Soso, CIA und NSA, beides US-Außengeheimdienste, haben sich also mal zusammenraufen können und eine experimentelle, gemeinsame Datenbank geschaffen. Zu schade, dass sie geklaut wurde.
Chuck ist Angestellter beim Buymore (Walmart in Grün) in der Technikerecke und sein Job ist die AUfsicht über die Knalltüten (seine Kollegen) und Computer zu reparieren. Er wohnt (wieder) bei seiner Schwester und ihrem Freund, beide Ärzte. Was nicht sofort klar wird, Chuck wurde in seinem letzten Semester in Stanford zwangsexmatrikuliert, nachdem unter seinem Bett Prüfungsergebnisse gefunden wurden.
Das bringt uns zu Bryce, seinem Mitbewohner und laut Chuck Schuldigen an seinem Rauswurf, denn letzterer hätte es gar nicht nötig gehabt, seine Noten aufzubessern. Als Chuck also fünf Jahre später eine Email von seinem ehemaligen besten Freund/Erzfeind bekommt, ist er erst verwirrt, dann sieht er Bild und kippt anschließend um.
Anscheinend ist Bryce Geheimagent und die Mail enthielt die verschlüsselte, experimentelle und gemeinsame Datenbank von CIA und NSA, den Intersect. Der Clou: sie befindet sich jetzt in Chuck.
Weder CIA noch NSA wollen ihre gemeinsamen Bemühungen in den Sand gesetzt sehen, mal zu schweigen von der Gefahr, welche diese Datenbank in den falschen Händen (oder Köpfen) darstellen könnte, und setzen daher jeweils einen Undercoveragenten auf Chuck an: Casey, Veteran des Golf- und diverser Drogenkriege und jetzt neuer Mitarbeiter des Buymore, sowie Sarah, Infiltratorin und neuerdings Joghurtverkäuferin nebenan.
Es wird recht schnell klar, dass der ahnungslose Chuck keinen freien Zugriff auf die Informationen in seinem Kopf hat und nur bei bestimmten Reizen „Geistesblitze“ bekommt und dann kurzfristig auf relevantes Zugreifen kann. Im Prinzip läuft also darauf hinaus, dass Chuck durch Nachrichten oder sowas einen Geistesblitz bekommt, einen Schurken erkennt und dann Casey und Sarah handeln.
Bloß Chuck... nun, für ihn ist das teilweise ein Abenteuer – diese Welt der Spionage, die offensichtlichen Schurken, die Action, die Spannung, all das fasziniert ihn um Längen mehr als der Buymore es je könnte. Und als fast-Stanford-Absolvent ist es klar, dass Chuck in seinem Job stark unterfordert ist.
Soweit zum Inhalt.
Der Reiz der Serie stammt aber eher von der Interaktion und dem Humor der Charaktere, denn Chuck und sein bester Freund Morgan sind kolossale Nerds/Geeks (wählt ein Wort, welches euch zusagt), haben zu Halloween ein Shai-Hulud-Kostüm, Casey ist ein grummeliger Patriot, Sarah ist eine schlagfertige Schönheit, Chucks Schwester Elli war für ihn quasi eine Ersatzmutter, ihr Freund trägt zurecht den Spitznamen Käpt'n Abgefahren (Captain Awesome), und es macht einfach Spaß dem ganzen zuzuschauen.
Chuck weiß, dass er sein Leben im Buymore verschwendet, und es reibt ihn innerlich auf, da ist Bryce' unvermutetes Vermächtnis ein Segen. Sarah ist noch nicht lange genug im Agentenbusiness um ihr Gewissen geschliffen zu haben und es wird sehr schnell klar, dass die Coverstory einer Beziehung zwischen Sarah und Chuck mit richtigen Gefühlen droht (besonders von Chuck's Seite). Bester Freund Morgan fühlt langsam aber stetig seinen Freund sich entfernen, weiß aber nicht wieso, selbst mit Chucks Freundin Sarah im Hinterkopf. Casey ist ein gehärteter Patriot, der mehrfach Attentate auf Diktatoren ausgeführt hat und für den Kolatteralschäden wie Zivilisten zwar zu vermeiden sind, aber nicht auf Kosten der Mission. Käpt'n Abgefahren will nur das Beste für seinen „kleinen Bruder“, aber wundert sich manchmal über seine neuen Macken. Elli konnte früher mit ihrem Bruder über restlos alles reden, aber irgendwas ändert sich.
