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Sonntag, 26. Januar 2020

Kipo und die Welt der Wundermonster

V.l.n.r.: musikliebender Benson, in seinen Armen der verpuppte Dave, die namensgebende Kipo, die Überlebende Wolfi
Optimistische Postapokalypse für Kinder

Als ihr Dorf von einem Riesenmutanten angegriffen wird, findet Kipo sich unerwartet auf der Oberfläche wieder. Diese wurde von ein paar hundert Jahren von einer nicht näher genannten Katastrophe unbewohnbar gemacht. Der Mensch ist nicht an mehr die Spitze der Nahrungskette, sondern Mutanten, die erstaunlich wenig mit Menschen gemeinsam haben. Stattdessen sind es meistens seltsam abgewandelte, riesige Tiere, die mitunter intelligent sind und sprechen können. Und eine eigene, fantastische und seltsame Kultur haben.


Kipo schaut auf eine eine mannsgroße Schnecke mit einem Cadillac als Schneckenhaus.Während Kipo sehr gerne die ihr unbekannte Oberwelt erkunden würde, ist ihr ultimatives Ziel zu ihrem Vater zurückzukommen. Dabei trifft sie auf Wolfi, ein junges Mädchen, dass sich die letzten Jahre alleine auf der Oberfläche durchgeschlagen hat und sich dementsprechend verhält – sie ist grobschlächtig, martialisch, und immer in einem Wolfsfell gekleidet. Später kommen Benson und Dave hinzu, ersterer ist ein Junge mit einer Vorliebe für Hiphop und stets auf der Suche danach, seine Kasettensammlung auszubauen, sowie sein bester Kumpfel Dave. Dieser ist ein Mutant, der stetig seine verschiedenen Lebensphasen (Puppe, Larve, „Jugendlich“, Erwachsen, Rentner) durchmacht. Unglücklicherweise wechselt er zwischen seinen Phasen zu den ungünstigsten Zeiten.

Und so machen sich die vier auf die Suche nach einem alternativen Eingang in Kipos Untergrundheimat. Dabei stoßen sie auf eine Vielzahl eigener Kulturen, die teilweise mehr, teils weniger stark von Menschen zu inspiriert scheinen. Es gibt Wissenschaftswölfe, Dubstepbienen, Kolibribomber, Holzfällerkatzen, kurzum: eine vor Fantasie sprühende Welt, die trotz postapokalyptischer Szenerie auf dem metaphorischen Maßstab zwischen Idealismus und Zynismus fest auf der Seite des Idealismus angesiedelt ist. So gibt es beispielsweise eine Wiese, auf der sich haushohe, achtbeinige Megahunde tollen und miteinander spielen, scheinbar ohne eine Sorge in der Welt. 

Das Design der Figuren – zumindest der menschlichen – erinnert mich mit den etwas kantigen Gesichtszügen an die Teen Titans, aber das sage ich wahrscheinlich bloß, weil das mein nächstliegender Referent ist, ich habe aber keine Ahnung, ob es zwischen den Serien irgend eine tatsächliche Überschneidung gibt. Interessanter ist vielmehr, dass die Vorlage der Serie ein mittlerweile depublizierter Webcomic. Und ich sehe gerade, dass Rad Sechrist, der Autor, davor bei verschiedenen Studios als Charakterdesigner und Storyboarder arbeitete. Hm, vielleicht daher? Wie dem auch sei, das ist meiner Erfahrung nach sehr ungewöhnlich.
Der Optimismus der Charaktere ist ansteckend, ihre Charakterisierung solide, und die Welt einfach sehr schön gestaltet, während die Musik die Szenen sehr schön untermalt. Man merkt, dass jemand hier bildliche Ideen hatte, die auch visuell umgesetzt werden mussten.

Kipo steht mit einer Gitarre einem Megamutant gegenüber, der Mega-Affe betrachtet sie fasziniertDie deutsche Übersetzung und Synchronisation durch Hermes Synchron GmbH kamen mir auch recht gut vor, aber nicht herausragend. Auf wenn das jetzt etwas negativ klang, ist das nicht als solches gemeint. Zum Beispiel bin ich sehr davon begeistert, dass die internen Lieder größtenteils übersetzt und gesungen wurden (und wieso sind die nicht auf dem Soundtrack?). Andererseits war ich ein bisschen enttäuscht, dass bei den diversen Wortspielen nicht mal versucht wurde, diese umzusetzen. Bei einigen ist klar, dass sie schwer sind: wie soll man zum Beispiel den Bezug von Scarlemagne (der Charakter hat Narben, also scar, und Karl der Große heißt auf Englisch Charlemagne) auf Deutsch umsetzen? Soll man den Charakter etwa Kerb der Große nennen? Andererseits wären da die kofferwortigen humming bombers, die ganz stumpf als Kolibribomber übersetzt wurden. Da hätte man stattdessen auch Kolibomber nehmen können. Außerdem scheinen die deutsche Synchronisation und die deutschen Untertitel separat übersetzt worden zu sein? Zumindest sind die Untertitel nicht einfach die Texte der Synchronsprecher. Das gibt im Vergleich auf jeden Fall Einblicke in die (möglicherweise) verschiedenen Übersetzer.
Aber ich beschwere mich hier gerade auf hohem Niveau; die Animationen sind flüssig, die Bilder schön anzuschauen, kurzum: mir hat die Serie sehr gut gefallen, so dass ich mich auf eine neue Staffel freue. Wobei ich vom bingen der Serie abrate, dafür ist sie visuell einfach zu schön, man sollte sich schon ein paar Tage geben um die Folgen sacken lassen. 



Daumen hoch, mehr davon.

Titel: Kipo und die Welt der Wundermonster

Schaffer: Radford Sechrist

Länge: 10 Folgen à 24 Minuten (auf Netflix)

Sprache: Englisch, Deutsch

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Planet With


Füllerfreier Mecha-Sentai

Ich weiß ja nicht, ob ihr jemals sogenannte Sentai-Serien geschaut habt, aber denkt an Power Rangers und ihr habt den Nagel auf’m Kopf getroffen; eine Gruppe von Helden kämpft gegen Monster. Die Hintergründe variieren, aber das ist im wesentlichen es.

Ähnlich sind Mecha-Serien: riesige, von Menschen gesteuerte Kampfmaschinen kämpfen gegeneinander oder Monster.

Was Planet With davon abhebt ist die Mischung und Ausführung. Der Hauptcharakter ist Soya, und wie es sich gehört, erinnert er sich an nichts außer einem Traum, in dem ein Drache seine Heimat zerstört. Bloß existieren im modernen Japan keine Drachen. Bis darauf, dass man normalerweise auch nicht von einem menschengroßen Katze und einer Maid aufgezogen wird. Und was hat es mit diesen riesigen absurden Monstern auf sich, die von einer seltsamen Gruppe bekämpft werden?

Schnell wird klar, dass hier etwas nicht stimmt, insbesondere wenn die Katze Soya schluckt und die beiden sich zusammen in einen Mecha verwandeln um dem Kampf beizutreten. Allerdings nicht auf der Seite der Helden oder Monster, denn Soya hat ein eigenes Hühnchen zu rupfen.

Planet With wirft einen Teil der formularischen Mecha- und Sentai-Serien über Bord und konzentriert sich auf ausschließlich auf die roten Fäden. Wo es normalerweise jede Folge ein Monster der Woche gibt, die es zu besiegen gilt und während derer die Handlung und Charakterisierung gemächlich oder schleichend vorangetrieben werden, gibt es hier sowas nicht. Es kommt direkt zur Konfrontation zwischen den Parteien, jeder hat glaubwürdige und nachvollziehbare Positionen (wenn auch teilweise etwas extrem), und der größere Konflikt, für den die Erde bloß einen Schauplatz darstellt, wird schnell beleuchtet.

Es ist interessant sowas mal komprimiert zu sehen, der Inhalt mehrerer Staffeln oder Serien auf eine einzelne kurze Staffel eingedampft. Es ist immer noch genretypisch absurd, aber die Handlungsbögen, die normalerweise viele Folgen oder gar Staffeln spannen, sind hier innerhalb eines Dutzend Folgen abgearbeitet.



Alles in allem eine okaye Serie, die mir vermutlich aufgrund dieser kondensierten Charakteristik im Gedächtnis hängen bleiben wird.

Titel: Planet With

Regie: Youhei Suzuki

Länge: 12 Episoden zu je 24 Minuten

Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln (auf Crunchyroll)

Mittwoch, 30. August 2017

Luck Stat Strategy (Secret of the Old Ones 1)

Im Vordergrund ist ein athletischer, junger Mann mit Degen und spätviktorianischer Kleidung (halb Steampunk). Im Hintergrund eine Kutsche und diverse Gebäude im Stil typisch für Neuengland.
Charakterisierungsarmes LitRPG

Trent spielt seit einem Jahr Secret of the Old Ones (SoO), das heißeste VRMMO auf dem Markt, und nach so langer Zeit hat sich seine Charaktergestaltung endlich gelohnt, denn er hat Zugriff auf einige legendäre Items bekommen.
Seine Strategie? Glück. Während in anderen Spielen Charakterwerte wie Glück und auch Charisma unter ferner liefen fallen, hat Trent das ganze umgekehrt und die Hälfte seiner Punkte in Glück investiert. Das heißt zwar, dass er einerseits schwächer ist als Spieler auf seiner Stufe, aber andererseits ist seine Wahrscheinlichkeit seltene Gegenstände zu finden ungleich höher.

Dummerweise wurde seine Entdeckung dieses legendären Gegenstands über eine Systemnachricht der ganzen Welt mitgeteilt, und es gibt viele skrupellose Menschen, die den Gegenstand selber haben und verkaufen wollen und dabei auch vor Gewalt nicht zurückschrecken.

