Battle Royal mit einer individuellen "Gabe"
Es gibt eine Schule im Bezirk Naraka, bei deren Abschluss man automatisch und garantiert einen hohen Posten in der Regierung, Wirtschaft oder einem anderen Feld erhält. Während des Besuchs der Schule lebt man in einem Internat auf dem Gelände, wird hochluxuriös versorgt und quasi alles wird gestellt.
Logischerweise wollen viele Schüler solch einen einfachen und verheißungsvollen Weg bestreiten, doch gibt es da ein Problem: Für den Besuch der Schule muss man die schwebende Insel über derselbigen sehen können, und beim Einschreiben 15 Jahre alt sein.
Rokudo Momiji ist einer der Glücklichen, er kann die Insel sehen und ist 15, so dass er einen Platz ergattern konnte. Auf dem Weg trifft er am ersten Tag Aira und die beiden freunden sich schnell an, zumal sie in der gleichen Klasse sind.
Während der ersten Unterrichtsstunde bekommen sie die Aufgabe, ein Kanji (japanisches Zeichen, das meist ein Wort oder Teil eines Wortes ist) zu schreiben, welches ihnen entspricht für die nahende Schlacht. Und ja, das ist die einzige Erklärung, die sowohl der Leser als auch die Charaktere bekommen.
Nach reiflicher Überlegung entscheidet sich Rokudo für "Wandel", weil er sich verändern und mehr seinem Ideal entsprechen will, und Aira für "Katana", da sie in einem Dojo aufgewachsen und Schwertkampf studiert hat.
Dann geht es Schlag auf Schlag – Monster tauchen auf. Jedes Mal, wenn die schwebende Insel sich zwischen Sonne und Schule schiebt und somit eine Art Sonnenfinsternis hervorruft, tauchen Monster auf, jeweils unter einem gemeinsamen Kanji, aber von Finsternis zu Finsternis anders, und die Schüler müssen gegen die Monster kämpfen.
Aira kann sich einigermaßen gut behaupten mit ihrem Schwert, im Gegensatz zu Rokudo, der sich in ein Plüschtier verwandelt. Erst als sie in Lebensgefahr schwebt und rechts und links seine Mitschüler in Scharen sterben, verwandelt er sich in die Person, die er sein möchte, in jemand cooles, auf den man sich verlassen kann und das passiert wirklich, bloß nicht ganz so wie Rokudo sich das vorgestellt hat.
Der gewandelte Rokudo, sieht anders aus, hat andere Fähigkeiten und macht mit den bedrohenden Monstern kurzen Prozess.
Soviel zum Anfang.
Natürlich geht es weiter. Natürlich sind die Finsternisse, Monster und Herausforderungen nur ein Teil der Handlung, und auch eher ein Hintergrund für selbige. Denn es stellen sich schnell verschiedene Fragen: Woher kommt dieser Wandel-Rokudo? Was hat es mit dem beängstigenden Organisationsgrad der Klasse 4 auf sich? Welche Bedeutungen, neben den offensichtlichen, haben die selbstgewählten Zeichen und wie kann man sie möglichst effektiv einsetzen? Wer kam auf die Idee für diesen ganzen Unfug? Wie ist die Rolle der Regierung dabei?
Es schält sich heraus, dass die Mitschüler genauso eine Gefahrenquelle sein können wie die vermeintlichen Monster. Manche Zeichen sind überaus mächtig, andere hingegen erfordern Kreativität oder haben quasi keine brauchbare Anwendung. Der Schuldirektor ist mehr und weniger als er zu sein scheint. Gruppen formen sich. Schüler sterben.
Ich würde gerne sagen, dass der Manga gut ist, aber er ist nur Mittelmaß. Viele der üblichen dramatischen Stilmittel werden herangezogen und zu einem eigenen Mix vermengt, doch leider sticht aus diesem nichts wirklich hervor.