Und Chuck ist ist ein Familienmensch. Er will ihnen von seinem Geheimleben erzählen, weiß aber um die darin liegenden Gefahren. Das nagt an ihm.
Dann sind da natürlich die Interaktionen mit der restlichen Belegschaft vom Buymore, die einen guten Teil des Humors beisteuern.
Also allgemein macht es Spaß die Serie zu schauen, der Humor ist teilweise situationsbasiert und teilweise charaktergetrieben. Die Charakterisierung nimmt sich Zeit und ist gut gelungen. Schade, dass es zwar überspannenden Handlungsbögen und Dramatik gibt, diese aber teilweise nachträglich hinzugefügt wirken ohne richtige Andeutungen oder Erwähnungen in den frühen Folgen, sondern erst in der relevanten Staffel.
Titel: Chuck
Länge: 45 Minuten je Folge, 91 Folgen auf 5 Staffeln
Entwicklung: Josh Schwartz, Chris Fedak
PS: Zum Zeitpunkt dieses Beitrags habe ich die letzte Staffel noch nicht gesehen.
PPS: Es sterben Charaktere.
Meine Meinungen zu Filmen, Bücher, Comics und allgemein jedweder Medienveröffentlichung, die mir vor die Augen oder unter die Griffel kommt.
Montag, 2. April 2012
Chuck
Labels:
21. Jh,
Action,
Agenten,
Deutsch,
Drama,
Englisch,
Gegenwart,
Geheimdienst,
Komödie,
Science Fiction,
Serie,
Situationskomik,
USA
Out at Home
Leicht verrückte Geschehnisse eine Gruppe von Vorstadtbewohnern mit gelegentlichen Handlungssträngen und vielen Gags. Doch, das passt und beschreibt den größtenteils farbigen Webcomic Out at Home von Alex Wendzel.
Herman
Kate ist Hermans Tochter und im wesentlichen ein normaler Teenager. Sie lässt den Reichtum ihres Vaters nur sehr ungern raushängen.
Penny ist Kates beste Freundin und eine mediumsbewusste Schnapsdrossel.
Thurman ist Hermans neunjähriger verzogener Sohn, dessen Verhalten geradezu nach Züchtigung schreit, aber sein Vater lässt ihm quasi alles durchgehen.
Es gibt noch einige andere Charaktere, aber das sind im wesentlichen die Hauptfiguren, wobei ein gewisser Fokus auf Kate und Penny gelegt wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Webcomics mit jugendlichen Protagonisten wird aber wenig Aufmerksamkeit auf die Emotionen gelegt, sondern es steht die witzige Pointe im Vordergrund.
Der Humor wird durch Absurdität erzeugt, und durch die Interaktionen und Reaktionen der Charaktere auf dieselbigen.
Weiterhin ist "Schönheit" keine Selbstverständlichkeit - Herman und Thurman sowie einige Nebencharaktere sind nicht das, was man als klassische oder moderne Schönheit beschreiben würde, mit schrecklicher Frisur und Pferdegebiss.
Die legere Anerkennung von Penny, dass sie sich in einem Comic befindet, ist mir positiv aufgefallen, insbesondere aufgrund ihrer Handlungen. So fragt Kate beispielsweise in einem quadratischen Vierpanelstrip nach ihrem Gitarrentuner, den Penny von ihrem zukünftigen Ich über die Panelgrenzen entgegennimmt und Kate reicht. Sie stimmt ihre Gitarre und reicht geistesabwesend den Tuner wieder Penny, welche ihn ihrem vergangenen Ich reicht - sie wird ihn ja gleich gebrauchen können.
Penny ist sich also offensichtlich ihrer Existenz bewusst, zerstört damit aber nicht das Handlungsgefüge.
Ein netter Gimmick sind die vom Autoren bereit gestellten Audio- und Videoextras, die teilweise einen Comic begleiten oder ersetzen. Sie sind allerdings sehr selten.
Erwähnenswert ist übrigens noch, das der Comic teilweise kommerziell erhältlich ist über Amazon (5 US$), Barnes & Noble (6 US$) und iBooks/iTunes (5 US$; 2,50 €), was zwar nicht selten ist, aber eben auch nicht häufig. Die Kaufversionen enthalten einen Autorenkommentar zu den ersten knapp 200 Comicstrips und ein paar Extras.