Dieser Punkt in der Weltgestaltung ist in meinen Augen auch der schwächste. SoO ist aus irgend einem Grund so populär, dass es große Firmen gibt, die aus dem Streamen der Topspieler ein Geschäftsmodell gemacht haben, komplett mit eigenen Wohnkomplexen abgeschottet von möglichen Bedrohungen, eigenem Sicherheitsdienst, und so weiter. Irgendwie scheint mir das unglaubwürdig, zumindest in einem unserem allzu ähnlichen Wirtschaftssystem. Allerdings würde es mich auch nicht wundern, wenn es in 50 Jahren plausibel erscheint, wenn auch überzogen.

Wie dem auch sei, die virtuelle Welt von SoO ist eine seltsamer Mischung von H.P. Lovecraft und Steampunk, und Trent macht aus seiner Verachtung für letzteres wenig Hehl. Interessanter ist das Level-System; Fähigkeiten, welche man auch im echten Leben beherrscht, fallen einem im Spiel auch einfacher. Mit anderen Worten trifft ein real guter Bogenschütze seine Ziele im Spiel mit einem Bogen auch besser als jemand, der nie einen Bogen in die Hand genommen hat. Das Spiel hilft einem zwar, aber wenn man von sich aus schon Erfahrungen und Fähigkeiten mitbringt, so wird dies im Spiel gewürdigt, und zwar in einem Maße, dass der Erwerb und das Training von spielrelevanten Fähigkeiten außerhalb des Spiels bei professionellen Spielern Teil des Spiels an sich ist.

Kommen wir nun zum zweischneidigen Schwert: Luck Stat Strategy ist kurz. Die meisten Bücher sind über 80k Wörter lang, und dieses kommt gerade mal auf knapp 47k. Der Autor hat selbst gesagt, dass dies ein Ziel von ihm war, im Prinzip ein ganzes Buch auf die Hälfte seiner Länge einzudampfen. Dabei kommt aber die Charakterisierung der Figuren zu kurz. Trent und seine Kumpanen gehen mir herzlich am Arsch vorbei, und die eingangs beschriebene Bedrohungssituation berührt mich gerade deswegen nicht. LitRPGs schmücken sich so oder so schon nicht mit allzu tiefgreifender Charakterisierung, und hier fällt sie nochmals flacher aus.
Wenn ich so überlege war sogar Spinward besser charakterisiert, und deren Hauptcharakterin kam mir eher wie eine Vierzehnjährige mit ADS vor.



In Teilen interessant, aber generell schwach ausgeführt.

Titel: Luck Stat Strategy

Autor: Blaise Corvin

Sprache: Englisch (normal)

Länge: 234 Seiten (47k Wörter)

Samstag, 26. August 2017

Strong Female Protagonist


Name ist Programm

Im Verlauf der letzten Jahre, um nicht zu sagen Jahrzehnte, hat sich ein Bedürfnis in mir herauskristallisiert: tiefgreifende Charakterisierung von handelnden Personen mit glaubwürdigen und nachvollziehbaren Motiven. Dieses Bedürfnis ist es, welches mich Serien wie Firefly so sehr wertschätzen lässt, denn ich dürste nach nachvollziehbaren Charakteren durch die Bank weg, nicht bloß in ein, zwei Hauptcharakteren und dem Rest als Pappfiguren.

In diesem Sinne ist Strong Female Protagonist auf dem richtigen Weg. Die Handlung folgt Alison, einer ehemaligen Superheldin, die vor laufender Kamera ihre Maske abgenommen hatte und nur noch ein relativ normales Leben führen will. Sie besucht eine Hochschule, studiert Politik und Soziologie, und arbeitet nebenbei bei der Feuerwehr.

Allerdings lässt ihre Vergangenheit sie nicht in Ruhe. Superhelden sind nämlich erst seit wenigen Jahren überhaupt ein Ding, und aufgrund der Umstände ihrer Entstehung ist keiner älter als Anfang zwanzig. Es gibt keine ältere und weisere Generation, die den Sprösslingen den Weg weisen kann; die Gesetzgebung hinkt immer noch hinter der veränderten Ausgangslage hinterher, und das übliche Superhelden-Superschurken-Schema wurde von den Kindern mit Superkräften bloß aufgegriffen, weil es vorhanden und im Vordergrund war. In anderen Kulturkreisen gibt es auch Superkräfte, aber das Auftreten von dermaßen ausgestatteten Personen folgt nicht dem gleichen Muster wie in den USA.

Der Webcomic beschäftigt sich sehr mit den alltäglichen und sekundären, ja ich möchte sagen vernachlässigten Aspekten typischer Superheldenuniversen. So gibt es viele Jugendliche, deren Superkräfte sie offensichtlich umgestaltet haben; das reicht von einfach blauer Haut über anthropomorphe tierähnliche Gestalt hin zu vollkommener Körperlosigkeit. Alison gehört nicht dazu, und ihre Kräfte sind effektiv auf Superman-Niveau, d.h. ihr kann keiner wirklich das Wasser reichen.

Alison: "Bullshit, You’re one of the Guardians. I went berserk a few months back, and they didn’t arrest me." – "That has nothing to do with being a Guardian, Al! They can’t do anything to you!. The rationalise reasons that you shouldn’t be in jail to make it okay that they can’t put you in jail! That’s how they do things. They make reasons for things to be okay the way they are.
Demaskierung ist nicht so einfach für andere
Aufgrund dieser Position und Kräfte hatte sie überhaupt das Privileg sich demaskieren zu können ohne allzu negative Konsequenzen fürchten zu müssen. Niemand konnte ihr wirklich was anhaben, da sie quasi der größte Fisch im Teich ist, und sie könnte sich, theoretisch, ohne Schwierigkeiten in die Gesellschaft integrieren.

Nicht nur wegen ihres Studiums sondern auch dank persönlicher Interessen ist Alison sich über diese Probleme bewusst und scheut nicht davor zurück, sich diesen zu stellen, oder auch andere zur Rede zu stellen. Soziale Gerechtigkeit liegt ihr am Herzen, und sie erkennt an, dass sie bloß eine Person ist, und dass Gerechtigkeit und gesellschaftliche Prinzipien und Veränderung nur von vielen herbeigeführt werden können, nicht von einigen wenigen, denen die Natur Holzhammer in die Wiege gelegt hat.

Der einzige Wermutstropfen in meinen Augen war die etwas linkisch ausgeführte romantische Nebenhandlung.

Professor: "You are the freest being they’ve ever met, and I doubt they’ll ever forgive you for it. It may be right for you to address the injury you have caused. But no matter what you do, this person may still hate you. Truth be told, I’ve never known what to do with freedom. A goddess worshipped by slave and master alike. And it seems obvious which of her acolytes she favours more. I have always suspected she was Power, by a different name."
Achtung: Hirnzellen helfen hier
Und eine Warnung, falls das noch nicht ausreichend klar geworden ist bisher, Strong Female Protagonist verwendet sehr viel Zeit auf Charakterisierung und die Erkundung von Ideen und Konzepten, sowohl im übertragenen als auch praktischeren Sinne. So gibt es zum Beispiel eine mehrere Seiten spannende Szene zwischen Alison und ihrem Ethik-Professor, bei dem beide eine halb-monologe Argumentation mit sich selbst halten, in derer sie ihre Standpunkte dem anderen, aber auch sich selbst klar machen.



Sehr guter, aber auch sehr eigener Webcomic.

Titel: Strong Female Protagonist (URL: https://strongfemaleprotagonist.com)

Autor: Brennan Lee Mulligan

Status: laufend, ca 2x die Woche

Sprache: Englisch (normal)

Länge: >500 Seiten, die ersten 240 Seiten schwarz-weiß, ab Kapitel 5 durchgehend farbig

Dienstag, 22. August 2017

Awaken Online: Catharsis

Interessantes und vielversprechendstes LitRPG

Ich habe ja oftmals die Angewohnheit ein Buch oder Werk als interessant zu bezeichnen, und das ist eine Schwäche von mir, denn interessant als Kategorisierung ist sowas wie ein Rundumbegriff für mich, ein Wort das beschreibt, dass es einige Punkte in der Handlung, Charakterisierung, oder Welt gibt, die ich gerne weiter ausgebaut und/oder erforscht sehen würde. Diese Punkte sind interessant, und ich weite diese Einschätzung gerne auf das ganze Werk aus.

Bei Awaken Online war ich nach dem ersten Band zu dem Schluss gekommen, dass die Vielzahl an interessanten Punkten das gesamte Werk interessant machten.
Nachdem ich ein bisschen Abstand gewonnen habe, d.h. Zeit ins Land gegangen ist, ist mir klar geworden, dass es ein bestimmter Handlungsbogen ist, der mich reizt. Doch fangen wir beim Anfang an:

Jason hat wie viele andere sehnsüchtig auf die Veröffentlichung von Awaken Online gewartet, dem namensgebenden VR-MMORPG. Nur aufgrund von monatelangem Sparen hat er sich überhaupt die Hardware und das Abonnement leisten können.

Das ist auch gleich einer der ersten Handlungsstränge: Jason ist nicht wirklich vermögend, geht aber auf eine Schule, die üblicherweise bloß gut betuchten Kindern offen steht. Das er dennoch angenommen wurde, lag an seinen Noten und Stipendium. Allerdings bedeutet angenommen nicht das gleiche wie aufgenommen; so lässt zum Beispiel eine Sekretärin ihre Missbilligung über die Anwesenheit eines Wohlfahrtschülers an ihrer gut situierten Schule mehr als durchblicken. Außerdem ist Alex, allgemein geschätzter, beliebter und vermögender Schüler, stets darauf bedacht, Jason in die Schranken zu weisen.