Die Gewaltdarstellungen sind weniger stark, aber immer noch häufig genug, dass der thematische Vergleich zu Battle Royal sich aufdrängt. Es wird teilweise Zeit auf die Motivationen der verschiedenen Charaktere verwendet, aber dann nur für die Protagonisten und Antagonisten, so dass die wegfetzenden Mitschüler nur als Kanonenfutter wahrgenommen werden.
So kann man also Aphorism problemlos als Horror-Überlebens-Manga lesen, mit Shoneneinschlägen durch den Monsterhintergrund.
Titel: Aphorism
Autor: Kujou Karuna
Status: laufend, min. 9 Bände
Meine Meinungen zu Filmen, Bücher, Comics und allgemein jedweder Medienveröffentlichung, die mir vor die Augen oder unter die Griffel kommt.
Mittwoch, 25. Juli 2012
Sonntag, 15. Juli 2012
My Week with Marilyn
Ein kleiner Fisch hat eine Kurzbeziehung mit Marilyn Monroe.
Colin Clark stammt aus gutem Hause, sein Vater ist weltberühmter Kunsthistoriker, sein Onkel königlicher Bibliothekar im Windsor Palace, und dementsprechend wirkt sein Wunsch beim Film zu arbeiten.
Durch Beharrlichkeit schafft er er es dann doch eine Stelle zu ergattern, und zwar beim renommierten Schauspieler und Filmemacher Laurence Olivier. Er wird dritter Regieassistent, also ein glorifizierter Laufbursche.
Doch das stört Colin nicht, denn er kommt seinem Traum damit ein bedeutendes Stück näher. Es schadet natürlich nicht, dass bei dem Film auch Marilyn Monroe mitspielen wird.
Als Filmliebhaber ist sie Colin natürlich bekannt, aber sein Respekt vor ihrer Person und Können macht sie zugleich unnahbar. Und doch ist Marilyn von Selbstzweifeln geplagt über ihr Können, insbesondere da sie einen Heidenrespekt vor Mr. Olivier und Dame Sybil Thorndike und deren schauspielerischen Können hat.
Dies führt dazu, dass Marilyn ihre Schauspiellehrerin Paula als Puffer nutzt und wiederholt zu spät am Set erscheint. Ihre Selbstzweifel können leider auch nicht durch Dame Sybils wiederholte Beteuerungen ihres Talentes zerstreut werden.
Erst Colins Worte können Marilyn beruhigen und ihre schauspielerischen Fertigkeiten hervorlocken. Die vergessenen Textpassagen treten nicht mehr auf, sie erscheint pünktlich am Set, alles läuft flüssig.
Natürlich endet es.
Was ich bisher nicht erwähnt habe: Marilyn ist zu dem Zeitpunkt glücklich verheiratet und Colin hat eine Romanze mit Lucy, welche die Kostüme macht. So steht die Liebelei zwischen Marilyn und Colin von vornherein unter einem schlechten Stern.
Mir hat der Film gefallen. Man merkt sowohl Olivier als auch Dame Sybil (Dame ist übrigens das weibliche Pendant zum geadelten Sir) an, und nimmt es ihnen auch ab, dass sie beide hochkalibrige Schauspieler sind. Allerdings kommen beide vom Theater und haben eine klassische Ausbildung genossen, während Marilyn einfach ein unglaubliches natürliches Talent besitzt. So ist die Dame auch nicht herablassend in ihrer Bewunderung und Aufmunterung von Marilyn, sondern ehrlich.
Ein anderer Aspekt ist der interessante Einblick in die Filmmacherei im England der 1950er mit ihrer Klatschpresse, Autogrammjägern, Paparazzi und Gewerkschaften.
Man mag jetzt geteilter Meinung sein, ob diese Verfilmung von Colin Clarks Memoiren der Wahrheit entspricht, ob er wirklich eine Beziehung mit einer der Ikonen des 20. Jahrhunderts hatte, aber dessen ungeachtet ist es eine gute Geschichte, die sich so problemlos ereignet haben könnte.
