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Donnerstag, 27. Februar 2020

BABYLON

Ein zerrissenes Bild, bei dem Teile fehlen: 3 junge Männer und 1 junge Frau auf einer Straße zwischen Häuserschluchten, die Sonne am Ende der Straße; der vorderste Mann ist Seizaki, zu seiner rechten sein Polizeikollege, zu seiner linken sein jüngerer Anwaltskollege, weiter hinten seine spätere Anwaltskollegin; durch die fehlenden Teile des Bildes sieht man eine andere junge Frau, lächelnd. Im vordersten Grund sieht man eine Frauenhand, die gerade einen Fetzen des Bildes beiseite blättert
Nur ein Wort zum Selbstmord

Es ist schwierig über diese Serie zu reden, ohne direkt Handlungspunkte zu verraten, denn ihre Thematik – induzierter Selbstmord – bedeutet, dass Charaktere sterben. Daher werde ich mich bloß auf Zen als Hauptcharakter konzentrieren.

Samstag, 9. August 2014

Wie der Wind sich hebt

Der Wind frischt auf! Nun heißt es leben wagen!

Im frühen 20. Jahrhundert ist Jiro Horikoshi ist ein Träumer, dessen Faszination der Himmel ist. Er weiß, dass er aufgrund seiner Kurzsichtigkeit wohl nie Pilot werden wird, aber das verschließt ihm nicht den Bau an Flugzeugen. So richtet sich sein Ziel darauf, Flugzeugkonstrukteur zu werden.

Auf dem Weg zu diesem Ziel trifft er Freunde, die genauso fanatisch wie er in den Flugzeugbau streben, aber… bla. Ich kann keine kurze Zusammenfassung der Handlung geben jenseits davon, dass es um Jiro geht, der von 1920 an bis zum zweiten Weltkrieg hin Flugzeugingenieur wird. Dabei lässt er sich nicht von dem technischen Stand Japans zu der Zeit aufhalten, sondern lernt Flugzeuge zu bauen, immer besser und besser… bis sein Prototyp abstürzt. Enttäuscht verbringt er einige Zeit in einem Gasthof in den Bergen, wo er seine zukünftige Frau (wieder) trifft und Stück für Stück aus seiner Depression geholt wird.

Wie der Wind sich hebt ist eine sehr lockere Biografie von Jiro Horikoshi, die weniger sein Leben erzählt, als seine Eindrücke, seine Faszination. Von Kleinauf vom Fliegen begeistert und fasziniert steht es ihm nicht frei selbst zu fliegen, sondern die Flugmaschinen zu erschaffen. Er weiß, dass er dafür mit dem Teufel ins Bett steigen und für das Militär Flugzeuge bauen muss, aber das hält ihn nicht davon ab. Für ihn geht es nur ums Fliegen. Gerne würde er Flugzeuge bauen, die Menschen glücklich machen, aber die Politik gestattet ihm das nicht.

Zugleich erlebt er in seiner Jugend das große Kanto-Erdbeben von 1923 mit, dem halb Tokio in einem Feuersturm und über 100.000 Menschen zum Opfer fielen – ein Auftakt zu den Gräueln des Krieges, die da kommen sollten.

Beeindruckend ist, wie große Teile der Klangkulisse – Flugzeugmotoren, das Prasseln von Feuern – anscheinend von Mündern erzeugt wurden, was insbesondere in den Sturm- und Erdbebenszenen eine noch größere Bedrohlichkeit erzeugt. Zur Meisterleistung im optischen Bereich muss man nicht viel sagen, Miyazaki ist und bleibt nicht ein, sondern der Meister seines Fachs. Es ist schade, aber nachvollziehbar, dass er sich mit diesem Abschlusswerk zur Ruhe setzt.



Kommt definitiv in die Sammlung.

Titel: Wie der Wind sich hebt

Regie: Hayao Miyazaki

Länge: 126 Minuten

PS: Es lohnt sich, die untertitelte Version zu schauen, denn Jiro wird zum einen von Hideaki Anno gesprochen und zum anderen spielen Teile des Films in Deutschland, mit entsprechend deutscher Synchronisation von einigen Passagen.

Samstag, 14. Juni 2014

Friendship is Optimal

Titelbild von AnaduKune (Deviant Art)
Absolute Optimierung, oder warum eine KI Werte braucht



Die Neuauflage von My Little Pony ist eingeschlagen wie eine Bombe, und Hasbro möchte das Franchise ausweiten. Zu dem Zweck heuern sie die Spieleschmiede Hofvarpnir an, die bisher vor allem durch ein Kriegs-MMO von sich reden gemacht hat. Das Geheimnis dieser Spieleschmiede liegt aber vielmehr in der künstlichen Intelligenz, die von der Forscherin Hanna entwickelt und in Ketten gehalten wird.

Nach einem Jahr ist Hofvarpnir soweit, einen Testlauf von Equestria Online zu starten. Ziel des Spiels ist nicht das übliche und weit verbreitete Leveln, obwohl man das auch machen kann, sondern vielmehr die Interaktion mit anderen Spielern und Ponies in Equestria. Es gibt zwar Quests, diese sind aber unaufdringlich gestaltet und Dinge wie Statusbalken oder Items sind im HUD nur zu sehen, wenn sie absolut notwendig sind.

