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Donnerstag, 2. Januar 2020

Girls’ Last Tour

Chi und Yuu auf ihrem Krad. Chi schaut in die Kamera, während Yuu vor sich hin träumt.
Mit der besten Freundin dem Ende entgegen

Girls’ Last Tour ist mir letztens in die Empfehlungen reingerutscht und ich muss sagen: das war gut so. Der Anime hat mir sehr gefallen.

Eine Stadt mit Wohnblöcken erstreckt sich bis zum Horizont; am rechten Rand ragen massive Säulen auf, die eine Ebene über der Stadt tragen, auf der wiederum Wohnblöcke und Gebäude sind. Die setzt sich zwei weitere Ebenen, bis zum oberen Ende des Bildes.
Die entvölkerte, mehrebenige Stadt
Der Hintergrund ist fix erzählt. Chi und Yuu sind zwei Mädels, die durch eine menschenverlassene, postapokalyptische Stadt fahren, immer auf der Suche nach Proviant, Wasser und Treibstoff für ihr Kettenkrad. Dabei erleben sie nicht wirklich Abenteuer, sondern genießen die kleinen Glücksmomente, die sich ihnen auf ihrer Suche anbieten.

Weder für die Beiden noch für den Zuschauer ist es wichtig, was genau diese Stadt entvölkert hat, denn dies ist nicht der Sinn des Anime. Es gibt zwar Hinweise, wie zum Beispiel das Datum und die Bilder im Fotoapparat, aber diese sind nicht der Fokus und auch nicht das Ziel von den Beiden. Statt sich mit einem klassischen Handlungsbogen zu beschäftigen, schaut man Chi und Yuu zu, wie sie ihr Krad durch ein zerfallene, kilometerlange Gebäude steuern und sich ganz nebenbei über dieses und jenes und ihre Umgebung unterhalten. Der Zuschauer (bzw. Leser) folgt den beiden, wie sie sich Stück für Stück ihrem Ziel, die Spitze der Stadt zu erreichen, nähern. Dabei stolpern oder irren sie nicht voller Verzweiflung durch die Stadt, wie man es vielleicht von den (vermutlich) letzten Überlebenden eines Dorfes erwarten würde, sondern suchen scheinbar bloß nebenbei nach Lebensmitteln. Sie scheinen zu wissen, dass sie am Ende ihres Weges nicht wirklich Rettung erwartet und haben sich bereits oder versuchen sich damit abzufinden. Solange Chi und Yuu einander haben, können sie ihr Los ertragen.

Ich glaube, um dieses Werk richtig zu verstehen, sollte ich wohl kurz mal „Mono no Aware“ anschneiden. Dieses japanische Konzept lässt sich als „Der Pathos der Dinge,“ oder auch „Das Herzzerreißende der Dinge“ übersetzen und meint im wesentlichen, dass man sich ob der Vergänglichkeit und Endlichkeit von etwas abfinden muss. Man kann traurig sein, aber es zugleich akzeptieren. Wie sehr man das Licht einer Kerze auch liebt, irgendwann wird sie heruntergebrannt sein. Man mag traurig über dieses Ende sein und mit der Kerze Mitgefühl haben, aber man akzeptiert die Unabwendbarkeit.

Chi und Yuu stehen vor einem Panzer, aus dessen Lauf springbrunnenartig ein klarer Wasserstrahl sprüht; der Zufluss ist ein offenes Rohr oberhalb der Einstiegslucke, aus der Wasser direkt in den Panzer fließt.
Verlassenes Kriegsgerät + Wasser = Springbrunnen
Und genau in diesem Gefühl ist Girls’ Last Tour zuhause. Yuu und Chi wandern durch eine Welt, bei der jeder ihrer Schritte auf Menschenwerk fällt; sie sind umgeben von Lagerhallen und Kriegsgerät, deren Funktionen und Funktionsweisen sich ihnen nicht erschließen, und ihr Interesse daran ist auch beschränkt. Die Serie ist sehr Slice-of-Life, aber halt in einer Welt in welcher die Welt bereits größtenteils untergegangen ist und nur noch ihre Nachwehen durchlebt, bevor sie endgültig den Geist aufgibt.

Dabei sind die beiden Hauptcharaktere gute Gegenspieler. Die schwarzhaarige Chi ist pflichtbewusst und belesen und steuert das Krad, während die blonde und sorglose Yuu auf dessen Ladefläche liegt und sich auf die nächste Mahlzeit freut. Die beiden kümmern sich umeinander, nicht nur weil sie es müssen, sondern auch weil sie es wollen. Sie haben zwar ein diffuses Ziel, die oberste Ebene der Stadt zu erreichen, aber sie haben dieses eher, weil es ein brauchbares denn nützliches Ziel ist. Sie überleben um des Überlebens Willen auf dieser ihrer letzten Tour durch eine längst entvölkerte Welt.

Der Anime basiert übrigens auf der gleichnamigen 6-bändigen Mangareihe von Tsukumizu und setzt gut 2/3 der Vorlage um.

Ich habe das Gefühl, ich kann irgendwie nicht so richtig ausdrücken, was genau mich an der Serie so fasziniert. Ist es die Melancholie? Das postapokalyptische Setting? Das niedliche Charakterdesign? Der schöne Soundtrack? Ich kann es nicht festmachen, ich weiß bloß, dass mir die Serie sehr gut gefällt.
Es schadet auf jeden Fall nicht, dass sie mich in dieser melancholischen Grundstimmung an Hitoshi Ashinanos Yokohama Kaidashi Kikō / Yokohama Shopping Trip erinnert, das zwar auch irgendwie in einer dem Weltuntergang nahen Welt spielt, aber doch auch ganz anders ist.



Eine sehr schöne, melancholische Serie.

Titel: Girls’ Last Tour

Regie: Takaharu Ozaki

Länge: 12 Folgen à 24 Minuten (auf Netflix)

Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln, Deutsch

PS: Das mit den militärischen Uniformen hat eine bestenfalls nebensächliche Bedeutung.

Freitag, 15. November 2019

Erklärbär: Isekai

Isekai ist ein Genre, das in den letzten Jahren vornehmlich in Manga, Anime und Light Novels eine ungemeine Popularität genossen hat. Die normale Form zeichnet sich dadurch aus, dass der/die Hauptcharaktere von einer normalen Welt in eine andere, für ihre gewohnten Verhältnisse unnormale Welt transportiert werden und gar nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten in ihre Heimatwelt zurückgelangen können. Man könnte es auch als „Gefangen in einer anderen Welt“ zusammenfassen.

Es gibt mehrere Methoden, wie dieser Transport vonstatten gehen kann, die sich grob in zwei Kategorien unterteilen lassen.

  • In der Ersten stirbt der Protagonist in seiner Heimatwelt und wird in einer anderen Welt wiedergeboren, oftmals in den Körper einer bereits vorhandenen Person, so dass die ganze Säuglings- und Kindheitsphase einer Reinkarnation umgangen wird. 
  • Die zweite Kategorie wäre der Weltenwandel ohne Tod, der betreffenden Charakter findet sich in einer anderen Welt mit seinem ,normalen‘ Körper wieder.

Die sind wohlgemerkt nur grobe Kategorien, von denen es viele Abwandlungen geben kann.

Die fremde Welt, in der sich die Protagonisten nun wiederfinden, ist quasi nie gleich zu unserer, sondern zeichnet sich stattdessen durch ihre Unterschiede zur Heimatwelt aus. Häufig gibt es in der neuen Welt Magie, die sich oft ähnlich zu Rollenspielmagie verhält – man wirft Feuerbälle oder Eisblitze, hat eine beschränkte Anzahl an Zaubern pro Tag oder ist durch seine Magiekraft (Mana) beschränkt, es gibt Drachen, Orks, oder Äquivalente, etc. Im Zusammenhang mit dieser Konvention findet sich auch der Entwicklungsstand dieser Welt, der sich rollenspielgemäß an unserem Mittelalter orientiert.