Alles in allem ist Out of Home ein netter Webcomic, der sich auch künstlerisch gut entwickelt hat. Man sieht dem Comic an, dass Autor und Zeichner Wendzel Illustration studiert.
Titel: Out at Home (http://www.out-at-home.com/)
Autor: Alex Wendzel
Länge: 400+ (größtenteils farbig, teilweise mit Musik/Video)
Zyklus: 1-3 pro Woche
Sprache: Englisch (einfach-mittel)
Labels:
21. Jh,
Englisch,
Gegenwart,
Jugendliche,
Komödie,
Meta,
Situationskomik,
USA,
Webcomic
Freitag, 16. März 2012
Gallows Humor
Der passend benannte Webcomic Gallows Humor, wörtlich übersetzt "Galgenhumor", ist im Ansatz ähnlich zu Der Tod und das Mädchen: Den Sensenmann gibt es wirklich, und er wird von einer jungen Frau gesehen, was nicht üblich ist. Mit einer noch zweistelligen Seitenanzahl ist der Comic recht jung und kurz.
Alma, die Hauptcharakterin, ist eine rothaarige Bedienung. Auf dem Weg zur Arbeit sieht sie, wie ein Mann einen Hund attackiert und eilt dem Tier zur Hilfe. Bloß, es ist kein normaler Hund, sondern viel eher ein Höllenhund, und der Mann hat nicht umsonst eine Sense.
Wie sich herausstellt, ist der blasshäutige Sensenmann Lord Thanatos (seine Hervorhebung), oder kurz: Thanny (Alma's Spitzname). Und er hat einen cholerischen Charakter, sehr zu Leidwesen der fröhlichen Alma. Zudem ist es nicht üblich, dass Sterbliche ihn sehen können, also kommen natürlich erstmal die üblichen Drohgebärden und dergleichen ins Spiel. Gegen welche Alma irgendwie immun erscheint, sehr zur Frust von Thanny.
Also arrangieren sich die beiden, und werden... Freunde? Die Beziehung zwischen ihnen ist schwer zu beschreiben, da Thanatos abweisend ist, und Alma an einer Romanze nicht interessiert scheint, sie ist viel eher von den metaphysischen Aspekten fasziniert - die verschiedenen Formen von Thanatos, zum Beispiel. So rupft sie ungeniert einige Federn aus Thanny's Flügeln (in Engelsform) und steckt sie sich ins Haar, bloß um sie einige Seiten später als Staubwedel zu benutzen.
Während Alma und Thanatos bisher fast die einzigen Charaktere sind, geht der Comic auch noch auf die anderen Götter ein, die allesamt dem griechischen Pantheon entlehnt sind. Allerdings sind bisher bloß Ares und Amor aufgetaucht, und mit ersterem versteht sich Alma verdächtig gut, da beide zu viel Spaß damit haben, Thanatos zu piesacken.
Vom Charakterdesign her erinnert mich Gallows Humor verdächtig an The Meek und einen anderen Comic, an den ich gerade nicht so recht erinnern kann. Irgendwas mit einem verrückten gewalttätigem Sport, Killerhockeball oder sowas.
Die Handlung ist lacherzentriert, soll heißen, wenn etwas witziges geschehen kann, wird es das auch, allerdings im Rahmen eines langsam fortschreitenden Fadens. Dabei folgt sie den typischen Tropen einer Romantikkomödie, was aber nicht schlecht sein muss.
Mit gerade mal 51 Seiten in drei Kapiteln befindet sich Gallows Humor noch im Anfangsstadium, ist aber unterhaltsam.
Titel: Gallows Humor (Galgenhumor)
Seiten: 73 (farbig, Kapitel + Extra)
Zyklus: 1-2 Seiten pro Woche
Autoren: Bilder und Handlung von Val, Dialog von Sab
Sprache: Englisch
Montag, 12. März 2012
Ziemlich beste Freunde
Ärks, muss mich wieder für 'ne Stelle meldn, damit's Arbeitsamt Kohle 'rüberschiebt. Hm, zwei unterschriebene Absagen hab ich schon, und wasis der dritte Schriebs? Och nee, irgend 'nen Scheiß für so'n Noblhobl. Na egal, geh ich ma hin...
