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Dienstag, 27. Juni 2017

Light

 Neon-Schriftzug von Light, mit Untertitel “Sneak - Hack - Steal”

Du hast dein Gedächtnis verloren und musst entkommen.

Stell dir vor du wachst auf und erinnerst dich an nichts. Nicht wer du bist, nicht wo du bist, gar nix, Das einzige, was dir geblieben ist, sind Fähigkeiten, die mehr oder weniger jeder Mensch hat, wie Fortbewegung, Sehen, Lesen, und so weiter.

Natürlich schaust du dich um und stellst fest, dass du anscheinend an einer Studie teilgenommen hast, und einer der Nebeneffekte ist kurzzeitiger Gedächtnisverlust. Ich sage ‘anscheinend’, weil du wenig später Schnipsel findest, die behaupten, dass du das bisher einzige Subjekt warst, das überlebt hat.

Den Rest des Spiels geht es darum herauszufinden, was hier eigentlich los ist, wer du bist, und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zur bringen.

Ich hatte Light schon seit einiger Zeit auf dem Kieker und jetzt gerade war es für bloß einen Euro über Steam zu bekommen, da habe ich dann auch nicht nein gesagt. Das Spiel wird quasi ausschließlich über WASD gespielt, und man steuert sich aus der Vogelperspektive.

Wie auf den Screenshots zu sehen ist, ist das Design eher minimalistisch gehalten. Türen müssen geöffnet, Terminals gehackt und Wachen aus dem Weg gegangen werden. Der Knackpunkt ist dabei letzteres. Alle Wachen haben Sichtbereiche und patrouillieren entlang bestimmter Strecken. Sie drehen sich dabei nicht stets in der gleichen Richtung um, was das Vorbeilaufen an ihnen nicht so einfach gestaltet.

Man kann zwar die Wachen umbringen, aber das Fehlen von Wachen wird relativ schnell gemerkt und die restlichen Wachen durchkämmen dann das Gebiet nach einem. Dummerweise kann man sich nicht verstecken oder dergleichen, bestenfalls verkleiden, und selbst das täuscht die Wachen bloß aus der Ferne.

Tja, sehr viel mehr kann ich auch nicht sagen. Die Spieldauer ist sehr kurz, man kann das Spiel problemlos innerhalb einer Stunde und weniger durchspielen. Es gibt einen gewissen Wiederspielwert, weil am Ende jedes Levels ein Bewertung erfolgt, aber vermutlich wirst du häufig genug scheitern, dass du zumindest am Anfang keinen Bock auf mehrmaliges Spielen hast.
Komischerweise war der Text stellenweise ein bisschen holprig formuliert, da
s hätte besser sein können.



Sehr schnell vorbei, und allzu mehr als den Euro wäre es mir aufgrund dessen nicht wert.

Titel: Light

Entwickler: Just A Pixel

Genre: 2D, Stealth/Schleichen

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch

System: PC, Mac

PS: Ich habe die Screenshots von der Steam-Seite, aber das Spiel sieht wirklich so aus.

Montag, 16. Juni 2014

Jumper

Junge wird erwachsen – und kann sich teleportieren

Davy Rice ist ein stiller 17jähriger in einer US-amerikanischen Kleinstadt. Seine Mutter hat bereits vor Jahren die Familie verlassen und sein Vater ist dem Alkohol mehr als zugetan. Als er sich wieder Mal über die Faulheit seines Sohnes aufregt, zückt er seinen Gürtel und will Davy eine weitere Tracht Prügel versetzen, als sich Davy plötzlich in der städtischen Bibliothek wiederfindet.

Er hat keine Ahnung, wie er dorthin gekommen ist, vermutet aber, dass Züchtigung schlimm genug war, so dass er sich zum eigenen Schutz nicht an die Zwischenzeit erinnert. Dies veranlasst Davy, es seiner Mutter gleichzutun und einfach wegzulaufen.