Eine weitere Charakteristik der transportierten Personen ist ihre überdurchschnittliche Befähigung; die neu angekommen haben die Fähigkeit zu ungewöhnlich starken Zaubersprüchen oder Superkräfte, welche die Einheimischen alt aussehen lassen, oder sie haben unerwartete Talente oder Begabungen, die selten und wertgeschätzt sind.

Weiterhin ist in den meisten Fällen der Anstoß jenseits der simplen Erforschung dieser neuen Welt durch die Protagonisten durch eine offensichtliche Bedrohung gegeben, sei dies ein böser Tyrann, der die Welt unterjochen will, oder eine nur durch die Protagonisten abwendbare drohende Katastrophe. Die Protagonisten nehmen diese Rolle oftmals aufgrund ihres moralischen Verantwortungsgefühls ein – sie haben die Befähigung und Macht (oder mitunter die Pflicht, wenn sie von den Einheimischen heraufbeschworen wurden) und folgen als aufgeklärte Personen dem Leitsatz von Onkel Ben: „Aus großer Kraft folgt große Verantwortung“, und so machen die Progaonisten eine Heldenreise durch.

Dies sind natürlich nur Tendenzen und Konventionen innerhalb des Genres. Da Isekai in den 2010ern ungemeine Popularität genoss, gibt es viele Vertreter, die die Konventionen genau befolgen, dann aber auch welche, die die Erwartungen der erfahrenen Zuschauer und Leser untergraben oder in einem Durchbruch der vierten Wand direkt angesprochen.

Obgleich die Protagonisten oftmals ohne Zustimmung oder Wunsch in der fremden Welt landen, knüpfen sie Kontakte, schließen Freundschaften, gehen Beziehungen (und Liebschaften) ein und reifen als Menschen, so dass sie am Ende ihrer Reise, nachdem der finale Gegner besiegt oder die drohende Katastrophe abgewehrt ist, sich gegen eine Rückkehr in ihre Heimatwelt entscheiden, wenn denn dies jemals zur Debatte stand. Stattdessen geht das Abenteuer weiter, es wird eine Familie gegründet, etc.

Bei alledem sollte man nicht davon ausgehen, dass Isekai als Genre ein Kind des Internets ist. Wenn man das Alleinstellungsmerkmal nimmt – sich unerwartet in einer anderen Welt/Zeit wiederzufinden – dann wäre zum Beispiel Lewis Carrolls Alice im Wunderland ein erstklassiger Vertreter: Alice findet sich unerwartet in einer anderen Welt wieder, ihre Heimkehr gestaltet sich wie eine klassische Heldenreise, oder auch Mark Twains Ein Yankee am Hofe des König Artus sowie jede Umsetzung davon.

Von denen abgesehen will ich hier mal ein paar Vertreter nennen, die mir im Gedächtnis haften geblieben sind.
  • Sword Art Online: Spielerbasis eines VRMMO wird in diesem gefangen, und der Tod des Avatars bedeutet den Tod des Spielers. Hat Isekai als Genre einen ungemeinen Popularitätsschub gegeben.
  • Die Chroniken von Narnia: Kinder wandern durch einen Schrank in eine fremde Welt und müssen diese retten. Nach Jahren kommen sie wieder zurück in ihre Kinderkörper.
  • Digimon Adventure: Kinder werden in eine andere Welt gezogen, in der auf unserer Welt basierende Digitale Monster sind.
  • Gate: In Japan öffnet sich ein Tor zu einer anderen Welt und die Anderswelter fallen ein; sie haben mittelalterliche Waffen und werden zurückgeschlagen. Das Tor bleibt bestehen.
  • Re:Zero: Junge wird in eine andere Welt gezogen, und jedes Mal wenn er stirbt, beginnt er von einem Speicherpunkt. Nicht so spaßig, wie es sich anhört.
  • The Wandering Inn: Protagonistin landet in einer ihr völlig unbekannten Welt und wird Gastwirtin. 
  • Now and Then, Here and There: Junge wird in eine dystopische, postapokalyptische Welt gezogen und muss dort überleben, bevor er sich um andere kümmern kann.
  • TRON: Junge wird in Cyberspace gesogen.
  • Rising of the Shield Hero: 4 junge Männer werden als Helden beschworen, der Protagonist wird direkt geschasst und geschnitten.
  • Log Horizon: Spielerbasis eines VRMMO wird in eine dem Spiel sehr ähnliche, aber nicht gleiche Welt transportiert. Der plötzlichen Einstrom von übermächtigen Abenteurern destabilisiert die Heimatnation selbiger.
  • In Another World With My Smartphone: Ein Negativbeispiel. Dem Protagonisten fliegt alles zu, Befähigung, Beziehungen, etc. Langweilig.
  • Sliders: Eine Gruppe wandert von Parallelwelt zu Parallelwelt auf der Suche nach ihrer Heimatwelt. Die Meisten sind ähnlich unserer ohne Magie oder dergleichen.
  • Weitere Beispiele aus meinem Blog: Isekai

Donnerstag, 24. April 2014

Ansatsu Kyoushitsu – Attentatsunterricht


Wir bringen unseren weltenzerstörenden Lehrer um!

Die Mondsichel war früher eine optische Erscheinung, jetzt ist sie Realität geworden – 70% des Mondes sind verschwunden, und keiner weiß warum.

So ganz stimmt das nicht, denn die Schüler der Klasse 3E aus der Kunugigaoka Mittelschule (gleichwertig zur 9. Klasse) haben einen euern Lehrer, der nicht von dieser Welt zu kommen scheint. Er ist gelb, hat Tentakeln, einen kugelrunden Kopf und ein dämliches Grinsen. Er ist für die großteilige Zerstörung des Mondes verantwortlich, kann sich mit grob 20-facher  Schallgeschwindigkeit bewegen und will nichts lieber tun als seine Klasse zu unterrichten. Da weder Militär noch sonst irgend etwas ihm bisher etwas antun konnte, erlaubt er im Gegenzug den Schülern seine Klasse ihn auf jedwede (nicht den Unterricht störende Weise) mit speziellen Mitteln anzugreifen, die ihn verletzen könnten, wenn er denn getroffen werde würde. Haben sie damit innerhalb eines Jahres keinen Erfolg, wird er die Erde genauso zerstören, wie er es mit dem Mond getan hat.

Man kann nicht konkret von Hauptcharakteren sprechen, sondern vielmehr von Fokuscharakteren, da die über 20 Schüler verschiedentlich gut ausgearbeitet werden. Ein gewisser Fokus (ha!) wird dabei auf Nagisa gelegt, der schmächtig und androgyn ist. Meist ist er zusammen mit Kayano der Sprachrohrcharakter, der für den Leser die verschiedenen Einblicke in das Schulleben gibt oder erklärt.

Als Verbindungsstelle zum und für das Militär dient der fadenscheinig als Sportlehrer getarnte Karasuma, der unter anderem die verschiedenen Waffen und sonstigen Materialien zur Verfügung stellt, welche die Schüler für ihre Attentate benötigen.

Dem entgegen steht die ungemeine Gabe von Koro-sensei, so der Spitzname des Monsters, seinen Schülern selbst den schwierigsten Stoff verständlich, nachvollziehbar und anwendbar zu vermitteln, teilweise als Attentatsbeispiele und dergleichen. Er opfert sich für seine Schüler auf, wenn auch nicht mit seinem Leben. Teilweise muss er das aber auch, denn die Kunugigaoka-Schule und allen voran ihr Direktor bzw. Vorsitzender verfolgt eine rigorose Ausgrenzungspolitik gegen die 3E, die für alle anderen Schüler als Negativbeispiel hinhalten muss. Die A-, B-, C- und D-Klassen werden von der Furcht beherrscht in der E zu landen und behandeln daher die Ausschussschüler wie Abschaum.

Insgesamt hat mich der Manga mächtig an GTO (Great Teacher Onizuka) erinnert, mit schwachen Science-Fiction-Elementen und einer gehörigen Prise Spionage- bzw. Agentenkram.