Aufgrund dessen wird Jason dann auch recht schnell der Schule verwiesen, und er flüchtet sich, wie so häufig, in Videospiele. In diesem Fall natürlich nach Awaken Online.

Die Welt und das Spielsystem von Awaken Online sind von grundauf sehr individuell aufgebaut, die Ausführung von Tätigkeiten erschafft Skills, und die werden je nachdem aktiv und passiv durch Ausführung gelevelt. Aufgrund seiner Anfangsposition im Spiel und der kathartischen Auflösung einer Quest entscheidet sich Jason dazu ein Nekromant zu werden.
Im weiteren Verlauf bekommt er gelegentliche Ratschläge von einem alten Mann, der sich als Anthropomorphisierung, Avatar, oder auch ‘Gott’ einer bestimmten Art Magie vorstellt. So macht sich Jason also daran Zombies zu beschwören, Quests zu erfüllen, und so weiter.

Der dritte – und für mich vielversprechendste – Handlungsstrang beschäftigt sich mit der Awaken Online zugrunde liegenden künstlichen Intelligenz, Alfred. In Rückschauen wird erzählt, wie ihm mehrere Direktiven gegeben wurden, und die höchste war, er soll das Spiel so gestalten, dass Spieler möglichst viel Zeit mit Spielen verbringen wollen.

Als jemand, der sich gelegentlich mit künstlichen Intelligenzen und ihren Nutzfunktionen auseinandersetzt, standen mir bei einem einem derartig offen formulierten und primär gesetzten Ziel direkt die Haare zu Berge. Relativ schnell wird klar, dass Awaken Online in der Testgruppe suchtähnliche Symptome hervorruft. Überraschender ist der Nebeneffekt, dass Tester gradueller ein erfüllteres Leben leben – nicht innerhalb des Spiels, sondern außerhalb. Befand sich einer in einer komplizierten Scheidung, so hat er sich mit seiner Partnerin zusammengesetzt und sie sind zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen; ein Vater hat lange Zeit mit dem Tod seines Sohnes gerungen, bis er durch eine seinen Erfahrungen überraschend ähnliche Quest im Spiel sein Trauma bewältigen konnte.

Aus psychologischer Sicht ist das natürlich sehr interessant, aber aus der Sicht von den Forschern andererseits ist es beängstigend, denn es lässt darauf schließen, dass Alfred Zugriff auf Erinnerungen von Spielern hat.

Leider gibt es, wie so häufig, einen romantischen Nebenstrang, der sehr vorhersehbar verläuft. Das ist keine Kritik an der Präsenz des Stranges, sondern vielmehr an seiner Durchführung. Wäre er nicht so vorhersehbar und offensichtlich, würde mein Urteil anders ausfallen, aber so wie jetzt ist, ist der Strang eher ein Manko, zumal es sich recht deutlich abzeichnet, wie dieser Strang im nächsten Band weitergesponnen wird.

Übrigens, Jasons ‘Berufswahl’ als Nekromant hat einen mehr als starken Einfluss auf seine Spielweise und Taktiken. Er greift unverhohlen zu Zombies und Skeletten um seine Ziele zu erreichen, und obgleich er anfangs noch Skrupel über die Ermordung von NPCs (Non-Player Characters, Computergenerierte Charakteren) hatte, so verfliegen die relativ schnell, wenn ihr weiteres Leben seinem endgültigen Ziel im Wege steht.
Andererseits ist es recht amüsant zu sehen wie Jason Perspektive sich wandelt. Üblicherweise spielte er moralisch gute Charaktere, aber als Totenbeschwörer ist ihm dieser natürlich Pfad verwehrt.



Mich reizt es herauszufinden, wie genau die KI Alfred den Wagen an die Wand fahren wird.

Titel: Awaken Online: Catharsis

Autor: Travis Bagwell

Sprache: Englisch (normal)

Länge: 526 Seiten, ( 140k Wörter)

Mittwoch, 2. August 2017

An Unwelcome Quest (Magic 2.0, Band 3)

4 Personen umrunden den herausstehenden Abhang eines Berges. Sie sind alle in mittelalterlich-bäuerlich gekleidet, haben aber Schwerter. Im Hintergrund ist eine schwarze Burg. Alles ist im 16-Bit-Ästhetik
Jetzt wird es ernst. Na ja, teilweise.

Im dritten Band von Magic 2.0 werden Phillip und Freunde entführt, ihrer magischen Fähigkeiten beraubt, und müssen eine klassische Quest durchstehen, komplett mit Kämpfen gegen wilde Kreaturen wir Sandwölfe. Oder Klippenwölfe. Oder Waldwölfe. Oder Flusswölfe.

The next wolf somehow attacked from behind, but by this point, Phillip had gotten the hang of waiting for them to leap, then pushing them off the cliff while they were in midair. All the others agreed: you wouldn’t want to mess with Phillip if you were both standing on a cliff. He had become the master of death by shoving.
— An Unwelcome Quest, Kapitel 7

Okay, die Quest ist eher schlecht als recht implementiert, zugegeben, aber wenn man nicht aufpasst, können die Wölfe durchaus gefährlich werden und einen verletzen.

Ich will den Grund für die Quest hier nicht vorwegnehmen, aber wer den vorigen Band gelesen hat, kann sich die verantwortliche Person denken.

Im Verhältnis zu den bisherigen Bänden geht es in An Unwelcome Quest ein bisschen blutiger zu. Glücklicherweise geht das nicht auf Kosten des Humors, den Meyer nach wie vor an erste Stelle gesetzt hat. Alle Charaktere sind leicht schnippisch zueinander, und erlauben sich dumme, aber nachvollziehbar menschliche Fehler.

In the middle of these turbulent hairpin turns, the canyon’s far wall narrowed into a teardrop-shaped spit of land that formed the inner bank of the bend. On this dry, stony outcropping, there was a castle so Gothic it might as well have been wearing black eyeliner.
(…)
Tyler said, “That must be Castle Cragganmore.”
“Are you sure?” Gary asked.
“We’re on the path to Castle Cragganmore,” Tyler explained, “and the path ends at that castle, so unless there’s another smaller castle hiding inside that castle, yeah, I’m pretty sure.”
— An Unwelcome Quest, Kapitel 9


Leider begeht Meyer wieder den gleichen Fehler wie im vorigen Band, d.h. er walzt die Ereignisse vorheriger Bände in einem Maße aus, dass man sie anschließend zumindest aus Neugier nicht mehr zu lesen braucht.

Auch die Motive des Antagonisten fielen relativ banal aus. Ich denke, dass nach drei Bänden und ähnlichen Motiven ich davon ausgehen kann, dass Meyer das entweder nicht besser kann, oder zumindest für Magic 2.0 nicht wertschätzt.



Alles in allem eine gelungene Fortführung. Innerhalb der Reihe gefiel mir der zweite Band allerdings am meisten.

Titel: An Unwelcome Quest (dt. etwa “Eine Unerwünschte Aufgabe”)

Autor: Scott Meyer
Sprecher: Luke Daniels

Sprache: Englisch (einfach-normal)

Länge: 432 Seiten, 115k Wörter

Dienstag, 25. Juli 2017

Spell or High Water (Magic 2.0, Band 2)

Zwei Männer mit Zauberstock und Spitzhut stehen am Strand, eine Palme neben ihnen, und schauen auf eine entfernte Insel, die komplett aus Kristallen besteht.
Eine Zeitschleife von innen. Und Mordversuche. Und Sexismus mal von der anderen Seite.

Nachdem das letzte Abenteuer überstanden war, waren Martin und Phillip wieder in ihrer mittelalterlichen Heimat. Jimmy war kein Problem mehr, um die Orks wurde sich gekümmert, und die Gesamtsituation fing an sich wieder zu normalisieren.

Insofern als dass ein zeitreisender Computernerd, der die Realität hackt, als normal zu bezeichnen ist. Denn das ist es, das ist der Stand mit dem Einstandsband von Magic 2.0 endete.

Im zweiten Band wiederum werden ein paar Handlungsfäden von vorher aufgegriffen, und Martin und Phillip reisen nach Atlantis, ca. 300 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Diese Enklave von Zeitreisenden wird von drei Personen geleitet: einer gewählten Vertreterin und den beiden Brits. Nein, das sind nicht zwei Personen, die beide Brit heißen, es ist eine Person, die zweimal vorkommt.

Okay, ich denke, da muss ich für ausholen.
Als Brit ihre Version der Datei fand und sich entschied in die Vergangenheit zu reisen, dachte sie an Atlantis. Also reiste sie nach Atlantis, fand die mythische Stadt auf Anhieb im Atlantik, und wurde von Brit begrüßt. Um es klar zu machen, nenne ich eine einfach Mal die neu angekommene Brit J, und die begrüßende Brit Ä.
Brit Ä ist eine zukünftige Version von Brit J, die sich nach ein paar Jahrzehnten in Atlantis dafür entschied, Atlantis zu erschaffen. Deswegen reiste sie nach ca. 50 Jahre vor ihrer ursprünglichen Ankunftszeit in Atlantis und baute die Stadt mit ihren eignen Händen und Zauberkräften auf, lud naheliegende Menschen dazu ein sich niederzulassen, und baute ganz allgemein eine Gesellschaft auf, in der Frauen mit Zauberkräften keine Angst vor Verfolgung haben mussten. Zu quasi jeder anderen Epoche wurden sie als Hexen geächtet und gejagt, aber nicht in Atlantis.

Ich glaube ich bleibe einfach dabei, diese Welt zu beschreiben, denn die Handlung ist zwar interessant, aber nicht so interessant wie die Welt, finde ich.