Er ist bereits zwei Wochen unterwegs, es geht ihm mehr schlecht als recht, als er sich von einem Diner in der Wildniss von einem Trucker mitnehmen lässt. Erst zu spät bemerkt der Junge, dass die Motive des Truckers nicht Nächstenliebe sind, sondern sexueller Natur. Doch kurz bevor es dazu kommt, findet sich Davy wieder in der Bibliothek seiner Heimatstadt wieder. Heilfroh und völlig verstört verbringt er die Nacht dort.

Davy wird klar, dass er sich – wieso auch immer – durch die Welt teleportieren kann, aber bloß an Orte, an die er sich ausreichend erinnern kann. Er kann nicht mehr mitnehmen, als er ohnehin tragen kann, und so macht sich Davy an seinen ersten Plan: Eine Bank in New York auszurauben. Aber auch erst, nachdem tagelang versucht hat, legal einen Job zu finden.

Bei dieser einen Bank bleibt es aber auch, und von dem Geld lebt Davy über ein Jahr und gönnt sich ein vernünftiges, wenn auch extravagantes Leben. Er geht ins Theater, kauft sich Bücher, sowas in der Richtung. Bis er eines Abends Millie kennen lernt…



Es geht natürlich noch weiter, aber schätzungsweise dreiviertel des Romans handeln nur von Davy und seinen Problemen mit seinem Vater und seiner Familie, und wie er mit der plötzlichen autoritären und finanziellen Freiheit klar kommt. Davy schlägt dabei nicht über die Stränge und führt ein Leben in Saus und Braus. Ebensowenig nutzt er sein Talent für Heldentaten; vielmehr ist die Banalität, mit der er durch die Gegend springt, gut dargestellt. An einem faulen Tag springt er beispielsweise von einem Sofaende zum anderen, weil er nicht aufstehen wollte.

Durch die Begegnung und die Gesprächen mit der soliden Millie realisiert Davy erst, wie kaputt sein Familienleben war und er unternimmt Anstrengungen, mit seiner Mutter Kontakt aufzunehmen; später fängt er an, seine eigenen Probleme aufzuarbeiten.

Erst im letzten Teil kommt es dann zu einer Auseinandersetzung mit der NSA, und aus dem eher ruhigen Roman wird ein recht actionlastiger und handlungstriefender.

Jumper hat aber nur ganz grob etwas mit dem gleichnamigen Film von 2008 zu tun. Ein paar Charaktere werden aufgegriffen, ebenso das Teleportieren, aber das war's im wesentlichen. Im Buch kommen keine Paladine oder sonstwas vor.

Ich hatte eher das Gefühl, dass das Teleportieren mehr oder weniger ein Randgimmick ist und die Aufarbeitung von Davy und seiner Familiensituation sowie seinen Gefühlen der Hauptfokus ist. Ein Junge flieht einer misshandelnden Familiensituation und baut sich aufgrund seiner Talente ein eigenes und neues Leben in der Großstadt auf. Es hat den Beigeschmack einer Wunscherfüllung, die der Autor dort durchlebt, oder dem Leser anbietet, was durch die Ich-Erzählung noch einfacher wird.

Da der Roman in den frühen 90ern spielt, gibt es einige veraltete Elemente, die aber kaum auffallen. Schade, dass es keine deutsche Version gibt.



Ich muss sagen, mir hat der gut gefallen und ich überlege mir die 3 Folgeromane zu holen.

Titel: Jumper

Autor: Steven Gould

Länge: 345 Seiten, über 100k Wörter

Donnerstag, 24. April 2014

Ansatsu Kyoushitsu – Attentatsunterricht


Wir bringen unseren weltenzerstörenden Lehrer um!

Die Mondsichel war früher eine optische Erscheinung, jetzt ist sie Realität geworden – 70% des Mondes sind verschwunden, und keiner weiß warum.

