Freitag, 10. Januar 2020

Kaguya-sama: Love is War

Shirogane und Shinomiya stehen sich halb zugewandt, der Kamera halb abgewandt gegenüber, Shirogane hat hält eine Pistole hinter seinem Rücken während Shinomiya eine Bündel Kampfmesser versteckt. Die beiden lächeln sich an.
Wer sich zuerst verliebt, verliert!

Was machen zwei hochbegabte und überstolze Oberschüler, die sich ineinander verguckt haben und die von ihrer Erziehung und Umgebung unter höchsten Ansprüchen stehen? Sie versuchen den jeweils anderen zu einem Liebesgeständnis zu verleiten, denn…

Liebe ist Krieg!

Das ist im wesentlichen der Aufhänger von Kaguya-sama: Love is War. Die namensgebende Kaguya Shinomiya ist Vizepräsidentin des Schülerrates der hochrenommierten Shuchi'in-Schule und Tochter aus hohem Hause. Bei den regelmäßigen Prüfungen schneidet sie immer ganz oben ab. Ihr Gegenstück ist Miyuki Shirogane, Präsident des Schülerrates, der bisher immer den ersten Rang bei den Prüfungen belegt hat, aber aus bescheideneren Verhältnissen stammt.

Für Shinomiya liegt das Problem nicht nur in ihrem Eingeständnis, dass sie Gefühle für ihren Präsidenten hegt, sondern auch darin, dass sie die Erwartungen ihrer Mitschüler an sie als Vize-Präsidentin und Erbin des Riesenkonzerns Shinomiya, erfüllen will und muss. Daher steht es ihr nicht frei, Shirogane ihre Gefühle zu gestehen, geschweige denn nach einem Date zu fragen. In einer ähnlichen Position, aber mit leicht anderen Zwängen, befindet sich Shirogane. Er hat zwar nicht die gesellschaftlichen Erwartungen zu erfüllen, da er aus ,normalem‘ Hause kommt, aber auf ihm lastet die Vorbildfunktion als Schülerratspräsidenten und der Leistungsdruck, in allem schulischen Bester zu sein (auch und insbesondere wenn er kein Talent für das Fach hat). Er kann und will Shinomiya nicht seine Gefühle gestehen, da dies für ihn einer Niederlage gleichkommen würde.

Und aus diesen Widersprüchen ergibt sich die Komik in Kaguga-sama. Die beiden sind Hals über Kopf ineinander verschossen, aber wie es in romantischen Komödien üblich ist, bringen sie die wichtigen Worte und Taten nicht über sich, weil dies eine Niederlage dem anderen gegenüber wäre. Beide sind durch ihre Umgebung so auf ein gegeneinander gebürstet, dass für sie Liebe ein Nullsummenspiel ist.

Damit das ganze kein Kammerstück ist, gibt es natürlich noch weitere Charaktere: die lebenslustige Chika Fujiwara mit Politikerblut und den nerdigen und latent depressiven Yu Ishigami mit fragwürdiger Vergangenheit. Es ist wahrscheinlich, dass in der vor kurzem angekündigten zweiten Staffel Miko Iino auch noch auftreten wird, aber da ich den Manga nicht gelesen habe, kann ich nichts zu ihr sagen.

Die zwölf Folgen spalten sich immer in drei relativ unabhängige Geschichten auf, an deren Ende durch den Erzähler immer entschieden wird, wer die aktuelle ,Schlacht‘ gewonnen hat. Die Geschichten erfüllen oftmals die typischen Erwartungen, die man an einer romantischen Komödie an einer Oberschule stellen kann: ein Schüler fragt um Rat in Sachen Liebe (weder Shirogane noch Shinomiya sind allzu bewandert in dem Thema und versuchen sich durchzumogeln ohne aufzufallen), bei Regen muss sich ein Schirm geteilt werden, das von zuhause mitgebrachte Mittagessen, Besuch von der ausländischen Partnerschule, etc.