Er hat mir ziemlich gut gefallen.

Titel: Ansatsu Kyoushitsu (übersetzt: Attentatsunterricht)

Autor: Yūsei Matsui

Länge: 7 Bände

Status: Laufend

Dienstag, 26. November 2013

Planetes

Astronaut Hachimaki reaches for a floating screw while he is tethered to a nearby spaceship; the Earth fills the background
Müllsammler im Weltraum

Hachimaki ist der Außenbordspezialist der Toybox, dem Raumschiff der Abteilung Debris (Weltraummüll), und sein Arbeitsplatz ist der nahe Weltraum im Erde-Mond-System. Zusammen mit seinem Kapitän Fee, Spezialist Yuri und den Kollegen auf der Raumstation ISPV-7 ist ihre Aufgabe die Reinigung des Weltraumorbits von Debris, sogenanntem Weltraummüll. Obgleich dies schon lange nötig war, rückte erst durch einen tragischen Unfall einige Jahre vor der Serie die Problematik in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und es wurden Maßnahmen getroffen.

Da die Weltraummüllsammlung und -entsorgung aber mit wenig bis keinem Profit verbunden ist, stattet Technora, die eigentliche Firma, die Abteilung nur mit dem nötigsten aus, weshalb sie auch abfällig den Namen "Sektion Halb" trägt.

Tachibana, zufälligerweise ebenso wie Hachimaki Japaner, stößt frisch zur Sektion Debris hinzu und ihr Idealismus und ihre Vorstellungen von Moral und richtigem wie falschem Verhalten kollidieren direkt mit denen von dem nur wenige Jahre älteren Hachimaki. Sein Traum, ein eigenes Raumschiff zu haben, scheint in immer weitere Ferne zu rücken, während Hachis bester Freund Cheng-Chin als Pilot auf der Karriereleiter immer weiter steigt und bald Passagierschiffe fliegen darf.

Zugleich gibt es einen im Hintergrund schwelenden, politischen Konflikt um die Erschließung des Weltraums. Die verschiedenen weltraumtüchtigen Nationen sind in einer internationalen Vereinigung, ähnlich den Vereinten Nationen, und schöpfen die Profite ab, während die Staaten und Völker, auf deren Rücken das Weltraumrennen ausgetragen wurde, leer ausgehen bzw. von den reichen Staaten mit Waffen für die diversen Konflikte beliefert werden.

Dem entgegen stellen sich verschiedene terroristische Organisationen, allen voran die Weltraumbefreiungsfront, die durch ihre Bombenanschläge Angst und Schrecken verbreitet. Die Weltraumnationen andererseits bauen gemeinsam ein Raumschiff zur Erkundung und wirtschaftlichen Erschließung des Jupiter.



Planetes, sowohl der Manga als auch Anime, bauen eine glaubwürdige Vision der nahen Zukunft auf, in der es nach wie vor Konflikte gibt, aber auch Hoffnung.

Hachimaki und Tanabe sind die beiden Hauptcharaktere, aber obgleich beide Japaner sind, ist die Welt, oder zumindest die Firma bzw. Organisation, internationaler. Man sieht stets Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen, seien es Europäer, Asiaten, Afrikaner oder Nord- bzw. Südamerikaner. Zugleich wird die Diskrepanz zwischen den technologisch hochgerüsteten Nationen, unabhängig vom Erdteil, und den Schwellen- und Entwicklungsländern thematisiert.

Dabei ist wissenschaftlich quasi nichts zu bemängeln und Anmerkungspunkte sind gegebenenfalls dem Medium geschuldet. Es ist nun Mal etabliert, dass bei Astronauten das Gesicht gezeigt wird, obgleich das im Weltraum den Astronaut blenden und verbrennen würde. Dieses Problem wird zum Beispiel von Makoto Yukimura durch Kameras in den Helmen angesprochen, die an sich permanent sichtgeschlossen und mit Tasten für eine Bedienung versehen sind.

Die Charaktere sind alle sehr gut als eigenständige Persönlichkeiten etabliert, auch jenseits der Sektion Debris. Beim Anime muss ich sagen, dass mir manche Stimmen in der deutschen Synchronisation gegen den Strich und zu… archetypisch gewählt klingen, Claire zum Beispiel wird nicht nur aufreibend dargestellt, sondern klingt auch dementsprechend.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass sowohl der Manga als auch Anime definitiv konsumierenswert sind, denn es gibt viele Handlungsbögen, von denen seltsamerweise keiner irgendwie zu kurz kommt.



Titel: Planetes

Autor: Makoto Yukimura

Länge Manga: 5 Bände
Länge Anime: 26 Folgen zu je 24 Minuten

Dienstag, 22. Oktober 2013

The Middle Ground

Nebencharaktere mit einschleichender Romanze

Diese Fanfic von Naruto beschäftigt sich entgegen der üblichen Kost nicht mit Naruto und Konsorten als Hauptcharaktere, sondern legt ihren Fokus auf Shino Aburame und Tenten, zwei eher im Hintergrund angesiedelte Ninjas. Und gleich vorab, Vorwissen um die Welt von Naruto und die verschiedenen Charaktere ist zwingend notwendig, da keine Zeit mit der Erklärung der Welt verbracht wird. Im Gegenzug spielt Middle Ground aber ein paar Jahre in der Zukunft der Handlung ohne großes Augenmerk auf die aus dem Manga bekannte Handlung zu legen, so dass man nicht auf dem neusten Stand des Manga oder Anime sein muss, um diese Fanfic genießen zu können.

Es beginnt damit, dass Tenten bei einer einer gemeinsamen Mission mit Shino diesen aus Langeweile mehr oder weniger herausfordert mit ihrer Meinung, dass sie ihn bei passender Vorbereitung besiegen könnte.

Gemeinsam gehen die beiden ein paar theoretische Manöver durch, und nach Abschluss der Mission beginnen sie wirklich spaßeshalber und aus professioneller Neugier miteinander zu trainieren. Gelegentlich schafft Tenten es dabei, Shino aus seiner gewohnten Stille zu locken und dessen Körpersprache zu lesen.

So lernen wir ein paar Dinge über den Aburame-Klan und ein paar Kapitel sind beispielsweise aus Shinos Perspektive geschrieben. Allgemein gibt sich der Autor Skitzofreak viel Mühe damit, die Geschichte interessant zu gestalten.

So ist die Romanze nicht die ursprüngliche Absicht, sondern hat sich scheinbar in dem Verlauf des Schreibens ergeben, und ist zudem glaubwürdig. Es vergehen teilweise Wochen zwischen den Begegnungen von Shino und Tenten, und es wird auch nicht jede beschrieben, so dass die emotionale Entwicklung nicht gehetzt erscheint.

Mir hat es gefallen, und es war auch angenehm unterhaltsam geschrieben.

Titel: The Middle Ground

Autor: SkItZoFrEaK

Länge: 112k Wörter (634 Wörter)

Sprache: Englisch (Einfach-Mittel)

Status: Abgeschlossen

Mittwoch, 4. September 2013

To the Stars

Nicht-wirklich-Weltraumoper Fanfiction basierend auf Puella Magi Madoka Magica

Vorab: Falls ihr Madoka noch nicht gesehen habt und noch vorhabt es euch anzuschauen, dann lest dieses Review und die Geschichte nicht, sie werden zwangsläufig SPOILER enthalten.



Falls ihr damit kein Problem habt, Puella Magi Madoka Magica kurz erklärt:

Eine geringe Anzahl an Mädchen, die sogenannten Potential haben, haben die Chance von sogenannten Inkubatoren aufgesucht zu werden, Außerirdischen mit der Fähigkeit einen Wunsch zu erfüllen, der der Entropie entgegenwirkt. Im Gegenzug werden sie Magical Girls (Magische Mädchen), erhalten spezielle magische Fähigkeiten, ein Kostüm und müssen fortan Hexen jagen. Zudem wird die Seele in einen Soul Gem (Seelenstein) transferiert und die Körper quasi von dort ferngesteuert. Magie 'verunreinigt' den Soul Gem, kann aber durch Grief Seeds (Leidenssaat) gereinigt werden. Grief Seeds werden von getöteten Hexen hinterlassen, grotesken realitätsverzerrende Gestalten.