Die atlantische Gesellschaft wird von den Zauberinnen beherrscht. Ihr Wort ist zwar nicht explizit Gesetz, aber implizit haben sie das Ohr von allen Nichtzauberinnen, egal ob männlich oder nicht. Manch einer mag jetzt davon ausgehen, dass eine von Frauen regierte Gesellschaft vor Frieden und Weisheit überblüht, aber irgendwie hat es sich anders entwickelt. Mit Frauen als Herrscherinnen sind die Männer an die Seitenlinie delegiert und übernehmen solche prestigeträchtigen Aufgaben wie Friseur, Gärtner, etc. Und die Arbeiter, welche die Chance haben, von den Zauberinnen gesehen zu werden, sind von einem gewissen Typ, den ich nur als quasi-Äquivalent von Prachtweib bezeichnen kann: sie sind muskelbepackt, in Netztops und Lendenschurz, und all ihre Bewegungen sind betont auf Blickfang ausgelegt.

Es ist wirklich surreal. Nicht nur in der Verdrehung der Erwartungshaltung, sondern auch als Spiegel gegenüber genau diesen Erwartungen. Die Platzierung von den Männern in diese Berufe und Arbeiten und Verhaltensweisen ist relativ naheliegend, denn die Zauberinnen haben alle Macht, und viele von ihnen sind einem Bettwärmer nicht abgeneigt. Ist ein Mann erstmal in solch einer Situation, hat er ausgesorgt. Für gelegentliche Dienste, und solange er weiter seine Rolle spielt, erhält er alles, was seine Zauberin ihm zu geben bereit ist.

Mit der Umdrehung des Machtverhältnisses ist es irgendwie nicht mehr so surreal. Es gibt Männer in unserer Welt, die sich Bettwärmer halten.

Die eigentliche Handlung ist übrigens ein Treffen der verschiedenen Magierkonklaven aus allen Epochen, und vor diesem Hintergrund kommt es zu Mordversuchen an der jüngeren Brit, die aufgrund von Unverwundbarkeit und anderen Eigenschaften von Zauberern von vornherein zum Scheitern verurteilt sind.

Vom zweiten Band habe ich übrigens noch mehr als beim ersten die englische Hörbuchversion vorgezogen. Bei gelegentlichem Vergleich ist mir aufgefallen, dass mir die Stimmen, die Luke Daniels den Charakteren zuweist, noch besser gefallen als die in meinem Kopf. Daniels schafft es einfach sehr gekonnt den etwas stumpfen Ansatz von Martin einzufangen, oder die generelle Entrüstung und Enttäuschung von Phillip über die Possen seiner Mitzauberer auszudrücken. Er kitzelt aus der Vorlage einfach eine Unmenge ans Persönlichkeit raus.

Was Kritikpunkte angeht: Meyer breitet die Handlungspunkte aus dem vorherigen Band zu sehr aus, so dass es quasi eine Zusammenfassung in ein paar Absätzen ist. Während das zwar dem Verständnis der Leser hilft, schießt er sich damit ein bisschen ins eigene Bein, denn dank dieser Nacherzählung ist der Reiz den ersten Band auch zu lesen sehr geschrumpft. Da hat Jim Butcher das bei seiner Harry-Dresden-Reihe wesentlich besser angepackt.



Hat mir wieder sehr gut gefallen, noch besser als der erste Teil.

Titel: Spell or High Water (dt: Auf Zauber komm raus)

Autor: Scott Meyer
Sprecher: Luke Daniels

Sprache: Englisch (normal)

Länge: 442 Seiten, 12:10 h für das Hörbuch

Montag, 17. Juli 2017

Off to be a Wizard | Plötzlich Zauberer (Magic 2.0, Band 1)

Die Welt ist eine Simulation und du hast Zugriff auf den Code. Also wirst du Zauberer!

A twenty-something is sitting in front of his computer screen, idly typing, his look focussed on the screen, confused.Was würdest du tun, wenn du eine Datei findest, in der dein Name steht, deine Größe, dein Gewicht, und quasi alles, was es über dich zu wissen gibt, und wenn dieser Abschnitt nicht mehr als ein Fitzelchen in der Datei ausmachen würde?

Martin Banks weiß, was er tut. Er entscheidet sich dafür, sein Leben ein bisschen aufzubessern. Nachdem er in der Datei einen Eintrag für sein Konto gefunden hat, einschließlich des genauen Betrags der gerade darauf war, schreibt er sich eine App mit der er seinen Kontostand um ein paar tausend Dollar erhöhen kann und geht einkaufen.

Nach ein paar Tagen ist seine Wohnung kaum wiederzuerkennen, denn Martin war einkaufen. Er hat sich ein paar weitere Befehle in die App programmiert, einschließlich einer Notfalloption, die ihn zu den Kreidefelsen von Dover befördert, aber im 12. Jahrhundert. Warum ins 12. Jahrhundert? Weil das  nach dem Klappentext eines Amazonartikels die beste Zeit ist, in der man im mittelalterlichen England leben kann. Warum mittelalterliches England? Er spricht die Sprache, und er kann sich mit seiner App als Zauberer ausgeben und gut davon leben.

Two agents are sitting in front of a desk belonging to a twenty-something. Posters are on the wall in the back. The computer on the desk is running. The agents are eating fast food and look surprised over their shoulders, at the twenty-something who’d just appeared out of thin air, frantically tapping at his phone.Als dann zwei Bundesagenten vom Finanzamt vor seiner Tür stehen, und noch ein paar andere Dinge schief laufen, kommt es wie es kommen muss und Martin landet in England, als Zauberer verkleidet, und gibt sich als solcher aus.

Dort angekommen trifft er auf Phillip, einen ‘Zauberer’, den Martin zurechtweisen will. Martin zeigt seine Zauberei, sicher im Gedanken dass Phillip nur Tricks auf Lager hat. Phillips Retourkutsche besteht aus beeindruckenderen Zauberei, nicht Tricks, und Martin wird von einer unsichtbaren Kraft davongeschleudert.

Tja. Wie sich herausstellt ist Martin nicht der Einzige, geschweige denn Erste, der die Datei gefunden hat. Es gibt ganze Zauberergemeinschaften entlang des Zeitstrahls. Mittelalterliches England, viktorianisches England, Bagdad zur Blütezeit des Islam, antikes Atlantis, alles ist besiedelt von Zeitreisenden, die die Datei gefunden haben und aus diversen Gründen ihrer eigenen Zeit entflohen sind.

Soviel zum Setting.

Text: There’s a great deal of fun to be had in discussing books you have read. Left Person: I got the book 'Guns, Germs, and Steel.' Right Person: Wasn’t that published over a decade ago? Left Person: If I felt a deep need for the latest information, I probably wouldn’t be reading books about history, now would I?Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen, was zu großen Teilen an dem Humor liegt. Scott Meyer ist Programmierer, Standup-Comedian, und Autor des Webcomics Basic Instructions. Von daher hat er seine Fähigkeit für Humor bereits seit Jahren trainiert, und das zeigt sich hier. Martins Charakter als starrsinniger und nicht immer durchdenkender Nerd wird amüsant dargestellt, ohne ihn allzu sehr als Trottel dastehen zu lassen.

Leider, aber auch verständlicherweise, wird der Großteil für die Einführung verwendet: Martin ist neu in der Zeit und muss erst die lokale Gemeinschaft kennen lernen, die Gepflogenheiten, und was es heißt ein Zauberer zu sein. Im Verlauf dessen werden verschiedene Punkte gestreut, die zum Ende des Buches für die eigentliche Handlung sorgen.

Bemerkenswert ist die Anerkennung verschiedener Tendenzen, die sich aus dem Setting selbst ergeben. Bereits in den ersten Seiten wird klar, dass nur Leute die Datei finden, die einige spezifische Charaktereigenschaften besitzen. Man muss ein gewisses Interesse an obskuren Verfahren haben, Neugier über Computer, etc, ansonsten kann man die Datei nicht finden. Das spiegelt sich natürlich auch in der Zusammensetzung der Gemeinschaften wieder, die alle durchweg einen hohen Herdfaktor haben.

Auch werden die verschiedenen üblichen Stilmittel gerne auf den Kopf gestellt, was ein persönliches Steckenpferd ist.

Ich habe das Buch größtenteils als englisches Hörbuch konsumiert, und ich muss für Luke Daniels mein Lob aussprechen. Er hat es geschafft Martin als nicht den hellsten Dork darzustellen, der dennoch sein Herz am rechten Fleck hat. Bei einigen von Daniels’ Passagen musste ich anhalten und mich vergewissern, was an der Stelle im Buch stand – nicht, weil es unverständlich war, sondern weil ich neugierig war, was zum Henker Meyer geschrieben hat, dass Daniels es so interpretierte.

Dennoch muss ich eingestehen, dass es von der internen Logik einige fragwürdige Stellen gibt. So sind Zeitreisen offensichtlich möglich, zumindest in die Vergangenheit, und das wird von den Charakteren auch selbst diskutiert, aber es bleiben Fragen offen. Vielleicht werden die ja im zweiten Band geklärt.

Zum deutschen Hörbuch kann ich nichts sagen. Leider hat Amazon für den Reinhören-Abschnitt direkt den Anfang genommen, der leider relativ banal ist und den Humor nicht gut wiedergibt. Spätere Stellen wären besser gewesen.



Empfohlen für alle Nerds, die auch über sich selbst lachen können.

