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Mittwoch, 2. August 2017

An Unwelcome Quest (Magic 2.0, Band 3)

4 Personen umrunden den herausstehenden Abhang eines Berges. Sie sind alle in mittelalterlich-bäuerlich gekleidet, haben aber Schwerter. Im Hintergrund ist eine schwarze Burg. Alles ist im 16-Bit-Ästhetik
Jetzt wird es ernst. Na ja, teilweise.

Im dritten Band von Magic 2.0 werden Phillip und Freunde entführt, ihrer magischen Fähigkeiten beraubt, und müssen eine klassische Quest durchstehen, komplett mit Kämpfen gegen wilde Kreaturen wir Sandwölfe. Oder Klippenwölfe. Oder Waldwölfe. Oder Flusswölfe.

The next wolf somehow attacked from behind, but by this point, Phillip had gotten the hang of waiting for them to leap, then pushing them off the cliff while they were in midair. All the others agreed: you wouldn’t want to mess with Phillip if you were both standing on a cliff. He had become the master of death by shoving.
— An Unwelcome Quest, Kapitel 7

Okay, die Quest ist eher schlecht als recht implementiert, zugegeben, aber wenn man nicht aufpasst, können die Wölfe durchaus gefährlich werden und einen verletzen.

Ich will den Grund für die Quest hier nicht vorwegnehmen, aber wer den vorigen Band gelesen hat, kann sich die verantwortliche Person denken.

Im Verhältnis zu den bisherigen Bänden geht es in An Unwelcome Quest ein bisschen blutiger zu. Glücklicherweise geht das nicht auf Kosten des Humors, den Meyer nach wie vor an erste Stelle gesetzt hat. Alle Charaktere sind leicht schnippisch zueinander, und erlauben sich dumme, aber nachvollziehbar menschliche Fehler.

In the middle of these turbulent hairpin turns, the canyon’s far wall narrowed into a teardrop-shaped spit of land that formed the inner bank of the bend. On this dry, stony outcropping, there was a castle so Gothic it might as well have been wearing black eyeliner.
(…)
Tyler said, “That must be Castle Cragganmore.”
“Are you sure?” Gary asked.
“We’re on the path to Castle Cragganmore,” Tyler explained, “and the path ends at that castle, so unless there’s another smaller castle hiding inside that castle, yeah, I’m pretty sure.”
— An Unwelcome Quest, Kapitel 9


Leider begeht Meyer wieder den gleichen Fehler wie im vorigen Band, d.h. er walzt die Ereignisse vorheriger Bände in einem Maße aus, dass man sie anschließend zumindest aus Neugier nicht mehr zu lesen braucht.

Auch die Motive des Antagonisten fielen relativ banal aus. Ich denke, dass nach drei Bänden und ähnlichen Motiven ich davon ausgehen kann, dass Meyer das entweder nicht besser kann, oder zumindest für Magic 2.0 nicht wertschätzt.



Alles in allem eine gelungene Fortführung. Innerhalb der Reihe gefiel mir der zweite Band allerdings am meisten.

Titel: An Unwelcome Quest (dt. etwa “Eine Unerwünschte Aufgabe”)

Autor: Scott Meyer
Sprecher: Luke Daniels

Sprache: Englisch (einfach-normal)

Länge: 432 Seiten, 115k Wörter

Dienstag, 25. Juli 2017

Spell or High Water (Magic 2.0, Band 2)

Zwei Männer mit Zauberstock und Spitzhut stehen am Strand, eine Palme neben ihnen, und schauen auf eine entfernte Insel, die komplett aus Kristallen besteht.
Eine Zeitschleife von innen. Und Mordversuche. Und Sexismus mal von der anderen Seite.

Nachdem das letzte Abenteuer überstanden war, waren Martin und Phillip wieder in ihrer mittelalterlichen Heimat. Jimmy war kein Problem mehr, um die Orks wurde sich gekümmert, und die Gesamtsituation fing an sich wieder zu normalisieren.

Insofern als dass ein zeitreisender Computernerd, der die Realität hackt, als normal zu bezeichnen ist. Denn das ist es, das ist der Stand mit dem Einstandsband von Magic 2.0 endete.

Im zweiten Band wiederum werden ein paar Handlungsfäden von vorher aufgegriffen, und Martin und Phillip reisen nach Atlantis, ca. 300 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Diese Enklave von Zeitreisenden wird von drei Personen geleitet: einer gewählten Vertreterin und den beiden Brits. Nein, das sind nicht zwei Personen, die beide Brit heißen, es ist eine Person, die zweimal vorkommt.

Okay, ich denke, da muss ich für ausholen.
Als Brit ihre Version der Datei fand und sich entschied in die Vergangenheit zu reisen, dachte sie an Atlantis. Also reiste sie nach Atlantis, fand die mythische Stadt auf Anhieb im Atlantik, und wurde von Brit begrüßt. Um es klar zu machen, nenne ich eine einfach Mal die neu angekommene Brit J, und die begrüßende Brit Ä.
Brit Ä ist eine zukünftige Version von Brit J, die sich nach ein paar Jahrzehnten in Atlantis dafür entschied, Atlantis zu erschaffen. Deswegen reiste sie nach ca. 50 Jahre vor ihrer ursprünglichen Ankunftszeit in Atlantis und baute die Stadt mit ihren eignen Händen und Zauberkräften auf, lud naheliegende Menschen dazu ein sich niederzulassen, und baute ganz allgemein eine Gesellschaft auf, in der Frauen mit Zauberkräften keine Angst vor Verfolgung haben mussten. Zu quasi jeder anderen Epoche wurden sie als Hexen geächtet und gejagt, aber nicht in Atlantis.

Ich glaube ich bleibe einfach dabei, diese Welt zu beschreiben, denn die Handlung ist zwar interessant, aber nicht so interessant wie die Welt, finde ich.