Mami ist ein Magical Girl und wurde vom Inkubator Kyubey auf Madoka hingewiesen, ein Mädchen mit bisher ungehörtem Potential. Homura, selbst ein Magical Girl, will die Rekrutierung von Madoka verhindern. Mami will Madoka und deren besten Freundin Sayaka den Kampf gegen eine Hexe zeigen, der zweite geht aber schrecklich schief, Mami stirbt und Homura besiegt die Hexe. Sayaka wird ein Magical Girl. Kyouko, ein anderes Magical Girl taucht auf und bekämpft Sayaka, ehe sie sich anfreunden. Wegen einer unglücklichen Liebe verzweifelt Sayaka und ihr Grief Seed wird so stark verunreinigt, dass sie eine Hexe. (Hintergrund: Jede Hexe war ursprünglich ein Magical Girl.) Kyouko besiegt Sayakas Hexenform, stirbt aber dabei. Homura erzählt Madoka von Magical Girls und Hexen, von dem Hintergrund, der ihr teilweise verschwiegen wurde, von ihren früheren Freundschaften und Zeitlinien, denn: Madoka wurde schon früher ein Magical Girl, kämpfte zusammen mit Homura gegen die Monsterhexe Walpurgisnacht und starb. Homura drehte mit ihrer speziellen magischen Fähigkeit die Zeit zurück bis vor Madoka's Rekrutierung. Mehrmalige Wiederholung ähnlich schlimmer Szenarien, immer durch Zeit zurück drehen durch Homura abgewendet. Die gezeigte Linie ist die letzte, aktuelle Zeitlinie. Durch den Fokus von Homuras Zeitreisen, das Überleben von Madoka, ist Madokas Potenzial so riesig.

Madoka entscheidet sich für einen Wunsch, der das komplette Magical-Girl-System rückwirkenden in einem Maße umkrempelt, das Madoka dafür allgegenwärtig, d.h. eine Göttin, sein muss. Der Wunsch wird aufgrund ihres ungeheuren Potenzials, ermöglicht durch Vernichtung mehrerer Zeitlinien, gewährt.

Es gibt jetzt zwar noch Magical Girls, diese bekämpfen aber Dämonen, die Grief Cubes (Leidenswürfel) hinterlassen, mit denen der Soul Gem gereinigt werden kann. Verschmutzt er trotzdem zu stark, verschwinden die Magical Girls irgendwohin, statt zu Hexen zu werden. Homura hat andere magische Fähigkeiten und hört Madokas Flüstern. 

Es gibt aber auch noch andere Veröfentlichungen zu Puella Magi, unter anderem Kinofilme und Manga wie Oriko Magika, deren Charaktere und Handlungen auch noch in To the Stars eingeflossen sind, soweit es ging.



Das 25. Jahrhundert. Die Welt war nach knapp eineinhalb Jahrhunderten stetig steigender Disparität in einen globalen Konflikt geraten, aus dem Governance als globale Regierung erstieg. Im Auftrag der Etablierung und Festigung werden verschiedene Schlüsseltechnologien entwickelt: Quasiunsterblichkeit, Überlichtantrieb, Freie Energie. Weitere Zweihundert Jahre später gibt es dutzende Kolonien in anderen Sonnensystemen, die (immer noch stark bevölkerte) Erde wird langsam von den Narben ihrer kriegerischen Vergangenheit geheilt und die Menschheit wird von einem bisher unbekannten Feind angegriffen. Die Kolonien werden überrannt, bis sich die Magical Girls für einen Bruch ihrer bisherigen Geheimhaltung entscheiden und mit ihrer Verteidigung den Feldzug der Cephalopds einstweilen stoppen.

Weitere zwanzig Jahre später Shizuki Ryouko ist eine Schülerin in Mitakihara. Ihre Familie ist nicht arm, hat aber einen gewissen Mangel an Zuweisungen zu beklagen. Im Gegensatz zu ihren Mitschülern hat sie nicht für eine Spezialisierung in einem bestimmten Interessengebiet entschieden, sie kann es gar nicht, weil sie ein unerklärliches Fernweh plagt. Wie jeder Mensch weiß sie von Magical Girls und Inkubatoren, wüsste aber keinen konkreten Wunsch. Und selbst wenn, hofft man auf Inkubatoren, kommen sie nicht, also hoffte sie gar nicht darauf.

Wie zu erwarten wird sie rekrutiert und ihr Wunsch ist etwas hoch-strebend: Orte zu sehen, die noch kein Mensch vor ihr gesehen hat, ihren Platz in der Welt zu finden.

Sie beginnt, einige Dinge zu erfahren, die ihr bisher noch nicht klar waren, wird auf ihre Rolle im Militär vorbereitet und lernt allgemein eine Menge Leute kennen und macht allerhand neue Erfahrungen, die ihr teilweise zu Eigenschaften über sich selbst offenbaren, derer sie sich nicht direkt bewusst war.



Homura hat in der aktuellen (und letzten) Zeitlinie andere Fähigkeiten und erhielt nach dem Tod/Verblassen von Sayaka in einer quasi-religiösen Vision von Madoka die Erinnerungen an ihre vorigen Zeitschleifen und somit an Madoka selbst zurück, was zu einem starken Persönlichkeitswandel führte. Fortan betrachtete sie vieles in einer Sicht die Madoka's Meinung beinhalten sollte, selbst wenn diese nicht anwesend sein konnte. Sie war sich über ihr von außen betrachtet leicht wahnsinnig erscheinendes Verhalten in Bezug auf eine nicht existierende Göttin bzw. Person klar, weswegen sie sich kaum dazu äußerte.

Trotzdem stieg zu einer Führungspersönlichkeit in der MSY (Verbund von Magical Girls) auf, bis sie im Zuge des Verteidigungsschlags vor 20 Jahren verschwand.

Mami ist unterdessen eine einflussreiche Persönlichkeit und als Verbindungsoffizier zwischen MSY und Militär in Führungsposition, während Kyouko nach Homuras Verschwinden eine mittlerweile einflussreiche Kirche basierend auf ihren Äußerungen über die Göttin gegründet hat.



Da ich meine Reviews ungern lange halte und bisher im Prinzip bloß über die Welt gesprochen habe, stoppe ich einfach mal ehe ich anfange über die Unmenge an Charakteren zu reden.

To the Stars ist im Prinzip eine Weltenschaffung. Mit Charakteren. Okay, ich stehe auf gut ausgebaute und plausibel geschaffene Welten, aber TtS ist einfach Güteklasse 1A was diesen Aspekt angeht. Autor Hieronym hat einen Zeitstrahl mit logischen und aufeinander aufbauen und nachvollziehbaren Entwicklungen verfasst und betrachtet, was ein halbwegs typisches Magical-Girl-Setting auf die Spitze getrieben bedeuten würde: Magisches Altern, die Notwendigkeit und Schwierigkeit von Anonymität, Geldsorgen, welche ein Grund für eine Allianz waren, die schließlich in der MSY mündete, eine weltumspannende Geheimorganisation. Die moralischen Implikationen, wenn nicht mehr alle Magical Girls Dämonen jagen müssen sondern auch Zeit für andere Dinge haben, wie zum Beispiel die graduelle Übernahme der Unterwelt um verwerfliche Verbrechen wie Zwangsprostitution entführter Mädchen zu unterbinden.

Obwohl es viele Charaktere gibt, ist ihre szenische Anzahl stets übersichtlich gehalten, soll heißen man hat nicht ein Dutzend verschiedene Leute die alle halbwegs durcheinander sprechen und man vergisst was der eine gesagt hatte, wenn er mal wieder dran ist. Durch die Länge von über 300k Wörter kommen aber zwangsläufig eine Menge Charaktere an sich vor.

