Niedliche Alltagsgeschichten vom Land
Meine Meinungen zu Filmen, Bücher, Comics und allgemein jedweder Medienveröffentlichung, die mir vor die Augen oder unter die Griffel kommt.
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Freitag, 6. März 2020
Non Non Biyori (& NNB Repeat)
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Donnerstag, 27. Februar 2020
BABYLON
Nur ein Wort zum Selbstmord
Es ist schwierig über diese Serie zu reden, ohne direkt Handlungspunkte zu verraten, denn ihre Thematik – induzierter Selbstmord – bedeutet, dass Charaktere sterben. Daher werde ich mich bloß auf Zen als Hauptcharakter konzentrieren.
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Dienstag, 11. Februar 2020
Oresuki
Bekennende Parodie üblicher Harem-Anime
Joro ist ein liebenswürdiger und freundlicher Kerl. Oder zumindest verhält er sich so, scheinbar blind gegenüber den offensichtlichen romantischen Zeichen, die seine Sandkastenfreundin und Energiebündel Himawari und die elegante Schülerratspräsidentin Cosmos ihm geben. Doch in Wirklichkeit ist Joro alles andere als das: er wünscht sich nichts lieber als der Protagonist eines Haremanime zu sein, und gibt zu diesem Zweck zur vor ein netter Kerl zu sein. Sein wahres Wesen ist manipulierend und zynisch. Aber wir wären nicht in einem Haremanime, wenn es nicht zu einem Liebesgeständnis nach dem anderen kommen würde: Himawari/Cosmos führt Joro zu einer Parkbank, um ihm etwas zu gestehen: Sie hat sich in Sun verliebt und bittet den liebenswürdigen Joro darum, sie mit seinem besten Freund zu verkuppeln.
Tja, Hauptcharaktere eines Haremanime spielen nicht die zweite Geige. Aber Joro lenkt schnell um und entscheide beiden zu helfen, sicher im Wissen, dass welche auch immer nicht Suns Freundin wird, sich sehr wahrscheinlich anschließend in Joro verlieben wird, denn er ist ja so ein liebenswürdiger Mensch. Dann kommt Mauerblümchen Pansy ins Spiel, gesteht Joro ihre aufrichtige Liebe (auf der gleichen Parkbank wie Himawari und Cosmos!), aber sagt ihm zugleich, dass ihr seine unaufrichtige Gutheit missfällt und sie den zynischen und manipulativen Joro, den sie das letzte Jahr über gestalkt hat, viel lieber mag.
Unzufrieden mit der Situation Joro fragt sie halslaut, „Bist du die Einzige, die in mich verliebt ist?“ Und somit sind wir beim Titel der Serie und dem Ende der ersten Folge.
Ja, es ist so eine Serie. Oresuki ist sich nicht nur der typischen Stilmittel und Tropen von Haremserien bewusst, nein, es spielt mit diesen, untergräbt sie, dekonstruiert sie. Der ahnungslose Protagonist ist nicht ahnungslos, die typischen Archetypen wie Sandkastenfreundin, gehobene Dame, Mauerblümchen oder Tsundere sind nicht in den Hauptcharakter verliebt und ihre Liebe ist weder bedingungslos noch beständig.
Vielmehr ist die Welt von Oresuki durchweg zynisch, aber auf eine liebevolle Weise. Der Autor, bzw. die Macher, denn die Serie ist die Umsetzung einer mehrbändigen Light Novel Reihe, zeugen von ihrem Wissen über die Klischees in Romantischen Komödien und verwenden diese, ohne dem Zuschauer eine einfache Daumenregel zu geben, ob diese nun ehrlich verwendet oder auf den Kopf gestellt werden. In ehrlicher Haremanimemanier bleibt es beispielsweise nicht bei ,bloß‘ 3 weiblichen Optionen (siehe Titelbild), aber zugleich ist Joro nicht der einzige – oder beste – Manipulator unter den Charakteren.
Genauso scheut sich Joro auch nicht, gelegentliche Seitenkommentare zu geben, wie beispielsweise die unausweichliche Badefolge, die es nur im Anime und nicht in der Light Novel gab.
Apropos Light Novel, die 12 Folgen der Serie decken anscheinend die ersten vier Bände ab, aber nach aktuellen Stand gab es zumindest in Japan 12 Bände, und die Serie endet halboffen. Der aktuelle Handlungsstrang wird mit einer kommenden OVA im Sommer 2020 angeblich sein Ende finden.
Alternative Zusammenfassung: Eine Gruppe egoistischer, manipulativer Ärsche in einem Liebesvieleck zieht sich gegenseitig zu Boden, bevor sich alle in realisierter echter Freundschaft wieder aufhelfen, aber die alten Gewohnheiten sind schwer abzulegen.
Titel: Oresuki – Are You The Only One Who Loves Me?
Regie: Noriaki Akitaya
Länge: 12 Folgen à 24 Minuten (auf Wakanim)
Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln
Sonntag, 26. Januar 2020
Kipo und die Welt der Wundermonster
Optimistische Postapokalypse für Kinder
Während Kipo sehr gerne die ihr unbekannte Oberwelt erkunden würde, ist ihr ultimatives Ziel zu ihrem Vater zurückzukommen. Dabei trifft sie auf Wolfi, ein junges Mädchen, dass sich die letzten Jahre alleine auf der Oberfläche durchgeschlagen hat und sich dementsprechend verhält – sie ist grobschlächtig, martialisch, und immer in einem Wolfsfell gekleidet. Später kommen Benson und Dave hinzu, ersterer ist ein Junge mit einer Vorliebe für Hiphop und stets auf der Suche danach, seine Kasettensammlung auszubauen, sowie sein bester Kumpfel Dave. Dieser ist ein Mutant, der stetig seine verschiedenen Lebensphasen (Puppe, Larve, „Jugendlich“, Erwachsen, Rentner) durchmacht. Unglücklicherweise wechselt er zwischen seinen Phasen zu den ungünstigsten Zeiten.
Und so machen sich die vier auf die Suche nach einem alternativen Eingang in Kipos Untergrundheimat. Dabei stoßen sie auf eine Vielzahl eigener Kulturen, die teilweise mehr, teils weniger stark von Menschen zu inspiriert scheinen. Es gibt Wissenschaftswölfe, Dubstepbienen, Kolibribomber, Holzfällerkatzen, kurzum: eine vor Fantasie sprühende Welt, die trotz postapokalyptischer Szenerie auf dem metaphorischen Maßstab zwischen Idealismus und Zynismus fest auf der Seite des Idealismus angesiedelt ist. So gibt es beispielsweise eine Wiese, auf der sich haushohe, achtbeinige Megahunde tollen und miteinander spielen, scheinbar ohne eine Sorge in der Welt.
Das Design der Figuren – zumindest der menschlichen – erinnert mich mit den etwas kantigen Gesichtszügen an die Teen Titans, aber das sage ich wahrscheinlich bloß, weil das mein nächstliegender Referent ist, ich habe aber keine Ahnung, ob es zwischen den Serien irgend eine tatsächliche Überschneidung gibt. Interessanter ist vielmehr, dass die Vorlage der Serie ein mittlerweile depublizierter Webcomic. Und ich sehe gerade, dass Rad Sechrist, der Autor, davor bei verschiedenen Studios als Charakterdesigner und Storyboarder arbeitete. Hm, vielleicht daher? Wie dem auch sei, das ist meiner Erfahrung nach sehr ungewöhnlich.
Der Optimismus der Charaktere ist ansteckend, ihre Charakterisierung solide, und die Welt einfach sehr schön gestaltet, während die Musik die Szenen sehr schön untermalt. Man merkt, dass jemand hier bildliche Ideen hatte, die auch visuell umgesetzt werden mussten.
Die deutsche Übersetzung und Synchronisation durch Hermes Synchron GmbH kamen mir auch recht gut vor, aber nicht herausragend. Auf wenn das jetzt etwas negativ klang, ist das nicht als solches gemeint. Zum Beispiel bin ich sehr davon begeistert, dass die internen Lieder größtenteils übersetzt und gesungen wurden (und wieso sind die nicht auf dem Soundtrack?). Andererseits war ich ein bisschen enttäuscht, dass bei den diversen Wortspielen nicht mal versucht wurde, diese umzusetzen. Bei einigen ist klar, dass sie schwer sind: wie soll man zum Beispiel den Bezug von Scarlemagne (der Charakter hat Narben, also scar, und Karl der Große heißt auf Englisch Charlemagne) auf Deutsch umsetzen? Soll man den Charakter etwa Kerb der Große nennen? Andererseits wären da die kofferwortigen humming bombers, die ganz stumpf als Kolibribomber übersetzt wurden. Da hätte man stattdessen auch Kolibomber nehmen können. Außerdem scheinen die deutsche Synchronisation und die deutschen Untertitel separat übersetzt worden zu sein? Zumindest sind die Untertitel nicht einfach die Texte der Synchronsprecher. Das gibt im Vergleich auf jeden Fall Einblicke in die (möglicherweise) verschiedenen Übersetzer.