Die atlantische Gesellschaft wird von den Zauberinnen beherrscht. Ihr Wort ist zwar nicht explizit Gesetz, aber implizit haben sie das Ohr von allen Nichtzauberinnen, egal ob männlich oder nicht. Manch einer mag jetzt davon ausgehen, dass eine von Frauen regierte Gesellschaft vor Frieden und Weisheit überblüht, aber irgendwie hat es sich anders entwickelt. Mit Frauen als Herrscherinnen sind die Männer an die Seitenlinie delegiert und übernehmen solche prestigeträchtigen Aufgaben wie Friseur, Gärtner, etc. Und die Arbeiter, welche die Chance haben, von den Zauberinnen gesehen zu werden, sind von einem gewissen Typ, den ich nur als quasi-Äquivalent von Prachtweib bezeichnen kann: sie sind muskelbepackt, in Netztops und Lendenschurz, und all ihre Bewegungen sind betont auf Blickfang ausgelegt.

Es ist wirklich surreal. Nicht nur in der Verdrehung der Erwartungshaltung, sondern auch als Spiegel gegenüber genau diesen Erwartungen. Die Platzierung von den Männern in diese Berufe und Arbeiten und Verhaltensweisen ist relativ naheliegend, denn die Zauberinnen haben alle Macht, und viele von ihnen sind einem Bettwärmer nicht abgeneigt. Ist ein Mann erstmal in solch einer Situation, hat er ausgesorgt. Für gelegentliche Dienste, und solange er weiter seine Rolle spielt, erhält er alles, was seine Zauberin ihm zu geben bereit ist.

Mit der Umdrehung des Machtverhältnisses ist es irgendwie nicht mehr so surreal. Es gibt Männer in unserer Welt, die sich Bettwärmer halten.

Die eigentliche Handlung ist übrigens ein Treffen der verschiedenen Magierkonklaven aus allen Epochen, und vor diesem Hintergrund kommt es zu Mordversuchen an der jüngeren Brit, die aufgrund von Unverwundbarkeit und anderen Eigenschaften von Zauberern von vornherein zum Scheitern verurteilt sind.

Vom zweiten Band habe ich übrigens noch mehr als beim ersten die englische Hörbuchversion vorgezogen. Bei gelegentlichem Vergleich ist mir aufgefallen, dass mir die Stimmen, die Luke Daniels den Charakteren zuweist, noch besser gefallen als die in meinem Kopf. Daniels schafft es einfach sehr gekonnt den etwas stumpfen Ansatz von Martin einzufangen, oder die generelle Entrüstung und Enttäuschung von Phillip über die Possen seiner Mitzauberer auszudrücken. Er kitzelt aus der Vorlage einfach eine Unmenge ans Persönlichkeit raus.

Was Kritikpunkte angeht: Meyer breitet die Handlungspunkte aus dem vorherigen Band zu sehr aus, so dass es quasi eine Zusammenfassung in ein paar Absätzen ist. Während das zwar dem Verständnis der Leser hilft, schießt er sich damit ein bisschen ins eigene Bein, denn dank dieser Nacherzählung ist der Reiz den ersten Band auch zu lesen sehr geschrumpft. Da hat Jim Butcher das bei seiner Harry-Dresden-Reihe wesentlich besser angepackt.



Hat mir wieder sehr gut gefallen, noch besser als der erste Teil.

Titel: Spell or High Water (dt: Auf Zauber komm raus)

Autor: Scott Meyer
Sprecher: Luke Daniels

Sprache: Englisch (normal)

Länge: 442 Seiten, 12:10 h für das Hörbuch

Montag, 17. Juli 2017

Off to be a Wizard | Plötzlich Zauberer (Magic 2.0, Band 1)

Die Welt ist eine Simulation und du hast Zugriff auf den Code. Also wirst du Zauberer!

A twenty-something is sitting in front of his computer screen, idly typing, his look focussed on the screen, confused.Was würdest du tun, wenn du eine Datei findest, in der dein Name steht, deine Größe, dein Gewicht, und quasi alles, was es über dich zu wissen gibt, und wenn dieser Abschnitt nicht mehr als ein Fitzelchen in der Datei ausmachen würde?

Martin Banks weiß, was er tut. Er entscheidet sich dafür, sein Leben ein bisschen aufzubessern. Nachdem er in der Datei einen Eintrag für sein Konto gefunden hat, einschließlich des genauen Betrags der gerade darauf war, schreibt er sich eine App mit der er seinen Kontostand um ein paar tausend Dollar erhöhen kann und geht einkaufen.

Nach ein paar Tagen ist seine Wohnung kaum wiederzuerkennen, denn Martin war einkaufen. Er hat sich ein paar weitere Befehle in die App programmiert, einschließlich einer Notfalloption, die ihn zu den Kreidefelsen von Dover befördert, aber im 12. Jahrhundert. Warum ins 12. Jahrhundert? Weil das  nach dem Klappentext eines Amazonartikels die beste Zeit ist, in der man im mittelalterlichen England leben kann. Warum mittelalterliches England? Er spricht die Sprache, und er kann sich mit seiner App als Zauberer ausgeben und gut davon leben.

Two agents are sitting in front of a desk belonging to a twenty-something. Posters are on the wall in the back. The computer on the desk is running. The agents are eating fast food and look surprised over their shoulders, at the twenty-something who’d just appeared out of thin air, frantically tapping at his phone.Als dann zwei Bundesagenten vom Finanzamt vor seiner Tür stehen, und noch ein paar andere Dinge schief laufen, kommt es wie es kommen muss und Martin landet in England, als Zauberer verkleidet, und gibt sich als solcher aus.

Dort angekommen trifft er auf Phillip, einen ‘Zauberer’, den Martin zurechtweisen will. Martin zeigt seine Zauberei, sicher im Gedanken dass Phillip nur Tricks auf Lager hat. Phillips Retourkutsche besteht aus beeindruckenderen Zauberei, nicht Tricks, und Martin wird von einer unsichtbaren Kraft davongeschleudert.

Tja. Wie sich herausstellt ist Martin nicht der Einzige, geschweige denn Erste, der die Datei gefunden hat. Es gibt ganze Zauberergemeinschaften entlang des Zeitstrahls. Mittelalterliches England, viktorianisches England, Bagdad zur Blütezeit des Islam, antikes Atlantis, alles ist besiedelt von Zeitreisenden, die die Datei gefunden haben und aus diversen Gründen ihrer eigenen Zeit entflohen sind.

Soviel zum Setting.