So ganz stimmt das nicht, denn die Schüler der Klasse 3E aus der Kunugigaoka Mittelschule (gleichwertig zur 9. Klasse) haben einen euern Lehrer, der nicht von dieser Welt zu kommen scheint. Er ist gelb, hat Tentakeln, einen kugelrunden Kopf und ein dämliches Grinsen. Er ist für die großteilige Zerstörung des Mondes verantwortlich, kann sich mit grob 20-facher  Schallgeschwindigkeit bewegen und will nichts lieber tun als seine Klasse zu unterrichten. Da weder Militär noch sonst irgend etwas ihm bisher etwas antun konnte, erlaubt er im Gegenzug den Schülern seine Klasse ihn auf jedwede (nicht den Unterricht störende Weise) mit speziellen Mitteln anzugreifen, die ihn verletzen könnten, wenn er denn getroffen werde würde. Haben sie damit innerhalb eines Jahres keinen Erfolg, wird er die Erde genauso zerstören, wie er es mit dem Mond getan hat.

Man kann nicht konkret von Hauptcharakteren sprechen, sondern vielmehr von Fokuscharakteren, da die über 20 Schüler verschiedentlich gut ausgearbeitet werden. Ein gewisser Fokus (ha!) wird dabei auf Nagisa gelegt, der schmächtig und androgyn ist. Meist ist er zusammen mit Kayano der Sprachrohrcharakter, der für den Leser die verschiedenen Einblicke in das Schulleben gibt oder erklärt.

Als Verbindungsstelle zum und für das Militär dient der fadenscheinig als Sportlehrer getarnte Karasuma, der unter anderem die verschiedenen Waffen und sonstigen Materialien zur Verfügung stellt, welche die Schüler für ihre Attentate benötigen.

Dem entgegen steht die ungemeine Gabe von Koro-sensei, so der Spitzname des Monsters, seinen Schülern selbst den schwierigsten Stoff verständlich, nachvollziehbar und anwendbar zu vermitteln, teilweise als Attentatsbeispiele und dergleichen. Er opfert sich für seine Schüler auf, wenn auch nicht mit seinem Leben. Teilweise muss er das aber auch, denn die Kunugigaoka-Schule und allen voran ihr Direktor bzw. Vorsitzender verfolgt eine rigorose Ausgrenzungspolitik gegen die 3E, die für alle anderen Schüler als Negativbeispiel hinhalten muss. Die A-, B-, C- und D-Klassen werden von der Furcht beherrscht in der E zu landen und behandeln daher die Ausschussschüler wie Abschaum.

Insgesamt hat mich der Manga mächtig an GTO (Great Teacher Onizuka) erinnert, mit schwachen Science-Fiction-Elementen und einer gehörigen Prise Spionage- bzw. Agentenkram.



Er hat mir ziemlich gut gefallen.

Titel: Ansatsu Kyoushitsu (übersetzt: Attentatsunterricht)

Autor: Yūsei Matsui

Länge: 7 Bände

Status: Laufend

Freitag, 3. Januar 2014

Reunions are a Bitch

Seitenansicht und Größenverhältnis ( 1 Pixel = 10 Meter)  ausgewählter Raumschiffe aus Stargate und Battlestar Galactica; Basierend auf Dirk Loechels Starship Size Comparison Chart ( http://dirkloechel.deviantart.com/ )
(neues) Battlestar Galactica greift (spätes) Star Gate an

Battlestar Galactica (nBSG) ist ein wiederaufgelegte Science-Fiction-Serie, in der hunderte Meter bis Kilometer große Schiffe von Menschen mit einem verschwenderischen Verbrauch von Atomwaffen gegen Roboter kämpften.

Stargate (SG1) ist eine lang laufende Science-Fiction-Serie, die in der Gegenwart spielt, mit Aliens auf der Seite der Menschen und der Gegner, mit Raumschiffen und Verschwörungen und Energiewaffen und dergleichen.