Titel: My Week with Marilyn
Regie: Simon Curtis
Länge: 99 Minuten
Colin Clark stammt aus gutem Hause, sein Vater ist weltberühmter Kunsthistoriker, sein Onkel königlicher Bibliothekar im Windsor Palace, und dementsprechend wirkt sein Wunsch beim Film zu arbeiten.
Durch Beharrlichkeit schafft er er es dann doch eine Stelle zu ergattern, und zwar beim renommierten Schauspieler und Filmemacher Laurence Olivier. Er wird dritter Regieassistent, also ein glorifizierter Laufbursche.
Doch das stört Colin nicht, denn er kommt seinem Traum damit ein bedeutendes Stück näher. Es schadet natürlich nicht, dass bei dem Film auch Marilyn Monroe mitspielen wird.
Als Filmliebhaber ist sie Colin natürlich bekannt, aber sein Respekt vor ihrer Person und Können macht sie zugleich unnahbar. Und doch ist Marilyn von Selbstzweifeln geplagt über ihr Können, insbesondere da sie einen Heidenrespekt vor Mr. Olivier und Dame Sybil Thorndike und deren schauspielerischen Können hat.
Dies führt dazu, dass Marilyn ihre Schauspiellehrerin Paula als Puffer nutzt und wiederholt zu spät am Set erscheint. Ihre Selbstzweifel können leider auch nicht durch Dame Sybils wiederholte Beteuerungen ihres Talentes zerstreut werden.
Erst Colins Worte können Marilyn beruhigen und ihre schauspielerischen Fertigkeiten hervorlocken. Die vergessenen Textpassagen treten nicht mehr auf, sie erscheint pünktlich am Set, alles läuft flüssig.
Natürlich endet es.
Was ich bisher nicht erwähnt habe: Marilyn ist zu dem Zeitpunkt glücklich verheiratet und Colin hat eine Romanze mit Lucy, welche die Kostüme macht. So steht die Liebelei zwischen Marilyn und Colin von vornherein unter einem schlechten Stern.
Mir hat der Film gefallen. Man merkt sowohl Olivier als auch Dame Sybil (Dame ist übrigens das weibliche Pendant zum geadelten Sir) an, und nimmt es ihnen auch ab, dass sie beide hochkalibrige Schauspieler sind. Allerdings kommen beide vom Theater und haben eine klassische Ausbildung genossen, während Marilyn einfach ein unglaubliches natürliches Talent besitzt. So ist die Dame auch nicht herablassend in ihrer Bewunderung und Aufmunterung von Marilyn, sondern ehrlich.
Ein anderer Aspekt ist der interessante Einblick in die Filmmacherei im England der 1950er mit ihrer Klatschpresse, Autogrammjägern, Paparazzi und Gewerkschaften.
Man mag jetzt geteilter Meinung sein, ob diese Verfilmung von Colin Clarks Memoiren der Wahrheit entspricht, ob er wirklich eine Beziehung mit einer der Ikonen des 20. Jahrhunderts hatte, aber dessen ungeachtet ist es eine gute Geschichte, die sich so problemlos ereignet haben könnte.
Titel: My Week with Marilyn
Regie: Simon Curtis
Länge: 99 Minuten
Der Diktator
Krude Witze auf dem Rücken von rücksichtslos allen Minderheiten.
Sacha Baron Cohen ist vielen vermutlich ein Begriff, sei es durch seinen Film Borat oder durch die Figur des Ali G. Der Diktator setzt sich davon nicht wirklich ab.
Admiral General Hafiz Aladeen ist der Führer und Diktator des fiktiven arabischen Wüstenstaates. Seine Macht begründet sich auf unverhohlenen Israelhass, militärische Drohgebärden, Atomavancen und die Unmenge an Ölvorkommen.
