Ärks, muss mich wieder für 'ne Stelle meldn, damit's Arbeitsamt Kohle 'rüberschiebt. Hm, zwei unterschriebene Absagen hab ich schon, und wasis der dritte Schriebs? Och nee, irgend 'nen Scheiß für so'n Noblhobl. Na egal, geh ich ma hin...
Das in etwa scheinen die Gedanken von Driss zu sein, einem Sozialfall. Seine Mutter arbeitet als Putzfrau, bei der er noch zusammen mit seinen Geschwistern wohnt. Doch das Vorstellungsgespräch läuft anders als erwartet, denn der Nobelhobel Philippe kann Driss' Arbeitsamtpapiere nicht ohne weiteres unterschreiben, denn er ist vom Hals abwärts querschnittsgelähmt.
Driss unkonventionelle und vor allem mitleidslose Art beeindrucken Philippe, weswegen er den Senegalesen für einen Monat auf Probe einstellt.
Driss ist anders als die anderen Bewerber - für ihn ist Philippe nicht bloß ein Patient, sondern wird mit der Zeit zu einem ungleichen Freund, der wenig Verständnis für die Marotten seines "Chefs" hat. Moderne Gemälde für 30.000 Euro? Zur Strafe gibt es keine Schokolade für den Rollstuhlfahrer. Keine Arme, keine Schokolade.
Oh, nur ein Scherz, aber es wird klar, wieso Philippe Driss den anderen vorzog. Diese mögen ausgebildete Krankenpfleger sein, aber statt einem Menschen ist Philippe für sie ein Patient, Teil eines abzulaufenden Automatismus. Morgengymnastik, Duschen, Anziehen, alles ohne mit der Wimper zu zucken. Driss hingegen kriegt schon bald einen Anfall, als er die Thrombosestrümpfe sieht, welche er Philippe anziehen soll.
Und als dann die Gummihandschuhe kommen... Oh Mann!
Ich denke nicht, dass ich großartig mehr sagen kann zu dem Film, denn er lebt einfach viel zu sehr von der Interaktion der wunderbar besetzen Hauptcharaktere. Kleine Gesten, große Worte, man nimmt ihnen ihre Rollen ab, welche sie vorzüglich spielen. Driss ist wie ein Fisch auf dem Trocknen, weit außerhalb seines Elements, aber platscht munter durch die Gegend und stößt alles um.
Die Musik - Klassik für Philippe und Earth, Wind and Fire für Driss - kracht wunderbar gegeneinander und ergänzt sich sogar in manchen Passagen, hält sich aber im wesentlichen im Hintergrund, sofern sie nicht handlungsrelevant ist.
Interessanterweise basiert der Film sogar auf einer wahren Geschichte, welche der reale Philippe, Philippe Pozzo di Borgo, in seiner Autobiografie veröffentlich hat. Die beiden Regisseure hatten damals schon die Idee zu einer Verfilmung, aber bis 2010 weigerte sich Philippe. Erst unter der Bedingung, dass 5% der Filmerlöse an seinen Förderverein für Behinderte gehen, willigte er ein.
Vom Sehgefühl erinnert mich Ziemlich beste Freunde an Forrest Gump oder Benjamin Button, aber mit sehr viel weniger biografischen Elementen.
Im Prinzip kann ich den Film jeden empfehlen, der etwas für leicht gefühlsmäßig optimistische und komische Filme hat.
Titel: Ziemlich beste Freunde
Regie: Olivier Nakache, Toledano
Länge: 110 Minuten
Meine Meinungen zu Filmen, Bücher, Comics und allgemein jedweder Medienveröffentlichung, die mir vor die Augen oder unter die Griffel kommt.
Montag, 12. März 2012
Donnerstag, 8. März 2012
Habemus Papam – Ein Papst büxt aus
Diese Tragikomödie beschäftigt sich mit der Wahl eines Papstes, der sich seinem Amt nicht gewachsen fühlt und wie die Welt damit umgeht. Per Definition hat der Film dabei tragische und lustige Elemente, aber es überwiegt doch die Nachdenklichkeit.