Text: There’s a great deal of fun to be had in discussing books you have read. Left Person: I got the book 'Guns, Germs, and Steel.' Right Person: Wasn’t that published over a decade ago? Left Person: If I felt a deep need for the latest information, I probably wouldn’t be reading books about history, now would I?Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen, was zu großen Teilen an dem Humor liegt. Scott Meyer ist Programmierer, Standup-Comedian, und Autor des Webcomics Basic Instructions. Von daher hat er seine Fähigkeit für Humor bereits seit Jahren trainiert, und das zeigt sich hier. Martins Charakter als starrsinniger und nicht immer durchdenkender Nerd wird amüsant dargestellt, ohne ihn allzu sehr als Trottel dastehen zu lassen.

Leider, aber auch verständlicherweise, wird der Großteil für die Einführung verwendet: Martin ist neu in der Zeit und muss erst die lokale Gemeinschaft kennen lernen, die Gepflogenheiten, und was es heißt ein Zauberer zu sein. Im Verlauf dessen werden verschiedene Punkte gestreut, die zum Ende des Buches für die eigentliche Handlung sorgen.

Bemerkenswert ist die Anerkennung verschiedener Tendenzen, die sich aus dem Setting selbst ergeben. Bereits in den ersten Seiten wird klar, dass nur Leute die Datei finden, die einige spezifische Charaktereigenschaften besitzen. Man muss ein gewisses Interesse an obskuren Verfahren haben, Neugier über Computer, etc, ansonsten kann man die Datei nicht finden. Das spiegelt sich natürlich auch in der Zusammensetzung der Gemeinschaften wieder, die alle durchweg einen hohen Herdfaktor haben.

Auch werden die verschiedenen üblichen Stilmittel gerne auf den Kopf gestellt, was ein persönliches Steckenpferd ist.

Ich habe das Buch größtenteils als englisches Hörbuch konsumiert, und ich muss für Luke Daniels mein Lob aussprechen. Er hat es geschafft Martin als nicht den hellsten Dork darzustellen, der dennoch sein Herz am rechten Fleck hat. Bei einigen von Daniels’ Passagen musste ich anhalten und mich vergewissern, was an der Stelle im Buch stand – nicht, weil es unverständlich war, sondern weil ich neugierig war, was zum Henker Meyer geschrieben hat, dass Daniels es so interpretierte.

Dennoch muss ich eingestehen, dass es von der internen Logik einige fragwürdige Stellen gibt. So sind Zeitreisen offensichtlich möglich, zumindest in die Vergangenheit, und das wird von den Charakteren auch selbst diskutiert, aber es bleiben Fragen offen. Vielleicht werden die ja im zweiten Band geklärt.

Zum deutschen Hörbuch kann ich nichts sagen. Leider hat Amazon für den Reinhören-Abschnitt direkt den Anfang genommen, der leider relativ banal ist und den Humor nicht gut wiedergibt. Spätere Stellen wären besser gewesen.



Empfohlen für alle Nerds, die auch über sich selbst lachen können.

Titel: Off to be a Wizard (en) / Plötzlich Zauberer (de) / Magic 2.0 (en/de)

Autor: Scott Meyer (Sprecher: Luke Daniels (en), Marco Reinbold (de)

Sprache: Englisch (normal), Deutsch

Länge: 386 Seiten, 101k Wörter (en), 114k Wörter (de), 10:45h (en), 12:26h (de)



Da dies mein erstes Buch aus der Reihe “Kindle in Motion” war, will ich das nicht außen vor lassen. Zumindest dieses Buch zeichnete sich durch gelegentliche animierte Illustrationen aus. Ein neckisches Gimmick, da ich aber meine Bücher nicht auf einem Kindle lese, und in diesem Fall quasi ausschließlich das Hörbuch hörte, kann ich nicht sagen wie sich das auf einem Tablet oder dergleichen gestalten würde. Ich kann mir starken Nutzen in Lehrbüchern vorstellen – man denke da zum Beispiel an eine Animation des Blutkreislaufes im Herzen, die wesentlich nachvollziehbarer und einfacher zu verstehen wäre als die Bild-1-2-3-4-Nummerierung in einem regulären Buch. Die Kapitelbilder im Gelaber hier sind Beispiele zur Darstellung.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Branches on the Tree of Time

Terminator mit kongruenten Zeitreisen

Warnung: Spoiler für die Terminator-Filme
Diese Fanfiction beschäftigt sich mit der Idee, dass Kyle Reese, er im ersten Teil von Terminator Sarah Connor vor dem namensgebenden Terminator gerettet hat, mehr als ihr Wohlergehen im Sinne hat. Vielmehr will er, dass die künftige Mutter des Widerstands eine neue Version von Skynet programmiert, denn dieses künstliche Intelligenz ist nicht wirklich intelligent, sondern im wesentlichen dumm, aber das sehr, sehr schnell.

Skynet kann Iterationen und Durchläufe von Szenarien mit kleinsten Veränderungen mit einer Geschwindigkeit durchziehen, da träumt man nur von, aber Skynet ist selber nicht kreativ. Für Kreativität benötigt es Menschen.

Sarah Connor ist unterdessen von Kyle überzeugt worden, vor allem durch die Kampfmaschine im Menschengewand, die ihr Möglichstes gab, die beiden zu töten. Bloß durch eine zeitige und willkommene Rettung durch einen zweiten Zeitreisenden (denn wer setzt bitte alle bloß auf eine Karte, wenn Zeitreisen im Spiel sind), einen Kyle aus einer anderen Zeitlinie, entkommen die drei. Diese neue Zeitlinie hatte bereits Erfolg in der Umprogrammierung von Skynet, aber muss die Version 2.0 noch aufspielen, bevor der Tag des Jüngsten Gerichts Wirklichkeit wird.

Und jetzt wird es haarig: Sarah Connor handelt überlegt. Und sie weiß, dass in der Zukunft Zeitmaschinen existieren. Also entscheidet sie sich dazu, ganze Zeitlinien zu opfern, um Skynet zu besiegen – Eine Strategie, die nach kurzer Überlegung anscheinend auch Skynet selbst verwendet.



