren einem keine andere Wahl lässt.

Ein anderes Element, das etwas hintergründiger ist und fies reflektiert:
Achtet einfach Mal darauf, wie schnell ihr bei manchen Dreistigkeiten schmunzelt und bei anderen empört seid. Allein dies sollte schon einen gewissen Einblick auf die persönlichen, bestehenden Vorurteile ermöglichen.

Alles in allem: Geschmackssache.

Titel: Der Diktator

Regisseur: Larry Charles

Länge: 83 Minuten