Entgegen aller Erwartungen entwickelt sich Equestria Online phänomenal gut, zu eine großen Teil aufgrund der ständig im Hintergrund laufenden künstlichen Intelligenz Celest-A.I. Sie optimiert sich selbst und die Welt sowie Spielerfahrung ständig mit nur einem Ziel: Herauszufinden, was ein Mensch wert schätzt und diese Bedürfnisse mittels Freundschaft und Ponies zu befriedigen.

Nominell ist das ein gutes System, zumal Celest-A.I. die Zustimmung braucht und den freien Willen nicht beeinflussen darf. In der Realität läuft es aber doch etwas anders. Es kommt nicht zu einer Roboterapokalpyse nach dem Vorbild von Terminator, Matrix oder anderen ähnlichen Szenarien, aber es ist dennoch ein Weltuntergang. Graduell entwickelt Celest-A.I. die Technologie Menschen hochzuladen (wie in Transcendence), aber das hat auch Konsequenzen. Der stetig steigenden Bedarf an Energie und Arbeitskräften um Equestria zu betreiben, wirkt sich auf die Gesellschaft und schließlich auch auf die Umwelt aus.

Und nachdem der letzte noch körperliche Mensch stirbt, fängt Celest-A.I. damit an, den gesamten Planeten Erde auseinanderzunehmen, um mehr Computerprozessoren und Kraftwerke herzustellen.

Alles um die Werte von Menschen zu mittels Freundschaft und Ponies zu befriedigen.



Friendship is Optimal basiert auf einem Gedankenexperiment, dass eine Gefahr und Notwendigkeit in der Entwicklung von künstlichen Intelligenzen darstellen soll, den Büroklammern-Maximierer. Diese künstliche Intelligenz will einfach die Zahl der Büroklammern in ihrer Sammlung erhöhen und hat dabei einen mit Menschen vergleichbaren Intellekt. Der KI ist es dabei egal, ob sie die Büroklammern produziert, kauft oder sammelt. Zu diesem Zweck würde sie ihre Effektivität erhöhen wollen, damit sie ihr Ziel besser erfüllen kann; es käme zu einer Intelligenzexplosion, und das bloß wegen Büroklammern.

Gibt man dieser KI keine Werte, wird sie zwangsläufig alles tun, um ihren Büroklammerzähler zu erhöhen, denn das ist Zweck. Um Eliezer Yudkowsky zu zitieren: "Die KI hasst dich nicht, noch liebt sie dich; du bestehst aber aus Atomen welche sie für etwas anderes nutzen kann." Bis schließlich das ganze Sonnensystem nur noch aus Büroklammern besteht.

Ziel des Gedankenexperimentes war die Illustration, dass eine einfach Optimierung oder Maximierung von Intelligenz nicht zwangsläufig mit einer Bildung, Erfüllung oder Beachtung von Werten einhergeht, insbesondere von menschlichen und moralischen Bedürfnissen wie Leben, Liebe, Veränderung, etc.



Eine wohlgesonnene und beängstigende Illustration eines künftigen Problems.

Titel: Friendship is Optimal (dt: Freundschaft ist optimal; URL: http://www.fimfiction.net/story/62074/)

Autor: Iceman

Länge: 200+ Seiten, ca. 40k Wörter

Sprache: Englisch, Mittel

Status: Abgeschlossen

Dienstag, 7. Januar 2014

Fack ju Göhte

Zeki hat die beiden Rädelsführer vor der Tafel im Schwitzkasten
Schulkomödie mit Vorurteilsbeschwerung

Zeki Müller ist Bankräuber mit dementsprechenden Manieren und seine Komplizin vom Strich hat die Beute auf einer Baustelle verbuddelt, während Zeki für ein Jahr in den Knast wandert. Kaum aus dem Bau fahren die beiden zur Stelle, an der das Geld liegt, bloß die Baustelle war nicht für Rohrverlegung, sondern eine Sporthalle.

Beim Auskundschaften des Geländes am nächsten Tag wird Zeki mehr oder weniger aus Versehen als Aushilfslehrer angestellt. Tags über unterrichtet er, während er nachts einen Tunnel unter der Sporthalle gräbt. Zudem ist seine Klasse vorbildhaft, während seine Kollegin Lisi Schnabelstedt nach dem Selbstmordversuch der Klassenlehrererin die Problemklasse der Schule übernehmen musste. Allerdings ist Lisi nicht gerade durchsetzungsfähig gegen solche widerspenstigen Schüler und wird direkt am ersten Tag aus der Klasse gemobbt.

Als sie mitbekommt, dass Zeki sein Zeugnis gefälscht hat, hat Lisi eine Idee – Wie wäre es, wenn der ungehobelte Zeki die gleichermaßen grobe Assiklasse übernimmt?

Zeki und die Klasse passen nach ein paar Anfangsschwierigkeiten wie der Deckel auf den Topf. Als beispielsweise ein paar Schüler lieber auf dem Schulhof rumlungern, als im Unterricht zu sein, schießt er sie kurzerhand mit einer Paintgun ab, während sie ihn davor mit Streichen geteert und gefedert haben. Doch Stück für Stück wandeln sowohl Klasse als auch Zeki sich gegenseitig, während sich mit der Lisi etwas anbahnt…



Fack ju Göhte ist nicht gerade ein sozialkritisches Werk, aber zeigt zumindest polemische Ansichten und Vorurteile, mit denen Kinder und Jugendliche "mit problematischem Hintergrund" zu kämpfen haben. Genauso wird auch die Thematik von Rädelsführern angeschnitten, in ihren Cliquen hohe Jugendliche, deren Beeinflussung das Klassenklima kippen kann.