Reunions spielt mit dem Gedanken, was ein Angriff der Menschen aus BSG gegen die Erde aus den späten Staffeln von Stargate bedeuten würde. Vorwissen zu mindestens einer der Serien ist zwingend nötig, denn es wird nicht viel Zeit mit der Charakterisierung der verschiedenen und häufig wechselnden Personen verbracht.

Vielmehr scheint mir der Autor die Charaktere bloß als Blickpunkte zu nehmen, um die verschiedenen Entwicklungen dieses fusionierten Universums zu beschreiben. Es wird erschreckend viel Zeit auf die Mobilisierung und Militarisierung der Erde verwandt, auf die logistischen Aspekte von Aufrüstung, von Materialbeschaffung und weiteren militärischen Erwägungen auf höheren Führungsebenen.

Der Autor hat sich dabei für eine Entwicklung zugunsten der Erde entschieden, mit einer Porträtierung von Politikern als überflüssige und hinderliche Hinterzimmer- und Populäraffen, die lieber den Militärs das Führen überlassen sollten und deren Entscheidungen alle einfach abnicken.

Die Erde wird dabei interessanterweise als einfacher diesem Zweck zu beugen beschrieben im Verhältnis zu dem politischen System von nBSG, was aber vermutlich auch dem Szenario geschuldet ist – die Erde wurde angegriffen und von mehr oder weniger nuklearen Querschlägern 100 Millionen Menschen getötet. Da ist die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft nachvollziehbar.

Aus der Sicht von nBSG ist die Erde "bloß" eine verlorene Kolonie, die zurück in den Schoß der Zivilisation gebracht werden muss, ob sie will oder nicht. Die Rückschlagung der Invasionsflotte und Vergeltungsschläge der Erde machen den dortigen Menschen aber schnell klar, dass das was anderes wird als eine einfache Befriedung.

Das Englisch ist nicht so schwer, aber von militärischen Begriffen durchsetzt, was die Lesbarkeit erschwert, zumal die Rechtschreib- und Grammatikfehler relativ zahlreich sind. Ärgerlich, wenn dies auch noch gleichklingende Worte betrifft, da fehlt definitiv ein Editor/Lektor.

Zur Zeit befindet sich die Geschichte in einer Ruhephase, nachdem der Autor krank geworden ist. Im Gegenzug scheint es vielleicht erst zur Hälfte abgeschlossen zu sein, was bei über 300k Wörtern beachtlich ist.

Man sollte mindestens eine der beiden Serien gesehen habe, um die Geschichte zu durchblicken. Vorzugsweise beide.



Nicht so toll, aber gut genug.

Titel: Reunions are a Bitch/Deleted (URL: https://www.fanfiction.net/s/3546854/1/Reunions-are-a-Deleted)

Autor: Ash's Boomstick / Bob Regent

Länge: 350k Wörter, ca. 2000 Seiten

Sprache: Englisch, Mittel mit militärischen Fachbegriffen

Status: Laufend, pausiert

Montag, 2. Dezember 2013

eXistenZ

Großaufnahme eines männlichen Gesichtes von einer Seite beleuchtet, mit vaguen fließenden Formen überlegt
Wenn das Spiel nicht von der Realität zu unterscheiden ist…

Allegra Geller ist eine geniale und in Spielerkreisen legendäre Softwareentwicklerin und hat die letzten paar Jahre mit der Entwicklung von dem eXistenZ verbracht, einem heiß erwarteten Computerspiel. Über seinen Bioport, eine Schnittstelle Hirn-Computer-Schnittstelle, schließt man sich an die Spielekonsole an und wird in eine Welt geleitet, die in einem Grad der Realität gleicht, der bisher unerreicht blieb.

Ted Pikul ist bloß ein kleiner Angestellter der Firma, die eXistenZ vertreiben wird, und daher als Kontrolleur eingesetzt. Er überprüft, ob die verschiedenen geladenen Pressevertreter für die erste öffentliche Vorführung sauber sind und keine Aufnahmegeräte oder Waffen dabei haben.