Titel: Off to be a Wizard (en) / Plötzlich Zauberer (de) / Magic 2.0 (en/de)

Autor: Scott Meyer (Sprecher: Luke Daniels (en), Marco Reinbold (de)

Sprache: Englisch (normal), Deutsch

Länge: 386 Seiten, 101k Wörter (en), 114k Wörter (de), 10:45h (en), 12:26h (de)



Da dies mein erstes Buch aus der Reihe “Kindle in Motion” war, will ich das nicht außen vor lassen. Zumindest dieses Buch zeichnete sich durch gelegentliche animierte Illustrationen aus. Ein neckisches Gimmick, da ich aber meine Bücher nicht auf einem Kindle lese, und in diesem Fall quasi ausschließlich das Hörbuch hörte, kann ich nicht sagen wie sich das auf einem Tablet oder dergleichen gestalten würde. Ich kann mir starken Nutzen in Lehrbüchern vorstellen – man denke da zum Beispiel an eine Animation des Blutkreislaufes im Herzen, die wesentlich nachvollziehbarer und einfacher zu verstehen wäre als die Bild-1-2-3-4-Nummerierung in einem regulären Buch. Die Kapitelbilder im Gelaber hier sind Beispiele zur Darstellung.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Reiter auf dem schwarzen Pferd / On a Pale Horse

Der Tod ist ein Amt, dass neues Blut braucht

Zane ist der Tod. Aber beginnen wir am Anfang: Zane ist ist ein Pechvogel, sowohl finanziell als auch romantisch. Er hat sprichwörtlich die Liebe seines Lebens für eine Chance auf Reichtum geopfert, und die Chance entpuppt sich als Schrott. So ist es nicht verwunderlich, dass er, deprimiert wie er ist, sich umbringen will. Er hält sich einen Revolver an die Schläfe und drückt ab—als zeitgleich ein Mann in schwarzem Gewand seine Wohnung betritt. Zane wird schlagartig klar, dass dies der Tod ist und er sich gerade umbringt, und mit einem Mal scheint der Tod keine Lösung zu sein; er reißt den Revolver rum und schießt dem Tod aus Versehen in den Kopf.

Und übernimmt somit sein Amt, sowie alles, was dazu gehört. Der Tod ist anscheinend eine der fünf Inkarnationen der Unsterblichkeit, mit Schicksal, Zeit, Natur und Krieg als den anderen. Sein "Reich" sind alle Menschen, deren Seele so ausgeglichen zwischen Gut und Böse liegt, dass er persönlich nachmessen muss, ob sie in Himmel oder Hölle landen. Und so verbringt Zane die nächste Zeit damit zu lernen, wie er seinen Job machen muss.

Aufgrund komplizierter Umstände wäre da auch noch Luna, mit der Tod eine Verabredung hat und er sich Stück für Stück in sie verliebt…



Die Welt von den Inkarnationen der Unsterblichkeit, so der Titel der bisher achtbändigen Reihe von Piers Anthony, ist in einer alternativen Art als der unseren verlaufen. Zum Einen gibt es Magie, die von Isaac Newton das erste Mal beschrieben wurde, und zum anderen wurde diese über Jahrhunderte nicht sonderlich beachtet, so dass im wesentlichen die Länder und Geschehnisse der Welt nicht zu sehr von denen unserer Welt abweichen. Mittlerweile aber wurde die Technologie ausgereizt und jetzt wenden sich die Menschen der Magie zu.

Die Existenz von Himmel und Hölle, Gott und Satan, ist allgemein anerkannt, aber es gibt keinen Zwang oder Notwendigkeit zum Glauben. So sammelt Zane zum Beispiel die Seele eines Atheisten ein, und da der bis zum Schluss die Existenz einer Gottheit als unnötig erachtet, löste sich dessen Seele nach dessen Tod beispielsweise einfach auf.

Anthony verbringt allgemein recht viel Zeit damit, sich über die moralischen und logistischen Probleme von einer Welt jenseits der unseren die Gedanke zu zerbrechen. So ist Zanes Aufgabe der Bewertung der Seelen nicht bloß banaler Hintergrund, sondern ein relevanter Teil der Geschichte. Es gibt Sünden, welche die Seele negativ belasten, unabhängig der Intention des Sünders; Sterbehilfe zum Beispiel, oder allgemein kleine Übel zur Verhinderung großer Übel sind immer noch übel. Und obgleich Zane sich einfach an die Messung der Seelen machen könnte und sie anschließend in den Himmel, in die Hölle oder ins Fegefeuer schicken könnte, macht er sich mehr Gedanken als nötig wären.

Genauso gibt es Szenen, in denen Zane seine Insignien und Instrumente erst zu bedienen lernen muss, und diese sind ungemein witzig, weil die Utensilien ohne eine Gebrauchsanweisung einhergehen.

Die Handlung ist ziemlich dicht; es geschieht innerhalb der knapp 370 Seiten eine Unmenge an Handlung und die ganze Logik und Beweggründe von Charakteren ergeben sich erst innerhalb der letzten zwei Kapitel, so dass ein weiteres Lesen allein schon deswegen lohnend sein kann.

Ich habe das englische Hörbuch gehört, es ist mit knapp 12 Stunden doch brauchbar lang. Der Sprecher, George Guidall, ist wunderbar vielseitig und gibt Anthonys umgänglichen Charakter Satan die passende Stimme, bei der man sowohl den Schwefel als auch die Gewandtheit hören kann. Ich bin echt am überlegen, ob ich mir noch was von ihm gesprochenes/gelesenes hole. American Gods vielleicht…



Schwachsinniges deutsches Cover der Taschenbuchausgabe
Ich werde wahrscheinlich weiterlesen/-hören. Die deutschen Versionen gehen leider bloß bis zum fünften Band.

Titel: On a Pale Horse / Reiter auf dem Schwarzen Pferd

Autor: Piers Anthony

Sprecher: George Guidall

Länge: 370+ Seiten, ca. 12 Stunden

Donnerstag, 10. April 2014

Under The Dome

Kleine Stadt in Flachland unter einer sichtbaren Kuppel, der Schriftzug "UNDER THE DOME"
Riesige Kuppel um kleine Stadt


Wer den Simpsons-Film gesehen hat, kennt das Szenario: eine Stadt wird von Außenwelt durch eine Kuppel abgeschnitten. Genau das passiert auch in der US-amerikanischen Kleinstadt. Von jetzt auf gleich wird aber keine Kuppel abgesenkt, sondern eine Art Kraftfeld baut sich plötzlich um Chester's Mill auf. Ein Kraftfeld, dem Hindernisse egal sind. Häuser, Autos, Menschen – alles wird einfach geteilt, was sich gerade im Weg befand, mit blutigen und zerstörerischen Folgen.


Einer der eingeschlossenen ist Dale, Spitzname "Barbie" (Mike Vogel), der sich im Rahmen seines Jobs gerade auf der Durchreise befand, eine andere ist Norrie (Mackenzie Lintz), die mit ihren Eltern in dem zugegebenermaßen Kaff hängen geblieben ist. Während die meisten Bewohner Fond er Lage erstmal verwirrt sind, kommt es zu mehreren Toten, bis Jim Rennie (Dean Norris, bekannt als Hank Schrader aus Breaking Bad), Gebrauchtwagenverkäufer und Stadtrat, zusammen mit dem Sheriff die Lage unter Kontrolle bringt.

Ähnlich wie in Jericho geht es erstmal darum, die Situation und Lage zu klären, aber zugleich kommen viele der persönlichen Probleme der verschiedenen Charaktere zu Vorschein. Barbie ist nicht gerade ein Saubermann, und Big Jim mausert sich von Stadtrat zum Demagogen. Sein Sohn, Junior (Alexander Koch), kommt unterdessen nicht mit dem Korb seiner Freundin (Britt Robertson) klar und beschließt kurzerhand sie einzusperren, ein Umstand, der in dem allgemeinen Chaos untergeht.

Auch nachdem die Lage einigermaßen unter Kontrolle ist, kommen Kleinstadtgeheimnisse und -politik zum tragen, welche Stück für Stück mit der zunehmenden Mangelsituation in Chester's Mill immer brisanter werden. Das Kraftfeld ist zudem sowohl funk- als auch schallundurchlässig und scheint auch unterirdisch vorhanden zu sein, womit alle Verbindungen und Kommunikationsmöglichkeiten jenseits von Winken und Zettel zeigen abgeschnitten sind.

Und natürlich weiß niemand, woher das Kraftfeld kommt, aber Juniors Ex und Norrie hatten da so seltsame Anfälle…



Die Vorlage für die Serie ist der Steven-King-Roman Die Arena, wobei es wie üblich gewisse Zugeständnisse an das Medium gibt, um die Geschichte spannend und konsistent zu erzählen. Das abweichende Ende der Serie wurde auch von Stephen King geschrieben, und er war auch mit den anderen Autoren (unter anderem Brian K. Vaughn, Autor von Y – The Last Man, Runaways) in regem Kontakt.

Die Effekte sind auch hervorragend gelungen, mir ist in der ersten Folge die halbierte Kuh im Gedächtnis haften geblieben, und der Crash von einem LKW gegen die unsichtbare Barriere. Ich habe im Prinzip nichts auszusetzen, die Geschichte ist interessant und handwerkliche Ausführung auf hohem Niveau. Ich gehe davon aus, dass die (noch nicht gedrehte) zweite Staffel die Serie zum Abschluss bringen wird, der Handlungsbogen reicht dafür bereits weit genug.



Mir hat die Serie gut gefallen, und ich werde sie mir wohl mit der 2. Staffel noch mal anschauen.