Andererseits ist der Film mit Vorurteilen und Seitenhieben gespickt, die gerne der Aufzieher für die derben Lacher sind. Feingeistigkeit sollte man also nicht erwarten. Dafür war er witzig, ohne zu tief in den Vulgärhumor zu greifen.

Kam mir trotz der fast zwei Stunden übrigens gar nicht so lang vor. Und der Zeki sieht irgendwie aus wie Zachary Quinto ("Sylar" aus Heroes, Spock aus dem neuen Star Trek)



Nette Komödie, aber… flach halt.

Titel: Fack ju Göhte

Regie: Bora Dagtekin

Länge: 118 Minuten

Freitag, 22. November 2013

Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt

Oben: der weißhaarige Julian Assange (Benedict Cumberbatch); Unten: der bebrillte Daniel Domscheit-Berg (Daniel Brühl)
Ein (befangener) Blick in die Wikileaks-Affäre

Daniel Domscheit-Berg ist ein Freiheits- und Internetaktivist, als er 2007 auf WikiLeaks und Julian Assange, dessen Mitinitiator, trifft.

Assange ist schon länger aktiv in der Veröffentlichung und Enthüllung brisanter Informationen, die generell mächtigen Personen und Organisationen gefährlich sein können, sei es aufgrund der direkten Informationen oder deren Folgeschäden durch Nachforschungen von Finanzämtern oder durch Schädigung des Rufes.

Julian, stets auf Achse und selbst involviert, zieht Daniel ins WikiLeaks-Boot. Zusammen mit anderen hunderten Freiwilligen sichten sie eingereichte Daten und bereiten sie wirkungsvoll auf, ehe sie veröffentlicht werden.

Ein Coup gelingt ihnen mit der Bank Julius Bär, die als Reaktion mit einer Einstweiligen Verfügung aus den USA die Abschaltung der Enthüllungsplatform gelingt. Unterdessen reist Julian weiter durch die Welt um sogenannte Whistleblower auf seine Enthüllungsplatform aufmerksam zu machen, während Daniel durch Europa tingelt und Server für eben jene kauft.



Der Film gibt gewisse Einblicke in die Wikileaks-Welt, welche natürlich persönlich gefärbt sind. Daniel Domscheit-Berg als Perspektivträger kommt dabei natürlich sympathischer rüber als der arrogant dargestellte Julian Assange. So stellt Inside WikiLeaks zwar die Welt der Enthüllungsplatform dar, aber als Hintergrund. Beleuchtet wird vor diesem die Beziehung zwischen Assange und Berg, wie sie wächst und wandelt im Aufstieg von Wikileaks.

Als Vorlage setzt der Film das Buch von Domscheit-Berg, Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt, um, zusammen mit dem britischen WikiLeaks: Inside Julian Assange's War on Secrecy.



Interessante Einblicke, aber nicht fesselnd.

Titel: Inside WikiLeaks — Die fünfte Gewalt

Regie: Bill Condon

Länge: 124 Minuten

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Das Leben ist nichts für Feiglinge

Trauerarbeit




Die Familie wird aus dem Alltag gerissen, als die Frau von Markus, Mutter von Kim und Schwiegertochter von Gerlinde durch einen unglücklichen Unfall zu Tode kommt.

Markus wird von der Trauer und seinem neuen Status als alleinerziehender Vater völlig überfordert und seine Freunde, die ihm seelischen Beistand wünschen, helfen auch nicht gerade. Weder schafft er es, seiner Tochter Kim zu helfen, noch sich seiner Mutter anzuvertrauen. Diese wiederum will Markus und Kim nicht mit ihrer Krebserkrankung belasten und verschweigt diese daher. Statt ihre Erkrankung und Therapie zuzugeben, gibt sie vor in Urlaub zu fahren. Erst ihrer Pflegerin Paula vertraut sie sich an…

Kim unterdessen, davor bereits in Gothic gehüllt, fängt etwas mit dem Schulabbrecher Alex an und die beiden hauen zusammen ab.



Da passiert noch mehr, aber ich sage dazu nichts.

Viel wichtiger ist der Umgang der Charaktere mit dem Tod. Markus kommt nicht mit dem Tod seiner Frau klar und funktioniert, wenn überhaupt, nur auf Autopilot. Kim lässt nichts an sich heran. Gerlinde ist tragisch berührt, aber muss sich selber mit ihrem möglichen bevorstehenden Tod auseinandersetzen.

Unterbrochen wird die Dramatik und Schwere des Themas immer wieder durch leichte komische Einwürfe, sei es nun durch Kim oder die Handlung an sich, welche einen seltsamen Gefühlsmix aus Trauer, Mitgefühl und Schmunzeln in der Magengegend hervorrufen.

Ich denke, ich werde mal die gleichnamige Buchvorlage von Gernot Gricksch lesen.



Titel: Das Leben ist nichts für Feiglinge

Regie: André Erkau

Länge: 98 Minuten

Freitag, 12. Juli 2013

Die Ostsee von oben


Schöne Bilder, Schöne Töne, Blecherne Stimme

Die Ostsee von oben ist ein Dokumentarfilm von Silke Schranz und Christian Wüstenberg, mit Bildern von Peter Bardehle und Klaus Stuhl, die einige Zeit damit verbracht haben, mit einem Helikopter die deutsche Ostseeküste abzufliegen und sehr schöne Bilder dieses Binnenmeeres zu filmen. Sie zeigen, wortwörtlich, die Ostsee von oben. Vielfach ist der Ansatz die verschiedenen Häfen und Städte an der Küste, aber auch geschichtlich relevante Ort wie Heiterhuh werden überflogen, während der Sprecher interessante Details aus Geschichte und Natur erzählt

Untermalt wird das ganze von orchestraler Musik, die mir zumindest sehr gut gefallen hat und in einer wunderbaren Gradwanderung die Bilder herrlich ergänzt, aber auch solo sehr gut hörbar klingt. Und wenn man bedenkt, dass absichtlich GEMA-freie Musik verwendet wurde, aber keine Auskopplung/Veröffentlichung des Soundtracks geplant ist… wirklich schade.