Bloß als Allegra die geladenen Vertreter in eine Sitzung eXistenZ führt, zückt einer der Zuschauer eine Waffe und schießt auf gezielt Allegra und anschließend auf umstehende Personen. Ted rettet die Spieleentwicklerin und flieht mit ihr, nachdem er dem Angreifer die biologische Waffe abgerungen hat.

Auf der Flucht erzählt Ted Allegra von sich und die beiden kommen sich näher, aber Allegra macht sich Sorgen um ihre Konsole, auf der die einzige Masterkopie von eXistenZ liegt. Die plötzliche Unterbrechung der Spielsitzung ist dem biologischen System nicht bekommen und kann nur virtuell von innen behoben werden. Äußerst widerwillig lässt sich Ted einen Bioport illegal installieren und sie beginnen zusammen eXistenZ zu spielen.

Beide sind auf einem Markt und Ted bewundert die Textur und den Grad an Realismus des Spiels. Sie kaufen sich dort kleinere Variationen der ihnen bekannten Konsolen, nachdem sie mit ein paar NPCs (Nicht-Spieler-Charakteren) interagiert haben. Sie Stellen fest, dass sie mitunter zu Handlungen gezwungen werden, die für die weitere Entwicklung des Spielverlaufs notwendig sind. In einer stillen Ecke beginnen Allegra und Ted dann das Spiel im Spiel.

Ted wacht in einer südasiatischen Fabrik auf, in der er aus genetisch modifizierten Tieren Bauteile für biologische Konsolen schneidet, während Allegra an einer anderen Arbeitsstation diese Teile reinigt und für einen Zusammenbau zu Spielkonsolen vorbereitet, die wie die eXistenZ-Konsole aussehen…



Verwirrt? Beim Schauen von eXistenZ hilft es auf jeden Fall, bei einem Spielebenenwechsel sich zu sagen, in welcher Ebene sie gerade alle sind, beginnend mit der nullten Ebene, eXistenZ, als Realität.

Der Film spricht interessante Aspekte an, besonders die Realitätsunterscheidung, wenn sich die Virtualität nicht mehr ohne weiteres von der Realität unterscheiden lässt. Eine bestimmende und beängstigende Szene ist als Ted und Allegra eine Ebene zurück gehen und Ted sich nicht sicher ist, ob sie noch im Spiel sind.

Zartbeseitete Gemüter mögen dem Film nicht zu nahe kommen, denn aufgrund von den verwendeten Mitteln – Biotechnolgie, biologische Waffen, etc. – kommt es zu blutigen Szenen, zumal bei den Gewaltszenen auch nicht gerade die Kamera weggedreht wird.

Philosophisch betrachtet fühlte ich mich an das Höhlengleichnis von Platon erinnert: Man sieht nur die Schatten von Figuren an die Wand einer Höhle projiziert, die Originale, welche die Schatten werfen, sieht man aber nicht. Bloß wenn die Schatten genauso aussehen wie die Originale, wie kann man sie dann unterscheiden?

Interessante Gegenspieler im Kino gab es für die Veröffentlichung von eXistenZ: Dark City, Matrix und The Thirteenth Floor – Bist du was du denkst?, welche alle in einem verhältnismäßig nahen Zeitfenster erschienen und ähnliche Thematiken behandelten. Den interessierten Leser würde vielleicht noch Simulacron-3 von Phillip K. Dick gefallen, der die Vorlage für 13th Floor bildete.



Ein brauchbar guter, aber manchmal verwirrender Film.