Aber ich beschwere mich hier gerade auf hohem Niveau; die Animationen sind flüssig, die Bilder schön anzuschauen, kurzum: mir hat die Serie sehr gut gefallen, so dass ich mich auf eine neue Staffel freue. Wobei ich vom bingen der Serie abrate, dafür ist sie visuell einfach zu schön, man sollte sich schon ein paar Tage geben um die Folgen sacken lassen.
Daumen hoch, mehr davon.
Titel: Kipo und die Welt der Wundermonster
Schaffer: Radford Sechrist
Länge: 10 Folgen à 24 Minuten (auf Netflix)
Sprache: Englisch, Deutsch
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Freitag, 10. Januar 2020
Kaguya-sama: Love is War
Wer sich zuerst verliebt, verliert!
Was machen zwei hochbegabte und überstolze Oberschüler, die sich ineinander verguckt haben und die von ihrer Erziehung und Umgebung unter höchsten Ansprüchen stehen? Sie versuchen den jeweils anderen zu einem Liebesgeständnis zu verleiten, denn…
Liebe ist Krieg!
Das ist im wesentlichen der Aufhänger von Kaguya-sama: Love is War. Die namensgebende Kaguya Shinomiya ist Vizepräsidentin des Schülerrates der hochrenommierten Shuchi'in-Schule und Tochter aus hohem Hause. Bei den regelmäßigen Prüfungen schneidet sie immer ganz oben ab. Ihr Gegenstück ist Miyuki Shirogane, Präsident des Schülerrates, der bisher immer den ersten Rang bei den Prüfungen belegt hat, aber aus bescheideneren Verhältnissen stammt.
Für Shinomiya liegt das Problem nicht nur in ihrem Eingeständnis, dass sie Gefühle für ihren Präsidenten hegt, sondern auch darin, dass sie die Erwartungen ihrer Mitschüler an sie als Vize-Präsidentin und Erbin des Riesenkonzerns Shinomiya, erfüllen will und muss. Daher steht es ihr nicht frei, Shirogane ihre Gefühle zu gestehen, geschweige denn nach einem Date zu fragen. In einer ähnlichen Position, aber mit leicht anderen Zwängen, befindet sich Shirogane. Er hat zwar nicht die gesellschaftlichen Erwartungen zu erfüllen, da er aus ,normalem‘ Hause kommt, aber auf ihm lastet die Vorbildfunktion als Schülerratspräsidenten und der Leistungsdruck, in allem schulischen Bester zu sein (auch und insbesondere wenn er kein Talent für das Fach hat). Er kann und will Shinomiya nicht seine Gefühle gestehen, da dies für ihn einer Niederlage gleichkommen würde.
Und aus diesen Widersprüchen ergibt sich die Komik in Kaguga-sama. Die beiden sind Hals über Kopf ineinander verschossen, aber wie es in romantischen Komödien üblich ist, bringen sie die wichtigen Worte und Taten nicht über sich, weil dies eine Niederlage dem anderen gegenüber wäre. Beide sind durch ihre Umgebung so auf ein gegeneinander gebürstet, dass für sie Liebe ein Nullsummenspiel ist.
Damit das ganze kein Kammerstück ist, gibt es natürlich noch weitere Charaktere: die lebenslustige Chika Fujiwara mit Politikerblut und den nerdigen und latent depressiven Yu Ishigami mit fragwürdiger Vergangenheit. Es ist wahrscheinlich, dass in der vor kurzem angekündigten zweiten Staffel Miko Iino auch noch auftreten wird, aber da ich den Manga nicht gelesen habe, kann ich nichts zu ihr sagen.
Die zwölf Folgen spalten sich immer in drei relativ unabhängige Geschichten auf, an deren Ende durch den Erzähler immer entschieden wird, wer die aktuelle ,Schlacht‘ gewonnen hat. Die Geschichten erfüllen oftmals die typischen Erwartungen, die man an einer romantischen Komödie an einer Oberschule stellen kann: ein Schüler fragt um Rat in Sachen Liebe (weder Shirogane noch Shinomiya sind allzu bewandert in dem Thema und versuchen sich durchzumogeln ohne aufzufallen), bei Regen muss sich ein Schirm geteilt werden, das von zuhause mitgebrachte Mittagessen, Besuch von der ausländischen Partnerschule, etc.
Mir gefiel (und gefällt) die Prämisse nach wie vor, wie abhängig man sich von den Erwartungen Anderer macht, und wie sehr diese Erwartungen dem Erlangen von ein bisschen Glücklichkeit im Wege stehen können. Üblicherweise bin ich es von Romcoms gewohnt, dass die beiden Hauptcharaktere es nicht über die Lippen kriegen, weil es ihnen peinlich ist und sie Angst haben, von ihren Mitschülern etc. ausgelacht oder aufgezogen zu werden. Es ist nicht so, dass die Beiden bei Kaguya-sama nicht das gleiche Problem haben, sie haben das, aber es macht Spaß zuzuschauen, wie die Beiden im Prinzip versuchen sich gegenseitig zu verführen, ohne dass es offensichtlich ist, dass sie es versuchen.
Um als Beispiel die Folge mit dem Regenschirm heranzuziehen: Shirogane fährt üblicherweise mit dem Rad zur Schule, aber er wusste, dass es regnen würde, also nahm er die Bahn und einen Klappregenschirm. Als Shinomiya sagt, dass ihr Chauffeur sie den Tag nicht abholen kann, sieht Shirogane seine Chance: er weiß, dass Shinomiya keinen Schirm dabei hat. Doch er muss sie dazu bringen, ihn dazu zu bitten, mit ihm den Schirm zu teilen.
Allerdings hat Shinomiya natürlich einen Schirm mit, weil sie wusste, dass es regnen würde. Und sie vermutet, dass Shirogane das nicht weiß; genauso vermutet sie, dass Shirogane einen Schirm dabei hat, denn er kam ohne Rad (die Fahrradständer sind leer).
Und so folgt man den Argumenten und Gegenargumenten, welche die beiden sich wie in einem Detektivduell an den Kopf werfen, bis Fujiwara ihnen ihren Schirm in die Hand drückt und Shirogane und Shinomiya zusammen in den Regen hinaus schickt.
Also zumindest ich werde mit Vorfreude auf die zweite Staffel warten.
Titel: Kaguya-sama: Love Is War
Regie: Mamoru Hatakeyama
Autor der Vorlage: Aka Akasaka
Länge: 12 Folgen à 24 Minuten (auf Wakanim)
Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln
Donnerstag, 2. Januar 2020
Girls’ Last Tour
Mit der besten Freundin dem Ende entgegen
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| Die entvölkerte, mehrebenige Stadt |
Weder für die Beiden noch für den Zuschauer ist es wichtig, was genau diese Stadt entvölkert hat, denn dies ist nicht der Sinn des Anime. Es gibt zwar Hinweise, wie zum Beispiel das Datum und die Bilder im Fotoapparat, aber diese sind nicht der Fokus und auch nicht das Ziel von den Beiden. Statt sich mit einem klassischen Handlungsbogen zu beschäftigen, schaut man Chi und Yuu zu, wie sie ihr Krad durch ein zerfallene, kilometerlange Gebäude steuern und sich ganz nebenbei über dieses und jenes und ihre Umgebung unterhalten. Der Zuschauer (bzw. Leser) folgt den beiden, wie sie sich Stück für Stück ihrem Ziel, die Spitze der Stadt zu erreichen, nähern. Dabei stolpern oder irren sie nicht voller Verzweiflung durch die Stadt, wie man es vielleicht von den (vermutlich) letzten Überlebenden eines Dorfes erwarten würde, sondern suchen scheinbar bloß nebenbei nach Lebensmitteln. Sie scheinen zu wissen, dass sie am Ende ihres Weges nicht wirklich Rettung erwartet und haben sich bereits oder versuchen sich damit abzufinden. Solange Chi und Yuu einander haben, können sie ihr Los ertragen.
Ich glaube, um dieses Werk richtig zu verstehen, sollte ich wohl kurz mal „Mono no Aware“ anschneiden. Dieses japanische Konzept lässt sich als „Der Pathos der Dinge,“ oder auch „Das Herzzerreißende der Dinge“ übersetzen und meint im wesentlichen, dass man sich ob der Vergänglichkeit und Endlichkeit von etwas abfinden muss. Man kann traurig sein, aber es zugleich akzeptieren. Wie sehr man das Licht einer Kerze auch liebt, irgendwann wird sie heruntergebrannt sein. Man mag traurig über dieses Ende sein und mit der Kerze Mitgefühl haben, aber man akzeptiert die Unabwendbarkeit.