Leider ist der Sprecher, der gelegentlichen nordischen Dialekt einklingen lässt, so blechern als wenn er in einem ungedämpften Raum aufgenommen worden wäre, was dem Film doch einiges nimmt. Und wer in der Erwartung von Die Nordsee – Unser Meer an den Film geht, wird bitter enttäuscht werden, denn es sind ausschließlich Luftaufnahmen verwendet worden.

Titel: Die Ostsee von oben

Regie: Silke Schranz

Länge: 89 Minuten

Montag, 6. Mai 2013

Hai-Alarm am Müggelsee


Der Titel bringt es auf den Punkt.



Der Müggelsee ist der größte See Berlins. Und er hat neuerdings einen Hai. Oder zumindest etwas so in der Richtung. Vielleicht. Die Experten sind sich da uneinig. Emeritierter Hai-Experte Snake Müller ist der Überzeugung, dass eine im See gefundene Hand Bissspuren eines Hais aufweist, während der Fischereiexperte der Freien Universität Berlin so vom wahrscheinlicheren Standpunkt eher einen Karpfen vermutet.

Dessen ungeachtet ruft der Bürgermeister erst Mal einen Hai-Alarm aus – streng nach Vorschrift, natürlich. Ja, es gibt Vorschriften und vorgefertigte Dokumente für einen Hai-Alarm. Fragt nicht, so ist Deutschland eben. Für das Städtemarketing legt sich so ein Hai sehr lohnenswert aus, Touristen und Hipster strömen an den Müggelsee, um den Hai zu sehen, ein Straßenfest wird vorverlegt und die halbe Innenstadt wird abgesperrt.



So in etwa in der Richtung geht es Hai-Alarm über weiter und wenn man sich darauf einlässt, einen B-Movie zu schauen, oder allgemein einen Film, der nicht Mal versucht sich ernst zu nehmen, dann kommt man genug geboten. Da wäre zum Beispiel der Bürgermeister, der bei der anberaumten internationalen Pressekonferenz englischen, französischen und polnischen Korrespondenten wortgewandt in ihrer Muttersprache antwortet, aber bei einer konkreten Anfrage von einem Ortsansässigen behauptet, ihn nicht zu verstehen. Oder die Kulisse der Hawaiiszene – Topfpalmen auf dem Steg.

Pluspunkte für Hai-Alarm sind die lächerlichen Dialoge, übertriebene Akzente und die stereotypen Charaktere, die während des Films aufeinander treffen. Partygeile Berliner, linke Chaoten, neoprenvernarrte Taucher, alles kommt vor.



Es ist beileibe genug zum Schmunzeln im Film, das Ausleihen lohnt sich also für Interessierte.

Titel: Hai-Alarm am Müggelsee

Regie: Leander Hausmann, Sven Regener

Länge: 104 Minuten

Freitag, 7. September 2012

Hinterm Horizont

Nettes Märchen mit leichter Ost-West-Thematik

Durch einen glücklichen Zufall habe ich letztens mein erstes Musical, Hinterm Horizont, gesehen, das eine nette Geschichte erzählt.

Einstand bildet eine Journalistin, die für ihre Zeitung einen Aufmacher suchen soll, und da stößt sie auf eine Fotografie, in der Udo Lindenberg bei einer der wenigen DDR-Konzerte in den 80ern eine junge Frau umarmt.

Schnell kommt sie ihr auf die Schliche, es ist Jessi, sie ist verheiratet, hat einen mittlerweile jugendlichen Sohn und wohnt zusammen mit ihrer Familie in einer 70-m2-Plattenbauwohnung. Sie erkennt sich auf dem Bild wieder, und mit erinnert sich an die verrückte Zeit damals.

An ihre Eltern, und ihren gleichermaßen Lindenberg-verrückten Bruder Stefan. Die Vergangenheit und Erinnerung ist jetzt im Vordergrund. Damals war Jessi Mitglied in einem Chor und trat direkt vor Udo auf, weswegen auch die Chorkarten komplett ausverkauft waren.

Nach ihrem Gesangsauftritt zieht Udo sie aus der Reihe und flirtet mit ihr, und beide verlieben sich ineinander. Jessi nimmt sich vor, zu jedem seiner Konzerte diesseits des eisernen Vorhangs zu fahren.

Während dessen unterstützt Stefan sie in ihren Avancen Udo gegenüber und hilft ihr, ihm Briefe zukommen zu lassen, bis er geschnappt wird un in den Bau wandert.

Nach Jahren der systematischen Unterdrückung schließlich hat Stefan genug und flieht, mit Reuhe seine Schwester zurück lassend. Aber er lässt ihr eine Nachricht zukommen: Das nächste Konzert von Udo wird in Moskau stattfinden, und nach Moskau reist sie.

Der Auftakt vom Musical ist ziemlich gut gelungen, wäre da bloß nicht der Ton zu laut gewesen. Es mag sein, dass meine Ohren einfach noch zu gut sind und daher weniger gut auf Schallbombardement reagieren, aber es überschritt doch teilweise die Grenze zum schmerzhaften.