Doch einige, um nicht zu sagen viele, Kardinäle wollen gar nicht selbst Papst werden, denn auf diesem hohen Amt lastet doch eine große Würde und Verantwortung. So ist es doch nicht verwunderlich, dass der Außenseiter Kardinal Melville nach seiner Wahl diese erstmal annimmt, aber dann doch Zweifel bekommt und kurz vor der Verkündung auf dem Petersdom zusammen bricht.
Er wandert rastlos umher, ist in Gedanken versunken und scheint sich erst langsam der Tiefe seiner Situation bewusst zu werden. Ein hinzugezogener Psychoanalytiker versucht mit ihm zu reden, aber ohne konkreten Erfolg. Wie auch, wenn einige Dutzend Kardinäle und der Sekretär des Papstes ihm über die Schulter schauen und sein Fragenspektrum einschränken? Und so wandert der neue, unverkündete Papst umher, teilweise auch außerhalb des Vatikans, und versucht sich zu finden oder anderweitig klarzukommen.
Und genau bei diesem ziellosen Umherstreifen entkommt Melville seinen ständigen vatikanischen Schatten. Er quartiert sich in einem Hotel ein, redet mit den dortigen Schauspielern eines kleinen Theaters und man sieht ihm an, dass er langsam anfängt sich besser zu fühlen.
Der Sekretär des Vatikans verschleiert unterdessen die Flucht des Papstes und lässt einen Schweizergardisten in dessen Wohnung die Vorhänge rascheln und dergleichen um den Eindruck von Anwesenheit zu erwecken. Die Kardinäle sind derweil nach wie vor im Vatikan, da das Konklave bis zur Verkündung des Papstes andauert. Die Langeweile treibt wiederum seltsame Blüten, so organisiert beispielsweise der Psychoanalytiker ein Volleyballturnier, um den Papst auzuheitern...
Somit stell sich die Frage, ist man lieber Schaf, Schäfer oder Leitbock?
Und in all dem schwebt ständig der Hintergrund des Glaubens, sowohl an den Papst als auch den Christengott, und die Hoffnung auf eine Genesung des Papstes.
Mir persönlich hat der Film gefallen, aber mich faszinieren auch traditionsverfangene Gesellschaften, und mit ihren zweitausend Jahren gehört die katholische Kirche problemlos dazu. Die tollen Hüte haben natürlich auch nicht geschadet :D
Davon abgesehen bietet der Film einen interessanten Einblick in den Vatikan und irgendwo resonierte der melancholische Ton des Films mit mir. Ich mag sowas, irgendwie.
Titel: Habemus Papam – Ein Papst büxt aus
Regie: Nanni Moretti
Länge: 105 Minuten
Inhalt
Der Papst ist tot. Wie jedes Mal nach dem Tod des Oberhauptes der katholischen Kirche tritt das Konklave zusammen, in welchem alle Kardinäle zusammen kommen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit den neuen Papst wählen. Wie üblich gibt es einige Favoriten - hochgehandelte Kandidaten, welche für eine Wahl in Betracht kommen.Doch einige, um nicht zu sagen viele, Kardinäle wollen gar nicht selbst Papst werden, denn auf diesem hohen Amt lastet doch eine große Würde und Verantwortung. So ist es doch nicht verwunderlich, dass der Außenseiter Kardinal Melville nach seiner Wahl diese erstmal annimmt, aber dann doch Zweifel bekommt und kurz vor der Verkündung auf dem Petersdom zusammen bricht.
Er wandert rastlos umher, ist in Gedanken versunken und scheint sich erst langsam der Tiefe seiner Situation bewusst zu werden. Ein hinzugezogener Psychoanalytiker versucht mit ihm zu reden, aber ohne konkreten Erfolg. Wie auch, wenn einige Dutzend Kardinäle und der Sekretär des Papstes ihm über die Schulter schauen und sein Fragenspektrum einschränken? Und so wandert der neue, unverkündete Papst umher, teilweise auch außerhalb des Vatikans, und versucht sich zu finden oder anderweitig klarzukommen.