Das in etwa scheinen die Gedanken von Driss zu sein, einem Sozialfall. Seine Mutter arbeitet als Putzfrau, bei der er noch zusammen mit seinen Geschwistern wohnt. Doch das Vorstellungsgespräch läuft anders als erwartet, denn der Nobelhobel Philippe kann Driss' Arbeitsamtpapiere nicht ohne weiteres unterschreiben, denn er ist vom Hals abwärts querschnittsgelähmt.
Driss unkonventionelle und vor allem mitleidslose Art beeindrucken Philippe, weswegen er den Senegalesen für einen Monat auf Probe einstellt.
Driss ist anders als die anderen Bewerber - für ihn ist Philippe nicht bloß ein Patient, sondern wird mit der Zeit zu einem ungleichen Freund, der wenig Verständnis für die Marotten seines "Chefs" hat. Moderne Gemälde für 30.000 Euro? Zur Strafe gibt es keine Schokolade für den Rollstuhlfahrer. Keine Arme, keine Schokolade.
Oh, nur ein Scherz, aber es wird klar, wieso Philippe Driss den anderen vorzog. Diese mögen ausgebildete Krankenpfleger sein, aber statt einem Menschen ist Philippe für sie ein Patient, Teil eines abzulaufenden Automatismus. Morgengymnastik, Duschen, Anziehen, alles ohne mit der Wimper zu zucken. Driss hingegen kriegt schon bald einen Anfall, als er die Thrombosestrümpfe sieht, welche er Philippe anziehen soll.
Und als dann die Gummihandschuhe kommen... Oh Mann!
Ich denke nicht, dass ich großartig mehr sagen kann zu dem Film, denn er lebt einfach viel zu sehr von der Interaktion der wunderbar besetzen Hauptcharaktere. Kleine Gesten, große Worte, man nimmt ihnen ihre Rollen ab, welche sie vorzüglich spielen. Driss ist wie ein Fisch auf dem Trocknen, weit außerhalb seines Elements, aber platscht munter durch die Gegend und stößt alles um.
Die Musik - Klassik für Philippe und Earth, Wind and Fire für Driss - kracht wunderbar gegeneinander und ergänzt sich sogar in manchen Passagen, hält sich aber im wesentlichen im Hintergrund, sofern sie nicht handlungsrelevant ist.
Interessanterweise basiert der Film sogar auf einer wahren Geschichte, welche der reale Philippe, Philippe Pozzo di Borgo, in seiner Autobiografie veröffentlich hat. Die beiden Regisseure hatten damals schon die Idee zu einer Verfilmung, aber bis 2010 weigerte sich Philippe. Erst unter der Bedingung, dass 5% der Filmerlöse an seinen Förderverein für Behinderte gehen, willigte er ein.
Vom Sehgefühl erinnert mich Ziemlich beste Freunde an Forrest Gump oder Benjamin Button, aber mit sehr viel weniger biografischen Elementen.
Im Prinzip kann ich den Film jeden empfehlen, der etwas für leicht gefühlsmäßig optimistische und komische Filme hat.
Titel: Ziemlich beste Freunde
Regie: Olivier Nakache, Toledano
Länge: 110 Minuten
Das in etwa scheinen die Gedanken von Driss zu sein, einem Sozialfall. Seine Mutter arbeitet als Putzfrau, bei der er noch zusammen mit seinen Geschwistern wohnt. Doch das Vorstellungsgespräch läuft anders als erwartet, denn der Nobelhobel Philippe kann Driss' Arbeitsamtpapiere nicht ohne weiteres unterschreiben, denn er ist vom Hals abwärts querschnittsgelähmt.
Driss unkonventionelle und vor allem mitleidslose Art beeindrucken Philippe, weswegen er den Senegalesen für einen Monat auf Probe einstellt.
Driss ist anders als die anderen Bewerber - für ihn ist Philippe nicht bloß ein Patient, sondern wird mit der Zeit zu einem ungleichen Freund, der wenig Verständnis für die Marotten seines "Chefs" hat. Moderne Gemälde für 30.000 Euro? Zur Strafe gibt es keine Schokolade für den Rollstuhlfahrer. Keine Arme, keine Schokolade.