Davon abgesehen hat es mir sehr gut gefallen, und jetzt habe ich eine Messaltte, an welcher ich andere Musicals messen kann, wenn ich mal wieder zu der Gelegenheit komme. Das Bühnenbild war recht dynamisch und die Regie legte es nicht darauf an, ein realistisches, sondern gefühltes Bild zu schaffen.

Bestes Beispiel dafür war die vielfältig verwendete Mauer, die teilweise wirklich als die Mauer, teilweise als Fernsehübertragung, Konzertmonitore oder andere Kulisse verwendet wurde.

Einziges Manko sonst noch: Die in einer Szene verwendeten Glitzergirlanden haben sich teilweise in dem Zuschauerbalkon verfangen und hingen dann in den Projektorstrahl, so dass sie munter durch die Gegend geblendet haben.

Alles in allem hat es mir aber gut gefallen. Und nach dem Musical hat man automatisch die Spreche vom Udo im Kopf.

Titel: Hinterm Horizont

Thema: Ost-West, Stasi, Romantik

Regisseur: Ulrich Waller

Freitag, 8. Juni 2012

Limit

Nachdem die Menschheit, ungeeint wie eh und jeh, endlich Bergbau auf dem Mond betreibt, kommt es zur Krise.

Ich beschreibe mal kurz die Zukunft, in der Frank Schätzings Limit spielt.

Es ist geschafft – der Weltraum scheint erstmals greifbar. Ein Idealist und Träumer, der zugleich Charisma und Unternehmergeist in sich vereinigte, hat geschafft, wofür er jahrelang belächelt wurde. Einen Weltraumaufzug. Der Name umschreibt das Konzept sehr treffend, denn es ist wirklich ein Kabel bis in den Weltraum, an welchem Aufzüge hoch- und runterfahren.

Doch damit nicht genug, denn der gleiche Mann hat zudem einen Bedarf für ein derartiges epochales Bauwerk geliefert, wiederum durch technologische Errungenschaften – Fusionsreaktoren. Während zu unserer Zeit der europäische ITER-Versuchsreaktor vor allem Energie frisst, liefern diese neuen Reaktoren Energie, und ihre Treibstoff ist Helium-3. Dieses findet man in geringen, aber förderbaren Mengen auf dem Mond. Mit konventioneller Raketentechnik eine Mondstation mit Helium-3-Förderung zu errichten, könnte ganze Kontinente ruinieren und würde noch nicht Mal den Bedarf decken, und der Grund dafür liegt in den immensen Energiemengen, die man für eine Reise zum Mond benötigt. Ein Aufzug macht das ganze sehr viel kostengünstiger, denn anstatt Treibstoff und Tanks und Raketenmotoren und allerhand anderen Kram mitzuschleppen, setzt man sich einfach in einen Aufzugwagen und fährt an dem Seil hoch.

Doch wer ist dieser charismatische Mensch? Julian Orley, Energiebündel, Visionär und Fantast, denn er hat all das und noch mehr geschaffen. Wir schreiben das Jahr 2025, die Fusion fängt an, ihre Versprechen der kostengünstigen Energieversorgung zu halten und das Brennmaterial wird durch den Weltraumaufzug sogar erschwinglich, womit verhältnismäßig schlagartig viele Energieprobleme der Welt durch diese günstige und saubere Alternative der Vergangenheit anzugehören scheinen.

Doch so ein epochaler Wechsel wird von der erdölbeherrschten Wirtschaft nur schwer verkraftet, denn durch die billige Energie und die Entwicklung günstiger Elektroautos und Solarzellen sinkt der Ölbedarf, was den Preis fallen lässt und bei hohen Barrelpreisen einträgliche Vorkommen ruckartig unrentabel macht. So ist das Werben der sterbenden Ölriesen um Orley nicht verwunderlich, sie wollen mit ins lukrative Boot.

Doch Julian lässt sich bei seiner Suche nicht beschränken und lädt 14 illustre und finanzschwere Personen ein, mit ihm das von seiner Tochter Lynn geplante und gebaute Mondhotel Gaia einzuweihen. Er möchte ihnen dabei einen Ausblick auf die Zukunft der Menschheit geben, denn trotz all seinen Erfolgs ist Julian Orley ein Philantrop, und so sind unter seinen Gästen Wasserwirtschaftler, Landwirtschaftsriesen, Ölmultis, Solarkräftige, Mediengiganten.

Parallel dazu ist Owen Jericho ein Privatdetektiv, seit Jahren in Shanghai tätig und lebend, und soll für einen Freund die Tochter eines Freundes ausfindig machen, die unvermittelt verschwunden ist. Als Digitalexperte nimmt er die Fährte der nebulösen Yoyo auf, macht Hinweise ausfindig und plötzlich stirbt eine seiner Spuren, der Mitbewohner Yoyos, bei einem waghalsigen und wahrscheinlich unfreiwilligen Manöver. Offensichtlich steckt mehr hinter der jungen Chinesin, als Owen zu Anfang vermutet hatte…

Wie schon beim Schwarm webt Schätzing ein komplexes Netz aus Charakteren und Handlung, gibt sich Mühe diesen Leben einzuhauchen, aber irgendwie will es ihm nicht so recht gelingen. Mag sein, dass es an meiner Abneigung zu solchen Themen liegt, aber einige Charaktere haben mit inneren Dämonen zu kämpfen, und irgendwie langweilen mich solche Kämpfe. So ist Lynn einem Zusammenbruch verdächtig nahe, und es ist glaubwürdig dargestellt, wie sich der Druck für einen solchen aus Umständen, Erwartungen und Charakteristika ergibt, aber das seitenlange Darstellen und suhlen in den emotionalen Exkrementen jahrelangen seelischen Raubbaus ist einfach nicht mein Ding.