Branches on the Tree of Time ist eine sehr interessante Überlegung, sowohl zu Zeitreisen, als auch zur Anwendbarkeit von genau diesen Reisen. Die Konzepte sind bekannt, sofern man Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit gesehen hat, aber im Gegensatz zu der Komödie ist Branches sich der Tragweite bewusst, insbesondere im Zusammenhang mit dem nuklearen Holocaust. Jede neue Zeitlinie verlangt den Tod von Menschen in der "aufgegebenen" Zeitlinie, und einen eisernen Willen Personen der eigenen Zeitlinie effektiv zu opfern, damit eine andere die Fähigkeiten dieser nutzen kann.

Die Handlung setzt offensichtlich Wissen über die Terminator-Filme voraus. Die Personen weichen aber schnell ab, weil sie teilweise einfach aus anderen Zeitlinien stammen und somit andere Erfahrungen durchgemacht haben. Das Englisch ist sprachlich verständlich, aber konzeptionell anspruchsvoll aufgrund der starken Thematik der Zeitreisen.



Mir hat es gefallen, weil die Protagonistin sich intelligent verhielt.

Titel: Branches on a Tree of Time (dt. Äste an einem Baum der Zeit; URL: Link zu fanfiction.net)

Autor: alexanderwales

Sprache: Englisch, anspruchsvoll

Länge: 180 Seiten, 30k Wörter

Status: Abgeschlossen

Montag, 2. Juni 2014

Edge of Tomorrow

Murmeltiertag trifft Alien-Invasion

Nach einem Fauxpas wacht der als Deserteur gebrandmarkte ehemalige Major Cage (Tom Cruise, Mission Impossible) aus dem Pressestab der US-Armee als Rekrut und Kanonenfutter für die anstehende Invasion Europas auf. Mit einem neu entwickelten Exoskellet, einem kybernetischen Kampfanzug, soll der seit Jahren stetig fortschreitenden Besetzung und Ausbreitung der sogenannten Mimics Einhalt geboten werden. Diese Aliens fielen vor einiger Zeit sprichwörtlich vom Himmel und breiten sich unaufhaltsam aus.

Als Frischfleisch hat Cage offensichtlich keine Ahnung von der Bedienung des Kampfanzugs, er kann noch nichtmal seine Waffe entsichern, als bereits im Anflug auf die französische Küste der Truppentransporter getroffen wird und Cage sowie ein paar seiner Kameraden gerade so die Landung überleben.

Am Strand entwickelt sich ein Massaker – die Mimics haben die Invasion offensichtlich erwartet, wieso auch immer. Während Stück für Stück seine ihm noch vollkommen unvertraute Einheit von den metallenen Tentakeln der Mimics aufgespießt und zerfetzt werden, schafft Cage es seine Waffe zu entsichern. Gerade rechtzeitig, um getroffen zu werden. Als ein blauer Mimic sich auf ihn stürzt, sprengt sich Cage in die Luft… bloß um anschließend wieder als Rekrut aufzuwachen.

Zu recht verwirrt durchlebt Cage den gleichen Tag nochmal, bloß wird er dieses Mal von einer hochdekorierten Elitesoldatin Rita (Emily Blunt, Lachsfischen im Jemen) gerettet, die den Beinamen "Full Metal Bitch" trägt. Mit ihrer schwertartigen Machete macht sie kurzen Prozess mit allen Mimics in der Nähe, wird aber kurz darauf wird aber von einem getötet. Es dauert nicht lange, da stirb auch Cage wieder.

Bloß um nochmal als Rekrut aufzuwachen. Und dann zu sterben. Und dann nochmal aufzuwachen. Und dann zu sterben. Durch diese Wiederholungen lernt Cage Stück für Stück mit seiner Ausrüstung umzugehen, taktisches Vorgehen, die Positionen und Zeitpunkte, bei denen Mimics am Strand auftauchen und so weiter. Bis er ein weiteres Mal auf Rita trifft, aber dieses Mal er sie rettet, und anschließend die Mimics in der Nähe platt macht.
Rita kann nur Maulaffen feil halten, als sie sieht mit welcher vorherseherischen Gabe Cage die Mimics kalt macht, bevor sie auch nur eine Bedrohung werden können.

Bloß um in einem vermeidbaren Feuerball zu sterben, nachdem sie Cage aufträgt sie das nächste Mal zu suchen.

Wie sich herausstellt ist Cage nicht die erste Person in einer Zeitschleife. Rita war genau das gleiche passiert, bei der Schlacht von Verdun, bei welcher sie ihre Berühmtheit erlangt hat. Hunderte Mimics sind durch ihre Hand gestorben, wieder und wieder, bis sie durch eine Bluttransfusion dieses Zeitsprungtalent verloren hatte. Allerdings hat sie während ihrer Wiederholungen herausfinden können, dass dieser seltsame Mimic, den Cage beim ersten Mal mit in den Tod gerissen hatte, die Fähigkeit hat die Zeit zurückzusetzen, oder seine Erinnerungen zumindest zurück zu schicken, bloß dass Cage jetzt infiziert wurde. Und die Mimics haben eine Schwachstelle, die Cage und Rita ausnutzen können – aber davor muss Cage trainiert werden…



Die lose Adaption von Hiroshi Sakurazaka's All You Need Is Kill (Erscheint im Juli bei Tokyopop, Leseprobe) ist ziemlich gut gelungen, und weist auch einen morbiden Humor auf. Erinnerten mich die ersten Szenen an eine Mischung aus Resistance: Fall of Men und Starship Troopers, so entwickelt der Film doch schnell eine eigene Dynamik.

Insbesondere durch die Zeitschleife und Cage's Wissen über alle möglichen Dinge, über die er an sich nichts zu wissen hat, sowie seine Versuche dieses Wissen anzuwenden. So wird zum Beispiel bei der Landung einer seiner Kameraden immer von einem abstürzenden Flugzeug zerquetscht, bloß um nach einem erfolgreichen Rettungsversuch Cage an seiner statt in den Boden zu rammen. Oder seine Versuche, seine – zugegebenermaßen irrsinnige – Geschichte anderen glaubhaft zu machen bringt ihm keinen Respekt ein, sondern einen Knebel. Wer also gewisse Häme gegenüber Tom Cruise verspürt, wird bei diesem Film auf seine Kosten kommen.