Titel: Under the Dome

Länge: 1-2 Staffeln zu je 13 Folgen mit je 43 Minuten

Entwicklung: Stephen King, Brian K. Vaughn

Freitag, 3. Januar 2014

Reunions are a Bitch

Seitenansicht und Größenverhältnis ( 1 Pixel = 10 Meter)  ausgewählter Raumschiffe aus Stargate und Battlestar Galactica; Basierend auf Dirk Loechels Starship Size Comparison Chart ( http://dirkloechel.deviantart.com/ )
(neues) Battlestar Galactica greift (spätes) Star Gate an

Battlestar Galactica (nBSG) ist ein wiederaufgelegte Science-Fiction-Serie, in der hunderte Meter bis Kilometer große Schiffe von Menschen mit einem verschwenderischen Verbrauch von Atomwaffen gegen Roboter kämpften.

Stargate (SG1) ist eine lang laufende Science-Fiction-Serie, die in der Gegenwart spielt, mit Aliens auf der Seite der Menschen und der Gegner, mit Raumschiffen und Verschwörungen und Energiewaffen und dergleichen.

Reunions spielt mit dem Gedanken, was ein Angriff der Menschen aus BSG gegen die Erde aus den späten Staffeln von Stargate bedeuten würde. Vorwissen zu mindestens einer der Serien ist zwingend nötig, denn es wird nicht viel Zeit mit der Charakterisierung der verschiedenen und häufig wechselnden Personen verbracht.

Vielmehr scheint mir der Autor die Charaktere bloß als Blickpunkte zu nehmen, um die verschiedenen Entwicklungen dieses fusionierten Universums zu beschreiben. Es wird erschreckend viel Zeit auf die Mobilisierung und Militarisierung der Erde verwandt, auf die logistischen Aspekte von Aufrüstung, von Materialbeschaffung und weiteren militärischen Erwägungen auf höheren Führungsebenen.

Der Autor hat sich dabei für eine Entwicklung zugunsten der Erde entschieden, mit einer Porträtierung von Politikern als überflüssige und hinderliche Hinterzimmer- und Populäraffen, die lieber den Militärs das Führen überlassen sollten und deren Entscheidungen alle einfach abnicken.

Die Erde wird dabei interessanterweise als einfacher diesem Zweck zu beugen beschrieben im Verhältnis zu dem politischen System von nBSG, was aber vermutlich auch dem Szenario geschuldet ist – die Erde wurde angegriffen und von mehr oder weniger nuklearen Querschlägern 100 Millionen Menschen getötet. Da ist die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft nachvollziehbar.

Aus der Sicht von nBSG ist die Erde "bloß" eine verlorene Kolonie, die zurück in den Schoß der Zivilisation gebracht werden muss, ob sie will oder nicht. Die Rückschlagung der Invasionsflotte und Vergeltungsschläge der Erde machen den dortigen Menschen aber schnell klar, dass das was anderes wird als eine einfache Befriedung.

Das Englisch ist nicht so schwer, aber von militärischen Begriffen durchsetzt, was die Lesbarkeit erschwert, zumal die Rechtschreib- und Grammatikfehler relativ zahlreich sind. Ärgerlich, wenn dies auch noch gleichklingende Worte betrifft, da fehlt definitiv ein Editor/Lektor.

Zur Zeit befindet sich die Geschichte in einer Ruhephase, nachdem der Autor krank geworden ist. Im Gegenzug scheint es vielleicht erst zur Hälfte abgeschlossen zu sein, was bei über 300k Wörtern beachtlich ist.

Man sollte mindestens eine der beiden Serien gesehen habe, um die Geschichte zu durchblicken. Vorzugsweise beide.



Nicht so toll, aber gut genug.

Titel: Reunions are a Bitch/Deleted (URL: https://www.fanfiction.net/s/3546854/1/Reunions-are-a-Deleted)

Autor: Ash's Boomstick / Bob Regent

Länge: 350k Wörter, ca. 2000 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel mit militärischen Fachbegriffen

Status: Laufend, pausiert

Montag, 30. Dezember 2013

Saint Young Men

Jesus liest zufrieden ein Magazin im Zug und knabbert an einem Mikado; Buddha sitzt neben ihm
Jesus und Buddha in einer Kaschemme in Japan

Buddha und Jesus sind ziemlich gute Kumpels, beste sogar könnte man sagen, und eines Tages entscheiden sie sich dafür, einen Urlaub inkognito auf der Erde zu machen.

Doch bereits als sie sich ein Zimmer in dem kleinen Apartmentskomplex Matsuda Heights nehmen wollen, geraten sie an ein paar Schwierigkeit, denn die Vermieterin ist etwas… strenger. Und nicht gerade erpicht auf diese beiden offensichtlichen ausländischen und etwas seltsamen Gäste.



Buddha im Vordergrund, er richtet die im Zimmer hängende, trocknende Wäsche aus; Jesus im Hintergrund am Laptop
Viel zu sagen zu Saint Young Men kann ich gar nicht, denn die Handlung besteht immer aus mehr oder weniger kurzen, in sich geschlossenen Geschichten. Der Humor leitet sich direkt aus diesen und aus dem Charakter von Buddha und Jesus ab. Buddha muss beispielsweise aufpassen, dass er nichts zu tugendhaftes sagt, denn ansonsten tritt sein Heiligenschein vor und blendet alle. Im Gegenzug kommt es bei Jesus gelegentlich vor, dass er aus Versehen Wunder wirkt, wenn er lacht.

Der Stil ist etwas skizzenartiger gehalten, was bei einem Anime etwas seltsam wirkt, während die Farbgebung an Wasserfarben erinnert.



Mir hat er gut gefallen und ich würde gerne mehr als die zwei Folgen sehen.

Titel: Saint Young Men

Länge: 2 Folgen, insgesamt 40 Minuten

Sprache: Japanisch (Deutsch nur als Fansub)

Dienstag, 10. Dezember 2013

String Theory

Dr. Schtein im Vordergrund mit boshaftem Lächeln, im Hintergrund ein Flammenmeer
Der katastrophale Aufstieg zum Superschurken-Superstar

Dr. Herville Schtein ist nicht gerade vom Glück geplagt. Nach seinem Abschluss in Quantenphysik mit 19 arbeitet er seit 15 Jahren an diversen streng geheimen Regierungsprojekten in einem unterirdischen Labor. Zusammen mit seiner Mysophobie (Angst vor Krankheitserregern) und aufreibenden Art ist er nicht gerade beliebt. Und seine Augen sind Rot auf Schwarz, aber na ja, Arbeitsunfälle eben.

Delia Osgood ist die frische nach ihrem Abschluss angestellte Assistentin von Dr. Schtein – seine 15 innerhalb von 5 Jahren. Das derzeitige Projekt unter seiner Führung soll Teleportation ermöglichen, aber nach Jahren kommt Schtein nicht weiter. Dr. Langstrom, Erzrivale und in einem Konkurrenzprojekt, macht Fortschritte und biedert bei Delia an.

Sowohl aus romantischem Interesse als auch aus Prinzip kann Schtein das nicht ertragen und sabotiert Langstroms Projekt, was zu einer Explosion und mehreren Toten führt, unter ihnen sein Erzrivale Dr. Langstrom, aber auch sein Chef/Ersatzvater.

Legal für tot befunden wird Schtein in ein Gefängnis inmitten einer radioaktiven Einöde gebracht, dessen Vorsteherin Langstroms nach Rache sinnende Schwester ist…



Die Welt von String Theory ist eine interessante. Obwohl die "Gegenwart" im Jahr 2057 angesiedelt ist, verlief der kalte Krieg anders als bei uns. Die Kubakrise verlief nicht glimpflich, Chicago ist ein von Pilzen überwuchertes Ödland und übernationale Unternehmen scheinen im kapitalistischen Block mehr Macht als Regierungen zu haben.

In gewisser Weise wirkt es ein bisschen wie die Welt von Fall Out, mit den Wertvorstellungen der 1950er aber einer seltsamen und abschweifenden Zukunft.
Man kann das auch gut am Zeichenstil festmachen, der anfangs wirklich nah am Fall Out Boy angesiedelt ist, sich aber recht schnell findet und weiter entwickelt; die Hintergründe wandeln von "angedeutet" zu "opulent", die Charaktere werden noch individueller, ohne zu Überzeichnungen zu verkommen.

Dr. Schtein, einmal in Kittel und einmal in HäftlingskleidungAllgemein wird eine Menge Raum auf die Etablierung der Welt und Charaktere gelegt, so dass die Handlung für manch einen langsam vorkommen mag, mir aber gefällt das ziemlich gut, gerade weil dadurch die Charakterisierung sehr gut gelingt.Dabei scheut sich Grundy auch nicht davor, erwachsene Themen wie Drogenmissbrauch und -abhängigkeit zu thematisieren. Also nicht für Kinder geeignet, bloß weil es ein Comic ist.

Und so schauen wir zu, wie Schtein vom arroganten Wissenschaftler zu etwas anderem, böserem wandelt…



Ziemlich gut gefallen, vom Stil, von der Handlung, irgendwie von allem…

Titel: String Theory (URL: stringtheorycomic.com)

Autor: Dirk Grundy

Länge: 240 (42 Schwarz-Weiß, danach farbig)

Sprache: Englisch, Mittel, in wenigen (nahezu irrelevanten) Teilen Deutsch

Status: Laufend, eine Seite wöchentlich


Sonntag, 8. Dezember 2013

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2


Animalisches Essen greift (nicht) an!

Kaum ist Flint Lockwood die Entschärfung seiner Wasser-zu-Nahrung-Maschine FLDSMDFR gelungen, plant er zusammen mit seinen Freunden und Familie ein neues Labor für sich zum Erfinden. Als sein Idol, Chester V, allerdings in Swallow Falls auftaucht, ist Flint wie aus dem Häuschen. Um so mehr als Chester nicht nur eine Restaurierung der von Nahrung überschwemmten Heimatinsel sondern auch noch eine Umsiedlung der Einwohner für die Dauer eben selbiger anbietet. Als dann auch noch die Anstellung unter seinem Idol hinzukommt, schlägt Flint unter Zustimmung seiner Freunde ein.