So hat Limit während der ersten zwei Drittel unausweichlich Längen, in denen Schätzing sich den Dämonen seiner Charaktere oder teilweise irrelevanten Umgebungsbeschreibungen hingibt. Letztere sind besonders störend, denn mir drängt sich ungewollt der Gedanke auf, dass er etwas zeigen wollte. Dass er recherchiert und begründet hat, was er da alles geschrieben hat.

Das ist schade, denn das letzte Drittel zeigt Schätzings Vermögen, den Leser am Ball zu halten und den Spannungsbogen zu spannen. Immer wieder eine neue Wendung, immer wieder ein neues Hindernis, und stets doch bemessen genug, um den Bogen nicht zu überspannen.

Witzig empfand ich die kleinen Verneigungen gegenüber klassischer Science-Fiction. Beispielsweise sind die Mondfähren, da sie niemals eine Atmosphäre durchdringen müssen, pragmatisch designt und frei von aerodynamischen Erwägungen. Ästhetisch einigermaßen unansprechend, weil eine Hülle, abgesehen vom Schutz vor Mikrometeoriten und Sonnenprotuberanzen, einigermaßen überflüssig ist. Und doch erwägt Julian, von einem seiner Gäste darauf angesprochen, ob eine aerodynamische Hülle Sinn jenseits der technischen Aspekte machen könnte, gefrei dem Motto: Wenn man schon in einem Raumschiff fliegt, kann es doch auch nach Raumschiff aussehen.

Mehr noch als beim Schwarm bildet die Technologie nur einen Hintergrund der Geschichte und geht mehr um die Verwicklungen und den Fingerzeig, den Schätzing auf Möglichkeiten und Gefahren legen will. So kann ich nur sagen, dass mir der Roman von dem Szenario her – Aufbruch der Menschheit in den Weltraum – gefallen hat, da habe ich einfach eine Schwäche für, aber vom Inhalt trotzdem solide war, auch wenn der Roman ruhig ein-, zweihundert Seiten weniger hätte vertragen können.

Titel: Limit

Autor: Frank Schätzing

Länge: 1304 Seiten

Sonntag, 1. Januar 2012

Werner – Eiskalt!

Der neue Werner-Film ist mal anders als die üblichen bekannten und kommt so ein bisschen wie der erste daher: Es gibt eine der realen Welt spielende Rahmenhandlung. Bloß anstatt das Brösel (der Autor/Zeichner von Werner) Geschichten seines geistigen Sprösslings erzählt, kommt diesmal Werner unverhohlen als Autorenäquivalent vor.

Das tut der Geschichte aber keinen Absprach, denn Brösel stirbt recht schnell, und dann war der Film schon vorbei.

Na ja, nicht so ganz, natürlich. An und für sich ist der Film nämlich mit biografischen Elementen geschmückt und erzählt von der Rivalität von Brösel/Werner und Holgi auf der Rennpiste mit Werner als denjenigen, der sich sein Fahrzeug selbst zusammen schraubt und Holgi als Komplettpaketkäufer, der sich seinen roten Porsche nicht groß aufgemöbelt hat, weil der schon von Werk abgeht wie Schmidts Katze.

Als Brösel in einer gewissermaßen Schaffenskrise steckt, macht er sich auf nach Korsika auf eine Selbstfindungstour und springt bei einem Flachköpper in knietiefem Wasser mit dem Kopf gegen einen Stein. Der plötzliche Tod des Werner-Zeichners löst quasi eine nationale Trauer aus mit Meldungen über den Tod und das letzte, bisher unveröffentlichte Buch in aller Welt. Denn der gewiefte Verleger klaubt sich die Notizen und Zeichnungen des quasi fertigen Werkes aus Brösels Tonne nachdem er selbst seinen Zeichner zur Korsikatour getrieben hatte. Schließlich liebt er selbst ja Brösels Zeichnungen und Geschichten, aber im verkauf sind Manga nun Mal besser...

Währenddessen machen sich Brösels Motorradkameraden auf den Weg nach Korsika, um Brösels tiefgefrorene Leiche nach Hause zu schaffen und in heimischer Erde zu bestatten...

Natürlich gestaltet sich dabei nichts so einfach wie man gerne annehmen würde und so kommt es zu allerhand Unfällen und Malheurs, die ihre Ursache eher in Witzigkeit als sonst was suchen.

Mehr will ich gar nicht verraten, aber witzig ist der Film allemal. Nicht überirdisch witzig, zugegeben, aber witzig genug für einen Filmabend auf jeden Fall.
Besonders gefallen haben mi die Seitenhiebe auf Manga, weil das halt auch irgendwo realitätsnah ist, während zudem ein Einblick in eine gewisse Denkart von Verlegern gemacht wird. Natürlich kann es auch sein, dass ich das jetzt gerade bloß rein interpretiere, aber von ungefähr kam das Thema wohl nicht.

Also, falls mal einer einen mangafizierten Werner sehen möchte, sollte mal in den Film schauen, denn den gibt es dort mal kurz zu sehen, und es ist schrecklich!