Die UNO ist davon natürlich wenig begeistert und drückt Sanktionen durch, die Aladeen an den Verhandlungstisch nach New York zwingen. Dort wird klar, dass der ursprüngliche geplante Diktator – Onkel Tamir – seinen geliebten bärtigen Führer loswerden will, damit er das Öl seiner Landsleute teuer an die Russen, Amerikaner, Briten und Chinesen verkaufen kann.
Doch das Attentat misslingt, Aladeen ist bart- und somit identiätslos und nun im Big Apple auf sich allein gestellt. Nun ja, fast, er hat ja noch seine Vorurteile.
Durch Missverständnisse freundet er sich (unter falschem Namen) mit der veganen, linksalternativen, feministischen, politaktiven und burschikosen Bioladenbesitzerin Zoe an. Sie hält seine beleidigenden Bemerkungen zuerst für eine Art von Humor und es dauert wirklich lang, bis sie deren Ernsthaftigkeit erkennt.
Nebenbei stellt Aladeen fest, dass seine Diktatur von Widerstandszellen unterwandert ist und wirklich jede Hinrichtung fingiert war und die Opfer im Ausland Asyl gesucht haben. Eines dieser Opfer ist Nadal, ehemaliger Leiter des Atomwaffenprogramms. Er arbeitet bei Apple, also Grund genug zusammen mit Aladeen die Einführung einer Scheindemokratie in Wadiya durch Tamir und ein Aladeendouble zu verhindern.
Wenn es scheint, dass ich die Handlung verrate, dann habt ihr recht. Nennenswerte Teile davon habe ich hier bereits erwähnt.
Allerdings ist die Handlung auch bloß 08/15-Scheinwerk, dass dem eigentlichen Zweck, Humor, untergeordnet ist.
Allerdings muss ich sagen, Humor ist Geschmackssache und zutiefst den eigenen Erfahrungen und Sensibilitäten unterworfen. Ich habe zum Beispiel keine Freude an Fäkal- oder Sexualhumor und fand die entsprechenden Stellen einigermaßen eklig und weit ab von witzig, wenn auch absurd.
Allerdings lebt der Diktator nicht von diesem, sondern von Minderheitenhumor. Cohen schlägt in der Figur des Aladeen hemmungslos auf Minderheiten und Vorurteile ein, Wadiya ist ein Klischeepotpourri, und wer auf sowas steht, wird sicherlich sehr viel lachen können.
Das Perfide ist, auch wer nicht darauf steht, wird zwangsläufig lachen, weil es manche Momente gibt, wo die schiere Absurdität und Dreistigkeit der Figuren einem keine andere Wahl lässt.
Ein anderes Element, das etwas hintergründiger ist und fies reflektiert:
Achtet einfach Mal darauf, wie schnell ihr bei manchen Dreistigkeiten schmunzelt und bei anderen empört seid. Allein dies sollte schon einen gewissen Einblick auf die persönlichen, bestehenden Vorurteile ermöglichen.
Alles in allem: Geschmackssache.
Titel: Der Diktator
Regisseur: Larry Charles
Länge: 83 Minuten
Sacha Baron Cohen ist vielen vermutlich ein Begriff, sei es durch seinen Film Borat oder durch die Figur des Ali G. Der Diktator setzt sich davon nicht wirklich ab.
Admiral General Hafiz Aladeen ist der Führer und Diktator des fiktiven arabischen Wüstenstaates. Seine Macht begründet sich auf unverhohlenen Israelhass, militärische Drohgebärden, Atomavancen und die Unmenge an Ölvorkommen.
Die UNO ist davon natürlich wenig begeistert und drückt Sanktionen durch, die Aladeen an den Verhandlungstisch nach New York zwingen. Dort wird klar, dass der ursprüngliche geplante Diktator – Onkel Tamir – seinen geliebten bärtigen Führer loswerden will, damit er das Öl seiner Landsleute teuer an die Russen, Amerikaner, Briten und Chinesen verkaufen kann.