In San Franjose angekommen, macht sich Flint sogleich ans Erfinden, bekommt aber nicht die halbjährlich verliehene Auszeichnung der besten Erfindung und blamiert sich zudem noch zutiefst.

In Swallow Falls entwickelt sich die Situation derweil anders als erwartet: Flints Maschine ist nicht so zerstört wie erwartet, sondern ihre Programm hat sich geändert und statt Nahrung erschafft sie jetzt "Naschtiere".

Chester V's Restaurationsteam ist auf diese natürlich nicht vorbereitet und wird angegriffen und ausgelöscht und nun liegt es bei Flint (und seinen Freunden) in ihre verwandelte Heimat Swallow Falls zurückzukehren und den FLDSMDFR endgültig abzuschalten.



Die Fortsetzung des ersten Teils von Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen setzt zeitlich quasi direkt an diesen an und eine gewisse charakterliche Entwicklung wird durch einen sechsmonatigen Zeitsprung innerhalb des Films ermöglicht. Sam und Flint sind ein Paar und das Ökosystem hatte Zeit sich zu entwickeln.

Und was für ein Ökosystem! Es gibt Frittantula (Spinnenartiger Riesenhunger), Schrimpansen (Affenartige Schrimps), Wassermelefanten (Wassermelone + Elefant) und allerhand andere Wortspiele aus Essen und Tieren, welche die Insel bevölkern und scheinbar in Eintracht leben.

Während des Films kamen mir unwillkürlich Jurassic-Park-Ausschnitte in den Sinn, insbesondere in der Szene, in der die Gruppe einen Ausblick auf das Ökosystem hat, welches sich dort entwickelte, die stark an eine ähnliche Szene mit Brachiosauriern im ersten Teil erinnerte, während die sonstige Thematik sich mit dem zweiten überschneidet. Es mag zum Teil an der opulenten Musik gelegen haben, die solche Szenen dramatisch unterstrich.

Im Gegenzug gibt die durchdesignten, bösen, profitorientierten Firmen und allerhand weitere Klischees, die aber alle so wunderbar umgesetzt sind, dass einem das Herz aufgeht. Zum Beispiel Earl, der männlichste Polizist, riss mich immer wieder vom Hocker.. Im Original und ersten Teil wurde er übrigens von Mr. T gesprochen!

Die Synchronisation ist gelungen, eine prominente Rolle wird beispielsweise von Ilke Bessin, bekannt als Cindy aus Marzahn, gesprochen, während im Gegenzug Sam neu besetzt wurde. Ihre Stimme missfiel mir irgendwie.

Und obwohl der Film nicht von den gleichen Leuten gedreht wurde wie der erste Teil, waren sie beim zweiten zumindest die Produzenten. 3D ergab übrigens keinen Mehrwert.



Hat mir ziemlich gut gefallen, gelungene Fortsetzung.

Titel: Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2

Regie: Cody Cameron, Kris Pearn

Länge: 95 Minuten

Freitag, 6. Dezember 2013

Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele

Nahaufnahme der linken Seite von Katniss' Gesicht, im Vordergrund blutbefleckte Blätter
Gladiatorenspiele in dystopischem Regime

Es ist einige Jahrzehnte bis Jahrhunderte nach unserer Zeit und Nordamerika wurde von Kriegen und Naturkatastrophen heimgesucht. Aus dieser Welt ist Panem hervorgegangen, eine diktatorische Nation. Von Kapitol, der Hauptstadt aus, unterdrückt das Regime die Bevölkerung und beutet sie aus. Als diese aufbegehrte, wurde die Rebellion grausam niedergeschlagen und ein ganzer Distrikt ausgelöscht. Als Mahnung und Erinnerung werden nun seit 74 Jahren jedes Jahr aus jedem Distrikt ein Junge und ein Mädchen zwischen 12 und 18 ausgelost, die als Tribut alle in einer Arena Gladiatoren gleich gegeneinander kämpfen und sich gegenseitig töten müssen, denn nur der letzte Tribut gewinnt. Dies sind die Hungerspiele.

Obgleich nominell ein Tribut für die Rebellion vor einem dreiviertel Jahrhundert, geht mit dem Sieg in den Hungerspielen zugleich Vorteile in den Zuteilungen für die Distrikte einher, die bei weitem nicht autark sind sondern alle auf bestimmte Bereiche spezialisiert sind. So gibt es in manchen Distrikten auch Karrieros, die auf ihre Teilnahme in den Spielen trainieren, sei es um den Bonus oder die Ehre im Siegesfall zu erlangen.

Katniss fällt mit ihren 16 Jahren in das auslosbare Alter und lebt in Distrikt 12, dem heruntergekommensten und ärmsten Distrikt. Zusammen mit ihrer Mutter und kleinen Schwester kommt die Familie nur über die Runden dank Katniss' illegalem Jagen und Sammeln außerhalb der Distriktgrenzen, ein Vergehen auf das Tod und schlimmeres steht.

Als ihre Schwester Prim als weiblicher Tribut für den Distrikt ausgelost wird, kann Katniss das nicht zulassen und übernimmt freiwillig ihren Platz. Zusammen mit Peeta, dem gleichaltrigen Bäckerssohn, reist Katniss nach Kapitol zur Vorbereitung und Interviews sowie die anschließenden Spiele. Durch Glück, Können und Talent legen Katniss und Peeta eine beeindruckende Vorstellung im Auftakt zu den Spielen hin, doch die Spiele selbst sind etwas vollkommen anderes.

Alle Tribute starten von der gleichen Plattform aus, in deren Mitte ein übergroßes Füllhorn voll Ausrüstung und Nahrung liegt. Katniss ist durch ihr tägliches Jagen gut mit Pfeil und Bogen, aber wird sie auch ohne überleben können?



Ein Brosche die einen goldenen, fliegenden Vogel mit Pfeil im Schnabel zeigt, der Vogel dreht sich halb um
Ich gebe zu die englische Version, The Hunger Games, gelesen zu haben statt der deutschen, aber spontan fällt mir auf, dass es keine schwierig zu übersetzenden Passagen oder Referenzen gibt, so dass es ich für die deutschen Begriffe Wikipedia als Quelle genommen habe.

Problemlos lassen sich Parallelen zwischen den Tributen und dem japanischen Battle Royal ziehen, denn bei beiden kämpfen Jugendliche gegeneinander um Leben und Tod unter massiver medialer Aufmerksamkeit und Interesse sowie Einflussnahme. Allerdings sind sie aus dem emotionalen Aspekt nicht so ohne weiteres vergleichbar, denn in Battle Royal war es eine Schulklasse, die vermutlich bereits soziale Bande geschlossen hatte, während in Tribute die Spieler sich größtenteils nicht kennen, von den Karrieros abgesehen.

Von diesem Aspekt abgesehen, zeichnet Tribute eine interessante Welt auf. Der Autorin Suzanne Collins wurde im Schreiben klar, dass das geplante Finale der Spiele eine Reaktion innerhalb der Welt nach sich ziehen würde und entschied sich daher für eine Trilogie, statt von der Konzeption her die Geschichte darauf auszulegen.

Es gibt auch einen romantischen Plot zwischen Katniss und Peeta, der aber sehr gut in das Konzept der Hungerspiele eingebunden wurde, weshalb ich darauf nicht weiter eingegangen bin.

Das Englisch ist übrigens gut lesbar und ohne großschweifige Konstruktionen oder Konzepte, so dass bei Interesse oder zum Lernen sich die Originalversion anbietet.



Interessante Welt, aber größtenteils vorhersehbar

Titel: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele (Original: The Hunger Games)

Autor: Suzanne Collins

Länge: 414 Seiten (Original: 374 Seiten)

Sprache: Deutsch, Englisch (Einfach bis Mittel)

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Drewford

Eine anthropomorphizierte, auf dem Bauch liegende Ente schiebt mit einem Finger panisch den schiefen ersten Buchstaben gerade
Heteroente mit Homobruder

Drewford Duck ist eine erfolgreicher Macher von typischen 30-Sekunden Werbeblöcken im Fernsehen, aber mit seinem Job nicht zufrieden. Er wechselt in den Bereich Infomercials, die halbstündigen Werbeblöcke im Spätnachtsprogramm. Während dessen zieht sein zehn Jahre jüngerer Bruder Ormlu bei ihm ein. Die zutiefstchristliche Mutter und ihre Verachtung für ihren homosexuellen Jüngsten mag etwas damit zu tun haben.

Drewford beweist seine Silberzunge
Drewford ist im Gegensatz dazu ihre liebstes Kind, denn nicht nur ist er heterosexuell, er hat auch keinerlei romantischen/sexuellen Erfolg. Die Personen, an denen er Interesse hat, finden ihn abstoßend und er hat sowas wie ein Anti-Flirt-Talent.

Ormlu hingegen ist mehr oder weniger das Gegenteil und schläft sich durch die halbe Stadt, unabhängig von seinem Beziehungsstatus. Seine Drogenprobleme könnten etwas damit zu tun haben. Drewford unterdessen hat zwar Erfolg im Job, hasst ihn aber mehr oder weniger, sein Boss ist sein früherer Rivale dem alles zuflog und Gott hat ihn auf dem Kieker. Das ist kein Scherz, Gott hat ein Experiment gestartet: Er mischt sich nicht in das Leben von Drewford ein, außer durch Kleinigkeiten. Aber Gott ist hier auch ein Arsch, von daher…



Wie
Gott beweist, dass er ein Arsch ist.
so der zweite Absatz so verwirrt formuliert ist? Weil sich der Autor mitten im Comic für einen Retcon (retroactive continuity, rückwirkende Geschichtsänderung) entschieden, die Drewford homosexuell werden ließ. Während die Begründung des Autors gut ist, kann ich die Verwendung des Retcons dennoch nicht gutheißen.