Mir gefiel (und gefällt) die Prämisse nach wie vor, wie abhängig man sich von den Erwartungen Anderer macht, und wie sehr diese Erwartungen dem Erlangen von ein bisschen Glücklichkeit im Wege stehen können. Üblicherweise bin ich es von Romcoms gewohnt, dass die beiden Hauptcharaktere es nicht über die Lippen kriegen, weil es ihnen peinlich ist und sie Angst haben, von ihren Mitschülern etc. ausgelacht oder aufgezogen zu werden. Es ist nicht so, dass die Beiden bei Kaguya-sama nicht das gleiche Problem haben, sie haben das, aber es macht Spaß zuzuschauen, wie die Beiden im Prinzip versuchen sich gegenseitig zu verführen, ohne dass es offensichtlich ist, dass sie es versuchen.
Um als Beispiel die Folge mit dem Regenschirm heranzuziehen: Shirogane fährt üblicherweise mit dem Rad zur Schule, aber er wusste, dass es regnen würde, also nahm er die Bahn und einen Klappregenschirm. Als Shinomiya sagt, dass ihr Chauffeur sie den Tag nicht abholen kann, sieht Shirogane seine Chance: er weiß, dass Shinomiya keinen Schirm dabei hat. Doch er muss sie dazu bringen, ihn dazu zu bitten, mit ihm den Schirm zu teilen.
Allerdings hat Shinomiya natürlich einen Schirm mit, weil sie wusste, dass es regnen würde. Und sie vermutet, dass Shirogane das nicht weiß; genauso vermutet sie, dass Shirogane einen Schirm dabei hat, denn er kam ohne Rad (die Fahrradständer sind leer).
Und so folgt man den Argumenten und Gegenargumenten, welche die beiden sich wie in einem Detektivduell an den Kopf werfen, bis Fujiwara ihnen ihren Schirm in die Hand drückt und Shirogane und Shinomiya zusammen in den Regen hinaus schickt.



Also zumindest ich werde mit Vorfreude auf die zweite Staffel warten.

Titel: Kaguya-sama: Love Is War

Regie: Mamoru Hatakeyama
Autor der Vorlage: Aka Akasaka

Länge: 12 Folgen à 24 Minuten (auf Wakanim)

Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln

Donnerstag, 2. Januar 2020

Girls’ Last Tour

Chi und Yuu auf ihrem Krad. Chi schaut in die Kamera, während Yuu vor sich hin träumt.
Mit der besten Freundin dem Ende entgegen

Girls’ Last Tour ist mir letztens in die Empfehlungen reingerutscht und ich muss sagen: das war gut so. Der Anime hat mir sehr gefallen.

Eine Stadt mit Wohnblöcken erstreckt sich bis zum Horizont; am rechten Rand ragen massive Säulen auf, die eine Ebene über der Stadt tragen, auf der wiederum Wohnblöcke und Gebäude sind. Die setzt sich zwei weitere Ebenen, bis zum oberen Ende des Bildes.
Die entvölkerte, mehrebenige Stadt
Der Hintergrund ist fix erzählt. Chi und Yuu sind zwei Mädels, die durch eine menschenverlassene, postapokalyptische Stadt fahren, immer auf der Suche nach Proviant, Wasser und Treibstoff für ihr Kettenkrad. Dabei erleben sie nicht wirklich Abenteuer, sondern genießen die kleinen Glücksmomente, die sich ihnen auf ihrer Suche anbieten.

Weder für die Beiden noch für den Zuschauer ist es wichtig, was genau diese Stadt entvölkert hat, denn dies ist nicht der Sinn des Anime. Es gibt zwar Hinweise, wie zum Beispiel das Datum und die Bilder im Fotoapparat, aber diese sind nicht der Fokus und auch nicht das Ziel von den Beiden. Statt sich mit einem klassischen Handlungsbogen zu beschäftigen, schaut man Chi und Yuu zu, wie sie ihr Krad durch ein zerfallene, kilometerlange Gebäude steuern und sich ganz nebenbei über dieses und jenes und ihre Umgebung unterhalten. Der Zuschauer (bzw. Leser) folgt den beiden, wie sie sich Stück für Stück ihrem Ziel, die Spitze der Stadt zu erreichen, nähern. Dabei stolpern oder irren sie nicht voller Verzweiflung durch die Stadt, wie man es vielleicht von den (vermutlich) letzten Überlebenden eines Dorfes erwarten würde, sondern suchen scheinbar bloß nebenbei nach Lebensmitteln. Sie scheinen zu wissen, dass sie am Ende ihres Weges nicht wirklich Rettung erwartet und haben sich bereits oder versuchen sich damit abzufinden. Solange Chi und Yuu einander haben, können sie ihr Los ertragen.