Die 3D-Effekte sind übrigens ziemlich gut eingebunden. Ich habe mehrmals bloß im Nachhinein festgestellt, dass ich beim Schauen gezwinkert hatte, weil etwas nicht offensichtliches auf die Kamera zugeschossen kam. Ebenso sind die Effekte alle sehr gut gelungen; insbesondere haben mich die Mimics an die Tentakeldinger aus den späteren Matrix-Filmen erinnert, auch wenn sie sich eher wie Sonic bewegten.

Sowieso erinnert die Geschichte in Aspekten, oder besser in der konzeptionellen Idee, an ein Videospiel, in welchem man nach seinem Tod an der gleichen Stelle stets neu beginnt, sich aber an die vorigen Durchläufe erinnert. Aus dieser Sicht ist es auf jeden Fall interessant zu sehen, wie diese Spielmechanik sinnvoll in eine Handlung integriert werden kann.



Alles in allem ein guter Actionfilm, auch wenn das Ende nicht überrascht.

Titel: Edge of Tomorrow

Länge: 113 Minuten

Regie: Doug Liman

Mittwoch, 4. September 2013

To the Stars

Nicht-wirklich-Weltraumoper Fanfiction basierend auf Puella Magi Madoka Magica

Vorab: Falls ihr Madoka noch nicht gesehen habt und noch vorhabt es euch anzuschauen, dann lest dieses Review und die Geschichte nicht, sie werden zwangsläufig SPOILER enthalten.



Falls ihr damit kein Problem habt, Puella Magi Madoka Magica kurz erklärt:

Eine geringe Anzahl an Mädchen, die sogenannten Potential haben, haben die Chance von sogenannten Inkubatoren aufgesucht zu werden, Außerirdischen mit der Fähigkeit einen Wunsch zu erfüllen, der der Entropie entgegenwirkt. Im Gegenzug werden sie Magical Girls (Magische Mädchen), erhalten spezielle magische Fähigkeiten, ein Kostüm und müssen fortan Hexen jagen. Zudem wird die Seele in einen Soul Gem (Seelenstein) transferiert und die Körper quasi von dort ferngesteuert. Magie 'verunreinigt' den Soul Gem, kann aber durch Grief Seeds (Leidenssaat) gereinigt werden. Grief Seeds werden von getöteten Hexen hinterlassen, grotesken realitätsverzerrende Gestalten.

Mami ist ein Magical Girl und wurde vom Inkubator Kyubey auf Madoka hingewiesen, ein Mädchen mit bisher ungehörtem Potential. Homura, selbst ein Magical Girl, will die Rekrutierung von Madoka verhindern. Mami will Madoka und deren besten Freundin Sayaka den Kampf gegen eine Hexe zeigen, der zweite geht aber schrecklich schief, Mami stirbt und Homura besiegt die Hexe. Sayaka wird ein Magical Girl. Kyouko, ein anderes Magical Girl taucht auf und bekämpft Sayaka, ehe sie sich anfreunden. Wegen einer unglücklichen Liebe verzweifelt Sayaka und ihr Grief Seed wird so stark verunreinigt, dass sie eine Hexe. (Hintergrund: Jede Hexe war ursprünglich ein Magical Girl.) Kyouko besiegt Sayakas Hexenform, stirbt aber dabei. Homura erzählt Madoka von Magical Girls und Hexen, von dem Hintergrund, der ihr teilweise verschwiegen wurde, von ihren früheren Freundschaften und Zeitlinien, denn: Madoka wurde schon früher ein Magical Girl, kämpfte zusammen mit Homura gegen die Monsterhexe Walpurgisnacht und starb. Homura drehte mit ihrer speziellen magischen Fähigkeit die Zeit zurück bis vor Madoka's Rekrutierung. Mehrmalige Wiederholung ähnlich schlimmer Szenarien, immer durch Zeit zurück drehen durch Homura abgewendet. Die gezeigte Linie ist die letzte, aktuelle Zeitlinie. Durch den Fokus von Homuras Zeitreisen, das Überleben von Madoka, ist Madokas Potenzial so riesig.

Madoka entscheidet sich für einen Wunsch, der das komplette Magical-Girl-System rückwirkenden in einem Maße umkrempelt, das Madoka dafür allgegenwärtig, d.h. eine Göttin, sein muss. Der Wunsch wird aufgrund ihres ungeheuren Potenzials, ermöglicht durch Vernichtung mehrerer Zeitlinien, gewährt.

Es gibt jetzt zwar noch Magical Girls, diese bekämpfen aber Dämonen, die Grief Cubes (Leidenswürfel) hinterlassen, mit denen der Soul Gem gereinigt werden kann. Verschmutzt er trotzdem zu stark, verschwinden die Magical Girls irgendwohin, statt zu Hexen zu werden. Homura hat andere magische Fähigkeiten und hört Madokas Flüstern. 

Es gibt aber auch noch andere Veröfentlichungen zu Puella Magi, unter anderem Kinofilme und Manga wie Oriko Magika, deren Charaktere und Handlungen auch noch in To the Stars eingeflossen sind, soweit es ging.



Das 25. Jahrhundert. Die Welt war nach knapp eineinhalb Jahrhunderten stetig steigender Disparität in einen globalen Konflikt geraten, aus dem Governance als globale Regierung erstieg. Im Auftrag der Etablierung und Festigung werden verschiedene Schlüsseltechnologien entwickelt: Quasiunsterblichkeit, Überlichtantrieb, Freie Energie. Weitere Zweihundert Jahre später gibt es dutzende Kolonien in anderen Sonnensystemen, die (immer noch stark bevölkerte) Erde wird langsam von den Narben ihrer kriegerischen Vergangenheit geheilt und die Menschheit wird von einem bisher unbekannten Feind angegriffen. Die Kolonien werden überrannt, bis sich die Magical Girls für einen Bruch ihrer bisherigen Geheimhaltung entscheiden und mit ihrer Verteidigung den Feldzug der Cephalopds einstweilen stoppen.

Weitere zwanzig Jahre später Shizuki Ryouko ist eine Schülerin in Mitakihara. Ihre Familie ist nicht arm, hat aber einen gewissen Mangel an Zuweisungen zu beklagen. Im Gegensatz zu ihren Mitschülern hat sie nicht für eine Spezialisierung in einem bestimmten Interessengebiet entschieden, sie kann es gar nicht, weil sie ein unerklärliches Fernweh plagt. Wie jeder Mensch weiß sie von Magical Girls und Inkubatoren, wüsste aber keinen konkreten Wunsch. Und selbst wenn, hofft man auf Inkubatoren, kommen sie nicht, also hoffte sie gar nicht darauf.