Und genau bei diesem ziellosen Umherstreifen entkommt Melville seinen ständigen vatikanischen Schatten. Er quartiert sich in einem Hotel ein, redet mit den dortigen Schauspielern eines kleinen Theaters und man sieht ihm an, dass er langsam anfängt sich besser zu fühlen.
Der Sekretär des Vatikans verschleiert unterdessen die Flucht des Papstes und lässt einen Schweizergardisten in dessen Wohnung die Vorhänge rascheln und dergleichen um den Eindruck von Anwesenheit zu erwecken. Die Kardinäle sind derweil nach wie vor im Vatikan, da das Konklave bis zur Verkündung des Papstes andauert. Die Langeweile treibt wiederum seltsame Blüten, so organisiert beispielsweise der Psychoanalytiker ein Volleyballturnier, um den Papst auzuheitern...
Gedanken
Wie würde man selbst mit solch einer Bürde umgehen? Nicht unbedingt Papst, obgleich dieses Schicksal theoretisch jeden gläubigen männlichen Katholiken ereilen kann, sondern eine verantwortungsvolle, führende und leitende Position einzunehmen. Nicht viele, um nicht zu sagen nur wenige, sind mit den dazu nötigen Fähigkeiten ausgestattet, und haben dazu noch einen Charakter, der ihnen die Nutzung dieser erlaubt.Somit stell sich die Frage, ist man lieber Schaf, Schäfer oder Leitbock?
Und in all dem schwebt ständig der Hintergrund des Glaubens, sowohl an den Papst als auch den Christengott, und die Hoffnung auf eine Genesung des Papstes.
Mir persönlich hat der Film gefallen, aber mich faszinieren auch traditionsverfangene Gesellschaften, und mit ihren zweitausend Jahren gehört die katholische Kirche problemlos dazu. Die tollen Hüte haben natürlich auch nicht geschadet :D
Davon abgesehen bietet der Film einen interessanten Einblick in den Vatikan und irgendwo resonierte der melancholische Ton des Films mit mir. Ich mag sowas, irgendwie.
Titel: Habemus Papam – Ein Papst büxt aus
Regie: Nanni Moretti
Länge: 105 Minuten
Mittwoch, 29. Februar 2012
Air Force Blues
Kurzgesagt: Top Gun, bloß ein wenig hirnloser und realistischer, für variierende Werte von realistisch (und hirnlos).
An und für sich ist Air Force Blue, kurz AFBlues, ein Webcomic über den Alltag eines Kampfflugzeugpiloten in seinem Geschwader, der es reihenweise raushängen lässt, sozusagen, dass er eine F-15 fliegt und somit selbstverständlich in der militärischen Nahrungskette ganz oben steht. Ja, das schließt seiner Meinung nach höherrangige Offiziere mit ein.
Im Verlauf des Comics wird der Hauptcharakter, Ken "Barbie" Dahl, auch noch zum Offizier befördert wird, was für Egozentriker nie wirklich gut ist. Sein Nemesis ist der Portepeeträger Coffmann, die beiden verbindet ein Hass-Hass (statt der üblichen Hassliebe), worunter Barbie's Rektum zu leiden hatte, sozusagen.
Womit wir gleich zu einem weiteren Punkt zu stehen kommen, sozusagen, den militärischen Sprachgebrauch und Injokes, welche sich Nichtmilitärischen nicht ohne weiteres erschließen werden. Dabei hat der Autor Farva schon einiges an Zugeständnissen gemacht, wie er bei einem Strip beweist, der für normale Menschen, welche den Aküfi (Abkürzungsfimmel) von Militärs nicht kennen, unleserlich ist.
Genauso werden alle Air-Force-Stereotype persifliert - Barbie ist im Prinzip der Zusammenguss aller Vorurteile über Kampfflugzeugpiloten, es wird über AWACs-Flieger (die Flugzeuge mit dem Rotationskeks auf'm Rücken) hergezogen, der Stützpunktshop verflucht und allgemein links und rechts eingedroschen, wo es nötig ist (also überall).