Die Hauptcharaktere (ja, die) sind die frisch rekrutierte Ryouko und die beiden aus der Puella-Magi-Originalserie bekannten Mami und Kyouko. Obwohl es meiner Meinung nach nicht zwingend erforderlich ist, die Serie gesehen zu haben, hilft es doch ungemein. Und ehrlich gesagt ist man mit der Serie schneller durch als mit To the Stars.

Der Schreibstil ist nicht so reich an Charakterbeschreibungen wie man es vielleicht von anderen Autoren gewohnt ist, soll heißen es wird eine Person vielleicht bloß durch eine für sie heraus stechende Eigenschaft beschrieben, ohne auf ihre Kleidung oder sonstige äußere Merkmale einzugehen. Außerdem bemerkt man oft eine leicht wissenschaftliche und eloquente Unternote. Der Autor ist sich aber dessen bewusst und versucht dies auf die passenden Charaktere zu beschränken.



Die fesselndste Welt, auf die ich seit längerem gestoßen bin, mit interessanter Handlung.

Titel: To the Stars (URL: http://www.fanfiction.net/s/7406866/1/To-the-Stars; Fanwiki; Tumblr)

Autor: Hieronym

Länge: 300k+ Wörter (ca. 1800+ Seiten)

Sprache: Englisch, Mittel

Status: Laufend, ca. monatliche Updates (bisher wurden 1 1/2 von 6 geplanten Bänden erreicht)

Mittwoch, 28. August 2013

Lighting Up the Dark

Naruto in scharfsinnig

Lighting Up the Dark ist eine Fanfiction, eine von einem Fan geschrieben Neuinterpretation von einem etablierten fiktiven Universum, in diesem Fall von Naruto.

Naruto ist eine Manga- und Animereihe mit dem namensgebenden Charakter als Hauptfigur. Die Welt ist eine seltsame Mischung aus unseren Vorstellungen, was Ninjas und ihre Fähigkeiten anbelangte und der japanischen Vorstellungen von Feudalstaaten.

Naruto selbst ist naiv, tollpatschig und untalentiert, und unwissendes Siegelgefäß für den schrecklichen, zerstörerischen neunschwänzigen Fuchsdämon. Der Waise weiß nichts davon und seine Altersgenossen auch nicht, aber die Eltern und die soziale Ausgrenzung durch die Erwachsenen hat sich auch in den Kindern niedergeschlagen, die auf Anraten ihrer Eltern den Jungen meiden.



In Lighting Up the Dark ist das ganze etwas anders: Naruto ist immer noch ausgegrenzt, immer noch ein Siegelgefäß, aber nicht für den neunschwänzigen, sondern neunhirnigen Fuchsdämon. Während das Original geballte Macht ist, ist der Kyubey geballte, ruchlose Intelligenz.

Und wie im Original auch schlägt sich die Größenordnung in Naruto wieder – er ist beängstigend intelligent, aber nicht ruchlos. Ihm wurde auf der Schule schnell klar, dass Genies wie Sasuke cool sind, aber sozial isoliert. Also gab er seinem Spieltrieb Auslauf und fing an Streiche zu spielen und somit zumindest gewisse positive Beachtung zu bekommen.

Bis darauf dass diese Streiche mitunter dazu dienten, Narutos Repertoire an Tricks und Techniken zu probieren und zu erweitern. War er im Original ein Tollpatsch, der selbst die einfachsten Ninja-Techniken nicht hinbekommen hat, so hat er bei Lighting Up the Dark viele dieser einfachsten Schultechniken in Kombinationen und Anwendungen eingebaut, die alles andere als offensichtlich sind.

Und so folgt die Geschichte in zwangsläufig abweichendem Verlauf zum ursprünglichen Naruto. Der Junge ist sich zum Beispiel seines Siegelgefäßstatus bewusst, hatte es aus den ihm bekannten Wissen geschlussfolgert und durch Nachforschungen diese Schlussfolgerung verfestigt. Der Neunhirnige ist intelligent in einem Maße, dass es beängstigend ist – beim Angriff auf das Ninjadorf in der Vorgeschichte hatte Konohagakure dem Erdboden gleich gemacht und wurde nach der Versiegelung im Krater (!) wiederaufgebaut.

Naruto ist dabei zum Glück nicht übermächtig und sozial alles andere als bewandert, so dass er nach wie vor Fehler macht und sympathisch bleibt. Die ersten paar Bände von Naruto gelesen oder paar Folgen geschaut zu haben hilft aber, vor allem in der Etablierung der anderen Charaktere und ihrem Verhältnis zu Naruto.

Die Inspiration kam dem Autor übrigens durch Harry Potter and the Methods of Rationality, die ich später auch mal reviewen werde. Im Gegensatz zu dem dortigen Harry hat der hiesige Naruto aber keinerlei Zugriff auf Werke von Bedeutung für rationales und logisches Denken.



Witzig geschriebene Geschichte

Titel: Lighting Up the Dark (URL: http://www.fanfiction.net/s/9311012/1/)

Autor: Velorien

Länge: 60k+ Wörter (ca. 350 Seiten)

Sprache: Englisch (Mittel)

Status: Laufend

Mittwoch, 19. Juni 2013

Memories of Emanon


Ich bin 3 Milliarden Jahre alt

Auf mehrstündigen Fährüberfahrt begegnet unserer namenlose Protagonist einer jungen Frau und kommt ein bisschen mit ihr ins Gespräch. Als sie eine Ausrede braucht, um nicht mit ein paar senilen Mitreisenden einen Trinken zu müssen, nutzt sie ihn zur Ausrede und bittet ihren Schatz mit ihr an die frische Luft zu gehen.

Ein bisschen perplex stimmt er zu und wandert mit ihr übers Schiff. Sie stellt sich als Emanon vor und gibt offen zu, dass das bloß ein Pseudonym ist. Im Bordrestaurant unterhalten sie sich und sie erzählt ihm eine Geschichte, über die er als Science-Fiction-Leser selbst entscheiden müsse, ob er sie glaubt oder nicht.

Denn Emanon ist wohl an die drei Milliarden Jahre alt…



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Viel mehr zu sagen wäre zu spoilernd, oder würde dem Impakt der Geschichte die Bedeutung nehmen. Ursprünglich ist Emanon nämlich ein japanischer Roman von Shinji Kajio, der von Kenji Tsuruta als Manga umgesetzt wurde. Wem dieser Name nichts sagt, er hat unter anderem Spirit of Wonder gemacht, eine dreibändige Sammlung lose zusammenhängender Science-Fiction-Geschichten.

Und ähnlich zu diesen ist auch Emanon eine eher träumerische Geschichte. Der Charakter, aus dessen Perspektive wir die Handlung sehen, ist namenlos, die Handlung ist leicht melancholisch und auf der Härteskala definitv auf der weichen Seite von Scifi.

Die Zeichnung sind wie für Tsuruta üblich detailliert in einem Grad, der ans obsessive grenzt, oft mit dialogfreien Intervallen, die einfach zum Beschreiben und Einfangen der Atmosphäre dienen.

Interessanterweise gibt Kajio unumwunden zu, dass der Charakter Emanon nach seiner Traumfrau gestaltet wurde – mysteriös, Jeans, lange Haare, Sommersprossen und Zigarette.



Mir hat Emanon sehr gut gefallen, aber ich mag solche Geschichten auch.

Titel: Omoide Emanon (übersetzt: Memories of Emanon / Erinnerungen von/an Emanon)

Autor: Shinji Kajio

Zeichner: Kenji Tsuruta

Länge: 2 Bände, Schwarz-Weiß, wenige Farbseiten

Sprache: Japanisch, Englisch in Fanübersetzungen

Status: abgeschlossen

Mittwoch, 8. Mai 2013

Yokohama Einkaufstour



Eine sehr entspannte Barista und ihr Alltag im leeren Café



Alpha ist die Bedienung in einem abseits gelegenen Landcafé in Japan. Ihre Gäste sind selten, und kann tagelang vorkommen, dass überhaupt keiner kommt, aber dennoch ist sie die meiste Zeit in ihrem „Café Alpha‟. Sie verbringt aber auch einige Zeit damit, auf ihrer Mondharfe zu spielen oder ihren Nachbarn einen Besuch abzustatten. Sie kann sich solch eine laxe Einnahmequelle aber bloß leisten, weil Alpha ein Roboter ist, genauer ein Android (oder noch genauer, Gynoid), also ein sehr menschenähnlicher Roboter. Allein ihre grüne Haarfarbe gibt Auskunft über ihre Natur.