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| Verlassenes Kriegsgerät + Wasser = Springbrunnen |
Dabei sind die beiden Hauptcharaktere gute Gegenspieler. Die schwarzhaarige Chi ist pflichtbewusst und belesen und steuert das Krad, während die blonde und sorglose Yuu auf dessen Ladefläche liegt und sich auf die nächste Mahlzeit freut. Die beiden kümmern sich umeinander, nicht nur weil sie es müssen, sondern auch weil sie es wollen. Sie haben zwar ein diffuses Ziel, die oberste Ebene der Stadt zu erreichen, aber sie haben dieses eher, weil es ein brauchbares denn nützliches Ziel ist. Sie überleben um des Überlebens Willen auf dieser ihrer letzten Tour durch eine längst entvölkerte Welt.
Der Anime basiert übrigens auf der gleichnamigen 6-bändigen Mangareihe von Tsukumizu und setzt gut 2/3 der Vorlage um.
Ich habe das Gefühl, ich kann irgendwie nicht so richtig ausdrücken, was genau mich an der Serie so fasziniert. Ist es die Melancholie? Das postapokalyptische Setting? Das niedliche Charakterdesign? Der schöne Soundtrack? Ich kann es nicht festmachen, ich weiß bloß, dass mir die Serie sehr gut gefällt.
Es schadet auf jeden Fall nicht, dass sie mich in dieser melancholischen Grundstimmung an Hitoshi Ashinanos Yokohama Kaidashi Kikō / Yokohama Shopping Trip erinnert, das zwar auch irgendwie in einer dem Weltuntergang nahen Welt spielt, aber doch auch ganz anders ist.
Eine sehr schöne, melancholische Serie.
Titel: Girls’ Last Tour
Regie: Takaharu Ozaki
Länge: 12 Folgen à 24 Minuten (auf Netflix)
Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln, Deutsch
PS: Das mit den militärischen Uniformen hat eine bestenfalls nebensächliche Bedeutung.
Mittwoch, 25. Dezember 2019
Ascendance of a Bookworm, Part 1 Volume 1
Bibliophilie ohne Bücher ist hart.
Urano ist eine Büchernärrin: Ist es gebunden, liest sie es. Ihr größter Traum ist es, ihr Leben von Büchern umgeben zu leben und zu lesen. Ihr akzeptabelster Tod wäre von einer Bücherlawine begraben zu werden. Zu dumm, dass beides wahr wird: Sie wird von einer Bibliothek angestellt wird und während eines Erdbebens von Büchern begraben.
Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich im Körper eines kränklichen, 5-jährigen Mädchens. Schnell stellt sie andere Ungereimtheiten fest: Ihr Name ist Myne, sie hat eine Schwester, beide Eltern leben, und die Welt ist pseudomittelalterlich.
So verwirrend und unerwartet all das ist, könnte sie mit alledem leben, wenn da nicht ein Problem wäre: Es gibt keine Bücher. Im ganzen Haus nicht. Die einzigen Schriftstücke sind die Preisschilder auf dem Wochenmarkt. Als Myne ein Buch sieht, befindet sich dies in einer Glasvitrine bei einem Pfandleiher und ist unerreichbar für eine arme 5-Jährige.
Was macht eine Buchliebhaberin ohne Bücher – Bücher natürlich! Und so beginnt Mynes Quest zur Erfüllung ihres Traumes mit Papierherstellung. Wenn sie nur nicht so kränklich wäre…
————
Wie ihr lesen könnt, ist Ascendance of a Bookworm eine Isekai-Light Novel. Miya Kazuki veröffentlichte die Geschichte zuerst als Webroman und später dann als Light Novel mit 20 Bänden. Beide sind mittlerweile abgeschlossen und vor kurzem (Herbst 2019) begann die Ausstrahlung eines Anime, den man unter anderem bei Crunchyroll sehen kann. Über diesen bin ich auch auf die Light Novel gekommen.
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| Myne kann endlich die lokale Schrift lernen |
Ein weiterer mir angenehmer Teil ist die Einflechtung von Magie. Lasst mich dafür etwas ausholen: Myne ist die jüngere Tochter einer Färberin und eines Soldaten. Vom Eindruck her lebt die Familie an der Grenze zur Unterschicht (meine Interpretation ist, weil Mynes Krankheit immer wieder Vater, Mutter oder Schwester dazu nötigte, auf die Jüngste aufzupassen während sie sich auskurierte), und die ältere Schwester geht täglich in den nahegelegenen Wald um Kräuter, Pilze und Früchte zu sammeln und gelegentlich Wild zu jagen. Diese bereichern nicht nur den Essenstisch, sondern scheinen wirklich den Unterschied zwischen „Leben und Überleben“ für die Familie zu bereiten.
Die Magie tritt dabei folgendermaßen in Erscheinung: Paruubäume und deren Früchte gedeihen im Winter über Nacht und müssen vor der Mittagssonne vorm Ernten mit der Hand aufgewärmt werden, weil Feuer in der Nähe nicht funktioniert. Shumil, ein blaufiedriges und befelltes Feentier muss vorsichtig vorbereitet werden, da eine Beschädigung ihres Manakristalls die Tiere sich in schwarzen Schleim auflösen ließ.
Für mich zumindest deutet das darauf hin, dass sich die Autorin um mehr als die direkten Folgen von magischen Tieren Gedanken gemacht hat.
Ankreiden würde ich Frau Kazuki allerdings, dass sie sehr viel Zeit auf die Essenszubereitung und -beschreibung verwendet, aber das mag einfach Geschmackssache sein (hah!).
Gut wiederum ist, dass zumindest ein Ansatz an Gedanken an die Person verschwendet wurde, in deren Körper Urano hineingeboren wurde; die ursprüngliche Myne existiert(e) bevor die ursprüngliche Urano mit ihr verschmolz. Die neue Myne hat die Liebe ihrer Vorgängerin für ihre Familie geerbt, aber zugleich das Wissen und den Charakter von Urano übernommen. Ich hoffe/vermute, dies wird entweder während der ersten drei oder folgenden vier Bände angesprochen, die jeweils einen zusammenhängenden Handlungsbogen darstellen.
Außerdem liest sich das Buch sehr schnell weg. Ich habe den Band über 2 Tage gelesen, weil ich es irgendwie nicht aus der Hand legen konnte. Ich meine, ich hätte es natürlich aus der Hand legen können, aber während manch anderer Roman einen mit Cliffhanger nach Cliffhanger einfach an die Seiten fesselt, hat mir Ascendance einfach Spaß gemacht zu lesen.
Was irgendwie sehr angemessen war, wenn man das Herausstellungsmerkmal der Hauptperson Myne bedenkt.
Alles in allem hat mir Ascendance of a Bookworm Part 1 Volume 1 sehr gut gefallen.
Titel: Ascendance of a Bookworm: Part 1 Volume 1
Autor: Miya Kazuki
Sprache: Englisch (leicht)
Länge: 325 Seiten (84k Wörter)
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| Die Familie: Im Vordergrund ist Myne, hinter ihr Günther, Effa/Eva und Tuuli; hinten rechts Otto und Benno, weiter vorne Fey, Ralph und Lutz. |
Nicht wichtig für euch, sondern nur so als Randnotiz für mich, die Übersetzungsunterschiede zwischen der englischen Light Novel-Version und der deutschen Untertitelung des Anime sowie Eigenworte aus der Welt.
Englisch – Deutsch
- Personen: Effa – Eva, Gunther – Günther
- ??? – Raffel: Ein von Mynes Lieblingsspeisen
- Meryl – Merille: Avocadoartige Frucht, aus der Pflanzenöl gewonnen wird
- Parue – Paroo: Magische Frucht, in deren innerem ein sehr leckeren, süßen Saft ist
- Pome: Äußerlich paprikaähnliche Tomaten
- Devouring – Zerfressung: Mynes mysteriöse Krankheit
- Banhit – Bamicht: Eine Baumart, die Bambus ähnelt
- Shumil – ???: Magische Kaninchen
- Rutreb – ???: Eine Sommerfrucht
- Ranshel – ???: Leckere, einfach zubereitbare Frucht
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Slice-of-Life
Dienstag, 17. Dezember 2019
Karakai Jozu no Takagi-san / Takagi, die Triezmeisterin
Was sich neckt, das liebt sich.