Doch das Attentat misslingt, Aladeen ist bart- und somit identiätslos und nun im Big Apple auf sich allein gestellt. Nun ja, fast, er hat ja noch seine Vorurteile.
Durch Missverständnisse freundet er sich (unter falschem Namen) mit der veganen, linksalternativen, feministischen, politaktiven und burschikosen Bioladenbesitzerin Zoe an. Sie hält seine beleidigenden Bemerkungen zuerst für eine Art von Humor und es dauert wirklich lang, bis sie deren Ernsthaftigkeit erkennt.
Nebenbei stellt Aladeen fest, dass seine Diktatur von Widerstandszellen unterwandert ist und wirklich jede Hinrichtung fingiert war und die Opfer im Ausland Asyl gesucht haben. Eines dieser Opfer ist Nadal, ehemaliger Leiter des Atomwaffenprogramms. Er arbeitet bei Apple, also Grund genug zusammen mit Aladeen die Einführung einer Scheindemokratie in Wadiya durch Tamir und ein Aladeendouble zu verhindern.
Wenn es scheint, dass ich die Handlung verrate, dann habt ihr recht. Nennenswerte Teile davon habe ich hier bereits erwähnt.
Allerdings ist die Handlung auch bloß 08/15-Scheinwerk, dass dem eigentlichen Zweck, Humor, untergeordnet ist.
Allerdings muss ich sagen, Humor ist Geschmackssache und zutiefst den eigenen Erfahrungen und Sensibilitäten unterworfen. Ich habe zum Beispiel keine Freude an Fäkal- oder Sexualhumor und fand die entsprechenden Stellen einigermaßen eklig und weit ab von witzig, wenn auch absurd.
Allerdings lebt der Diktator nicht von diesem, sondern von Minderheitenhumor. Cohen schlägt in der Figur des Aladeen hemmungslos auf Minderheiten und Vorurteile ein, Wadiya ist ein Klischeepotpourri, und wer auf sowas steht, wird sicherlich sehr viel lachen können.
Das Perfide ist, auch wer nicht darauf steht, wird zwangsläufig lachen, weil es manche Momente gibt, wo die schiere Absurdität und Dreistigkeit der Figuren einem keine andere Wahl lässt.
Ein anderes Element, das etwas hintergründiger ist und fies reflektiert:
Achtet einfach Mal darauf, wie schnell ihr bei manchen Dreistigkeiten schmunzelt und bei anderen empört seid. Allein dies sollte schon einen gewissen Einblick auf die persönlichen, bestehenden Vorurteile ermöglichen.
Alles in allem: Geschmackssache.
Titel: Der Diktator
Regisseur: Larry Charles
Länge: 83 Minuten
Labels:
21. Jh,
Deutsch,
Englisch,
Feminismus,
Film,
Gegenwart,
Gewalt,
Hippie,
Komödie,
Minderheiten,
Rassismus,
Reife,
Satire,
Schwarzer Humor,
Situationskomik,
USA
Freitag, 13. Juli 2012
Wolfsbrüder
Eine Art Biografie eines modernen Mogli
Titel: Wolfsbrüder
Regisseur: Gerardo Olivares
Länge: 107
Wolfsbrüder ist ein recht interessanter Film, der von einer wahren Geschichte berichtet, die sich in Spanien zur Zeit der Francodiktatur abgespielt hat.
Marcos und sein Bruder sind Ziegenhüten. Das Leben ist hart, aber einfach. Als ihre Herde von Wölfen angegriffen wird, ändert sich das schlagartig. Es gelingt ihnen zwar, das kleine Rudel zu vertreiben, aber nicht ohne herbe Kosten: Der Hütehund stirbt bei der Verteidigung und einige Schafe werden gerissen.
Als die Jungs müde und verängstigt zu Hause ankommen, werden sie von der Schwiegermutter gescholten und dem Vater bleibt aufgrund der sozialen Verhältnisse nichts anderes übrig, als zur Entschädigung des Verlustes dem Großgrundbesitzer der Gegend seinen Sohn zu übertragen.