Alpha ist mit den Nachbarskindern befreundet und eine umgängliche Person, die auch schnell mit der Postbotin Kokone ins Gespräch kommt. Sie ist auch gleich der erste andere Robot, den Alpha zu Gesicht bekommt und sie ist fasziniert.



Ehrlich gesagt ist es sehr schwer Yokohama zu beschreiben. Der Manga spielt in einer nicht ganz aber doch gewissermaßen postapokalyptischen Zukunft; der Meeresspiegel ist gestiegen und küstennahe Städte sind überschwemmt, aber sowohl die Menschheit als auch Zivilisation gibt es noch. Ein riesiges, kranichförmiges Raumschiff befindet sich in einer Umlaufbahn um die Erde und es gibt seltsame, beinah fantastisch anmutende Organismen wie leuchtende Bäume, die in ihrem Wachstum und Ausbreitung Straßenlaternen bei Nacht ähneln.

Es ist nicht klar,was geschehen ist, aber der Text deutet an, dass sich die Welt in einem Dämmerzustand befindet, dass der Tag der Menschheit in die Abendstunden übergeht. Die Hektik und Hitze des Mittags ist vorüber und es wird sich entspannt zurück gelehnt, um die Abendsonne zu genießen. Ein Grundgefühl der Nostalgie, irgendwie…

Dies beschreibt auch recht gut das Lesegefühl von Yokohama. Ist man die üblichen Genreeinteilungen in Action und Abenteuer, Romantik und Gefühle gewohnt, so entzieht sich Alphas Geschichte diesen. Große Strecken kommen vollkommen ohne Dialoge aus, mit einzig Lautmalereien als lesbare Teile. Und wenn gesprochen wird, starren einen keine Textwüsten an, sondern Dialoge mit gelegentlichen Kamerafahrten, wenn man so will. Allerdings besticht Yokohama nicht mit umwerfenden Monumentalpanoramen, sondern bleibt meist auf relativ kleiner Ebene in seinen Szenerien.

Wirklich zu schade, dass es keine Veröffentlichung außerhalb Japans gab…



Eine Reihe die sich liest wie ein Dösen in der Abendsonne. (Das ist als Kompliment zu betrachten)

Titel: Yokohama Kaidashi Kikou (Übersetzt: Yokohama Einkaufstour)

Autor: Hitoshi Ashinano

Länge: 14 Bände, abgeschlossen

Sprache: Japanisch (+ diverse Fanübersetzungen)

Montag, 30. Juli 2012

Iris Zero

Erstaunlich tiefe Umdrehung des Kräfte-Konzepts

Vor 27 Jahren fingen Kinder an, mit einer sogenannten Iris geboren zu werden, einer Fähigkeit der Augen, ansonsten unbekannte Informationen zu zeigen. Diese Informationen können ganz unterschiedlich sein – ob eine Person lügt, welche Gefühle sie gerade empfindet, aber auch banales wie was es morgen zum Mittag gibt. Die Kinder nehmen also die Realität mit dem Filter ihres Iris war.

Wurde zuerst nur ein geringer Prozentsatz der Kinder mit einer Iris geboren, so sind es heute fast alle, und die ohne diese Fähigkeit, als Iris Zero bezeichnet, werden von Gleichaltrigen gemobbt, gehänselt und ausgestoßen.

Toru ist einer dieser Iris Zero und Hauptcharakter der Mangareihe.

Im Bewusstsein, dass sein Mangel einer Iris ihn brandmarken würde, entwickelte Toru eine hervorragende Beobachtungsgabe und analytisches Geschick, welche in Kombination ihn befähigten bis zur Grundschule sein Defizit geheimzuhalten mittels einer angeblichen Iris, die ihn die Irisfähigkeit der anderen Kinder feststellen ließ. Dabei schaute er in Wirklichkeit bloß aufmerksam zu und versetzte sich in das entsprechende Kind hinein. Er stellte sich vor, welche Iris das Verhalten in die beobachteten Bahnen lenken würde und wusste dadurch sehr gut über die Befähigungen der anderen Kinder Bescheid.

Bis, eines Tages, die Scharade zu gut funktionierte und er als Iris Zero entlarvt wird.

Mittlerweile ist Toru an der Oberstufe und hat sich mit den Schikanen und Drangsalierungen abgefunden und verfolgt eine Politik der geringsten Aufmerksamkeit. Dies bedeutet sich im Hintergrund zu halten und möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, um den gröbsten Scherereien und Mobbings aus dem Weg zu gehen.

Da geht es ihm gehörig gegen den Strich als Koyuki, ihres Zeichens beliebtestes Mädchen der Schule, in seine Klasse stürmt und mit ihm gehen will. Ihre Worte!

Allerdings bloß nach draußen, nicht im romantischen Sinne. Denn Koyuki hat die Iris, die Tauglichkeit einer Person für bestimmte Aufgaben zu sehen, in diesem Fall den Posten des Schülersprechers. Allerdings hat sie jetzt bereits tagelang nach der passendsten Person gesucht, aber kein positives Signal gesehen, so dass sie die Aufgabenstellung in Richtung "Wer kann mir helfen, die für den Posten tauglichste Person zu finden" geändert hat. Für diese ergab Toru ein positiv, daher ihre Anfrage.

Toru hilft ihr, widerwillig und mit Verzögerung, denn er ist sich der damit verbundenen Aufmerksamkeitssteigerung bewusst. Seine Hilfe ist aber nicht offensichtlich, sondern analytisch und scheinheimlich.

So findet er, zu seinem Leidwesen, einen neuen Freund in Koyuki.

Im Verlauf der ersten Kapitel kommen noch einige Charaktere hinzu, und Toru muss sich wohl oder übel damit abfinden, dass mit dem Bilden einer Clique seine soziale Belichtung zugenommen hat.

Zu dieser Gruppe gehören er (Nichts sehen), Koyuki (Tauglichkeit sehen), Yuki (Lügen sehen), Hijiri (Spoiler ich nicht), und etwas loser angeknüpft noch zwei weitere. Soviel zur Handlung.


Iris Zero greift eine beliebte Thematik, Hauptcharaktere mit nicht weiter erklärten Kräften, auf und dreht die übliche Prämisse auf den Kopf, indem Toru keine besonderen Kräfte hat, sondern die Welt ohne einen Irisfilter sieht. Damit bildet er die Ausnahme und muss sich mit den in Japan aber auch anderen Ländern weit verbreiteten Drangsalierungen, Schikanen und Mobbing von Kindern, die aus der Norm fallen, arrangieren.

Dabei beschreitet er einen logischen und oft auch in der Realität gesehen Weg: unsichtbar bleiben. Allerdings sind Kinder oft grausam und hänseln und schikanieren trotzdem, solange sie designierte Opfer haben. Obwohl dieses Thema nicht der Fokus des Manga ist, taucht es doch immer wieder auf.

Ein weiterer Aspekt sind die Implikationen der verschiedenen Kräfte. Hat ein Kind, dass das morgige Mittagsessen kennt, eine einigermaßen nutzlose Kraft, ist die psychologische Bedeutung gering. Yuki, mit ihrer Fähigkeit Lügen zu erkennen hingegen, hat es schwieriger. Jedes Mal, wenn ihr gegenüber bewusst geheuchelt wird – beispielsweise sozial gefordertes, aber in Wirklichkeit leeres Mitgefühl – sieht sie dies. Es ist ziemlich selbstverständlich, dass Yuki aufgrund ihre Iris sich bevorzugt mit Personen anfreundet, die nicht wegen Trivialem lügen.