Es ist schon fast seltsam, dass die Air Force niemanden wegen dieser gewissermaßen Respektlosigkeit in die Mangel genommen hat, aber ich begrüße das. Schließlich muss man ja auch über sich selbst lachen können.
Alles in allem ist der Webcomic recht nett, aber lohnt sich wohl nur wirklich, wenn man selbst dient und daher die vielen Klischees und den Slang kennt.
Titel: Air Force Blues(Link: http://www.afblues.com/wordpress/)
Autor: Farva
Anzahl: hunderte, alle farbig
Zyklus: variabel, ehemals 3-5x pro Woche, z.Z. auf Sparflamme
Sprache: Englisch
Übrigens macht Farva noch ein paar weitere Comics, auch militärisch, aber die müsst ihr selber finden :P
An und für sich ist Air Force Blue, kurz AFBlues, ein Webcomic über den Alltag eines Kampfflugzeugpiloten in seinem Geschwader, der es reihenweise raushängen lässt, sozusagen, dass er eine F-15 fliegt und somit selbstverständlich in der militärischen Nahrungskette ganz oben steht. Ja, das schließt seiner Meinung nach höherrangige Offiziere mit ein.
Im Verlauf des Comics wird der Hauptcharakter, Ken "Barbie" Dahl, auch noch zum Offizier befördert wird, was für Egozentriker nie wirklich gut ist. Sein Nemesis ist der Portepeeträger Coffmann, die beiden verbindet ein Hass-Hass (statt der üblichen Hassliebe), worunter Barbie's Rektum zu leiden hatte, sozusagen.
Womit wir gleich zu einem weiteren Punkt zu stehen kommen, sozusagen, den militärischen Sprachgebrauch und Injokes, welche sich Nichtmilitärischen nicht ohne weiteres erschließen werden. Dabei hat der Autor Farva schon einiges an Zugeständnissen gemacht, wie er bei einem Strip beweist, der für normale Menschen, welche den Aküfi (Abkürzungsfimmel) von Militärs nicht kennen, unleserlich ist.
Genauso werden alle Air-Force-Stereotype persifliert - Barbie ist im Prinzip der Zusammenguss aller Vorurteile über Kampfflugzeugpiloten, es wird über AWACs-Flieger (die Flugzeuge mit dem Rotationskeks auf'm Rücken) hergezogen, der Stützpunktshop verflucht und allgemein links und rechts eingedroschen, wo es nötig ist (also überall).
Es ist schon fast seltsam, dass die Air Force niemanden wegen dieser gewissermaßen Respektlosigkeit in die Mangel genommen hat, aber ich begrüße das. Schließlich muss man ja auch über sich selbst lachen können.
Alles in allem ist der Webcomic recht nett, aber lohnt sich wohl nur wirklich, wenn man selbst dient und daher die vielen Klischees und den Slang kennt.
Titel: Air Force Blues(Link: http://www.afblues.com/wordpress/)
Autor: Farva
Anzahl: hunderte, alle farbig
Zyklus: variabel, ehemals 3-5x pro Woche, z.Z. auf Sparflamme
Sprache: Englisch
Übrigens macht Farva noch ein paar weitere Comics, auch militärisch, aber die müsst ihr selber finden :P
Samstag, 25. Februar 2012
Cheyenne – This Must Be the Place
Sean Penn explodiert.
Neben dem Pfeffer aus der gleichnamigen Region ist Cheyenne auch noch ein in die Jahre gekommener Gothmusiker, der seinen letzten Bühnenauftritt vor zwanzig Jahren hatte und vor dreißig das letzte Mal mit seinem Vater gesprochen hat. Und irgendwie veranlasst der Tod des letzteren ihn dazu, sich auf eine Art Selbstfindungsreise zu begeben.
Doch beginnen wir von vorne...