Titel: eXistenZ

Regie: David Cronenberg

Länge: 97 Minuten

Montag, 17. Juni 2013

Quentyn Quinn, Space Ranger


Titelseite in Aufmachung und Stil der frühen Puplmagazine


Weltraumwaschbärenoper



Quentyn macht sich kampfbereit, um einen intragalaktischen Zwischenfall zu verhindern
 Quentyn ist Angehöriger der Imperiums der Sieben Sternensysteme – und ein Rac Cona Daimh, das heißt gehört zu einer Art anthropomorpher Waschbären. Als Space Ranger liegen seine Aufgaben unter anderem bei der Patrouille und Erkundung jenseits der Raumgrenzen und damit auch beim Erstkontakt mit anderen Spezies und Völkern.

Er ist dabei alles andere als ein Diplomat, sondern eher bodenständig und pragmatisch in seiner Herangehensweise, was ihm beim Absturz/Abschuss seines Raumschiffes auf einem von Piraten kontrollierten Planeten zu gute kommt. Als Partner zur Seite steht ihm Omnibus, eine künstliche Intelligenz.



Da Quentyn mit kaum 100 Seiten recht kurz ist, wäre zu viel aus der Story vorwegzunehmen einfach fies, deswegen lasse ich das Mal.

RIAA - kommerzieller, interplanetarer Ideenraubbau
Als Ableger von Tales of the Questor, dem anderen Webcomic von Ralph Hayes Jr., ist der Quentyn mehr eine Betrachtung der Konsequenzen aus und Zukunft von Tales. Viele der darin angesprochenen Fakten der Welt wurden weiter ausgebaut und Hayes hat einige Gedanken darauf verwendet, wie zum Beispiel die funktionelle Magie, Lux genannt, in einem Science-Fiction-Setting nach Jahrhunderten technischer Entwicklungen in den Alltag integriert wurde.

Dabei ist der Autor sich aber leider nicht zu schade, seine eigenen (nicht nur) politischen Meinungen und Worte in den Mund von Quentyn zu legen. Während seine Betrachtungen zu Urheber- und Kopierrecht noch interessant sind, erschlägt er mit seinen allzu offensichtlichen Strohmann-Argumentationen den Leser doch unweigerlich.



Kurz gefasst: Interessant für die Weltenbauerei, aber Autorengefährt für die politisch Gleichgesinnten.

Titel: Quentyn Quinn, Space Ranger (Url: http://www.rhjunior.com/QQSR/)

Autor: Ralph Hayes (RH) Junior

Sprache: Englisch

Länge: 101 Seiten, durchgehend farbig

Status: laufend, unregelmäßig (hochgerechnet etwa monatlich)

Die Piraten realisieren ihren Fehler

Mittwoch, 11. Januar 2012

Adventure Time


Man fragt sich bei Adventure Time with Finn and Jake gleich nach den ersten paar Minuten, ob die Macher dieser Trickfilmserie etwas nicht ganz legales zu sich genommen haben – alles ist seltsam. So beginnt beispielsweise die erste Folge mit aus Versehen zombifizierten Bonbonmenschen, welche sich auf die anderen Bonbonmenschen stürzen und deren Zucker wollen – also ihr "Fleisch". In ähnlich absurder Weise geht es weiter, wobei bei weitem nicht oft solche potentiell gruseligen Themen angeschnitten werden.

Doch fangen wir von vorne an. Finn ist ein zwölfjähriger Junge ist und Jake ist Mitte zwanzig, hat eine eher entspannte Haltung und ist ein magischer Hund, das heißt er kann sich in großem Maße dehnen, strecken und schrumpfen. Beide wohnen zusammen in einem Baumhaus und retten Prinzessinnen, raufen sich mit Raufbolden im Raufbolddorf, liefern sich Kämpfe mit dem Eiskönig und anderen Bösewichten und haben allgemein Spaß und Abenteuer. Von den beiden ist Finn das Energiebündel, während Jake meist relativ entspannt die Sachen angeht.

Natürlich gibt es Probleme und Konflikte, aber diese lassen sich meist mit einem Schwert bekämpfen oder mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft lösen. denn genau das wollen Finn und Jake – Abenteurer sein und jedem helfen, der Hilfe benötigt.