Es gibt ja diese Redewendung, „was sich neckt, das liebt sich“, die meiner Meinung nach darauf beruht, dass Kinder (insbesondere Jungs) ihr Bedürfnis nach Zuneigung vom anderen Geschlecht durch das Aufsichziehen von Aufmerksamkeit der betreffenden Person ausleben, weil sie selbst noch nicht wissen, welche Alternative sie hätten. Sie erlangen die Aufmerksamkeit, indem sie sie ärgern, triezen, oder aufziehen, denn für das Kind ist jede Anerkennung ihrer Existenz – auch eine negative Anerkennung – besser als gar nicht als Person wahrgenommen zu werden.
In dem Sinne ist es verständlich, dass die junge Takagi ihren Banknachbarn Nishikata triezt, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Da Frauen, insbesondere in dem latent bis explizit misogynistischen Japan, nach wie vor in einer passiven Erwartungshaltung gegenüber dem Mann stehen, kommt es Takagi zugute, dass Nishikata wiederum nur zu gerne zurückärgern würde, aber dabei Takagi heillos unterlegen ist. Daher gibt er ihr immer wieder Gelegenheiten, ihn zu triezen und zu veralbern.
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| Die anderen Drei, v.l.n.r.: Mina, Sanae, Yukari |
Der Fokus liegt offensichtlich darauf, wie Nishikata sich immer wieder einen Kopf macht, wie er denn Takagi dieses Mal drankriegen könnte, während sie wiederum so tut, als wüsste sie von nichts und ihn ins offene Messer laufen lässt. Gegenüber Nishikata sagt sie, sie mag einfach seine Gesichtsausdrücke, wenn er sich wiedermal aufregt, aber es ist mehr als klar, dass sie romantische Gefühle für Nishikata hegt (derer sie sich auch bewusst ist), während er langsam anfängt diese zu erwidern, auch wenn er nicht bereit ist, sich sie einzugestehen.
Die Serie fällt in die Slice-of-Life-Sparte, denn es gibt keine großen Widerstände oder Hindernisse, die es zu bewältigen gilt. Viel mehr liegt der Fokus auf die kleinen Alltagsgeschichten der Charaktere, wie zum Beispiel Nishikata vor Takagi nicht zugeben will, dass er Katzen mag und sie gerne streichelt, während Takagi gerade die Nachbarskatze streichelt, oder wie man lernt mit einer Person auf dem Gepäckträger Rad zu fahren.
Am meisten gegen den Strich ging mir das übertrieben niedliche Charakterdesign (siehe Bilder in diesem Beitrag), das sich doch wirklich sehr stark aufs Kindchenschema verlässt. Wenn man bedenkt, dass die Charaktere alle 12-14 sind (7.-8. Klasse), dann ist das doch etwas verstörend.
Übrigens ist dies eine Mangaumsetzung. Die Vorlage wurde von Sōichirō Yamamoto geschrieben und gezeichnet und hatte zwei Ableger, die sich mit der erwachsenen Takagi und ihrer Tochter sowie deren Klassenkameraden beschäftigen, bzw. die Erlebnisse des Mädchentrios erzählten. Davon habe ich aber nichts gelesen.
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| „Bist wohl stirnophob oder was.“ |
Titel: Karakai Jozu no Takagi-san
Regie: Hiroaki Akagi
Länge: 2 Staffeln á 12 Folgen mit je 4-6 Episödchen
Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln (auf Crunchyroll)
PS: Ich habe bloß die erste Staffel gesehen.
PPS: Die Serie erschien ein paar Tage nachdem ich sie geschaut hatte zusätzlich auf Netflix mit Synchronisation.
Montag, 24. Juni 2019
Shigatsu wa Kimi no Uso – Sekunden in Moll
Somit wären alle relevanten Charaktere vorgestellt: Kaoru ist an Watari interessiert, Watari hat an Mädchen generell einen Narren gefressen, Kousei ist von Kaoru angetan (auch wenn er ziemlich lange braucht, das zu realisieren, ist es doch zwischen den Noten zu hören), und Tsubaki und Kousei kennen sich von Kindesbeinen an.
Der Anime beschäftigt sich zu großen Teilen mit Kouseis Überwindung seines Traumas, und der Wiedereinführung von Kousei in die Welt der klassischen Musik, fokussiert sich aber dabei auf die Interaktionen von und Gefühlswelt der Vierergruppe. Der Antrieb kommt im wesentlichen von Kaori, einer erstklassigen, aber mit einem sehr eigenwilligem Spiel gesegnete Violinistin. Sie ist es, die Kousei zu einem öffentlichen Auftritt nötigt als Klavierbegleitung zu einem Violinenkonzert, und ihre Beweggründe dafür werden erst in den letzten Folgen geklärt, aber es gibt sie.
Spontan hätte ich die Serie als Romanze eingestuft, aber je länger ich geschaut habe, desto klarer wurde mir, dass es ein Drama mit romantischen Untertönen ist; diverse Stilmittel werden verwendet, aber nur, um das Drama zu unterstreichen. Ein Melodrama? Vielleicht einen Shōnen-Romanze? Der Manga, der der Serie zugrunde liegt, wurde zumindest in einem Magazin veröffentlicht, deren Zielgruppe 10–15jährige Jungen sind. Wie dem auch sei, es gibt natürlich auch komödische Elemente, vor allem in der etwas rabiaten Behandlung von Kousei sowohl durch die sportliche Tsubaki, als auch die lebhafte Kaori.
Immer wieder überrascht war ich von Kouseis Blick, der im Verhältnis zu allen anderen Charakteren eine in sich ruhende Reife auszudrücken schien. Atypisch in meinen Erwarteungen für einen 14jährigen, aber ich weiß auch nicht… er gefiel mir einfach.
Die deutsche Synchronisation hat mir übrigens für die zwei Folgen, wo ich in sie reingehört habe, gut gefallen.
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| Die Hauptcharaktere v.l.n.r. Tsubaki, Kousei, Kaori, Watari |
Titel: Shigatsu wa Kimi no Uso – Sekunden in Moll (Englisch: Your Lie in April)
Regie: Kyōhei Ishiguro
Länge: 22 Folge je 23 Minuten
Sprache: Wahlweise Deutsch oder Japanisch mit deutschen Untertiteln
PS: Bezüglich des Titels, übersetzt wäre es im wesentlichen „Deine Aprillüge” oder „Es war April als du mich angelogen hast”.
Montag, 11. August 2014
Drachenzähmen leicht gemacht 2
Ein aufgepflanzter Bösewicht zieht den guten Film herunter
Früher waren Berg und seine Bewohner mit Drachen auf Kriegsfuß, doch das ist seit fünf Jahren Geschichte, nachdem Hicks sich mit einem Nachtschatten angefreundet hat. (Drachenzähmen 1)
Heute leben die Wikinger in Eintracht mit den verschiedenen Drachen, und Hicks ist auf dem besten Wege in die Fußstapfen seines Vaters Haudrauf als Dorfoberhaupt zu treten. Bloß will er das nicht, sondern viel lieber zusammen mit seinem Drachen Ohnezahn die weite Welt erkunden und neue Länder entdecken.
Bei einer seiner Entdeckungsreisen stößt er auf einen anderen Drachenreiter, und schnell stellt sich heraus, dass der andere Drachenreiter zwar eine andere Methode zum Drachenzähmen verwendet, aber genauso wie Hicks viel von ihrem Handwerk versteht. Zu seiner Überraschung entpuppt sich die Drachenreiterin als Hicks' Mutter, Valka, die seit 20 Jahren als verschollen galt.
Sie hat die Zeit damit verbracht, die Drachen kennen zu lernen, ihre Eigenarten herauszufinden und zusammen mit ihnen zu leben. Dabei ist sie der festen Überzeugung, dass ihr Ehemann Haudrauf niemals ihre Einsichten über Drachen und deren Friedfertigkeit würde teilen können.
Der Gegenpunkt, die Beherrschung von Drachen statt der Koexistenz, hat sich Drago Blutfaust auf die Fahnen geschrieben, und er hat bereits dutzende Drachen unter seine Kontrolle gebracht. Sein nächstes Ziel: Berg…
Drago ist in einem Maße überflüssig, dass es schon traurig ist. Es wird gut ein Viertel des Films darauf verwendet, Valka als Charakter zu etablieren und zu charakterisieren, bloß um dann auf den oberflächlichen und offensichtlichen Bösewicht Drago überzuschwenken. Anstatt den möglichen Konflikt in den Ansichten über Drachen als Konfliktthema aufzugreifen, wird stattdessen Drago genommen, der von der Dynamik und dem Standard bekannter Geschichten nichts anderes als Bösewichtmaterial sein kann, insbesondere im Bezug auf die im ersten Teil durchgemachte Entwicklung des Wikingerstammes von Drachenjägern zu Koexistenz mit Hausdrachen.
Zudem wird durch die Einführung von neuen Charakteren die Charakterisierung der früheren und etablierten Charaktere vernachlässigt.
Ich frage mich, wie damit in der Vorlage von Cressida Cowell umgegangen wird, auf der beide Filme lose basieren.