Ich glaube, um dieses Werk richtig zu verstehen, sollte ich wohl kurz mal „Mono no Aware“ anschneiden. Dieses japanische Konzept lässt sich als „Der Pathos der Dinge,“ oder auch „Das Herzzerreißende der Dinge“ übersetzen und meint im wesentlichen, dass man sich ob der Vergänglichkeit und Endlichkeit von etwas abfinden muss. Man kann traurig sein, aber es zugleich akzeptieren. Wie sehr man das Licht einer Kerze auch liebt, irgendwann wird sie heruntergebrannt sein. Man mag traurig über dieses Ende sein und mit der Kerze Mitgefühl haben, aber man akzeptiert die Unabwendbarkeit.

Chi und Yuu stehen vor einem Panzer, aus dessen Lauf springbrunnenartig ein klarer Wasserstrahl sprüht; der Zufluss ist ein offenes Rohr oberhalb der Einstiegslucke, aus der Wasser direkt in den Panzer fließt.
Verlassenes Kriegsgerät + Wasser = Springbrunnen
Und genau in diesem Gefühl ist Girls’ Last Tour zuhause. Yuu und Chi wandern durch eine Welt, bei der jeder ihrer Schritte auf Menschenwerk fällt; sie sind umgeben von Lagerhallen und Kriegsgerät, deren Funktionen und Funktionsweisen sich ihnen nicht erschließen, und ihr Interesse daran ist auch beschränkt. Die Serie ist sehr Slice-of-Life, aber halt in einer Welt in welcher die Welt bereits größtenteils untergegangen ist und nur noch ihre Nachwehen durchlebt, bevor sie endgültig den Geist aufgibt.

Dabei sind die beiden Hauptcharaktere gute Gegenspieler. Die schwarzhaarige Chi ist pflichtbewusst und belesen und steuert das Krad, während die blonde und sorglose Yuu auf dessen Ladefläche liegt und sich auf die nächste Mahlzeit freut. Die beiden kümmern sich umeinander, nicht nur weil sie es müssen, sondern auch weil sie es wollen. Sie haben zwar ein diffuses Ziel, die oberste Ebene der Stadt zu erreichen, aber sie haben dieses eher, weil es ein brauchbares denn nützliches Ziel ist. Sie überleben um des Überlebens Willen auf dieser ihrer letzten Tour durch eine längst entvölkerte Welt.

Der Anime basiert übrigens auf der gleichnamigen 6-bändigen Mangareihe von Tsukumizu und setzt gut 2/3 der Vorlage um.

Ich habe das Gefühl, ich kann irgendwie nicht so richtig ausdrücken, was genau mich an der Serie so fasziniert. Ist es die Melancholie? Das postapokalyptische Setting? Das niedliche Charakterdesign? Der schöne Soundtrack? Ich kann es nicht festmachen, ich weiß bloß, dass mir die Serie sehr gut gefällt.
Es schadet auf jeden Fall nicht, dass sie mich in dieser melancholischen Grundstimmung an Hitoshi Ashinanos Yokohama Kaidashi Kikō / Yokohama Shopping Trip erinnert, das zwar auch irgendwie in einer dem Weltuntergang nahen Welt spielt, aber doch auch ganz anders ist.



Eine sehr schöne, melancholische Serie.

Titel: Girls’ Last Tour

Regie: Takaharu Ozaki

Länge: 12 Folgen à 24 Minuten (auf Netflix)

Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln, Deutsch

PS: Das mit den militärischen Uniformen hat eine bestenfalls nebensächliche Bedeutung.