Und die Welt ist reich an Gelegenheiten zu beidem. Sehr viele ungewöhnliche Dinge auch jenseits von Süßigkeiten können reden und leben ihre Leben und allgemein folgt alles einer Logik, wie man sie in den Spielen und Träumen von Kindern erwartet. So gibt es beispielsweise statt Werwölfen Warumwölfe, Bonbonpersonen können durch ankleben von anderen Süßigkeiten wachsen, die Vampirin spielt Bass und seit Finn einen Computerchip verschluckt, kann er mit Computereffekten singen.

Dabei ist die Serie so erfüllt mit Klischees und Stilmitteln, dass man keinen Schritt gehen könnte ohne über eins zu stolpern. Durch ihre hervorragende Umsetzung macht es aber wirklich Spaß zuzuschauen! Allein schon die Dialoge, welche nicht dem Schnitt des Senders zum Opfer gefallen sind, machen die Serie in meinen Augen sehenswert.

Interessanterweise schwankt die Animation recht stark von Folge zu Folge, was ein nicht übertrieben rigides Markenbewusstsein vermuten lässt. Zum Beispiel sind üblicherweise Trickfilmserien sehr auf die Beständigkeit der Charakterdesigns bedacht, während bei Adventure Time Jake von Folge zu Folge schon mal eher rund oder eher lang sein kann. Anscheinend lässt man den Animationsteams und Regisseuren einen gewissen kreativen Freiraum, was ich persönlich toll finde.

Im Gegensatz zu vielen Trickfilmserien gilt bei Adventure Time der Status Quo nicht als unantastbar, sondern vielmehr wird ein recht hoher Wert auf Kontinuität gelegt. Glücklicherweise hält sich das aber im Hintergrund, wodurch ein Vorwissen nicht nötig ist und man jederzeit in die Serie einsteigen kann.

Als eher aktuelle Serie interagieren die Macher von Adventure Time sogar mit den Fans und bei ausreichendem Potential und Anklang werden Ideen und Vorschläge berücksichtigt, sowie mit dem Fakt von Fans an sich gespielt. Ein Beispiel dafür wäre die Idee mit dem Minikatzenattentäter, welche zu einer ganzen Folge ausgebaut wurde.

Noch etwas zum Hintergrund: Nach der Kurzfolge, die sehr gut im Internet ankam, hat Nickelodeon zweimal eine Serie abgelehnt, worauf hin sich Pendleton Ward an Cartoon Network wandte und sofort eine Zusage bekam. Aufgrund des mehrseitigen Humors, der sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht, hat die Serie eine breite Fanbasis für sich gewinnen können.

Zur Zeit wird die dritte Staffel ausgestrahlt, und für eine Umsetzung auf deutsch kann ich nur hoffen und bangen, denn obgleich der Humor nicht unübersetzbar ist, ist eine gute Umsetzung definitiv fordernd.



Titel: Adventure Time (with Finn and Jake)

Kreativer Kopf: Pendleton Ward, Adam Muto

Studio: Frederator

Länge: 13 Doppelfolgen je Staffel, 11 Minuten je Folge

Nachtrag: Ich bin mittlerweile im Besitz der deutschen DVDs der ersten Staffel, die übrigens vor den US-Varianten herauskamen, dafür aber weniger ikonische Cover und unterbestückt im Bereich Extras sind. Die deutsche Synchronisation ist gelungen und die Stimmen größtenteils gut besetzt, bloß von Prinzessin Bubblegum bin ich etwas enttäuscht. Für die interessierten, Adventure Time läuft zur Zeit täglich auf Cartoon Network und Sonnabends im Vormittagsprogramm von Kabel 1.

Dienstag, 27. September 2011

Four Lions

“Three Lions on a shirt, Jules Rimet still gleaming, ..."