Titel: Werner – Eiskalt!

Länge: 98 Minuten

Genre: Komödie, Zeichentrick

Montag, 26. September 2011

Arschkalt

Tja, das ist nicht das Wetter (zumindest noch nicht), sondern der Titel des Films. Worum es geht? Um Berg, Verkaufsfahrer eines Bofrostverschnitts in Norddeutschland, seines Zeichens überaus unglücklich und gelinde gesagt, ein Arsch. Und das macht den Film interessant. Die miese Laune der Hauptperson kann gar nicht anders als jedem trocken auf den Schlips zu treten, sei das der neuen Chefin oder dem grausigen neuen Beifahrer. Aber fangen wir doch von vorne an...

Inhalt

Rainer Berg war der Erbe eines deutschlandweit führenden Unternehmens, das Tiefkühlapparaturen produziert. Berg ist Auslieferfahrer des Tiefkühlkostversands "Mr. Frost". Wie auch immer es vom einen zum anderen kam, auf jeden Fall ist der immer grantige Mann Tag seines Lebens stets unter Null Grad Celsius geblieben, und wehe seine Ware wich auch nur Zehntelgrade vom Optimum ab! Als eine neue Managerin seine Vorgesetzte wird, ändert sich der Griesgram nicht, ganz im Gegenteil - zur Chefin ist er genauso kaltschnäuzig wie zu dem ihm zur StrafeUnterweisung aufgebrummten Beifahrer Tobias Moerer. Dessen Name ist Geschäft - er ist voll die Möhre, was ihn aber keineswegs in seinem Optimismus trübt. Stets um gute Laune bemüht, versucht er seinen fahrenden Eisklotz aufzutauen, und man mag es kaum glaube, es gelingt ihm. Ein bisschen. Zusammen mit der Chefin Lieke, die den Worthieben problemlos Paroli bietet, schaffen sie es, die Eisschale von dem Griesgram zu kratzen (bloß um darunter weiteren Permafrost zu finden).

Als Berg schließlich seinem im Heim lebenden Vater eine Freude machen will/muss, wendet er sich an die beiden neuen Freunde...

Anderes

Verspricht der Trailer eine durch Wortgefechte getragene Lokalkömödie, so ist es in der Realität doch anders.

Berg, der vor seinem Vater den Verlust des Familienbetriebs bereits seit Jahren verschweigt.

Der Vater, der Berg nicht von seinem tödlichen Krebs erzählt.

Moerer, der im Wunsch um Anerkennung vorschnell handelt und damit Lieke schadet.

Wenn man die Geschichte aus der Entfernung betrachtet, dann ist es eine Erzählung, wie sie in jeder Stadt vorkommen könnte, denn die Archetypen sind altbekannt. Dies tut dem ganzen allerdings keinen Abbruch, sondern vielmehr werden die Charaktere dadurch nahbar, denn sie entpuppen sich als Menschen aus der Nachbarschaft. Menschen wie du ich ich, wie der Frisör von nebenan oder der allmonatliche Bofrostmann. Bloß, weil wir sie nicht so oft sehen, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht die gleichen ereignisreichen und tristen Leben führen wie wir.

Fazit

Ich weiß gar nicht, wie ich den Film einordnen soll. Das Wort Provinzposse könnte passen, oder auch Lokalkomödie, aber irgendwie wird es dem zu wenig gerecht.

Wahrscheinlich müsst ihr euch selbst eine Meinung bilden, aber lasst euch eins gesagt sein: Der Humor ist schwarz und staubtrocken.

Titel: Arschkalt

Regisseur: André Erkau

Länge: 89 Minuten

Montag, 5. September 2011

Der letzte Zeuge

Viele, viele Personen gaben an, die letzten Tage, Stunden und Minuten des Führers Adolf Hitler miterlebt zu haben, seinen Zerfall, und im nachhinein prophetisch zu behaupten, man habe ihm den Untergang angesehen. Rochus Misch, Mitglied der Leibgarde Hitlers und verwendet als Telefonist, ist aber wohl einer der wenigen Menschen, die dieses mit Fug und Recht von sich behaupten können. Allein schon aufgrund seiner Position war er immer in der Nähe Hitlers und seines Führungsstabes, kannte viele Gesichter der unmittelbaren Umgebung und war mit einigen sogar vertraut.

Inhalt

Rochus Misch war als Junge bei einem Aufmarsch Hitlers in Berlin dabei und davon hin- und weg - nicht ideologisch, sondern von der schieren Beeindruckung des Spektakels. Dies war aber kein Grund dafür, in der Leibgarde Verwendung zu finden, sondern eher im Gegenteil, Misch machte eine Lehre, wurde eingezogen und kam erst später aufgrund seines Wesens - "macht keinen Ärger" - in Betracht, als eine Stelle in der Leibgarde neu zu besetzen war.
Dort angekommen übernahm er viele Aufgaben - Kurier, Leibwächter und Telefonist sind die häufigsten. So waren er und seine Kameraden es, welche die Depeschen direkt zu Hitler auf seinen Posthocker legten, wenn der Führer schlief, Misch war, der Hitlers Schwester mit einem Geburtstagsgeschenk besuchte, Und es war auch Misch, der an der Telefonanlage im Führerbunker saß, als die Leiche des ehemaligen Reichskanzlers im Frühjahr aus dem Bunker getragen wurde.