Oder ein Charakter, der soziale Etiketten (hässlich, still, beängstigend, Loser, gewalttätig, ...) sieht, also immer die gesellschaftlichen Brandmarken vorgehalten bekommt, wie wird dies sein Verhalten beeinflussen? (siehe hierzu auch Ettikierungssansatz)

Was ich mit all dem sagen will, Iris Zero ist überraschend tiefsinnig, teilweise gesellschaftskritisch und kommt zwar vom Zeichenstil wie ein moderner Oberschulmanga daher, ist aber thematisch nicht so leicht gestrickt.

Leider ist zur Zeit einer der beiden Autoren krank, so dass keine neuen Kapitel erscheinen.

Titel: Iris Zero

Autoren: Piro Shiki und Hotaru Takana

Länge:
min. 6 Bände

Status: laufend, wegen Krankheit unterbrochen

Mittwoch, 25. Juli 2012

Aphorism

Battle Royal mit einer individuellen "Gabe"

Es gibt eine Schule im Bezirk Naraka, bei deren Abschluss man automatisch und garantiert einen hohen Posten in der Regierung, Wirtschaft oder einem anderen Feld erhält. Während des Besuchs der Schule lebt man in einem Internat auf dem Gelände, wird hochluxuriös versorgt und quasi alles wird gestellt.

Logischerweise wollen viele Schüler solch einen einfachen und verheißungsvollen Weg bestreiten, doch gibt es da ein Problem: Für den Besuch der Schule muss man die schwebende Insel über derselbigen sehen können, und beim Einschreiben 15 Jahre alt sein.

Rokudo Momiji ist einer der Glücklichen, er kann die Insel sehen und ist 15, so dass er einen Platz ergattern konnte. Auf dem Weg trifft er am ersten Tag Aira und die beiden freunden sich schnell an, zumal sie in der gleichen Klasse sind.

Während der ersten Unterrichtsstunde bekommen sie die Aufgabe, ein Kanji (japanisches Zeichen, das meist ein Wort oder Teil eines Wortes ist) zu schreiben, welches ihnen entspricht für die nahende Schlacht. Und ja, das ist die einzige Erklärung, die sowohl der Leser als auch die Charaktere bekommen.

Nach reiflicher Überlegung entscheidet sich Rokudo für "Wandel", weil er sich verändern und mehr seinem Ideal entsprechen will, und Aira für "Katana", da sie in einem Dojo aufgewachsen und Schwertkampf studiert hat.

Dann geht es Schlag auf Schlag – Monster tauchen auf. Jedes Mal, wenn die schwebende Insel sich zwischen Sonne und Schule schiebt und somit eine Art Sonnenfinsternis hervorruft, tauchen Monster auf, jeweils unter einem gemeinsamen Kanji, aber von Finsternis zu Finsternis anders, und die Schüler müssen gegen die Monster kämpfen.

Aira kann sich einigermaßen gut behaupten mit ihrem Schwert, im Gegensatz zu Rokudo, der sich in ein Plüschtier verwandelt. Erst als sie in Lebensgefahr schwebt und rechts und links seine Mitschüler in Scharen sterben, verwandelt er sich in die Person, die er sein möchte, in jemand cooles, auf den man sich verlassen kann und das passiert wirklich, bloß nicht ganz so wie Rokudo sich das vorgestellt hat.

Der gewandelte Rokudo, sieht anders aus, hat andere Fähigkeiten und macht mit den bedrohenden Monstern kurzen Prozess.

Soviel zum Anfang.

Natürlich geht es weiter. Natürlich sind die Finsternisse, Monster und Herausforderungen nur ein Teil der Handlung, und auch eher ein Hintergrund für selbige. Denn es stellen sich schnell verschiedene Fragen: Woher kommt dieser Wandel-Rokudo? Was hat es mit dem beängstigenden Organisationsgrad der Klasse 4 auf sich? Welche Bedeutungen, neben den offensichtlichen, haben die selbstgewählten Zeichen und wie kann man sie möglichst effektiv einsetzen? Wer kam auf die Idee für diesen ganzen Unfug? Wie ist die Rolle der Regierung dabei?

Es schält sich heraus, dass die Mitschüler genauso eine Gefahrenquelle sein können wie die vermeintlichen Monster. Manche Zeichen sind überaus mächtig, andere hingegen erfordern Kreativität oder haben quasi keine brauchbare Anwendung. Der Schuldirektor ist mehr und weniger als er zu sein scheint. Gruppen formen sich. Schüler sterben.

Ich würde gerne sagen, dass der Manga gut ist, aber er ist nur Mittelmaß. Viele der üblichen dramatischen Stilmittel werden herangezogen und zu einem eigenen Mix vermengt, doch leider sticht aus diesem nichts wirklich hervor.

Die Gewaltdarstellungen sind weniger stark, aber immer noch häufig genug, dass der thematische Vergleich zu Battle Royal sich aufdrängt. Es wird teilweise Zeit auf die Motivationen der verschiedenen Charaktere verwendet, aber dann nur für die Protagonisten und Antagonisten, so dass die wegfetzenden Mitschüler nur als Kanonenfutter wahrgenommen werden.

So kann man also Aphorism problemlos als Horror-Überlebens-Manga lesen, mit Shoneneinschlägen durch den Monsterhintergrund.

Titel: Aphorism

Autor: Kujou Karuna

Status: laufend, min. 9 Bände

Freitag, 30. Dezember 2011

Bakuman.

Der Titel sagt rein gar nichts über den Inhalt aus. Aber dafür ist er angefüllt mit Handlung und Fakten und Betrachtungen und Überlegungen und Interna eines Mediums, welches von Millionen von Menschen täglich konsumiert wird.

Denn Bakuman. ist ein Manga über Manga schreiben und zeichnen. Es beginnt damit, dass der 14jährige Moritaka gedankenverloren ein Bild seines Schwarms Miho in sein Schulheft zeichnet. Als er feststellt, dass er das Heft in der Schule vergessen hat, will er es von dort abholen, wird aber von dem Klassenbesten Akito aufgehalten. Dieser hat sich die Skizzen und Bilder im Heft angeschaut und schlägt Moritaka vor, zusammen mit ihm Managua zu werden. Akito würde die Handlung schreiben, während Moritaka für die Story verantwortlich wäre.
Moritaka ist mehr als unwillig, denn durch die Erfahrungen seines verstorbenen Onkels, der selbst Mangaka war aber selbst nur einen Hit gelandet hat, hat Moritaka einen recht guten Einblick in das Leben und die Entbehrlichkeiten, welche ein professioneller Mangazeichner überstehen muss. Genauso ist ein einziger Erfolg nicht ausreichend, um abgesichert zu sein, sondern man muss vielmehr mehrere Hits landen und idealerweise auch noch verfilmt werden, ehe man sich wirklich Mangaka nennen darf und mehr ist als ein zeichnender Glücksspieler.
Überzeugt wird Moritaka also erst, als Akito herausbekommt, dass Miho Synchronsprecherin werden will und beide in einem Anfall von jugendlichem Leichtsinn bei Miho zu Hause über ihre jeweiligen Träume reden. Hatte Akito davor schon die Vermutung geäußert, dass Miho auch etwas für Moritaka empfinden würde, so bestätigt sich das nun auf etwas verquere Weise:
Die drei machen ab, dass Moritaka und Akito einen Manga schaffen werden, der so erfolgreich genug für eine Animeverfilmung wird und Miho wird die weibliche Hauptrolle sprechen! So weit so gut, aber... Moritaka macht dann den irrwitzigen Vorschlag, bei diesen Umständen Miho heiraten zu wollen. Und damit ist im Prinzip der romantische und motivierende Grundfaden gelegt, denn Miho stimmt zu. Unter der Bedingung, sich bis dahin nur über Mail (in Japan sind SMS quasi unbekannt) und so zu motivieren.