Immerhin ist der Film atmosphärisch und musikalisch gut gelungen. Einen technischer Kritikpunkt würde ich aber noch anbringen: es gibt keine erratische Augenbewegung. Bei richtigen Menschen zucken die Augen immer ganz leicht, suchen sich stets neue Fokuspunkte im Gesicht des Gesprächspartner. Dies wurde leider nicht berücksichtigt, was die Figuren etwas unwirklich scheinen lässt.
Nett, aber durch Drago wird der erste Teil der bessere.
Titel: Drachenzähmen leicht gemacht 2
Regie: Dean DeBlois
Länge: 105 Minuten
Labels:
Adaption,
Animation,
Deutsch,
Eigene Welt,
Entführung,
Fiktion,
Film,
Komödie,
Monster,
Situationskomik,
Tiere
Montag, 2. Juni 2014
Edge of Tomorrow
Murmeltiertag trifft Alien-Invasion
Nach einem Fauxpas wacht der als Deserteur gebrandmarkte ehemalige Major Cage (Tom Cruise, Mission Impossible) aus dem Pressestab der US-Armee als Rekrut und Kanonenfutter für die anstehende Invasion Europas auf. Mit einem neu entwickelten Exoskellet, einem kybernetischen Kampfanzug, soll der seit Jahren stetig fortschreitenden Besetzung und Ausbreitung der sogenannten Mimics Einhalt geboten werden. Diese Aliens fielen vor einiger Zeit sprichwörtlich vom Himmel und breiten sich unaufhaltsam aus.
Als Frischfleisch hat Cage offensichtlich keine Ahnung von der Bedienung des Kampfanzugs, er kann noch nichtmal seine Waffe entsichern, als bereits im Anflug auf die französische Küste der Truppentransporter getroffen wird und Cage sowie ein paar seiner Kameraden gerade so die Landung überleben.
Am Strand entwickelt sich ein Massaker – die Mimics haben die Invasion offensichtlich erwartet, wieso auch immer. Während Stück für Stück seine ihm noch vollkommen unvertraute Einheit von den metallenen Tentakeln der Mimics aufgespießt und zerfetzt werden, schafft Cage es seine Waffe zu entsichern. Gerade rechtzeitig, um getroffen zu werden. Als ein blauer Mimic sich auf ihn stürzt, sprengt sich Cage in die Luft… bloß um anschließend wieder als Rekrut aufzuwachen.
Zu recht verwirrt durchlebt Cage den gleichen Tag nochmal, bloß wird er dieses Mal von einer hochdekorierten Elitesoldatin Rita (Emily Blunt, Lachsfischen im Jemen) gerettet, die den Beinamen "Full Metal Bitch" trägt. Mit ihrer schwertartigen Machete macht sie kurzen Prozess mit allen Mimics in der Nähe, wird aber kurz darauf wird aber von einem getötet. Es dauert nicht lange, da stirb auch Cage wieder.
Bloß um nochmal als Rekrut aufzuwachen. Und dann zu sterben. Und dann nochmal aufzuwachen. Und dann zu sterben. Durch diese Wiederholungen lernt Cage Stück für Stück mit seiner Ausrüstung umzugehen, taktisches Vorgehen, die Positionen und Zeitpunkte, bei denen Mimics am Strand auftauchen und so weiter. Bis er ein weiteres Mal auf Rita trifft, aber dieses Mal er sie rettet, und anschließend die Mimics in der Nähe platt macht.
Rita kann nur Maulaffen feil halten, als sie sieht mit welcher vorherseherischen Gabe Cage die Mimics kalt macht, bevor sie auch nur eine Bedrohung werden können.
Bloß um in einem vermeidbaren Feuerball zu sterben, nachdem sie Cage aufträgt sie das nächste Mal zu suchen.
Wie sich herausstellt ist Cage nicht die erste Person in einer Zeitschleife. Rita war genau das gleiche passiert, bei der Schlacht von Verdun, bei welcher sie ihre Berühmtheit erlangt hat. Hunderte Mimics sind durch ihre Hand gestorben, wieder und wieder, bis sie durch eine Bluttransfusion dieses Zeitsprungtalent verloren hatte. Allerdings hat sie während ihrer Wiederholungen herausfinden können, dass dieser seltsame Mimic, den Cage beim ersten Mal mit in den Tod gerissen hatte, die Fähigkeit hat die Zeit zurückzusetzen, oder seine Erinnerungen zumindest zurück zu schicken, bloß dass Cage jetzt infiziert wurde. Und die Mimics haben eine Schwachstelle, die Cage und Rita ausnutzen können – aber davor muss Cage trainiert werden…
Die lose Adaption von Hiroshi Sakurazaka's All You Need Is Kill (Erscheint im Juli bei Tokyopop, Leseprobe) ist ziemlich gut gelungen, und weist auch einen morbiden Humor auf. Erinnerten mich die ersten Szenen an eine Mischung aus Resistance: Fall of Men und Starship Troopers, so entwickelt der Film doch schnell eine eigene Dynamik.
Insbesondere durch die Zeitschleife und Cage's Wissen über alle möglichen Dinge, über die er an sich nichts zu wissen hat, sowie seine Versuche dieses Wissen anzuwenden. So wird zum Beispiel bei der Landung einer seiner Kameraden immer von einem abstürzenden Flugzeug zerquetscht, bloß um nach einem erfolgreichen Rettungsversuch Cage an seiner statt in den Boden zu rammen. Oder seine Versuche, seine – zugegebenermaßen irrsinnige – Geschichte anderen glaubhaft zu machen bringt ihm keinen Respekt ein, sondern einen Knebel. Wer also gewisse Häme gegenüber Tom Cruise verspürt, wird bei diesem Film auf seine Kosten kommen.
Die 3D-Effekte sind übrigens ziemlich gut eingebunden. Ich habe mehrmals bloß im Nachhinein festgestellt, dass ich beim Schauen gezwinkert hatte, weil etwas nicht offensichtliches auf die Kamera zugeschossen kam. Ebenso sind die Effekte alle sehr gut gelungen; insbesondere haben mich die Mimics an die Tentakeldinger aus den späteren Matrix-Filmen erinnert, auch wenn sie sich eher wie Sonic bewegten.
Sowieso erinnert die Geschichte in Aspekten, oder besser in der konzeptionellen Idee, an ein Videospiel, in welchem man nach seinem Tod an der gleichen Stelle stets neu beginnt, sich aber an die vorigen Durchläufe erinnert. Aus dieser Sicht ist es auf jeden Fall interessant zu sehen, wie diese Spielmechanik sinnvoll in eine Handlung integriert werden kann.
Sowieso erinnert die Geschichte in Aspekten, oder besser in der konzeptionellen Idee, an ein Videospiel, in welchem man nach seinem Tod an der gleichen Stelle stets neu beginnt, sich aber an die vorigen Durchläufe erinnert. Aus dieser Sicht ist es auf jeden Fall interessant zu sehen, wie diese Spielmechanik sinnvoll in eine Handlung integriert werden kann.
Alles in allem ein guter Actionfilm, auch wenn das Ende nicht überrascht.
Titel: Edge of Tomorrow
Länge: 113 Minuten
Regie: Doug Liman
Labels:
21. Jh,
Action,
Adaption,
Außerirdische,
Deutsch,
England,
Englisch,
Fiktion,
Film,
Frankreich,
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Science Fiction,
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Montag, 14. April 2014
Snowpiercer
befremdliche Gesellschaft im Heilszug
Um den Klimawandel zu stoppen und die globale Erwärmung zu stoppen wurde im Jahr 2014 die Substanz CW-7 in der Atmosphäre ausgebracht, ein Mittel zu Senkung der gestiegenen Temperaturen. Das Projekt des Klimaengineering schlägt phänomenal fehl und stürzt die Erde in eine weltumspannende Eiszeit.
Der etwas wahnsinnig fokussierte Eisenbahnmagnat Wilford hatte zuvor eine gleichermaßen weltumspannende Verbindung von Eisenbahnnetzen vervollständigt, die vom Zug Snowpiercer befahren wird.
Die Passagiere sind zugleich die letzten Überlebenden der Menschheit. Die Schmarotzer der hinteren Abteile leben in Armut, Mangel und Furcht vor denen in Wohlstand und Dekadenz lebenden Passagieren der vorderen Abteile.
Curtis (Chris Evans, u. A. Captain America) ist einer Überlebenden vom Ende des Zuges, der bereits die Hälfte seines Lebens in den Wagons verbrachte und zusammen mit Gilliam eine (widerwillige) Führungsrolle in den hinteren Wagons inne hat. Zu Essen gibt es einen Proteinblock, Kleidung und Unterkunft sind bei allen notorisch heruntergekommen und die Repressionen durch die Sicherheitskräfte sorgen regelmäßig für Unmut.