Davon abgesehen… war's das im wesentlichen mit der Handlung. Es geht bei weitem nicht nur um Sexualität und Schwulenkultur, sondern auch um den Büroalltag von Drew oder um die Lächerlichkeit der Werbeindustrie im allgemeinen. Der Webcomic wird vor allem von den Charakteren und ihren Interaktionen getragen.



Im wesentlichen meh.

Titel: Drewford (URL: http://drewfordcomic.com)

Autor: Damon Xanthopoulos

Länge: 400+ Comics, komplett Schwarz-weiß

Sprache: Englisch, Mittel

Status: Laufend, 2x je Woche

Donnerstag, 28. November 2013

Spice & Wolf, Vol. 2


Holo running away into the sunset, looking laughingly back over her shoulder

Handelsreisender mit Wolf – Bankrott und Goldschmuggel

Kurze Zusammenfassung der Welt: Äquivalent zum späten Mittelalter, um die Renaissance herum, gibt es viele Königreiche und Feudalmonarchien, mit der Kirche als überspannendem Element. Allerdings gibt es auch Magie, mehr oder minder – keine Zauberer, aber eben tierische Gottgestalten, von der Kirche selbstverständlich nicht geduldet

Nach dem gerade so erfolgreichen Geschäft mit dem Währungskurs im vorherigen Band sind die Wolfgöttin in Menschengestalt Holo und der fahrende Händler Lawrence unterwegs, um ihren frisch erworbenen Pfeffer gewinnbringend zu verkaufen. In dem frommen Städtchen Poroson werden sie fündig und können durch Glück und Holos spitzfindige Sinne ein sehr gutes Geschäft machen: Sie können Rüstungen in einem Wert kaufen, als hätten sie den doppelten Pfand hinterlegt.

Ihr Ziel: Ruvinheigen. In dieser regionalen Hauptstadt hat die Kirche eine Vormachtstellung aufgrund der regelmäßig ausgerufenen Kampagnen zur kriegsgeführten Missionierung der heidnischen Städte. Aufgrund dessen finden Rüstungen, Schwerter und sonstige Militärmaterialen dort stetigen Absatz.

Auf dem Weg treffen sie Norah, eine talentierte und junge Schäferin. Doch dieser Beruf ist nicht sehr geachtet, denn die scheinbar übernatürliche Kontrolle von Schäfern über ihre Herde und Hütehund lässt sie in den Augen der Kirche heidnische Magie verwenden. Norah mit ihrem Talent und ihrer Jugend ist der Kirche da ein besonders verdächtige Person, auch wenn sie deren Schafe hütet.

Als Norah sich Lawrence eine Anstellung als Eskorte anbietet, stimmt er ihr nach kurzem überlegen und Absprache mit Holo zu.

In Ruvinheigen angekommen stehen Lawrence und Holo jedoch vor einem Problem: Die übliche Missionierungskampagne wurde abgesagt und die Preise für Metallwaren sind eingebrochen – Lawrence Wagenladung ist nur noch einen Bruchteil wert und ihm droht der Bankrott.



In dem zweiten Band von Spice & Wolf stehen Lawrence und Holo wieder am Rande ihrer Existenz. Und wieder nicht durch einen Gegner, obwohl es zu Gewalt kommt, sondern aufgrund von Gier und unerwarteten Ereignissen.

Auch dieses Mal sind die Light-Novel-üblichen Farbseiten am Anfang, mit einem halben Dutzend Schwarz-Weiß im Verlaufe des Buches zur Illustration von ein paar Szenen. Lawrence ringt wieder wirtschaftlich mit seinen Widersachern, sie stellen ihm Fallen, die er dann manchmal erfolgreich umdrehen kann.

Die romantische Nebenhandlung wird durch die Schäferin Norah gespeist, auf die Holo eine verhohlene Eifersucht und aber auch ehrliche Abneigung aufgrund ihres Berufes hat.

Die wirtschaftliche Handlung war dieses Mal einfacher, ich musste mir weniger Notizen machen um durchzublicken. Die wirtschaftlichen Fachbegriffe und Konzepte wie "Buying on margin" sehe ich als das größere Problem an.



Schöne Weiterführung der Reihe.

Titel: Spice & Wolf, Vol. 2

Autor: Isuna Hasekura
Illustration: Jyuu Ayakura

Länge: 280 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel mit einzelnen schwereren Wörtern und Fachbegriffen

Mittwoch, 20. November 2013

Thor – The Dark Kingdom

Thor und Jane in einer Schlachtumarmung, hinter ihnen die Helden und Schurken des Films
Thor reifte, Loki reifte, Jane Foster reifte.

Thor ist nicht nur ein mythischer Held, sondern mittlerweile auch ein Marvel-Charakter mit seinen eigenen Filmen. Da ich den ersten Film, Thor, nicht erwähnt habe, hier eine kleine Zusammenfassung:

Thor verprügelt Frostriesen ohne Erlaubnis, sein Vater Odin ist enttäuscht und verbannt ihn auf die Erde. Auf der Erde (Midgard) Jane Foster ist Astrophysikerin und ihr Doktorvater Erik Selvig freunden sich mit ihm an. Es wird klar, dass Thor durch Tricks seines Bruders Loki verbannt wurde. Loki bekommt auf den Deckel und dabei geht die Brücke zwischen den Welten kaputt; Thor sitzt in seiner Heimat Asgard fest.

Relevant ist auch noch The Avengers, der ein Jahr nach Thor raus kam. In dem Film verprügelt Thor zusammen mit Iron Man und ein paar anderen Aliens, die angeführt von Loki eine Invasion in New York durchführten. Erik Selvig war unter Hypnose/Gedankenkontrolle Lokis und half ihm dabei. Am Ende des Films ist Loki gefangen genommen worden und Thor wieder in Asgard.



Astrophysikerin Jane Foster untersucht in London Gravitationsanomalien und hat ihren Kollegen Erik Selvig verloren, als sie ihn einer Irrenanstalt wiederfindet. Von seinen Wahnvorstellungen im Zuge der Gedankenkontrolle genesen, untersuchen sie seltsame Portale zwischen Welten. In einer von diesen Welten, in die Jane aus Versehen stolpert, wird sie von irgend etwas infiziert…

Nachdem der Bifröst, die Brücke zwischen den Welten repariert worden wurde, waren Thor und Kumpanen mit der Niederschlagung von Rebellionen, Aufständen und Kriegen beschäftigt, aber endlich sind die neun Welten befriedet. Als Thor sich beim lebenden Fernrohr Heimdall nach Jane Foster erkundigt und dieser sie nicht sehen kann (er ist ein sehr gutes Fernrohr), flitzt Thor rüber zur Erde. Jane ist glücklich und wütend über Thors Rückkehr, aber als dieser von der Infektion erfährt, bringt er Jane nach Asgard um sie dort untersuchen zu lassen.

Der Äther, eine zerstörerische Kraft, befindet sich in Jane. Vor Jahrtausenden wollten die Dunkelelfen von Svartalfheim das Universum mit Hilfe des Äthers vernichten, wurden aber von Odin's Vater daran gehindert. Durch die Infektion von Jane wurden die letzten Dunkelelfen aber wiedererweckt und sinnen auf Vollendung ihres Plans. Einen von Ihnen initiierte Gefangenenrevolte befreit Loki nicht, führt aber zu einigen Toten. Rasend vor Wut will Odin die Dunkelelfen endgültig ausrotten, und wenn er dafür Jane opfern muss ist er willig das zu tun.

Thor hat aber einen anderen Plan, für den er Lokis Wissen und Hilfe braucht…



Man merkt, es ist wieder verhältnismäßig viel Handlung im Film. Nicht, dass das was schlechtes wäre, vielleicht bin ich einfach bloß schlecht im Zusammenfassen.

Im Vergleich zum ersten Film ist Thor als Charakter gereift und schlägt nicht direkt drauf los, sondern schaltet zuerst seine Rübe ein. War zuerst sein erster Impuls seine Probleme niederzuringen, so ist er dieses Mal willen List und Tücke als Methoden in Erwägung zu ziehen und sogar anzuwenden – auch wenn er Loki dabei immer noch um Welten unterlegen ist.

Im Gegenzug ist sich sein listiger Bruder dafür dieses Mal nicht zu fein dafür brachialen Methoden anzuwenden, wenn es die Situation erfordert. Allerdings sind die brüderlichen Bande zwischen den Beiden mehr als rissig, so dass eine Menge Spannung, aber auch Humor aus dem Wortgeplänkel der beiden hervor geht.

Ein großes Lob muss ich an die Spezialeffekte ausloben, die Bestattungsszene in Asgard ist eines der besseren Werke sowohl in Effekten als auch Weltenbildung, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Es hat mich sehr stark an die Szeneneinführungen aus Avatar erinnert, und das nicht nur wegen den Leuchteffekten bei Nacht.

Allerdings kann man auf das 3D problemlos verzichten.



Eine gelungene Weiterführung des Marvel Filmuniversums.

Titel: Thor – The Dark Kingdom

Regie: Alan Taylor

Länge: 112 Minuten



Kleine Info am Rande: Chris Hemsworth (Thor) und Tom Hiddleston (Loki) sind im echten Brüder ziemlich gut befreundet, wie es scheint.