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Ascendance of a Bookworm, Part 1 Volume 1

Myne sitzt auf einem Stapel Tontafeln, umgeben von Pergament und Mokkan, Brot und Brötchen, Gemüse und Früchten, einer Schiefertafel und ummantelten Messer, Korb und Besen und ein paar Gerichten
Bibliophilie ohne Bücher ist hart.

Urano ist eine Büchernärrin: Ist es gebunden, liest sie es. Ihr größter Traum ist es, ihr Leben von Büchern umgeben zu leben und zu lesen. Ihr akzeptabelster Tod wäre von einer Bücherlawine begraben zu werden. Zu dumm, dass beides wahr wird: Sie wird von einer Bibliothek angestellt wird und während eines Erdbebens von Büchern begraben.

Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich im Körper eines kränklichen, 5-jährigen Mädchens. Schnell stellt sie andere Ungereimtheiten fest: Ihr Name ist Myne, sie hat eine Schwester, beide Eltern leben, und die Welt ist pseudomittelalterlich.

So verwirrend und unerwartet all das ist, könnte sie mit alledem leben, wenn da nicht ein Problem wäre: Es gibt keine Bücher. Im ganzen Haus nicht. Die einzigen Schriftstücke sind die Preisschilder auf dem Wochenmarkt. Als Myne ein Buch sieht, befindet sich dies in einer Glasvitrine bei einem Pfandleiher und ist unerreichbar für eine arme 5-Jährige.

Was macht eine Buchliebhaberin ohne Bücher – Bücher natürlich! Und so beginnt Mynes Quest zur Erfüllung ihres Traumes mit Papierherstellung. Wenn sie nur nicht so kränklich wäre…

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Wie ihr lesen könnt, ist Ascendance of a Bookworm eine Isekai-Light Novel. Miya Kazuki veröffentlichte die Geschichte zuerst als Webroman und später dann als Light Novel mit 20 Bänden. Beide sind mittlerweile abgeschlossen und vor kurzem (Herbst 2019) begann die Ausstrahlung eines Anime, den man unter anderem bei Crunchyroll sehen kann. Über diesen bin ich auch auf die Light Novel gekommen.

Myne lehnt über eine mit lokalen Schriftzeichen beschriebenen Schiefertafel mit Stift in der Hand, ein strahlendes Grinsen auf dem Gesicht
Myne kann endlich die lokale Schrift lernen
Was mir sehr gut gefällt ist die grundständige Herangehensweise. Bei Isekai ist der eingeführte Charakter oftmals vollkommen übermächtig oder wird es in unverhältnismäßiger Zeit, sei es durch ungewöhnliche Begabung oder Geld oder andere Überbevorteilungen. Im ersten Band zumindest ist dies noch nicht der Fall: Myne ist und bleibt sehr kränklich, und die Ursache ihrer Krankheit wird erst zu Ende des Bandes von Charakteren angeschnitten, und ich hoffe der Grund wird nicht einfach behoben oder ihr eine einfache Lösung angeboten, nach welcher sie alle mit ihrem Können und Wissen einer modernen Welt wegfetzen kann. Wir werden sehen.

Ein weiterer mir angenehmer Teil ist die Einflechtung von Magie. Lasst mich dafür etwas ausholen: Myne ist die jüngere Tochter einer Färberin und eines Soldaten. Vom Eindruck her lebt die Familie an der Grenze zur Unterschicht (meine Interpretation ist, weil Mynes Krankheit immer wieder Vater, Mutter oder Schwester dazu nötigte, auf die Jüngste aufzupassen während sie sich auskurierte), und die ältere Schwester geht täglich in den nahegelegenen Wald um Kräuter, Pilze und Früchte zu sammeln und gelegentlich Wild zu jagen. Diese bereichern nicht nur den Essenstisch, sondern scheinen wirklich den Unterschied zwischen „Leben und Überleben“ für die Familie zu bereiten.

Die Magie tritt dabei folgendermaßen in Erscheinung: Paruubäume und deren Früchte gedeihen im Winter über Nacht und müssen vor der Mittagssonne vorm Ernten mit der Hand aufgewärmt werden, weil Feuer in der Nähe nicht funktioniert. Shumil, ein blaufiedriges und befelltes Feentier muss vorsichtig vorbereitet werden, da eine Beschädigung ihres Manakristalls die Tiere sich in schwarzen Schleim auflösen ließ.