Moment, nicht ganz. An sich noch nicht Mal ansatzweise. Der einzige Zusammenhang ist England, ein Fussball für ein paar Sekunden und das war es auch schon. Denn Four Lions ist rabenschwarz im wahrsten Sinne des Wortes, es kommen Raben vor und der Humor ist tiefschwarz. Was erwartet man aber auch von einem Film über idiotische Selbstmordattentäter?

Inhalt

Omar, Barry, Waj und Feisal sind mehr oder wenige junge Muslime, die ihr Leben für ihre Religion opfern wollen. Allerdings sind sie nicht gerade die frischsten Äpfel in der Theke.

Alle vier wollen die Ungläubigen bei Selbstmordattentaten in die Luft sprengen und ein Zeichen setzen, bloß bei der Auswahl des Zeichens fängt der Streit schon an. Barry, weißer Konvertit, den man am Besten mit einem fleischgewordenen Internettroll vergleichen kann, will eine Moschee als Ziel nehmen und die Schuld den Feindes des Islam in die Schuhe schieben. Wieso er dann aber ein Bekennervideo aufnimmt, weiß wohl nur er.

Faisal hat die Grundlagen für den Sprengstoff besorgt, also alles im gleichen Laden über einen mehrjährigen Zeitraum zusammen gekauft. Und dabei verschiedene Stimmen benutzt, damit er als unterschiedliche Personen wirkt, darunter eine vollbärtige Frau. Sein religiösen Ratschläge erhält er von seinem Vater.

Waj ist ein Kindsmann, das auch in Pakistan nach Osten betet, wie er es in England getan hat. Im wesentlichen hat er als einziger einen halbwegs brauchbaren moralischen Kompass und einfach falsche Freunde.

Omar, nun ja, ist an sich der Kopf der Bande und die ideologische Stütze. Er ist der am festesten in der Realität verwurzelte mit Frau und Sohn, festem Job und brauchbarem Bildungsniveau, aber er ist kein Genie.

Dennoch ist er es im Prinzip, auf dessem Mist die ganze Idee mit den Selbstmordattentaten gewachsen ist, er hat die Kontakte (sprich: einen Onkel) nach Pakistan für eine Ausbildung, und er ist es auch, der Waj Richtung und Ziel vorgibt, denn letzterer ist nicht gerade zum Denken geboren.

Der Film besteht im Prinzip daraus, den vieren zuzuschauen, wie sie sich auf ein Selbstmordattentat vorbereiten, von dem sie keine Ahnung haben, wo oder wann es stattfinden soll. Sie stellen Nitroglycerin her, sprengen eine Mikrowelle in die Luft, Faisal sprengt sich und ein Schaf in die Luft und im wesentlichen sterben alle.

Meinung

Dies ist der erste Film seit langem, wo ich mich schlecht dafür gefühlt habe, mich nicht für den Tod anderer, unschuldiger Menschen schuldig und mitleidig zu fühlen und stattdessen lauthals zu lachen und bald vom Kinosessel zu fallen. Häusliche Szenen einer intakten Familie wechseln sich ab mit einer Gutenachtgeschichte, bei der Simba (aus Der König Der Löwen) als Märtyrer dargestellt wird, der aus Versehen Mufasa mit einem Stein erschlagen hat.

In seinem Humor kennt Chris Morris kein Pardon, selbst beim Aufsammeln der Reste von Faisal nicht. Szenen, wo man an sich denken sollte, 'das kann man doch nicht machen', macht Morris genau das und setzt noch einen oben drauf. Der Film ist auf keinen Fall etwas für die humoristisch zart besaiteten. Überraschend war in meinen Augen aber auch die charakterliche Entwicklung von Omar, aber mehr will ich nicht verraten.

Schade war die in der Mitte auftretende Trägheit, aber sie wird wett gemacht durch das Finale.

Fazit

Für diejenigen, die unter Schadenfreude mehr verstehen als "Happines in the misfortune of others", lohnt sich der Film definitiv.

Titel: Four Lions

Regisseur: Chris Morris

Länge: 100 Minuten

FSK: 16