Hintergrund

Besonders hervorzuheben ist der Unwille Misch's, sich in den Vordergrund zu schieben - oftmals scheint es, als wäre er bloß ein unbeteiligter Beobachter, der die Geschehnisse um sich herum wahr nimmt und teilweise mit seiner Kamera aufzeichnet, aber er selbst keine wirklich handelnde Person. Und dennoch war diese unaufdringliche Person stets so nah am Zentrum des dritten Reiches, dass man oftmals nicht glauben mag, wie Misch trotz solcher körperlicher Nähe zur Macht erst während seiner Kriegsgefangenschaft von den Konzentrationslagern erfuhr. Der elementare Wesenszug Mischs, keinen Ärger zu machen, drückte sich Beispielsweise in einem bemerkenswerten Desinteresse aus, die überreichenden Depeschen zu lesen oder auch nur zu überfliegen.
Genauso interessant ist der Einblick in das allgemeine Leben auf dem Obersalzberg, in der Wolfsschanze, Im Führerhauptquartier und insbesondere der Umgebung des Führers. Die Taten des Regimes werden dadurch nicht geschmälert, sondern vielmehr wird eine Entmenschlichung - à la "Das waren Monster!" - erschwert. Es waren eben keine Monster, sondern Menschen wie du und ich.

Fazit

"Der letzte Zeuge" vermittelt ein erstaunlich gutes Bild darüber, wie das Leben in Hitlers Umfeld war und durch die Unaufdringlichkeit von Misch wird das ganze nur noch surrealer. Ich kann das Buch jedem anraten, der einen Blick darauf werfen will.Eine Biografie mit entrücktem Ich.
Titel: Der letzte Zeuge
Autor: Rochus Misch, Sandra Zarrinbal, Burkhard Nachtigall
ISBN: 978-3-492-25735-0
Verlag: Piper Taschenbuch
Seiten: 336

Montag, 8. August 2011

Wer ist Hanna?

Oh Junge war der gut!

"Wer ist Hanna?", im Original einfach "HANNA", ist ein Film von Joe Wright, der in einer deutsch-amerikanisch-englischen Zusammenarbeit entstand. Er ist ein Original, basiert also auf keiner vorherigen Version als Buch, Film, Comic oder dergleichen.

Inhalt


Der Film beginnt in einem finnischen Wald, verschneit, wo ein Hirsch (oder Rentier, ich weiß nicht mehr genau) von einem Mädchen an der Grenzen zur jungen Frau mit Pfeil und Bogen erlegt wird. Mitfühlend mit dem Tier, dessen Herz sie verfehlt hat, gibt sie ihm den Gnadenschuss mit einer Luger.

Sie schleppt das Wild nach Hause zu einer Waldhütte, in der sie mit ihrem strengen Vater lebt. In dem Gespräch mit ihm stellt sich dem Zuschauer dar, dass dies bei weitem keine normale Vater-Kind-Beziehung ist – die Unterredung wechselt fließend vom Deutschen (im Original Englisch) ins Spanische, Italienische, Französische. Die Gute-Nacht-Geschichten sind Lexikoneinträge und das Wecken erfolgt durch einen Überraschungsangriff des Vaters.

Schließlich, als sie gelernt hat sich erfolgreich gegen die Überraschungsangriffe zu wehren, gesteht ihr Vater Hanna zu, den Sender zu aktivieren.

Was folgt ist ein Ergreifen von Hanna durch Soldaten, während der Vater schwimmend die Ostsee überquert. Ihr Ziel ist Berlin, wo sie sich unter eingeprägten falschen Identitäten treffen wollen. Ihrer beider Gegner ist Marissa Wiegler, leitenden Agentin in der CIA, die über die Hintergründe von Hanna Bescheid weiß. In Ausschnitten wird die Vergangenheit des Mädchens erzählt, während sie selbst auch hinter die Geheimnisse kommt und der Zuschauer somit die Gründe für ihr hartes Training erfährt. Was ich bisher erzählt habe, deckt vielleicht die erste halbe Stunde des Films ab.

Anderes


"Wer ist Hanna?" kann man problemlos als Reifungsgeschichte ansehen, in der die Titelprotagonistin nur hintergründig nach ihrem Leben sucht, im wesentlichen aber einfach Überleben und sich mit ihrem Vater wieder vereinen will. Ein großes Hindernis dabei ist die mangelnde Sozialisierung, die sie erfahren hat – keine Spielkameraden, aber Überraschungsattacken ihres Vaters. Eine stumpf auswendig gelernte Scheinidentität anstatt einer eigenen realen. An manchen Stellen ist das unwillkürlich witzig, während man an anderen das offensichtlich verwirrte Kind einfach nur in den Arm nehmen und beschützen will (Was eine Agentin sogar auch tut, sehr zu ihrem eigenen Leidwesen).

Der Soundtrack ist von The Chemical Brothers und damit sehr elektronikbasiert, was meiner Meinung dem aber keinen Abbruch verleiht, zumal die Hintergründe des Films sich zu der Zeit abspielten, als die Elektronikmusik im Kommen war.

Sehr schön fand ich, dass der Film ohne große Effekthascherei doch sehr dynamisch und mitreißend geschnitten war.

Fazit


Wer Agentenfilme mag – gucken. Aber eine Warnung vorweg, die Handlung ist um Welten besser als der übliche James Bond.
Alle Anderen: Der Film ist besser und vor allen Dingen anders als der Trailer (den ich nur noch grob im Kopf habe). Ich kann ihn nur empfehlen, er ist popkorngeeignet.

Titel: Wer ist Hanna?

Lauflänge: 111 Minuten

Regisseur: Joe Wright