Der nur unwillige Herr nimmt den Ausgleich an und schickt Marcos in das Tal der Stille zu einem Einsiedler, der dort lebt und Ziegen hütet. Dieser ist, wie man sich eine Person vorstellt, die freiwillig weit ab von Menschen lebt: schweigsam, mürrisch, naturverbunden.
So lernt Marcos langsam durch Imitation und Beobachtung die Methoden, alleine in der Wildnis zu überleben, bis der Einsiedler langsam sein Herz öffnet und ihm dabei hilft. Er zeigt ihm, wie man Hasen und Vögel fängt, welche Pflanzen und Kräuter essbar und hilfreich sind, und wie man mit dem lokalen Wolfsrudel umgeht, damit dieses nicht die Ziegen reißt.
Denn die Wölfe und der Einsiedler scheinen zu einer stillen Übereinkunft gekommen zu sein. Sie respektieren einander, und die Wölfe bekommen ab und zu einen der gefangenen Hasen, dafür reißen sie keine der Ziegen. Marcos lebt sich ein und schließt sogar eine Art Freundschaft mit einem der Wölfe.
Das ändert sich, als der Einsiedler erkrankt und die vorhandenen Mittel nicht ausreichen, ihn zu kurieren. Es kommt wie es kommen muss und Marcos ist auf sich allein gestellt. Jahrelang.
Der Film teilt sich in zwei Teile, die zum einen den siebenjährigen und zum anderen den erwachsenen Marcos zeigen. Leider kann der Ältere nicht mit seinem jüngeren Pendant mithalten.
Die Kindheit wirkt wie aus einem Märchenfilm der DEFA entnommen: Das Ziegenhüten ist unbeschwert, die schlagende Stiefmutter, der trinkenden Vater, der böse Herr, der Angriff der Wölfe und damit verbundene Verlust der Umwelt.
Die erwachsene Zeit hingegen entspricht mehr einem Hollywoodklischee: Der junge Mann läuft in Fellen gehüllt über Steine und Sträucher, heult mit den Wölfen und wird schließlich gefangen genommen.
Was aber nicht in einem DEFA-Film vorkommen würde, sind die Naturaufnahmen der kargen Landschaft und die Unbarmherzigkeit nach dem Verlust des Einsiedler. Darin glänzt der Film wirklich, in der Charakterisierung des jungen Marcos. Man kann sich sehr gut einfühlen in den verstoßenen Jungen und sein Schicksal, so wie er sich den Umständen anpasst und lernen muss, mit dem Frust seines Loses umzugehen.
Alles in allem ein ordentlicher Film mit Schwächen im zweiten Teil, kürzeren Teil.
Titel: Wolfsbrüder
Regisseur: Gerardo Olivares
Länge: 107
Mittwoch, 4. Juli 2012
Monsieur Lazhar
Nicht so französisch, wie man annehmen sollte.
Bachir Lahzar (ausgesprochen: Baschier Lahsaa) kommt aus Algier und wird durch die Zeitung auf eine freie Lehrerstelle an einer kanadischen Grundschule aufmerksam. Allerdings ist der Umstand der Stelle wenig erfreulich: Seine Vorgängerin hat sich im Klassenzimmer erhängt.
Bachir bekommt aufgrund seiner Referenzen dann doch die Stelle und reibt sich ein bisschen mit den Lehrmethoden, die er aus seiner Heimat anders gewohnt ist – die Anordnung der Tische, der Wissensstand der Schüler, ihre Betreuung durch eine Psychologin.
Die Kinder werden, teilweise zurecht, mit Samthandschuhen angefasst, falls denn überhaupt, und die Eltern lassen Bachir wissen, wie sie über seinen erziehenden Lehranspruch denken.
In einem zweiten, untergeordneten Handlungsstrang merkt man, dass Bachir an sich nicht wirklich Lehrer ist, und seine Aufenthaltsgenehmigung auch nicht wirklich den Stempel ”dauerhaft“ trägt.