Da ist es nicht verwunderlich, dass Curtis zusammen mit den anderen Passagieren einen Aufstand plant.
Snowpiercer ist die Verfilmung des französischen Comics Le Transperceneige und die Welt ist düster und kalt. Die Zugpassagiere sind die letzten Überlebenden der Welt, einer scharf getrennten Welt zwischen "Schmarotzern" und Elite. Die Dystopie geht aber noch weiter.
Wie dem auch sei, die Effekte der Außenszenen sind mäßig, aber dafür ist die Handlung sehr gut, aber auch sehr befremdlich. Curtis ist der "Held", insofern man nach dem Ende des Films noch mit ihm sympathisieren kann. Mir persönlich fiel es schwer, insbesondere aufgrund der Charakterentwicklung die Curtis während und vor des Films durchmachte. Allerdings erklärt dies definitiv seinen Widerwillen zu führen.
Der Film ist übrigens eine koreanisch-amerikanische Koproduktion.
Im Nachhinein habe ich bei dem Film vor allem einen gruseligen, dissonanten Nachgeschmack im Mund. Als würde etwas nicht stimmen.
Titel: Snowpiercer
Regie: Bong Joon-ho
Länge: 126 Minuten
Labels:
21. Jh,
Adaption,
Drama,
Englisch,
Film,
Japanisch,
Koreanisch,
Mord,
Postapokalypse,
Science Fiction,
Tragik,
Weltuntergang,
Zukunft
Donnerstag, 10. April 2014
Under The Dome
Riesige Kuppel um kleine Stadt
Wer den Simpsons-Film gesehen hat, kennt das Szenario: eine Stadt wird von Außenwelt durch eine Kuppel abgeschnitten. Genau das passiert auch in der US-amerikanischen Kleinstadt. Von jetzt auf gleich wird aber keine Kuppel abgesenkt, sondern eine Art Kraftfeld baut sich plötzlich um Chester's Mill auf. Ein Kraftfeld, dem Hindernisse egal sind. Häuser, Autos, Menschen – alles wird einfach geteilt, was sich gerade im Weg befand, mit blutigen und zerstörerischen Folgen.
Einer der eingeschlossenen ist Dale, Spitzname "Barbie" (Mike Vogel), der sich im Rahmen seines Jobs gerade auf der Durchreise befand, eine andere ist Norrie (Mackenzie Lintz), die mit ihren Eltern in dem zugegebenermaßen Kaff hängen geblieben ist. Während die meisten Bewohner Fond er Lage erstmal verwirrt sind, kommt es zu mehreren Toten, bis Jim Rennie (Dean Norris, bekannt als Hank Schrader aus Breaking Bad), Gebrauchtwagenverkäufer und Stadtrat, zusammen mit dem Sheriff die Lage unter Kontrolle bringt.
Ähnlich wie in Jericho geht es erstmal darum, die Situation und Lage zu klären, aber zugleich kommen viele der persönlichen Probleme der verschiedenen Charaktere zu Vorschein. Barbie ist nicht gerade ein Saubermann, und Big Jim mausert sich von Stadtrat zum Demagogen. Sein Sohn, Junior (Alexander Koch), kommt unterdessen nicht mit dem Korb seiner Freundin (Britt Robertson) klar und beschließt kurzerhand sie einzusperren, ein Umstand, der in dem allgemeinen Chaos untergeht.
Auch nachdem die Lage einigermaßen unter Kontrolle ist, kommen Kleinstadtgeheimnisse und -politik zum tragen, welche Stück für Stück mit der zunehmenden Mangelsituation in Chester's Mill immer brisanter werden. Das Kraftfeld ist zudem sowohl funk- als auch schallundurchlässig und scheint auch unterirdisch vorhanden zu sein, womit alle Verbindungen und Kommunikationsmöglichkeiten jenseits von Winken und Zettel zeigen abgeschnitten sind.
Und natürlich weiß niemand, woher das Kraftfeld kommt, aber Juniors Ex und Norrie hatten da so seltsame Anfälle…
Die Vorlage für die Serie ist der Steven-King-Roman Die Arena, wobei es wie üblich gewisse Zugeständnisse an das Medium gibt, um die Geschichte spannend und konsistent zu erzählen. Das abweichende Ende der Serie wurde auch von Stephen King geschrieben, und er war auch mit den anderen Autoren (unter anderem Brian K. Vaughn, Autor von Y – The Last Man, Runaways) in regem Kontakt.
Die Effekte sind auch hervorragend gelungen, mir ist in der ersten Folge die halbierte Kuh im Gedächtnis haften geblieben, und der Crash von einem LKW gegen die unsichtbare Barriere. Ich habe im Prinzip nichts auszusetzen, die Geschichte ist interessant und handwerkliche Ausführung auf hohem Niveau. Ich gehe davon aus, dass die (noch nicht gedrehte) zweite Staffel die Serie zum Abschluss bringen wird, der Handlungsbogen reicht dafür bereits weit genug.
Mir hat die Serie gut gefallen, und ich werde sie mir wohl mit der 2. Staffel noch mal anschauen.
Titel: Under the Dome
Länge: 1-2 Staffeln zu je 13 Folgen mit je 43 Minuten
Entwicklung: Stephen King, Brian K. Vaughn
Labels:
21. Jh,
Adaption,
Außerirdische,
Diktatur,
Entführung,
Erweiterte Welt,
Gegenwart,
Gewalt,
Grusel,
Militär,
Mystery,
Pistolen,
Serie,
USA
Mittwoch, 22. Januar 2014
Einer flog übers Kuckucksnest
Bist du nicht verrückt, wirst du es
1963. Randle P. McMurphy wurde wegen Verführung Minderjähriger festgenommen und in eine psychiatrische Anstalt gebracht. Doch Randle ist nicht gerade verrückt, sondern will sich so bloß um die in diesen Jahren gebräuchlichen Arbeitslager drücken.
Er freundet sich mit den verschiedenen Insassen der Irrenanstalt wie dem Chief, Harding und weiteren an und bringt allgemein Leben in die tristen Hallen der geistigen Erholung. Dies stößt aber nur bedingt auf Gegenliebe der Anstaltsleitung, insbesondere von Schwester Ratchet, die ihre Stellung und Macht untergraben sieht.
Mehr und mehr reiben sich die Beiden, während Randle einen wesentlichen Teil zur Genesung von seinen Anstaltsfreunden beiträgt. Doch Randle und Schwester Ratchet eskalieren ihren kalten Konflikt immer weiter…
Schaut ihn euch an. So wie der Film 1975 gedreht wurde, würde er es heutzutage nicht mehr getan werden. Schaut ihn euch an. Die Charaktere sind glaubwürdig und die Handlung erschreckend. Schaut ihn euch an. Ein Kultfilm und allein schon aufgrund seiner Bedeutung und Referenzen auf ihn in den verschiedenen Medien ein Muss. Schaut ihn euch an. Ich habe das Buch hier noch irgendwo liegen…
Titel: Einer flog über das Kuckucksnest
Regie: Miloš Forman
Länge: 133 Minuten
Labels:
20. Jh,
Adaption,
Charaktergetrieben,
Drama,
Film,
Gesellschaft,
Klassiker,
Psychologie,
Tragik
Samstag, 18. Januar 2014
Das erstaunliche Leben des Walter Mitty
Von erfahrungsarm zu ungeheuer abenteuerlich
Walter Mitty arbeitet für das Life-Magazin, ein auf Fotoreportagen spezialisiertes Magazin. Er mag seinen Job als Verwalter der Filmnegative, aber er verbringt doch eine erschreckende Zeit in Tagträumen. In diesen ist er alles mögliche – weltgewandt, erfahren, voller Abenteuer ohne darauf aus zu sein.
Aufgrund von Umstrukturierungen wird das Life seine Druckausgabe einstellen. Sean O'Connell war und ist einer der besten Fotojournalisten und Walter seit langen Jahren der Ansprechpartner für seine ans Life gesendete Bilder, sie haben sich aber nie getroffen. Die neueste Sendung enthielt sowohl die letzte Fotoreihe, als auch eine gewidmete Geldbörse für Walter. Ein besonderes Bild, von Sean extra hervorgehoben als ideal für das letzte Cover, befindet sich aber nicht in der Sendung.
Zusammen mit Cheryl, mit der Walter sich vor kurzem angefreundet hat, versuchen sie den Aufenthaltsort von Sean O'Connell herauszufinden. Sie finden heraus, er war zuletzt auf Grönland. Durch die Kombination von einem Tagtraum und einem Kommentar von Cheryl und anderer Faktoren entscheidet sich Walter spontan, nach Grönland zu fliegen und Seans Spur zu folgen…
Wie seltsam ist es, einen Film ohne Antagonisten zu sehen, ohne Gegner? Nicht sehr. Walter ist teilweise sein eigener Widersacher, oder stellt sich in seinen Tagträumen seinem Boss, seinem romantischen Interesse an Cheryl und seinen Problemen im Alltag.