Für mich zumindest deutet das darauf hin, dass sich die Autorin um mehr als die direkten Folgen von magischen Tieren Gedanken gemacht hat.

Ankreiden würde ich Frau Kazuki allerdings, dass sie sehr viel Zeit auf die Essenszubereitung und -beschreibung verwendet, aber das mag einfach Geschmackssache sein (hah!).

Gut wiederum ist, dass zumindest ein Ansatz an Gedanken an die Person verschwendet wurde, in deren Körper Urano hineingeboren wurde; die ursprüngliche Myne existiert(e) bevor die ursprüngliche Urano mit ihr verschmolz. Die neue Myne hat die Liebe ihrer Vorgängerin für ihre Familie geerbt, aber zugleich das Wissen und den Charakter von Urano übernommen. Ich hoffe/vermute, dies wird entweder während der ersten drei oder folgenden vier Bände angesprochen, die jeweils einen zusammenhängenden Handlungsbogen darstellen.

Außerdem liest sich das Buch sehr schnell weg. Ich habe den Band über 2 Tage gelesen, weil ich es irgendwie nicht aus der Hand legen konnte. Ich meine, ich hätte es natürlich aus der Hand legen können, aber während manch anderer Roman einen mit Cliffhanger nach Cliffhanger einfach an die Seiten fesselt, hat mir Ascendance einfach Spaß gemacht zu lesen.
Was irgendwie sehr angemessen war, wenn man das Herausstellungsmerkmal der Hauptperson Myne bedenkt.



Alles in allem hat mir Ascendance of a Bookworm Part 1 Volume 1 sehr gut gefallen.

Titel: Ascendance of a Bookworm: Part 1 Volume 1

Autor: Miya Kazuki

Sprache: Englisch (leicht)

Länge: 325 Seiten (84k Wörter)

Die verschiedenen Charaktere aus dem 1. Band
Die Familie: Im Vordergrund ist Myne, hinter ihr Günther, Effa/Eva und Tuuli; hinten rechts Otto und Benno, weiter vorne Fey, Ralph und Lutz.



Nicht wichtig für euch, sondern nur so als Randnotiz für mich, die Übersetzungsunterschiede zwischen der englischen Light Novel-Version und der deutschen Untertitelung des Anime sowie Eigenworte aus der Welt.

Englisch – Deutsch
  • Personen: Effa – Eva, Gunther – Günther
  • ??? – Raffel: Ein von Mynes Lieblingsspeisen
  • Meryl – Merille: Avocadoartige Frucht, aus der Pflanzenöl gewonnen wird
  • Parue – Paroo: Magische Frucht, in deren innerem ein sehr leckeren, süßen Saft ist
  • Pome: Äußerlich paprikaähnliche Tomaten
  • Devouring – Zerfressung: Mynes mysteriöse Krankheit
  • Banhit – Bamicht: Eine Baumart, die Bambus ähnelt
  • Shumil – ???: Magische Kaninchen
  • Rutreb – ???: Eine Sommerfrucht
  • Ranshel – ???: Leckere, einfach zubereitbare Frucht

Dienstag, 17. Dezember 2019

Karakai Jozu no Takagi-san / Takagi, die Triezmeisterin

Was sich neckt, das liebt sich.

Es gibt ja diese Redewendung, „was sich neckt, das liebt sich“, die meiner Meinung nach darauf beruht, dass Kinder (insbesondere Jungs) ihr Bedürfnis nach Zuneigung vom anderen Geschlecht durch das Aufsichziehen von Aufmerksamkeit der betreffenden Person ausleben, weil sie selbst noch nicht wissen, welche Alternative sie hätten. Sie erlangen die Aufmerksamkeit, indem sie sie ärgern, triezen, oder aufziehen, denn für das Kind ist jede Anerkennung ihrer Existenz – auch eine negative Anerkennung – besser als gar nicht als Person wahrgenommen zu werden.