Der Film beginnt damit, das Leben von Cheyenne zu zeigen, einem verblassten Stern am Musikhimmel, der ein kleines Dutzend Neurosen hat, sich seinem Goth-Stil entsprechend schminkt, in einer Villa mit leerem Pool lebt und an sich im normalen Leben angekommen ist. Seine Tage besteht aus Tiefkühlpizza und seiner Frau, regelmäßigen Besuchen auf dem Friedhof um gestorbenen Fans zu gedenken und Schuldgefühle zu lindern, Einkäufen im Einkaufszentrum und allgemein einem eher bürgerlichen Leben.
Wie sollte es auch anders sein, hat Cheyenne sich doch bereits vor zwanzig Jahren nach dem Selbstmord zweier Fans aus dem Showbusiness zurückgezogen. Seine Freunde sind in etwa genauso skurril wie er – der übergewichtige Arschlochgigolo, oder auch die mit seiner Karriere besser vertraute jugendliche Fannin (oder wie auch immer die weibliche Form von "Fan" lautet).
Als sein Vater im Sterben liegt, macht er sich unverzüglich per Schiff auf (er hat Flugangst) nach Amerika und kommt zu spät (ein Ozeanriese ist nun Mal kein Schnellschiff). Von einem Verwandten erfährt Cheyenne, dass sein Vater Zeit seines Lebens nach seinem Peiniger aus Auschwitz gesucht hat und macht sich auf die Suche nach ihm, anscheinend weil er gerade nichts besseres zu tun hat.
Dies artet in eine Art Roadtrip aus, mit den typischen dazu gehörigen Stilelementen, aber immer im Hinterkopf mit dem Ziel vor Augen, den Nazi ausfindig zu machen.
Dabei trifft er gleichermaßen auf normale wie schräge Vögel – die allein erziehende, im Diner arbeitende Mutter, der künstlerische Tätowierer, ein autoverliebter Yuppie. Und gerade die Interaktion von Cheyenne mit diesen Charakteren macht das ganze so verdammt sehenswert, man will einfach sehen und hören, wie Kopfschuss Cheyenne mit diesen Menschen umgeht.
Der Film ist ein bisschen seltsam, aber ich glaube, dass ich das zu jedem Film sage, von daher sagt das nicht viel. Er wird getragen durch den wunderbar gespielten Cheyenne, der ständig wirkt, als hätte er Methadon geschnieft (er hat Angst vor Spritzen). Dabei ist er wunderbar zitierbar und es wird schnell klar, dass Cheyenne selbst gar nicht so recht weiß, was er mit sich anstellen soll, dass er kein Ziel hat und nicht lebt sondern nur vegetiert. Und während manch ein Mann in seinem Alter in eine Midlifecrisis rutscht und sich eine Porsche oder Geliebte zulegt, lernt Cheyenne mit Verantwortung umzugehen und wie es ist, dreißig Jahren nach der Pubertät erwachsen zu werden.
Ich finde es seltsam, dass ich die deutsche Synchronisation von Cheyenne sogar noch besser finde als das Original, denn in der Übersetzung klingt er noch ein bisschen verlorener als er ohnehin schon ist. Schade, dass die Synchronstudios immer noch nicht auf den Trichter gekommen sind, Akzente wie die von der jüdischen Familie im Original umzusetzen.
Titel: Cheyenne – This Must Be the Place
Regie: Paolo Sorrentino
Länge: 119 Minuten
Neben dem Pfeffer aus der gleichnamigen Region ist Cheyenne auch noch ein in die Jahre gekommener Gothmusiker, der seinen letzten Bühnenauftritt vor zwanzig Jahren hatte und vor dreißig das letzte Mal mit seinem Vater gesprochen hat. Und irgendwie veranlasst der Tod des letzteren ihn dazu, sich auf eine Art Selbstfindungsreise zu begeben.
Doch beginnen wir von vorne...