Oh, nur ein Scherz, aber es wird klar, wieso Philippe Driss den anderen vorzog. Diese mögen ausgebildete Krankenpfleger sein, aber statt einem Menschen ist Philippe für sie ein Patient, Teil eines abzulaufenden Automatismus. Morgengymnastik, Duschen, Anziehen, alles ohne mit der Wimper zu zucken. Driss hingegen kriegt schon bald einen Anfall, als er die Thrombosestrümpfe sieht, welche er Philippe anziehen soll.
Und als dann die Gummihandschuhe kommen... Oh Mann!
Ich denke nicht, dass ich großartig mehr sagen kann zu dem Film, denn er lebt einfach viel zu sehr von der Interaktion der wunderbar besetzen Hauptcharaktere. Kleine Gesten, große Worte, man nimmt ihnen ihre Rollen ab, welche sie vorzüglich spielen. Driss ist wie ein Fisch auf dem Trocknen, weit außerhalb seines Elements, aber platscht munter durch die Gegend und stößt alles um.
Die Musik - Klassik für Philippe und Earth, Wind and Fire für Driss - kracht wunderbar gegeneinander und ergänzt sich sogar in manchen Passagen, hält sich aber im wesentlichen im Hintergrund, sofern sie nicht handlungsrelevant ist.
Interessanterweise basiert der Film sogar auf einer wahren Geschichte, welche der reale Philippe, Philippe Pozzo di Borgo, in seiner Autobiografie veröffentlich hat. Die beiden Regisseure hatten damals schon die Idee zu einer Verfilmung, aber bis 2010 weigerte sich Philippe. Erst unter der Bedingung, dass 5% der Filmerlöse an seinen Förderverein für Behinderte gehen, willigte er ein.
Vom Sehgefühl erinnert mich Ziemlich beste Freunde an Forrest Gump oder Benjamin Button, aber mit sehr viel weniger biografischen Elementen.
Im Prinzip kann ich den Film jeden empfehlen, der etwas für leicht gefühlsmäßig optimistische und komische Filme hat.
Titel: Ziemlich beste Freunde
Regie: Olivier Nakache, Toledano
Länge: 110 Minuten
Labels:
20. Jh,
Adaption,
Biografie,
Charaktergetrieben,
Deutsch,
Film,
Frankreich,
Französisch,
Gegenwart,
Komödie
Donnerstag, 8. März 2012
Habemus Papam – Ein Papst büxt aus
Diese Tragikomödie beschäftigt sich mit der Wahl eines Papstes, der sich seinem Amt nicht gewachsen fühlt und wie die Welt damit umgeht. Per Definition hat der Film dabei tragische und lustige Elemente, aber es überwiegt doch die Nachdenklichkeit.
Doch einige, um nicht zu sagen viele, Kardinäle wollen gar nicht selbst Papst werden, denn auf diesem hohen Amt lastet doch eine große Würde und Verantwortung. So ist es doch nicht verwunderlich, dass der Außenseiter Kardinal Melville nach seiner Wahl diese erstmal annimmt, aber dann doch Zweifel bekommt und kurz vor der Verkündung auf dem Petersdom zusammen bricht.
Er wandert rastlos umher, ist in Gedanken versunken und scheint sich erst langsam der Tiefe seiner Situation bewusst zu werden. Ein hinzugezogener Psychoanalytiker versucht mit ihm zu reden, aber ohne konkreten Erfolg. Wie auch, wenn einige Dutzend Kardinäle und der Sekretär des Papstes ihm über die Schulter schauen und sein Fragenspektrum einschränken? Und so wandert der neue, unverkündete Papst umher, teilweise auch außerhalb des Vatikans, und versucht sich zu finden oder anderweitig klarzukommen.
Und genau bei diesem ziellosen Umherstreifen entkommt Melville seinen ständigen vatikanischen Schatten. Er quartiert sich in einem Hotel ein, redet mit den dortigen Schauspielern eines kleinen Theaters und man sieht ihm an, dass er langsam anfängt sich besser zu fühlen.
Der Sekretär des Vatikans verschleiert unterdessen die Flucht des Papstes und lässt einen Schweizergardisten in dessen Wohnung die Vorhänge rascheln und dergleichen um den Eindruck von Anwesenheit zu erwecken. Die Kardinäle sind derweil nach wie vor im Vatikan, da das Konklave bis zur Verkündung des Papstes andauert. Die Langeweile treibt wiederum seltsame Blüten, so organisiert beispielsweise der Psychoanalytiker ein Volleyballturnier, um den Papst auzuheitern...