In dem Sinne ist es verständlich, dass die junge Takagi ihren Banknachbarn Nishikata triezt, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Da Frauen, insbesondere in dem latent bis explizit misogynistischen Japan, nach wie vor in einer passiven Erwartungshaltung gegenüber dem Mann stehen, kommt es Takagi zugute, dass Nishikata wiederum nur zu gerne zurückärgern würde, aber dabei Takagi heillos unterlegen ist. Daher gibt er ihr immer wieder Gelegenheiten, ihn zu triezen und zu veralbern.

Die anderen Drei, v.l.n.r.: Mina mit wuscheligem Haar, Pferdeschwanz und dicken Augenbrauen, Sanae mit schulterlangem Haar und schläfrigem Blick, Yukari mit Brille, Haarspange und langen Haaren.
Die anderen Drei, v.l.n.r.: Mina, Sanae, Yukari
Der Anime ist nett und die Folgen sind in 4-6 Episödchen unterteilt, während derer entweder eine der Triezereien zwischen den Beiden abgehandelt wird, oder der Fokus auf dem Mädchentrio Sanae, Mina und Yukari liegt, die in die gleiche Klasse gehen und eigene kleine Handlungsstränge haben.

Der Fokus liegt offensichtlich darauf, wie Nishikata sich immer wieder einen Kopf macht, wie er denn Takagi dieses Mal drankriegen könnte, während sie wiederum so tut, als wüsste sie von nichts und ihn ins offene Messer laufen lässt. Gegenüber Nishikata sagt sie, sie mag einfach seine Gesichtsausdrücke, wenn er sich wiedermal aufregt, aber es ist mehr als klar, dass sie romantische Gefühle für Nishikata hegt (derer sie sich auch bewusst ist), während er langsam anfängt diese zu erwidern, auch wenn er nicht bereit ist, sich sie einzugestehen.

Die Serie fällt in die Slice-of-Life-Sparte, denn es gibt keine großen Widerstände oder Hindernisse, die es zu bewältigen gilt. Viel mehr liegt der Fokus auf die kleinen Alltagsgeschichten der Charaktere, wie zum Beispiel Nishikata vor Takagi nicht zugeben will, dass er Katzen mag und sie gerne streichelt, während Takagi gerade die Nachbarskatze streichelt, oder wie man lernt mit einer Person auf dem Gepäckträger Rad zu fahren.

Am meisten gegen den Strich ging mir das übertrieben niedliche Charakterdesign (siehe Bilder in diesem Beitrag), das sich doch wirklich sehr stark aufs Kindchenschema verlässt. Wenn man bedenkt, dass die Charaktere alle 12-14 sind (7.-8. Klasse), dann ist das doch etwas verstörend.

Übrigens ist dies eine Mangaumsetzung. Die Vorlage wurde von Sōichirō Yamamoto geschrieben und gezeichnet und hatte zwei Ableger, die sich mit der erwachsenen Takagi und ihrer Tochter sowie deren Klassenkameraden beschäftigen, bzw. die Erlebnisse des Mädchentrios erzählten. Davon habe ich aber nichts gelesen.


Takagi schiebt ein Rad mir Ranzen während Nishikata neben ihr geht
„Bist wohl stirnophob oder was.“
Nette Serie, wenn da nicht die Riesenstirnen wären…

Titel: Karakai Jozu no Takagi-san

Regie: Hiroaki Akagi

Länge: 2 Staffeln á 12 Folgen mit je 4-6 Episödchen

Sprache: Japanisch mit deutschen Untertiteln (auf Crunchyroll)

PS: Ich habe bloß die erste Staffel gesehen.
PPS: Die Serie erschien ein paar Tage nachdem ich sie geschaut hatte zusätzlich auf Netflix mit Synchronisation.

Montag, 9. Dezember 2019

Summerland

Grauer Vordergrund auf gelbem Hintergrund, an der Schnittkante in mittler Entfernung sind vier graue Silhuetten unterschiedlicher Statur und Bekleidung, eine davon weiblich (Rock statt Mantel). Von den 4 Figuren gehen weiß gezackte Strahlen aus, die die Form von Häusern imitieren.
Spionagethriller im Leben nach dem Tod.