Der Film beginnt damit, das Leben von Cheyenne zu zeigen, einem verblassten Stern am Musikhimmel, der ein kleines Dutzend Neurosen hat, sich seinem Goth-Stil entsprechend schminkt, in einer Villa mit leerem Pool lebt und an sich im normalen Leben angekommen ist. Seine Tage besteht aus Tiefkühlpizza und seiner Frau, regelmäßigen Besuchen auf dem Friedhof um gestorbenen Fans zu gedenken und Schuldgefühle zu lindern, Einkäufen im Einkaufszentrum und allgemein einem eher bürgerlichen Leben.
Wie sollte es auch anders sein, hat Cheyenne sich doch bereits vor zwanzig Jahren nach dem Selbstmord zweier Fans aus dem Showbusiness zurückgezogen. Seine Freunde sind in etwa genauso skurril wie er – der übergewichtige Arschlochgigolo, oder auch die mit seiner Karriere besser vertraute jugendliche Fannin (oder wie auch immer die weibliche Form von "Fan" lautet).
Als sein Vater im Sterben liegt, macht er sich unverzüglich per Schiff auf (er hat Flugangst) nach Amerika und kommt zu spät (ein Ozeanriese ist nun Mal kein Schnellschiff). Von einem Verwandten erfährt Cheyenne, dass sein Vater Zeit seines Lebens nach seinem Peiniger aus Auschwitz gesucht hat und macht sich auf die Suche nach ihm, anscheinend weil er gerade nichts besseres zu tun hat.
Dies artet in eine Art Roadtrip aus, mit den typischen dazu gehörigen Stilelementen, aber immer im Hinterkopf mit dem Ziel vor Augen, den Nazi ausfindig zu machen.
Dabei trifft er gleichermaßen auf normale wie schräge Vögel – die allein erziehende, im Diner arbeitende Mutter, der künstlerische Tätowierer, ein autoverliebter Yuppie. Und gerade die Interaktion von Cheyenne mit diesen Charakteren macht das ganze so verdammt sehenswert, man will einfach sehen und hören, wie Kopfschuss Cheyenne mit diesen Menschen umgeht.
Der Film ist ein bisschen seltsam, aber ich glaube, dass ich das zu jedem Film sage, von daher sagt das nicht viel. Er wird getragen durch den wunderbar gespielten Cheyenne, der ständig wirkt, als hätte er Methadon geschnieft (er hat Angst vor Spritzen). Dabei ist er wunderbar zitierbar und es wird schnell klar, dass Cheyenne selbst gar nicht so recht weiß, was er mit sich anstellen soll, dass er kein Ziel hat und nicht lebt sondern nur vegetiert. Und während manch ein Mann in seinem Alter in eine Midlifecrisis rutscht und sich eine Porsche oder Geliebte zulegt, lernt Cheyenne mit Verantwortung umzugehen und wie es ist, dreißig Jahren nach der Pubertät erwachsen zu werden.
Ich finde es seltsam, dass ich die deutsche Synchronisation von Cheyenne sogar noch besser finde als das Original, denn in der Übersetzung klingt er noch ein bisschen verlorener als er ohnehin schon ist. Schade, dass die Synchronstudios immer noch nicht auf den Trichter gekommen sind, Akzente wie die von der jüdischen Familie im Original umzusetzen.
Titel: Cheyenne – This Must Be the Place
Regie: Paolo Sorrentino
Länge: 119 Minuten
Labels:
2. Weltkrieg,
20. Jh,
Charaktergetrieben,
Drama,
Drogen,
England,
Film,
Gegenwart,
Melancholie,
Musik,
Nazi,
Reife,
Roadmovie,
USA
Mittwoch, 15. Februar 2012
Ed Stories
Ed Stories ist der Titel eine Sammlung von Kurzgeschichten von Sam Hughes, die von den Eskapaden und Erfindungen von Sam und Ed erzählt. Sam erzählt dabei aus der Ich-Perspektive die Handlung, während Ed der Anlass zur selbigen ist, denn Ed ist das, was man im allgemeinen als Bastler bezeichnen würde.
Mit dem Unterschied, das seine Basteleien Hochleistungsteilchenbeschleuniger sprengen oder Ed aus Versehen das Administratorpasswort für unser Universum heraus findet.