Wie zu erwarten wird sie rekrutiert und ihr Wunsch ist etwas hoch-strebend: Orte zu sehen, die noch kein Mensch vor ihr gesehen hat, ihren Platz in der Welt zu finden.

Sie beginnt, einige Dinge zu erfahren, die ihr bisher noch nicht klar waren, wird auf ihre Rolle im Militär vorbereitet und lernt allgemein eine Menge Leute kennen und macht allerhand neue Erfahrungen, die ihr teilweise zu Eigenschaften über sich selbst offenbaren, derer sie sich nicht direkt bewusst war.



Homura hat in der aktuellen (und letzten) Zeitlinie andere Fähigkeiten und erhielt nach dem Tod/Verblassen von Sayaka in einer quasi-religiösen Vision von Madoka die Erinnerungen an ihre vorigen Zeitschleifen und somit an Madoka selbst zurück, was zu einem starken Persönlichkeitswandel führte. Fortan betrachtete sie vieles in einer Sicht die Madoka's Meinung beinhalten sollte, selbst wenn diese nicht anwesend sein konnte. Sie war sich über ihr von außen betrachtet leicht wahnsinnig erscheinendes Verhalten in Bezug auf eine nicht existierende Göttin bzw. Person klar, weswegen sie sich kaum dazu äußerte.

Trotzdem stieg zu einer Führungspersönlichkeit in der MSY (Verbund von Magical Girls) auf, bis sie im Zuge des Verteidigungsschlags vor 20 Jahren verschwand.

Mami ist unterdessen eine einflussreiche Persönlichkeit und als Verbindungsoffizier zwischen MSY und Militär in Führungsposition, während Kyouko nach Homuras Verschwinden eine mittlerweile einflussreiche Kirche basierend auf ihren Äußerungen über die Göttin gegründet hat.



Da ich meine Reviews ungern lange halte und bisher im Prinzip bloß über die Welt gesprochen habe, stoppe ich einfach mal ehe ich anfange über die Unmenge an Charakteren zu reden.

To the Stars ist im Prinzip eine Weltenschaffung. Mit Charakteren. Okay, ich stehe auf gut ausgebaute und plausibel geschaffene Welten, aber TtS ist einfach Güteklasse 1A was diesen Aspekt angeht. Autor Hieronym hat einen Zeitstrahl mit logischen und aufeinander aufbauen und nachvollziehbaren Entwicklungen verfasst und betrachtet, was ein halbwegs typisches Magical-Girl-Setting auf die Spitze getrieben bedeuten würde: Magisches Altern, die Notwendigkeit und Schwierigkeit von Anonymität, Geldsorgen, welche ein Grund für eine Allianz waren, die schließlich in der MSY mündete, eine weltumspannende Geheimorganisation. Die moralischen Implikationen, wenn nicht mehr alle Magical Girls Dämonen jagen müssen sondern auch Zeit für andere Dinge haben, wie zum Beispiel die graduelle Übernahme der Unterwelt um verwerfliche Verbrechen wie Zwangsprostitution entführter Mädchen zu unterbinden.

Obwohl es viele Charaktere gibt, ist ihre szenische Anzahl stets übersichtlich gehalten, soll heißen man hat nicht ein Dutzend verschiedene Leute die alle halbwegs durcheinander sprechen und man vergisst was der eine gesagt hatte, wenn er mal wieder dran ist. Durch die Länge von über 300k Wörter kommen aber zwangsläufig eine Menge Charaktere an sich vor.

Die Hauptcharaktere (ja, die) sind die frisch rekrutierte Ryouko und die beiden aus der Puella-Magi-Originalserie bekannten Mami und Kyouko. Obwohl es meiner Meinung nach nicht zwingend erforderlich ist, die Serie gesehen zu haben, hilft es doch ungemein. Und ehrlich gesagt ist man mit der Serie schneller durch als mit To the Stars.

Der Schreibstil ist nicht so reich an Charakterbeschreibungen wie man es vielleicht von anderen Autoren gewohnt ist, soll heißen es wird eine Person vielleicht bloß durch eine für sie heraus stechende Eigenschaft beschrieben, ohne auf ihre Kleidung oder sonstige äußere Merkmale einzugehen. Außerdem bemerkt man oft eine leicht wissenschaftliche und eloquente Unternote. Der Autor ist sich aber dessen bewusst und versucht dies auf die passenden Charaktere zu beschränken.



Die fesselndste Welt, auf die ich seit längerem gestoßen bin, mit interessanter Handlung.

Titel: To the Stars (URL: http://www.fanfiction.net/s/7406866/1/To-the-Stars; Fanwiki; Tumblr)

Autor: Hieronym

Länge: 300k+ Wörter (ca. 1800+ Seiten)

Sprache: Englisch, Mittel

Status: Laufend, ca. monatliche Updates (bisher wurden 1 1/2 von 6 geplanten Bänden erreicht)

Donnerstag, 16. Mai 2013

Star Trek Into Darkness



Scifi-Action mit einem ordentlichen Schuss Star Trek



Der Weltraum; unendliche Weiten; wir schreiben das Jahr 2263 und die Erde ist Hauptsitz einer interstellaren Organisation, deren Ziel die Erforschung des Weltraums ist – die Sternenflotte. Als vor knapp dreißig Jahren ein Forschungsschiff brutal zerstört wurde, kam es zu einer militärischeren Ausrichtung der Sternenflotte, gesteigert durch den nahezu totalen Verlust einer Flotte im Kampf gegen das Schiff das gleiche Schiff. Im Verlauf der Jagd nach diesem Schiff, wurde auch die Enterprise gebaut… (Siehe Star Trek XI)

Nach einer interessant verlaufenen Mission zum Anfang von Into Darkness wird Jim Kirk das Kommando über seine Enterprise entzogen und Spock auf ein anderes Schiff versetzt, nachdem letzterer beim Missionsbericht die Wahrheit über die Mission geschrieben hatte. Kirk nimmt das seinem vulkanischen Freund übel und es wäre interessant gewesen, wie es weiter verlaufen wäre, hätte es nicht vor kurzem einen terroristischen Anschlag auf eine Bibliothek/geheime Forschungsinstallation gegeben.