Dem gegenüber steht der wachsende Druck auf Simon, einen Schüler der Klasse, der seine Lehrerin gefunden hatte. Es ist ein irrealer Druck, der aus dem Jungen selbst getragen wird, Selbstvorwürfe und verzweifelte Suche nach Gründen, warum sie es so arrangiert hatte, dass er sie finden würde.
Ich kann ehrlich gesagt nicht so viel über den Inhalt des Films sagen, weil er mich seltsam bewegt hat. Viele Aspekte, wie Helikoptereltern, die ständig über ihren Zöglingen schweben und aufsässig als willensstark umschreiben, oder lieber Fehler beim Lehrer als bei ihren Kindern suchen; die Entwurzelung, die ein Asylbewerber erfährt, die Angst, die einen erst zur Entscheidung Asyl treibt, die völlig fremde Kultur, all das wird angeschnitten, aber nicht in den Mittelpunkt gestellt.
Und so geht man aus dem Saal, mit dem beklemmenden Gefühl, nur ein Kapitel aus den Leben der beteiligten gelesen zu haben, ohne in den Genuss der vorherigen oder nachfolgenden Passagen gekommen zu sein.
Titel: Monsieur Lahzar
Regisseur: Phillippe Falardaeu
Länge: 94 Minuten
Bachir Lahzar (ausgesprochen: Baschier Lahsaa) kommt aus Algier und wird durch die Zeitung auf eine freie Lehrerstelle an einer kanadischen Grundschule aufmerksam. Allerdings ist der Umstand der Stelle wenig erfreulich: Seine Vorgängerin hat sich im Klassenzimmer erhängt.
Bachir bekommt aufgrund seiner Referenzen dann doch die Stelle und reibt sich ein bisschen mit den Lehrmethoden, die er aus seiner Heimat anders gewohnt ist – die Anordnung der Tische, der Wissensstand der Schüler, ihre Betreuung durch eine Psychologin.
Die Kinder werden, teilweise zurecht, mit Samthandschuhen angefasst, falls denn überhaupt, und die Eltern lassen Bachir wissen, wie sie über seinen erziehenden Lehranspruch denken.
In einem zweiten, untergeordneten Handlungsstrang merkt man, dass Bachir an sich nicht wirklich Lehrer ist, und seine Aufenthaltsgenehmigung auch nicht wirklich den Stempel ”dauerhaft“ trägt.
Dem gegenüber steht der wachsende Druck auf Simon, einen Schüler der Klasse, der seine Lehrerin gefunden hatte. Es ist ein irrealer Druck, der aus dem Jungen selbst getragen wird, Selbstvorwürfe und verzweifelte Suche nach Gründen, warum sie es so arrangiert hatte, dass er sie finden würde.
Ich kann ehrlich gesagt nicht so viel über den Inhalt des Films sagen, weil er mich seltsam bewegt hat. Viele Aspekte, wie Helikoptereltern, die ständig über ihren Zöglingen schweben und aufsässig als willensstark umschreiben, oder lieber Fehler beim Lehrer als bei ihren Kindern suchen; die Entwurzelung, die ein Asylbewerber erfährt, die Angst, die einen erst zur Entscheidung Asyl treibt, die völlig fremde Kultur, all das wird angeschnitten, aber nicht in den Mittelpunkt gestellt.
Und so geht man aus dem Saal, mit dem beklemmenden Gefühl, nur ein Kapitel aus den Leben der beteiligten gelesen zu haben, ohne in den Genuss der vorherigen oder nachfolgenden Passagen gekommen zu sein.
Titel: Monsieur Lahzar
Regisseur: Phillippe Falardaeu
Länge: 94 Minuten
Labels:
21. Jh,
Charaktergetrieben,
Deutsch,
Drama,
Film,
Französisch,
Kanada,
Kinder,
Politik,
Schule,
Selbstmord
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