Die Geschichten sind wie schon gesagt sehr kurz und episodenhaft gehalten, im späteren Verlauf baut Hughes sie allerdings um Handlungsbögen auf. Die Eingangs erwähnten Außerirdischen tauchen wieder auf, die Bedrohung durch sie nimmt zu, und es kommen Zeitreisen ins Spiel.
Gefallen hat mir der legere Ton, mit dem all das geschieht und beschrieben wird, und obgleich es später dramatischer wird, bleibt die Lockerheit irgendwie bestehen. Es liest sich ehrlich gesagt ein bisschen wie Arthur C. Clarke, das gefällt mir. Wer also mit dessen Werken was anfangen kann, wird dem Sam/Ed-Duo wahrscheinlich auch etwas abgewinnen können.
Titel: Ed Stories (http://qntm.org/ed, Everything2.com, Zeitstrahl der Ed Stories)
Autor: Sam Hughes
Länge: 36.000 Worte (abgeschlossen)
Sprache: Englisch (mittel)
Sam Hughes (der Autor) hat noch ein paar andere Geschichten auf seiner Webseite, in welche man problemlos reinschnuppern kann, insbesondere Fine Structures, zu welchen ich bei Gelegenheit noch etwas schreiben werde.
Mit dem Unterschied, das seine Basteleien Hochleistungsteilchenbeschleuniger sprengen oder Ed aus Versehen das Administratorpasswort für unser Universum heraus findet.
Ed seems to have been stamped directly from the comic-book mad scientist mould - last week he raised an Amiga 500 to sentience (although it took us a while to notice; it thinks darned slowly).Kurz gesagt, Ed holt gerne die Science Fiction in den Bereich der Realität - in seiner Schublade sind Designs für funktionierende Zeitmaschinen, riesige Roboter und was es sonst noch so alles gibt. Das kommt Sam und Ed sehr gelegen, als just nach der Fertigstellung des Riesenroboters eine Flotte von Außerirdischen über die Erde herfällt und mit gewissem Erfolg durch die beiden zurückgedrängt werden kann. Als das Militär die Invasoren selbst nicht zurückschlagen kann und Ed sein Baby auf eine Spritz- und Zerstörungstour schickt, werden die Lamettaträger mit einem Mal hellhörig und erwerben die Designs.
Ed schien direkt aus der Form gegossen worden zu sein, die man auch für die verrückten Wissenschaftler aus Comicbooks verwendete - letzte Woche hat er in seinem Amiga 500 eine KI erschaffen (obwohl wir eine weile brauchten um das zu bermerken, diese Teile sind verflixt lahm).
Die Geschichten sind wie schon gesagt sehr kurz und episodenhaft gehalten, im späteren Verlauf baut Hughes sie allerdings um Handlungsbögen auf. Die Eingangs erwähnten Außerirdischen tauchen wieder auf, die Bedrohung durch sie nimmt zu, und es kommen Zeitreisen ins Spiel.
Gefallen hat mir der legere Ton, mit dem all das geschieht und beschrieben wird, und obgleich es später dramatischer wird, bleibt die Lockerheit irgendwie bestehen. Es liest sich ehrlich gesagt ein bisschen wie Arthur C. Clarke, das gefällt mir. Wer also mit dessen Werken was anfangen kann, wird dem Sam/Ed-Duo wahrscheinlich auch etwas abgewinnen können.
Titel: Ed Stories (http://qntm.org/ed, Everything2.com, Zeitstrahl der Ed Stories)
Autor: Sam Hughes
Länge: 36.000 Worte (abgeschlossen)
Sprache: Englisch (mittel)
Sam Hughes (der Autor) hat noch ein paar andere Geschichten auf seiner Webseite, in welche man problemlos reinschnuppern kann, insbesondere Fine Structures, zu welchen ich bei Gelegenheit noch etwas schreiben werde.
Labels:
20. Jh,
21. Jh,
Außerirdische,
Englisch,
Gegenwart,
Ich-Erzähler,
Science Fiction,
Webnovel,
Weltraum,
Weltraumoper,
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