Während die Geschichte schön ist, sind die Bilder phänomenal – Grönland, Island, das wilde Meer – alles ist wunderbar in Szene gesetzt und sehr gut vom Soundtrack untermalt. Ich kann gar nicht sagen, wieso mir der Film so gut gefällt, denn obgleich die Geschichte schön ist, ist sie nicht phänomenal. Aber alles zusammen ist sehr schön…
Der Film basiert übrigens auf der Kurzgeschichte The Secret Life of Walter Mitty von James Thurber, von der es bereits eine Verfilmung aus den 1940ern (Das Doppelleben des Herrn Mitty) gibt.
Einzig die Benjamin-Button-Sequenz geht mir gegen den Strich; sie ist gruselig.
Irgendwie verdammt schön.
Titel: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty
Regie: Ben Stiller
Länge: 114 Minuten
Labels:
21. Jh,
Abenteuer,
Adaption,
Afghanistan,
Charaktergetrieben,
Deutsch,
Englisch,
Fiktion,
Film,
Grönland,
Island,
Reife,
Tag-für-Tag,
USA
Montag, 13. Januar 2014
Der Hobbit – Smaugs Einöde
Die Hybris des zornigen Zwerges
Im ersten Teil der Hobbittrilogie brachen der Hobbit Bilbo Beutlin, die Zwerge Dwalin, Balin, Fíli, Kíli, Dori, Nori, Ori, Óin, Glóin, Bifur, Bofur, Bombur und Thorin sowie Zauberer Gandalf auf, um den Drachen Smaug vom einsamen Berg und der Zwergenstadt Erebor zu vertreiben. Der Film endete nach einigen Abenteuern mit der gesammelten Gesellschaft, die über einen Wald und See hinweg den einsamen Berg erblickten.
Nachdem die Gemeinschaft im vorigen Teil gerade so dem Ork Azog entkam, flieht sie nach wie vor vor ihm. Sie schneien ungebeten, unerwartet und vor allem ungeliebt bei dem Gestaltenwandler Beorn herein und suchen Zuflucht bei ihm. Ihr einziges Heil ist, dass Beorn Orks noch mehr hasst als Zwerge und die Gemeinschaft daher trotzdem bei ihm Unterschlupf findet.
Anschließend wandern der Hobbit, die Zwerge und der Magier zum Dunkelwald. An dessen Eingang trennen sich aber die Wege, denn Gandalf muss einer Spur nachgehen, die ihn auf den Pfad des Nekromanten lenkt.
Ohne den mäßigenden Einfluss des weisen Zauberers wagen sich also Bilbo, Thorin und die anderen Zwerge in den von Elfen bewohnten Walt. Alsbald kommen sie vom Weg ab und werden von den Elfen gefunden und gefangen genommen, denn Thranduil, der Elfenkönig, ist nicht gut auf Zwerge zu sprechen, so wie Thorin im Gegenzug.
Ich versuche gar nicht erst, die Geschichte weiter nachzuerzählen. Sie kommen auf jeden Fall noch nach Seestadt und im Anschluss wagen sie sich in die Höhle des Drachen.
Während der erste Film sich eher um Bilbo drehte, rückt bei Smaugs Einöde Thorin etwas mehr in den Vordergrund, sowie sein Ingrimm auf die Welt und seine Sache. Er ist fast immer zornig, sei es auf Elfen, auf Gandalf, Orks oder Feigheit. Da ist es nur natürlich, dass seine Sturheit ihn zwangsläufig mit anderen, aber nicht nur nominell mächtigen Charakteren, die Köpfe stoßen lässt.
Schade, dass dadurch die anderen Zwerge ins Hintertreffen geraten.
Auch bekommen wir Legolas wieder zu Gesicht, den Sohn Thranduils, und dementsprechend skeptisch gegenüber Zwergen. Eine weitere Elfe ist Tauriel, die zum einen als Konfliktcharakter für Legolas sowie interessanterweise in einer romantische Nebenhandlung mit Kíli verstrickt ist.
Die Musik und Bilder sind wieder von epischem Ausmaß und mir kam es so vor, als hätte Smaugs Einöde nicht die gleichen Längen wie Eine unerwartete Reise.
Während 3D nett war, habe ich es nicht als einen sonderlichen Mehrwert empfunden. Das HFS/48fps hingegen hat zu einer merklichen und positiven Änderung in der Bildqualität geführt.
Alles in allem ein sehr guter Film.
Titel: Der Hobbit – Smaugs Einöde
Regie: Peter Jackson
Länge: 162 Minuten
Montag, 30. Dezember 2013
Saint Young Men
Jesus und Buddha in einer Kaschemme in Japan
Buddha und Jesus sind ziemlich gute Kumpels, beste sogar könnte man sagen, und eines Tages entscheiden sie sich dafür, einen Urlaub inkognito auf der Erde zu machen.
Doch bereits als sie sich ein Zimmer in dem kleinen Apartmentskomplex Matsuda Heights nehmen wollen, geraten sie an ein paar Schwierigkeit, denn die Vermieterin ist etwas… strenger. Und nicht gerade erpicht auf diese beiden offensichtlichen ausländischen und etwas seltsamen Gäste.
Viel zu sagen zu Saint Young Men kann ich gar nicht, denn die Handlung besteht immer aus mehr oder weniger kurzen, in sich geschlossenen Geschichten. Der Humor leitet sich direkt aus diesen und aus dem Charakter von Buddha und Jesus ab. Buddha muss beispielsweise aufpassen, dass er nichts zu tugendhaftes sagt, denn ansonsten tritt sein Heiligenschein vor und blendet alle. Im Gegenzug kommt es bei Jesus gelegentlich vor, dass er aus Versehen Wunder wirkt, wenn er lacht.
Der Stil ist etwas skizzenartiger gehalten, was bei einem Anime etwas seltsam wirkt, während die Farbgebung an Wasserfarben erinnert.
Mir hat er gut gefallen und ich würde gerne mehr als die zwei Folgen sehen.
Titel: Saint Young Men
Länge: 2 Folgen, insgesamt 40 Minuten
Sprache: Japanisch (Deutsch nur als Fansub)
Labels:
Adaption,
Anime,
Charaktergetrieben,
Deutsch,
Erweiterte Welt,
Gegenwart,
Humor,
Japan,
Japanisch,
Situationskomik,
Tag-für-Tag
Montag, 2. Dezember 2013
eXistenZ
Wenn das Spiel nicht von der Realität zu unterscheiden ist…
Allegra Geller ist eine geniale und in Spielerkreisen legendäre Softwareentwicklerin und hat die letzten paar Jahre mit der Entwicklung von dem eXistenZ verbracht, einem heiß erwarteten Computerspiel. Über seinen Bioport, eine Schnittstelle Hirn-Computer-Schnittstelle, schließt man sich an die Spielekonsole an und wird in eine Welt geleitet, die in einem Grad der Realität gleicht, der bisher unerreicht blieb.
Ted Pikul ist bloß ein kleiner Angestellter der Firma, die eXistenZ vertreiben wird, und daher als Kontrolleur eingesetzt. Er überprüft, ob die verschiedenen geladenen Pressevertreter für die erste öffentliche Vorführung sauber sind und keine Aufnahmegeräte oder Waffen dabei haben.
Bloß als Allegra die geladenen Vertreter in eine Sitzung eXistenZ führt, zückt einer der Zuschauer eine Waffe und schießt auf gezielt Allegra und anschließend auf umstehende Personen. Ted rettet die Spieleentwicklerin und flieht mit ihr, nachdem er dem Angreifer die biologische Waffe abgerungen hat.
Auf der Flucht erzählt Ted Allegra von sich und die beiden kommen sich näher, aber Allegra macht sich Sorgen um ihre Konsole, auf der die einzige Masterkopie von eXistenZ liegt. Die plötzliche Unterbrechung der Spielsitzung ist dem biologischen System nicht bekommen und kann nur virtuell von innen behoben werden. Äußerst widerwillig lässt sich Ted einen Bioport illegal installieren und sie beginnen zusammen eXistenZ zu spielen.
Beide sind auf einem Markt und Ted bewundert die Textur und den Grad an Realismus des Spiels. Sie kaufen sich dort kleinere Variationen der ihnen bekannten Konsolen, nachdem sie mit ein paar NPCs (Nicht-Spieler-Charakteren) interagiert haben. Sie Stellen fest, dass sie mitunter zu Handlungen gezwungen werden, die für die weitere Entwicklung des Spielverlaufs notwendig sind. In einer stillen Ecke beginnen Allegra und Ted dann das Spiel im Spiel.