Somit stell sich die Frage, ist man lieber Schaf, Schäfer oder Leitbock?
Und in all dem schwebt ständig der Hintergrund des Glaubens, sowohl an den Papst als auch den Christengott, und die Hoffnung auf eine Genesung des Papstes.
Mir persönlich hat der Film gefallen, aber mich faszinieren auch traditionsverfangene Gesellschaften, und mit ihren zweitausend Jahren gehört die katholische Kirche problemlos dazu. Die tollen Hüte haben natürlich auch nicht geschadet :D
Davon abgesehen bietet der Film einen interessanten Einblick in den Vatikan und irgendwo resonierte der melancholische Ton des Films mit mir. Ich mag sowas, irgendwie.
Titel: Habemus Papam – Ein Papst büxt aus
Regie: Nanni Moretti
Länge: 105 Minuten
Inhalt
Der Papst ist tot. Wie jedes Mal nach dem Tod des Oberhauptes der katholischen Kirche tritt das Konklave zusammen, in welchem alle Kardinäle zusammen kommen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit den neuen Papst wählen. Wie üblich gibt es einige Favoriten - hochgehandelte Kandidaten, welche für eine Wahl in Betracht kommen.Doch einige, um nicht zu sagen viele, Kardinäle wollen gar nicht selbst Papst werden, denn auf diesem hohen Amt lastet doch eine große Würde und Verantwortung. So ist es doch nicht verwunderlich, dass der Außenseiter Kardinal Melville nach seiner Wahl diese erstmal annimmt, aber dann doch Zweifel bekommt und kurz vor der Verkündung auf dem Petersdom zusammen bricht.
Er wandert rastlos umher, ist in Gedanken versunken und scheint sich erst langsam der Tiefe seiner Situation bewusst zu werden. Ein hinzugezogener Psychoanalytiker versucht mit ihm zu reden, aber ohne konkreten Erfolg. Wie auch, wenn einige Dutzend Kardinäle und der Sekretär des Papstes ihm über die Schulter schauen und sein Fragenspektrum einschränken? Und so wandert der neue, unverkündete Papst umher, teilweise auch außerhalb des Vatikans, und versucht sich zu finden oder anderweitig klarzukommen.
Und genau bei diesem ziellosen Umherstreifen entkommt Melville seinen ständigen vatikanischen Schatten. Er quartiert sich in einem Hotel ein, redet mit den dortigen Schauspielern eines kleinen Theaters und man sieht ihm an, dass er langsam anfängt sich besser zu fühlen.
Der Sekretär des Vatikans verschleiert unterdessen die Flucht des Papstes und lässt einen Schweizergardisten in dessen Wohnung die Vorhänge rascheln und dergleichen um den Eindruck von Anwesenheit zu erwecken. Die Kardinäle sind derweil nach wie vor im Vatikan, da das Konklave bis zur Verkündung des Papstes andauert. Die Langeweile treibt wiederum seltsame Blüten, so organisiert beispielsweise der Psychoanalytiker ein Volleyballturnier, um den Papst auzuheitern...
Gedanken
Wie würde man selbst mit solch einer Bürde umgehen? Nicht unbedingt Papst, obgleich dieses Schicksal theoretisch jeden gläubigen männlichen Katholiken ereilen kann, sondern eine verantwortungsvolle, führende und leitende Position einzunehmen. Nicht viele, um nicht zu sagen nur wenige, sind mit den dazu nötigen Fähigkeiten ausgestattet, und haben dazu noch einen Charakter, der ihnen die Nutzung dieser erlaubt.Somit stell sich die Frage, ist man lieber Schaf, Schäfer oder Leitbock?
Und in all dem schwebt ständig der Hintergrund des Glaubens, sowohl an den Papst als auch den Christengott, und die Hoffnung auf eine Genesung des Papstes.
Mir persönlich hat der Film gefallen, aber mich faszinieren auch traditionsverfangene Gesellschaften, und mit ihren zweitausend Jahren gehört die katholische Kirche problemlos dazu. Die tollen Hüte haben natürlich auch nicht geschadet :D
Davon abgesehen bietet der Film einen interessanten Einblick in den Vatikan und irgendwo resonierte der melancholische Ton des Films mit mir. Ich mag sowas, irgendwie.
Titel: Habemus Papam – Ein Papst büxt aus
Regie: Nanni Moretti
Länge: 105 Minuten
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