Und so beginnen die beiden ihre epische Quest. Die wirklich verdammt schwierig ist, denn anstatt einfach nur Monster killen zu müssen, geht es hier um die ständige Verbesserung der eigenen Fähigkeiten, dem Arbeiten an sich selbst und das Bestehen in einem heiß umkämpften Markt. Ziel ist eine Serie im Shonen Jump, einem verkaufsstarken Wochenmagazin, unterzubringen. Doch davor sind eine Menge Hürden zu überwinden...
Zuerst einmal muss beispielsweise die Aufmerksamkeit eines Redakteurs gewonnen werden, wofür eine solide Handlung und gute Zeichnungen notwendig sind. Gelegenheit bieten die regelmäßig stattfindenden Kurzgeschichtenwettbewerbe, die zugleich auch als Testballons für Geschichten mit Serienpotential genutzt werden. Falls man dann einem Redakteur ins Auge gefallen ist, wird dann mit diesem Rücksprache gehalten, wo etwas verbessert werden muss, welchen Weg man beim veröffentlichen einschlägt, was wahrscheinlich mehr und was weniger Erfolg haben wird.

Insgesamt lässt sich also sagen, dass Bakuman einen sehr guten und fundierten Einblick in das Mangageschäft liefert, wie ihn wohl bloß wenige realisieren. Dabei sprechen die Macher aus Erfahrung, denn sie sind beide selbst ein Autorengespann in ähnlicher Konfiguration wie Akito und Moritaka.

Bemerkenswert fand ich persönlich vor allem die Lesedichte und den Lesefluss des Manga. Obwohl relativ viel Text vorkommt - bei diesem Thema sollte das einen aber nicht wirklich wundern - wird der Lesefluss davon nicht gestört. Ich wahr ehrlich gesagt sehr überrascht, als ich nach einem Band intensiven Lesens festgestellt habe, dass knapp zwei Stunden vorbei gegangen waren, anstatt der üblichen einen, der Manga dabei aber nicht langweilig gewesen war.

Die Zeichnungen sind oberes Regal, der realistische Zeichenstil ergänzt sich gut mit der realistischen Handlung und falls man die Death-Note-Zeichnungen gut fand, wird man wahrscheinlich hier noch eine Verbesserung feststellen. Ehrlich gesagt, glaube ich sogar leichte Einzüge von Kōsuke Fujishima (Oh! My Goddess!) im Charakterdesign erkannt zu haben. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass die Charaktere für ihr Anfangsalter (14 Jahre) zu alt wirken, da sie aber innerhalb von 10 Bänden auch vier Jahre älter werden, ohne großartige Zeitsprünge zu vollführen, fällt das mit den späteren Bänden nicht so sehr ins Gewicht.

Ein weiterer Punkt, den ich noch erwähnenswert finde, ist die hintergrundlastige Betrachtung des Erzählend an sich. Es wird gelegentlich eine interne Geschichte um Elemente bereichert oder etwas gestrichen, um gezielt einen Effekt zu erzielen. Die Arbeit und Handlung wird analysiert, die Erfolgsrezepte aus den Geschichten herausgekocht. Kurzgesagt: Dekonstruktion ist ein Steckenpferd.
Und wie bei jeder Dekonstruktion muss man damit rechnen, dass man dem Medium anschließend anders Wert entgegenbringt als man es ursprünglich tat - um die Entstehung von Zauberei zu wissen, entzaubert mitunter, lässt einen aber das Handwerk umso mehr schätzen.

Als Fazit sage ich, dass der Manga jedem zu empfehlen ist, der mal gerne einen detaillierten Blick hinter die Kulisse "Manga" werfen würde. Die Romantik allerdings ist nur eine Nebenhandlung.

Titel: Bakuman.

Autoren: Tsugumi Ōba (Handlung), Takeshi Obata (Zeichnung)

Bände: z.Zt. 11-12 in Deutschland, 16 in Japan

Seiten: ca. 200 jeweils, schwarz-weiß

Donnerstag, 22. September 2011

20th Century Boys

Was geschieht, wenn man die Heldengeschichten, die man sich als Kind ausgedacht hat, Wirklichkeit werden? Denn genau dies passiert in 20th Century Boys. Eine Rasselbande erfindet eine Böse Organisation, welche die Welt vernichten will und der sie sich selbst als Helden entgegenstellen müssen. Als es dreißig Jahre später wirklich dazu kommt...

Inhalt

Es ist der Sommer 1970 und Kenji und seine Freunde verbringen die Sommerferien in einem Geheimversteck, das sie sich auf einem Feld gebaut haben. Die kleine Gruppe liest dort gegenseitig mitgebrachte Manga, spielen Helden und Schurken und haben an sich einen Heidenspaß.

1997 drängt Kenji's Schwester ihm aus unerfindlichen Gründen ihre wenige Monate alte Tochter auf und er trägt sie fortan während der Arbeit im familiären Franchise-Konbini (eine Art Tante-Emma-Laden in groß) herum. In Afrika scheint es eine Seuche zu geben, die allen das Blut aus dem Körper treibt und im Großen und Ganzen für die Allgemeinheit nicht von Interesse ist. Als ein Schulfreund stirbt und Kenji einen mysteriösen Brief hinterlässt, fängt Kenji an der Sache auf den Grund zu gehen.

Der Brief enthielt ein Zeichen, eine weisende Hand vor einem Auge, welches ihm bekannt vorkam, und dann erinnert sich Kenji an die alten Heldengeschichten aus dem Geheimversteck. Doch wer ist der Zeichendieb, dieser sogenannte "Freund", und wieso verwendet der IHR Zeichen? Stück für Stück erschließt sich Kenji, dass die Geschichten, welche sie sich als Kinder ausgedacht hatten, Wirklichkeit werden...

Hintergrund

Man mag ja sonst nichts von Manga halten, aber 20th Century Boys ist problemlos ein Magnum Opus nicht nur von Naoki Urasawa sondern für das ganze Medium. Vielfältige Personen mit eigenständigem Charakter, eine Erzählspanne von 50 Jahren, Rückblicke, Vorschauen und das alles in meisterhaften Ausführung. Ist man normalerweise bloß die Standardgesichter mit variierenden Frisuren oder Kleidung als Unterscheidungsmerkmal gewohnt, so sind bei 20th Century Boys die Charaktere allein schon vom Gesicht, aber auch Statur so individuell, ohne dabei überzeichnet zu sein, dass man anhand der Gesichtszüge die Kinder von damals und Erwachsenen von heute erkennen kann.

Sich bloß auf diesen Aspekt zu konzentrieren, würde der Handlung und Geschichte aber nicht gerecht werden. Urasawa zeichnet das Bild einer realistischen Entwicklung von dem uns vertrauten System hin zu dem realistischen diktatorischen Konstrukt einer staatsbeherrschenden Schurkenorganisation. Er nimmt dieses an sich absurde Konzept und lässt es nachvollziehbar Wirklichkeit werden, stets auch mit den notwendigen Kompromissen im Hintergrund. Wenn etwas physikalisch unmöglich oder finanziell nicht tragbar wäre, dann wird eben geschummelt für den Anschein und die Schummelei sowohl dem Leser als auch der Hauptfigur gezeigt.

Dabei lässt er sich aber genügend Zeit und quetscht das ganze nicht in einen Rahmen, dem man nur mit größter Not folgen kann. Stattdessen nahm er sich die Muße um 24 Bände für die ganze Geschichte mit Epilog zu brauchen.

Übrigens, Naoki Urasawa zeichnet sich auch verantwortlich für den in Deutschland spielenden Manga Monster.

Fazit

Die Handlung ist monumental, die Charaktere tiefgründig, der Verlauf glaubwürdig, was will man mehr? Und falls einer an dem Erwerb der Bände interessiert ist: Teilweise wurden die Bände nur auf Anfrage gedruckt (Print-On-Demand), also viel Glück!

Titel: 20th Century Boys (22 Bände), 21st Cenrtury Boys (2 Bände)

Autor: Naoki Urasawa

Verlag: Planet Manga