Ted wacht in einer südasiatischen Fabrik auf, in der er aus genetisch modifizierten Tieren Bauteile für biologische Konsolen schneidet, während Allegra an einer anderen Arbeitsstation diese Teile reinigt und für einen Zusammenbau zu Spielkonsolen vorbereitet, die wie die eXistenZ-Konsole aussehen…
Verwirrt? Beim Schauen von eXistenZ hilft es auf jeden Fall, bei einem Spielebenenwechsel sich zu sagen, in welcher Ebene sie gerade alle sind, beginnend mit der nullten Ebene, eXistenZ, als Realität.
Der Film spricht interessante Aspekte an, besonders die Realitätsunterscheidung, wenn sich die Virtualität nicht mehr ohne weiteres von der Realität unterscheiden lässt. Eine bestimmende und beängstigende Szene ist als Ted und Allegra eine Ebene zurück gehen und Ted sich nicht sicher ist, ob sie noch im Spiel sind.
Zartbeseitete Gemüter mögen dem Film nicht zu nahe kommen, denn aufgrund von den verwendeten Mitteln – Biotechnolgie, biologische Waffen, etc. – kommt es zu blutigen Szenen, zumal bei den Gewaltszenen auch nicht gerade die Kamera weggedreht wird.
Philosophisch betrachtet fühlte ich mich an das Höhlengleichnis von Platon erinnert: Man sieht nur die Schatten von Figuren an die Wand einer Höhle projiziert, die Originale, welche die Schatten werfen, sieht man aber nicht. Bloß wenn die Schatten genauso aussehen wie die Originale, wie kann man sie dann unterscheiden?
Interessante Gegenspieler im Kino gab es für die Veröffentlichung von eXistenZ: Dark City, Matrix und The Thirteenth Floor – Bist du was du denkst?, welche alle in einem verhältnismäßig nahen Zeitfenster erschienen und ähnliche Thematiken behandelten. Den interessierten Leser würde vielleicht noch Simulacron-3 von Phillip K. Dick gefallen, der die Vorlage für 13th Floor bildete.
Ein brauchbar guter, aber manchmal verwirrender Film.
Titel: eXistenZ
Regie: David Cronenberg
Länge: 97 Minuten
Labels:
Adaption,
Attentat,
Deutsch,
Englisch,
Fiktion,
Film,
Gegenwart,
Gesellschaft,
Mord,
Philosophie,
Science Fiction,
Terrorismus,
USA,
Virtualität
Dienstag, 26. November 2013
Planetes
Müllsammler im Weltraum
Hachimaki ist der Außenbordspezialist der Toybox, dem Raumschiff der Abteilung Debris (Weltraummüll), und sein Arbeitsplatz ist der nahe Weltraum im Erde-Mond-System. Zusammen mit seinem Kapitän Fee, Spezialist Yuri und den Kollegen auf der Raumstation ISPV-7 ist ihre Aufgabe die Reinigung des Weltraumorbits von Debris, sogenanntem Weltraummüll. Obgleich dies schon lange nötig war, rückte erst durch einen tragischen Unfall einige Jahre vor der Serie die Problematik in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und es wurden Maßnahmen getroffen.
Da die Weltraummüllsammlung und -entsorgung aber mit wenig bis keinem Profit verbunden ist, stattet Technora, die eigentliche Firma, die Abteilung nur mit dem nötigsten aus, weshalb sie auch abfällig den Namen "Sektion Halb" trägt.
Tachibana, zufälligerweise ebenso wie Hachimaki Japaner, stößt frisch zur Sektion Debris hinzu und ihr Idealismus und ihre Vorstellungen von Moral und richtigem wie falschem Verhalten kollidieren direkt mit denen von dem nur wenige Jahre älteren Hachimaki. Sein Traum, ein eigenes Raumschiff zu haben, scheint in immer weitere Ferne zu rücken, während Hachis bester Freund Cheng-Chin als Pilot auf der Karriereleiter immer weiter steigt und bald Passagierschiffe fliegen darf.
Zugleich gibt es einen im Hintergrund schwelenden, politischen Konflikt um die Erschließung des Weltraums. Die verschiedenen weltraumtüchtigen Nationen sind in einer internationalen Vereinigung, ähnlich den Vereinten Nationen, und schöpfen die Profite ab, während die Staaten und Völker, auf deren Rücken das Weltraumrennen ausgetragen wurde, leer ausgehen bzw. von den reichen Staaten mit Waffen für die diversen Konflikte beliefert werden.
Dem entgegen stellen sich verschiedene terroristische Organisationen, allen voran die Weltraumbefreiungsfront, die durch ihre Bombenanschläge Angst und Schrecken verbreitet. Die Weltraumnationen andererseits bauen gemeinsam ein Raumschiff zur Erkundung und wirtschaftlichen Erschließung des Jupiter.
Planetes, sowohl der Manga als auch Anime, bauen eine glaubwürdige Vision der nahen Zukunft auf, in der es nach wie vor Konflikte gibt, aber auch Hoffnung.
Hachimaki und Tanabe sind die beiden Hauptcharaktere, aber obgleich beide Japaner sind, ist die Welt, oder zumindest die Firma bzw. Organisation, internationaler. Man sieht stets Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen, seien es Europäer, Asiaten, Afrikaner oder Nord- bzw. Südamerikaner. Zugleich wird die Diskrepanz zwischen den technologisch hochgerüsteten Nationen, unabhängig vom Erdteil, und den Schwellen- und Entwicklungsländern thematisiert.
Dabei ist wissenschaftlich quasi nichts zu bemängeln und Anmerkungspunkte sind gegebenenfalls dem Medium geschuldet. Es ist nun Mal etabliert, dass bei Astronauten das Gesicht gezeigt wird, obgleich das im Weltraum den Astronaut blenden und verbrennen würde. Dieses Problem wird zum Beispiel von Makoto Yukimura durch Kameras in den Helmen angesprochen, die an sich permanent sichtgeschlossen und mit Tasten für eine Bedienung versehen sind.
Die Charaktere sind alle sehr gut als eigenständige Persönlichkeiten etabliert, auch jenseits der Sektion Debris. Beim Anime muss ich sagen, dass mir manche Stimmen in der deutschen Synchronisation gegen den Strich und zu… archetypisch gewählt klingen, Claire zum Beispiel wird nicht nur aufreibend dargestellt, sondern klingt auch dementsprechend.
Als Fazit kann ich nur sagen, dass sowohl der Manga als auch Anime definitiv konsumierenswert sind, denn es gibt viele Handlungsbögen, von denen seltsamerweise keiner irgendwie zu kurz kommt.
Titel: Planetes
Autor: Makoto Yukimura
Länge Manga: 5 Bände
Länge Anime: 26 Folgen zu je 24 Minuten
Sonntag, 24. November 2013
Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte
Deprimierende Lebensumstände und Liebe
Joseph ist ein alter, jähzorniger Sozialhilfeempfänger, der in einer entsprechenden Lage wohnt. In einem Wutanfall tritt er seinem Hund die Rippen ein, woraufhin dieser stirbt. Wütend über sich und seine Taten türmt Joseph in den Secondhandladen von Hanna, einer gläubigen Christin.
In seinem Zorn macht er sie verbal nieder und führt ihr vor, wie Gutmenschen aus ihrer Schicht solche Wohltätigkeitsarbeiten nur als Egotrip machen, während sie keine Ahnung davon haben, wie es Menschen in prekären Lagen wie Joseph geht.
Was Joseph nicht weiß – Hanna ist zwar Christin, und sie betreibt den Laden sicherlich auch aus Nächstenliebe, aber auch um vor ihrem nach außen hin perfektem Mann zu fliehen.
Und so finden Hanna und Joseph zueinander, zwei gebrochene Menschen, die einander stützen.
Einer der bewegenderen und zugleich deprimierenden Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe ist Tyrannosaur nichtsdestotrotz ein sehr guter Film. Er lebt von den wenigen Charakteren, stellt die Lebenslagen und -gründe hervorragend dar und die schauspielerische Leistung ist sehr gut.
Zugleich ist die Handlung erschreckend real. Die Schrecken eines sozialen Brennpunktes kann es genauso hinter Fassaden versteckt in den verwöhnten Luxusvierteln geben, und Stärke ist durch mehr als sich selbst definiert.
Mit diesem Erstlingswerk ist Paddy Considine ein guter Einstieg ins Spielfilmgeschäft gelungen, auch wenn er Drehbuch und den Vorlagenkurzfilm selbst gedreht hatte.
Bedrückender Film, aber gut.
Titel: Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte
Regie: Paddy Considine
Länge: 91 Minuten
Beklemmendster Monolog seit langem war Hanna kurz vorm Epilog.
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