Summerland ist ein seltsames Buch. Mir wurde es empfohlen als, und ich zitiere hier: „Es gibt ein Leben nach dem Tod und die Briten haben es kolonialisiert.“ Leider war ich durch The Salvation War bereits für ein derartiges Szenario vorgeprägt und hatte hohe Erwartungen, die nicht erfüllt wurden, was meinen Genuss des Buches etwas geschmälert hat.

Die eigentliche Prämisse ist, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein gewisses ,Leben nach dem Tod‘ entdeckt und erforscht wird. In diesem ist vieles vergänglicher und auf Gedankenformen und dergleichen basierend im Verhältnis zu unserer Welt. Um ein Gleichnis aufzumachen, die Realität wie wir sie kennen überlappt sich räumlich mit dem Jenseits so wie die Titelseite eines Buches sich mit allen anderen Seiten überlappt. Das Jenseits befindet sich größtenteils auf den paar hundert Seiten im Mittelteil dieses Buches und es kostet Energie sich der Titelseite anzunähern. Und im Umkehrschluss ist es energetisch einfach in das Nachwort zu fallen ist, aber der Aufstieg kostet wieder Energie.

Vor diesem Hintergrund findet die Handlung in einem abgewandelten Europa der ca. 1930er statt. Russland wird von einem auf Lenins Geist basierendem Etwas gesteuert und die Kommunisten streben nach wie vor die Befreiung der Welt von der Jochschaft des Kapitalismus und Imperialismus an, verkörpert hier durch das Vereinte Königreich. Beide Weltmächte (die USA werden bestenfalls in Nebensätzen erwähnt) liefern sich Kämpfe in dunklen Gassen, es gibt Agenten, Doppelagenten, Trippelagenten, Unterwanderung und Maulwürfe auf beiden Seiten.

Die Hauptfigur ist Rachel, ihres Zeichens Betreuerin eines russischen Überläufers, eine Position die sich mühsam und gegen Widerstand des Establishments erstreiten musste. Natürlich gehen Dinge schief und Rachel wird verstrickt in Ränkespiele der Mächtigen, muss einen Maulwurf enttarnen, und sich dabei noch –als fürsorgliche Gattin natürlich – um ihren von posttraumatischer Belastungsstörung geplagten Ehemann kümmern.
”The windmill you’re tilting at is very high and ancient and English: privilege.“
Was ich interessant fand, war die mittlerweile eingezogene Gleichgültigkeit über die Gewissheit, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Zumindest im britischen Jenseits gibt es Anstellungen und Rente, man kann sich seinen Zugang zum Jenseits kaufen und der Transit, der mit dem unwiderruflichen Tod des Körpers einhergeht, kann und darf problemlos vor dem natürlichen Tod eintreten. Genauso gibt es keinen Zwang zum Jenseits – prägt man sich kein Ticket ein, geht die Essenz der Seele auf der anderen Seite innerhalb von Stunden bis Tagen verloren.

Dieser letzte Aspekt erinnert mich, jetzt wo ich darüber nachdenke, an eine Szene aus David Brins Copy / Kiln People. Welche genau würde aber zu viel über die Handlung verraten, deswegen will ich gar nicht mehr dazu sagen. Ansonsten könnte man Summerland noch als Steampunk verorten, denn es gibt Telefone ins Jenseits und ähnliche, realitätsübergreifende Technologien, die mit vorcomputerlichen Methoden funktionieren. Oder vielleicht auch Ghostpunk, wenn es das denn gibt.

Sehr amüsant ist auch noch, dass einer der Nebenfiguren wirklich sehr stark an Winston Churchill angelehnt ist, und dass die Sprache des Settings durchaus Einzüge von Pulp- und Groschenromanen hat (Ectotank / Ektopanzer, Ectophone, etc.). Negativ, aber für seine Zeit akkurat ist natürlich die Behandlung von und Erwartungshaltung an Frauen und sozial Niedergestellte.


Im wesentlichen Meh.

Titel: Summerland (ISBN: 978-147-320328-0)

Autor: Hannu Rajaniemi

Sprache: Englisch (Mittel)

Länge: 336 Seiten (83k Wörter)