Schnell treffen sich die obersten Köpfe der Sternenflotte und der Kopf des Anschlags, John Harrison, ist identifiziert. Allein beim Motiv des Anschlags stutzen die Generäle, bis Kirk den nächsten Schritt von Harrison erschließt – ein Angriff auf genau dieses Treffen.

Einer der Überlebenden, Admiral Marcus, erteilt Kirk den Auftrag, mit seinem frisch kapitänslosen Schiff Harrisons Spur zu folgen, direkt zum Heimatplanet der Klingonen. An Bord? Sechs Dutzend hochentwickelte Langstreckentorpedos, mit denen Harrison aus sicherer Entfernung ausgeschaltet werden kann.

Auf dem Weg zur klingonischen Heimatwelt fällt plötzlich der Antrieb aus und der schnelle Rückzug nach Abfeuern der Torpedos wird unmöglich. Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass Harrison eine erfundene Identität ist und in Wirklichkeit einen anderen Namen hat: Khan…



Into Darkness ist ein Actionfilm, daran lässt der Regisseur J. J. Abrams keinen Zweifel, aber er ist mit einer gehörigen Priese an Star Trek Anspielungen gesegnet – Tribbles, Sektion 31, "Ich bin Arzt und kein X, Jim". Als Startrekfan kann ich selber nur subjektiv beurteilen, wie der Film für Uneingeweihte ist, die vielleicht bloß den direkten Vorgänger gesehen haben, wenn überhaupt, aber mir hat er sowohl ge- als auch missfallen.

Zum einen ist das 3D nicht gut gelungen, soweit ich feststellen konnte. Davon abgesehen kam es mir so vor, als würden viele Anleihen an Star Trek bloß reingenommen worden sein, weil ein Trekkie auf Abruf stand und gegebenenfalls nette Insiderwitze und -spielereien geben konnte. Außerdem schneidet der Film zu viele relevante Themen an, ohne sich ihnen wirklich zu widmen, sind es nun Terrorismus, zunehmende Militarisierung oder ein am Horizont sich abzeichnender, interstellarer Krieg. Was übrigens meine Vermutung für den nächsten Teil wäre, denn mit Tribbles, Klingonen und deren Heimatwelt sowie der zunehmenden Militarisierung der Sternenflotte scheint mir das ein gutes Feld für eine Handlung mit Action.
Somit nimmt sich auch der neue Star Trek Into Darkness (= Star Trek XII) nicht heraus, fordernde Themen tiefergehend zu betrachten, anders als beispielsweise Star Trek VI – Das Unentdeckte Land.

Außerdem, und das ist wahrscheinlich bloß ein Kritikpunkt für Trekkies, ist die Dynamik der Figuren eine andere als wir sie kennen. Aus dem Kirk-Spock-Pille-Triumvirat ist ein Kirk-Spock-Duo geworden, auf welchem der Fokus liegt, mit überraschenderweise Uhura als Anhängsel. Scotty, Sulu und Chekov fallen dabei oft unter "ferner liefen".

Ich wollte eben noch erwähnen, dass die Synchronisation von Khan etwas sehr nach Dark Knight klingt, bis ich festgestellt habe, dass er im Original auch so ist. Das hat mich doch etwas überrascht, da ich die Stimme von Benedict Cumberbatch aus Sherlock kannte, wo er nicht wirklich so kehlig klang. Also wird aus meiner Kritik ein Lob an die Synchronisation und Darstellung von Khan…



Schlussendlich fühlt sich Into Darkness mehr nach Action als Star Trek an, aber Fans von beidem kommen auf ihre Kosten.

Titel: Star Trek Into Darkness

Regie: J. J. Abrams

Länge: 129 Minuten

Mittwoch, 22. August 2012

Fine Structure

Ein logischer Hintergrund für Weltraumopern, ohne eine zu sein.

Konzipiert als Sammlung von Kurzgeschichten, hat Sam Hughes mit Fine Structure den Hintergrund für eine Welt, wie sie nur weit jenseits von bloßer Science-Fiction beschrieben werden kann, und dennoch ungemein gut zu lesen ist, geschaffen.

Hier einige Einblicke:



1. Jedes Jahr wird eine zufällig gewählte Person auf der Erde von einem Blitz getroffen und erhält Superkräfte.
2. Jeder neue Supermensch ist doppelt so mächtig wie der Vorige.
3. Dies geht so seit zehn Jahren.



Die Grundlagenforschung der Physik mit ihren Quantentheorien und Supersymmetrie, Paralleluniversen und all ihren theoretischen Konstrukten, die zwar möglich, aber nicht nachweisbar sind, stößt bei der Untersuchung einer kleinen, aber unerklärlichen Abweichung auf etwas fundamentales.

Überlichtschnelle Kommunikation ist nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglich.

Oder zumindest war sie es, denn alle Experimente schlagen fehl, weil irgendetwas auf der etwas verschobenen Ebene der Realität, durch welche die Kommunikation geht, unser Signal niederbrüllt. Bei der Analyse dieses Brüllens finden die Physiker etwas fundamentales: Mathematik. Logik. Definitionen. Sprache. Ein Skript, welches wie die Voyager-Plakette, in sich selbst den Schlüssel zu seinem eigenen Verstehen birgt.

Und was dieses Skript sagt, ist im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch.

Es wird die gesamte, uns bekannte Mathematik und Physik beschrieben.
Leibniz? Check.
Newton? Check.
Einstein? Check.
Hawking? Check.
Weit jenseits von Hawking? Check...?
Das Problem: Alle unsere überaus genauen Theorien decken gerade mal das erste Prozent des Skriptes ab.



Anscheinend gibt es Universen, jenseits des unseren, die mehr als unsere 3+1 Dimensionen kennen. Universen, in denen man sich vor und zurück, nach links und rechts, hoch und runter, aber zudem noch in eine vierte, fünfte oder gar sechste Raumdimension bewegen kann!

Und je mehr Dimensionen ein Universum hat, desto wahrscheinlicher und mächtiger wird Intelligenz.

In einem für uns wortwörtlich unvorstellbaren Universum gibt es eine Art Krieg, obwohl das Wort bei weitem unzureichend beschreibend ist. Eine Waffe, bösartig, quasi-intelligent, ringt mit einem Wesen und die einzige Methode diese Waffe zu bannen, besteht darin, sie ihrer Fähigkeiten zu rauben. Fähigkeiten, die vielen Dimensionen zur Funktion benötigen.

Zu diesem Zweck reißt das Wesen die Waffe mit sich, stürzt hinab und plättet sich gewissermaßen auf 3+1 Dimensionen zusammen, und schafft eine Konstrukt, welches sowohl das Wesen als auch die Waffe daran hindern soll, diese Plätte zu verlassen. Eine intelligente Gefängniszelle, die jeden Versuch der Flucht durch immer striktere Regeln zunichte Macht.



So ziemlich jeder Ort unseres Planeten ist besiedelt, bewohnt, bebaut, bebombt und allgemein belebt gewesen. Irgendwann. Wenn man tief genug gräbt, egal wo, findet man verfallene Tempel, desolate Laboratorien, monolithische Häuser, und andere Nachweise der Zivilisation. Die Welt ist ein dutzend Mal untergegangen, und wieder aufgestanden.



Ich will wirklich nicht zu viel verraten und trotzdem klar machen, wie gut Fine Structure ist.

Es werden weit auseinander liegende Geschichten erzählt, die jede für sich bereits ungemein interessant ist. Der konkrete Zusammenhang zwischen dem Skript, den Supermenschen und allen anderen Handlungssträngen ist nicht offensichtlich, zumindest nicht zuerst, und auch im späteren Verlauf muss man mitdenken und mitunter anhalten, um alles zu begreifen und zu durchdenken.

Sam Hughes weiß darum, und sieht es als Problem, welches durch eine Überarbeitung zu lösen gilt, aber dies ist vorerst von geringer Priorität. Er weiß, obwohl die Sprache verständlich ist, die Thematik ist es nicht, und sie besser zu erklären hat er sich für eine Überarbeitung vorgenommen.

So ist man für ein tiefergründiges Verständnis auf das FAQ angewiesen, in welchem die Leserkommentare zusammengefasst beantwortet wurden. Übrigens sollte man diese bei den einzelnen Kurzgeschichten allerdings meiden zu lesen, denn es gibt zwar eine empfohlene Lesereihenfolge, aber die Kommentare nehmen auch Bezüge auf noch folgende Geschehnisse.

Nur so als Hinweis, es lohnt sich ein zweites Lesen, nicht nur fürs Verständnis, sondern auch aufgrund mehrerer gut ausgeführter Entwicklungen in der späteren Handlung, die ein anderes Licht auf Ereignisse am Anfang werfen.

So bleibt nur zu sagen, wer sich über softe Science-Fiction aufregt, sollte sich mal Fine Structure durchlesen, denn die Geschichten bieten mit wunderschöner Begeisterung eine harte Grundlage für weiche Science-Fiction (nur eine Interpretation).

Titel: Fine Structure

Autor: Sam Hughes

Länge: etwa 600 Seiten

Sprache: Englisch

Mittwoch, 15. Februar 2012

Ed Stories

Ed Stories ist der Titel eine Sammlung von Kurzgeschichten von Sam Hughes, die von den Eskapaden und Erfindungen von Sam und Ed erzählt. Sam erzählt dabei aus der Ich-Perspektive die Handlung, während Ed der Anlass zur selbigen ist, denn Ed ist das, was man im allgemeinen als Bastler bezeichnen würde.
Mit dem Unterschied, das seine Basteleien Hochleistungsteilchenbeschleuniger sprengen oder Ed aus Versehen das Administratorpasswort für unser Universum heraus findet.
Ed seems to have been stamped directly from the comic-book mad scientist mould - last week he raised an Amiga 500 to sentience (although it took us a while to notice; it thinks darned slowly).

Ed schien direkt aus der Form gegossen worden zu sein, die man auch für die verrückten Wissenschaftler aus Comicbooks verwendete - letzte Woche hat er in seinem Amiga 500 eine KI erschaffen (obwohl wir eine weile brauchten um das zu bermerken, diese Teile sind verflixt lahm).
Kurz gesagt, Ed holt gerne die Science Fiction in den Bereich der Realität - in seiner Schublade sind Designs für funktionierende Zeitmaschinen, riesige Roboter und was es sonst noch so alles gibt. Das kommt Sam und Ed sehr gelegen, als just nach der Fertigstellung des Riesenroboters eine Flotte von Außerirdischen über die Erde herfällt und mit gewissem Erfolg durch die beiden zurückgedrängt werden kann. Als das Militär die Invasoren selbst nicht zurückschlagen kann und Ed sein Baby auf eine Spritz- und Zerstörungstour schickt, werden die Lamettaträger mit einem Mal hellhörig und erwerben die Designs.

Die Geschichten sind wie schon gesagt sehr kurz und episodenhaft gehalten, im späteren Verlauf baut Hughes sie allerdings um Handlungsbögen auf. Die Eingangs erwähnten Außerirdischen tauchen wieder auf, die Bedrohung durch sie nimmt zu, und es kommen Zeitreisen ins Spiel.

Gefallen hat mir der legere Ton, mit dem all das geschieht und beschrieben wird, und obgleich es später dramatischer wird, bleibt die Lockerheit irgendwie bestehen. Es liest sich ehrlich gesagt ein bisschen wie Arthur C. Clarke, das gefällt mir. Wer also mit dessen Werken was anfangen kann, wird dem Sam/Ed-Duo wahrscheinlich auch etwas abgewinnen können.

Titel: Ed Stories (http://qntm.org/ed, Everything2.com, Zeitstrahl der Ed Stories)

Autor: Sam Hughes

Länge: 36.000 Worte (abgeschlossen)

Sprache: Englisch (mittel)

Sam Hughes (der Autor) hat noch ein paar andere Geschichten auf seiner Webseite, in welche man problemlos reinschnuppern kann, insbesondere Fine Structures, zu welchen ich bei Gelegenheit noch etwas schreiben werde.